STRATEC-CEO Wolfinger: Unsere Pipeline ist prall gefüllt

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1 MANAGEMENT I N T E R V I E W IM INTERVIEW Marcus Wolfinger Vorsitzender des Vorstands STRATEC-CEO Wolfinger: Unsere Pipeline ist prall gefüllt Das dritte Quartal begann für den TecDAX-Konzern STRATEC Biomedical mit einem Schock: Der langjährige Partner Abbott war nach fast vierjähriger gemeinsamer Entwicklungsarbeit an einem Analysensystem überraschend aus dem Projekt ausgestiegen. STRATEC hat mit einer Anpassung seiner mittelfristigen Umsatz- und Gewinnprognose auf die neue Situation reagiert. Dass es sich dabei um einen Einzelfall handelt, der nicht das komplette Geschäftsmodell infrage stellt, verrät STRATEC-Vorstandschef Marcus Wolfinger im Interview mit financial.de. Er sieht sogar eine Beschleunigung des Outsourcing-Trends. Interview STRATEC financial.de: Herr Wolfinger, STRATEC hat seine Halbjahreszahlen 2013 veröffentlicht. Während der Umsatz um Sondereffekte bereinigt um 8 Prozent zulegte, sank der operative Gewinn auf EBIT-Basis um 11 Prozent. Wie fällt Ihr Fazit für das erste Halbjahr aus? Marcus Wolfinger: Mein Fazit fällt zweigeteilt aus. Auf der einen Seite haben wir operativ gut performt. Wenn man das gesamte bisherige Geschäftsjahr bis zum heutigen Tag heranzieht, waren wir jedoch auch mit zwei Sondersituationen konfrontiert, die in dieser Form unerwartet für uns kamen und zum Teil auch Auswirkungen auf unsere Gewinn- und Verlustrechnung hatten. So hat 1

2 ein Hochwasserschaden an unserem Standort Birkenfeld im Juni zu Liefer- und Leistungsverzögerungen im Volumen von rund drei Mio. Euro geführt. Dass wir trotzdem um acht Prozent wachsen konnten, zeigt unsere hervorragende Marktposition. Der im Juli bekanntgegebene Verlust eines Kundenauftrags belastet zwar kurzfristig nicht unser Ergebnis, er limitiert jedoch unser Wachstum in den kommenden zwei bis drei Jahren auf voraussichtlich 8 bis 12 Prozent. Unsere ursprüngliche Planung war hier etwas ambitionierter. financial.de: Gab es neben dem genannten Wasserschaden weitere Gründe für die von 17,1 auf 14,1 Prozent rückläufige EBIT-Marge im ersten Halbjahr? Marcus Wolfinger: Wenn man nicht das erste Halbjahr 2012 als Vergleichsmaßstab heranzieht, sondern das letzte Halbjahr bzw. das letzte Quartal 2012, in dem unsere EBIT-Marge auf unter 12 Prozent gesunken war, kann man insbesondere im zweiten Quartal 2013 einen Aufwärtstrend erkennen. Vor diesem Hintergrund sind wir durchaus zufrieden mit dem erreichten Ergebnis. Die rückläufige EBIT-Marge im Vergleich zum Vorjahreszeitraum hat ihre Ursache in erster Linie in rückläufigen Arztbesuchen und einem daraus resultierenden niedrigeren Labortestvolumen, der sich in einem niedrigeren Absatz unserer Verbrauchsmaterialien niedergeschlagen hat. Dieser Effekt allein belastet unsere Ergebnismarge mit rund 2 Prozentpunkten. financial.de: Müssen sich STRATEC-Aktionäre jetzt auf dauerhaft niedrigere Gewinnmargen einstellen oder sehen wir hier einen temporären Effekt? Marcus Wolfinger: Aus Vorsichtsgründen haben wir die EBIT-Prognose für das aktuelle Geschäftsjahr 2013 auf 14,0 bis 15,5 Prozent zurückgenommen. Wir Die Nachfrage nach Analysensystemen aus dem Hause STRATEC ist ungebrochen. Bis Ende 2014 bringt der TecDAX-Konzern vier weitere Systeme auf den Markt. Zudem befinden sich bereits zwei weitere Systeme für den Zeitraum 2015/16 in Entwicklung 2

