IM INTERVIEW: Wall Street 2 -Regisseur Oliver Stone

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1 Nr. 41/ Oktober ,50 WIRD DEUTSCHLAND EINE ISLAMISCHE REPUBLIK? Die große Kulturkampf-Debatte Österreich 3,70 Schweiz CHF 6,50 Belgien 4,00 Niederlande 4,00 Luxemburg 4,00 Frankreich 4,70 Italien 4,70 Portugal (Cont) 4,70 Spanien 4,70 Kanaren 4,90 Griechenland 5,30 Finnland 5,80 Dänemark DKK 38 Norwegen NOK 52 Japan JPY 1550 (exclusive tax) Slowenien 4,70 Ungarn HUF 1300 MICHAEL DOUGLAS als Gordon Gekko in Wall Street 2 REPORT: Die größten Spekulanten der Welt verraten ihre Geheimnisse So machen sie Geld... IM INTERVIEW: Wall Street 2 -Regisseur Oliver Stone STUTTGART 21: Sind wir eigentlich verrückt geworden? DOPPEL-COVER BITTE UMBLÄTTERN

2 WIRTSCHAFT Das Geld in Sicherheit Mit Finanzprodukten, die reale Werte darstellen, oder speziellen Zinspapieren können Sparer die Teuerung ausgleichen auf lange Sicht Die Deutschen fürchten die Infl ation nicht nur, weil die Waren des täglichen Bedarfs mehr kosten. Sie sorgen sich auch, was mit ihren Ersparnissen passiert, wenn die Teuerung weiter so anzieht. Zu Recht: Die Bundesbürger haben etwa fünf Billionen Euro auf der hohen Kante. Mehr als drei Viertel davon stecken in reinen Geldwerten (Versicherungspolicen, Zinspapieren) und sind der Infl ation ausgeliefert. Schon die offi zielle Rate von 1,9 Prozent bedeutet: Die etwa zwei Billionen Euro, die zu Minizinsen von oft weniger als einem Prozent auf Spar- oder Festgeldkonten liegen, verlieren kontinuierlich an realem Wert. Die Teuerung frisst selbst die Erträge einer drei Jahre laufenden Bundesanleihe komplett auf. Investments, die physische Werte darstellen, gewinnen dagegen. Dax-Aktien, Gold sowie die entdeckten Agrarinvestments haben bereits fulminante Kursrallys hinter sich. Auch wenn spekulative Investoren die bestehenden Preistrends noch verstärken, sollten Privatanleger ihre meist zu geringen Bestände an Realwerten aufstocken. Denn die infl ationäre Phase dürfte andauern. Commerzbank- Chefvolkswirt Jörg Krämer erwartet bis 2020 jährliche Teuerungsraten von drei bis vier Prozent. Wer investiert, sollte aber Rückschläge einkalkulieren und einen Teil des Geldes zurückhalten, um später günstiger nachzukaufen. Die Alternative bei einigen Fonds (rechts): gleich einen langlaufenden Sparplan abschließen. Die Klassiker Edelmetalle, speziell Gold, gelten seit jeher als guter Infl ationsschutz. Auch jetzt hält sich das Krisenmetall erstaunlich stabil: Es notiert nur sechs Prozent unter dem Höchstpreis, obwohl die Euro-Schuldenkrise etwas abklingt. Offenbar stützt die Infl a- tionsangst den Kurs. Steigt sie weiter, wird dies die Edelmetallpreise wieder nach oben treiben. Anleger können davon auf vielen Wegen profi tieren: Ein Commerzbank-Goldzertifi kat etwa bildet den Dollar-Preis des Metalls ab (ISIN: DE000CB24589). Fast schon selbst ein Klassiker ist die Xetra-Gold-Anleihe der Deutschen Börse AG. Sie stellt Gold Kurz-Korrektur Nach einer fulminanten Rally fi el der Goldpreis laut Experten nicht dauerhaft ein Anrecht auf ein Gramm Gold dar und gilt als kostengünstigste Möglichkeit, das Edelmetall zu erwerben (DE000A0S9GB0). Als Notreserve können Münzen oder Barren dienen. Gängig sind vor allem kleinere Stücke. Die Aufgelder beim Kauf sind aber höher als etwa bei Kilobarren. Alternativen zu Gold. Silber oder Platin profi tieren gleichfalls von steigender Infl ation. Vor allem Platin gilt derzeit als attraktiv. Das X-pert Zertifi kat der Deutschen Bank spiegelt dessen Preis in Dollar (DE000DB2XPT9) wider. Auch Industrierohstoffe eignen sich als Schutz vor Geldentwertung. Das Industrial- Metals-Basket-Quanto-Zertifi kat der Royal Bank of Scotland (NL ) investiert zu je einem Fünftel in Aluminium, Kupfer, Blei, Nickel und Zink. Gute Minenaktien Umschlag-Platz Die New Yorker Viele Anleger stört an Gold, dass es keine Erträge abwirft. Besonders wenn durch die Infl a- tion die Zinsen wieder steigen werden. Wer Goldminenaktien kauft, kann dieses Ärgernis umgehen: Die Betreiber der Minen können auch bei konstanten Goldpreisen Gewinn und Dividenden erhöhen, wenn sie Kosten senken oder e Förderstätten erschließen. Einer der erfolgreichsten Fonds ist der Blackrock World Gold Fund (ISIN: LU , Fünfjahresplus 49 Prozent). Dieser Fonds bündelt mehrere Minenbetreiber. Industriegold. Kupfer ist das wegweisende Metall in der Produktion. Es wird sowohl in der Elektrotechnik als auch bei Haushaltsgeräten oder im Kfz- Bau stark eingesetzt. Staaten wie China decken sich stets bei Preisrückschlägen ein, um sich einen Vorrat zu sichern. Das stabilisiert oder treibt die Notierungen und bietet so eine gute Kalkulationsbasis für Kupferproduzenten. Zu den größten gehört die in Großbritannien notierte Antofagasta mit Minen in Chile (GB ). Zinssicherung Bei den beliebten Zinsanlagen stecken Investoren in einer Zwickmühle: Die Erträge kurzlaufender Anlagen liegen unter der Geldentwertung, bei höher verzinsten Langläufern drohen Kursverluste, wenn die Marktrenditen anziehen. Auf Nummer sicher. Bei Anleihen & Co. sollten Sparer stets die Sicherheitsvariante wählen, denn dafür sind Zinsanlagen im Vermögensmix zuständig. Wer etwa ein Papier von Volkswagen kauft, das bis Juli 2012 läuft und 2,10 Prozent Zinsen bietet, Rendite Bundesanleihen Trendwende Obwohl die Notenbanken die kurzen Zinsen niedrig halten, steigen die Langfrist-Sätze 114 FOCUS 6/2011

