Requirements Engineering Tool

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1 Requirements Engineering Tool von Matti Maier im November / Dezember 2012 Zusammenfassung Bei einem Mittagessen im November diesen hres am Standort München kam die Diskussion auf warum Word und Excel die Werkzeuge der Wahl für das Anforderungsmanagement in Projekten sind. Alle waren sich einig, dass die Produkte der Microsoft Office Suite nicht ausreichend die Anforderungen des Requirements Engineering und dessen Prozesse abdecken, jedoch fehlte das Know-How und die Ressourcen für eine Lösung des Problems. In dieser Studie wird zunächst die Ausgangssituation beleuchtet um ausgehend davon die Anforderungen der einzelnen Stakeholder eines Projekts zu identifizieren und die Daten-, Prozess-, Schnittstellen- und Infrastrukturanforderungen festzulegen. Auf Grundlage der Anforderungen wird eine User Story entwickelt um Anforderungsmanagementwerkzeuge zu evaluieren. Im Anschluss wird eine Auswahl an fünf Werkzeugen getroffen, die dann genauer betrachtet werden. Die fünf Werkzeuge sind der Trend Analyst von GEBIT, IBMs Rational RequisitePro, Cockpit Professional von ARCWAY, Polarion Requirements und microtools CoreProcess Edition der in-step Familie. Abschließend folgt eine Bewertung der Tools mit Unterschieden und Gemeinsamkeiten sowie einer Empfehlung. Ein Ausblick und Anregungen zur Verbesserung runden die Studie ab. Die folgende Studie ist geistiges Eigentum von Matti Maier Internet Solutions. Eine Veröffentlichung und Verbreitung der Studie ist nur mit schriftlicher Genehmigung des Autors gestattet. Die Markenrechte der Hersteller sind zu beachten. Für die Inhalte die in diesem Dokument verlinkten Internetseiten und Dokumente wird keine Haftung übernommen. Dies ist Version 1.0 der Studie und kann noch stark verbessert werden (siehe Kapitel Bewertung, Ausblick), daher sind die Empfehlungen unter Vorbehalt zu verstehen. Eine Studie von Matti Maier November/Dezember 2012 Seite 1

2 Inhalt Zusammenfassung... 1 Einführung... 4 Ausgangssituation... 4 Alleskönner Word und Excel... 4 Zielsetzung... 5 Anforderungen... 6 Allgemein... 6 Stakeholder... 7 Management... 7 Projektleiter... 7 Projektmitglieder... 8 Kunde... 8 Daten... 9 Prozesse Schnittstellen Infrastruktur Lösungen User Story Tools GEBIT Trend Analyst IBM Rational RequisitePro ARCWAY Cockpit Polarion Requirements microtool in-step Bewertung der Lösungen Empfehlungen Ausblick Der Weg zur Einführung Zur Studie Literaturverzeichnis Abbildungsverzeichnis Appendix A: Requirements Engineering Tools Open Source Eine Studie von Matti Maier November/Dezember 2012 Seite 2

3 Standard Software Appendix B: Bewertungsmatrizen der Tools GEBIT Trend Analyst Community Edition v IBM Rational RequisitePro v ARCWAY Cockpit Professional Edition Polarion Requirements 2012 (Build: ) microtool in-step CoreProcess Edition v Appendix C: Chatprotokoll mit Polarion Eine Studie von Matti Maier November/Dezember 2012 Seite 3

4 Einführung Vor kurzem wurde in der Mittagspause die Frage aufgeworfen, warum Excel das bevorzugte Werkzeug für das Anforderungsmanagement in diversen Projekten sei. In der sich anschließenden Diskussion wurden insbesondere die allgemeine Verfügbarkeit von Excel bei den Projektbeteiligten, die einfache Bedienung sowie mangelnde Informationen über einen Ersatz bzw. die fehlenden zeitlichen Ressourcen für eine Evaluation von Alternativen als Argumente angeführt. Schließlich endete die Unterhaltung mit den Worten das wäre eine gute Aufgabe für eine Diplomarbeit. Auf Basis dieser Unterhaltung beruht die vorliegende Arbeit. Zunächst soll die Ausgangssituation analysiert werden, gefolgt von einer kurzen Analyse wo die Schwachpunkte von Word und Excel im Anforderungsmanagement sind. Darauf folgt eine Zusammenstellung von Anforderungen an ein Requirements Engineering Tool und mögliche Lösungen. Diese werden im Anschluss bewertet im Hinblick auf eine mögliche Einführung. Abschließend vervollständigt ein Ausblick die Studie. Unter Requirements-Engineering (Anforderungsanalyse) versteht man die möglichst vollständige Gewinnung und Aufzeichnung der Anforderungen an ein zu erstellendes oder zu erweiterndes System. (Hansen & Neumann, 2005) Zu den Hauptaufgaben der Anforderungsanalyse zählt die Erfassung und Beschreibung von Anforderungen sowie deren Interpretation, Priorisierung und die Erkennung von Abhängigkeiten untereinander. Außerdem sind die Projektbeteiligten zu dokumentieren sowie die vom Projekt betroffenen Prozesse, Anwendungen und Infrastruktur. Das Ziel des Anforderungsmanagement ist ein gemeinsames Verständnis über ein zu entwickelndes System zwischen Auftragnehmer und Auftraggeber zu erreichen. Zugleich dienen die resultierenden Dokumente häufig als vertragliche Basis für eine weitere Umsetzung. (Wikipedia, 2012) Ausgangssituation Um die Notwendigkeit eines Anforderungsmanagementwerkzeugs zu verdeutlichen muss die Ausgangssituation betrachtet werden. Projekte umfassen in der Regel mehrere Projektbeteiligte innerhalb und außerhalb eines Unternehmens. Eine Abstimmung zwischen den Projektbeteiligten ist unumgänglich. Vielen Dateien die mit Hilfe von s verteilt werden führen schon nach kurzer Zeit zu einer Fülle von Varianten eines Dokuments was eine effektive Bearbeitung erschwert. Abhängigkeiten zwischen Anforderungen werden häufig mit einfachen Verweisen in der Form siehe Punkt 129 beschrieben. Leicht kann es geschehen, dass Abhängigkeiten vergessen werden oder schlicht nicht ausreichend Platz oder eine geeignete Struktur für das Erfassen der Abhängigkeiten vorhanden ist. Weitere Schwierigkeiten sind die mangelnde Versionskontrolle von Anforderungen im Einzelnen und Dokumenten als Ganzes, die fehlende Nachvollziehbarkeit von Änderungen, mangelnde Zugriffskontrolle, keine Möglichkeit zwischen Dateien auf Inhalte zu referenzieren, es ist keine softwaregestützte Überprüfung möglich und die Verwendung des Dokuments im Laufe des Softwarelebenszyklus ist nur beschränkt sinnvoll, da Änderungen nicht ausreichend erfasst werden können und eine Assoziation mit Tests und Review-Ergebnissen nur mangelhaft eingepflegt werden kann. Aus diesen Erkenntnissen kann gefolgert werden, dass die Erfassung der Anforderungen als Grundstein für alle Projekte fehleranfällig, langwierig und damit kostenintensiv ist. Alleskönner Word und Excel Die Produkte Word und Excel aus der Office Suite von Microsoft sind auf nahezu allen PCs der Projektbeteiligten installiert. Dies macht die Werkzeuge besonders attraktiv, da es wenig Konvertierungs-, Kompatibilitäts- und Versionsschwierigkeiten gibt. Zusätzlich sind die Mitarbeiter an Eine Studie von Matti Maier November/Dezember 2012 Seite 4

