Eine Region im Steigflug. Wirtschaftsstandort Donauraum als treibende Kraft der heimischen Wirtschaft

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1 UNABHÄNGIGES WIRTSCHAFTSMAGAZIN FÜR OBERÖSTERREICH, NIEDERÖSTERREICH, WIEN & NORDBURGENLAND FEBRUAR 2011 GZ 02Z M P.B.B. Verlagsort 8010 Graz 2,50 Foto: Jupiter Images (Montage) Eine Region im Steigflug Wirtschaftsstandort Donauraum als treibende Kraft der heimischen Wirtschaft VERLÄSSLICHER PARTNER Erste Group Immorent alle Immobilien-Services aus einer Hand STIFTEN GEHEN Was es bringt, für wen es sich lohnt WERTANLAGE Wein manchmal so sicher wie Gold

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3 EDITORIAL IMPRESSUM Offenlegung gemäß 25 Mediengesetz Medieninhaber (Verleger): Wirtschaftsnachrichten Zeitschriften Verlagsgesellschaft m.b.h., 8010 Graz, Stempfergasse 3, Telefon 0316/834020, Telefax 0316/ , Unternehmensgegenstand: Herausgabe des Mediums Wirtschaftsnachrichten Herausgeber & GF: Wolfgang Hasenhütl Co-Herausgeber & Verlags leitung: Josef Lipp Blattlinie: Die Wirtschaftsnachrichten Donauraum sind das unabhängige regionale Wirtschaftsmagazin für die Bundesländer Oberösterreich, Niederösterreich, Wien und Nordburgenland. Themenschwerpunke sind wirtschaftliche Entwicklungen in Österreich und international, Wirtschaftspolitik, Finanzen und Service für Unternehmer und Manager. Die Wirtschaftsnachrichten sind in ihrer Blattlinie liberal, demokratisch und unabhängig von politischen Parteien, Interessensverbänden und Reli gionsgemeinschaften. Standort Oberösterreich: 4020 Linz, Lederergasse 32, Telefon 0732/781282, Telefax DW 4, Standortleitung: Mag. Hans Graf Standort Niederösterreich, Wien & Burgenland: 1020 Wien, Gredler straße 3, Telefon 01/ , Telefax DW 4, Verlagsvertretung Slowenien: Business Media d.o.o., Kotnikova ulica 30, 1000 Ljubljana, Telefon/Telefax +386/1/ , Verlagsvertretung Kroatien: Business Media Croatia d.o.o., Bosutska 9, Zagreb, Telefon +385/1/ , Telefax DW 810, Erscheinungsort: Graz Chefredakteurin: Dr. Marie-Theres Ehrendorff Chefin vom Dienst: Mag. Michaela Falkenberg Redaktion: Dr. Marie-Theres Ehrendorff, Mag. Sabrina Naseradsky, Jürgen Philipp, Mag. Clemens Rosenkranz Fotos: Falls nicht anders angegeben: Symbol Pictures, Archiv Layout und Produktion: Hermann Knappitsch, Hans Obersteiner, Lisa Rath Inserentenbetreuung: Mag. Hans Graf Druck: Leykam Let s Print Erscheinungsweise 2011: 10 x jährlich Anzeigenpreise: lt. aktuellem An zeigentarif. Es gelten die Allgemeinen Geschäftsbedingungen des Österreichischen Zeitungsherausgeberverbandes. Bezugspreis: 2,50/Ausgabe; Jahresabonnement Inland 25,, Ausland auf Anfrage. Das Abonnement ist jederzeit schriftlich kündbar. Wird es bis zum Bestelltag nicht gekündigt, verlängert es sich automatisch um ein weiteres Jahr. Allgemeines: Alle Rechte, auch die Übernahme von Beiträgen nach 44 Abs. 1 und 2 Urheberrechts gesetz, sind vorbehalten. FN v; UID-Nr.: ATU Verlagskonto: BKS, BLZ 17000, Kontonummer Gerichtsstand ist das für Graz örtlich und sachlich zuständige Gericht. Wie die Zeit vergeht Seit nunmehr fünf Jahren gibt es uns, die Wirtschaftsnachrichten Donauraum. Grund genug, um in neuem Outfit mit schickem Layout für noch größere Übersichtlichkeit und Aufmerksamkeit zu sorgen. Das sind wir unseren Leserinnen und Lesern schuldig als Österreichs einziges Magazin, das dem Wirtschaftsstandort Donauraum jene Aufmerksamkeit schenkt, die ihm gebührt. Jetzt sind wir auch im Web neu gestylt und außerdem auf ipad, damit das Vernetzen der Wirtschaftsnachrichten-Community noch einfacher wird. Der Puls der heimischen Wirtschaft schlägt in den Bundesländern Wien, Oberösterreich, Niederösterreich und dem nördlichen Burgenland und schafft rund 60 Prozent des gesamtösterreichischen BIPs. Wenn auch die Krise das ökonomische Wachstum der Region gebremst hat, so blicken Industrie und Gewerbetreibende neuerdings wieder optimistisch in die Zukunft. Kein Wunder, prognostizieren die heimischen Wirtschaftsforscher doch allesamt Wachstumsraten jenseits der zwei Prozent-Marke für den Donauraum. Der Standort Donauraum ist also der wesentliche Garant für ökonomische Stabilität und wirtschaftlichen Aufschwung im Lande. Letztendlich aber auch dafür, dass der Flieger Made in Austria seine Runden ungehindert in der benachbarten CEE-Region drehen kann, um so das Wachstum der Exportwirtschaft anzukurbeln. Ohne diese internationale Vernetzung würde uns der nachhaltige Aufschwung nicht gelingen. Jeder wirtschaftliche Aufschwung beflügelt den Arbeitsmarkt und bringt neben ökonomischen Erfolgen auch politische Stabilität mit sich. Starke Unternehmen bedeuten sichere Arbeitsplätze, diese wiederum bringen soziale Stabilität und Kaufkraft der Wohlstand sollte sich in der Folge ganz von selbst einstellen. Ist doch logisch oder? Wenn nicht die Politik Chancen sausen lässt, die für unsere Zukunft von Bedeutung sind. Das Jahr mit sinnlosen Debatten über die Wehrpflicht zu vergeuden, statt grundlegende Reformen im Bundesheer und im gesamten österreichischen Verwaltungsapparat in Angriff zu nehmen sowie Maßnahmen zur Budgetsanierung einzuleiten, ist für die österreichische Wirtschaft ebenso bedrohlich, wie untätig in Kreisky-Nostalgie zu verharren und von der guten alten Zeit zu träumen, meint Ihre Marie-Theres Ehrendorff Chefredakteurin BESUCHEN SIE UNS AUCH IM INTERNET WIRTSCHAFTSNACHRICHTEN 1-2/2011 3