3 Die vergleichsweise geringe Verschuldung des Staates sowie die hohen Einnahmen aus Rohstoffverkäufen stützen den kanadischen Dollar. sind auch italienische Staatstitel und Bundesanleihen. Als börsennotierter Fonds ist der Lyxor ETF sehr kostengünstig. Die Verwaltungsgebühr beträgt lediglich 0,20 Prozent im Jahr. Quelle: alle Charts von Bloomberg Mercantile Exchange (Nymex) ist die größte Warentermin-Börse der Welt gleicht die Teuerung wohl aus. Am Laufzeitende erhalten Käufer den Einsatz zu 100 Prozent zurück und können disponieren (ISIN: XS ). Eine Alternative sind Floater, die ihre Zinssätze meist vierteljährlich an einen Referenzzins anpassen. Die Kurse pendeln daher weitgehend konstant um 100 Prozent. Der US-Konzern General Electric bietet ein derartiges Papier (XS ) an, das bis Juli 2014 läuft und derzeit 1,25 Prozent abwirft. Dieser Satz steigt aber, wenn die Notenbanken ihre Leitzinsen anheben. Acker-Renditen Fonds-DWS-Global-Agribusiness Vorkrisenniveau Auch Agraranlagen gerieten in den Sog der Börsenturbulenzen erholten sich aber Syngenta, Viterra, Graincorp: Die Aktien von Agrar- und Düngemittelfi rmen stecken im DWS- Invest-Global-Agribusiness-Fonds (ISIN: LU ). Derzeit wird die Infl ation insbesondere durch die steigende Nachfrage nach Rohstoffen, vor allem landwirtschaftlichen, genährt. Saatgut und Düngemittel sind dann die Voraussetzung zur Steigerung der Ernten. Breite Mischung. Der Fonds streut sein Kapital über Firmen aus mehr als 20 Ländern und einen ganzen Korb von Währungen: US-Dollar und Euro, Schweizer Franken, brasilianischer Real und kanadischer Dollar. Rohstoff-Reich Einen indirekten Teuerungsschutz bieten auch Investments in den kanadischen Aktienmarkt. An den dortigen Börsen notieren viele Produzenten von Rohstoffen wie Kupfer, Silber, Gold, aber auch Uran oder Ölsand. Sie profi tieren, wenn die Preise für ihre Waren anziehen. Die Schweizer UBS offeriert einen günstigen Börsenfonds (ETF) auf den MSCI-Kanada-Index (ISIN: LU ). Währungswette. Eine zusätzliche Chance bietet das Investment in Kanada wegen der starken Heimatwährung. Mit Zinsaufschlag Der Fonds Lyxor ETF Euro MTS Infl ation Linked vollzieht die Entwicklung eines Index nach, der infl ationsgeschützte Staatsanleihen mittlerer Laufzeit von Euro-Mitgliedern umfasst (ISIN: FR ). Solche Anleihen bieten neben dem geringen Basiszins einen zusätzlichen variablen Teil. Dieser Zins ist an Lyxor-ETF-Inflationsgeschützte Anleihen Schutz-Brief Mit speziellen infl ationsgeschützten Anleihen kontern Sparer die Geldentwertung die Entwicklung der europäischen Verbraucherpreise geknüpft. Steigen diese, klettern auch die Renditen der Linker, wie die Anleihen im Fachjargon heißen. Gut die Hälfte der Anlagen des Fonds entfällt auf französische Infl ationsanleihen, stark vertreten Aktien gleichen aus Erfahrene Börsianer wissen: In der Vergangenheit haben sich Aktien bei Infl ationsraten von bis zu vier Prozent gut geschlagen. Die Erklärung: Firmen können die Preise für ihre Produkte ebenfalls anheben und erzielen so einen Ausgleich für die Teuerung. Bei galoppierender Infl ation indes leiden auch diese Papiere, weil die Wirtschaft gelähmt wird. Aktien verlieren aber auch dann bis auf sehr seltene Pleitefälle niemals ihren kompletten Wert. Guter Puffer. In normalen Zeiten stellen auch Dividendenzahlungen einen guten Infl ations- Airbag dar. Von den Dax-Firmen bieten trotz jüngster Kursgewinne E.on, Deutsche Telekom oder Munich Re noch Renditen weit oberhalb der Infl ationsrate (6,1/7,9/5,4 Prozent). Auf Aktien aus Asien, die hohe Dividenden mit hohem Wachstum verbinden, hat sich der Fonds DJE Asian High Dividend P (ISIN: LU ) spezialisiert. BERND JOHANN/ANDREAS KÖRNER Ähren-Gold Agrarinvestments lindern die Teuerung, schwanken aber stark Fotos: REX FEATURES LTD./action press, L. Mock-Bunting/Aurora/laif FOCUS 6/

4 Nr. 01/11 3. Januar ,50 Österreich 3,70 Schweiz CHF 6,50 Belgien 4,00 Niederlande 4,00 Luxemburg 4,00 Frankreich 4,70 Italien 4,70 Portugal (Cont) 4,70 Spanien 4,70 Kanaren 4,90 Griechenland 5,30 Finnland 5,80 Dänemark DKK 38 Norwegen NOK 52 Japan JPY 1550 (exclusive tax) Slowenien 4,70 Ungarn HUF 1300 Neues Welt-Wissen Zahlen und Fakten, die Sie überraschen werden: Die globalen Trends GELDANLAGE 2011 INFLATIONSSCHUTZ, ROHSTOFFE, AKTIEN-FAVORITEN ASIEN MACHT UNS REICH Merkels Ehemann über seine Kompromisse als DDR-Wissenschaftler

5 TITEL Der Westen investiert im Osten Warren Buffett, 80, hier mit einem indischen Wirtschaftsstudenten in seinem Haus in Omaha, ist mit einem Vermögen von 47 Milliarden Dollar der drittreichste Mensch der Welt. Er erwirbt Substanzaktien und hält sie lange. Buffett entdeckte aber auch Asien für sich und hat etwa in einen chinesischen Elektroauto-Hersteller investiert Steigende Exporte plus günstige Bewertungen ergibt Kurssteigerungen 104 Globaler Schub Die deutschen Exporte besonders nach Asien legten kräftig zu. Weil die Unternehmen in der Krise ihre Kosten gesenkt haben, schlägt das massiv auf deren Gewinne durch und treibt die Kurse Exportanteil Deutschlands nach Asien Quellen: Bankhaus Metzler, Bloomberg Kurs-Gewinn-Verhältnis Dax Dax

