Halvers Kapitalmarkt Monitor - Ausgabe vom KW 37

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1 Halvers Kapitalmarkt Monitor - Ausgabe vom - KW 37 Seite 1 von September 2015 ROBERT HALVER IN DEN MEDIEN Der wöchentliche Kapitalmarkt-Ausblick von Robert Halver - jetzt als Video-Kolumne auf maxblue.de. Einen weiteren aktuellen Marktkommentar mit dem Titel "Es mag sein, dass Frau Yellen eine Frisuren- Wende braucht, aber Amerika braucht keine Zins-Wende!" können Sie auf der Website von Börsen Radio Network abrufen. DER MARKT UNTER DER LUPE US-Konjunktur liefert keine Zinserhöhungsgründe US-Geldpolitik hat bislang zu wenig realwirtschaftliche Wirkung erzielt GRAFIK DER WOCHE Asymmetrische Wirkung von Aktienhaussen bzw. -baissen auf die Realwirtschaft China saugt Liquidität der westlichen Notenbanken ab Aktuelle Marktlage und Anlegerstimmung: Am geldpolitischen Wesen müssen die Aktienmärkte weiter genesen Charttechnik DAX und Euro Stoxx 50: Nichts für schwache Nerven Und was passiert in KW 38? HALVERS WOCHE VOLKSWIRTSCHAFTLICHE PROGNOSEN AUF EINEN BLICK KAPITALMARKT AUF EINEN BLICK WEITERE NEWSLETTER DER BAADER BANK DER MARKT UNTER DER LUPE US-Leitzinswende so unnötig wie ein Kropf Volkswirtschaftlich sind die Argumente für Zinserhöhungen in den USA rar gesät. Neben einem ohnehin schwächeren weltkonjunkturellen Umfeld leidet Amerika zusätzlich unter dem starken, exportschädlichen US-Dollar: Mit 46,5 liegt der Subindikator für Exportaufträge des Einkaufsmanagerindex ISM klar unterhalb der Expansionsschwelle von 50. Robert Halver, Leiter Kapitalmarktanalyse, Baader Bank

2 Halvers Kapitalmarkt Monitor - Ausgabe vom - KW 37 Seite 2 von 14 US-Konjunktur liefert keine Zinserhöhungsgründe Money alone can t buy me love Auch die Lage am von der Fed vielbeachteten US-Arbeitsmarkt ist weniger robust als allgemein angenommen. Der von der US-Notenbank veröffentlichte, auf 19 Subindikatoren basierende Labor Market Conditions Index deutet seit Jahresbeginn auf eine Verschlechterung der US-Beschäftigungssituation hin. Die niedrigsten Leitzinsen in der Finanzgeschichte Amerikas vermögen es offenbar nicht, eine nachhaltig positive Beschäftigungslage wie in früheren Niedrigleitzinsphasen zu generieren. Der US- Energiesektor darbt Als Handicap erweist sich im Übrigen auch der US-amerikanische Energiesektor. Gerade das Öl- und Gas-Fracking war als Ausgangspunkt der nächsten industriellen Revolution in Amerika gedacht und sollte nicht zuletzt ausländische energiesensitive Unternehmen anziehen. Doch der schwache Ölpreis, der sich auf absehbare Zeit aufgrund der umfangreichen Förderung der OPEC und speziell Saudi-Arabiens und des Iran nicht wesentlich erhöhen wird, lässt diese neue Hoffnungsbranche auch in puncto Beschäftigung zumindest vorerst darben. US-Geldpolitik hat bislang zu wenig realwirtschaftliche Wirkung erzielt Grundsätzlich muss man von der realwirtschaftlichen Ausbeute der beispiellos üppigen Notenbankpolitik seit der Lehman-Pleite 2008 enttäuscht sein. Denn während die Fed ihre Bilanzsumme seit Sommer 2008 um das Fünffache ausgeweitet hat, konnte die US-Wirtschaftsleistung lediglich um ein Fünftel gesteigert werden.

3 Halvers Kapitalmarkt Monitor - Ausgabe vom - KW 37 Seite 3 von 14 GRAFIK DER WOCHE Liquiditätsausstattung in den USA und US- Wirtschaftswachstum, jeweils indexiert Zentralbankgeld landet vor allem in der Finanzwirtschaft Während die Liquidität an der Realwirtschaft weitestgehend vorbei ging, fand sie allerdings an den Finanzmärkten großen Anklang. Billiges und umfangreiches Zentralbankgeld hat zu einem sehr lockeren Umgang mit Kreditaufnahmen auch zum Zweck des Aktienkaufs geführt. So hat die dramatische Ausweitung der Wertpapierkredite an der New York Stock Exchange den US-Aktienmarkt auf bislang ungewohnte Kursniveaus getrieben.