4 INHALT INHALT Coverstory Jetzt aktuell Transport, Logistik & Infrastruktur Der umfassende Branchenüberblick. Sollten Sie diese Beilage nicht in Ihrem Heft finden, wenden Sie sich bitte an unsere Telefon-Hotline: +43(0)316/ WIRTSCHAFTSNACHRICHTEN 1-2/ Zuverlässiger Partner der Wirtschaft 22 In der Krise hat sich gezeigt, ob die Be - ziehung zwischen Hausbank und Unternehmen hält. Die Wirtschaftsnachrichten sprachen mit Raiffeisenlandesbank Niederösterreich-Wien (RLB NÖ-Wien) Generaldirektor Erwin Hameseder und dem Kommerzkunden-Vorstandsdirektor Reinhard Karl über den Wert langfristiger Kundenbeziehungen in einem schwierigen Umfeld, Finanzierungsangebote für KMU und die Auswirkungen von Basel III. Es geht wieder aufwärts 25 das ist der Grundtenor zur Konjunkturentwicklung im österreichischen Donauraum. Wenn das kein gutes Zeichen ist? Die Konjunktur ist derzeit noch ein zartes Pflänzchen 27 Die heimischen Wirtschaftsforscher erwarten zwar für die nächsten zwei Jahre österreichweit ein stabiles reales Wachstum von zumindest zwei Prozent, warnen jedoch vor Gefahren für die Konjunktur durch Probleme in mehreren Euro-Ländern. Umfassende Leistungen für Immobilienprojekte 32 Seit Jahrzehnten ist die Immorent als kompetenter Partner in allen Belangen rund um die Immobilie bekannt. Durch die Bündelung der Kompetenzen der Immobilienspezialisten der Erste Group Immorent und Group Real Estate konnte das Leistungsspektrum noch einmal erweitert und speziell für große Immobilienprojekte optimiert werden. Informationssicherheit für KMU 46 Den internationalen Security-Standard ISO schlank umsetzen: Viele kleine bis mittlere Unternehmen verfügen bereits über Basis-Strukturen, auf denen ein zertifiziertes Sicherheitsmanagement relativ leicht aufgebaut werden kann. Integration auf dem Prüfstand 54 Zuwanderung gibt es seit vielen Jahrzehnten in Österreich. Das Management von Integration wird jedoch erst seit rund zehn Jahren zum Thema gemacht. Die Wirtschaft mit ihrem nüchternen Zugang nach geeignetem und fachlich qualifiziertem Wirtschaftsregion Donauraum: Wirtschaftsleistung im Steigflug begriffen 8 Wirtschaftsstandorte sind meist geografisch und historisch bedingt. Der Donauraum von Oberösterreich über Niederösterreich und Wien ist langsam, aber stetig gewachsen - bereits unter den Römern hat sich sowohl diesseits als auch jenseits der römischen Außengrenze ein prosperierendes Merkantilsystem entwickelt, das bis in unsere Zeit nachwirkt. Personal, zerbricht sich, sobald der Bedarf gedeckt ist, auch selten den Kopf über die gesellschaftspolitischen Aus - wirkungen von Immigration. Es geht um Österreich 60 Der Industrielle und ehemalige österreichische Finanzminister Hannes Androsch hat sich in den Kopf gesetzt, mit dem Volksbegehren Bildungsinitiative, Österreich wieder auf Überholspur zu bringen, denn die Zeit läuft uns davon. Wie er das umsetzten will, erklärt er Marie-Theres Ehrendorff für die Wirtschaftsnachrichten. Arbeitsmarkt im Blickpunkt 74 Die Wirtschaft erholt sich wieder von ihrer größten Krise, die sie nach dem Zweiten Weltkrieg heimgesucht hat. Die Guten ins Kröpfchen 86 Ein neuer Tarifrechner soll auch dem Gewerbe, das sich bisher manchmal als Stiefkind der Liberalisierung gefühlt hat, ab März mehr Transparenz, bessere Wahlmöglichkeiten und in der besten aller Welten auch niedrigere Energiepreise bescheren: Diese Erwartung von Optimisten gilt sowohl für Strom als auch für Gas. Wertanlage Wein Top oder Flop? 102 Der Trend lässt sich nicht leugnen: Galt die Investition in die kostbarsten Tropfen eines Jahrgangs lange Zeit als Privatvergnügen elitärer Kreise, parken inzwischen auch mittelständische Weinliebhaber ihre Spargroschen im Weinkeller oder in Weinfonds. Star belebt die Wirtschaft Jahre nach seiner Geburt im ehemaligen Meierhof im burgenländischen Raiding, das damals zu Ungarn gehörte, gedenkt halb Europa dem Genius Franz Liszt in zahlreichen Konzerten und Ausstellungen von London bis Venedig. Ein Land im fünf-viertel Takt 110 Die Symbiose zwischen Wirtschafts- und Tourismusland ergibt sich in Oberösterreich nicht zuletzt durch die steigende Anzahl ausländischer Fach- und Führungskräfte. Die Expatriates sind Multiplikatoren für das Lebensgefühl Oberösterreich. Impressum 3

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6 MENSCHEN & MÄRKTE VKB-Generaldirektor Dr. Albert Wagner Foto: vkb-bank / rubra Gutes Geschäftsjahr Die VKB-Bank kann sich im vergangenen Geschäftsjahr über sehr gute Zahlen freuen. Das EGT ist 2010 mit einem Plus von 19 Prozent stark angewachsen. Als Folge der Kreditoffensive gibt es bei den Investitionskrediten wieder ein überdurchschnittlich hohes Wachstum von 13 Prozent, sowie insbesondere bei den Firmen-Investitionskrediten mit sogar 15 Prozent. Die VKB-Bank hat es nicht nur geschafft, ihre Kernkapitalquote bereits jetzt auf Basel-III-Niveau zu bringen, sondern verfügt mit 13,6 Prozent hartem Kernkapital über den rund doppelten Wert der künftigen internationalen Vorschriften. Ü Eröffnung Drei neue Kundenzentren stehen den Kunden von Würth ab sofort zur Verfügung. Foto: Würth Drei neue Kundenzentren konnte der Montageprofi Würth in diesem Jahr bereits eröffnen. Nach den Standorten Wien-Bailoc Nordbahn und Freistadt öffnete Anfang Februar das neue Kundenzentrum in Wien-Penzing seine Pforten. Die Entwicklung der Kundenzentren ist mehr als positiv. Letztes Jahr konnten wir vier neue Standorte eröffnen. Der Thekenumsatz ist um 17 Prozent auf über 16 Millionen Euro gewachsen, so Mario Schindlmayr, Leitung Marketing Vertrieb. Der Ausbau des Kundenzentren-Netzes wird 2011 noch stärker als bisher gefördert. Ü 6 WIRTSCHAFTSNACHRICHTEN 1-2/2011

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8 COVERSTORY Wirtschaftsregion Donauraum: Wirtschaftsleistung im Steigflug begriffen Wirtschaftsstandorte sind meist geografisch und historisch bedingt. Der Donauraum von Oberösterreich über Niederösterreich bis Wien ist langsam, aber stetig gewachsen bereits unter den Römern hat sich sowohl diesseits als auch jenseits der römischen Außengrenze ein prosperierendes Merkantilsystem entwickelt, das bis in unsere Zeit nachwirkt. Von Marie-Theres Ehrendorff 8 Europaweit sind zwei große Wachstumsregionen zu beobachten. Die Zone der sogenannten Banane, weil sie geografisch die Form der beliebten Südfrucht darstellt, erstreckt sich von London über Berlin, Paris bis Mailand und ist bereits seit Jahrzehnten Fixpunkt im Top-Standort- WIRTSCHAFTSNACHRICHTEN 1-2/2011 Ranking. Die neu hinzugekommene Wachstumsregion ist Zentraleuropa. Der Donauraum befindet sich im Kernpunkt jener Region, die von Prag, Wien, Bratislava über Budapest in Richtung Balkan führt, erklärt Florian Schwillinsky, Geschäftsführer des Internationalen Central Europa Instituts (icei) mit Sitz in Wien, das Führungskräfte aus Wirtschaft und Politik in Entscheidungsprozessen berät. Der Standort-Radar, den das Institut heuer bereits zum siebenten Mal entwickelt, gibt punktgenaue Auskunft darüber, in welcher Region Österreichs der investierte Euro am meisten wert ist. Unangefochtener Platzhirsch in der Pole- Position des Radars ist und bleibt Oberösterreich. In allen Faktoren wie Wachstum, Wohlstand und Quasi-Vollbeschäftigung führt Oberösterreich das heimische Ranking an, interpretiert Schwillinsky die aktuellen Daten. Oberösterreich ist nicht nur die führende Industrieregion Österreichs, sondern zählt auch zu den stärksten Wirtschaftsräumen Europas. Ein Viertel der heimischen Industrieproduktion und der Exporte kommt aus diesem Bundesland. Einige Unternehmen sind sogar weltweit Marktführer in ihren Bereichen. Die österreichweit höchsten Ausgaben für Forschung und Entwicklung machen sich langfristig eben bezahlt. Die Erhöhung der Forschungsprämie von acht auf zehn Prozent ist eine der positivsten Maßnahmen, die im Rahmen der Budgetbegleitgesetze beschlossen wurden, sieht Wirtschaftskammer-Präsident Rudolf Trauner eine langjährige Forderung der WKOÖ nun endlich erfüllt. Für die Weiterentwicklung des Forschungs- und Technologiestandortes Oberösterreich ist die Erhöhung der Forschungsprämie aber nur ein erster Schritt. Auch die direkte Forschungsförderung und die F&E-Ressourcen an den Universitäten müssen weiter ausgebaut werden. Ein Rekord-Investment von 1,51 Milliarden Euro bis 2013 in den Wirtschafts- und Forschungsstandort wird durch das laufende strategische Programm Innovatives Österreich 2010plus derzeit umgesetzt. Allein 62 Prozent des Programmvolumens werden für F&E verwendet. Nur so können wir bestehende Arbeitsplätze sichern und vor allem neue schaffen und damit die Basis für Wohlstand im Land legen, erklärt Forschungs- Landesrätin Doris Hummer, die innerhalb des strategischen Wirtschafts- und Forschungsprogramms für die Themenfelder Forschung und Entwicklung und Bildung und Karriere verantwortlich zeichnet. Dort, wo es hohe Beschäftigungszahlen gibt, ist Industrie zu finden, meint Florian Schwillinsky, denn in der Wissensindustrie gibt es derzeit viel weniger Jobs. Im Moment leben die großen Wirtschaftsregionen noch von der Industrialisierung, aber tendenziell