6 3 7Profi-Tipps für Ihr Geld 2011 Asien, immer wieder Asien: Der Kontinent treibt Aktien sowie Rohstoffe und das weltweit. Anleger sollten einsteigen auch, um sich vor Infl ation zu schützen Foto: B. Baker/Redux/laif G erade jetzt lohnt es sich für alle Anleger, die besten Angebote für ihre privaten Finanzen zu nutzen auch wenn sie die schnellen Gewinne nach der Finanzkrise verpasst haben. Der Dax beispielsweise hat das soeben zu Ende gegangene Jahr mit einem kräftigen Plus von fast 20 Prozent abgeschlossen. Seit dem Tief 2009 ist er sogar um satte 90 Prozent nach oben geschnellt. Wie an vielen Börsen der Welt trieb die hohe Güternachfrage aus Asien die Kurse. Auch Übernahmen durch Investoren aus Japan & Co. schoben die Märkte an. Allein China war im ersten Halbjahr 2010 an 130 großen Firmenkäufen beteiligt. Bei der Rally waren fast ausschließlich sturmerprobte Finanzprofis wie der amerikanische Milliardär Warren Buffett dabei. Er stieg nahe dem Tiefpunkt bei Industrieklassikern wie General Electric ein, aber auch bei den damals geschmähten Banken. Die meisten deutschen Privatanleger hingegen waren nicht mit von der Partie. Auch jetzt wollen viele keine Aktien oder andere renditeträchtigere Anlageprodukte kaufen. Sie fürchten, dass es nach den fulminanten Gewinnen an den Märkten abwärtsgeht oder dass die Schuldenorgien Griechenlands, Portugals und Irlands auch stabile Staaten gefährden und so letztlich die Konjunktur abwürgen. Die Hauptgefahr für ihr Geld, die von den immer en Finanzspritzen der Regierungen und Notenbanken für die Wackelstaaten ausgeht, ist aber die Inflation. Das ist den Deutschen zwar durchaus bewusst, bei ihren Anlageentscheidungen indes ignorieren sie die Bedrohung obwohl die Teuerung bereits deutlich anzieht (Grafik S. 107). Nahezu 80 Prozent des flüssigen Vermögens stecken in reinen Geldwerten: Versi- cherungspolicen, Anleihen und vor allem in Bargeld oder Spareinlagen (fast 40 Prozent). Eine expansive Geldpolitik und Inflation sind für 2011 die wahrscheinliche Variante. Die Inflation könnte schneller kommen als gedacht, etwa über steigende Rohstoffpreise oder Lohnerhöhungen, warnt auch Klaus Kaldemorgen, der die größte deutsche Fondsgesellschaft DWS führt. Der Großteil des Vermögens ist der Geldentwertung ausgeliefert Anleger sollten sich deshalb gerade jetzt an den Investment-Tugenden eines Mr. Buffett orientieren: Die Mittel breit streuen, nur Finanzprodukte kaufen, die sie verstehen, und Geduld mitbringen. Sie sollten dabei genauso wie der 80-jährige Routinier auch auf dem erhöhten Niveau noch Aktien erwerben. Buffett etwa fahndet nach aussichtsreichen Mittelständlern, steckt aber auch Milliarden in Dax-Werte wie die Munich Re. Bestens geeignet für Dauer-Investments sind auch Papiere aus Asien oder von Firmen, die dorthin exportieren. Denn: Langfristig bleiben die Konjunkturaussichten in der Boomregion und damit auch in anderen Staaten wie Deutschland positiv. Das gilt auch, wenn China wie zuletzt mit Zinserhöhungen zu schnelles Wachstum bremsen will. Beim Zinsanteil ihres Depots sollten Renditejäger jenseits der ertragsschwachen Kontengelder suchen bei ausgewählten Anleihepools für hochverzinste Anleihen aus Schwellenländern etwa oder bei Spezialpapieren, die gegen Inflation absichern. Auch Industrie- und Edelmetalle sowie andere Rohstoffe haben sich als Anlageklassen etabliert und können genauso wie Immobilien den Vermögensmix abrunden. Angenehm: Normalsparer können dort bereits mit geringen Beträgen einsteigen. Und sie müssen nicht wie das Orakel aus Omaha Hunderte Seiten Bilanzen studieren, um ihre Gewinnchancen und die Sicherheit zu erhöhen. Sie finden jeweils sieben besonders aussichtsreiche Empfehlungen aus den Kategorien Zins-Investments, Aktien und Fonds sowie Sachwerte ab der folgenden Seite. Der Auswahl liegen die großen Trends zu Grunde, die 2011 das Börsengeschehen bestimmen dürften: Die Zinswende. Die Notenbanken halten die kurzfristigen Sätze am Boden. Die Langfristrenditen bilden sich aber am Markt und steigen kräftig. Zehnjährige Bundesanleihen etwa werfen wieder drei Prozent ab (September: 2,3 Prozent). Die Wiederentdeckung der Aktie. Dividendenwerte schwanken zwar teils kräftig. Immer mehr Anleger akzeptieren das aber, weil sie auf lange Sicht vor Inflation schützen. Zudem sind viele Aktien günstig bewertet, weil zwar die Kurse gestiegen sind, die Unternehmensgewinne aber noch stärker (s. Grafik links). Rohstoffe und Schwellenländer. Immer wieder Asien: Dessen Nachfrage beflügelt besonders die Börsen rohstoffreicher Schwellenländer. Für Fondsmanager Mark Mobius (s. Interview S. 112) sind China-Investments erste Wahl. Investorenlegende Buffet hat sich dort bereits eingekauft und sich ein Aktienpaket am Elektrofahrzeug-Hersteller BYD ( Build Your Dreams ) gesichert. Von kurzen Stürmen wie vergangene Woche, als Autowerte weltweit einknickten, weil Peking die Zulassungen beschränken will, lässt er sich nicht beirren. ANDREAS KÖRNER FOCUS 1/

