Gewöhnt man sich an das Leben auf der Strasse?

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1 Hallo, wir sind Kevin, Dustin, Dominique, Pascal, Antonio, Natalia, Phillip und Alex. Und wir sitzen hier mit Torsten. Torsten kannst du dich mal kurz vorstellen? Torsten M.: Hallo, ich bin Torsten Meiners, ich bin seit 6 Jahren Hinz und Kunzt Straßenzeitungsverkäufer und heute bin ich hier, weil ihr ganz viele Fragen habt. Wie ist das Leben auf der Strasse? Torsten M.: Es ist immer wieder spannend und unsicher und deshalb aber auch genauso schön wie ein normales Leben. Gewöhnt man sich an das Leben auf der Strasse? Torsten M.: An manche Sachen kann man sich nur schwer gewöhnen, weil Kälte und Lärm und die Unsicherheit da gewöhnt man sich nicht so gerne dran. Aber man muss es mit in Kauf nehmen. An manche Sachen im Sommer kann man sich natürlich auch gut gewöhnen, wenn man früh morgens aufwacht und die Vögel einen wecken, dann ist das auch mal was angenehmes. Also im Winter ist es meistens ziemlich schwierig und traurig und da gewöhnt man sich nicht gerne dran, aber man muss irgendwie damit zurecht kommen. Was machen Sie im Winter? Torsten M.: Ich suche mir ganz oft leerstehende Häuser, um darin zu wohnen. Jetzt zur Zeit lebe ich auch grade in einem leerstehendem Haus und zum Glück mit dem Einverständnis von dem Besitzer, dem das Haus gehört. Wovor haben Sie Angst? Torsten M.: Ja, es ist immer ein bisschen die Unsicherheit, ob meine Sachen alle noch da sind, wenn ich wiederkomme und ob nicht der Besitzer vielleicht doch irgendwann sagt ich muss da wieder raus. Dann ist es wieder so, wie es bisher immer war. Dass ich nach einer gewissen Zeit, wo ich einigermaßen zufrieden war, dass ich eine Wohnung hatte, dann doch wieder weg musste oder da wieder raus musste. Und das ist immer sehr schade und immer wieder schwer, dann wieder neu irgendwo anzufangen und wieder umzuziehen.

2 Woher bekommen sie Ihr Essen und Trinken? Torsten M.: Ganz oft bringen mir Kunden die im Supermarkt, wo ich stehe, einkaufen was von ihrem Einkauf mit. Manche Fragen sogar vorher, manche bringen einfach so was mit. Und nachmittags gibt es immer Essen von der Hamburger Tafel bei Hinz und Kunzt. Das wird um halb drei dann an die Verkäufer verteilt. Und wenn Sie krank sind, was machen Sie dann? Torsten M.: Das ist ganz schön schwierig, weil ich nicht krankenversichert bin. Es gibt einige Wohnungslose, die sind krankenversichert. Aber es gibt ganz viele, die sind nicht krankenversichert. Und dann kann man nicht normal zum Arzt gehen, aber es gibt einen medizinischen Hilfebus, der kommt einmal, zweimal die Woche an verschiedene Standorte und da können sich alle, die nicht krankenversichert sind sich auch mal melden und sich behandeln lassen. Also wurden sie schon mal krank? Torsten M.: Ja, manchmal habe ich auch Zahnschmerzen oder habe auch manchmal Kopfschmerzen oder andere Wehwehchen und bis jetzt bin ich noch nicht ernsthaft krank geworden, aber es kann natürlich immer Mal sein, dass man auch mal einen Unfall hat oder so. Aber bis jetzt ist mir das zum Glück noch nicht passiert. Was tun Sie, wenn es regnet? Torsten M.: Dann mache ich das so wie alle Leute, dann hole ich mir einen Regenschirm oder suche mir ein Dach wo ich mich unterstellen kann. Aber es ist immer so, dass das größte Problem nicht der eigentliche Regen ist, sondern wenn es lange Zeit eine hohe Luftfeuchtigkeit ist, dann sind viele Sachen klamm, die draußen hängen oder die man transportiert und auch die Wohnungslosen oder Obdachlosen immer bei sich haben, die Sachen sind von der Luftfeuchtigkeit immer ganz feucht und das ist gar nicht so einfach, die trocken zu behalten. Wie sind sie Obdachlos geworden? Torsten M.: Ich bin obdachlos geworden, weil ich mein Geld, was ich verdient habe zum spielen benutzt habe. Ich habe also um Geld gespielt und daraus ist eine Sucht entstanden, weil ich am Anfang ganz viel gewonnen habe und gedacht habe ich kann davon Leben. Und als ich dann gemerkt habe, dass das nicht stimmt, sondern dass ich viel mehr Geld verliere insgesamt als ich gewinne, da war es schon zu spät, da war ich schon süchtig. Und da spielt man dann, obwohl man weiß, man schadet sich.