9 COVERSTORY Fotos: Jupiter Images wird es dort zu einem Rückgang an Arbeitsplätzen kommen. BMW in Oberösterreich denkt daran, die Produktion einzelner Fahrzeuge nach Amerika zu verlagern, weil das wesentlich günstiger wäre. Das heißt, die Wertschöpfungsketten sind heute nicht mehr nur im eigenen Unternehmen, sondern bereits über die gesamte Welt verteilt. Österreichische Unternehmen arbeiten mit Vorprodukten, die aus China kommen täten sie das nicht, wären sie nicht mehr konkurrenzfähig. Und nur jene Unternehmen, die diese komplette Wertschöpfungskette gut steuern können, werden sich in Zukunft auf dem Weltmarkt behaupten. Niederösterreich schafft Mehrwert Als ausgezeichnetes Pflaster für Investitionen behauptet sich seit Jahren das Bundesland Niederösterreich mit dem soliden 2. Platz im Standort-Radar. In der Kategorie Wirtschaftsfreundlichkeit, die das besondere Eingehen der Verwaltung auf Probleme der Unternehmer bewertet, kann dem Land unter der Enns kein anderes Bundesland das Wasser reichen. Ebenso im Bereich Wissen als Standortfaktor, der sich aus der Beurteilung des regionalen Forschungsstandorts, der Weiterbildung und des Fachkräftepotenzials zusammensetzt. Für dieses Ergebnis wurde auch einiges unternommen. So hat das Land Niederösterreich gemeinsam mit der Wirtschaftskammer vier Konjunkturpakete mit einem Gesamtvolumen von rund 880 Millionen Euro geschnürt, die zur Stabilisierung der Wirtschaftslage bis Ende 2012 verlängert wurden. Neue Wege werden derzeit in puncto Eigenkapital beschritten, da es durch den Beschluss von Basel III (Banken müssen strengere Eigenkapital- und Liquiditätsregeln erfüllen) in Zukunft für KMUs schwieriger sein wird, für klassische Finanzierungsanlässe Kredite zu erhalten. Das am 1. Jänner 2011 gestartete NÖ-Eigenkapitalsicherungsmodell ist österreichweit in seiner Art einzigartig und soll die Wettbewerbschancen von Kleinunternehmern steigern. Mit diesem Instrument stärken wir auf effiziente und unbürokratische Weise die Eigenkapitaldarstellung unserer Klein- und Mittelunternehmen und verbessern so nachhaltig ihre Stabilität und ihre Chancen im Wettbewerb, ist Wirtschaftslandesrätin Petra Bohuslav überzeugt. Ein weiterer wichtiger Schritt zur Ankurbelung der Konjunktur war die Verlängerung der Schwellenwert-Verordnung bis Ende Damit soll vor allem die lokale Bauwirtschaft gezielt unterstützt werden. Grundlage für alle Initiativen von Seiten des Landes bildet die Wirtschaftsstrategie 2015, die Unternehmen bei ihren Projekten unterstützt und diese für zukunftsträchtige Ideen und Initiativen motiviert. Sechs Segmente stehen dabei besonders im Vordergrund: Innovation und Technologie, Qualifikation, Kooperation, Markterschließung, Unternehmensgründung und Nachhaltigkeit. Wir wollen damit das höchste Wirtschaftswachstum in Ost-Österreich erreichen, hochwertige Arbeitsplätze absichern und ausbauen sowie Niederösterreich als nachhaltigen und attraktiven Wirtschaftsstandort positionieren, so Bohuslavs hochgesteckte Ziele. Experten des IHS rechnen für das Jahr 2011 aus derzeitiger Sicht mit einem Wirtschaftswachstum von rund 2,3 Prozent, was über dem erwarteten Österreichschnitt von rund zwei Prozent liegt. NÖ hat ähnlich wie OÖ eine geografisch interessante Stellung, wobei Betriebe angelockt werden können, die einen günstigen Standort suchen, und auch solche, die sich in der Nähe von Wirtschaftsmetropolen zu günstigeren Kosten ansiedeln, um nahe dem Zentrum zu sein, resümiert Florian Schwillinsky. Das Land profitiert von seiner Doppelstrategie: günstige Regionen, aber auch Top-Regionen rund um Wien sowie günstigere Fach- und Arbeitskräfte in Randgebieten, die einfachere Tätigkeiten übernehmen können, und top-ausgebildete Leute rund um Wien. WIRTSCHAFTSNACHRICHTEN 1-2/2011 9

10 COVERSTORY Auch die Infrastruktur spielt beim Standort nach wie vor eine wesentliche Rolle. Dort, wo die Donau in unseren Breiten fließt, befinden sich auch fast immer die Hauptstädte, was als besonderes Asset für den Wachstumsraum zu werten ist, meint Schwillinsky. Die Westautobahn hat sich parallel zur Donau entwickelt und die quer über den Kontinent laufenden europäischen Korridore gehen zielgenau durch die Wachstumsregion. Daher ist der Zentralbahnhof Wien für die Wirtschaft von Bedeutung, um vom Kopfbahnhof zum Transitbahnhof zu mutieren und die transeuropäischen Züge durch Wien zu lenken. Die Standortfaktoren haben sich jedoch im Laufe der Zeit verändert. War es während der industriellen Revolution für die Betriebe interessant, sich dort anzusiedeln, wo Industrie bereits vorhanden war, so sind in unserer derzeitigen Übergangsphase Richtung Wissensgesellschaft andere Einflüsse ausschlaggebend. Zum Beispiel weiß man, dass Kreativarbeiter sich eher dort ansiedeln wollen, wo auch andere Kreative zu finden sind, erkennt Schwillinsky einen nahenden Verstädterungsprozess. Dieses Beispiel können wir gut im Großraum London mit dem stärksten Wirtschaftswachstum Europas beobachten. Besonders durch das derzeitige Boomen der unternehmensnahen Dienstleistungen, die ein Wachstumskennzeichen von Regionen bedeuten, welche gerade den Übergang von der Industrie- zur Wissensgesellschaft vollziehen. Wien punktet mit Lebensqualität Der Consulting-Konzern Mercer hat auch 2010 auf Grund seiner Studie Quality of Living Survey unserer Bundeshauptstadt übrigens schon zum zweiten Mal die Goldmedaille für höchste Lebensqualität verliehen. Somit rangiert Wien unangefochten vor Zürich, Genf, Vancouver, Auckland, Düsseldorf, Frankfurt, München, Bern und Sydney in Front. Wirtschaftlich gesehen hat die Stadt an der blauen Donau, jedoch keineswegs die Nase vorn, verliert sie doch bereits seit Jahren an Wirtschaftskompetenz. Im Standort-Radar nur mehr auf Platz acht gereiht, wurde Wien in fünf der sieben Teilbereiche erneut schlechter als im Vorjahr bewertet. Lediglich in den Kategorien Wohlstand und Wachstum konnte Wien zulegen. In Summe aller Teilbereiche verliert Wien jedoch weiter gegenüber Wien ist in puncto Wohlstand top, allerdings rangiert es beim Thema Arbeitsmarkt Bruttoregionalprodukt der Bundesländer (2007) Mio. %-Verteilung BIP/Kopf in Wien , Oberösterreich , Niederösterreich , Steiermark , Tirol , Salzburg , Kärnten , Vorarlberg , Burgenland , Österreich , Quelle: Statistik Austria (2010) STELLUNG ÖSTLICHER DONAURAUM IN DER REGION CENTROPE JULI 2010 Region Bevölkerung (01/2009) BIP/Kopf (KKS; 2007) BIP (Mio. Euro; 2007) Größe (km²) Wien Niederösterreich Burgenland Kreis Bratislava/Bratislavský kraj Kreis Trnava/Trnavský kraj Region Südböhmen/Jihočeský kraj Region Südmähren/Jihomoravský kraj Komitat Vas Komitat Györ-Moson-Sopron Centrope Quellen: Eurostat, Statistik Austria, regionale Statistikämter 10 WIRTSCHAFTSNACHRICHTEN 1-2/2011