7 TITEL 7Auch 2011 bleiben die Perspektiven für die Börsen positiv. Billiges Geld und eine bessere Weltkonjunktur befl ügeln vor allem deutsche Dividendentitel Aktien- & Fonds-Trends Exportwerte: starker Motor für den Anlageerfolg Der Export treibt die deutsche Wirtschaft. Unternehmen, die weltweit vor allem auch in den Schwellenländern (vgl. Aufstellung unten) stark präsent sind, glänzen derzeit mit spektakulären Umsatz- und Gewinnzahlen. Ihre Aktien zählten bereits 2010 zu den Börsenfavoriten. Im en Jahr sollte das kaum anders sein. Papiere von Firmen wie Adidas (ISIN: DE000A1EWWW0), so gut wie in allen Ländern der Welt präsent, Wacker Chemie (DE000WCH8881) mit starkem Standbein in Asien oder Daimler (DE ) dürften so weiterhin Kurspotenzial besitzen. Vor allem Autobauer Daimler startet derzeit mit en Produktionsrekorden durch. Zudem brummt dank robuster Weltkonjunktur auch wieder das Nutzfahrzeuggeschäft. Im Bündel fi nden sich Exportwerte auch in vielen Fonds. Auf einheimische Unternehmen ausgerichtet ist der DWS Deutschland (DE ). Seit Jahren gelingt es ihm, den Dax-Index in der Wertentwicklung zu schlagen. Europaweit geht der Allianz RCM Europe Equity Growth (LU ) auf die Jagd nach erfolgreichen Firmen. In seinem Depot liegen Werte wie Carlsberg, Siemens oder H & M. Versteckte Perlen: Expertise zahlt sich aus Nicht nur große Konzerne, auch viele Mittelständler profi tieren vom weltweiten Konjunkturaufschwung und zeigen stark steigende Aktienkurse. Oft handelt es sich hier um Spezialisten, die zwar wenig bekannt, auf ihrem Gebiet aber weltweit führend sind und entsprechend gut verdienen. Vor allem in Deutschland, der Schweiz und anderen westeuropäischen Ländern fi nden sich viele solcher versteckter Perlen wie zum Beispiel Init (Telematik), SMT Scharf (Bergbau-Transporttechnik) oder KSB (Pumpen). Vorsichtige Anleger streuen die Risiken und greifen statt zu Einzeltiteln besser zu Fonds, die solche Nebenwerte sammeln. Die fi ndigsten dieser Trüffelsucher bringen vor allem im Langfristvergleich mit die lukrativsten Renditen. Dazu zählen für Europa der Lupus Alpha Smaller Euro Champions (ISIN: LU ), in Deutschland der Uni Deutschland XS (DE ) oder der Acatis Champions Select (LU ). Für Renditejäger: Dividenden schlagen Anleihezinsen 24 Milliarden Euro schütteten allein die 30 Dax-Konzerne 2010 als Dividende an ihre Aktionäre aus dürften dank sprudelnder Gewinne noch einige Milliarden obendrauf kommen. Die Ausschüttungssaison beginnt bereits jetzt im Januar und Wirtschaftswachstum: die Stars und die Sternchen Von Deutschland in die Welt Der Maschinenbau hier ein Pumpe von KSB liefert vor allem ins Ausland. Derzeit boomt die Nachfrage Bruttoinlandsprodukt (BIP) Schwellenländer Industriestaaten Von Rezession keine Spur Die Finanzkrise drückte das Wachstum der Schwellenländer nur kurz. Längst starten sie wieder durch Quelle: Bankhaus Metzler Bruttoinlandsprodukt (BIP) + 9,6% + 8,4% + 4,3% + 4,1% + 2,3% + 2,2% Quelle: Bankhaus Metzler + 2,0% + 2,0% + 1,0% Schnelles Duo Die Wirtschaft Chinas und Indiens dürfte 2011 viermal stärker expandieren als die der Industrieländer 108 FOCUS 1/2011

8 TITEL Sachwerte-Stars Schuldenkrise und Währungsunsicherheit steigern das Interesse an Anlagen, 7die sich anfassen lassen. Die verschiedenen Facetten des en Megatrends Reale Werte: Schutz gegen Inflation und Währungswirren Viele Anleger haben das Vertrauen in die Papierwährungen verloren, beobachtet Christoph Eibl, Rohstoffexperte und Vorstandschef des Investmenthauses Tiberius. Sie suchen stattdessen nach Anlagen, die ihren Wert konservieren oder sogar steigern, falls Papiergeld an Kaufkraft einbüßt. Immobilien zählen dazu, ebenso Gold und andere Edelmetalle. Aber auch Rohstoffe gewinnen an Bedeutung inklusive Aktien von Unternehmen aus diesen Sektoren. Die Deutsche Bank hat mit dem DWS Sachwerte (ISIN: DE000DWS0W32) sogar eigens einen Fonds aufgelegt, der ausschließlich auf solche Anlagen abzielt. Stark investiert ist er derzeit in Gold sowohl physisch wie auch über Minenaktien sowie in Immobilien-AGs und Immobilienfonds. Dagegen konzentriert sich der Tiberius Commodity Alpha Euro OP (LU ) auf die breite Palette der Rohstoffe samt Edelmetallen. Kostengünstig lässt sich mit dem börsengehandelten Fonds Lyxor ETF Commodities CRB (FR ) in einen Index aus 19 Rohwaren investieren. Rät zu Rohstoffen Christoph Eibl, Vorstandschef von Tiberius Asset Management, befürchtet im en Jahr eine wachsende Knappheit bei Rohwaren und per saldo deutlich steigende Preise Edelmetalle: geprägte Unabhängigkeit Gold oder Silber sind von keinem Schuldner abhängig und werden weltweit als Zahlungsmittel akzeptiert: Edelmetalle sind daher als Schutz vor möglichen Folgen der Schuldenkrise und der Gelddruckerei der Notenbanken erste Wahl und erleben einen Boom. Als Notgroschen im Tresor eignen sich vor allem Münzen und Barren. Die 1-Unze-Münze (31,1 Gramm) American Eagle kostet in Gold derzeit um 1100 Euro und in Silber (Achtung: sieben Prozent Mehrwertsteuer!) um 27 Euro. Generell gilt: je kleiner die Stückelung, desto größer ist prozentual der Aufschlag, den der Handel auf den reinen Materialwert erhebt. Wer Gold oder Silber nicht selbst aufbewahren will, fi ndet in börsengehandelten Zertifi katen, die mit Edelmetallen unterlegt sind, eine Alternative. Xetra-Gold (ISIN: DE000A0S9GB0) bildet ein Gramm eines bei der Deutschen Börse lagernden Bestands ab. Anleger können sich ihren Anteil gegen Erstattung der Kosten ausliefern lassen. ETFS Physical Silver (DE 000A0N62F2) und ETFS Physical PM Basket (DE000A0N62H8), ein Korb mit 51 Prozent Gold, 23 Prozent Silber, 17 Prozent Platin und n Prozent Palladium, ist durch Metall gedeckt, das bei der HSBC-Bank lagert. Vom Edelmetallboom profi tieren ferner Minengesellschaften. Der Falcon Gold Equity Fund (CH ) sucht Aktien größerer Minen, der Craton Precious Metal Fund (LI ) mischt auch kleinere Gold-, Silber- und Diamantenschürfer bei. Fotos: Y. Kontos/Photoshot, G. Williams/Ullstein Bild 110 FOCUS 1/2011

