China-Workshop der Hochschule Magdeburg-Stendal Auf zu fernen Ufern

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1 China-Workshop der Hochschule Magdeburg-Stendal Auf zu fernen Ufern Von Sandra Hietel, 07. Oktober 2011 China war das ferne Ziel von Prof. Dr. Fritz-René Grabau und zehn Studenten des Masterstudiengangs Innovatives Management der Hochschule Magdeburg-Stendal. Der Auslandsworkshop im Rahmen der Vorlesung Interkulturelles Management war von langer Hand geplant und führte die Studenten vom 22. September bis zum 3. Oktober 2011 nach Peking und Qingdao. Abb.1: Gruppenfoto an der Tschingdao-University Der Flug nach Peking führte über Moskau und war trotz russischer Verhältnisse Aeroflot verhältnismäßig angenehm. So gelangten wir mit leichter Übernächtigung pünktlich um Uhr morgens nach Peking. Ein warmer Empfang durch unseren Kommilitonen Bo Liu ebenfalls Student an der HS Magdeburg-Stendal und für 10 Tage unser Dolmetscher und Reiseleiter sowie 27 C ließen den wenigen Schlaf vergessen. Nach halbstündiger Fahrt in unser 2* Hotel Ibis und einer zähen Ein- Check-Prozedur war unser erstes Ziel ein Restaurant mit der berühmten Peking-Ente 1

2 auf der Speisekarte. Die erste große Herausforderung, nämlich zwei fein zerlegte Vögel mit Stäbchen zu verspeisen, meisterten alle bravourös. Anschließend wurde der noch frühe Tag für erste Erkundungen auf einer der größten und belebtesten Einkaufsmailen Pekings genutzt. In den Seitengassen wurden natürlich auch die ersten Entdeckungen der besonderen Art gemacht. So erschreckten die aufgespießten und noch zappelnden Skorpione doch einige zart besaitete Gemüter unserer Gruppe. Trotz dieser Eindrücke wurden dennoch einige harmlos wirkende Dinge an den Garküchen verspeist und um erste Souvenirs gefeilscht. Nach diesen ersten Impressionen landeten alle völlig erschöpft im Bett. Abb. 2: Seepferdchen, Seesterne und Käfer am Spieß Der kommende Tag startete zeitig, denn Peking ist groß und wir wollten viel sehen. Die Verbotene Stadt war nicht nur unser Ziel, tausende von Chinesen hatten die gleiche Idee. Aber Mao begrüßte uns freundlich und war daher auch unser erstes Gruppenfotomotiv. Nachdem wir die Tore zur Verbotenen Stadt passierten, erwartete uns eine unbeschreibliche Weite, die uns zutiefst beeindruckte. Die Ausmaße sind kaum zu beschreiben und die detailverliebten Verzierungen der faszinierenden Architektur zogen uns in ihren Bann. Nach einem langen, aber kurzweiligen Marsch durch die Stadt in der Stadt, zog es uns wieder zum Essen. Nach einem ausgiebigen chinesischen Essen mit allerlei unbekannten Geschmäckern ging es in die Seidenstraße. Dort hatten wir Gelegenheit, nach weiteren Souvenirs zu fahnden und die erste Fußmassage nach dem anstrengenden Tag zu genießen. Am Abend, nach kurzer Verschnaufpause, suchten wir nach weiteren kulinarischen Erfahrungen. Allerlei lebendes Meeresgetier begrüßte uns am Eingang des Restaurants und 2

