Konservatorium Wien Privatuniversität Tanz 50 Min Jahre. Begleitinformationen erstellt von: Monika Demmer & Lena Pirklhuber

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1 Begleitmaterial zur Vorstellung WAR GAME Konservatorium Wien Privatuniversität Tanz 50 Min Jahre Begleitinformationen erstellt von: Monika Demmer & Lena Pirklhuber Ansprechperson für Informationen, Anmeldung und Kartenreservierung: Mag. Christina Bierbaumer / Mo. - Fr. 09:00-17:00 Fon: / Fax: / 1

2 INHALTSVERZEICHNIS 1. PRODUKTION 2. ZUM INHALT DES STÜCKS 3. IMPULSE ZUR VORBEREITUNG 3.1. ZEITGENÖSSISCHER TANZ - WAS IST DAS? 3.2. THEMA KRIEG 3.3. WAS ERWARTET MICH? WICHTIG FÜR DEN BESUCH VON "WAR GAME" 4. IMPULSE ZUR NACHBEREITUNG 2

3 1. ZUR PRODUKTION WAR GAME Uraufführung Tanz ca. 50 Min. Empfohlen von 14 bis 22 Jahren Konservatorium Wien Privatuniversität Studiengang Zeitgenössische Tanzpädagogik Choreografie, Tanz: Künstlerische Gesamtleitung: Dramaturgische Mitarbeit: Kostüm: Bühne: Dorothea Altenburger, Monika Demmer, Clarissa Friedrichkeit, Lena Pirklhuber, Martin Wax Nikolaus Selimov Manfred Aichinger Vanessa Achilles-Broutin Stefan Michelfeit Aufführungstermine: Fr. 27. Mär. 20:00 Premiere Mo. 20. Apr. 10: :00 Di. 21. Apr. 10: :00 Fr. 19. Jun. 11: :30 3

4 2. ZUM INHALT DES STÜCKS Woanders ist gerade Krieg. Aber was hat das mit uns zu tun? Die meisten von uns sind in einem Land aufgewachsen, in dem sie Krieg nicht unmittelbar erleben mussten. Dennoch blicken uns Krieg und Terror durch die Berichte im Fernsehen und in anderen Medien täglich ins Auge, erinneren uns auf der bequemen Couch an unbequeme Tatsachen... Wie reagieren wir auf diese Bilder und Berichte von den zahlreichen aktuellen Kriegsschauplätzen? Beeinflussen sie unseren Alltag und unser Leben? Was bewirken sie in uns? Studierende aus dem Studiengang Zeitgenössische Tanzpädagogik stellen sich diesen Fragen und bringen ihre persönlichen Sichtweisen auf das Kriegsgeschehen heute ein. Dabei haben sich folgende Themenfelder als Ausgangspunkt für die Entwicklung der Tanzperformance herauskristallisiert: Konflikt und Eskalation, realer und virtueller bzw. sichtbarer und unsichtbarer Krieg, das Unkontrollierbare im Menschen und die Auswirkungen davon auf körperlicher und psychischer Ebene sowie im sozialen Lebensraum. Wie ist das Stück entstanden? Ausgehend vom Motto "Liebe und Krieg" haben die Tänzer/innen, die in diesem Stück zugleich auch als Choreografen/innen fungieren, eine intensive persönliche Recherche zum Themenbereich Krieg betrieben. Aus den zunächst sehr unterschiedlichen Zugängen haben sie gemeinsam Fragestellungen formuliert, die die Basis für die Entwicklung des Stücks bildeten. Da die Tänzer/innen ohne Textvorlage gearbeitet haben, wurde Schritt für Schritt ein Konzept für den Ablauf der Choreografie entwickelt (Dramaturgie). Im Zentrum steht der Körper als Träger der Idee und Handlung. Über den Prozess von Improvisationen, die jeweils einem bestimmten "Thema" unterlagen, haben sich Szenen und Bilder herauskristallisiert. Die Beschäftigung mit virtuellen Video - Kriegsspielen (war games), mit den dabei eingesetzten Musikstücken sowie mit dem Phänomen von Live-Bildern aktueller kriegerischer oder terroristischer Handlungen sind ebenso in die Stückentwicklung eingeflossen wie die Befragungen von Schüler/innen zum Thema Krieg. Der Wunsch und die Sehnsucht nach Nähe, Zuneigung und Liebe blitzt in der Choreografie immer wieder als Utopie auf. 4