11 COVERSTORY an letzter Stelle. Wissen wird trotz aller Universitäten und Forschungseinrichtungen nur knapp über den Durchschnitt gereiht, die Standortkosten sind die höchsten von ganz Österreich, hinsichtlich Wirtschaftsfreundlichkeit wird Wien auch kein besonders gutes Zeugnis ausgestellt, weil unter dem Durchschnitt bewertet. Dafür wird den weichen Standortfaktoren wieder ein überdurchschnittlicher Platz eingeräumt. Wien ist zwar ein erstklassiger Standort, doch der Schritt ins günstigere Niederösterreich ist leicht getan, so der Standort-Experte Florian Schwillinsky. Ein idealer Standort ist Schnee von gestern. Heute zählen Spezialisierung, Verdichten von Angeboten und Bündeln von Kompetenzen als Niederlassungsfrage. Darin sieht auch die Bundeshauptstadt ihre Chance. Die Schwerpunkte der Wiener Wirtschaftsförderung liegen auch in diesem Jahr bei den Life Sciences, der IKT, der Kreativwirtschaft, der automotiven Industrie, der Medien- und Contentwirtschaft sowie den Umwelttechnologien, erklärt Wirtschaftsstadträtin Renate Brauner, die in diesen wissensund technologiebasierten Branchen ebenso die Zukunft des Wirtschaftsstandortes sieht. Wissensarbeiter wollen lieber in Städten leben, sagt Schwillinsky, das heißt, die Großraumraumregionen wie Wien, Bratislava oder Budapest können davon profitieren, wenn sie Lebensqualität bieten und die Politik geschickte Rahmenbedingungen setzt. Berlin oder London sind gelungene Beispiele dafür, denn dort passt das Umfeld perfekt. Mit Förderungen allein wird man den Personenkreis der Kreativen allerdings nicht in die Stadt ziehen können, da sie zu mobil sind. KAUFKRAFT/EINWOHNER Kaufkraftindex je EinwohnerIn in den Bundesländern (2009) Wien 106,2 Niederösterreich 102,5 Vorarlberg 99,4 Salzburg 99,4 Oberösterreich 98,8 Burgenland 96,6 Steiermark 95,7 Tirol 95,1 Kärnten 95,1 Österreich 100 Quelle: KMU Forschung Austria Burgenland setzt auf Technologie Das Burgenland ist fast das Spiegelbild zu Oberösterreich. Es gibt im Burgenland nur einen einzigen wettbewerbsfähigen Faktor, nämlich die Standortkosten. Die übrigen sechs Kriterien befinden sind im unteren Drittel der Standort-Radar-Bewertungsskala. Das Hauptproblem des Standorts Burgenland ist die Stagnation des Wirtschaftswachstums bei einem im Vergleich zu den übrigen Bundesländern geringen Wohlstand. Durch das schwache Wachstum will auch der regionale Arbeitsmarkt nicht so richtig in Schwung kommen. In Gegenüberstellung zum Vorjahr konnte sich das Burgenland im Gesamtergebnis aber leicht verbessern und den Abstand zum Bundesdurchschnitt sogar etwas verkleinern. Trotzdem reicht das Ergebnis nur für den neunten Platz in der Rangliste der österreichischen Bundesländer. Wie schon im vergangenen Ranking ist das Burgenland das einzige Bundesland im roten Gefahrenbereich des Standort-Radars, was bedeutet, dass der Abstand zum Durchschnitt aller Bundesländer bereits über der Standardabweichung liegt. Laut Schwillinsky profitiert das Land aus den Ziel-1-Förderungen, die jedoch nach deren Auslaufen noch nicht optimal genutzt sind. Die Herausforderung für das Burgenland wird darin bestehen, den Unternehmen entsprechende Angebote zu machen, um diese langfristig in der Region halten zu können. Vier neue Technologiezentren in Güssing, Jennersdorf, Neutal und Neusiedl am See sind in der vergangenen Zeit zu den bereits bestehenden in Eisenstadt und Pinkafeld hinzugekommen, setzt Landeshauptmann Hans Niessl auf Innovation als Standortförderung. Durch geschicktes Lobbying war es auch möglich, nach Auslaufen der zweiten Ziel-1-Periode von Seiten der EU attraktive Förderungen in Form des Phasing-Out-Programms für 2007 bis 2013 für das Burgenland zugesprochen zu bekommen. Damit erzielt das Burgenland nach wie vor die besten Fördermöglichkeiten aller Bundesländer. Im internationalen Standort-Radar des icei, wo rund 260 europäische Regionen auf Wirtschaftsleistung und Demografie untersucht werden, schneiden die an Österreich angrenzenden Regionen, wie die Schweiz oder Bayern, wesentlich besser ab als die österreichischen. Wobei daraus auch ganz LEBENSQUALITÄT Lebensqualität im weltweiten Vergleich Indexpunkte Wien 108,6 Zürich 108,0 Genf 107,9 Vancouver 107,4 Auckland 107,4 Düsseldorf 107,2 München 107,0 Frankfurt 106,8 Bern 106,5 Sydney 106,3 New York 100,0 Quelle: Mercer Human Resource Consulting 2009 deutlich zu ersehen ist, dass die Donau nach wie vor als Lebensader der Wirtschaft fungiert, weil alle europäischen Regionen mit überdurchschnittlicher Wirtschaftsleistung und höherem Wachstum hier zu finden sind. Die Standortpolitik der nächsten Jahre wird sich daran messen, die Stärken der einzelnen Regionen zu erkennen, sie zu verstärken und auszubauen. Denn internationale Konzerne, die neue Standorte suchen, stellen heute globale Bedingungen. Für diese Unternehmen gibt es keinen österreichischen, sondern nur einen europäischen Standort. Da spielt es keine Rolle, ob die Region Bratislava, Budapest oder Wien heißt. Wenn es der Donauraum schafft, was ihm mit der Industrialisierung als Standort gelungen ist, auf die Wissensgesellschaft zu übertragen, dann ist diese Region in Europa ein Wachstumsraum, für den es sonst keine vergleichbaren Möglichkeiten gibt, ist Schwillinsky überzeugt. Ü STANDORT-RADAR Standort-Radar -Methode: Das Analyse-Modell wurde vom Internationalen Central Europa Institut entwickelt, orientiert sich an bereits erfolgreichen Systemen, z.b. an dem der Bertelsmann Stiftung, dem des Institutes der deutschen Wirtschaft IW, dem Internationalen Institut für Management-Entwicklung IMD Lausanne Schweiz oder dem der Deutschen Gesellschaft für Wirtschaftliche Strukturforschung. In das Modell des Erfolgsindex fließen makroökonomische Indikatoren (STATISTIK AUSTRIA, Arbeitsmarktservice AMS, Wirtschaftskammer Österreich WKO) und Ergebnisse aus einer vom Internationalen Central Europa Institut (icei) 2009 durchgeführten Entscheidungsträgerbefragung ein, die insgesamt 26 Teilindizes ergeben. Diese sieben Faktoren bestimmen den Standort-Index: n Wachstum n Wohlstand n Beschäftigung n Wissen als Rohstoff n Standortkosten n Wirtschaftsfreundlichkeit n Weiche Standortfaktoren Österreich-Ranking (2009) OÖ NÖ Tirol Salzburg/Vorarlberg österreichischer Durchschnitt Steiermark Kärnten Wien Burgenland WIRTSCHAFTSNACHRICHTEN 1-2/

12 WIRTSCHAFTT & POLITIK Technologie in Niederösterreich LH Dr. Erwin Pröll überzeugt sich von der Forschungsarbeit an den Technopolen in NÖ. Im Jahr 2000 wurde das Technologiekonzept Niederösterreich erstmals vorgestellt. Die Vision war: Niederösterreich, ein Land mit Lebensqualität im Herzen Europas, hat den Anspruch, sich zu einem führenden Technologie- und Wirtschaftsstandort zu entwickeln. Technologie ist dabei Wegbereiter für eine moderne, weltoffene Gesellschaft. Seit 2000 verfolgt die niederösterreichische Technologiepolitik konsequent diese Vision. Die Strategie dazu wurde Schritt für Schritt in den Förderinstrumenten und durch die Gründung der N.vest (ehemals tecnet) sowie die Initiierung des Technopolprogramms 2004 im Rahmen der ecoplus umgesetzt. Auch im Zuge der neuen Wirtschaftsstrategie Niederösterreich 2015 wurde Innovation & Technologie als wesentliche Stoßrichtung definiert. Dabei geht es vor allem um den weiteren Ausbau der Technopolstandorte, eine bessere Verwertung und Nutzung von Forschungsergebnissen sowie unter anderem um die Kommunikationsoffensive Technologie. Wissenschaftliche Forschung auf höchstem Niveau das Institute of Science and Technology Austria in Klosterneuburg Fotos: NLK Technopole in Niederösterreich Die Technopole in Krems, Tulln und Wiener Neustadt haben wesentlich zur Dynamisierung in der niederösterreichischen Wirtschaft beigetragen. Im Rahmen dieses Programms geht es darum, Standorte mit einer hohen Dichte an F&E-Einrichtungen, forschungsintensiven Betrieben sowie spezifischen Ausund Weiterbildungsstätten als Orte technologieorientierten Wirtschaftens mit Konsequenz weiterzuentwickeln. Innovative Produkte auf höchstem Niveau wurden in den letzten fünf Jahren an den Technopolstandorten Krems, Tulln und Wiener Neustadt entwickelt und neue Arbeitsplätze geschaffen. Zudem erfahren junge Menschen an den Technopolen eine exzellente Ausbildung von großem Wert für die heimische Wirtschaft! Technopol Krems Forschungsschwerpunkt: Biotechnologie und Regenerative Medizin, Visual Computing und Bauforschung n BTZ Biotechnologiezentrum Krems inkl. RIZ NÖ Nord n Donau Universität Krems als Bildungsund Forschungseinrichtung n IMC Fachhochschule, speziell im Bereich Biotechnologie. Technopol Tulln Forschungsschwerpunkt: Agrar- und Umweltbiotechnologie, Bioanalytik, Lebensund Futtermittelsicherheit n TZT Technologiezentrum Tulln n IFA Tulln, Department der Universität für Bodenkultur als Forschungseinrichtung n FH Wiener Neustadt am Campus Tulln mit dem Schwerpunkt biotechnische Verfahren n ab 2011 Universitäts- und Forschungszentrum Tulln (Boku und AIT) n Christian Doppler Laboratorien am IFA Tulln: Mykotoxinforschung, Leitung: Prof. Dr. Rudolf Krska Analytik allergener Lebensmittelkontaminanten, Leitung: Prof. Dr. Sabine Baumgartner Mykotoxinmetabolismus Leitung: Univ. Ass. Dr. Franz Berthiller. Technopol Wiener Neustadt Forschungsschwerpunkte: Materialien, Verfahrens- und Prozesstechnologien, Medizin-Technik, Sensorik-Aktorik und Oberflächen n TFZ Technologie- und Forschungszentrum WN n FH Wiener Neustadt als Forschungs- und Bildungseinrichtung n Leitprojekte: OFI Österreichisches Forschungsinstitut, FISS Forschungsstelle für Integrierte Sensorsysteme der Österreichische Akademie der Wissenschaften. Insbesondere wissensintensive, industrienahe Dienstleistungen und wertschöpfungs- 12 WIRTSCHAFTSNACHRICHTEN 1-2/2011