3 einiges landete sogleich auf unseren Tellern. Des Weiteren standen chinesisches Schwarzbier (es hätte auch Abwaschwasser sein können) und Grashüpfer auf dem Speiseplan. Abb. 3: Eingang der verbotenen Stadt in Peking Abb. 4: Ein Platz in der verbotenen Stadt in Peking Der Sonntag, welcher Dank perfektem Wetter seinem Namen alle Ehre machte, war unser Mauer-Tag. Also ging es wieder recht früh auf die Tour zur chinesischen Mauer, die auf einer Reise nach China natürlich auf keinen Fall fehlen darf. Während eines kurzen Stopps auf der Fahrt stärkten wir uns mit frischem Obst (Datteln und Naschi-Birnen) von einem Straßenstand. Angekommen in den Bergen von Mutianyu, bezwangen wir den Weg zur chinesischen Mauer ganz bequem mit dem Sessellift. Ein herrlicher Ausblick und strahlender Sonnenschein dankte uns für diese Mühen. Unser Professor Dr. Grabau wählte sogleich den langen Weg zur nächsten Seilbahnstation. Und so wanderten wir die Mauer entlang und hielten die wieder einmal beeindruckende Größe und Weite in unzähligen Fotos fest. Auf unserem Weg wurden wir aber des Öfteren von Chinesen angehalten und dabei selbst zum Fotomotiv, denn hochgewachsene und blonde Europäer trifft man ja auch nicht so 3

4 häufig. Nach gefühlten Stufen und 100 km ging es dann zurück in das Tal mit der Sommerrodelbahn. Auch unser Professor hatte seinen Spaß, denn er fuhr im Schneckentempo die Bahn hinunter und sorgte für einen riesen Stau, mit dem sich die Chinesen aber bestens auskennen. Nach einem leckeren chinesischen Essen ging es wieder zurück nach Peking. Abb. 5: Die chinesische Mauer Am Montag war es vorbei mit den touristischen Lebensweisen und unser Flieger startete mit einstündiger Verspätung die Kombination aus Smok und Nebel versperrten die Sicht in Richtung Qingdao. Angekommen in der Millionenstadt am Gelben Meer, ging es in ein abgewohntes, aber nettes 4* Hotel. Nach einem kurzen Check-In und einer Nudelsuppe auf der Straße zubereitet von chinesischen Muslimen - wurden wir an die Technische Universität gebracht und von Professoren, Studenten und einem riesigen, roten Banner auf dem wir nur Fritz-René Grabau lesen konnten begrüßt. Am Eingang der Uni stand schon ein großer Plan mit den Angaben zu unseren Präsentationen und allen wurde ein wenig mulmig. Nach einem Fotoshooting besichtigten wir noch den Neubau der Uni und den Golden Sand Beach, wie uns erklärt wurde der schönste Strand in Asien. Und tatsächlich, ein schöner Strand der uns frohlocken ließ, denn ein Bad in den Wellen sollte eigentlich nicht fehlen. Nachdem uns unsere Gastgeber allerdings erzählten, dass die Hai- Netze bereits eingezogen sind, verwarfen wir diesen Plan. Der Abend überraschte uns mit einem feudalen Essen auf Einladung der Universität. In einem Séparée unseres Hotels wurden uns Köstlichkeiten serviert, die einige der Studenten abermals sprachlos machten. Von Fischen, über Muscheln, Schnecken, Algen, Oktopus bis hin zu diversem Gemüse, Tofu und Fleischvariationen kamen wir zu 4

5 Suppen, Obst und Seidenraupen. Unsere Gastgeber waren sehr zuvorkommend und füllten unsere Teller mit jedem neuen Gang. Das viele Essen spülten wir mit Wein und Bier nach jedem Gan Bei (dry the cup) der Gastgeber wieder herunter. Die Anzahl der Trinksprüche und die dann zu lehrenden Gläser vermag ich aufgrund einiger Wissenslücken an dieser Stelle allerdings nicht mehr anzugeben. Der Abend endete mit der Übergabe der Gastgeschenke (zum Glück hatten wir jede Menge dabei) und anschließend für einige von uns in der typisch chinesischen Karaoke-Bar. Abb. 6: Gemeinsames Abendessen nach typischer Chinesischer Tradition Der Dienstag begann mit einer Besichtigung des Hafens von Qingdao, dem siebtgrößten Hafen der Welt. Am Nachmittag startete dann unsere Vorlesung an der Uni. Im Wechsel mit den chinesischen Studenten hielten wir unsere Präsentationen zu diversen Wirtschaftsthemen auf Englisch. Die sich anschließenden Diskussionen mit den Studenten gestalteten sich allerdings nicht ganz so einfach, da die englische Aussprache der Chinesen von der unseren doch um einiges abwich. Dennoch kamen bei einigen Themen rege Diskussionen zu Stande und in den Pausen wurden wir mit Fragen zum deutschen Fußball und Handball nur so überhäuft. 5