5 3. IMPULSE ZUR VORBEREITUNG 3.1. ZEITGENÖSSISCHER TANZ - WAS IST DAS? # Besprechung der Erfahrungen mit der Kunstform Tanz in der Klasse Fragen an die Klasse: - Wer hat schon einmal getanzt - Allein vorm Spiegel? Zum Lieblingssong? - Mit Freunden auf einer Party? - Bei festlichen Anlässen? Auf einem Ball? - In einem Tanzkurs? - Vor Freude? Vor Wut? - Welche Tanzstile kennst du? Welche hast du schon selbst ausprobiert? - Warst du schon in Tanzveranstaltungen als Zuschauer/in? # Einführung in die Kunstform/den Stil Zeitgenössischer Tanz Frage an die Klasse: - Was stellst du dir unter Zeitgenössischem Tanz vor? Brainstorming INPUT/INFORMATIONEN DAZU: Zeitgenössischer Tanz Die Kunstform des europäischen zeitgenössischen Tanzes steht in der Tradition von den Gründern des modernen Tanzes, Rudolf von Laban und dessen Schüler Kurt Joos. Zeitgenössische große Choreografinnen wie Pina Bausch oder Sasha Waltz sind geprägt durch ihre Arbeit, erweitern sie aber auch zum Beispiel durch die Einbeziehung spartenübergreifender Kunstformen, wie Bildende Kunst und Livemusik. Seit Pina Bausch, die den Begriff Tanz-theater weltweit durch ihre Arbeit bekannt gemacht hat, gibt es den Begriff Solotänzer(in) nicht mehr. Von ihrer Zeit an ist im zeitgenössischen Tanz jede Tänzerin und jeder Tänzer eine eigene Persönlichkeit auf der Bühne, verschwindet nicht im corps de ballett. (Quelle: "Zeitgenössische Tänzerinnen und Tänzer sowie Choreografen verstehen ihre Arbeit als Suche und Entwicklung. Zeitgenössischer Tanz ist Prozess orientiert und die Ergebnisse stehen im Kontext einer persönlichen Gesamtentwicklung. Praktisch heißt das: Recherche in der Bewegung und dem Körper, Bewusstseinserweiterung und neues Körperverständnis als Forschungsschwerpunkt. Forschung und neue Tanzentwicklung stehen neben der Vermittlung von Techniken." 5