5 die Oberfläche der Office Produkte gewöhnt und haben oftmals viel Erfahrung im Umgang mit den Produkten. Zusätzliche Kosten für weitere Softwarelizenzen entfallen und die vorhandenen Netzlaufwerke und Mail-Verteiler können als Kommunikations- und Austauschplattform genutzt werden. Leider sind der Mächtigkeit von Word und Excel im Zusammenhang mit dem Anforderungsmanagement Grenzen gesetzt. Alle oben genannten Schwierigkeiten im Rahmen der Verwendung von Dateien treffen auf diese Lösung zu. Zwar existieren mit Microsoft Sharepoint und Exchange Server sowie der Cloud-Version Office 365 Groupware Lösungen, jedoch eignen diese sich nur unwesentlich besser für das Anforderungsmanagement als die Einzelplatzlösung. Zielsetzung Ziel dieser Arbeit ist es Alternativen für die Verwendung von Word und Excel aufzuzeigen und diese anhand eines Fallbeispiels sowie auf Grundlage von Bewertungskriterien für die Praxistauglichkeit zu evaluieren. Damit die Investitionen in die Einführung und gegebenenfalls Anpassung des Requirement Engineering Tools lohnenswert ist, muss der Nutzen des Werkzeugs höher als der Aufwand sein. Explizit drückt sich der Nutzen durch eine bessere Darstellung und Verwaltung von Anforderungen dar was dazu führt, dass die Mitarbeiter sich auf die Anforderungen/Arbeit konzentrieren können und sich nicht mit den Tücken einer Anwendung auseinandersetzen müssen. Das wiederum hat zur Folge, dass die Qualität der Anforderungen und damit der Anwendung steigt. Ebenfalls können Zeiteinsparungen und damit Kosteneinsparungen erreicht werden, die dem Kunden bzw. dem Auftraggeber direkt zu Gute kommen. Erwartungsgemäß steigt die Kundenzufriedenheit und Folgeprojekte werden wahrscheinlicher ebenso wie die Einhaltung der Projektziele. Eine Studie von Matti Maier November/Dezember 2012 Seite 5

6 Anforderungen Aus den bisher dargestellten Fakten leiten sich wichtige Anforderungen an ein Werkzeug ab. Generell soll die Software in Beratungsprojekten zum Einsatz kommen. Da verschiedenste Entwicklungs-, Beratungs- und Infrastruktur-Plattformen in den Projekten verwendet werden, muss ein geeignetes Werkzeuge möglichst vielseitig diesbezüglich sein. Allgemeine Anforderungen an das Tool werden zunächst beschrieben, gefolgt von den Anforderungen aus Sicht der verschiedenen Rollen bzw. Personen die an einem Projekt beteiligt sind. Die Aufteilung zwischen funktionalen und nicht funktionalen Anforderungen wird in dieser Studie außer Acht gelassen, da in letzter Zeit erkannt wurde, dass die beiden Anforderungskategorien untrennbar zusammenhängen (Friedrich & Gaebert, 2012). Allgemein Beratungsprojekte werden in der Regel immer von mehreren Personen bearbeitet. Dies hat zur Folge, dass mehrere Personen gleichzeitig an den gleichen Artefakten arbeiten. Um diesem Umstand zu begegnen ist es notwendig, dass ein geeignetes Werkzeug mehrbenutzerfähig ist. Des Weiteren sind Reisezeiten für Projektmitarbeiter keine Seltenheit. Um diese Reisezeiten möglichst produktiv zu nutzen, bedarf es einer offlinefähigen Lösung, da nicht überall ein Internetzugang gewährleitet ist oder die Bandbreite nicht ausreichend ist. Eine mobile Lösung für das Anforderungsmanagementwerkzeug wird in dieser Studie nicht betrachtet. Ein weiterer Aspekt einer Lösung ist die Erfüllung von Standards aus zwei Hauptgründen. Zum einen wird so eine gewisse Kompatibilität mit anderen Produkten hergestellt und die Abhängigkeit von dem Softwarehersteller reduziert, zum anderen werden meist die gleichen Standards in Projekten verwendet, sodass eine Konsistenz herrscht. Insbesondere gängige Standards wie ISO 8601 für Datums- und Zeitangaben, ISO 31 für Einheiten, ISO 639 für Sprachen und ISO 3166 für Länderkürzel sollten erfüllt sein. Ein weiterer wichtiger Standard ist der aus eine Konsortium von Automobilisten entstandene Requirements Interchange Format (ReqIF) Standard (OMG). Ziel von RIF ist es, die Grenzen zwischen verschiedenen Anforderungsmanagement-Werkzeugen aufzubrechen und ein auf XML basierendes, offenes und generisches Austauschformat für Anforderungen zur Verfügung zu stellen. Damit wird eine Abhängigkeit von einem Hersteller im Bereich Anforderungsmanagement aufgelöst, denn die Produkte sind durch das RIF beliebig austauschbar. (Mühlbauer, 2006) Neben diesen generellen Anforderungen an das Produkt, sollten einige Anforderungen an der Hersteller und/oder Vertriebspartner gestellt werden. Insbesondere muss Anwender- und Software Support angeboten werden sowie Schulungen. Bevorzugt werden Anbieter von deutschsprachigen Schulungs- und Supportangeboten, jedoch sollte eine mögliche Nutzung des Tools von internationalen Zweigstellen in Englisch ebenfalls möglich sein. In der folgenden Tabelle sind die in diesem Abschnitt erläuterten Anforderungen an das Werkzeug tabellarische aufgelistet um die im weiteren Verlauf mit den Möglichkeiten der Lösungsvorschläge abzugleichen: Nr. Anforderung 1001 Mehrbenutzerfähigkeit 1002 Offline Verfügbarkeit Eine Studie von Matti Maier November/Dezember 2012 Seite 6

