Akademisierung der nicht medizinischen Gesundheitsfachberufe Einführung zur Diskussion

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1 Akademisierung der nicht medizinischen Gesundheitsfachberufe Einführung zur Diskussion FHM Symposium Dr. Schwester: Akademisierung der medizinischen Fachberufe Die Zukunft des Gesundheitssystems? Fachhochschule des Mittelstands Bielefeld, 28. November 2013 Uwe Borchers, Geschäftsführer, ZIG Zentrum für Innovation in der Gesundheitswirtschaft OWL, Bielefeld ZIG Partnerschaften für Gesundheit und Gesundheitswirtschaft in OWL 1

2 Arbeitsmarkt Gesundheit 83% der Beschäftigten sind Frauen (2010) Anteil Beschäftigte in Teilzeit: 32% (2010) Zunahme Vollzeitbeschäftigte: + 6% ( ) Zunahme Teilzeitbeschäftigung: +70% ( ) Zunahme geringfügige Beschäftigung: + 33% ( ), davon 62% ausschließlich geringfügig beschäftigt Im Krankenhaus steigender Anteil Ärztinnen, Personalabbau in der Pflege Hohe Varianz im Anteil weiblicher Beschäftigter zwischen den Gesundheitsberufen (PTA: 87%, MFA: 99%, Gesundheits- und Krankenpflege & Hebammen: 86%, Zahntechnikerinnen: 57%) Quelle: Bundesagentur für Arbeit (2011) Der Arbeitsmarkt in Deutschland; Gesundheits- und Pflegeberufe in Deutschland, Nürnberg Anzahl der Beschäftigten in der Pflege Zuwachs Beschäftigte Zuwachs VZÄ Anzahl VZÄ Anzahl VZÄ absolut relativ absolut relativ Gesundheits- / Krankenpfleger Helfer in der Krankenpflege ,18% ,71% ,30% ,27% Altenpfleger ,36% ,50% Insgesamt ,40% ,50% Quelle: Haemel / Schaeffer 2012 (Statistisches Bundesamt 2010, 2011; Datenbasis: Gesundheitspersonalrechnung; eigene Berechnungen) 2

3 Prognosen zum Fachkräftemangel in der Pflege Autor (Jahr) Afentakis/ Maier (2010) Ostwald et al. (2010)*** (pwc/wifor) Hackmann (2010) VBW/Prognos (2012) pwc/wifor (2012) Versorgungseinrichtungen Krankenhäuser, amb./stat. Pflege amb./stat. Gesundheitswesen Beruf Status Morbidität Gesundheits-/ Krankenpfleger, Helfer in der KP, Altenpfleger Gesundheits-/ Krankenpfleger Helfer in der Krankenpflege ausgebildete Pflegekräfte inkl. an- /ungelernte Altenpfleger * Status quo-prognose ** Morbiditätskompression; *** Summe aus getrennter Prognose amb./stat. Quelle: Haemel / Schaeffer 2012 Mangel an Pflegekräften VZÄ (Jahr) SQ* (2025) MK** (2025) SQ (2025) MK (2025) - k.a (2020) (2030) - k.a (2020) (2030) amb./stat. Pflege Altenpflegekräfte - SQ (2050) amb./stat. Pflege Alle Berufe und Statusgruppen SQ (2020) (2030) amb./stat, Gesundheits- und Pflegewesen Gesundheits-/ Krankenpfleger, Helfer in der KP, SQ (2020) (2030) Anteil der Hausärzte, die 60 Jahre und älter sind, an Hausärzten insges. (2007 / 2013) Quelle: Kassenärztliche Vereinigung Westfalen-Lippe 3

4 Prognosen Ärztemangel im Krankenhaus (Auswahl) Sofortbedarf in OWL: 150 Ärztinnen und Ärzte Mehrbedarf bis 2019 in OWL: 775 Ärztinnen und Ärzte Drei Viertel der Krankenhäuser in NRW haben Schwierigkeiten, freie Stellen für Ärztinnen und Ärzte zu besetzen. Knapp 60 % der Assistenzärzte in Krankenhäusern, die seit 2011 nach WL gekommen sind, kommen aus dem Ausland. Einige Agenturen haben sich bereits auf die Anwerbung ausländischer Ärztinnen und Ärzte spezialisiert, das Land NRW hat eine Projektplattform dazu aufgebaut. Quelle: DKI 2012; Ärztekammer Westfalen-Lippe 2013 Strategien gegen den Fachkräftemangel Quelle: Spiegel Online,