13 LH Pröll: ISTA in Kloster - neuburg wächst weiter intensive Kompetenzen haben sich an den Technopolstandorten rascher als an den Vergleichsstandorten und im Landesdurchschnitt entwickelt. Technopol Studie des Economica Instituts für Wirtschaftsforschung Diese positive Entwicklung der Technopolstandorte und die Impulse für den Wirtschaftsstandort Niederösterreich belegt eine Studie des Economica Instituts für Wirtschaftsforschung von IV-Chefökonom Dr. Christian Helmenstein. An den Technopolen beträgt der totale Bruttowertschöpfungseffekt allein im Jahr 2009 rund 190 Millionen Euro. Von diesem Gesamteffekt werden mit rund 120 Millionen Euro fast zwei Drittel (62,4%) in Niederösterreich wirksam. Der direkte Beschäftigungseffekt in den Technopolen beläuft sich auf insgesamt Personen im Jahr Auch die Betriebsansiedlungsynamik ist in den Technopolbezirken höher als in Vergleichsregionen. Während im Zeitraum zwischen 2004 bis 2009 in Niederösterreich bei den Ansiedlungen ein Plus von 15,8 Prozent verzeichnet wurde, liegt der Wert in den Technopolbezirken bei 18,3 Prozent. Damit ist klar: Technopole stärken regionale Wertschöpfungsketten und -netzwerke, Technopole unterstützen den Strukturwandel in der niederösterreichischen Wirtschaft, und Technopole fördern die Entstehung einer wissensintensiven Wirtschaft. Wir sind stolz auf die Entwicklung, die Niederösterreich genommen hat. Wir haben seit Beginn der Technologieoffensive im Jahr 2000 ein tragfähiges Fundament für die Zukunft geschaffen. Niederösterreich hat sich Schritt für Schritt von einem Agrar- und Industrieland zu einem Wirtschafts- und Wissenschaftsland entwickelt und sich als Wissenschaftsstandort positioniert. Die niederösterreichische Wissenschaftsachse reicht mittlerweile von Krems über Tulln und Klosterneuburg (ISTA) bis nach Wiener Neustadt (MedAustron). Ein weiterer Beweis, dass der Wissenschaftsstandort Niederösterreich am Vormarsch ist, ist die Unterzeichnung der Vereinbarung über die Errichtung einer privaten Gesundheits-Universität in Krems! LH Pröll: Die Zukunft liegt in rauchenden Köpfen, nicht in rauchenden Schloten. LH Erwin Pröll: NÖ setzt auf Forschung, denn wo geforscht wird, ist Zukunft zuhause. Die NÖ Landesregierung hat in ihrer letzten Sitzung im Jahr 2010 die Bauaufsicht für das 2. Laborgebäude am Campus des Institute of Science and Technology Austria, kurz IST Austria, in Klosterneuburg vergeben. Das Institute of Science and Technology Austria ist die Speerspitze der wissenschaftlichen Forschung in Niederösterreich. Die Investitionen des Landes für die Infrastruktur und den Bau sind ein fundamentaler Baustein der zukünftigen Entwicklung im Bundesland, erklärt Landeshauptmann Dr. Erwin Pröll. Bisher hat das Land Niederösterreich 90 Millionen Euro in die bauliche Entwicklung des Campus investiert. Mit Jahresende 2010 werden am Campus des IST Austria unter der Leitung von Präsident Prof. Tom Henzinger 120 Forscher und Mitarbeiter, davon zwölf Professoren, 60 Studenten und 48 sonstige Mitarbeiter tätig sein. Die Forscher gehören 25 Nationalitäten an. Die Forschungsschwerpunkte am Institut sind: n Computerwissenschaften n Neurowissenschaften n Zellbiologie/Biophysik n Evolutionsbiologie Nach der Fertigstellung des 1. Laborgebäudes sind seit Oktober 2010 auch bereits experimentelle Forschungsgruppen am IST Austria aktiv. Die Bauarbeiten für das 2. Laborgebäude haben bereits begonnen, damit es im Herbst 2012 in Betrieb gehen kann. Für Prof. Henzinger liegt der Arbeitsschwerpunkt 2011 in der Evaluierung der bisherigen Tätigkeit von IST Austria durch ein renommiertes und internationales Komitee sowie in der Akquisition von weiteren drei bis fünf naturwissenschaftlichen Top-Forschern. Im Jahr 2011 soll der Personalstand von Forschern und Mitarbeitern auf 160 gesteigert werden. Das Land Niederösterreich wird im Jahr 2011 neben dem Bau des 2. Laborgebäudes die Planung der Spin-off-Area zur Ansiedelung von Betrieben vorantreiben. Kommunikationsoffensive Technologie Damit diese Anstrengungen auch in der Bevölkerung sichtbar werden, startete das Land Niederösterreich eine Kommunikationsoffensive für die Bürgerinnen und Bürger. Wir wollen zeigen, warum Investitionen in die Technologie wichtig sind und wie jeder Einzelne von den Leistungen der Spitzenforscher profitiert. Daher lautet das bereits erwähnte Motto unserer Offensive: Im Auftrag der Zukunft. Im Dienst der Menschen. Seit 2010 wird das Kommunikationskonzept Technologie für das Land Niederösterreich mit einigen bereits erfolgreich absolvierten Veranstaltungen umgesetzt (z.b. Zukunftsempfang, Fotowettbewerb Technoblick, MS Wissenschaft, Lange Nacht der Forschung). Im Jahr 2011 wird dieses Konzept weiter fortgesetzt, um das Thema Technologie noch näher an die Bürgerinnen und Bürger zu bringen. Einerseits geht es darum, den Nutzen, den die Technologie bringt, aufzuzeigen, andererseits wird dadurch der Standort Niederösterreich noch interessanter für die Ansiedlung von (Technologie-) Unternehmen. Ü WIRTSCHAFTSNACHRICHTEN 1-2/

14 WIRTSCHAFTT & POLITIK 450 Millionen Euro für Wirtschaft und Forschung Wirtschaftslandesrat KommR Viktor Sigl und Forschungslandesrätin Mag. a Doris Hummer haben ein immens starkes Programm für die Zukunft geschnürt: Das strategische Wirtschafts- und Forschungsprogramm Innovatives OÖ 2010plus stärkt mit 37 Maßnahmen den Wirtschafts- und Innovationsstandort Oberösterreich und wird dafür sorgen, dass sich OÖ einen guten Platz innerhalb der EU-Regionen sichert. Web-Tipp: Oberösterreich setzt einmal mehr auf strategische Wirtschafts- und Forschungspolitik. Insgesamt wurden mit dem strategischen Programm 2000+, dem Innovativen OÖ 2010 und dem aktuellen Innovativen OÖ 2010plus seit 1998 insgesamt mehr als eine Milliarde Euro in den Standort Oberösterreich investiert. Weitere 450 Millionen davon 150 Millionen allein vom Land OÖ folgen jetzt bis zum Jahr Das ist ein Rekord-Investment, von dem eine große Anzahl von Unternehmen, Forschungseinrichtungen, aber auch Jugendliche, Facharbeiter/-innen und Studierende deutlich profitieren, betont Wirtschaftslandesrat Viktor Sigl. Dazu Forschungslandesrätin Mag. a Doris Hummer: Insgesamt gesehen legen wir mit 62 Prozent des 450 Millionen Euro starken Programms einen klaren Fokus auf Forschung und Entwicklung. Mit Strategie zum Erfolg In den fünf bewährten Bereichen Forschung und Entwicklung, Bildung und Karriere, Netzwerke, dem Wirtschafts- und Technologiestandort OÖ und EU-Networking wurden in Zusammenarbeit mit anerkannten Expertinnen und Experten 14 Strategien und 37 Maßnahmen definiert, die jetzt zur Umsetzung kommen. Durch diesen umfassenden strategischen Ansatz entsteht ein produktives Klima, in dem Forschungsaktivitäten, Kooperationen und Investitionen um vieles leichter werden. Oberösterreich konzentriert sich weiter auf seine Stärkefelder und baut diese aus, setzt aber auch gezielt neue Schwerpunkte wie etwa im Bereich Energie. Und: Die bereits enge Zusammenarbeit zwischen Wirtschaft, Forschung und Bildungseinrichtungen wird noch weiter intensiviert und verstärkt. LR KommR Viktor Sigl und LRin Mag. a Doris Hummer: Es ist uns gelungen, die Bereiche Wirtschaft, Forschung, Bildung und Technologie noch stärker als bisher miteinander zu vernetzen. Das bringt Oberösterreich Arbeitsplätze, Wachstum und deutliche Vorteile im nationalen und internationalen Wettbewerb! Foto: Land Oberösterreich Konkrete Antworten Innovation ist der treibende Faktor hinter langfristigem Wachstum. Um nachhaltige Wertschöpfung sicherzustellen, setzt Oberösterreich auf die intensive Zusammenarbeit von Wissenschaft und Wirtschaft, betont Forschungslandesrätin Hummer. Und darum geht s konkret: Der Mechatronikstandort OÖ heute schon top soll national, aber auch international weiter an Sichtbarkeit zulegen. Die OÖ-Forschungsförderung, die gemeinsam mit dem Bund vergeben wird, steigert die F&E-Aktivitäten und ergänzt sich perfekt mit der Direktförderung von innovativen Kooperationsprojekten, die über die oö. Cluster initiiert werden. Weiters wichtig: Die Auslandsaufenthalte der Studierenden an Universität und Fachhochschule zu steigern, die Kreativwirtschaft zu forcieren, an attraktiven Standortbedingungen für Fachkräfte in OÖ zu arbeiten. Last but not least will man durch den Vergleich mit führenden Ländern dem so genannten Innovationsbenchmarking noch besser werden und auch in der EU-Hauptstadt Brüssel die oö. Positionen stark einbringen und Verbesserungen vor Ort erreichen. Ü DIE FAKTEN Innovatives OÖ 2010plus n 14 Strategien und 37 Maßnahmen wurden in fünf Themenfeldern unter Einbindung zahlreicher Experten/innen definiert. n Die Basis bilden die strategischen Leitlinien des Rates für Forschung und Technologie für OÖ. n Innovatives OÖ 2010plus ist seit dem 1. Juli 2010 in Umsetzung und läuft bis zum Jahr n Das Programmvolumen beträgt 450 Millionen Euro, 150 Millionen werden vom Land OÖ bereitgestellt. n Von 1998 bis 2013 wird so ein Rekord-Investment von 1,51 Milliarden Euro für den Wirtschafts- und Forschungsstandort OÖ. getätigt. n Zuständig sind das Wirtschaftsund das Forschungsressort des Landes OÖ, die Koordination und Umsetzungsbegleitung liegt bei der TMG. 14 WIRTSCHAFTSNACHRICHTEN 1-2/2011