7 1003 Schulungen und Support in deutscher Sprache 1004 Erfüllung von ISO Standards 1005 Speicherung der Anforderungen in RIF Tabelle 1 Allgemeine Anforderungen Stakeholder Wie bereits im obigen Abschnitt erläutert sind an einem Projekt stets mehrere Personen in unterschiedlichen Rollen beteiligt. Die einzelnen Rollen haben unterschiedliche Interessen an einem Projekt und damit auch verschiedene Sichten auf die Anforderungen eines Produkts. Die unterschiedlichen Sichten auf die Anforderungen müssen von einem geeigneten Tool unterstützt werden. Management Das Management sollte mit dem Werkzeug befähigt werden den Projektumfang zu überwachen sowie die Stammdaten zum Projekt einzusehen. Eine Schnittstelle zum Projektmanagement und der parallelen Überwachung der Kosten und Zeit anhand der Anforderungen wird hier nicht betrachtet. Nr. Anforderung 2001 Managementbericht mit Projektumfang und Stammdaten zum Projekt kann erfasst werden Projektleiter Als zentrale Figur im Projekt sind die Anforderungen an das zu entwickelnde Produkt oder die zu erbringenden Leistungen für den Projektleiter von elementarer Bedeutung. Zunächst müssen die Anforderungen gesammelt, mit dem Kunden abgestimmt, bearbeitet und schließlich getestet werden. Werden Anforderungen geändert, müssen diese Änderungen nachvollziehbar sein, was eine Versionierung der Anforderungen vorrausetzt. Des Weiteren ist eine Priorisierung von Anforderungen oftmals erforderlich, ebenso wie die Verteilung von Verantwortlichkeiten für eine Anforderung an einen Projektmitarbeiter. Um dies möglichst optimal zu erreichen sind die Abhängigkeiten zwischen Anforderungen zu erfassen welche ebenfalls für den Entwurf der Lösung relevant sind. Schließlich benötigt der Projektleiter ähnlich der Anforderung des Managements eine Möglichkeit den Fortschritt und Umfang des Projekts zu überwachen und die kritischen Anforderungen kenntlich zu machen. Nr. Anforderung 2101 Anforderungen eingeben, anzeigen, bearbeiten, löschen 2102 Anforderungen versionieren 2102 Anforderungen priorisieren 2103 Anforderungen kommentieren 2104 Anforderungen gruppieren 2105 Status einer Anforderung zuweisen, ändern, anzeigen (z.b. erfasst, bearbeitet, geprüft) 2106 Abhängigkeiten zwischen Anforderungen erfassen, anzeigen, bearbeiten und löschen 2107 Verantwortlichkeiten für Anforderungen an Mitarbeiter zuweisen 2108 Anforderungen mit anderen Ressourcen (z.b. Dateien, Websites) verknüpfen 2109 Kritische Anforderungen anzeigen Eine Studie von Matti Maier November/Dezember 2012 Seite 7

8 2110 Umfang und Fortschritt des Projekts in Berichtform anzeigen 2111 Berechtigungen für Anforderungen zuweisen, entziehen Projektmitglieder Um erfolgreich in einem Projekt mitarbeiten zu können ist es für die Projektmitglieder notwendig, die Anforderungen detailliert zu beschreiben und zu verstehen. Ein Anforderungsmanagementwerkzeug kann dabei positiv zum Einsatz kommen, wenn das Werkzeug akzeptiert und verwendet wird. Ein wichtiger Aspekt für die Akzeptanz der Software ist neben der Funktionalität, die einfache Bedienbarkeit und die individuelle Anpassung der Sichten auf die Anforderungen. Ein Anforderungsmanager benötigt volle Schreib- und Leseberechtigung auf alle Anforderungen, er überwacht die Versionierung, Priorisierung und die Abhängigkeiten. Ein Entwickler sollte die Anforderungen nicht ändern können, dafür sind Kommentare zum Fortschritt sowie Hilfestellungen für die Tester wünschenswert. Ein Tester benötigt die Anforderungen um zu prüfen ob die Leistungen oder das Produkt die geforderte Qualität hat. Aus diesen unterschiedlichen Interessen wird ersichtlich, dass individuelle Sichten auf die Anforderungen sowie Sortiermöglichkeiten im Anforderungswerkzeug unterstützt werden müssen. Nr. Anforderung 2201 Anzeige nur einer Teilmenge aller Anforderungen auf Basis von Berechtigungen 2202 Anzeige nur einer Teilmenge aller Anforderungen auf Basis von Filtern 2203 Sortieren von Anforderungen 2204 Kommentieren von Anforderungen 2205 Anlagen an Anforderungen hinzufügen Kunde Im Mittelpunkt eines kundenorientierten Beratungsunternehmens steht der Kunde. Eine transparente Kommunikation sowie ehrliche und treffende Angaben zu Projekten gehören zum Kern des Geschäfts. Ein Anforderungsmanagementwerkzeug soll dazu dienen, dem Kunden die richtige Information zur richtigen Zeit zur Verfügung zu stellen und die Anforderungen des Kunden gut zu dokumentieren und zu verwenden. Prinzipiell sollte es möglich sein, aus den aufgenommenen Anforderungen ein Lastenheft zu entwerfen und daraus ein Pflichtenheft zu entwickeln, da dies von den meisten Kunden gefordert wird. Nr. Anforderung 2301 Anforderungen in Word und/oder Excel überführen, ggf. Lastenheft Export 2302 Definition von internen und externen Merkmalen, sodass nicht alle Informationen über eine Anforderung exportiert werden müssen (z.b. keine internen Kommentare) 2303 Bericht über Projektfortschritt und Umfang für Kunde 2304 Mehrere Kunden / Unternehmen können an einem Projekt beteiligt sein Eine Studie von Matti Maier November/Dezember 2012 Seite 8

9 Daten Neben den allgemeinen Anforderungen und den spezifischen Anforderungen der Stakeholder, bedarf es einem grundlegenden Datenmodell zur Darstellung der Stammdaten und deren Beziehungen. Abbildung 1: konzeptionelles Datenmodell Das in Abbildung 1 gezeigte Entity Relationship Modell (ERM) ist konzeptioneller Art und nur als Guideline für die Überprüfung der unten vorgestellten Lösungen zu verstehen. Auf Kardinalitäten wurde bewusst verzichetet, da diese in einer konkreten Implementierung aufgrund technischer Rahmenbedingungen stark unterschiedlich sein können. Grundsätzlich geht das Diagramm von der Annahme aus, dass ein oder mehrere Kunden ein Projekt in Auftrag geben und dieses auch betreuen. Danach werden die Anforderungen zusammen mit diesem Kunden entwickelt. Daher definiert der Kunde im Rahmen des Projekts die Projektziele, die dann als Anforderungen den Kern des Datenmodels bilden. Eine Anforderung kann von einer anderen abhängig sein und in Anforderungsgruppen gegliedert werden. Ebenfalls sollen Kommentare zu Anforderungen unterstützt werden und Projektmitarbeiter können diese Kommentare verfassen, sind für Anforderungen verantwortlich und prinzipiell an einem Projekt beteiligt. Die einzelnen Attribute der Entitäten sind als minimale Vorgabe zu verstehen. Nr. Anforderung 3001 Projekt mit Name und Kennung 3002 Kunde mit Kundennummer, Name und Ansprechpartner 3003 Mitarbeiter mit Name, Fachgebiet, Rolle im Projekt und Anzahl der Tage, die er/sie für Eine Studie von Matti Maier November/Dezember 2012 Seite 9

