Kinder und Jugendliche im Internet. Emotionaler und praktischer

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1 Autor/en: Titel: Quelle: Verlag: Schneider, Silke/ Warth, Stefan. Kinder und Jugendliche im Internet. Emotionaler und praktischer Nutzen. Lauffer, Jürgen/Röllecke, Renate (Hrsg.): Dieter Baacke Preis Handbuch 7. Chancen digitaler Medien für Kinder und Jugendliche. München 2012, S kopaed. Die Veröffentlichung erfolgt mit freundlicher Genehmigung des Verlags. Die Zahlen in eckigen Klammern kennzeichnen das Seitenende der Originalausgabe. Silke Schneider und Stefan Warth Kinder und Jugendliche im Internet Emotionaler und praktischer Nutzen Die Internetkompetenz Kinder durchlaufen auf dem Weg zum Teenager unterschiedliche Entwicklungsphasen, die mit sich wandelnden Fähigkeiten und Bedürfnissen einhergehen: So sind jüngere Kinder noch nicht in der Lage, Kausalitäten zu erkennen, sich in andere Perspektiven einzufühlen oder mehrere Objekte gleichzeitig zu beachten. Die größeren Kinder ab einem Alter von circa elf Jahren verfügen über die Fähigkeit zur Abstraktion und können andere Perspektiven einnehmen. Mädchen besitzen in ihrer Entwicklung den Jungen gegenüber häufig einen zeitlichen Vorsprung (vgl. Mappes/Zerzer 2007). Die sogenannten Digital Natives werden mit dem Medium Internet groß und müssen sich die Kenntnisse hierüber nicht erst im Erwachsenenalter aneignen (vgl. Prensky 2001). Mit zunehmendem Alter der Kinder und Jugendlichen wird das Netz schrittweise komplexer wahrgenommen, übernimmt mehr Funktionen und wird immer vielseitiger genutzt. Internetkompetenz bedeutet, das Web zu rezipieren, verstehen, analysieren, bewerten und genießen, vor allem aber aktiv und autonom für selbstbestimmte Interessen und Ziele zu nutzen. Im Gegensatz zur heutigen Erwachsenengeneration lernen Kinder und Jugendliche das reale Leben und die virtuelle Welt gleichzeitig kennen. Zusammen mit der Internetkompetenz erwerben sie die grundlegenden Kommunikations- und Medienkompetenzen (vgl. Feil/Decker/Gieger 2004). 1

2 Die jüngere Zielgruppe (Kinder 6 bis 10 Jahre) Die Lebenswelten von Kindern sind weniger individuell und werden anfangs stark von den Eltern mitgeprägt. Je älter die Kinder, desto weniger kontrollieren und beeinflussen die Eltern die im WWW genutzten Inhalte auf eine angemessene Nutzungsdauer wird dennoch geachtet. Die Zeit ist auf 60 Min. beschränkt und, wenn die Sonne scheint, bleibt der PC aus. (EoA-Studie 2009: Vater von Till, zehn Jahre). Grundschüler sind meistens mehrmals pro Woche im Netz. In den letzten Jahren gab es eine deutliche Erhöhung der Nutzungsfrequenz in dieser Altersgruppe. Die Jüngeren sehen den PC bzw. Laptop als Familiengut. Grundschüler müssen sich den Computer mit Internetzugang zu Hause mit anderen Familienmitgliedern teilen. Viele für Erwachsene alltägliche Funktionen im WWW, wie beispielsweise Texteingaben, Anmelde- oder Registrierungsprozesse, stellen gerade für die Jüngeren teilweise große Herausforderungen dar und sind Nutzungsbarrieren. Internet ist für die Jüngeren eindimensional, sie können weitere Funktionen und die Struktur noch nicht erschließen. Die Unterscheidung zwischen Internet und PC ist unverständlich. Das Internet ist so ein Laptop oder ein PC. (EoA-Studie 2009: Mecit, sechs Jahre). Die ältere Zielgruppe (Kinder/Jugendliche 11 bis 16 Jahre) In der älteren Zielgruppe stellen sich sowohl Mädchen als auch Jungen facettenreicher und