9 Delle ausgebügelt Rohöl-Nachfrage Durst wächst Die Rohölnachfrage zieht, getrieben vor allem von den Schwellenländern, wieder stark an Quelle: IWF Rohöl (Sorte Brent) Im Schlepptau Der Ölpreis folgt der Nachfrage. Auf Dauer erwarten Experten daher noch höhere Notierungen Quelle: Bloomberg Kupfer Neues Gold Kupferbedarf und -preis steigen, weil auch Industriemetalle als Schutz vor Währungsschwächen gelten Quelle: Bloomberg Industriemetalle: die en Rohstoff-Favoriten Nicht nur Währungsängste, auch der stetig steigende Bedarf vor allem der Schwellenländer treibt die Preise von NE-Metallen wie Kupfer, Aluminium oder Zink nach oben (vgl. Interview Seite 112). Inzwischen sind sogar Fonds geplant, die solche Rohwaren aufkaufen und so vom Preisanstieg profi tieren wollen. Schon jetzt bieten Indexfonds (ETFs) und Zertifi kate diese Chance. Der Market Access RICI-M Index Fund (ISIN: LU ) bildet die Preisentwicklung von zehn Metallen ab mit Aluminium und Kupfer als Schwerpunkt. Der ETFS Industrial Metals (DE000A0KRKG7) umfasst Kupfer, Aluminium, Zink und Nickel. Das RBS Rare Metals Mining Zertifi kat (DE000AA0RPD3) setzt auf Aktien von Firmen, die Seltene Erden wie Molybdän oder Rhodium fördern. Rohöl: Der Klassiker wird knapper und teurer Was für Metalle gilt, trifft auch auf Öl zu: Der wachsende Bedarf der Schwellenländer treibt die Nachfrage. Gleichzeitig werden kaum mehr e Ölfelder entdeckt. Über die Jahre scheint so ein nachhaltig steigender Preis des schwarzen Goldes programmiert. Zertifi kate auf Rohöl machen daher vor allem als Langfristanlage viel Sinn. Der ETFS Crude Oil (ISIN: DE000A0KRJX4) bildet den Ölpreis in Dollar ab. Das Brent-Crude- Oil-Quanto-Zertifi kat der Royal Bank of Scotland auf die Sorte Brent (NL ) ist dagegen währungsgesichert und klammert Wechselkursverschiebungen aus. Gefragt wie nie Schuldenkrise und Währungsangst trieben den Goldpreis zuletzt auf Höchstniveau Agrarrohstoffe: Bedarf und Preise steigen Landwirtschaftliche Rohstoffe bleiben vom weltweiten Boom nicht ausgenommen. Mit dem wachsenden Wohlstand ändert sich in Ländern wie China oder Indien auch die Ernährung. Fonds wie der DWS Invest Global Agribusiness (ISIN: LU ), der in Aktien großer landwirtschaftlicher Produzenten investiert, legte zuletzt deutlich zu. Der ETF Market Access RICI Agriculture (LU ) bildet einen Index aus 19 Agrarrohstoffen wie Weizen oder Mais ab. Immobilien: Betongold gegen Währungsschmelze Das Anlegerinteresse am Infl ationsschutz Immobilie wächst rapide. Davon profi tieren die Aktien von Immobiliengesellschaften. Mit DIC Asset (ISIN: DE ) beteiligt sich der Anleger an einem Portfolio von rund 300 Büro-, Einzelhandels- und Logistikobjekten bundesweit. Deutsche Wohnen (DE000A0HN5C6) besitzt Wohnungen in Berlin und Rhein/Main. Obwohl es sich um Immobilien handelt, können die Kurse der Aktien stark schwanken. Daher: einen langen Anlagehorizont einplanen. Gleiches gilt für Offene Immobilienfonds, zuletzt wegen Schließung einiger Pools und er gesetzlicher Regeln in der Kritik. Fonds mit einer starken Bankengruppe im Rücken wie der Deka Immobilien Europa der Sparkassen (DE ) oder der UniImmo Deutschland der Volksbanken (DE ) dürften für Langfristanleger weiterhin eine Überlegung wert sein. Baugeld: die Immobilie richtig finanzieren Immer mehr Bundesbürger kaufen sich auch direkt eine Immobilie (s. S. 114 Wohnen de luxe). Ob sich das lohnt, hängt außer von der Lage auch von der richtigen Finanzierung ab. Die hat sich seit August um knapp einen Prozentpunkt verteuert. Der Trend könnte anhalten. Für weniger als vier Prozent effektiv gibt es zehnjähriges Baugeld (70 Prozent Beleihung) immer noch bei Adres sen wie Hannoversche Leben, Inter hyp, Creditweb, Comdirect Bank oder ING-Diba. 15-jährige Hypotheken kosten dagegen bereits 4,30 Prozent effektiv und mehr. BERND JOHANN FOCUS 1/

10 TITEL Wohnen de luxe Immobilien waren dieses Jahr gefragt wie selten zuvor. Selbst in den teuersten deutschen Straßen stiegen die Preise 1 Kampen, Hobookenweg 2 Hamburg, Harvestehuder Weg Zurückgesetzt von der Straße hinter Bäumen, stehen weiße Villen wie auf eine Perlenkette gezogen. Zur Alster sind es nur ein paar Schritte. Der Harvestehuder Weg in Hamburg gilt als eine der schönsten Straßen Deutschlands. Seit diesem Jahr ist sie auch eine der teuersten Euro für jeden Quadratmeter Wohnfläche hat ein Immobilienkäufer gezahlt. Ein Rekord, sagt Kai Enders, Vorstand für Wohnimmobilien bei Luxusmakler Engel & Völkers. Im vergangenen Jahr waren dort Euro der absolute Höchstpreis. In Deutschland steigen Immobilienpreise im Norden wie im Süden. Weil immer noch viele die Inflationsfurcht plagt und das Misstrauen in Aktien verbreitet ist, sind Immobilien zur besonders begehrten Anlage geworden. Wer es sich leisten kann, investiert in Stein und Zement. Enders beobachtete: Die Nachfrage ist enorm. Exklusiv für FOCUS hat das größte Maklerhaus Deutschlands erhoben, in welchen Straßen des Landes die höchsten Preise gezahlt wurden (siehe Tabelle). In Konstanz am Bodensee etwa investierte ein Käufer Euro für jeden Quadratmeter. Für den Blick aufs Wasser zahlen die Deutschen aber auch im Süden deutlich mehr als im Vorjahr Euro je Quadratmeter brachte eine Villa am Starnberger See. Am teuersten, weil sehr knapp, sind Häuser auf Sylt. Für bis zu Euro pro Quadratmeter kaufen sich Vermögende auf der Insel ein. ALEXANDRA KUSITZKY Fotos: Engel & Völkers (6), T. Lösch 7 München, Oberföhringer Straße 114