10 das Projekt zur Verfügung steht 3004 Anforderung mit Nummer, Name, Beschreibung, Version und Priorität 3005 Abhängigkeit zwischen Anforderungen 3006 Anforderungsgruppierung die mehrere Anforderungen logisch zusammenfasst 3007 Kommentar zu einer Anforderung mit Autor 3008 Zuordnung von Projektmitarbeitern zu Anforderungen Prozesse Da die Anforderungen an ein Projekt dieses über den gesamten Lebenszyklus hinweg begleiten, sollte der Entwicklungsprozess generell betrachtet werden. Das hier vorgestellte Vorgehensmodell kann je nach Ausprägung im Projekt stark abweichen, jedoch ist aus der Theorie ersichtlich, dass sich alle hier beschriebenen Phasen in nahezu allen gängigen Projekten wiederfinden. Daher ist der Prozess nicht als sequentieller Ablauf aufzufassen, lediglich als Input/Output-Beziehung über die Beliebig oft iteriert werden kann. Requirements Engineering Design Development Testing Support Anforderungen aufnehmen Anforderungen bewerten Anforderungen verwalten Anforderungen umsetzen Änderungen dokumentieren Entscheidungen dokumentieren Status Change Management Testen gegen Anforderungen Entscheidungen nachvollziehen Änderungen dokumentieren Erfolgsbeurteilung Abbildung 2: Entwicklungsphasen Am Anfang der meisten Projekte steht die Entwicklung der Anforderungen. Zusammen mit dem Kunden müssen Anforderungen aufgenommen, bewertet und verwaltet werden. Hierfür muss das Anforderungsmanagementwerkzeug die notwendigen Funktionen mitbringen um die Mitarbeiter bestmöglich zu unterstützen. Im nächsten Schritt werden die Anforderungen in einen Entwurf für die Softwarekomponenten bzw. die Lösung oder Leistungen überführt. In diesem Prozessschritt ist eine Dokumentation der Anforderungsänderungen die aufgrund von Entwurfsentscheidungen getroffen wurden notwendig sowie eine Übersicht welche Anforderungen bereits abgebildet werden und welche noch abzubilden sind. In der Entwicklungsphase müssen die Anforderungen in Aufgaben umgewandelt werden und Änderungen gespeichert und wieder angezeigt werden können. Die Synchronisierung der Aufgaben und deren Stati mit den Anforderungen wird hier nicht berücksichtigt, da dies stark Technologie- und Projektabhängig ist. Standardschnittstellen zu prominenten Aufgabenverwaltungswerkzeugen werden jedoch positiv in die Bewertung mit aufgenommen. In der Testphase einer Lösung werden die erstellten Artefakte gegen die in den Anforderungen spezifizierten Qualitätsmerkmale geprüft. Daher dienen die Anforderungen in der Testphase den Testern als Schablone für Testfälle und die Bewertung derer. Eine Studie von Matti Maier November/Dezember 2012 Seite 10

11 Schließlich in der Betriebs- und Wartungsphase (Support) müssen Entscheidungen nachvollzogen und Änderungen dokumentiert werden. Die Beurteilung ob ein Projekt erfolgreich war oder nicht, kann anhand eines gut verwalteten Anforderungskatalogs besser beurteilt werden. Nr. Anforderung 4001 Entscheidungen zu Anforderungen dokumentieren 4002 Anforderungen referenzieren 4003 Testfälle aus Anforderungen ableiten 4004 Erfolgsbeurteilung ermöglichen Schnittstellen Wie bereits eingangs erwähnt muss das Requirements Engineering Tool einige Schnittstellenspezifikationen erfüllen. Ein Import und Export nach Excel ist zwingend notwendig, da oftmals bereits vom Kunden zusammengefasste Anforderungen in einer Exceltabelle festgehalten werden. Ein Export der Anforderungen in andere Formate wie beispielsweise CSV, XML, JSON oder ähnliches wäre wünschenswert, da so eine gewisse Herstellerunabhängigkeit gewährleitet werden kann sowie die Daten für externe Sicherungen zur Verfügung stehen. Ein Export einer Zusammenfassung von Anforderungen nach Word und als PDF sind zwingend erforderlich. Berichte sollten ebenfalls in einem gängigen Format wie Word, Excel, PDF oder HTML zur Verfügung stehen. Integrationsmöglichkeiten mit Entwicklungswerkzeugen wie Eclipse, SAP NetWeaver Developer Studio oder anderen SAP Produkten sind von Vorteil, aber nicht zwingend erforderlich. Nr. Anforderung 5001 Import von Anforderungen aus Excel 5002 Import von Anforderungen aus anderen Formaten, z.b. XML, CSV 5003 Export von Anforderungen nach Excel 5004 Export von Anforderungen in andere Formate, z.b. XML, CSV 5005 Export von Anforderungen in Word 5006 Export von Anforderungen in PDF 5007 Integration von Eclipse 5008 Integration von Versionverwaltungstools, z.b. SVN, Mecurial, Git 5009 Integration von SAP Entwicklungswerkzeugen Infrastruktur Um eine Lösung in der vorhandenen Infrastruktur zu integrieren und für alle Projektmitarbeiter zur Verfügung zu stellen sollten einige grundlegende Anforderungen zur Kompatibilität erfüllt sein. Zunächst sollte das Werkzeug unter Windows XP und später laufen sowie auf Mac OS X. Die aufgrund der Mehrbenutzerfähigkeit erforderlichen Netzwerk Ressourcen sollten den gängigen TCP Standards entsprechen. Für die Darstellung der Benutzeroberfläche sollte kein hochauflösendes Display notwendig sein, sodass das Tool auch auf einem Laptop oder gar einem Tablet nutzbar ist. Aus diesen Anforderungen ergeben sich geringe Anforderungen an CPU, RAM und GPU. Des Weiteren sollte die Anwendung Sicherungen unterstützen und eine Anmeldung mit Hilfe des Active Directory. Nr. Anforderung 6001 Betriebssystem: Windows XP+, MacOS 6002 Netzwerkprotokolle auf TCP basierend 6003 Kein HD Display notwendig Eine Studie von Matti Maier November/Dezember 2012 Seite 11