4 Halvers Kapitalmarkt Monitor - Ausgabe vom - KW 37 Seite 4 von 14 Der Vermögenseffekt stottert Der Vermögenspreiseffekt, auf den die US-Notenbank dabei lange Zeit zur Konjunkturankurbelung gemäß dem Motto Wer sich reicher fühlt, konsumiert auch mehr gesetzt hat, konnte bislang allerdings nicht das gewünschte Resultat erzielen. Erst fallen die Aktien, dann die Konjunktur Asymmetrische Wirkung von Aktienhaussen bzw. - baissen auf die Realwirtschaft Zwar ist die Wirkung positiver Aktienkursentwicklungen auf realwirtschaftliche Größen beschränkt, doch ist umgekehrt ein massiv negativer Einfluss unverkennbar. Eine markante US-Leitzinswende und einen in der Konsequenz erzwungenen Einbruch bei Wertpapierkrediten hätten infolge von massiven Glattstellungen einen dramatischen Aktienkursverfall zur Folge. War das tatsächliche Schadenspotenzial bereits nach Platzen der Neuen Markt- und Immobilienblase ab 2000 bzw groß, ist der heute theoretische Schaden mit Blick auf das aktuell deutlich höhere Wertpapierkreditvolumen eine Dimension gefährlicher. Die psychologischen Effekte einer Finanzkrise auf die Realwirtschaft sind seit 2008 bestens bekannt. Die Fed muss sich dieser potenziellen Bedrohung bewusst sein. China saugt Liquidität der westlichen Notenbanken ab US-Zinswenden sind in der Vergangenheit immer mit Anstiegen der Renditen von Staatsanleihen verbunden gewesen, insbesondere wenn die

5 Halvers Kapitalmarkt Monitor - Ausgabe vom - KW 37 Seite 5 von 14 Leitzinserhöhungen deutlich ausfielen. Sich insofern verteuernde Kredite für Automobile oder Häuser nehmen einer Volkswirtschaft grundsätzlich Kraft weg. Wenn sich China um seine Konjunktur sorgt, sollte Amerika Angst vor steigenden Anleiherenditen haben Daneben kommt aber ein bislang vernachlässigbares Risiko für Anleihemärkte hinzu, das die Fed bei ihrer Zinspolitik berücksichtigen muss. China betreibt Anleihe-Dumping: Zur Stützung seiner Währung hat das Land bereits für mehr als umgerechnet 400 Mrd. US-Dollar u.a. US-Staatsanleihen verkauft. Einerseits laden die riesigen Buchgewinne zu Gewinnmitnahmen ein, andererseits werden die Finanzmittel zur konjunkturellen Stützung der chinesischen Binnenkonjunktur verwendet. Denn China sorgt sich sehr um seine Konjunktur. Insbesondere das zweite Argument ist von kritischer Bedeutung. Symptomatisch für die Wirtschaftsverlangsamung ist nicht nur die nicht mehr Expansion anzeigende Stimmung im Verarbeitenden Gewerbe, sondern ganz plastisch auch der gegenüber Vorjahr seit 2010 fallende Energieverbrauch. Daher feuert die Regierung in Peking zur Stabilisierung von Konjunktur und Finanzmärkten weiterhin aus allen Rohren. Nach Stützungskäufen am Aktienmarkt von umgerechnet 210 Mrd. Euro seit Juni hat die Regierung

