Tastuntersuchung, PSA, Bildgebung Wie diagnostiziert man Prostatakrebs?

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1 Tastuntersuchung, PSA, Bildgebung Wie diagnostiziert man Prostatakrebs? 18. Oktober 2014 Dr. med. Roland Steiner Urologische Klinik Sindelfingen (UKS), Klinikverbund Südwest

2 Prostata (Vorsteherdrüse)

3 Prostata (Vorsteherdrüse) produziert Sekret (2/3 der Samenflüssigkeit) Transportmittel für Samenfäden gutartige Vergrößerung unter Einfluß des männlichen Geschlechtshormons (Testosteron)

4 Prostatavergrößerung Einengung der Harnröhre Behinderung des Urinabflusses gutartig

5 Prostatakrebs Frühstadium Spätstadium

6 Beschwerden bei Prostatakrebs Frühstadium Patient meist beschwerdefrei Probleme beim Wasserlassen meist durch die gutartige Prostatavergrößerung bedingt Krebs entsteht meist in der kapselnahen Drüse, d. h. weit weg von der Harnröhre Spätstadium Rücken- oder Knochenschmerzen Schmerzen beim Wasserlassen Blutbeimengung im Urin oder im Sperma

7 Gesicherte Risikofaktoren Lebensalter (größtes Risiko!!!) Positive Familienanamnese (Vater und/oder Bruder an Prostatakrebs erkrankt) Erhöhtes Risiko bei - 1 erstgradig Verwandter: 2,2-fach - 2 erstgradig Verwandte: 4.9-fach - 3 erstgradig Verwandte: 10,9-fach Rasse (Afroamerikaner erkranken deutlich häufiger als weiße Amerikaner) Ernährungsfaktoren (hochkalorische, proteinreiche, fettreiche Kost)

8 Senkung des Risikos Omega-3-Fettsäuren (Fisch) 400 g Gemüse/Tag < 30 g Fleisch/Tag > 30 g Ballaststoffe/Tag Nikotinverzicht < 20 g Alkohol/Tag Out: Extrazufuhr (Supplementierung) von Vitaminen (A/E/C) Out: Selen

9 Senkung des Risikos Lycopene (Tomaten, Hagebutte, Wassermelone) Antioxidans (Radikalfänger) programmierter Zelltod von Prostatakarzinomzellen Tomaten: Dosentomaten: Tomatenmark: 5 mg pro 100 g 10 mg pro 100 g 60 mg pro 100 g

10 Senkung des Risikos Körperliche Aktivität senkt Krebsrisiko - Risikoreduktion bis 50 % - mehr als 30 Minuten Gehen oder Radfahren / Tag

11 Epidemiologie Prostatakrebs häufigste Krebserkrankung beim Mann (prozentualer Anteil)

12 Epidemiologie Zunahme des Prostatakrebs mit fortschreitendem Alter Pro Jahr etwa Neudiagnosen, Todesfälle Modifiziert nach: Robert Koch-Institut: Gesundheitsberichterstattung des Bundes, Heft 36, 2007; Angaben basierend auf Daten aus 2002 (RKI und GLOBOCAN)

13 Epidemiologie aber: nur 3. Platz in der Sterblichkeitsrate

14 Epidemiologie Autopsiestudien zur Prostatakrebshäufigkeit: Jahre: 30 % Jahre: 50 % (nur 10 % erkranken!) > 85 Jahre: > 75 % Nicht jede Erkrankung nimmt einen tödlichen Verlauf, da der Tumor oft sehr langsam wächst! Viele Männer sterben mit, aber nicht an ihrem Prostatakrebs

15 Früherkennung Lebenszeitrisiko eines 50-jährigen Mannes ein Prostatakarzinom zu entwickeln beträgt 50 % Daran zu erkranken 10 % Daran zu sterben 3 % Nicht alle Prostatakrebse müssen entdeckt werden! Führt das PSA-Screening und ggfs. die weitere Diagnostik zu einer Senkung der Sterblichkeit?