11 6 Baden-Baden, Lichtentaler Allee 6 Konstanz, Alpsteinweg Ranking der teuersten Wohnstraßen Deutschlands* 8 Berlin, Am Park Stadt Straße Entwicklung erzielter Preis ab 2009 in Euro/qm** 1 Kampen (Sylt) Kampen (Sylt) Kampen (Sylt) Kampen (Sylt) Hobookenweg Heideweg/Heidewinkel Osterheideweg Wiesenweg bis Hamburg (Harvestehude) Harvestehuder Weg Hamburg (Hafenrand) Hamburg (Winterhude) Hamburg (Uhlenhorst) Hamburg (Elbvororte) Berg am Starnberger See Große Elbstraße Bellevue Schöne Aussicht Elbchaussee Seestraße München (Herzogpark) Pienzenauerstraße Baden-Baden Konstanz Stuttgart Düsseldorf (Oberkassel) Hamburg (Hafencity) München (Bogenhausen) Lichtentaler Allee Alpsteinweg Am Bismarckturm Kaiser-Wilhelm-Ring/ Kaiser-Friedrich-Ring Am Kaiserkai Oberföhringer Straße Köln-Rheinauhafen, Im Zollhafen 8 9 Berlin-Mitte Frankfurt (Nordend) Baden-Baden Am Park Annastraße Kaiser-Wilhelm-Straße Köln-Rheinauhafen Köln (Lindenthal) Bad Wiessee (Tegernsee) Starnberg Im Zollhafen Rautenstrauchstraße Ringseeweg Almeidaweg Berlin-Mitte Potsdam (Heiliger See) Potsdam (Heiliger See) Potsdam (Heiliger See) Koppenplatz Mangerstraße Seestraße Ludwig-Richter-Straße 6000 *Basis sind durch Engel & Völkers 2010 vermittelte Wohnimmobilien. Im selben Preissegment können unterschiedliche Straßen pro Stadtteil/Lage auftauchen. **Wohnfl äche Quelle: Engel & Völkers Preissteigerung gegenüber 2009 stabiler Preis im Vergleich zu 2009 Preisrückgang gegenüber

12 WIRTSCHAFT Die kühle Blonde Anita Gärtner, 45 Die Repräsentantin des berühmten Londoner Auktionshauses Sotheby s hat ihren Hauptsitz in Hamburg. Zuvor baute sie Sotheby s Realty Australien und Neuseeland auf. Die Luxuswohnung mit Blick auf die entstehende Elbphilharmonie (Bild) hat Gärtner dieses Jahr für 1,6 Millionen Euro verkauft. 118 FOCUS 34/2010

13 Die Geheimnisse der Insider Die Kreditzinsen für Immobilien haben ein Allzeittief erreicht. Nie zuvor erwogen so viele Deutsche einen Kauf. Die einfl ussreichsten Makler verraten ihre persönlichen Kauftricks Foto: Steffen Jänicke/FOCUS-Magazin Christian Völkers Leben ist eine Baustelle. Selbst für einen, der alles hat, einen millionenschweren Luxusmenschen wie ihn, gilt das. Wer ihn einmal auf einer seiner Baustellen erlebt hat, ahnt, was sich hinter der Erfolgsgeschichte des Hamburger Großmaklers verbirgt. Gern demonstriert Völkers an solch schnöden Orten seine eigene Verwandlung: Ist er erst einmal umgeben von Zementmischern, eingehüllt von Staubwolken und brüllt gegen den Krach der Bohrmaschinen an, mutiert der Lebemann zum Kontrollfreak. Man darf ihn ruhig als Pedanten bezeichnen er hat nichts dagegen. Wenn der Chef von Europas größtem Maklerhaus, Engel & Völkers, baut, hat er zuvor auch kleinste Details studiert. Gerade hat er zusammen mit seinem Neffen eine kleine ehemalige Fabrik in Hamburg gekauft. Luxuslofts lassen die beiden daraus bauen. Für die Handwerker wird der Großauftrag zur Nervenprobe. Denn Völkers überwacht die Fortschritte am Bau persönlich und höchst pingelig. Er ist Augenzeuge, wenn der Elektriker die Steckdosen einbaut und streitet auch gern mit ihm, falls der ein paar Zentimeter von Völkers Vorstellungen abweicht. Details sind entscheidend. Das meiste Geld verliert man, wenn man nicht zu Ende denkt. So sei es auch beim Kaufen der Immobilien. Schlägt Völkers zu, ist für ihn die Zeit das wichtigste Kriterium. Die Ausdauer, genau zu prüfen, ob eine Immobilie die richtige ist. Und sich nur nicht unter Druck setzen lassen! Augenzwinkernd verrät er den alten Maklertrick: dem Interessenten vor allem die schönsten Ecken des Hauses zeigen. Und jeder gute Makler weiß: dann den Geköderten freundlich unter Zugzwang setzen. Am besten mit einem der meistverbreiteten Sätze in der Branche: Gern würde ich Ihnen dieses Haus verkaufen, aber wir haben noch andere Interessenten, die es auch unbedingt haben wollen. Bei solchen Sprüchen wissen Profis: Das Haus ist noch zu teuer. Nicht nur ein Spitzenmakler wie Christian Völkers ist in diesen Tagen in Kauflaune. In Deutschland denkt jeder Vierte daran, eine Immobilie zu kaufen. Bei Besserverdienenden ist es jeder Zweite. Die Finanzierungszinsen sind günstiger denn je: Für nur 3,2 Prozent im Jahr lässt sich ein 10-Jahres-Kredit abschließen. Gleichzeitig fehlt manchem eine echte Anlagealternative: Für Bundesanleihen zahlt der Staat nur 2,3 Prozent auf zehn Jahre. Und mit Aktien haben Anleger innerhalb einer Dekade schon zum zweiten Mal viel Geld verloren. Hinzu kommt die Furcht, dass es doch noch eine Inflation geben könnte. Doch wie findet man die richtige Immobilie? FOCUS traf die fünf einflussreichsten und exklusivsten Makler Deutschlands. Sie verraten zum ersten Mal, wo Sie selbst eine Immobilie erwerben, und erklären ihre persönlichen Strategien für einen Kauf: Faktor Umfeld Zu viel Champagner bereitet Anita Gärtner Sorgen. Gleich neben ihrer Sotheby s- Verkaufslounge auf dem Sylter Poloturnier German Polo Masters hatte die Firma Lanson eine Bar aufgebaut. So nah, dass Gärtner fürchtete, die potenzielle Kundschaft würde wortwörtlich an ihr vorbeiziehen. Doch die Angst war unbegründet, die Geschäfte liefen prickelnd. Die Leute waren herrlich entspannt, ich konnte gute Kontakte knüpfen. Die Außenstelle des berühmten Londoner Auktionshauses am Sylter Spielfeldrand war eine Art Testlauf: Gärtner plant, in vier Monaten eine Vermittlung für Luxushäuser auf Sylt zu eröffnen. Der Name Sotheby s ist ihr Trumpf. Er klingt unter all den anderen so viel verheißenden Makler-Marken am vornehmsten. Doch die Platzhirsche ihrer Branche lassen sich nicht einfach verdrängen. Anita Gärtner setzt auf elegante bis kühle Weiblichkeit. Auf High Heels, den Blick vornehm distanziert, versucht sie schon allein mit sicherem Auftreten die Claims auf dem Markt abzustecken. Präsenz ist alles. Die Anwesen, die schon auf ihrer Liste stehen, sind sicher ein Fall für die Pixler von Google Streetview: In Hamburg hat Gärtner gerade ein 1013-Quadratmeter- Stadtpalais am Rotherbaum für 5,2 Millionen Euro zu verkaufen. In Berlin eine Wohnung direkt am Lietzensee für 2,9 Millionen Euro. Vor wenigen Wochen hat sie in Hamburg eine Villa an der Alster für gut zwei Millionen Euro vermittelt. Die Luxusmaklerin sondiert den Hamburger Markt gerade sehr genau, weil sie selbst ein es Heim sucht. Ihre wichtigste Regel beim Kauf überrascht vor allem, weil sich ihre Kunden wohl selten an sie halten: Niemals das teuerste Haus in der Straße kaufen! Die anderen Häuser würden das eigene im Wert runterziehen. Faktor Nähe Rainer Ballwanz interessiert eigentlich nur ein einziger Ort: Frankfurt am Main. Dort wohnt, dort arbeitet er, dort kennt er sich aus. Dort ist der schlanke 50-Jährige, der zum edlen Tuch das Hemd ohne Krawatte trägt, der Matador der Makler. Top-Banker und andere Wohlhabende kaufen bei ihm und noch häufiger mieten sie über seine Firma. Denn die Bankenstadt ist eine der schnelllebigsten, auch deswegen ist Frankfurt ein Makler-Eldorado. Jedes Jahr wechseln Wohnungen und Häuser ihre Besitzer. Das befeuert die Provisionen, das treibt die Mieten. Seit Jahren steigen sie zurzeit im Schnitt auf 11,10 Euro pro Quadratmeter (s. S. 125). Ballwanz besitzt mehrere Mietwohnungen. Für ihn zählt beim Kauf: Die Immobilie sollte in der Nähe des eigenen Lebensmittelpunkts sein, sodass man sich selbst um sein Eigentum kümmern kann. Wechselt der Mieter, stehen Reparaturen an, treffen sich die Nachbarn zu FOCUS 34/

