FINANZMARKT- NEWSLETTER 37/2015

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1 Überblick Wochenvergleich Trend Woche Monat Jahr DAX ,04 MDAX ,66 EONIA - 0,13 % Umlaufrendite 0,51 % Dow Jones ,38 S&P ,22 EUR/ USD 1,1161 Gold in EUR 1.005,12 Öl in EUR 41,25 Stand :05 Ein Unternehmen der Ecclesia Gruppe ++Aktuelles UBS sieht sich mit neuen Forderungen in Milliardenhöhe wegen Falschberatung konfrontiert Treffen der G20-Finanzminister ohne neue Erkenntnisse Die wesentlichen Thesen des DVAM-Finanzmarkt-Newsletters Die Sorgen um China dominierten wieder die Märkte, obwohl dort die Handelswoche nur drei Tage betrug. Gleichzeitig besteht die Angst vor der US- Zinswende. Beides ist irrational. Der UBS-Verwaltungsratspräsident und frühere Bundesbankchef Axel Weber hat mit seiner kritischen Haltung zu der Bereitschaft der Europäischen Zentralbank (EZB), die expansive Geldpolitik noch weiter auszuweiten, sicherlich recht. Allerdings stellt sich auch mit Blick auf sein Kreditinstitut die Frage, wie viel Kreditinstitute aus der globalen Finanzkrise 2008 gelernt haben. So sieht sich die UBS mit Schadensersatzforderungen in Milliardenhöhe konfrontiert, weil sie in Fonds Anleihen des inzwischen insolventen Staats Puerto Rico beigemischt hat. So definiert die UBS konservative Anlagen. In eine ähnliche Richtung geht eine Entwicklung beider Fondsgesellschaft Pimco: Der früher von Bill Gross gemanagte Rentenfonds hat nunmehr 2/3 seines Volumens eingebüßt. Daneben verlieren Anleger dort seit Jahren Geld, da die Rendite negativ ist. Mit der Einschätzung sinkender Renditen, gegen die der Fonds noch vor zwei Jahren erfolglos spekuliert hatte, versucht man nun, die extreme Duration der Fondsanlagen zu erklären. Tatsächlich blendet man die Verwerfungen bei dem von uns erwarteten Zinsschritt der US-Notenbank völlig aus. Dies gilt auch für Marktteilnehmer im Edelmetallsegment, das wir teilweise sehr kritisch sehen. Dennoch freut uns, dass die dort häufig genutzte Seite gold.de unter dem Link unseren im Manager Magazin online erschienenen Artikel aufgegriffen hat. IN EIGENER SACHE Allen bislang Teilnehmenden zu Einschätzung unsere Newsletters danken wir sehr. Wir werden die nun umfangreichen und weitgehend sehr positiven Rückmeldungen analysieren und als Grundlage zu einer Weiterentwicklung des DVAM-Finanzmarkt-Newsletters nutzen. Selbstverständlich sind Rückmeldungen weiterhin möglich und sehr willkommen. Bitte richten Sie dies gern weiterhin an oder 05231/

2 Allgemeines Anhand der Vielzahl der Neuemissionen auf der Anleihenseite in der hinter uns liegenden Handelswoche, machte sich das Ende der Ferienzeit in diesem Jahr bemerkbar. Leider waren die neuen Rententitel in der Breite nicht sehr attraktiv. Wer aber durch das Ende der Ferien mit steigenden Handelsvolumina eine Marktberuhigung erwartete, wurde enttäuscht. Die Märkte bleiben fest im Griff eines negativen Blickwinkels auf China, der teilweise durch die Aktienkursentwicklung dort begründet wurde. Allerdings wird viel zu wenig unterschieden zwischen einer dringend notwendigen Korrektur vorangegangener Marktübertreibungen, die bei vielen chinesischen Indizes festzustellen sind, und der fundamentalen wirtschaftlichen Situation in China. Zwar lässt das chinesische Wirtschaftswachstum nach. Von einer Rezession ist die chinesische Volkswirtschaft aber weit entfernt, wie beispielsweise auch die Absatzzahlen des deutschen Premium-Automobilhersteller Daimler im August 2015 zeigen. Dennoch ist es ein schlechtes Zeichen, wenn der marktbreite Shanghai