individueller dar. Freizeit und Medienkonsum werden unabhängiger gestaltet. Ab dem Schulwechsel intensiviert sich die Internetnutzung zuhause, in der Schule und bei Freunden. Das heißt, alle älteren Schüler sind mindestens mehrmals pro Woche online. Sie sehen den PC bzw. Laptop häufig als ihr Eigentum. Die Mehrheit (vor allem ab ca. Klas- [42] se 7) hat ihren eigenen internetfähigen PC im eigenen Zimmer stehen. Jugendlichen sind die Strukturen des WWW klar und sie erkennen die Multifunktionalität. Für die Älteren ist die Unterscheidung zwischen Internet und PC allerdings unwichtig. Der Computer ist für mich Internet, weil damit kann man alles machen. (EoA-Studie 2009: Britta, 14 Jahre). Je älter die Kinder werden, desto eher werden auch die sozialen Aspekte des Netzes (wie z.b. Community-Profile) zum Austausch mit den Peers sowie Informations- und Unterhaltungsmöglichkeiten im Alltag genutzt. Ihre Internetkompetenz setzen die Älteren inzwischen vor allem für ihre sozialen Bedürfnisse gekonnt ein, um sich darzustellen und zu überprüfen, wie sie auf andere wirken. Communitys wie Facebook oder Chats bieten die Möglichkeit zur Selbstdarstellung sowie zum permanenten Austausch mit (meist) realen Freunden. 2

3 Die Internetnutzung von Kindern und Jugendlichen unter der Lupe Wenn die junge Zielgruppe heute online ist, bieten sich ihr unbegrenzte Möglichkeiten und Angebote verschiedenster Couleur. Die Anzahl an Webseiten, die im WWW zur Nutzung bereitstehen, ist nahezu endlos. Es gibt Spieleseiten, Video- und Informationsplattformen, Communitys, Portale zu den Themen Musik, Hobbies oder Regionales und vieles mehr. Und alle diese Webseiten haben das Ziel, die junge Zielgruppe zu begeistern, für Spaß, Unterhaltung oder Kommunikation zu sorgen oder zu informieren. Aber es stellt sich die Frage, welche Webseiten diese Ziele eigentlich erreichen und wenn ja, wie? Und welche Altersgruppen nutzen eigentlich welche Webseiten und warum? In der EoA-Studie 2010 Die Lieblings-Websites der Kids Entstehung, Zusammensetzung und Entwicklung des Relevant Set im Internet, die in Kooperation mit iconkids & youth, super rtl und ip Deutschland durchgeführt wurde, liefert Antworten auf diese und weitere Fragen wie: Was machen Kinder und Jugendliche im Internet? Wie ist ihr Relevant Set in den unterschiedlichen Alters- und Entwicklungsstufen aufgebaut? Wie groß ist es und wie funktioniert dessen Entstehung? Wie kann eine Website ins Relevant Set gelangen und es schaffen, dort dauerhaft zu bleiben? Das Internet sorgt für Spaß, Unterhaltung, Kommunikation und Information Das Internet wird zunehmend zum Leitmedium in den jungen online-affinen Märkten, jedoch werden die unbegrenzten Möglichkeiten des Mediums von den 6- bis 16-jährigen Kids bei weitem nicht ausgenutzt im Durchschnitt werden nur 5,9 Seiten regelmäßig besucht. Dabei steigt die Anzahl der regelmäßig genutzten Websites im Altersverlauf von nur durchschnittlich 4,1 bei den 1./2.-Klässlern bis auf 7,5 bei den 9./10.