6 Halvers Kapitalmarkt Monitor - Ausgabe vom - KW 37 Seite 6 von 14 weitere konjunkturelle Wachstumsmaßnahmen über umgerechnet 10 Mrd. Euro angekündigt. Diese Größenordnung kann aber nur als Tropfen auf den heißen Stein betrachtet werden. Weitere Maßnahmen finanziert auch zu Lasten der Devisenreserven, d.h. über Verkäufe von Staatspapieren sind zu erwarten. Damit ist naturgemäß ein Risiko für steigende Renditen verbunden. Angst vor der Asien- Krise 2.0? Insgesamt besteht kein Bedarf an einer US-Leitzinswende. Nicht zuletzt ist damit die große Gefahr verbunden, dass es zu einem Einbruch der Kapitalzuflüsse in die Schwellenländer kommt. Dabei könnte der psychologische Effekt verheerend wirken. Denn wenn schon die seit Jahrzehnten hochgelobten Schwellenländer in wirtschaftliche Schieflage geraten, wie sieht es dann erst mit der westlichen Konjunktur aus, die nur mit billigem Geld überleben kann. Wird die Leitzinswende entgegen ökonomischer Vernunft dennoch vollzogen - wer seit Anfang 2014 von Leitzinserhöhungen spricht, hat im Falle der Zinsbeibehaltung sicher ein Glaubwürdigkeitsproblem - darf sie lediglich homöopathisch erfolgen, um keine nationalen und internationalen Krisen wie die Asien-Krise ab 1997 zu begünstigen. Aktuelle Marktlage und Anlegerstimmung: Am geldpolitischen Wesen müssen die Aktienmärkte weiter genesen Neben der Leitzinssorge bleibt insbesondere die schwächelnde Weltwirtschaft Hauptsorge an den Aktienmärkten. Weltweit hat die Konjunkturstimmung nachgegeben. Auch in Asien, Japan und den USA überwiegen laut Finanzdatenanbieter Sentix für die kommenden sechs Monate deutlich die konjunkturellen Moll-Töne.

7 Halvers Kapitalmarkt Monitor - Ausgabe vom - KW 37 Seite 7 von 14 Auch die EZB stellt sich dem chinesischen Liquiditätsstaubsauger entgegen Vor diesem realwirtschaftlichen Hintergrund wird zunächst die japanische Notenbank die heimische Konjunktur mit noch mehr Liquidität stützen, um nach einer Konjunkturschrumpfung im II. einer Rezession auch im III. Quartal entgegenzuwirken. Eine böse Vorahnung signalisieren die japanischen Maschinenbauaufträge, die im Juli stark nachgegeben haben. Auch die EZB wird dem chinesischen Liquiditätsstaubsauger entgegentreten. Dank ihrer bereits angekündigten Ausweitung der Anleiheaufkäufe bleibt daher auch den europäischen Finanzmärkten das Basisargument Liquidität grundsätzlich erhalten. Die so stattfindende Renditedrückung verhindert wettbewerbsfähige Anlagealternativen und dient als geldpolitische Risikolebensversicherung für Aktien: Während nach den Zusammenbrüchen der Aktienmärkte 2001 bzw deutsche Staatspapiere durchschnittlich mit alternativ hoch attraktiven Renditen von etwa 5 Prozent ausgestattet waren, müssten sich Anleger heute mit Renditen um 0,5 Prozent zufrieden geben. Konjunkturelle Nachholeffekte in Europa Insbesondere konjunktursensitive deutsche Aktien profitieren neben der weltweit eindeutig konjunkturstützenden Geldpolitik ebenso von günstigen Rohstoffpreisen, die zu Margen- und Kaufkraftverbesserungen führen. Zuletzt konnten auch die Exportzahlen wieder überzeugen. Gewinnseitig haben neben Japan auch Europa und Deutschland die Nase gegenüber den USA vorn. Grundsätzlich profitiert Europa von konjunkturellen Nachholeffekten. Allerdings darf sich die weltkonjunkturelle Lage nicht verschlechtern. Lag das US-Gewinnwachstum bis 2015 noch über dem der Eurozone bzw. Deutschlands, hat sich mittlerweile sogar eine leichte Schrumpfung eingestellt. Besonders prekär sieht es in den Schwellenländern Brasilien und China aus. Brasilien wird vom Niedergang der Rohstoffpreise heimgesucht und mittlerweile von Seiten S&P auf Junk Status gesetzt.