Composite im Wochenvergleich trotz feiertagsbedingt einer nur drei Tagen langen Handelswoche zwar knapp 8 % hinzugewinnen kann, sich der Eindruck aber verfestigt, es ginge ausschließlich auf Interventionen der chinesischen Führung zurück. Je schneller nun die chinesische Regierung jede Form der Interventionen aufgibt und sich auf grundsätzliche Weichenstellungen beschränkt, desto besser ist dies für die weitere Entwicklung Chinas. Momentan fühlt man sich eher in tiefste kommunistische Vergangenheit zurückversetzt, nachdem Journalisten und Wertpapierhändler öffentlich gestehen mussten, Verursacher des Börsencrashs zu sein. Hier hängt die chinesische Führung alten Verhaltensmustern nach, die in Zeiten des Internets und einer zunehmend aufgeklärten chinesischen Gesellschaft kaum zu halten sein werden. Mit Blick auf solche Entwicklungen sind die Sorgen des Internationalen Währungsfonds (IWF) um das globale Wachstum sicherlich nicht unbegründet. Allerdings ist er so sprunghaft wie kaum eine andere global bedeutete Institution. Noch vor wenigen Wochen hatte der IWF die globale Wachstumsprognose angehoben, nun senkt man sie aufgrund der Turbulenzen in China wieder ab. Dabei sollten solchen Organisationen über temporäre Schwankungen hinwegsehen. Dies erfolgt beim IWF schon seit Längerem nicht mehr. Deswegen ist wieder die Deutsche Bundesbank besonders positiv hervorzuheben, deren Präsident Jens Weidmann deutlich hervorhob, dass ihn die Marktturbulenzen in China nicht beunruhigen. Auch ein reduziertes Wirtschaftswachstum sei kein Problem. Schließlich hat die chinesische Regierung strukturelle Veränderungen der dortigen Wirtschaft angekündigt. China will sich von einer stark exportorientierten Wirtschaft zu einer stärker auf den Heimatmarkt und auf den Dienstleistungssektor ausgerichteten Volkswirtschaft entwickeln. Diese Anpassungen lassen sich nicht ohne strukturelle Verwerfungen umsetzen. Insofern sollte aus unserer Sicht jeder Kapitalanleger durch die momentanen Marktverwerfungen, die von China ausgehen, hindurch blicken und eher fundamentale Aspekte betrachten. Wie schwierig dies ist, hat aktuell erst wieder die EZB unter Beweis gestellt. Getrieben durch die Marktturbulenzen und schwache Inflationsdaten hat deren Präsident Mario Draghi die Bereitschaft signalisiert, mehr zu tun, um die Wirtschaft der Eurozone anzutreiben und vor allen Dingen für steigende Inflationsraten zu sorgen. Ein erster Schritt, der allerdings eher kosmetischer Natur ist, ist die Entscheidung, zukünftig von Anleihen nicht 25 %, sondern bis zu 33 % kaufen zu können. Dies belegt, wie wenig Anleihen an den Märkten verfügbar sind. Entsprechend werden die Zinsen weiterhin sehr niedrig bleiben. Dies gilt umso mehr nach dem Hinweis bei der EZB-Sitzung am letzten Donnerstag, ggf. das Anleiheprogramm ausweiten zu wollen. Dies könnte durch eine zeitliche Verlängerung, die momentan favorisiert wird, oder eine ggf. kurzfristig erfolgende Seite 2 von 8

3 Erhöhung der Volumina umgesetzt werden. Man ist also seitens der EZB bereit, immer mehr zu tun, um Ziele zu erreichen, die bei genauer Betrachtung nicht klar definiert sind und keinesfalls der Auftrag der Notenbank entsprechen. Die europäische Wirtschaft wächst wenn auch moderat. Die Inflation liegt mit 0,2 % in der Eurozone zwar weit unter dem Zielwert von 2 % der Notenbank. Allerdings hat sie sich auf einem Niveau gehalten, das über den Erwartungen lag. Es zeichnen sich anders als vor einem knappen Jahr derzeit in kaum einem Eurostaat mit Ausnahme von Griechenland