16 Früherkennung Jährliche Vorsorgeuntersuchung auf Prostatakrebs ab 45. Lebensjahr (gesetzliche Krankenkassen) Nur 20 % der anspruchsberechtigten Männer nehmen diese wahr (Frauen: 50 %) Früherkennung von Darmkrebs: 50. bis 55. Lebensjahr: 1 mal jährlich Schnelltest auf okkultes (verborgenes) Blut ab 55. Lebensjahr: 1. Koloskopie (Darmspiegelung) ab 65. Lebensjahr: 2. Koloskopie

17 Früherkennung 1. Abtasten der Prostata (digital-rektale Untersuchung = DRU) Achtung: bei auffälligem Tastbefund Krebs meist bereits schon fortgeschritten

18 Früherkennung 2. PSA-Bestimmung im Blut Kombination Tastuntersuchung + PSA: höchste Erkennungsrate für Prostatakrebs

19 Ziel der Früherkennung Krebs rechtzeitig entdecken, dass er behandelt und geheilt werden kann bevor er sich ausbreitet, Komplikationen macht und lebensbedrohlich wird

20 PSA Prostataspezifisches Antigen Eiweißsubstanz, die den Samen verflüssigt Alle Prostatazellen bilden PSA Krebszellen oder entzündete Zellen produzieren mehr als normales Gewebe

21 PSA Problem: Bestimmmung eines Grenzwertes zur Unterscheidung gut- und bösartige Veränderung 4 ng/ml Aber: Werte unterhalb schließen Prostatakrebs nicht aus Tastbefund PSA (ng/ml) Risiko für PCA unauffällig % unauffällig > % suspekt % suspekt > %

22 PSA Beachten: PSA-Testsysteme unterscheiden sich oft (ca. 100 Test- Assays in Deutschland!) PSA-Werte beim Hausarzt und beim Urologen oft nicht vergleichbar!

23 PSA-Screening Stellenwert?

24 PSA-Screening Stellenwert? Schröder et al., ERSPC-Trial, NEJM 2009 Start: 1991 Teilnehmer: Niederlande, Belgien, Schweden, Finnland, Italien, Schweiz, Spanien, Frankreich

25 PSA-Screening Stellenwert? Patienten (55 69 J.) wurden randomisiert: Screeninggruppe: - PSA-Bestimmung alle 4 Jahre - Biopsie ab PSA-Wert von 3 ng/ml Kontrollgruppe: - Keine PSA-Bestimmung

26 PSA-Screening Stellenwert?

27 PSA-Screening Stellenwert?

28 PSA-Screening Stellenwert? Europa (ERSPC): - in den ersten Jahren der Erhebung starben viele Männer an einem fortgeschrittenen Prostatakarzinom - diese Patientengruppe nahm in den folgenden Jahren aufgrund des PSA-Srceenings deutlich ab - Überlebensvorteil der gescreenten Patienten ab dem 7. Studienjahr - Verringerung der Sterblichkeit am Prostatakrebs ab dem 13. Studienjahr um 21 % (55 69-jährige) Stand: 2014

29 PSA-Screening Stellenwert? Europa (ERSPC): Aber: - keine Senkung der Gesamtsterblichkeit, da in den Screeningarmen die Todesursache Prostatakrebs eine relativ seltene Todesursache war (Kontrollgruppe 600 von Krebspatienten) die meisten Teilnehmer starben aus anderen Gründen

30 PSA-Screening Stellenwert? Regelmäßiges PSA-Screening verhindert bei 1/5 der älteren Männern den Tod am Prostatakrebs

31 PSA-Screening Stellenwert? USA: Senkung der Sterblichkeit seit der PSA-Bestimmung um 40 %

32 PSA-Screening Stellenwert? Fazit: PSA-Screening macht doch Sinn Kombination PSA mit Tastuntersuchung (plus Ultraschall) größerer Überlebensvorteil

33 S3-Leitlinie Prostatakrebs Deutsche Gesellschaft für Urologie (DGU) Deutsche Krebsgesellschaft (DKG) Wichtigste Neuerung: - Im Vordergrund steht nicht mehr das Erkennen aller Prostatakrebse, sondern nur der Tumore, die auch wirklich behandelt werden müssen Vermeidung der Überdiagnose und Überbehandlung