12 6004 Keine hohen Anforderungen an CPU, RAM und GPU 6005 Möglichkeit der Sicherungserstellung 6006 Anmeldung der Mitarbeiter über Active Directory (AD) Lösungen Nachdem im ersten Teil dieser Studie die grundlegenden Anforderungen an ein Requirements Engineering Tool gestellt wurden, werden in diesem Teil einzelne Werkzeuge auf Tauglichkeit analysiert. Als systematische und praxisnahe Vorgehensweise wird zunächst ein Beispielszenario (User Story) erstellt und die Werkzeuge anhand dessen getestet. Für den Test der Anwendungen werden die vom Hersteller zur Verfügung gestellten Demo-Versionen auf einer virtuellen Maschine mit Windows XP Professional SP3 verwendet. Grund für die Verwendung der veralteten Betriebssystemversion ist die Abwärtskompatibilität zu noch verwendeten Systemen. Ziel ist es, die Benutzerfreundlichkeit, die Gemeinsamkeiten und Unterschiede in der Bedienung sowie gefühlte Performance zu analysieren. Im Anschluss werden die technischen Daten mit den Anforderungen aus dem ersten Teil dieser Studie verglichen und eine Übereinstimmungsmatrix erstellt. User Story 1 Als Hersteller für präzisionsmechanische Teile ist die Metallteile Produktionsgesellschaft mbh (MeTaPro) auf höchste Qualität ihrer Produkte bei einer zugleich effizienter Kostenstruktur angewiesen um im hart umkämpften Markt bestehen zu können. Leider berichteten in den letzten Wochen Kunden von zunehmenden Toleranzabweichungen einer Bohrung, die die Qualitätssicherungsabteilung auf mangelhafte Teilerzeugnisse von Zulieferern zurückführen konnte. Zur Beseitigung dieses Problems wird die Qualitätssicherungsabteilung beauftragt eine Lösung zu finden. Als Teil der Gesamtlösung Wareneingangsprüfungssysstem (WEPS) schlägt die Qualitätssicherungsabteilung vor eine Software zu erstellen, die beim Wareneingang den Mitarbeitern die betreffenden Bestellungen mit Toleranzgrenzen, Anzahl der Stichproben die genommen werden sollen und Auswertungs-möglichkeiten zur Verfügung stellt. Herr Huber von der Qualitätssicherungsabteilung übernimmt die Projektleiterrolle in der Qualitätssicherungsabteilung, Herr Meyer ist in der IT-Abteilung für das Projekt verantwortlich, Herr Schmidt wird als Entwicklungsleiter der IT-Abteilung mit der Programmierung beauftragt und Herr Müller wird als externer Berater für die Anbindung an das SAP NetWeaver System hinzugezogen. In einem langen Meeting werden die folgenden Anforderungen an die Software definiert: Anforderungsgruppe Anf.- Nr. Anforderung GUI 1 1 Die Bestellnummer zeigt dem Wareneingangsmitarbeiter die Bestellung und ihre Positionen an. GUI 1 2 Neben den Positionen werden die Toleranzgrenzen für die Messungen angezeigt. GUI 1 3 Das System wählt eine zufällige Anzahl (zwischen 5 und 10) von zu messenden Teilen jeder Position aus und zeigt die einzugebenden Voraussetzung zuständig 7, 9 Schmidt 1, 9 Schmidt 2, 9 Schmidt 1 Das Beispielszenario8 ist frei erfunden. Parallelen zu real existierenden Organisationen sind Zufall. Eine Studie von Matti Maier November/Dezember 2012 Seite 12

13 Messwerte in einer Maske an. GUI 1 4 Der Mitarbeiter bekommt nach Eingabe der Messwerte in grün oder rot angezeigt ob die Lieferung angenommen oder zurückgeschickt wird. GUI 2 5 Ein Mitarbeiter der Qualitätssicherung kann auf einer nur ihm zugänglichen Maske die Toleranzgrenzen für die Messergebnisse festlegen. Statistik 6 Die Berechnung ob eine Lieferung angenommen oder zurückgeschickt wird, erfolgt auf Basis des Erwartungswerts und einer Abweichung von mehr als 6σ. Anbindung SAP 7 Die Bestellungen sollen direkt aus dem SAP NetWeaver System innerhalb von 2s geladen werden. Meldung 8 Wird eine Lieferung abgelehnt, so muss die Qualitätssicherung und die Einkaufsabteilung per automatisch informiert werden. Infrastruktur 9 Die zu entwickelnde GUI 1 muss auf den Wareneingangsterminals nutzbar sein. 1, 6, 9 Schmidt Schmidt 5 Huber Müller Meyer Meyer Tools Im hr 2007 wurde eine Studie von Colin Hood, Susanne Mühlbauer und Chris Rupp zum Thema Anforderungsmanagement erstellt (Hood, Mühlbauer, & Rupp, 2007). Die Liste der Werkzeuge auf Seite 3 wurde für diese Studie aktualisiert und gefiltert, sodass lediglich Anbieter mit deutschen Partnern, deutscher Benutzeroberfläche, aktiver Entwicklung und Support aufgenommen wurden. Das Ergebnis ist in Appendix A: Requirements Engineering Tools aufgeführt. Auf Basis dieser Liste wurde im zweiten Schritt eine Auswahl an Werkzeugen zur genaueren Betrachtung erstellt. Als Vertreter der quelloffenen (Open Source) Werkzeuge wird der GEBIT Trend Analyst untersucht, da das Eclipse Requirements Modeling Framework noch eine geringe Verbreitung hat, keine deutsche Unterstützung bietet und derzeit eher auf technische Fragen fokussiert ist (stram & Graf, 2012). Aus dem Hause IBM kommen zwei prominente Werkzeuge, die in der Rational Produktfamilie beheimatet sind. Das laut einigen Studien marktführende IBM Rational Doors bietet einen ähnlichen Produktumfang wie das IBM Rational RequisitePro, jedoch ist ersteres laut englischer Website für complex and embedded systems development (IBM) gedacht. Die deutsche Produktbeschreibung beider Werkzeuge ist ähnlich und beide Tools sind laut Website kompatibel, jedoch wird für den RequisitePro eine Testversion und ein Bruttopreis von 2.907,17 / Benutzerlizenz angeboten. Aus diesen Gründen wird in dieser Studie der Rational RequisitePro betrachtet. Eine Präsentation der SAP Lösung auf diesem Gebiet wurde im März 2011 von Sven Friess in München gehalten (Friess, 2011). Die Lösung basiert auf dem SAP Quality Center by HP, der ARIS Enterprise Modeling Komponente von IDS Scheer sowie dem SAP Solution Manager. Für reine SAP Projekte mag diese Lösung geeignet erscheinen, jedoch kann aus Sicht des Autors und der spärlich Eine Studie von Matti Maier November/Dezember 2012 Seite 13