deflationäre Tendenzen ab. Entsprechend ist der Widerspruch zur europäischen Zinspolitik durch den ehemaligen Bundesbank-Präsidenten Axel Weber absolut richtig, auch wenn die von ihm als Verwaltungsratspräsidenten geführte UBS aktuell wieder negative Schlagzeilen macht. Kreditinstitute scheinen die zeigt auch die Entwicklung der Deutsche Bank- Tochter Sal. Oppenheim sehr deutlich weiterhin kein Interesse zu haben, für Kundennutzen zu sorgen. Dennoch besteht geldpolitisch keine Notwendigkeit, über das derzeit vorhandene Maß hinaus aktiv zu werden. Vielmehr sollte man abwarten, ob die Maßnahmen nicht Wirkung entfalten. Hier dem Vorbild der US-Notenbank, die ihre Bilanzsumme mehr als verdoppelt hat oder gar der japanischen Zentralbank, deren Bilanzsumme inzwischen das Dreifache des Vorkrisen-Niveaus beträgt, nacheifern zu wollen, ist falsch. Die EZB hat zwischenzeitlich ihre Bilanz um mehr als 1/3 ausgeweitet. Rechnet man Hilfsinstrumente wie EFSF und ESM noch hinzu, ist man ebenfalls bei fast einer Verdoppelung der Bilanzsumme. Entsprechend gibt es auch in der Eurozone kein Liquiditätsproblem, weshalb auch der deutsche Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble mit seinen Ausführungen am Rande der G-20-Tagung zur Beendigung der ultralockeren Geldpolitik Recht hatte. Widerspruch kommt hierzu nicht nur vom IWF, der die Risiken für die Schwellenstaaten betont, sondern auch aus Frankreich. Der Wirtschaftsminister der zweitgrößten Volkswirtschaft der Eurozone spricht sich faktisch für eine Transferunion aus, in der dann die Verbindlichkeiten vergemeinschaftet werden sollen. Es zeigt, wie wenig Frankreich selbst an eine dauerhaft, positive wirtschaftliche Entwicklung von sich selbst erwartet. Hier soll der mögliche Angriff auf die Bonität Frankreichs durch eine Haftungsunion vor allen Dingen mit Deutschland in einem sehr frühen Stadium abgewehrt werden. Entsprechend ist die Eurokrise derzeit nicht wirklich verschwunden oder gar gelöst, sie ist nur aufgrund der teilweise nicht nachvollziehbaren Sorgen um China in den Hintergrund getreten. Dies spiegelt auch das Treffen der Finanzminister der G20 wider, die immer wieder auf Risiken hinweisen, aber keine wirklichen Lösungen bieten. Beruhigend sollten die Ausführungen der chinesischen Seite wirken. Konjunkturell sei man auf gutem Wege und das Platzen der Aktienblase beeinträchtige die Konjunktur nicht. Gerade in dem Gesamtkontext ist eine Zinserhöhung in den USA um 0,25 % p. a. in knapp zwei Wochen notwendig, um die Märkte moderat von den permanent faktisch kostenfreien Refinanzierungsmöglichkeiten zu entwöhnen. Eine wirkliche Veränderung der Situation geht damit aufgrund der immensen Liquidität ohnehin nicht einher. Zudem dürfte dieses Zinserhöhungspotenzial eng begrenzt sein. Wie in dem Artikel für das Managermagazin online, der unter dem Link magazin.de/finanzen/artikel/china-dax-und-oel-so-geht-es-weiter-an-den-maerkten-a html weiterhin zur Verfügung steht, bereits dargestellt, rechnen wir mit einer maximalen Erhöhung des Zinsniveaus auf 0,75 % p. a. auf Sicht von 12 Monaten. Dies wird auch durch die positive Konjunkturentwicklung in den USA gerechtfertigt, obwohl die neu geschaffenen Arbeitsplätze zum Ende der hinter uns liegenden Handelswoche mit neuen Stellen deutlich unter den Erwartungen lagen. Dennoch griff der Angst vor der Zinswende an den US-Märkten irrationalerweise um sich. Seite 3 von 8