5 Strategien gegen den Fachkräftemangel Strategien gegen den Fachkräftemangel 5

6 Strategien gegen den Fachkräftemangel: Nachwuchsgewinnung in den Pflegeberufen Bundesweit sind 1,5 Mio. Menschen in der Pflege beschäftigt. Bis 2020 werden ca zusätzliche Pflegekräfte benötigt. Nachwuchs? 2025 müsste jeder vierte oder fünfte Schulabgänger einen pflegerischen Beruf ergreifen. Deutscher Pflegerat, 2010/2011, Berlin; bpa - Bundesverband privater Anbieter sozialer Dienste, Berlin Strategien gegen den Fachkräftemangel: Stärkere Akademisierung der Pflege (WR) Komplexität des Gesundheitswesens erfordert Reflective Practioners (wissenschaftliche Reflexion, Evidenzprüfung, Anpassung des professionellen Handelns) Grundständige Studiengänge mit dem Ziel eines zur unmittelbaren Tätigkeit am Patienten befähigenden Bachelorabschlusses Akademisierungsquote zwischen 10 und 20% eines Jahrgangs in den Pflege- und Therapieberufen und im Hebammenwesen. Schaffung neuer Studienplätze (Pflege: bis 5.400, Therapie: bis zu 1.100, Hebammenwesen: bis zu 50) Einrichtung von Masterstudiengängen (Clinical Nurse Specialist, Nurse Practicioner, Community Care Nurse; kein Ausbau für Public Health oder Gesundheitsmanagement) Interprofessionelle Vernetzung (training wards, skill labs, gemeinsame Lehre) Quelle: Wissenschaftsrat, Sommersitzungen 2012, Berlin 6