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16 WIRTSCHAFTT & POLITIK Wie kaum eine andere Region Mitteleuropas hat sich Niederösterreich in den letzten Jahren als Wirtschafts- und Technologiestandort etabliert. Im Jahre 2000 fiel der Startschuss für den Umbau des Agrarlandes in einen attraktiven Wirtschaftsstandort der Zukunft. Rund 300 Millionen Euro wurden in den vergangenen zehn Jahren investiert. An den NÖ-Technopolstandorten wurden 95 Forschungsprojekte ermöglicht und mehr als 330 Arbeitsplätze im Hochtechnologiebereich geschaffen. Marie-Theres Ehrendorff sprach mit Mag. Helmut Miernicki, Geschäftsführer der niederösterreichischen Wirtschaftsagentur ecoplus, über boomende Betriebsansiedlungen in Zeiten der Wirtschaftsflaute und ehrgeizige Zukunftspläne im Bereich der Standortinnovation von Österreichs größtem Bundesland. n Herr Mag. Miernicki, langfristige Standortpolitik scheint sich in Zeiten der Krise bezahlt zu machen? Wir haben bereits vor zehn Jahren die Technologie-Offensive Niederösterreich gestartet, wo auch der ehemalige Cosmonaut Franz Viehböck als Leiter eines Think-Tanks für Projekte und Partnerschaften. In Krems ist der Schwerpunkt medizinische Biotechnologie. Knorpelersatz, künstliche Organe, wie Leber und Niere, werden dort hergestellt und internationale Spitzenforschung zur weltweiten Blutreinigung wird in Krems angesiedelt werden. In Tulln kommen internationale Maßstäbe in puncto Agrar- und Umweltbiotechnologie zum Einsatz, d.h. von der Schimmelpilzforschung bis zu Untersuchungen von Allergien durch Lebensmittel. Der dritte Standort ist Wiener Neustadt mit dem Schwerpunkt Moderne industrielle Technologien, mit Mikrosystemtechnik und Nanosystemtechnik bis zu kratzresistenten Autolacken sowie Medizintechnik, wo mehr Etabliertes und Neues unter einen Hut bringen: Gezielte Betriebsansiedlungen und Spitzenforschung Made in NÖ 16 am Technopol-Programm 2004 mitgearbeitet hat, das die ecoplus umsetzt. Forschung und Wissenschaft werden dabei nicht nach dem Gießkannenprinzip gefördert, sondern punktgenau jene Standorte, die drei wesentliche Voraussetzungen erfüllen nämlich: Ausbildung, Wissenschaft und bereits bestehende Unternehmen. Diese Voraussetzungen erfüllen Krems, Tulln und Wiener Neustadt mit ihren Ausbildungseinrichtungen und Unternehmen zur Gänze. n Das klingt nach Innovation in vielfältigen Bereichen. Wo liegen jedoch die Schwerpunkte? In den einzelnen Technopolzentren setzen wir wiederum auf spezifische Themenfelder WIRTSCHAFTSNACHRICHTEN 1-2/2011 als 860 Mitarbeiter in den Technologiefeldern, davon wieder mehr als 350 Wissenschaftler aus 20 Ländern, arbeiten. Auch die Fachhochschule mit knapp Studentinnen und Studenten aus mehr als 55 Ländern schafft ebenso Impulse für Forschung und Wirtschaft wie das in unmittelbarer Nähe im Bau befindliche Krebsforschungs- und Behandlungszentrum MedAustron und der Neubau des Krankenhauses. n Der Ende vorigen Jahres hinzugekommene Standort Wieselburg ist sozusagen Ihr jüngstes Baby aber auch ein ganz wichtiges, wenn auch noch kein vollwertiges Technopol, da die Ausbildung derzeit nicht in diesem Ausmaß vorhanden ist, wie es erforderlich wäre. Im Bereich der Bioenergie hat Niederösterreich eine Vorreiterrolle inne. Die Forschungsschwerpunkte dieses Kompetenzzentrums aus der COMET-Spitzenforschungsklasse sind F&E auf dem Gebiet der Biomassefeuerungen, der Kraft-Wärmekopplung für Einund Mehrfamilienhäuser sowie die Entwicklung von Biobrennstoffen, wie z.b. Pellets. n Sie pumpen aber nach wie vor frisches Geld in die Standorte? In allen vier Standorten gibt es Technologiezentren, also Infrastrukturen, die von ecoplus gebaut werden, wo wir in den vergangenen Jahren 68 Millionen Euro investiert haben. Wir entwickeln die Standorte jedoch