4 Positive Faktoren werden nahezu nicht wahrgenommen. So scheint sich trotz der Androhung der Verlängerung der Sanktionen gegen Russland die Situation etwas zu entspannen. Der russische Präsident Wladimir Putin hat den sehr positiven Vorschlag gemacht, mit einer internationalen Allianz und ggf. sogar Bodentruppen wirksam gegen das Terrorregime des Islamischen Staats vorzugehen. Sein Konzept ist beachtenswert und sollte schnellstmöglich auf internationaler Ebene breit diskutiert werden. Es ist eine deutliche Veränderung der russischen Außenpolitik, sich nun aktiv in solche Konflikte einzubringen. Tatsächlich scheint Russland damit die vakante Stellung der USA in Ansätzen übernehmen zu können, als weltpolitische Ordnungsmacht zu fungieren. Ein weiteres, positives Signal ist nun die Umsetzung einer Transaktion zwischen dem deutschen Chemiekonzern BASF und dem russischen Energiekonzern Gazprom, die bereits vor zwei Jahren angestoßen worden war. Gazprom übernimmt von BASF Distributions- und Dienstleistungsaufgaben im Energiesektor, während BASF Beteiligungen in verschiedenen Förderregionen an Gasfeldern erhält. An der Börse wurde diese Transaktion nicht positiv für den deutschen Konzern ausgelegt, weil derzeit die Rohstoffpreise auf extrem niedrigem Niveau sind. Für die Zukunftsfähigkeit des weltgrößten Chemiekonzerns ist dies allerdings eine richtungsweisende Entscheidung. Inflation Konjunktur Die Inflation in der Eurozone lag mit 0,2 % auf Jahressicht etwas über den Erwartungen der Analysten. Dennoch hat dies für den im Allgemeinen Teil beschriebenen, hektischen Aktionismus der EZB gesorgt. Wenigstens wurde das Leitzinsniveau dort unverändert gelassen. Inzwischen ist hier eine weitere Absenkung nicht auszuschließen. Neben den US-Arbeitsmarktdaten, die unter den Erwartungen blieben, aber dennoch Sorgen um eine Zinserhöhung in den USA auslösten, wurden insbesondere die Konjunkturdaten aus China besonders beachtet. Wirklich neue Erkenntnisse ergaben sich nicht. Dort wurde sehr kritisch über den Autoabsatz berichtet, der eine Reduzierung des chinesischen Wachstums auf 2,8 % in diesem Jahr erwarten ließe. Tatsächlich gab es immer wieder Schwankungen in den Absatzzahlen und die Wirtschaft Chinas entwickelt sich geplant stärker binnenorientiert. China wird mit mehr als 2,8 % und mit weniger als von der chinesischen Regierung angestrebten 7 % wachsen. In diesem Jahr wird vermutlich ein Wachstum von mehr als 5,5 % zu verzeichnen sein, was in Relation eines relativen Wachstums im Jahr 2008 immer noch einer Wirtschaftsleistung von knapp 10 % entspricht. Wer den Rückgang der relativen Zahlen des chinesischen Wachstums beklagt, sollte sich die einfache mathematische Gleichung vor Augen führen, dass eine höhere Basis nur geringere relative Wachstumszahlen benötigt, um den denselben absoluten Zuwachs zu erzielen. In Japan ist die Industrieproduktion überraschend zurückgegangen, obwohl dort die Kaufkraft aktuell erstmals seit zwei Jahren wieder gestiegen ist. Dies ist vergleichbar mit Deutschland. Dort sind die Industrieaufträge im Juli 2015 überraschend im Vergleich zum Vormonat um 1,4 % gefallen. Als Ursache wird auch hier China herangezogen, was sich vordergründig dadurch zu bestätigen scheint, da kleinere und mittlere Unternehmen in Deutschland mit geringen Exportquoten hinsichtlich ihrer Entwicklung weiterhin sehr zuversichtlich bleiben. Positiv ging fast die Nachricht unter, dass sich der Einzelhandel sehr positiv entwickelt hat. Interessant ist, dass trotz steigender online-umsätze für den Handel die Bedeutung der Innenstädte steigt. Leider gilt dies fast ausschließlich für Metropolen. Vereinfacht kann man formulieren, dass an hervorragenden Innenstadtstandorten in Metropolen Marken gemacht werden, die dann Basis für ein starkes Onlinegeschäft sind. Insofern erwarten wir in den nächsten Tagen bei Gerry Weber und insbesondere bei Hugo Boss positive Geschäftszahlen. Seite 4 von 8