6 "Der zeitgenössische Tanz versteht sich nicht auf der Basis nur einer Technik oder ästhetischen Form, sondern aus der Vielfalt heraus. Er sucht Grenzüberschreitungen zwischen den Künsten und bricht immer wieder mit vorhandenen Formen. Zeitgenössischer Tanz in diesem Sinne hat eine offene Struktur, die sich bewusst von festgelegten, linearen Entwürfen der Klassik [Anm. Ballett] und Moderne absetzt." (Johannes Odenthal, Tanzwissenschaftler ) "Nicht wie die Menschen sich bewegen, sondern was sie bewegt, interessiert mich." (Pina Bausch, Tanztheater-Choreografin ) Begriffserklärungen rund um Zeitgenössischen Tanz Unterschiede zu anderen Tanzstilen (z.b. Ballett / Hip-Hop / Jazz Dance): - Es gibt keine vorgegebene Bewegungsästhetik bzw. keine tradierten Tanzformen und Schritte die man lernen kann. - Die Art (Form) der Bewegung entsteht u.a. durch diese Fragestellungen: Warum mache ich diese und nicht eine andere Bewegung? Was ist meine innere Motivation? Was stelle ich mir dabei vor? Welche Emotionen möchte ich vermitteln? Welche Aussage möchte ich treffen? Welche Musik unterstützt meine Ideen? - Der Körper des/der Tänzer/in mit seinen ganz persönlichen Erfahrungen und Fertigkeiten ist dabei immer der "Träger der Handlung" auf der Bühne. - Es geht daher nicht (nur) um vor- und nachmachen von vorgegebenen Bewegungsabfolgen (=Choreografien) - Selbst kreativ sein und ein Stück mit gestalten dürfen stehen im Mittelpunkt. Tänzer/innen sind aktiv mit ihren Ideen bei der Findung/Festlegung von Bewegungsabfolgen beteiligt! - Improvisationen sind ein wichtiges Mittel um ein Stück zu entwickeln! Dabei ist das Ziel neue Bewegungen zu entdecken, seine Grenzen auszuloten, spontan und kreativ zu sein! Oft improvisiert man auch zu zweit (contact improvisation) oder mit der Gruppe - Der Einsatz von Musik: Es können alle möglichen Musikstücke verwendet werden. Tanz ist aber auch in der Stille möglich. Oder es können Geräusche und ungewöhnliche Klänge verwendet werden. 6

7 - Wie benutze ich den Raum? Zeitgenössischer Tanz kann in Theatern, Galerien, im Freien (öffentlicher Raum) und an vielen anderen Orten gezeigt werden. In den Choreografien werden alle Raumebenen benützt: von ganz tief (Boden) bis ganz hoch (beim Springen) 3.2. THEMA KRIEG # Sammeln von Erfahrungen mit Krieg in der Klasse Fragen an die Klasse (können als Nachbereitung nach dem Vorstellungsbesuch wiederholt werden): - Was ist Krieg für dich? - Was weißt du über aktuelle Kriege? - Wie geht es dir damit? - Woher bekommst du deine Informationen (über Kriege)? Kriege im Großen Kriege im Kleinen: Teilen sie die Fotografien auf den folgenden Seiten an ihre Klasse aus und besprechen sie diese unter folgenden Aspekten (Vorschläge): - Was siehst du auf dem Bild? - Kommen dir diese Bilder bekannt vor? - Hast du so etwas schon einmal erlebt? - Welchen Bildern würdest du den Titel Krieg geben? Warum? Warum nicht? 7