6 Abb. 7: Im Hafen von Tschingdao Abb. 8: Im Hafen von Tschingdao Am Mittwochvormittag besuchten wir dann die University of Petroleum. Ein doch erheblicher Qualitätsunterschied zur Technischen Uni. Wir wurden auf dem neu ausgebauten Campus empfangen und hatten ein interessantes Gespräch mit den Professoren und ausgewählten Masterstudenten. Professor Dr. Grabau stellte anhand einer Präsentation das deutsche Studiensystem und unsere Hochschule vor. Nach längeren Gesprächen mit den Studenten ging es in die Unikantine, abermals in einen großen und schick ausgestatteten Raum mit rundem Tisch. Übrigens saßen wir während unseres gesamten Aufenthaltes zu 90 Prozent an runden Tischen sehr praktikabel. An der Technischen Uni zurück, ging es wieder an die Präsentationen und für einige in eine Vorlesung zum Thema Projekt Management, selbstverständlich in Englisch. Der Professor war sehr nett und erzählte uns, während seine Studenten die Fall-Studien berieten, aus seinem Leben, unter anderem 40 Jahre in den USA. Nachdem am Abend alle Studenten die chinesischen und die deutschen ihre Präsentationen überstanden haben, ging es zu einem weiteren gemeinsamen Abendessen. Auch hier wurden Gastgeschenke verteilt und die Vielfalt der chinesischen Küche verköstigt. Unsere Daniela traf es 6

7 recht hart, denn in der Annahme eine Bohne zu verspeisen, zerkaute sie eine dicke Chilischote. Die Auswirkungen spürte sie noch Stunden später. Abb. 9: Übersetzung an der Tafel in der Tschingdao Universitat Am Donnerstag machten wir uns auf, Qingdao touristisch zu erobern übrigens ist Qingdao eine ehemalige deutsche Kolonie. So verwundert es auch nicht, dass wir die berühmteste und größte chinesische Brauerei besichtigten. Anschließend ging es an den berühmten Segelhafen, in dem die Segelwettkämpfe während der olympischen Spiele 2008 in Peking stattfanden. Nächstes Ziel war das Haus der deutschen Gouverneure, ganz im deutschen Stil um 1900 erbaut. Ein kurzer Bootstrip rundete den Ausflugstag ab. Am Abend entspannten dann einige von uns bei einer typischen chinesischen Massage. Abb. 10: Gebäude der Bierbrauerei Tschingdao Der Besuch einer Grundschule, angegliedert an die Technische Universität, stand am Freitag auf dem Programm. Im Englisch-Unterricht beeindruckte uns die technische Komponente, mit der in China unterrichtet wird. Die Schülerinnen und Schüler der dritten Klasse bekamen mit Hilfe einer digitalen Tafel einen interessanten und 7