14 WIRTSCHAFT Der Mondäne Detlev von Wangenheim, 65 Die luxuriösesten Häuser in München, der teuersten Metropole Deutschlands, verkauft von Wangenheim. Vergangenes Jahr hat er ein Penthouse für den Rekordpreis von 9,3 Millionen Euro vermittelt. Sein eigenes Stadtschloss steht in Potsdam.

15 Fotos: Götz Schleser und Tim Wegner/beide FOCUS-Magazin Eigentümerversammlungen, ist Ballwanz wie selbstverständlich vor Ort. Zum anderen wählt er Viertel, die sich gerade positiv entwickeln: in Frankfurt vor allem der Stadtteil Gallus, sogar die Bahnhofsgegend und das allein schon sprichwörtlich wohlklingende Gutleutviertel. Faktor Lage In Detlev von Wangenheims Blick liegt Besitzerstolz. Erwartungsvoll schaut der Münchner Luxusmakler, dessen Sakkos stets ein Einstecktuch in Hemd- oder Krawattenfarbe schmückt, seine Gäste an. Genau beobachtet er, wie der Gast auf das rosafarbene Stadtpalais mitten in Potsdam reagiert: auf das stattliche Portal, die großen Seitenflügel und die feinen Bögen über den Fenstern. Der Freiherr hat diese Residenz gekauft, um sie aufgeteilt in acht Wohnungen zu vermieten. Und auch, weil er an Potsdam hängt. Als sein Freund Roman Polanski in Babelsberg den Oscar-Film Der Pianist drehte, überredete er von Wangenheim zu einem Gastauftritt. Mit Stolz erinnert sich der Freiherr an diesen Rollentausch in Potsdam und gerät ins Schwärmen. Dann ist er wieder ganz Hausherr, begutachtet die Handwerker, die im ersten Geschoss edelstes Fischgrätparkett verlegen. Von Wangenheim steigt vorsichtig über die Folie, die das teure Holz schützt, und schreitet durch die Zimmer. Er sagt: Solch ein altes Gemäuer zu renovieren, das lohnt sich. Dank des Denkmalschutzes. Volle zwölf Jahre lang kann er die gesamten Renovierungskosten beim Finanzamt abschreiben. Sieben Prozent Rendite würde er so jedes Jahr mit dem Palais machen. Und doch: Der Steuervorteil darf für die Wahl des Hauses nicht entscheidend sein: Es kommt allein auf die Lage an. Wenn der Ort stimme, so von Wangenheim, könne man ein Haus immer zu einem guten Preis weiterverkaufen. Auch jenseits der Luxusviertel gelte diese Devise: das Haus in der Mitte der Straße, statt an der lauten Kreuzung. Das Viertel mit dem S-Bahn- Anschluss in die City. Oder das Reihenendhaus mit Blick auf ein Naturschutzgebiet, das nicht bebaut werden darf. Gerade sucht von Wangenheim im Süden von Berlin. Die Häuser dort werden wohl im Preis steigen, sobald der nahe Flughafen Schönefeld zu Berlins Haupt- Airport ausgebaut wird. Noch sind die Häuser in diesen Gegenden günstig. Für Euro stehen selbst Villen mit Seegrundstück zum Verkauf. In seiner eigenen Stadt, München, gäbe es dafür nur eine Eigentumswohnung. Er lächelt: München ist die Stadt der Glückseligen. Und meint damit wohl nicht zuletzt sich selbst. Faktor Langfristigkeit Bei Wulff Aengevelt lag es wohl in den Genen: Sein Großvater war Makler, sein Vater, und auch der 62-Jährige verkaufte schon als junger Mann Häuser. Bis heute, zusammen mit seinem Bruder. Der stets in dezenten Maßanzügen gekleidete Grandseigr der Branche pflegt das Understatement: Ich wohne in einer kleinen Villa im Zooviertel, sagt er mit weicher Düsseldorfer Färbung. Dass sein bescheidenes Heim an einem der besten Standorte steht und eher als stattliche Residenz beschrieben werden sollte, verschweigt Dr. rer. soc. oec. Aengevelt, ein promovierter Sozial- und Wirtschaftswissenschaftler. Kauft er Immobilien, ist für ihn vor allem eines wichtig: Langfristigkeit. Aenge velt: Eine Immobilie sollte man nur kaufen, wenn man sie auch mehrere Jahre behalten will und vor allem kann. Wer nicht mindestens 30 Prozent Eigenkapital mitbrächte und eine feste Arbeitsstelle, solle es gleich wieder vergessen. Zu teuer seien die Nebenkosten bei jedem Kauf, um rein- und wieder rauszugehen, wie er sagt. Sechs bis n Prozent zum Preis kämen beim Kauf hinzu: Grunderwerbssteuer, Gerichts- und Notarkosten und die Maklerkosten. Die seien sowieso viel zu hoch, kokettiert er mit einem Lächeln. So konservativ wie seine Grundsätze sind seine Immobilien. Ihm gehören wie er wieder ganz bescheiden sagt nur zwei Häuser, und die sind seit vielen Jahren im Familienbesitz. Dass es sich um zwei Mehrfamilienhäuser in bester Düsseldorfer Lage handelt, mit einem Gesamtwert von etwa 13 Millionen Euro, die jedes Jahr mindestens sechs Prozent Rendite abwerfen, verrät er sehr zögerlich. Understatement at its best. Nur auf dem Sportflugplatz hebt Hobbypilot Aengevelt gern ab und schaut seine Häuser von oben an. MICHAEL FRANKE / ALEXANDRA KUSITZKY Bankers Liebling Rainer Ballwanz, 50, ist der Platzhirsch unter Frankfurts Maklern. Das 45-Parteien-Haus von den Star-Architekten Bothe Richter Teherani (Bild) hat er verkauft FOCUS 34/