8 Halvers Kapitalmarkt Monitor - Ausgabe vom - KW 37 Seite 8 von 14 Charttechnik DAX und Euro Stoxx 50: Nichts für schwache Nerven Aus charttechnischer Sicht ist im DAX die seit dem Ausverkauf am 24. August laufende Rallye weiter intakt. Eine erste Unterstützung liegt aktuell zwischen und Punkten. Unterhalb von wartet der nächste, wenn auch schwache Auffangbereich bei rund Sollte auch diese Zone durchbrochen werden, droht zunächst ein Rutsch bis zur Marke von und schließlich zum Jahrestief bei Punkten. Der seit 2009 bestehende langfristige Aufwärtstrend verläuft derzeit bei Auf der Oberseite gilt es dagegen, den Bereich um Punkte nachhaltig zu überwinden. Gelingt das Unterfangen, ist der Weg bis zu den nächsten Hürden bei und darüber bis Punkten frei. Der Euro Stoxx 50 verfügt aufgrund der impulsiven Rallye nach dem Ausverkauf am 24. August über keine soliden Unterstützungen. Zwar könnte das jüngste Tief bei Punkten im Fall einer fortgesetzten Schwäche ein wenig Halt bieten, doch weitere Unterstützungen bestehen erst am bisherigen Jahrestief bei und Punkten. Neues Kurspotenzial erschließt sich dagegen, wenn die starke Widerstandszone zwischen und Punkten überwunden wird. Darüber warten die nächsten nennenswerten Widerstände bei und Punkten. Und was passiert in KW 38? Zinswende ja oder nein In den USA deuten die Preisdaten für August auf anhaltende Deflationstendenzen hin. Auch die Industrieproduktion zeigt sich wieder schwächer. Sowohl der Konsum- als auch der Immobiliensektor zeigen sich über lethargische Einzelhandelsumsätze bzw. Baubeginne und - genehmigungen wenig dynamisch. Mit Spannung wird auf die Sitzung der US- Notenbank geblickt. In der Eurozone deuten schwache finale Inflationszahlen für August klar auf Deflationstendenzen hin und geben der EZB ein starkes Alibi für eine fortgesetzt offensive Liquiditätspolitik. In Deutschland erwarten die Analysten gemäß ZEW Konjunkturerwartungen etwas mehr konjunkturellen Gegenwind. HALVERS WOCHE Wenn es die Geldpolitik nicht schafft, den Kapitalismus zu retten, kommen ganz andere Probleme auf uns zu

9 Halvers Kapitalmarkt Monitor - Ausgabe vom - KW 37 Seite 9 von 14 Robert Halver, Leiter Kapitalmarktanalyse, Baader Bank Die üppige Geldpolitik ist schon längst nicht mehr nur auf die verwahrloste westliche Industriewelt und Japan begrenzt. Auch China muss mittlerweile auf die Illusion des unbegrenzten Geldes zurückgreifen, um irgendwie real- und finanzwirtschaftlich Land zu gewinnen. Geldpolitisch berauscht sollen sich die Investoren weltweit fühlen wie im berühmten französischen Chanson La vie en rose. Doch hört die Weltkonjunktur immer weniger auf den Lockruf des internationalen Geldes. In allen wichtigen Regionen und Ländern der Welt geben die Frühindikatoren nach. Und dies gilt selbst für die bislang heilige Wirtschafts-Kuh Asien, die mittlerweile auch vor dem scharfen Messer des wirtschaftlichen Abschwungs nicht mehr sicher ist. Im Übrigen kommt auch beim chinesischen Wirtschaftsmärchen immer häufiger die böse Hexe vor. Die Notenbanken erreicht die Konjunktur immer weniger Die Geldpolitik trifft konjunkturell auf immer taubere Ohren Die Notenbanken haben das systemische Problem, dass sie die Pferdchen der Volkswirtschaft zwar zur Tränke führen können. Zum Saufen zwingen kann man sie aber leider nicht. Nachfragedefizite in Form von Angebotsüberhängen an Kühlschränken, Waschvollautomaten oder Autos kann die Geldpolitik nicht durch massenhaften Ankauf ausgleichen. So weit sind wir zumindest jetzt noch nicht. Ernüchternd ist es dennoch, dass die billigste und üppigste Notenbankpolitik seit Erfindung des Geldes die Stimmung in der Realwirtschaft nicht mehr wie in früheren Zyklen wachküssen kann. Dieses Dornröschen alias Weltkonjunktur scheint einen sehr gesunden Schlaf zu haben. Die Deflationsgefahren steigen weltweit wieder. Selbst die Generalmobilmachung der japanischen Geldpolitik verhindert nicht, dass Japans Konjunktur zurzeit so ziemlich jede Schlacht verliert. Das alles ist bei früheren geldpolitischen Weckaktionen, obwohl diese mit weniger Zinssenkungen und deutlich weniger Liquiditätsausstattung auskamen, nie passiert. Zweifel in die Allmacht der Notenbanken Wehe, wenn die Liebe der Geldpolitik an den Finanzmärkten verschmäht wird Noch erschreckender ist es aber, dass die Notenbanken selbst bei Heimspielen, nämlich an den Finanzmärkten an Einfluss verlieren. Bis vor kurzem noch hatten die Aktienmärkte auf die Flut an Liquidität wie ein Schiff reagiert. So sprang der DAX im April deutlich über Punkte. Momentan jedoch scheinen die Aktienmärkte nichts mit dem vielen Wasser anfangen zu können. Zur teilweisen Ehrenrettung des edlen geldpolitischen Handwerks der Industrieländer muss man auf den Umkehrschub von Quantitative Easing zum Quantitative Tightening, also der Quantitativen Liquiditätsstraffung hinweisen, den zurzeit China betreibt: Peking fürchtet, dass ausländische Investoren aus Angst vor Währungsverlusten um den Wirtschaftsstandort China einen Bogen machen könnten. Daher hat das Land binnen Jahresfrist bereits umgerechnet annähernd 400 Mrd. US-Dollar an westlichen Finanzanlagen - insbesondere bei Staatspapieren - verkauft und insofern den Renminbi gestützt. Damit trocknet China ausgerechnet jene euroländische und US-amerikanische Liquidität aus, die doch eigentlich für niedrige Zinsen zur Konjunkturförderung sorgen soll. Dies ist der Grund, warum die Rentenmärkte beim internationalen Aktieneinbruch im August nicht wie sonst üblich als sicheres Auffangbecken benutzt wurden. Deren Kursgewinne fielen erstaunlich schwach aus. So eine Entwicklung ist gefährlich. Denn steigende Zinsen wirken auf Aktienmärkte ähnlich prickelnd wie der unangekündigte Besuch der Schwiegermama am Wochenende. Sollte sich bei Anlegern im Kopfkino tatsächlich die Einschätzung verbreiten, dass die einst allmächtigen Notenbanken bereits an den Finanzmärkten so wenig ausrichten können wie ein Hustenbonbon gegen Grippe, wie kann man ihnen dann überhaupt noch Wirkung auf die Realwirtschaft zutrauen?