8 Probenfotos WAR GAME 8

9 IS HOMS/Syrien Vietnam Krieg 9

10 IS 2.Weltkrieg 10

11 Statements von 14-17jährigen Schüler/innen zum Thema Krieg (Diese Fragen wurden im Zuge der Recherche für "WAR GAME" gestellt.): Antworten auf die Frage "Was ist Krieg für dich?" - Krieg ist das Verlangen von Menschen nach Macht, Anerkennung und andere Menschen zu übertrumpfen. - Krieg ist die Art, wie der Mensch sich selbst selektiert und die Bevölkerung der Erde begrenzt. - Krieg ist Hass zwischen Menschen. - Krieg bedeutet Menschen zu töten, weil sie anders sind. - Jeder ist auf sich angewiesen; man kann keiner Person mehr vertrauen. - Krieg: keine Gewinner - Krieg hat nicht nur mit Waffengebrauch zu tun. - Kriege zerstören Umwelt, Lebewesen, ganze Zivilisationen und Wissen. - Man wird in seinem eigenen Land ausgegrenzt/vertrieben. - Familien werden auseinandergerissen. - Es muss nicht unbedingt mit einer Waffe sein. Man kann auch geistig jemanden umbringen. - Ich weiß nicht genau, da ich mir nie Gedanken darüber mache. - Revolutionen in Ländern wo ein Tyrann regiert. - Es gibt Kriege, die durch Geld ausgelöst werden. - Ein Krieg kann auch im Internet passieren. - Das Schlimmste, das passieren kann - Tote, Leichen, Hass, Konflikte und alles Negative - Explosionen, Maschinengewehre, Tod und Verwüstung - Terrorakte, (Giftgas-)Waffen, Drohungen - Vertragsbruch, Tyrannei, Diskriminierung, Unterdrückung - Wut, Meinungsverschiedenheiten, Zerstörung, Streben nach Recht(Gerechtigkeit), über Leichen gehen, Flucht, Verlust, Trauer Antworten auf die Frage "Wie geht es dir damit?" - Jedes Mal wenn ich Krieg höre, kriege ich Gänsehaut und muss meine Augen kurz schließen. - Es hinterlässt auf jeden Fall Narben. - Ich finde, Kriege fügen noch mehr Probleme hinzu. - Es ist eine schreckliche, barbarische und mittelalterliche Weise den Konflikts. - Mir ist es relativ egal, da Österreich derweil nicht davon betroffen ist. - Es gibt sicher auch andere Wege. - Eigentlich betreffen die mich nicht. - Es nimmt mich emotional sehr mit, wenn ich so etwas höre. - Da ich jedoch nichts tun kann, um den betroffenen Menschen zu helfen, muss ich einfach abwarten bis sich die Lage beruhigt. - Ich bin froh, dass ich in einem Land lebe, in dem es keinen Krieg gibt. - Heutzutage sollte die Menschheit klug genug sein, um Kriege vermeiden zu können. - Aber wieso kann nicht überall Frieden herrschen? Leute im Krieg haben Frieden genauso verdient wie ich. 11

12 BEARBEITUNGSVORSCHLÄGE: - Besprechen Sie die Aussagen mündlich in der Klasse. - Teilen Sie ihnen die Aussagen schriftlich aus mit der Aufforderung jene Aussagen anzukreuzen mit denen die Jugendlichen zustimmen/die ihrer Meinung nach am ehesten zutreffen WAS ERWARTET MICH? WICHTIG FÜR DEN VORSTELLUNGSBESUCH: Die Choreografie "WAR GAME" verfolgt keinen linearen Handlungsstrang, es wird keine narrative Geschichte erzählt! Das Stück ist collagenartig konzipiert. Es gibt ganz bewusst "Brüche", um kontrastreich und auch irritierend zu sein. Die Tänzer/innen verkörpern keine fixe Rollen (wie in einem Theaterstück). Sie schlüpfen in viele verschiedene Situationen und Charaktere und agieren darin möglichst authentisch. Das Publikum soll eine Idee, Stimmung, Atmosphäre mit bekommen, aber es wird keine Erklärung des Geschehens "mitgeliefert". Der persönliche Interpretations-spielraum der Zuschauer/innen ist wichtig! Es gibt daher Raum für individuelle Assoziationen. Das Publikum wird zum Nachdenken angeregt... 12

13 4. IMPULSE ZUR NACHBEREITUNG Fragenkatalog zur Nachbesprechung des Stückes: - Welche Szene hat dich am meisten angesprochen? Warum? - Gab es in dem Stück einen Teil, der Fragen aufwirft? - Gab es eine Szene bei der du dich nicht ausgekannt hast/die unklar war? - Wie denkst du jetzt über das Thema Krieg/Gewalt? Hat sich etwas verändert gegenüber dem, wie/was du vorher darüber gedacht hast? Ideen für Reflexionsaufgaben: - Finde Adjektive zum Thema Krieg/Gewalt. - Finde Adjektive für die einzelnen Szenen des Stücks. - Überschneiden sie sich? Welche kommen bei den Szenen vor, an die du beim Thema Krieg (noch) nicht gedacht hast? - Beantworte die 4 Fragen zum Thema Krieg noch einmal (siehe 3.2.) - Hat sich an deinen Antworten etwas geändert? 13

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