-Klässlern an, wobei dieser Zuwachs vor allem auf die Nutzung von zusätzlichen Website-Genres und weiteren Online-Aktivitäten zurückzuführen ist. Sind es für die Grundschulkinder neben den Informationen für die Schule vor allem die Spiele und Videos, kommen mit zunehmendem Alter alle weiteren Funktionen hinzu, insbesondere die Kommunikation mit Freunden innerhalb von Communitys und Chats, aber auch Special Interest Themen (wie z.b. Musik, Regionales oder Sport), während das Thema Games bei den Älteren langsam aus dem Fokus wandert. Die Schule ist inzwischen ein entscheidender Treiber der Internetnutzung 85 Prozent der Befragten nutzen das Internet zur Recherche für die Schularbeit. Das Internet befriedigt folglich bei den jungen Usern die zentralen emotionalen Grundbedürfnisse wie Spaß, Unterhaltung, Kommunikation oder Information. Darüber hinaus spricht es mit Kerninhalten aber auch fundamentale Bedürfnisse der verschiedenen Altersgruppen bei ihrer Entwicklung vom Kind zum Erwachsenen an. 3

4 Emotionale Webseiten liegen im Ranking vorne Quer durch alle Altersgruppen ist eine klare Zweiteilung der Nutzung von Internetseiten zu erkennen: Auf der einen Seite stehen Websites [43] mit hohem emotionalen Nutzen (Videos, Spiele, Communitys/Kommunikation), die in den jeweiligen Altersgruppen fast jedes Mal und ausgiebig genutzt werden. Auf der anderen Seite stehen Websites mit eher rational-pragmatischem Nutzen, also vor allem informative Websites zu allen möglichen Themen (z.b. Schulinformationen, Hobby- oder Marken-Websites). Diese Websites werden nicht so häufig angesteuert und auch vergleichsweise schnell wieder verlassen. Entsprechend liegen bei den Lieblings-Websites klar die Websites mit emotionalem Nutzen vorne: Die Video-Website YouTube liegt quer durch die Altersgruppen auf den vorderen Plätzen, während sich ansonsten im Altersverlauf das Gewicht von Spiele- Websites wie SpielAffe und toggo hin zu Communitys wie Facebook und schülervz verschiebt. Es zeigt sich aber, dass jeder sein eigenes Relevant Set aus individuell sehr unterschiedlichen Websites besitzt über alle Befragten werden insgesamt 864 verschiedene Websites genutzt. Auffällig ist, dass die jungen User kaum nach neuen Angeboten suchen, sondern den Seiten lange treu bleiben, die sich einmal bewährt haben und den individuell relevanten Content bieten. Den Websites mit hohem emotionalen Nutzen des Primären Relevant Set ist man besonders treu und besucht diese besonders häufig. Allerdings gibt es auch Angebote innerhalb des Sekundären Relevant Set (z.b. regionale Info- Websites, Markenoder Shopping-Websites), die zwar nicht so häufig, aber dennoch regelmäßig je nach Bedarf und über einen langen Zeitraum hinweg angesteuert werden. Grundvoraussetzung für den Erfolg eines Online-Angebotes ist, dass die Inhalte auf den Entwicklungsstand und die damit einhergehenden Interessen und Bedürfnisse der anvisierten Zielgruppe abgestimmt werden. Wie man die Herzen der jungen User erobert! Wie bereits beschrieben befriedigen Websites emotionale Grundbedürfnisse. Aber wie kommt diese emotionale Wirkung bestimmter Internetseiten zustande? Welche Website-Elemente wirken positiv, welche negativ? Welche geschlechter- bzw. altersspezifischen Unterschiede gibt es? Mit der emotionalen Wirkung von inhaltlichen und gestalterischen Website-Elementen (Spiele, Videos, Communitys etc.) beschäftigt sich die EoA-Studie 2011 Wie man die Herzen der jungen User erobert!. Emotionen sind eine grundlegende Antriebskraft des Menschen und spielen bei der Informationsverarbeitung eine herausragende Rolle. Reize oder Botschaften, die keine Emotionen auslösen, werden bei der Wahrnehmung benachteiligt. Auch bei der Mediennutzung geht es darum, Bedürfnisse auf der kognitiven und emotionalen Ebene 4