7 Akademisierung der Pflege Mehr Anerkennung, bessere Bezahlung? Die Anforderungen an den Pflegeberuf werden vielfältiger. Die Übernahme bislang ärztlicher Tätigkeiten und die Behandlung einer Vielzahl multimorbider Patienten sind für Pflegekräfte heute Alltag. Doch weder die Vergütung noch die Form der Ausbildung halten damit Schritt. Eine Akademisierung der Pflege könnte dabei helfen, das zu ändern. Hätte die Pflege den Status einer wissenschaftlichen Fachrichtung mit entsprechender Forschung und Lehre an den Hochschulen würde das eine deutliche Aufwertung nach sich ziehen. Könnten Krankenpflegerinnen und -pfleger eine akademische Ausbildung nachweisen, sollte das zu größerer Anerkennung führen sowohl ideell als auch finanziell. Akademisch ausgebildete Pflegekräfte, sogenannte Bachelor Nurses, sind in weiten Teilen Europas eine Selbstverständlichkeit. In vielen europäischen Ländern werden akademisch ausgebildete Pflegekräfte mit verantwortungsvolleren Aufgaben betraut und arbeiten unabhängiger von ärztlichen Weisungen. Diese Barrieren könnten durch eine Angleichung an europäische Standards aufgehoben werden. Eine Akademisierung böte die Chance, die Aufstiegsmöglichkeiten von Pflegekräften zu verbessern. Auch eine akademische Laufbahn wäre dann möglich. Und: Je höher die Qualifikation desto größer das Selbstbewusstsein. Krankenschwestern, aber auch Physiotherapeuten, Logopäden, Ergotherapeuten und Hebammen mit Hochschulabschluss würden eine bessere Bezahlung einfordern. Anderen Berufsgruppen, wie den Ärzten, würden sie auf Augenhöhe entgegentreten. Die überkommenen Hierarchien im Gesundheitswesen würden durch einandergewirbelt. Das wäre für die Gewerkschaft eine Chance, sich mit der Interessenvertretung einer selbstbewussten und durchsetzungsfähigen Klientel zu profilieren. Quelle: Verdi Drei, 47, August 2013 Akademisierung der Pflege Mehr Anerkennung, bessere Bezahlung? Die Arbeit der professionell Pflegenden ist extrem anspruchsvoll. Sie brauchen eine qualitativ hochwertige Ausbildung, die kontinuierlich verbessert wird. Mehr Anerkennung und eine bessere Bezahlung sind dringend geboten. Es ist aber zweifelhaft, ob uns die unter dem Stichwort»Akadmisierung«geführte Debatte diesen Zielen näher bringt. Die Gefahr besteht, dass der Schuss nach hinten los geht: Statt eine Aufwertung könnte die Verlagerung eines Teils der Pflegeausbildung an die Hochschulen eine Dequalifizierung in der Breite nach sich ziehen. So empfiehlt beispielsweise der Wissenschaftsrat, 10 bis 20 Prozent eines Jahrgangs akademisch auszubilden. Für die restlichen 80 bis 90 Prozent ist eine massive Abwertung zu befürchten zumal es keinerlei Pläne gibt, zusätzliches Geld zur Verfügung zu stellen. So ist es bereits in anderen europäischen Ländern, in denen teilweise nur noch 40 Prozent der Krankenhauspflege von qualifiziertem Fachpersonal übernommen wird. Die Gehälter der anderen sind entsprechend niedrig. Für die meisten Pflegekräfte hierzulande ist das nicht erstrebenswert. Die dreijährige Berufsausbildung in der Pflege hat sich bewährt. Auch die Wahrnehmung von Leitungsverantwortung wird am besten in der Praxis gelernt, nicht im Hörsaal. Bislang ist völlig unklar, was Pflegekräfte mit Hochschulabschluss besser oder anders können als ihre traditionell ausgebildeten Kolleginnen. Anders als im dualen System müssen Hochschüler zumeist selbst sehen, wie sie finanziell über die Runden kommen. Und dass sie nach der Abschlussprüfung mehr Geld verdienen, ist keinesfalls garantiert. Das hängt auch und vor allem von der gewerkschaftlichen Organisationsfähigkeit ab. Eine Spaltung in Pflegende erster und zweiter Klasse würde diese schwächen. Quelle: Verdi Drei, 47, August

8 Fragen zur Akademisierung: Gute Lösung oder neue Probleme? Akademisches Studium statt dualer Ausbildung? Mehr Qualität der medizinischen Versorgung durch Verwissenschaftlichung? Wer macht was? (Neue Arbeitsteilung > mehr Intransparenz?; Ausübung der Heilkunde) Finanzierung und betriebliche Kosten? Zusammenspiel oder Konkurrenz in der Berufelandschaft (Medizin, Gesundheits- und Krankenpflege, Altenpflege, Kinderkrankenpflege, Hebammenwesen, Physio-, Logo-, Ergotherapie, Sozialarbeit, ) Zusammenspiel der Qualifikationsebenen: Elitenbildung? Bildungswirtschaft: 36 Gesundheitsfachberufe 800 Gesundheitsberufe gesundheitswirtschaftliche Berufsangebote? Quelle: Evans et al.(2013) Berufsbilder im Gesundheitssektor, WISO Direkt, Friedrich Ebert Stiftung, Bonn Herausforderungen Qualität der Versorgung Mehr Patientenorientierung, bessere Arbeitsgestaltung, höhere Wirtschaftlichkeit Spezialisierung in den Arbeitsprozessen, Differenzierung der Aufgaben Delegation und/oder Substitution ärztlicher Tätigkeit Case Management Passung von Studiengängen der Hochschulen und Anforderungen in der Praxis Transparenz und Durchlässigkeit in der Aus- und Weiterbildung Nicht alle Berufsangebote werden in der Praxis aufgenommen Schärfung der Tätigkeiten und Anforderungsprofile in der beruflichen Praxis Neue Arrangements der Interessen Berufspolitik Standortpolitik Personalpolitik? Neues Arrangement der regionalen Versorgung: Value Based Health Care Der Blick ins Ausland (GB, SW, Fi, CH, ) 8

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