5 Geldmarkt Betrachtet den deutschen Geldmarkt, scheint es im Übrigen auch kaum noch eine Rolle zu spielen, wie sich die europäischen Leitzinsen entwickeln. Auch scheinen die Marktverwerfungen in anderen Assetklassen kaum einen wirklichen Einfluss zu haben. Der unter Kreditinstituten gehandelte EONIA-Satz liegt faktisch unverändert bei aktuell 0,12 % p. a. Der 3-Monats-Euribor verfestigt seine ebenfalls im negativen Bereich liegende Rendite von 0,03 %, während der 6-Monats-Euribor mit 0,04 % ebenso wie der 12-Monats-Euribor mit 0,16 % p. a. zwar weiter leicht nachgeben, aber noch im positiven Bereich verharren. Bis zum Jahresende 2015 ist allerdings ein Absinken des 6-Monats-Euribors auf eine 0 %-Rendite nicht auszuschließen. Dennoch gibt es im Geldmarkt immer wieder Möglichkeiten, in bestimmten Fristigkeiten attraktiv anzulegen. Dies sollte dann aber nur bei erstklassigen Anbietern erfolgen. Hierzu zählen wir die zum Autohersteller Opel gehörende Bank nicht. Dies lässt sich auch daran ablesen, dass sie deutlich über dem Markt liegende Zinsen bietet. Aber auch die Entwicklung im Bereich der kommunalen Kreditinstitute sollte man mit Vorsicht beobachten. Schließlich könnten aufgrund der Zinssituation immer mehr Sparkassen gezwungen sein, eigenkapitalstärkende Maßnahmen zu ergreifen. Vor wenigen Wochen hat die BaFin dies bei einer mittelgroßen Sparkasse am Niederrhein gefordert. Daher sollten Kommunen überlegen, inwieweit eine Privatisierung der Sparkassen nicht sinnvoll ist, solange man daraus noch einen positiven Beitrag für die kommunalen Finanzen erzielen kann. Rentenmarkt Das sich immer stärker abzeichnende Ende der Feriensaison merkte man insbesondere im Rentenmarkt, da dort das Neuemissionsvolumen stark anzog. Aber nur wenige neue Anleihen waren attraktiv. Bei extrem hoher Liquidität bot sich eine neue, vier Jahre laufende Toyota-Anleihe als moderate Beimischung an. Interessanter war es jedoch, in bestehende Anleihen zu investieren. Während deutsche Staatsanleihen im Wochenvergleich durchschnittlich 0,5 % hinzugewinnen konnten, nachdem Mario Draghi eine weitere Ausweitung seiner expansiven Geldpolitik in den Raum stellte, blieb beispielsweise die Anleihe des weltgrößten Rohstoffhandelskonzerns Glencore unter Druck. Hier lassen sich für knapp zehn Jahre Laufzeit nun 4,3 % p. a. Rendite erzielen. Diese außerordentlich hohe Rendite hat zwei Ursachen: Auf der einen Seite handelt es sich dabei um eine eher für institutionelle Anleger ausgerichtetes Papier mit einer Mindeststückelung von Euro. Zum anderen droht Glencore, in der Bonität herabgestuft zu werden. Dann läge man unter dem für viele Anleger wichtigen Investment-Grade-Niveau. Im Vorgriff trennen sich hier schon viele Anleger von dem Papier. Dem stehen nur relativ wenige Käufer gegenüber, sodass die Anleihe an Wert verliert. Zwischenzeitlich konnte man eine ähnliche Entwicklung bei einer Anleihe des deutschen Baukonzerns Bilfinger sehen, die dann nach der Herabstufung eine Rallye von 6 % zu verzeichnen hatte. Ähnliches erwarten wir bei den Anleihen von Glencore. Zusätzlich wird der Konzern von der allgemeinen Beruhigung im Rohstoffpreissektor profitieren können. Entsprechend gibt es im Rentenmarkt immer wieder attraktive Gelegenheiten, Papiere beizumischen. Hierzu zählen sicher auch inflationsgekoppelte Anleihen, da diese teilweise nahe ihrer historischen Tiefs notieren. Diese würden von einer Zinswende aufgrund der damit einhergehenden steigenden Inflationserwartungen profitieren können. Seite 5 von 8