14 verfügbaren Informationen über diese Produktkombination davon ausgegangen werden, dass es keine weit verbreitete Lösung ist. Zudem kann diese Lösung aus soeben gewähntem Grund nicht evaluiert werden und wird daher in dieser Studie nicht weiter betrachtet. Die folgenden Lösungen sind eine Auswahl auf dem deutschen Markt verfügbaren, eingesetzten und getesteten Lösungen auf dem Gebiet des Anforderungsmanagements. ARCWAY Cockpit wurde von mehreren Studien genauer betrachtet und bietet auf der Website gute Referenzen unter anderem im Bereich Consulting die Firma Grau Consulting. Die Lösung der Stuttgarter Firma Polarion Software GmbH ist Gewinner des Best Quality Tool Award 2012 einem Preis der jährlich auf der STEV- Fachtagung vergeben wird. Zudem sind die Referenzen beeindruckend und eine Lösung auf Basis von SAP NetWeaver wird angeboten (Presse-Information, 2005). Als drittes Werkzeug wird die Studie die in-step Suite der Berliner Firma microtool GmbH betrachten. Die Software hat gute Referenzen und ist für viele Vorgehensmodelle verfügbar. Des Weiteren werden gezielt der ReqIF Standard angesprochen und konsequent umgesetzt. INTLAND Software und ihre Lösung codebeamer scheidet zur weiteren Betrachtung aus, da auf der Website zwar eine Stuttgarter Telefonnummer angegeben ist, aber keine weiteren Informationen über deutschen Support, Mehrsprachigkeit, o.ä. zu finden ist. Eine Lösung names Contour der Stuttgarter Firma QA Systems scheidet ebenfalls aus, da aus den sonstigen Produkten der Firma der Fokus auf C/C++ und Software für eingebettete Produkte hervorgeht, was die Anwendbarkeit für betriebliche Informationssysteme einschränkt. GEBIT Trend Analyst Der Trend Analyst von GEBIT Solutions ist der Vertreter der Open Source Lösungen in dieser Studie. Seine Integration in Eclipse zeigt den entwicklungsorientierten Fokus der Software. Insbesondere im va Umfeld gewinnt dieses dokumentenbasierte Tool an Beachtung. Als besondere Stärke sind die diversen Modellierungsmöglichkeiten, zum Beispiel in UML, BPMN und EPK zu nennen. Die Integration mit Eclipse ermöglicht die Verknüpfung von Entwicklungsartefakten und Projektmanagement sowie der Integration in bestehende Entwicklungsumgebungen. Als Versionsverwaltung kommt SVN oder CVS zum Einsatz, über die es zugleich möglich ist, eine Mehrbenutzersynchronisation zu erreichen und offline zu arbeiten. Eine offene Punkte Liste sowie die Anforderungen an die Infrastruktur runden einen guten ersten Eindruck vom Tool ab. Leider zeigt sich anhand der oben vorgestellten User Story und der in Appendix A aufgeführten Anforderungsliste, dass im Detail das Tool Schwächen beim Import und Export der Daten aufweist sowie die Benutzerhandhabung zu wünschen übrig lässt. Für va Entwickler, die mit Eclipse bereits vertraut sind, sollte der Einstieg weniger Probleme bereiten, jedoch für Fachabteilungsmitarbeiter und entwicklungsferne Berater könnte die Benutzeroberfläche und Bedienkonzepte des Tools am Anfang eine Hürde darstellen. Zudem fehlen dem Tool einige essentielle Features wie zum Beispiel die Kommentierung, Gruppierung und Priorisierung von Anforderungen sowie die Eingabe von Beschreibungen als Richtext. Ebenfalls ist das Berechtigungskonzept nicht ausgereift es muss über die Versionskontrolle gesteuert werden. Schließlich sind die Möglichkeiten des Reporting limitiert, wenn auch erweiterbar über die verfügbare Programmierschnittstelle (Framework API). Schließlich ist anzumerken, dass eine funktionale und nicht-funktionale Trennung innerhalb der Anforderungen aufrechterhalten wird und viele Anforderungen nur unübersichtlich angezeigt werden können. Eine Studie von Matti Maier November/Dezember 2012 Seite 14

15 Abbildung 3: Trend Analyst Screenshot Insgesamt wirkt das Werkzeug sehr technisch orientiert und ist laut Computerwoche 38/2007 für professionelle va-projekte geeignet. Als Verwaltungswerkzeug von Anforderungen in nicht-va Projekten scheint die Eclipse Plattform etwas zu schwergewichtig und die Mehrbenutzersynchronisation zu kompliziert über SVN. Als Fazit kann man festhalten, dass dieses Werkzeug für kleine va-projekte mit wenigen Stakeholdern gut geeignet ist, jedoch aufgrund der mangelnden Import- und Exportmöglichkeiten eine organisationsübergreifende Zusammenarbeit schwer möglich macht. IBM Rational RequisitePro Das aus der IBM Rational Familie stammende Werkzeug RequisitePro kann als Testversion heruntergeladen werden. Schon beim Download fällt die Größe von über 1,2GB auf. Die Installation führt den Benutzer durch diverse Dialoge mit vielen Auswahlmöglichkeiten. Leider trat bei der Installation auf der virtuellen Maschine ein Fehler beim Überprüfen des nicht vorhandenen Lizenzservers auf, weshalb die Installation abgebrochen wurde. Nach einem weiteren Download und etwas Recherche in den Hilfeseiten von IBM konnte das Problem behoben werden und der RequisistePro gestartet werden. Beim Start muss zunächst ein Projekt ausgewählt werden. Möchte man ein neues Projekt anlegen, kann man als Datenbank entweder eine MS Access, Oracle, SQL Server oder DB2 Datenbank angeben. Im nächsten Schritt stehen diverse Projekt-Templates zur Verfügung, z.b. auch ein Template für SAP Entwicklungsprojekte. Es können individuelle Templates definiert werden oder bereits vorhandene Templates ausgewählt werden. Im einfachsten Fall ist es das Blank Project Template. Das Projekt der hier verwendeten User Story wurde mit diesem Eine Studie von Matti Maier November/Dezember 2012 Seite 15