3 Waren Sie in der Schule früher gut oder schlecht? Torsten M.: Also ich war richtig gut in der Schule, meine Mutter war Lehrerin und hat da ganz genau aufgepasst. Meine drei Brüder waren auch alle gut Und wir alle eigentlich immer im ein bisschen Wettbewerb, wer der bessere in der Schule ist. Hatten Sie eine Arbeit, bevor Sie obdachlos geworden sind? Torsten M.: Ich hatte mehrere Arbeiten, ich habe am Anfang als Heizungsmonteur gearbeitet, später als Hochseefische in der DDR und als ich nach Hamburg kam habe ich zehn Jahre lang als Fahrradkurier gearbeitet. Und dann bin ich wohnungslos geworden. Wie haben Sie sich gefühlt, als Sie das erste Mal auf der Strasse aufgewacht sind? Torsten M.: Also das erste Mal war nicht auf der Strasse, sondern in einem Park, weil ich mir schon gleich einen Platz im Park gesucht habe und das war nicht so unangenehm. Es war ein ganz normaler Tag und hat zum Glück nicht geregnet und ich hatte mir eine Plane gespannt und darunter hab ich mir ein Bett gebaut. Was ist denn eigentlich der Unterschied zwischen Obdachlosen Und Wohnungslosen? Torsten M.: Ja, ich sage immer Obdachlose sind Menschen, die früh morgens noch nicht wissen, wo sie abends schlafen wollen und ein Wohnungsloser hat ganz oft ein Quartier, ist in einer Notunterkunft oder schläft bei Bekannten hat aber keine Wohnung. Und davon gibt es zehnmal mehr, als es die Obdachlosen gibt, die man auf der Strasse erkennt und die ihre Sachen immer ständig dabei haben. Und die teilweise auch manchmal ein bisschen unangenehm riechen, weil sie sich ganz lange nicht gewaschen haben. Wie sieht ein normaler Tag bei Ihnen aus? Torsten M.: Ich bin früh morgens immer schon sehr früh wach und gehe dann oftmals noch Flaschen sammeln, es gibt so mehrere Stellen, an denen ich weiß, dass da häufig Flaschen liegen. Und von acht bis dreizehn Uhr verkaufe ich am Supermarkt die Zeitung. Danach geh ich in die Bücherhalle und lese Zeitungen und Bücher und um halb drei bin ich dann meistens bei Hinz und Kunzt, kaufe da neue Zeitungen, sprech mit anderen Verkäufern. Und abends bin ich am Theater und verkaufe da auch noch mal Zeitungen. Wissen Sie immer welcher Tag grade ist? Torsten M.: Ja, wenn die Wochentage so sind, dass man da an bestimmten Tagen besser oder schlechter verkauft, dann weiß man schon, ob heute Montag

4 oder Dienstag ist. Wie feiern Sie zum Beispiel ihren Geburtstag? Torsten M.: Ja, die normalen Feiertage wie Ostern, Weihnachten und Geburtstag sind ein bisschen anders als normal, weil man ja keine Familie und gar nicht so viele Freunde hat mit denen man gemeinsam feiern kann. Deshalb bin ich ganz oft am Theater, wo ich auch Zeitungen verkaufe, weil das ein bisschen die Ersatzfamilie für mich ist. Da bin ich schon mehrere Jahre Verkäufer und da freuen sich immer alle die da arbeiten, dass ich da auch mit da bin. Haben Sie Freunde? Torsten M.: Also ich habe viele gute Bekannte sowohl bei Hinz und Kunzt als auch bei meinen Kunden, die die Zeitung kaufen. Oder auch beim Fußball, ich spiele ja oft bei einer Fußballmannschaft im Stadtpark. Aber ganz richtige Freunde sind das eben nicht, weil richtige Freunde die würden dann ja auch mal öfter mal mit mir zusammen Dinge unternehmen, die mich ganz persönlich betreffen und das passiert eben nicht so sehr. Sind Sie oft unglücklich? Torsten M.: Glück und Unglück sind immer Gefühle, die immer nur kurze Zeit andauern. Wenn man mal ganz genau drauf achtet, dann hat man jeden Tag mal Glück und auch mal Pech. Und so ist es bei mir auch, ich habe jeden Tag mal ein bisschen Glück und ein bisschen Unglück. Ich bemühe mich aber so wenig traurig, wie möglich zu sein. Und wenn jemand Sie anspricht, sind sie glücklich oder irgendwie ein bisschen traurig? Torsten M.: Das ist immer die Frage, wie mich jemand anspricht und worüber wir dann reden, aber meistens ist es schon so, dass ich zwar traurig bin, dass viele Dinge, die selbstverständlich sind für manche, für mich nicht selbstverständlich sind, wie z.b. eine Badewanne. Aber insgesamt bin ich kein unglücklicher Mensch. Es ist eben ein mittelschönes Leben, kein ganz schönes und auch kein ganz schlechtes, ein mittelschönes. Vielen Dank für das Interview. Torsten M.: Ich bedanke mich ebenfalls, ihr habt interessante Fragen gestellt und es ist schön, wenn Kinder rechtzeitig über dieses Problem nachdenken und anders nachdenken, als immer nur darüber zu sprechen, dass es ja Penner sind, denen man sowieso nicht helfen kann. Torsten: O.K., Tschüss! Tschüss!

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