3 gehen jedoch davon aus, dass die Auslastung unserer im Einsatz befindlichen Analysensysteme mittelfristig wieder steigt, mit entsprechend positiven Auswirkungen auf das Serviceteilegeschäft und damit auf die EBIT-Marge. financial.de: Sehen Sie durch die überraschende Vertragsbeendigung durch Ihren Kunden Abbott Diagnostics Ihr Geschäftsmodell generell in Frage gestellt? Marcus Wolfinger: Überhaupt nicht. Der aktuelle Auftragsverlust ist nicht auf Fehlleistungen von STRATEC zurückzuführen. Dies war eine strategische Entscheidung des Kunden, der keine Beanstandungen in den Bereichen Zuverlässigkeit, Performancedaten oder Termintreue zugrunde liegen. Diese Vertragsbeendigung betraf zudem ein einzelnes Projekt. Wir kooperieren mit dem genannten Kunden auch noch bei zwei weiteren Projekten, die von dieser strategischen Entscheidung nicht betroffen sind. Unsere Pipeline ist prall gefüllt. Unsere Entwicklungsabteilung ist bereits heute bis 2014 ausgelastet. financial.de: Ist zu befürchten, dass weitere Kunden bereits abgeschlossene Verträge kündigen? Marcus Wolfinger: Bei der jetzt erfolgten Kündigung, übrigens der ersten in der STRATEC-Historie in diesem fortgeschrittenen Entwicklungsstadium, hatten wir keine Vorausindikation. Vor diesem Hintergrund können wir an dieser Stelle kein Versprechen abgeben, dass ein vergleichbarer Fall in Zukunft nicht erneut auftreten wird. Nach menschlichem Ermessen und vor dem Hintergrund einer eingehenden Analyse unserer weiteren Kundenbeziehungen ist ein ähnlicher Fall in absehbarer Zukunft jedoch nahezu ausgeschlossen. financial.de: Welche Fortschritte machen Sie bei der Gewinnung neuer Kunden? Oder ist innerhalb der IVD-Industrie ein Ende des Outsourcing-Trends zu beobachten? Marcus Wolfinger: Ein Ende des Outsourcing-Trends ist in keiner Weise erkennbar. Wer käme auf die Idee, dass BMW wieder anfängt, Klimaanlagen oder ABS-Steuergeräte zu entwickeln? Die großen Diagnostikkonzerne können sich gar nicht mehr auf die Entwicklungsarbeit konzentrieren, die wir für sie leisten. Der Outsourcing-Trend ist nicht umkehrbar. Bis Ende 2014 bringen wir vier weitere Systeme auf den Markt. Darüber hinaus haben wir bereits zwei weitere Systeme für den Zeitraum 2015/16 in Entwicklung, zusätzlich zu denen, die wir aktuell verhandeln. Vor diesem Hintergrund würde ich sogar von einer Beschleunigung des Outsourcing-Trends sprechen. financial.de: Kommen wir zurück zum laufenden Geschäftsjahr: Welche Erwartungen haben Sie an das zweite Halbjahr? Marcus Wolfinger: Bis Ende des Jahres bringen wir mindestens zwei neue Analysensysteme auf den Markt. Hinzu kommen so genannte Follow-up-Launches, 3