5 zu befriedigen (Bedürfnisse nach Information, Unterhaltung, soziale Bedürfnisse nach Kommunikation, Interaktion und Sicherheit). Da jegliche Reizverarbeitung eng mit Emotionen verknüpft ist, entscheidet das emotionale Erleben, das mit einem Angebot einhergeht, maßgeblich mit über dessen positive bzw. negative Bewertung. Hier stellen sich die Weichen, ob man ein Angebot längerfristig nutzt. Emotionale Ansprache im Internet muss zielgruppenspezifisch erfolgen Für kleinere Kinder (sechs bis zehn Jahre) ist das Internet noch eine geschlossene Welt. Sie möchten sich sicher fühlen und ihre Bedürfnisse in einem geschützten Raum befriedigen. Dabei steht das Bedürfnis nach Unterhaltung im Vordergrund. Die Kleinen pflegen einen spielerischen Umgang mit dem Medium und sehen das Internet als virtuellen Spielplatz. Sicherheit geben hier Angebote, die man schon aus der Lebenswelt kennt. Neulust empfinden die Kleinen auch, allerdings spielt das Element der Wiederholung noch eine entscheidende Rolle, da die Fähigkeiten der Kinder im Umgang mit dem Medium noch begrenzt sind. [44] Die Älteren (11 bis 16 Jahre) nutzen das Internet vor dem Hintergrund ausdifferenzierterer Bedürfnisse (Information, Unterhaltung, soziale Bedürfnisse) und in vielfältigen Nutzungssituationen. Die große, weite Welt des Internets ist begreif- und fassbar. Stärkster Treiber ist das Bedürfnis nach Interaktion und Kommunikation mit der Peergroup dies gilt für Mädchen noch mehr als für Jungen. Zudem möchte man sich, im Schutze der kontrollierten Anonymität, mit seiner Persönlichkeit online ausdrücken und positiv darstellen. Wen interessiert s?, Mitmachen lohnt sich und Hauptsache Humor! Gerade Jugendliche wollen mit Themen aus ihrem eigenen Mikrokosmos angesprochen werden, die sie auch interessieren. Gelingt dies auf authentische Art und Weise, so ist ein aktiver Dialog möglich. Mädchen und Jungen haben diesbezüglich allerdings äußerst unterschiedliche Präferenzen, einzig das Thema Musik begeistert alle gleichermaßen. Mitmachen lohnt sich für Jugendliche dann, wenn die Aufgabe klar ist und besondere Gewinne locken, die Herzenswünsche befriedigen und einen echten Mehrwert bieten. Auch Rückmeldungen von anderen Usern aus der Peergroup (Kommentare oder Votings, stacheln den Ehrgeiz an, eine Sache besonders gut zu machen. Bei den Jüngeren (sechs bis zehn Jahre), die bei der Internetnutzung nochmehr auf sich selbst konzentriert sind, motivieren vor allem Lob über auditive Elemente, zustimmende Charaktere oder Punktesysteme 5

6 Zur Emotionalisierung ist Humor eine Allzweckwaffe, und auch Kinder können sich königlich amüsieren. Während kleinere Kinder skurriles Aussehen oder Fehlverhalten vor allem von Erwachsenen lustig finden, lachen Jugendliche über komplexere Sprachspiele oder kreativen Witz, Plattheiten fallen bei ihnen durch. Wenn Du nicht bei Facebook bist, dann gibt es Dich nicht und I like... Mit dem Wechsel auf die weiterführende Schule nimmt das Bedürfnis nach Interaktior zu. Verbunden zu sein mit dem sozialen Umfeld ist das zentrale Nutzungsmotiv und sozialer Austausch gilt als grundlegendes emotionales Bedürfnis. In diesem Zusammenhang übt es auf ältere Kids und Jugendliche getreu dem Motto I like...oder lieber doch nicht eine große Faszination aus, seine Meinung zu sagen und Feedback zu bekommen. Jüngere sind sich ihrer Meinung weder bewusst, noch glauben sie, dass diese gefragt sein könnte. Sehen und gesehen werden ist ein weiteres entscheidendes Bedürfnis in der Community-Welt; man spricht über andere und genießt es, selbst