34 S3-Leitlinie Prostatakrebs PSA-basierte Vorsorge für - Männer ab 40 Jahren - Lebenserwartung von > 10 Jahren (um wirklich von einer Therapie zu profitieren) PSA-Bestimmung plus Tastuntersuchung PSA-Wert - < 2 ng/ml innerhalb von 2 Jahren kontrollieren - Höhere Werte innerhalb eines Jahres

35 S3-Leitlinie Prostatakrebs Prostatabiopsie bei - PSA > 4 ng/ml (erstmalige Bestimmung) und/oder - Auffälligem Tastbefund und/oder - Auffälligem PSA-Anstieg (sog. PSA-Velocity; > 0.35 ng/ml pro Jahr)

36 PSA-Anstieg krebsbedingt? Aussagekräftig: Bestimmung des PSA-Verlaufs über Jahre PSA-Dynamik bedeutsamer als starrer Schwellenwert

37 PSA-Anstieg krebsbedingt? PSA-Verlaufskurve

38 PSA-Anstieg krebsbedingt? PSA-Verlaufskurve

39 PSA-Anstieg krebsbedingt? Problemfall Graubereich zwischen 4 und 10 ng/ml Bestimmung des PSA-Quotienten (freies/gesamt- PSA fpsa) liegt der Prozentanteil des freien PSA bei über 25 %, ist ein Prostatakrebs eher unwahrscheinlich

40 PCA3-Test Gewinnung einer Urinprobe nach Prostatamassage Molekül (RNA PCA3), das in Tumorzellen 100-fach höher konzentriert vorkommt als in gesunden Zellen

41 Bildgebende Diagnostik Die Diagnose Prostatakrebs kann nur durch eine Biopsie mit feingewerblicher Untersuchung gestellt werden! Pathologe Aber: Gezielte Biopsien aus auffälligen Arealen mittels Ultraschall oder Magnetresonanztomographie möglich.

42 Bildgebende Diagnostik Alle weiteren Verfahren wie Computertomographie oder Knochenszintigraphie dienen der Ausbreitungsdiagnostik lokal fortschreitender Tumor? Metastasen?

43 Ultraschall der Prostata

44 Ultraschall der Prostata Detaillierte Organdarstellung - Größe? - Veränderungen innerhalb der Drüse? (nicht jede Veränderung bedeutet Krebs!) - Prostatakapsel intakt?

45 Elastographie der Prostata Verhärtungen der Prostata lassen sich farblich darstellen hart = blau

46 Weitere Bildgebung? (S-3-Leitlinien)

47 Prostatabiopsie Mit dünner Nadel in örtlicher Betäubung durch die Darmwand in die Prostata gestochen Gezielte Proben aus elastographisch auffälligen Regionen

48 Prostatabiopsie gefährlich? Deutsche Gesellschaft für Urologie: Nach heutigem Wissensstand kommt es nicht zur Ausbreitung von Tumorzellen im Stichkanal nicht zu einer Begünstigung der Entstehung von Tumorabsiedelungen zu keiner Beeinflussung des Wachstumsverhaltens des Prostatakrebses (kein Wecken )

49 Patienteninformationen Prostatabiopsie Prostatakarzinom Unsere Homepage

50 Zusammenfassung 1. PSA-Screening macht doch Sinn im Rahmen der Vorsorgeuntersuchung (PSA-Dynamik) 2. Vorsorge = Tastuntersuchung plus PSA (plus Ultraschall) 3. Ziel: Krebs rechtzeitig entdecken, dass er behandelt und geheilt werden kann, bevor er sich ausbreitet und lebensbedrohlich wird

51 Zukunft?

52 Zukunft?

53 Zukunft? Olfactory Detection of Prostate Cancer by Dogs Sniffing Urine: A Step Forward in Early Diagnosis European Urology, Vol. 59, S Hunde riechen Prostatakrebs

54 Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit!

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