10 Halvers Kapitalmarkt Monitor - Ausgabe vom - KW 37 Seite 10 von 14 Hält Europa eine große politische Krise überhaupt noch aus? Damit die Krisen-Mäuse nicht auf dem Tisch tanzen, darf die geldpolitische Katze das Haus niemals verlassen Solange Kurse steigen, ist das Gefahrenempfinden bei uns Anlegern schwach ausgeprägt. Man sitzt sozusagen auf Wolke Sieben und spielt Harfe. Gibt es dagegen massive Kursverluste, kommt schnell Unruhe, Skepsis und Angst auf. Plötzlich schaut man nicht nur auf die existierenden Gefahren, sondern vermutet sie förmlich hinter jeder Ecke. Dann können die politisch Verantwortlichen noch so hektisch an allen Wirtschaftshebeln ziehen und alle - knöpfchen drücken sowie beruhigende Worte finden. Diese Maßnahmen werden ihnen - wie es der KP in China erging - nur als panische und hilflose Reaktionen ausgelegt. Der Vertrauensverlust in die politisch Handelnden führt zu noch mehr Kursverlusten und schlägt sich schließlich auch in der Realwirtschaft nieder. Vor diesem Hintergrund darf es die Geldpolitik niemals zulassen, dass es eine Finanzkrise 2.0 gibt. Anleihe- und Aktienkurse müssen oben und Zinsen unten bleiben. Wenn sie hier versagt, würden andere Problemfaktoren wie die keinesfalls gelöste geopolitische Krise mit Russland oder die nur zugeschüttete Griechenland-Problematik noch stärker für Verunsicherung sorgen. Dieser Einsicht darf sich auch die Fed mit ihrer globalen Verantwortung nicht entziehen. Vor allem aber wäre bei einer neuerlichen Finanz- und Wirtschaftskrise in Europa die größte Herausforderung im Nachkriegs-Europa, die Flüchtlingskrise, sozialpolitisch und finanziell nicht mehr zu bewältigen. Die Verhältnisse Europas sind schon heute nicht gut. Nationale Egoismen und Abschottungsmaßnahmen würden sich dann noch dramatischer verschärfen. Und wie groß ist dann noch der Optimismus, dass Europa diese wirklich große politische Krise aushält? Für einen nachhaltigen Bärenmarkt spricht geldpolitisch nichts An einer Finanzkrise wird Europa nicht scheitern, aber Die Zentralbanken wissen, dass sie bei geo- oder sozialpolitischen Krisen so ohnmächtig sind wie ein junges Gnu, das einer Meute von Löwen gegenübersteht. Also müssen sie in ihrem Finanzrevier allmächtig sein. Da darf nichts anbrennen. Es dürfen keine ersten Dominosteine umfallen, die anschließend alles andere mit sich reißen. Daher dürfen, können und werden weder die Eurozone noch andere Wirtschaftsregionen an Finanzkrisen scheitern, solange die Janet Yellens und Mario Draghis ein Geldschöpfungsmonopol innehaben, das ihnen erlaubt, wie im Märchen Rumpelstilzchen aus Stroh, also aus Nichts, Gold, also Geld, zu spinnen. Mit diesem bereits langjährig genutzten Instrument ist es aber nicht getan. Geld drucken allein wird kaum einen Investor noch hinter dem Ofen hervor locken. Entscheidend ist, dass immer mehr Geld gedruckt wird, um einen positiven Aha -Effekt an den Finanzmärkten auszulösen. Daher bedienen sich die Damen und Herren Notenbanker des olympischen Mottos Schneller, Höher, Stärker. Es müssen laufend neue Liquiditätsrekorde aufgestellt werden. Immer mehr Geld muss für immer mehr gute Stimmung an den Finanzmärkten sorgen. Und wenn damit ein Streueffekt auf die Konjunktur verbunden ist, na endlich, umso besser. Die Geister, die die Geldpolitik rief, wird sie nie mehr, wirklich nie mehr, los. Immerhin, die Aktienmärkte wird die Liquiditätsparty, die ihren Gipfel noch nicht erreicht hat, erfreuen. Ich bleibe bei meiner Einschätzung, dass der DAX Ende des Jahres deutlich oberhalb von Punkten - wenn auch von den Notenbanken gezwungen - steht.