6 Insofern erscheint es nicht nachvollziehbar, wenn mit Pimco einer der größten Fondsanbieter der Welt eher die Sorgen vor weiter sinkenden Renditen schürt. Der Rentenmarkt bietet immer wieder gute Anlagemöglichkeiten für mittel- bis langfristig orientierte Investoren. Mit der wenig nachvollziehbaren Einschätzung scheint Pimco eher die dramatischen Mittelabflüsse eines Fonds zu rechtfertigen, der innerhalb von weniger als zwei Jahren mehr als 200 Mrd. EUR an Volumen verloren. Die Stärke der deutschen und US-Staatsanleihen überrascht nicht nur aufgrund der in den USA zunehmend erwarteten Zinswende, die nach unserer Einschätzung zwar nur sehr moderat ausfallen wird, aber in der übernächsten Woche bevorstehen könnte. Wesentlich interessanter ist, dass China US-Staatsanleihen und Bundesanleihen verkauft, wobei dann Letztere von der EZB und anderen europäischen Notenbanken augenscheinlich aufgekauft werden. Entsprechend ist die Nachfrage nach deutschen Anleihen weiterhin sehr gut und auch hier zeichnet sich keine gravierende Zinsveränderung ab. Daher rechnen wir in den nächsten Handelstagen mit einem weiter leicht sinkenden Zinsniveau, wobei allerdings die Nervosität an den Rentenmärkten vor der US- Zinsentscheidung am weiter zunehmen wird. Die dann vorhandenen Ausschläge können mittel- bis langfristige Anleger nutzen, um sich attraktive Anleihen zu sichern. Aktienmarkt Durch die Rückgänge an den weltweiten Aktienmärkten löst sich die positive Stimmung zu dem Aktienjahr 2015 zunehmend auf. Der DAX hat im Wochenvergleich 2,5 % an Wert eingebüßt und ist seit dem Jahresanfang 2015 nur noch mit 2,4 % im Plus. Damit hat er sich deutlich besser gehalten als die US-Indizes. Der Dow Jones ist inzwischen in diesem Jahr um fast 10 % gefallen, nachdem er in der hinter uns liegenden Handelswoche 3,3 % verloren hat. Noch stärker war das Minus beim marktbreiten S&P 500, der 3,4 % verloren hat, aber beim Wochenminus noch mit dem Jahresminus von knapp 7 % etwas besser dasteht als der US-Leitindex. In dieser Relation hat sich noch relativ gut der zyklischer ausgerichtete MDAX gehalten, der 1,7 % verloren hat. Positiv stach hierbei u. a. die Aktie des Stahlhandelskonzerns Klöckner&Co hervor, die trotz einer Herabstufung im Wochenvergleich um 2,5 % steigen konnte. Der Wert scheint bei einem Niveau von knapp über 8 Euro je Aktie gut unterstützt zu sein. Ebenfalls sehr stark präsentierte sich die Aktie der Deutschen Lufthansa, obwohl dort neue Streiks der Piloten drohen. Der Vorstandsvorsitzende Carsten Spohr hat allerdings deutlich ausgesprochen, dass diese Streiks eine eher geringe wirtschaftliche Belastung darstellen, da als Konsequenz der Streiks die größte deutsche Fluggesellschaft seit 2013 keine Piloten mehr mit den sehr teuren Altersregelungen eingestellt hat. Der daraus entstehende wirtschaftliche Vorteil, der sich auch teilweise auf bestehende Vertragsverhältnisse mit Piloten erstreckt, dürfte die unmittelbaren wirtschaftlichen Folgen des Streiks deutlich überkompensieren. Dies trägt auch dazu bei, dass das Ergebnis von 1,5 Mrd. Euro in diesem Jahr erreicht werden kann. Basis hierfür waren Rekordumsätze während der Sommermonate. Betrachtet man diese Eckdaten, ist Lufthansa nur mit dem Vierfachen des Jahresüberschusses bewertet und gehört damit weltweit zu den preiswertesten Aktien. Man darf sich gar nicht vorstellen, wenn Lufthansa sich in drei Unternehmen aufspaltet, in denen zum einen das Catering auch für andere Fluggesellschaften, das Frachtgeschäft und der Passagierflugbereich aufgegliedert wären. Seite 6 von 8