17 WIRTSCHAFTT & POLITIK nachhaltig. In Wr. Neustadt haben wir beispielsweise seit der Errichtung des Technologie- und Forschungszentrums (TFZ) im Jahr 1994 insgesamt 31,6 Millionen Euro verbaut. Mit dem Spatenstich für die vierte Ausbaustufe werden weitere 22 Millionen Euro in den nächsten Jahren investiert. Das heißt, am Standort Wiener Neustadt findet man eine Infrastruktur, die internationale Maßstäbe setzt und einen attraktiven Standplatz für Unternehmen aus aller Welt darstellt. n Wie behauptet sich NÖ im Vergleich zu anderen Bundesländern in puncto Betriebsansiedlungen? Seit Jahresbeginn wurden in Niederösterreich rund 80 Ansiedlungs- und Erweiterungsprojekte von ecoplus erfolgreich abgeschlossen. Rund 2010 Arbeitsplätze wurden damit geschaffen und gesichert. Im vergangenen Jahr durften wir 73 Ansiedlungsund Erweiterungsprojekte mit rund gesicherten bzw. neu geschaffenen Arbeitsplätzen betreuen. Auch die 17 ecoplus -Wirtschaftsparks (acht eigene, neun Beteiligungen) boomen. Dort haben sich mittlerweile rund 750 Betriebe mit mehr als Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern angesiedelt. Ganz besonders stolz sind wir auf die Ansiedlung der Modine Austria im ecoplus - Beteiligungspark Craft Center Kottingbrunn. Modine Austria konzipiert, konstruiert, erprobt und fertigt Produkte im Bereich der Unser Schwerpunkt liegt derzeit unter anderem auf der Ansiedlung forschungsintensiver Betriebe und der Errichtung von Forschungszentren, gibt Mag. Helmut Miernicki, Geschäftsführer von ecoplus, die Richtung vor. Foto: ecoplus Wärmeübertragung. Produziert werden z.b. Wärmetauscher für Klimaanlagen für Pkw und Lkw, Ölkühler und Klimakondensatoren, auch für die Haustechnik. Mit einer eigenen F&E-Abteilung gehört das weltweit tätige Unternehmen auch zu den Top-Patententwicklern: Immerhin wurden mehr als Patente in der über 90-jährigen Betriebsgeschichte bisher verwertet. n Ist eine Fokussierung auf bestimmte Branchen überhaupt sinnvoll? Unser Schwerpunkt liegt derzeit auf der Fokussierung forschungsintensiver Betriebe und Forschungszentralen, was auch für bereits in Niederösterreich angesiedelte Unternehmen eine Reihe von Vorteilen bringt. Mit der Übersiedlung der Forschungsabteilung der Fresenius Medical Care aus Deutschland an den Technopolstandort Krems konnten zusätzliche Arbeitsplätze im Hochtechnologiebereich geschaffen werden. Dieses Hightech-Unternehmen ist bereits seit Juli 2000 im RIZ Nord/ Gründerzentrum Krems angesiedelt und baut derzeit seine Forschungsaktivitäten im Bereich Adsorbertechnologie in Krems kontinuierlich aus. n Welche Standorte boomen? Mit innovativen Strategien versuchen wir seit Jahren, uns als Hightech-Region einen Namen zu machen, und so wird es für viele Unternehmen zunehmend attraktiver, sich in Niederösterreich anzusiedeln. Ein gutes Beispiel dafür ist der ecoplus Wirtschaftspark IZ NÖ-Süd. Über 300 Betriebe haben schon im mit 280 ha Fläche größten Wirtschaftspark Österreichs ihren Unternehmenssitz und bieten über Menschen einen Arbeitsplatz. Das sind bereits Dimensionen, die man mit einer kleinen Stadt vergleichen kann. Ein weiterer Top-Standort ist der Wirtschaftspark Wolkersdorf. Dort haben sich bisher 34 Unternehmen angesiedelt, darunter namhafte wie Kotanyi, Manner, Ölz, Velux oder Herz Austria. Die verkehrsgünstige Lage, das große Angebot an qualifizierten Arbeitskräften und die erstklassige Infrastruktur sind nur einige Vorteile dieses Wirtschaftsparks. n Und welche Rolle spielt die Infrastruktur dabei? Wir haben acht eigene Wirtschaftsparks, an acht weiteren ist ecoplus beteiligt. Die Unternehmen finden dort eine voll erschlossene Infrastruktur vor, was sicherlich bei der Entscheidung für einen Standort eine große Rolle spielt. Das Investitionsvolumen für die ONE-STOP-SHOP ecoplus ist die One-Stop-Shop - Wirtschaftsagentur des Landes Niederösterreich und somit Schnittund Servicestelle zwischen Wirtschaft und Politik, Unternehmen und Verwaltung, Investoren und Initiatoren regionaler Projekte auf nationaler und internationaler Ebene. Die Agentur mit privatwirtschaftlichen Strukturen unterstützt und begleitet Unternehmen unterschiedlicher Branchen vom ersten Kontakt bis zur erfolgreichen Ansiedlung oder Betriebserweiterung. Zu ihren Leistungen zählen unter anderem die Bereitstellung attraktiver Unternehmensstandorte, die Förderung von wichtigen regionalen Projekten, die Initiativen der Netzwerke und Cluster und die Unterstützung bei Exportbestrebungen in die Märkte des neuen Europa. Jahre beträgt rund 35 Millionen Euro, wobei rund 22 Millionen Euro in infrastrukturelle Maßnahmen wie etwa Verkehrsleitsysteme oder thermische Sanierung von Miethallen fließen. Weitere 12,5 Millionen Euro sind für Erweiterungen bestehender Wirtschaftsparks bzw. für neue Wirtschaftsparks vorgesehen. n Gibt es bereits einen Ansiedlungstourismus in NÖ? Ein ganz aktuelles Beispiel ist die Übersiedlung des Hochtechnologie-Unternehmens Polymun Scientific Immunbiologische Forschung GmbH von Wien nach Klosterneuburg. Seit über 15 Jahren entwickelt Polymun Produkte für die Pharmaindustrie, zu deren Aufgaben die Entwicklung und Produktion von Biopharmazeutika gehören, die zum Beispiel für die Behandlung von Krebs benötigt werden. Ü ANGEBOT Seit dem Jahr 2004 setzt ecoplus das gesamte Technopol-Programm des Landes Niederösterreich um, wo an drei Standorten international anerkannte Spitzenforschung in unterschiedlichen Disziplinen betrieben wird. Das Technopol Krems genießt weltweit höchste Anerkennung für Medizinische Biotechnologie, das Technopol Tulln für Agrar- und Umweltbiotechnologie und das Technopol Wiener Neustadt für Moderne Industrielle Technologien. Über 95 Forschungsprojekte konnten bereits umgesetzt werden und weit über 330 Arbeitsplätze wurden im Hochtechnologiebereich geschaffen. WIRTSCHAFTSNACHRICHTEN 1-2/

18 WIRTSCHAFT & POLITIK Karl-Heinz Grasser bringt Stiftungen gerade einmal wieder Stiften gehen kräftig in Verruf. Wen wundert s, dass die Neugründungen hierzulande deutlich zurückgehen. Neiddebatten sowie ständig neue Regelungen und Steueränderungen machen es den Interessenten auch tatsächlich nicht leicht. Viele wissen zudem gar nicht genau, für wen eine Stiftung geeignet ist und wo die Vorteile liegen. Dabei ist sie ein attraktives Modell, um Unternehmen zu sichern. Von Ute Dorau STIFTUNGSRECHT Eine Privatstiftung gibt einen Rechtsrahmen vor. Der Stifter bringt Vermögen in eine Privatstiftung ein und legt einen Zweck der Stiftung vor. Für diesen Zweck wird nur der Ertrag aus der Vermögensverwaltung verwendet das Vermögen der Stiftung bleibt dauerhaft erhalten wurde mit dem Privatstiftungsgesetz die rechtliche Grundlage für die Errichtung von Privatstiftungen in Österreich geschaffen. Ziel des Privatstiftungsgesetzes war die Schaffung eines rechtlichen Rahmens, der dem Abfluss österreichischen Vermögens in ausländische Stiftungen entgegenwirkt, Anreize für das Verbringen ausländischen Vermögens nach Österreich schafft und Arbeitsplätze in Österreich sichert. Ein weiterer wesentlicher Grund der Schaffung von Privatstiftungen war, dass Stiftungen die Möglichkeit bieten, erwirtschaftetes Vermögen für nachfolgende Generationen ohne die bei Vererbungen zumeist unvermeidliche Zersplitterung und Auszehrung durch Mehrfachbesteuerung zu erhalten. Stiftungen haben sich besonders in der Nachfolgeregelung von Familienbetrieben als hoch wirksam erwiesen und schon so manche Streithähne wieder an einen Tisch gebracht. Foto: Jupiterimage So sollte es eben nicht sein: Diversen Presseberichten zufolge ermitteln Staatsanwaltschaft und Finanzamt in einem Firmengeflecht um Karl-Heinz Grassers Stiftungen Silverland und Waterland in Liechtenstein, da der Verdacht bestehe, dass er sich selber aus Stiftungsvermögen einen günstigen Millionenkredit zur Finanzierung seines Wiener Penthouse gewährt und nicht versteuert habe. Der frühere Finanzminister hat alle Vorwürfe der Steuerhinterziehung entschieden zurückgewiesen. Schon werden wieder überall Stimmen laut, dass Stiftungen viel gründlicher geprüft, überwacht, besteuert und vielleicht überhaupt gleich abgeschafft werden sollen. Es gibt kaum einen Bereich, der so unterschiedliche Reaktionen hervorruft wie das Thema Privatstiftungen. Den Superreichen vorbehalten und Steuerschlupflöcher für Großverdiener schimpfen die Gegner. Instrument zur Unternehmenssicherung, Sozialund Kulturförderer par excellence loben die Befürworter. Solides Firmenvermögen vorausgesetzt Vorab: Superreich muss man nicht sein, um sich als Stifter zu betätigen. Für mittelgroße Unternehmen liegt die finanzielle Hürde niedriger, als oftmals erwartet, zumindest in der Theorie. Per Gesetz beträgt die Mindestkapital-Erfordernis für die Errichtung einer Privatstiftung Euro, sagt Christoph Kraus, Generalsekretär des österreichischen Privatstiftungsverbandes VPÖ. Doch auch er bestätigt, was Finanzexperten eigentlich immer raten: Eine Stiftung macht erst richtig Sinn mit einem Vermögen ab 20 bis 30 Millionen Euro. Nach oben sind natürlich keine Grenzen gesetzt. Schließlich sind die Kosten für die Posten Buchhaltung und Vorstand sowie die Eingangssteuer in Höhe von 2,5 Prozent nicht zu unterschätzen. In Österreich sind derzeit rund 80 Milliarden Euro in den ca Privatstiftungen geparkt, zum größten Teil (60%) in Form von Unternehmensbeteiligungen. 80 der 100 größten Unternehmen Österreichs sind zumindest teilweise im Eigentum von Privatstiftungen, erklärt Kraus. Was aber beileibe nicht heißen soll, dass das Thema Großkonzernen vorbehalten ist. Im Gegenteil, wendet Kraus ein. Gerade in mittelständischen und familiengeführten Unternehmen ist ja das Thema Unternehmensnachfolge ganz entscheidend wichtig. Gerade in dem Be- BESUCHEN SIE UNS AUCH IM INTERNET 18 WIRTSCHAFTSNACHRICHTEN 1-2/2011