11 Halvers Kapitalmarkt Monitor - Ausgabe vom - KW 37 Seite 11 von 14 VOLKSWIRTSCHAFTLICHE PROGNOSEN AUF EINEN BLICK KAPITALMARKT AUF EINEN BLICK

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13 Halvers Kapitalmarkt Monitor - Ausgabe vom - KW 37 Seite 13 von 14 WEITERE NEWSLETTER DER BAADER BANK Nutzen Sie den Service auf Baader Bondboard und abonnieren Sie kostenlos weitere Newsletter der Baader Bank! Zertifikate Börse Newsletter Stefan Scharffetter, Leiter Verbriefte Derivate Baader Bank AG Stefan Scharffetter, Leiter Verbriefte Derivate bei der Baader Bank, gibt alle zwei Wochen einen Überblick über Trends am ETF- und Derivate-Markt. Neben der Vorstellung von neuen Produkten, beschreibt er Kursentwicklungen und nimmt das Zertifikat der Woche unter die Lupe. Baader Bond Markets Klaus Stopp, Leiter Skontroführung Renten Baader Bank AG Beim wöchentlichen Newsletter Bond Markets stehen Anleihen im Vordergrund. Der Baader Bank Anleihe-Experte Klaus Stopp berichtet über Höhen und Tiefen am internationalen Rentenmarkt und kommentiert ausgewählte aktuelle Themen. Sie finden im Newsletter Informationen zum Markt für Staats- und Unternehmensanleihen sowie ausführliche Beiträge zu neu emittierten Anleihen. Das Informationsangebot wird ergänzt durch direkte Links zum umfangreichen Kursangebot und den Analyse-Funktionen auf Baader Bondboard. BAADER BANK Die Baader Bank ist Marktführer im Handel von Finanzinstrumenten und eine der führenden Investmentbanken für die DACH-Region. Zentrale der Baader Bank in Unterschleißheim bei München Als Market Maker / Spezialist sind wir für die börsliche und außerbörsliche Preisfindung von ca Wertpapieren verantwortlich. Im Investmentbanking entwickeln wir Finanzierungslösungen für Unternehmen aus dem deutschsprachigen Raum. Institutionellen Anlegern bieten wir umfassende Dienstleistungen beim Vertrieb und dem Handel von Aktien, Anleihen und Derivaten. Herausgeber: Baader Bank AG Weihenstephaner Str Unterschleißheim Deutschland Redaktion: Robert Halver, Leiter Kapitalmarktanalyse der Baader Bank AG Marc Schlömer, Kapitalmarktanalyse, Baader Bank AG

14 Halvers Kapitalmarkt Monitor - Ausgabe vom - KW 37 Seite 14 von 14 Über mögliche Interessenkonflikte und rechtliche Hinweise informieren Sie sich bitte im Disclaimer auf

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