16 Template und einer MS Access Datenbank initialisiert. Nach dem Start der Anwendung fällt auf, dass alle Schaltflächen in Englisch sind. In der Demoversion sind nur die Sprachen Englisch und panisch verfügbar. Es kann jedoch davon ausgegangen werden, dass in der Produktivversion auch eine deutsche Lokalisierung vorhanden ist. Die übersichtlich gestaltete Benutzeroberfläche spiegelt die einfache Struktur der in diesem Tool abgebildeten Anforderungen wieder. So konnten Anforderungen schnell erstellt und kategorisiert werden. Grundsätzlich werden die Anforderungen versioniert und priorisiert. Als sehr hilfreiches Feature kann man jeder Anforderung eine Diskussion hinzufügen. Somit sind Abstimmungen innerhalb des Projektteams möglich und Entscheidungen können auch zu einem späteren Zeitpunkt nachvollzogen werden. Leider bietet das Tool keine Möglichkeit eine Übersicht dieser Diskussionen anzuzeigen, sodass man eine Diskussion eher als Kommentierung betrachten sollte. Weiterhin positiv ist die enge Verzahnung mit Microsoft Word zu erwähnen. Sowohl der Import wie auch das Export und das Bearbeiten von Anforderungen in Word sind standardmäßig im Produktumfang enthalten. Neben Word wird auch Microsoft Project unterstützt. Außerdem ist eine Integration mit IBM s Rational Produkten vorgesehen. Tests können beispielsweise mit Hilfe des Rational TestManagers aus den Anforderungen abgeleitet werden. Abbildung 4: IBM Ration RequisitePro Letztlich können Berichte auf Grundlage von Kennzahlen dargestellt werden. Das Produkt enthält bereits vordefinierte Kennzahlen, es können jedoch mit Hilfe von produktspezifischen Queries die Berechnung eigener Kennzahlen hinzugefügt werden. Somit ist eine umfangreiche Berichterstattung möglich. Leider ist das Programm beim Versuch einen Bericht zu drucken eingefroren. Nachdem Eine Studie von Matti Maier November/Dezember 2012 Seite 16

17 Windows den Prozess beendet hatte und das Programm neugestartet wurde, war der Bericht gelöscht. Neben dieser Unannehmlichkeit sind die fehlende Excel Unterstützung sowie die Zuordnung von Anforderungen zu Rollen oder Projektmitgliedern zu bemängeln. Prinzipiell konnten keine Projektmitglieder im Rahmen der User Story definiert werden. Eine Mehrbenutzerintegration ist auf Netzwerkbasis jedoch laut Datenblatt vorgesehen und Einschränkungen der Sichtbarkeiten von Anforderungen können ebenfalls mit Hilfe von Dialogen vorgenommen werden. Das Layout der Dialoge in dieser Anwendung sowie die Menüführung und das Design von Schaltflächen scheint an Windows NT Zeiten orientiert zu sein. Insgesamt wirkt die Lösung schwergewichtig und veraltet. Für den angegebenen Listenpreis von über Euro pro Einzelplatzlizenz ist der Funktionsumfang zu gering und die Belastung für System, Infrastruktur und Verwaltung zu groß. ARCWAY Cockpit Ein weiteres auf Eclipse 3.6 basierendes Anforderungsmanagementwerkzeug ist das ARCWAY Cockpit. Für diese Studie wurde eine Evaluationsversion der Professional Edition getestet. Die Installation verlief schnell und das Programm startete zügig trotz geringer Systemressourcen der virtuellen Maschine. Der Aufbau des Werkzeugs erinnert stark an den GEBIT Trend Analyst und eine reguläre Eclipse Umgebung. Daher kann man eine gewisse Fokussierung auf Entwickler unterstellen. Ein neues Projekt ist mit etwas Erfahrung in Eclipse schnell und einfach erstellt, ebenso wie die Projektmitglieder und Rollen. Die einzelnen Sichten am oberen Bildschirmrand geben Aufschluss über die Strukturierung des Produkts. So werden Anforderungen beispielsweise in der Anforderungsmanagement-Sicht erstellt, bearbeitet, verknüpft und gelöscht. Eine Studie von Matti Maier November/Dezember 2012 Seite 17

18 Abbildung 5: Anforderungen darstellen in ARCWAY Cockpit Wie in der Abbildung 5 oben dargestellt, werden die Abhängigkeiten der Anforderungen auch grafisch dargestellt, was der Übersichtlichkeit sehr zuträglich ist. Auch eine Übersicht der Änderungen am Projekt im Vergleich zur vorherigen Version erleichtert die Projektverwaltung. Anforderungen können außerdem mit Dokumenten verknüpft werden, was die Dokumentation der Anforderungen erleichtert. Eine Offene-Punkte-Liste sowie die Modellierung von ereignisgesteuerten Prozessketten (EPK) sind weitere nützliche Features. Zwar ist der Import von und der Export von Anforderungen nach Excel implementiert, jedoch ist die Integration von anderen Anwendungen wie beispielsweise Word nicht vorhanden. Ebenfalls können die Anforderungen nicht in das RIF Format exportiert werden. Schließlich fällt noch negativ auf, dass Anforderungen nicht direkt Mitarbeitern zugewiesen werden können, sondern über die Offene- Punkte-Liste zunächst eine Aufgabe erstellt werden muss und diese dann der Anforderung und dem Mitarbeiter zugewiesen werden kann. Anwender die bisher nichts mit Eclipse zu schaffen hatten, werden den Einstieg verhältnismäßig leicht schaffen. Das Tool zeigt seine Stärken insbesondere in der verständlichen Beschriftung, den einfachen Übersichten sowie der Konzentration auf die wichtigsten Funktionsmerkmale. Leider konnte aufgrund mangelnder Vorlagen kein Bericht erstellt werden, sodass diese Funktionalität nicht getestet werden konnte. Außerdem fallen die mangelnde Anwendungsunterstützung für Word sowie die entwicklungszentrische Sicht auf Projekte auf. Für ein Beratungsunternehmen mag dieses Produkt nicht ausreichend die vielschichtigen Anforderungsmerkmale der Projekte abdecken. Polarion Requirements Im Gegensatz zu allen anderen hier betrachteten Werkzeugen ist das Anforderungsmanagementwerkzeug Requirements der Stuttgarter Firma Polarion webbasiert und damit auf eine Client-Server Architektur ausgelegt. Ein Besuch auf der nur in Englisch verfügbaren Website des Unternehmens ermöglichte einen Chat mit einem Support Mitarbeiter. Dieser liegt in Appendix C: Chatprotokoll mit Polarion bei. Seinen Aussagen zufolge ist die Server-Version des Systems nur für Windows und Linux entwickelt, der Client läuft im Browser. Damit ist der Client für alle Betriebssysteme, für die ein moderner Browser existiert, nutzbar. Leider ist das Client Interface nur auf Englisch verfügbar und es existieren auch keine Pläne dies zu übersetzen. Jedoch bietet Polarion Support und Schulungen in Deutsch an. Schon nach der Anmeldung fällt der große Funktionsumfang der Lösung an. Als Administrator angemeldet können Nutzer verwaltet werden, Projekte angelegt und verwaltet werden, Sicherungen eingerichtet werden und diverse weitere Einstellungen vorgenommen werden. Die Struktur des gesamten Systems scheint auf einem Wiki-System aufzubauen, da jede Seite bearbeitet werden kann. Somit ist ein Projektwiki mit dieser Lösung inklusive. Weitere Web 2.0 Features wie eine ausgereifte Kommentarfunktion, Votes (ähnlich wie Likes ) und Watches (man kann einem Thema/einer Anforderung folgen) erinnern an Konzepte aus sozialen Medien. Anforderungen können kommentiert, verlinkt und zugewiesen werden. Eine solch vernetzte Sicht auf Projektanforderungen kann sehr flexibel eingesetzt werden und deckt damit viele Anwendungsfälle gut ab. Außerdem fällt positiv auf, dass entgegen des Einflusses von sozialen Medien, ein feingranulares Berechtigungskonzept angewandt wird. Auch Anforderungsprozesse die eine Bestätigung von Anforderungen durch bestimmte Nutzer voraussetzen, werden in dieser Lösung Eine Studie von Matti Maier November/Dezember 2012 Seite 18