7 Dieses Potenzial nutzt der Chemiekonzern Bayer, der vor einigen Jahren schon gute Erfahrungen mit der Abspaltung des Spezialchemieherstellers Lanxess gesammelt hatte. Nun bringt er die Kunststoffsparte Bayer Materials unter dem Namen Covestro noch in diesem Jahr an die Börse. Ähnlich wie bei der Entwicklung von BASF, die wir im Allgemeinen Teil beschrieben haben, kam diese Nachricht an der Börse nicht positiv an. Es bleibt im Wesentlichen unverständlich und durch die geplante Bewertung der Sparte, die ein Viertel zum Jahresüberschuss des Konzerns beiträgt, erklären, die momentan lediglich bei 10 Mrd. Euro liegen soll. Weitere positive Nachrichten gab es vom Konsumgüterhersteller Henkel, der sich in Indien mit 26 % an einem dortigen Waschmittelproduzenten beteiligen wird. Dies sorgt für neue Wachstumsphantasie bei einem sehr etablierten DAX-Konzern. Besonders positiv ist sicherlich auch der Automobilkonzern Daimler hervorzuheben, der im August 2015 den stärksten Automobilabsatz in seiner Unternehmensgeschichte in China zu verzeichnen hatte. Dies widerspricht eigentlich dem allgemeinen Abschwung-Szenario in China. Wir sehen größeres Aufwärtspotenzial bei Daimler, aber auch den Automobilaktien insgesamt, da diese durch die anstehende Internationale Automobilausstellung in Frankfurt am Main wieder stark in den Fokus rücken. Positiv für den Medizinkonzern Fresenius ist die erfolgte Aufnahme in EuroStoxx, was sich auch in einer positiven Aktienkursentwicklung im Wochenvergleich widerspiegelt. Hier gilt aber, des einen Freud ist des anderen Leid. Nicht mehr im EuroStoxx ist damit der deutsche Energiekonzern RWE, dessen Aktien ähnlich wie bei EON deutlich unter Druck blieben. Dieser Negativtrend hält sich seit Bekanntwerden der Energiewende eigentlich konstant. Hinzu kam in der letzten Woche noch die Nachricht, dass die Konzerne für die Altlasten aus der Atomstromgewinnung haften werden. Auch hier sind Aufteilungen des Unternehmens wie von Eon geplant nicht erfolgversprechend. Die beschrieben Änderung im EuroStoxx wird am umgesetzt. Zu diesem Zeitpunkt gibt es auch Veränderungen anderer Indizes. So steigt Vonovia vormals Deutsche Annington in den DAX auf, dessen Zusammensetzung zuvor drei Jahre unverändert war, auf. Aus dem deutschen Leitindex heraus fällt Lanxess, die dann im MDAX notiert werden und Celesio ersetzen. Daneben kommt es zu einem ostwestfälischen Tausch : Während Gerry Weber den MDAX verlassen muss, steigt der Automobilzulieferer Hella in den MDAX auf. Die vielfach befürchtete Veränderung eines Ausscheidens der Lufthansa aus dem DAX ist damit nicht erfolgt, was die Aktie neben den erfreulichen, operativen Entwicklungen zusätzlich stützte. Wir rechnen mit insgesamt mit leicht aufwärtsgerichteten Kursen in den nächsten Handelstagen. Insgesamt wird die Schwankungsintensität hoch sein. Deswegen gilt auf der Aktienseite, dass an Gewinnmitnahmen noch niemand verarmt ist. Währung Auf der Währungsseite war es wieder turbulent. So hat der Euro seine Schwankungen gegenüber dem US-Dollar zwar nicht auf dem Niveau der Vorwoche fortgesetzt, die Handelsspanne war aber dennoch relativ groß. In der Spitze stieg der Euro auf den Wert von 1,13, um dann mit der Furcht vor einer Zinswende in den USA im Wochenvergleich ein Minus von 0,3 % zu verzeichnen. Jede fundamentale Erklärung hierfür ist sehr schwierig. Wir erwarten hier einen eher wieder stärker werdenden Euro, da ähnlich wie auf der Rentenseite auch im Währungssegment eine moderate US-Leitzinserhöhung eingepreist sein dürfte. Seite 7 von 8