19 reich liegen neben Steuervorteilen und der Tatsache, dass man sich als Förderer von Wissenschaft, Kunst und/oder Kultur einen hervorragenden Namen schaffen kann die größten Vorteile einer Stiftung. Vorteile für Unternehmer Das Vermögen bleibt in der Stiftung gebunden (siehe Kasten): Der Stifter überträgt sein Vermögen der juristischen Person Stiftung, die dann von einem Stiftungsvorstand geführt wird. Allerdings gibt es für den Stifter die Möglichkeit, über gewisse Beträge aus der Stiftung zu verfügen, je nach Formulierung der Stiftungsurkunde. Auch nach der aktuellen Verdoppelung der Zwischensteuer von 12,5 Prozent auf 25 Prozent (seit 1. Jänner 2011) bleibt für die Begünstigten bei einer Ausschüttung ein beachtlicher Zinsvorteil, weil diese oft erst nach Jahren oder Jahrzehnten erfolgt. Vor allem aber schafft die Stiftung Klarheit, wenn es keinen, viele oder gar zerstrittene Unternehmensnachfolger in einem Familienbetrieb gibt. Denn niemand der Begünstigten kann den Betrieb dadurch gefährden, dass er sich einfach auszahlen lässt. Das hat schon so manchem Traditionsunternehmen die Existenz gerettet und machte Stiftungen lange Zeit so attraktiv für Wirtschaftstreibende. Auch und besonders für Betriebsansiedelungswillige aus dem Ausland, die zu Tausenden ins Land strömten und Arbeitsplätze schufen. Fast zwei Drittel der eingangs erwähnten 80 Milliarden Euro, die in Stiftungen gebunden sind, stammen von ausländischen Stiftern. Doch die Ende letzten Jahres beschlossene Stiftungsneubesteuerung (s.o.) verunsicherte auch über Österreichs Grenzen hinaus viele mögliche Stifter. Die damit eingehende Diskussion über böse Stiftungen hat ein Übriges getan, um das Klima zu verschlechtern. Das Motto eat the rich ist derzeit sehr populär, konnte IV-Chef Veit Sorger, der auch Präsident des Privatstiftungsverbandes ist, nur den Kopf schütteln. Hinzu kommt, dass alte Benachteiligungen auch im neuen Recht nicht abgeschafft wurden: Obwohl die Schenkungssteuer wegfiel, werden bei Stiftungen 25 Prozent KESt als Schenkungssteuerersatz fällig, wenn Vermögen aus der Stiftung entnommen wird. Das sei nie geändert worden, obwohl laut Veit Sorger die steuerlichen Rahmenbedingungen seit Einführung des Privatstiftungsgesetzes in 1994 schon 14 Mal geändert wurden. Kontraproduktive Neiddebatte VPÖ-Präsident Sorger weiter: Die Neiddebatte und die Rechtsunsicherheit haben in den letzten Monaten potenzielle Stifter abgeschreckt! Das zeigt sich auch in den aktuellen Zahlen. Lag die Zahl der Neugründungen zwischen 2001 und 2009 bei jährlich rund 140 bis 200, waren es in 2010 nur noch etwas mehr als 60. Nach Grassers mutmaßlichem Stiftungscoup dürfte die Zahl jetzt erst mal noch weiter sinken. Bleibt zu hoffen, dass sich die Gemüter wieder beruhigen. Denn diversen Umfragen zufolge hat sich die Verdoppelung der Zwischensteuer bislang noch auf keine bestehende Stiftung negativ ausgewirkt und Unredlichkeiten sind keineswegs die Regel. Im Gegenteil. Um Alt-Bundeskanzler Wolfgang Schüssel im Jahr 2004 zu zitieren: Die Stiftungspolitik der letzten Jahre begonnen von Ferdinand Lacina und Johannes Ditz erwies sich als exzellenter Vorteil für Österreich. Wir haben das damals nicht aus karitativen Überlegungen gemacht oder, wie manche meinen, um den Superreichen Privilegien zuzuschanzen, sondern um ganz bewusst den Standort Österreich zu pflegen. Ü WIRTSCHAFT & POLITIK MEINUNG Kritik des Stiftungsverbandes Insgesamt beklagt der Privatiftungsverband, dass vor allem die Ende letzten Jahres geführte populistische Diskussion um die Stiftungsbesteuerung zu großer Verunsicherung bei bestehenden und potenziellen inund ausländischen Stiftern geführt und jedenfalls eine geringere Zahl von Stiftungs-Neugründungen verursacht hat. Der österreichische Stiftungsverband Experte in Stiftungsfragen: VPÖ- Generalsekretär Christoph Kraus. Foto: VPÖ hatte im Zuge der Steuerreformdebatte vergeblich dafür plädiert, dass die Mehreinnahmen aus der Erhöhung der Zwischensteuer gemeinnützigen Zwecken zufließen sollten und von Stiftungen getätigte Zuwendungen für gemeinnützige Zwecke als steuerlicher Aufwand anerkannt würden. Dies hätte das Aufkommen für wohltätige Zwecke stark erhöht, sagte VPÖ-Generalsekretär Christoph Kraus. Weder die Stiftungsbesteuerung noch die Bankensteuer erreichen jene Dimensionen, die eine Steueramnestie für geschätzte bis Stiftungen von Österreichern in der Schweiz und Liechtenstein gebracht hätte. Damit wäre ein wesentlich höheres Steueraufkommen erzielt worden.

20 WIRTSCHAFT & POLITIK Forderung nach Strukturreformen Auch im neuen Jahr bekräftigt die IV OÖ ihre Forderung nach Reformen. Nach guter Defensivleistung jetzt Offensivarbeit leisten, lautet daher das Motto. 20 Fitness der öffentlichen Verwaltung ist ein maßgeblicher Faktor für die Standortattraktivität und somit Kernanliegen der Industrie Budgetprobleme des Landes und der Gemeinden sind mit Business as usual nicht in den Griff zu bekommen Grundlegende Reformen sind nur mit Mut zu Tabubrüchen und Ausklammerung parteipolitischer Interessen möglich. Die Schulden des Landes Oberösterreich und der Gemeinden können der Bevölkerung und auch der oberösterreichischen Industrie nicht egal sein. Gleichzeitig ist diese Herausforderung mit einem Warten auf einen Anstieg der Steuereinnahmen nicht zu bewältigen, bekräftigt Dr. Joachim Haindl-Grutsch, Geschäftsführer der Industriellenvereinigung Oberösterreich (IV OÖ) die Forderungen von IV-OÖ- Präsident DI Klaus Pöttinger nach Strukturreformen im Bereich des öffentlichen Sektors. Diese seien maßgebliche Voraussetzung für die Erhöhung der Standortattraktivität und somit ein Kernanliegen der Industrie. Aus der Defensive in die Offensive Dass die Landespolitik mit ihrem Maßnahmenpaket viel dazu beigetragen hat, die Auswirkungen der internationalen Finanz- und WIRTSCHAFTSNACHRICHTEN 1-2/2011 Fordern rasche Strukturreformen: IV-OÖ-Präsident Klaus Pöttinger (l.) und IV-OÖ-Geschäftsführer Joachim Haindl-Grutsch. Foto: IV-OÖ Wirtschaftskrise auf die Betriebe und ihre Mitarbeiter einzudämmen, steht für die IV OÖ außer Frage. Die Landesregierung hat hervorragende Defensivarbeit geleistet und wir bedanken uns ausdrücklich dafür. Jetzt ist es an der Zeit, in die Offensive zu gehen und den Standort zukunftsfit zu machen, erklärt Haindl-Grutsch. Es ist daher unverzichtbar, die Strukturen der öffentlichen Verwaltung zu reformieren, schlanker zu gestalten und die Schulden von Bund, Land und Gemeinden abzubauen. 70 Prozent der oberösterreichischen Kommunen können ihren ordentlichen Haushalt nicht mehr ausgleichen. Der einzig logische Schritt ist, Gemeinden und derenverwaltungsaufgaben unter Einbindung der Bevölkerung zusammenzulegen. Gleiches gilt für die Einrichtung von fünf Regionalhauptmannschaften mit dezentralen Servicestellen an den Standorten der bisherigen Bezirkshauptmannschaften: Die heutigen Strukturen stammen aus der k.u.k.-monarchie, wurden anders als in Deutschland bei uns nie reformiert und entsprechen in Zeiten des E-Governments nicht mehr den Anforderungen eines modernen Verwaltungsapparats, so Haindl-Grutsch. Insgesamt stellt sich für den IV OÖ-Geschäftsführer die Frage, was neben einer Verschlechterung der Budgetsituation und einem desaströsen PISA-Ergebnis noch passieren muss, um einen ernsthaften Diskussionsprozess mit der Bevölkerung über Verwaltungs- und Bildungsreformen in Gang zu bringen. Tausende Mitarbeiter aus der Privatwirtschaft haben zuletzt mit Gehaltsverzicht und Kurzarbeit den Auswirkungen der Krise Tribut gezollt. Sie stehen hinter unserer Forderung, dass nun auch der öffentliche Dienst mit seiner 100-prozentigen Job-Sicherheit und regelmäßigen Biennalsprüngen einen Beitrag zur Bewältigung der Krise leisten solle, so IV-OÖ-Geschäftsführer Dr. Joachim Haindl-Grutsch, der abschließend erklärt: Da sich ein aktiver, dynamischer Wirtschaftsstandort auch durch seine Gesprächskultur auszeichnet, laden wir noch heute den Landtagsabgeordneten Peter Csar zu einer Diskussion über unsere unterschiedlichen Positionen ein! Ü

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