4 bei denen bestehende Systeme in weiteren Märkten eingeführt werden. Zudem stehen wir vor einigen sehr wichtigen Meilensteinen in der Entwicklung mit neuen Kunden. In Summe rechnen wir mit einem stärkeren zweiten Halbjahr, dies zeigt auch unsere aktuelle Prognose für das Gesamtjahr. Der Umsatz im zweiten Halbjahr wird nach heutiger Einschätzung um mindestens acht Mio. Euro höher liegen als in der ersten Jahreshälfte. Diese Prognose ist durch die Vorschaurechnungen unserer Kunden abgedeckt und daher sehr realistisch. financial.de: Sie sprechen die Prognose an, Sie haben Umsatzerlöse in Höhe von 127 bis 138 Mio. Euro in Aussicht gestellt. Wie erklärt sich diese relativ große Spanne? Marcus Wolfinger: Wir beobachten derzeit größere Schwankungen bei den Abnahmevorschaurechnungen unserer Kunden, was sich wiederum in einer geringeren Planungssicherheit für STRATEC auswirkt. Die Verunsicherung in gewissen Teilmärkten wie USA und Südeuropa bildet sich hier in einer größeren Bandbreite ab. Auf seriöser Basis sind wir gezwungen, die größeren Spannen, die uns von unseren Kunden genannt werden, auch in unsere Prognose einzubeziehen. financial.de: Was sind aus Ihrer Sicht die Gründe für die größeren Schwankungen in den Abnahmeprognosen Ihrer Kunden? Marcus Wolfinger: Die Gründe sind unterschiedlicher Natur. Im US-Markt sehen wir einen Zusammenhang mit der Arbeitslosenquote bzw. der zunehmenden Verunsicherung über einen möglichen Arbeitsplatzverlust mit sinkenden Vorsorgekosten. Eine ähnliche Situation ist in Südeuropa zu beobachten. Hinzu kommen z. B. in Südamerika staatliche Eingriffe in den Markt, mit dem Ziel die Kosten im Gesundheitssystem einzudämmen. financial.de: Die Vertragsbeendigung durch Abbott hat ein kleines Kursbeben ausgelöst. Mit welchen Maßnahmen wollen Sie das Vertrauen der Investoren zurückgewinnen? Marcus Wolfinger: Für uns stehen Transparenz und Zuverlässigkeit an erster Stelle. Dass sich nach der Meldung über die Vertragsbeendigung einzelne Investoren überrascht und enttäuscht zeigten, können wir nachvollziehen. Auch wir hatten keine Indikation für diese Entwicklung. Wir sind jedoch überwiegend auf Verständnis gestoßen. Die Mehrheit der Investoren hat erkannt, dass STRATEC für diese strategische Entscheidung des Kunden nicht verantwortlich ist und dass es sich dabei um einen absoluten Einzelfall handelt. Im Gegenzug ermöglicht der Kursrutsch Investoren, die uns seit Längerem beobachten und auf günstigere Kurse gewartet haben, einen attraktiven Einstieg.?? financial.de: Die Analysten sind sich derzeit uneins über den fairen Wert der STRATEC-Aktie. Während die DZ Bank ein Kursziel von 26 Euro ausgibt, sieht 4

5 die Commerzbank den fairen Wert bei 33 Euro. Warum sollten Anleger jetzt in STRATEC-Aktien investieren? Marcus Wolfinger: Die aktuelle Entwicklung eröffnet Anlegern eine neue Chance. Wenn wir unsere Versprechen halten, bin ich zuversichtlich, dass sich der Kurs nicht nur auf dem jetzigen Niveau stabilisieren, sondern auch weiter erholen wird. STRATEC ist und bleibt ein profitables Wachstumsunternehmen. Der Markt per se stimmt, das Set-up im Unternehmen und auch die Strategie stimmen. Wir können zuversichtlich nach vorne blicken! financial.de: Herr Wolfinger, besten Dank für das Interview. STRATEC steht vor einem starken zweiten Halbjahr. Bis Jahresende sollen mindestens zwei neue Analysensysteme gelauncht werden. Hinzu kommen so genannte Follow-up- Launches, bei denen bestehende Systeme in weiteren Märkten eingeführt werden. Haftungsausschluss/Disclaimer: Das Interview wurde von financial.de im Auftrag und auf Veranlassung des Kunden geführt. Es dient ausschließlich zu Informationszwecken und ist keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren. Die darin getroffenen Aussagen spiegeln die Meinung des Interviewten wider, die nicht notwendigerweise der Meinung der Redaktion entspricht. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Informationen sowie für Vermögensschäden wird daher keinerlei Haftung übernommen. 5

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