8 Anders als in den Vorwochen gab es hinsichtlich der Rohstoffwährungen kein klares Bild. Gegenüber den Norwegischen Kronen präsentierte sich die europäische Gemeinschaftswährung faktisch unverändert. Gegen den Australischen Dollar mit 3,4 % und den Russischen Rubel mit 4 % konnte der Euro im Wochenvergleich deutlich hinzugewinnen, obwohl gerade die industriell benötigten Rohstoffe ihre Erholung weiter fortsetzten. Da dies fundamental nicht zu erklären ist, rechnen wir in den nächsten Tagen mit einem gegen Rohstoffwährungen schwächer werdenden Euro. Rohstoffe Bei den Rohstoffen konnten mit Ausnahme von Kupfer, das im Wochenvergleich 0,4 % verloren hat, nahezu alle anderen industriell benötigten Rohstoffe deutlich hinzugewinnen. Besonders stark fiel der Zuwachs mit 6 % beim Eisenerz aus, während Aluminium mit 3 % und Öl mit 2 % sich eher moderat entwickelten. Besondere Beachtung verdient weiterhin die Entwicklung des Ölpreises, der innerhalb eines Tages häufig um mehrere Prozentpunkte und innerhalb einer Handelswoche durchaus um mehr als 10 % schwanken kann. Durch die häufig gegenläufigen Entwicklungen aufeinanderfolgender Handelstage bleiben dann im Wochenvergleich die Ausschläge relativ moderat. Die Stärke der Bewegungen lässt allerdings eine solide Planung kaum zu. Wir rechnen mit leicht abwärtsgerichteten Preisen unter weiterhin extremen und nicht nachvollziehbaren Schwankungen. Überraschend hat sich der Goldpreis entwickelt. Trotz der Turbulenzen ist er um 1 % gefallen. Seit dem Jahresanfang 2015 addiert sich damit das Minus auch auf über 5 % ist damit ein schwaches Aktien- und Rohstoffjahr. Seinem Ruf als sicherer Hafen wird damit Gold auch nicht gerecht. Vielmehr überwiegen dort inzwischen auch die Abwärtsrisiken deutlich. Etwas besser hat sich Silber gehalten, das im Wochenvergleich nur um 0,2 % zurückgegangen ist. Hier ist die industrielle Komponente weiterhin ein Vorteil im Vergleich zum Gold. Entsprechend bleibt nach unserer Einschätzung Silber die weiterhin bessere Alternative, wenn man im Edelmetallbereich etwas beimischen will. Disclaimer Der DVAM-FINANZMARKT- ist für die Information der Ecclesia-Unternehmensgruppe und deren Kunden vorgesehen. Die DVAM Deutsche Vorsorge Asset Management GmbH hat diese Veröffentlichung auf Basis von Informationen und Auswertungen vorgenommen, die als verlässlich eingeschätzt werden. Eine Haftung für die Richtigkeit der Angaben oder Prognosen wird nicht übernommen. Die Informationen können eine Beratung nicht ersetzen. Die im DVAM FINANZMARKT- enthaltene Analyse genügt nicht allen gespeicherten Anforderungen zur Gewährleistung der Unvoreingenommenheit von Finanzanalysen. Die Analyse unterliegt zudem nicht dem Verbot des Handelns vor der Veröffentlichung von Finanzanalysen. Verantwortlich für den DVAM FINANZMARKT- ist Markus Schön, Geschäftsführer der DVAM Deutsche Vorsorge Asset Management GmbH. Die zuständige Aufsichtsbehörde der DVAM Deutsche Vorsorge Asset Management GmbH ist die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin), Marie-Curie-Str in Frankfurt am Main. DVAM Deutsche Vorsorge Asset Management GmbH Klingenbergstraße 4 Telefon +49 (0) Detmold 2015 Seite 8 von 8

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