Gesprächsthema zu werden. Hier dienen Postings, Kommentare und Votings der Selbstdarstellung sowie der Orientierung an der Peergroup. Noch mal, noch mal...! und gerne mit Maus, Elefant und Liliane Susewind Auch wenn Kinder kleine Entdecker mit einer ausgeprägten Neulust sind, brauchen sie auf Online-Angeboten die Möglichkeit, sich auf vertrautem Terrain auszuprobieren, zu steigern und dann Erfolgserlebnisse zu feiern, z.b. in Online-Spielen. Aber Überraschungsreize und neue Inhalte sind genauso wichtig, um Bindungspotenzial zu erzeugen was heute für Spannung sorgt, kann morgen schon langweilig sein. Besonders großes Vertrauen genießen bei den Kindern bekannte Figuren aus der Offline-Welt, wie z.b. die Maus oder Liliane Susewind. Diese können sowohl als ideale Einstiegshelfer fungieren, indem sie eine direkte Identifikation ermöglichen, als auch sich als wichtige Wegbegleiter durch das Online-Angebot erweisen. Die Bedeutung der Eltern bei der Internetnutzung der Kinder Den Eltern ist die Vermittlung von Internetkompetenz wichtig, weil sie den Kindern hilft, die Welt zu entdecken. Das Internet wird dabei als Schlüsselmedium angesehen, das neue (Wissens-)Welten eröffnet deswegen wird die Nutzung akzeptiert und gefördert. Die wachsende Selbstständigkeit des Nachwuch- [45] 6

7 ses führt aber auch dazu, dass die Eltern immer weniger über die Internetnutzung ihrer Kinder wissen und ihnen die Transparenz fehlt. Die Eltern müssen den verantwortungsvollen Umgang ihrer Kinder mit dem Internet fördern. Den Einfluss der Eltern haben wir in der EoA-Studie Die Bedeutung der Eltern bei der Internetnutzung der Kinder (6 bis 13 Jahre) näher untersucht und folgende Ergebnisse erhalten. Fast alle geben ihrem Nachwuchs Internetseiten vor, empfehlen oder verbieten spezielle Angebote. 95 Prozent der Eltern kontrollieren die Nutzung durch Zeitlimits oder direkte Anwesenheit. 97 Prozent der Mütter und Väter sind (fast) täglich online und 88 Prozent geben an, mit dem Medium (sehr) vertraut zu sein. Dadurch sind Eltern heutzutage in der Lage, die Nutzung ihrer Kinder zu überblicken und zu beeinflussen. So geben 96 Prozent ihrem Kind altersunabhängig Empfehlungen für Webseiten, 60 Prozent der Eltern tun dies sogar regelmäßig (fast jeden Tag bis mehrmals im Monat). Dabei handelt es sich meistens (82%) um Internetseiten, die für die Schule hilfreich sind, aber es werden auch Spiele-, Markenoder Unterhaltungswebsites empfohlen. Besonderen Wert legen die Eltern dabei auf die Sicherheit: Sie wollen, dass ihr Kind vor jeder Form von Missbrauch geschützt ist. Aber auch ein vertrauenswürdiger Anbieter, altersgerechte Inhalte und Gestaltung sowie edukative Aspekte spielen hierbei eine wichtige Rolle. Internet ist ein Familienthema Die Reglementierung der kindlichen Internetnutzung findet vor allem (68%) in Form von Zeitlimits statt. In knapp der Hälfte der Familien wird zudem über das Thema ausführlich gesprochen und Empfehlungen bzw. Vorgaben für Websites aufgestellt. Bei den jüngsten Kindern bis zur dritten Klasse sind Mütter oder Väter häufig beim Surfen anwesend, den Älteren wird häufiger vertraut, wobei auch hier die Eltern oftmals noch in der Nähe sind. Filterschutz-Programme werden hingegen seltener (32%) installiert. Aufgrund der Tatsache, dass das Internet durchaus ein Familienthema darstellt, bescheinigen sich die Eltern auch gute bis sehr gute Kenntnisse bezüglich der Online-Aktivitäten des Kindes (76%). Wünschenswert