8 abwechslungsreichen Unterrichtsstoff vermittelt. Der Eifer, mit dem die Schüler dem Unterricht folgten, beindruckte uns sehr. Nach dem Unterricht wurde uns noch eine ganz besondere Ehre zuteil. Die rund Schüler hielten auf dem Sportplatz eine Art Sport- und Entspannungsübung für uns ab. Nach weiteren Gesprächen mit den Lehrern ging es für uns zum Mittagessen in ein Lokal hoch über den Dächern der Stadt. Auch in luftiger Höhe konnten wir die Ausmaße der 7 Millionen-Stadt kaum erfassen. Nach einem Spaziergang am Strand ging es auf einen chinesischen Markt, auf dem wir die Gelegenheit hatten nach weiteren Souvenirs zu suchen, denn am nächsten Tag sollte es ja schon zurück nach Peking gehen. Abb. 11:Grundschule in Tschingdao Nach einer knapp fünfstündigen Fahrt mit dem chinesischen ICE durch die Landschaft von China die Spitzengeschwindigkeit lag bei 311 km/h kamen wir am frühen Samstagabend wieder in Peking an. Mit der Familie unseres zukünftigen Studenten Fan aßen wir dann gemeinsam zu Abend. Die leckere Peking-Ente stand abermals auf dem Speiseplan. Der Sonntag, unser Abreisetag, stand dann noch einmal im Zeichen chinesischer Superlative. Der Sommerpalast zählt zu den Höhepunkten der chinesischen Gartenkunst und ist ein wahrer Besuchermagnet. Am Vortag wurden ca Besucher gezählt. Also schoben wir uns auch am Sonntag mit ungefähr Besuchern durch den Park, über die Brücken und in die einzelnen Paläste. Und wie soll es anders sein, natürlich ging uns jemand verloren. Anne, unsere Kleine, wurde von freundlichen Chinesen gebeten, für ein Foto zu posieren. Und schon war sie weg. Dank moderner Handyortung (ein kurzer Anruf) fanden wir uns aber alsbald wieder. Natürlich machte diese Sightseeing-Tour 8

9 ungeheuer hungrig. Wir baten unseren zukünftigen chinesischen Studenten Fan noch einmal um ein traditionelles Essen. Und so landeten wir in einer Art Kantine für einfache Arbeitnehmer. Und in der Annahme, alle kulinarischen Geschmackserlebnisse bereits erlebt zu haben, machten wir Bekanntschaft mit Speisen, die wir weder mit den Augen noch mit dem Geschmackssinn identifizieren konnten. Auch Fan konnte uns nicht weiterhelfen, denn er kannte keine Übersetzung. Abb. 12: Im chinesischen Schnellzug Abb. 13: Chinesischer Schnellzug von außen 9

10 Abb. 14: Sommerpalast in Peking Nachdem wir dann noch ein wenig Zeit hatten die letzten Mitbringsel zu erhandeln und wieder einmal essen waren, ging es gegen Uhr zum Flughafen. Nach einigen Sicherheitsüberprüfungen, die geschenkten Glaspokale der Technischen Universität machten dem Sicherheitspersonal so einige Probleme, hoben wir pünktlich um 2.30 Uhr in Peking ab und landeten nach einem kurzen Zwischenstopp in Moskau, Montagfrüh um 9.00 Uhr (nach deutscher Zeit) in Berlin Schönefeld. Übernächtigt, froh wieder heimatlichen Boden unter den Füßen zu haben und durch den Zoll gekommen zu sein, waren wir uns einig, einen überaus gelungen Workshop beendet zu haben. Eindrücke, die man als normaler Tourist nie erleben würde, wurden uns zuteil. Ein besonderer Dank gilt dabei unserem Bo Liu, der als charmanter, diplomatischer Reiseleiter und Dolmetscher immer an unserer Seite stand. Und natürlich danken wir unserem Professor Dr. Fritz-René Grabau, der uns auf diesem Workshop mitnahm und Dank gut aufgebauter Kontakte und geschickter Gesprächsführungen bzw. Verhandlungen zu einmaligen Erlebnissen verhalf. Wir hoffen, dass wir unser Bestes für eine noch nachhaltigere Kooperation mit unserer Partner-Uni getan haben und sowohl deutsche als auch chinesische Studenten von weiteren Workshops profitieren. Interkulturelles Management in seiner Reinform erlebt man nur an fernen Ufern. 10

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