19 unterstützt. Schließlich können Testfälle und Aufgaben von einzelnen Anforderungen abgeleitet werden. Abbildung 6: Polarion Requirements mit kleiner Auflösung Leider führen der große Funktionsumfang und die Ausführung des Tools im Browser zu einer etwas unübersichtlichen Benutzeroberfläche. Insbesondere auf Bildschirmen mit einer Auflösung von weniger als 1200 Pixeln in der Breite und 800 Pixeln in der Höhe ist die Oberfläche schwer zu bedienen. Außerdem wirkt das Tool langsam, wenn eine eingeschränkte Bandbreite zur Verfügung steht oder der Server langsam antwortet. Für die Nutzung des Tools mit vielen Concurrent Usern ist daher ein entsprechend starker va-anwendungsserver wie beispielsweise der SAP J2EE Server geeignet. Außerdem ist zu beachten, dass das Tool vollständig online arbeitet, sodass keine Offlineverfügbarkeit möglich ist und die Anbindung der Clients über eine geschützte VPN Verbindung möglichst viel Bandbreite hat um Dokumente, Bilder und Konversationen zeitgleich zu laden. Außer der englischen Beschriftungen der Oberfläche fällt inhaltlich noch die mangelhafte Strukturierungsmöglichkeit von Anforderungen auf. So können Anforderungen nur geschachtelt werden, aber keine Module oder Gruppen gebildet werden. Als Fazit kann festgehalten werden, dass Mitarbeiter die einen großen Bildschirm, schnellen Online- Zugang, gute Englisch-Kenntnisse und Web 2.0 Erfahrung haben mit dem Werkzeug viel Freude haben. Die diversen Import- und Exportmöglichkeiten sowie ein deutschsprachiger Support runden das Bild eines modernen Anforderungsmanagementwerkzeugs ab. Als zertifizierter SAP NetWeaver Partner macht das Unternehmen einen soliden Eindruck, jedoch dürfte das Management von größeren Projekten schnell an die Grenzen des Tools kommen. Fehlende Strukturierungs- Eine Studie von Matti Maier November/Dezember 2012 Seite 19

20 möglichkeiten, wenig Reporting und die Vielzahl an Funktionen dürften im Alltag von der Kernaufgabe eher ablenken ebenso wie die ubiquitäre Verfügbarkeit schneller Internetverbindungen. microtool in-step Das Anforderungswerkzeug in-step der Berliner Firma microtool bietet eine kostenlose Personal Edition der Website an. Diese unterscheidet sich hauptsächlich von der Business Variante in der Mehrbenutzerfähigkeit. Aus diesem Grund konnte diese nicht direkte getestet werden, jedoch sind die Möglichkeiten im Handbuch detailliert erklärt, sodass davon ausgegangen werden kann, dass diese auch vorhanden ist. Zunächst überrascht das Tool mit der Möglichkeit sich als Windows-Benutzer oder dedizierter Projektenutzer bzw. Tool-Administrator anzumelden. Danach lädt das Werkzeug schnell und macht in der Windows XP Testumgebung einen flüssigen Eindruck. Die Tutorials sowie das Handbuch helfen dem Nutzer beim Einstieg, es ist jedoch empfehlenswert ein Training insbesondere für Projektleiter durchzuführen. Neben den rechts in der Tabelle gezeigten vielen Import- und Exportmöglichkeiten, z.b. auch zu SAP, fallen einige Features positiv auf. So können verschiedene Organisationen erfasst werden und innerhalb der Organisationen sowohl Abteilungen wie Unterabteilungen angelegt werden und diesen können Mitarbeiter zugeordnet werden. Dadurch entsteht eine Projektmitarbeiterstruktur, die sich leicht überblicken lässt. Des Weiteren lassen sich Rollen zum Projekt frei definieren und diesen verschiedenen Mitarbeitern zuordnen. Außerdem ist ein Messaging-System integriert, über Abbildung 7: Integration von Anwendungen und Formaten in in-step das sich die Mitarbeiter in einem Projekt austauschen können und konkret bestimmte Artefakte referenzieren können. Außerdem ist es möglich die Zeiterfassung über das Tool durchzuführen und damit den Fortschritt und die Projektkosten im Blick zu haben. Negativ fällt in dieser Studie wenig zu dem Werkzeug auf. So können beispielsweise keine Kommentare zu einer Anforderung direkt erfasst und versioniert werden. Jedoch ist es möglich, Eine Studie von Matti Maier November/Dezember 2012 Seite 20

21 Kommentare in Form von Textdateien anzulegen und diese mit den Anforderungen zu verknüpfen. Kommentare zu Lösungsideen und eine Historie sind im Tool implementiert. Außer diesem Feature ist nur eine fehlende Portierung für Mac OS zu bemängeln sowie ein etwas alt anmutendes Design. Dieses passt gut zu Windows XP, jedoch wirkt es in moderneren Betriebssystemen etwas merkwürdig. Die Bedienung per Touch dürfte aufgrund der Schaltflächengröße und Menüs insbesondere mit Windows 8 schwierig sein. Außerdem wird auf der Website keine mobile Lösung präsentiert. Hier ist bei Interesse eine Nachfrage bei microtool notwendig. Abbildung 8 microtool in-step Core Processes Insgesamt präsentiert sich das Anforderungswerkzeug durchweg positiv, ausgereift und praxistauglich. Besonders die vielen Im- und Exportfunktionen sowie die dateibasierte Referenzierung von Objekten und die Integration von Entwicklungstools kommt dem Produkt zugute. Zuletzt sollte noch erwähnt werden, dass die getestete Version sich auf die Kernprozesse des Anforderungsmanagements bezieht, jedoch keine Unterstützung für ein bestimmtes Vorgehensmodel aufgezeigt hat. Hierfür bietet microtool bestimmte Varianten des Tools für zum Beispiel das V-Modell XT, Agile Vorgehensmodelle und für länderspezifische Standards wie HERMES in der Schweiz an. Eine Studie von Matti Maier November/Dezember 2012 Seite 21

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