ist aus Elternsicht ein sinnvoller Umgang mit dem Medium, das heißt insbesondere die Nutzung des Internets für die Schule oder generell als Informationsquelle. Hierin steckt auch die Erkenntnis, dass Kinder den sinnvollen Umgang mit diesem Medium frühzeitig erlernen müssen. Allerdings differenzieren die Eltern dabei nach dem Alter der Kinder: So wird durchaus akzeptiert, dass die Jüngeren spielen wollen und den Älteren Community und Chat sehr wichtig sind allerdings akzeptiert man dies erst ab der siebten Klasse. Eltern sind folglich sowohl wichtige Multiplikatoren als auch Gatekeeper für die Internetnutzung ihrer Kinder. Das bedeutet, dass den Ansprüchen der Eltern an Websites für Kinder und Jugendliche deshalb unbedingt Genüge getan werden sollte vor 7

8 allem beim Thema Sicherheit, aber auch bezogen auf edukative und altersrelevante Inhalte. Kommunikationskultur im Internet Der Medienkanal Internet bietet den Menschen auch Kindern und Jugendlichen zahlreiche Funktionen auf einmal: Print, TV, Musik, Informationen, Kommunikation, Spiele und vieles mehr. Es gibt verschiedenste Möglichkeiten und Plattformen zur Informationsbeschaffung, Unterhaltung und Kontaktaufnahme mit anderen. Im WWW kann quasi jeder mit jedem in Echtzeit kommunizieren, am Leben des Anderen partizipieren oder Daten austauschen, so dass das Internet die sozialen Aktivitäten der Kinder und Jugendlichen fördert. Es hat in den letzten Jahren innerhalb des Mediums ein Wandel vom passiv surfenden Nutzer hin zum aktiven User stattgefunden, der selbst Inhalte erstellt und auf verschiedensten Plattformen des Netzes veröffentlicht (User Generated Content). Die kindlichen Entwicklungsstadien haben sich durch das Internet nicht grundlegend verändert, aber die Kommunikationskultur von Kindern und Jugendlichen hat sich aufgrund [46] der neuen Möglichkeiten, die das WWW bietet, ständig weiterentwickelt. Die junge Generation ist von den vielfältigen Funktionalitäten dieses Universalmediums fasziniert und nutzt es gerne und intensiv. Diese Entwicklung wird weiter fortschreiten wie hoffentlich auch die sukzessive Sensibilisierung für die Gefahren und Risiken, so dass in der Zukunft die Digital Natives in den Weiten des Internets sicher navigieren können. Literatur EoA-Studie (2011): Wie man die Herzen der jungen User erobert! Erfolgreiche Emotionalisierung im Online-Marketing für Kids & Teens. In Kooperation mit phaydon research+consulting. EoA-Studie (2010): Die Lieblings-Websites der Kids Entstehung, Zusammensetzung und Entwicklung des Relevant Set im Internet. & Die Bedeutung der Eltern bei der Internetnutzung der Kinder. In Kooperation mit iconkids & youth international research, super rtl und ip Deutschland. EoA-Studie (2009): Kinder im Internet vom virtuellen Spielplatz zum Alltagsbegleiter. In Kooperation mit phaydon 1 research+consulting. Feil, Christine/Decker, Regina/Gieger, Christoph (2004): Wie entdecken Kinder das Internet? Beobachtungen bei 5- bis 12-jährigen Kindern. Wiesbaden: VS Verlag. Mappes, Maryse/Zerzer, Manfred (2007): Zielgruppe Kinder: Verstehen der kindlichen Wahrnehmungsund Denkstrukturen. In: Naderer, G./E. Balzer (Hrsg.): Qualitative 8

9 Marktforschung in Theorie und Praxis. Grundlagen, Methoden und Anwendungen. Wiesbaden: Gabler Verlag, Prensky, Mark (2001): Digital natives, digital immigrants. From On the Horizon. NCB University Press. 9

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