16 WIRTSCHAFT Erschwinglich oder doch zu teuer? Wer seine Traumimmobilie kaufen möchte, sollte nicht nur das Preisniveau kennen sondern auch die Karrierechancen in der Region. FOCUS hat 78 Städte verglichen und nennt die Trends Wer sich für das eigene Heim entscheidet, erfüllt sich einen Lebenstraum und geht eine sehr langfristige Bindung ein. Ganz anders kalkulieren Käufer, die eine Immobilie in einer fremden Stadt als Anlageobjekt suchen und vermieten wollen. In beiden Fällen hilft das von der Immobilienberatung Empirica für FOCUS entwickelte Städte-Ranking. Das Institut wertet Tausende von Annoncen sowie Internet-Angeboten aus und gliedert sie nach Eigentumswohnungen (Preis pro Quadratmeter), Reihenhäusern (120 Quadratmeter, Bestandsbau) oder frei stehenden Einfamilienhäusern (175 Quadratmeter, Neubau). Neu ist dabei eine nach Wohntypen differenzierte Preisentwicklung von 2007 bis heute. So ist es durchaus möglich, dass in einer Stadt wie Bremen zwar die Preise für Eigentumswohnungen nachgeben, bei Einfamilienhäusern aber konstant bleiben und gleichzeitig die Mieten anziehen, analysiert Empirica-Experte Reiner Braun die Ergebnisse der Auswertung. Zudem hat die Bundesagentur für Arbeit im Auftrag von FOCUS die Jobchancen in jeder Stadt ermittelt. Klarer Trend: Von 2005 bis zur letzten Auswertung 2009 steigt vielerorts die Anzahl der sozialversicherten Beschäftigten. Damit profitieren die Städte nach der Wirtschaftskrise meist schneller vom Aufschwung als ländliche Regionen. Auch hier gibt es Ausnahmen: In einigen Städten Nordrhein-Westfalens und Ostdeutschlands ist die Jobentwicklung nur konstant oder sogar rückläufig. Preis- und Jobentwicklung Die Preisentwicklung ist steigend, wenn sie über 2 Prozent liegt. Konstant ist sie, wenn die Veränderung zwischen 2 und +2 Prozent beträgt. Als stark fallend gilt die Preisentwicklung bei mehr als 2 Prozent. Sehr positive Berufschancen gelten bei einer Zunahme von über 2 Prozent. Eine positive Entwicklung existiert zwischen +1,1 und 2,0 Prozent. Als konstant gilt eine Entwicklung zwischen 0 und 1,0 Prozent. Leicht sinkende Jobchancen liegen in der Spanne von 1,0 bis 0,1%. Rückläufi ge Berufschancen gelten bei mehr als 1 Prozent. Bundesland/ Stadt SCHLESWIG-HOLSTEIN HAMBURG BREMEN Bremen Flensburg Hamburg Kiel Lübeck NIEDERSACHSEN Braunschweig Göttingen Hannover Lüneburg Oldenburg Osnabrück Wilhelmshaven Neubau Bestand Wohnungskauf /m 2 zum Vergleich: Miete /m 2 Reihenhaus Einfamilienhaus ca J. alt 7,60 6,20 10,55 8,05 7,85 7,05 7,10 6,95 7,00 7,30 7,10 5,90 Neubau 6,65 6,70 9,30 6,70 7,05 6,00 5,90 6,30 6,25 6,20 6,20 5, Alle Angaben in Euro Methodik: Es können sich auf Grund vorgegebener Daten ggf. Abweichungen 1) Die Bundesagentur für Arbeit hat die Zahl der sozialversicherten Beschäftigten von 2005 zur Realität ergeben. Qualitätsunterschiede sind statistisch bereinigt. mit den zuletzt vorliegenden Zahlen Q verglichen und daraus einen Trend gebildet. Bestand ca J. alt Bestand 120 m 2 Neubau 175 m 2 Preisentwicklung Preisentwicklung Preisentwicklung Preisentwicklung Jobentwicklung 1) Quelle: IDN Immodaten GmbH/BA Fotos: Mauritius, TopicMedia 124 FOCUS 34/2010

17 Flensburg Die Hafenstadt ist wieder begehrt. In den Top-Lagen an der Förde steigen die Preise Bonn Die frühere Regierungsstadt liegt bei Beamten und Familien im Trend Bundesland/ Stadt NORDRHEIN-WESTFALEN Aachen Bielefeld Bochum Bonn Dortmund Duisburg Düsseldorf Essen Gelsenkirchen Hagen Köln Krefeld Mönchengladbach Münster Paderborn Siegen Wuppertal Darmstadt Frankfurt/Main Fulda Kaiserslautern Kassel Koblenz Ludwigshafen Mainz Offenbach am Main Trier Wiesbaden Freiburg Friedrichshafen Heidelberg Heilbronn Karlsruhe HESSEN RHEINLAND-PFALZ Neubau BADEN-WÜRTTEMBERG SAARLAND Bestand Wohnungskauf /m 2 zum Vergleich: Miete /m 2 Reihenhaus Einfamilienhaus ca J. alt 7,80 6,70 7,30 8,30 7,20 6,80 9,60 7,20 6,45 7,00 9,20 7,00 6,55 8,80 6,15 7,25 6,80 9,45 11,10 5,90 6,50 7,10 7,05 7,30 9,30 8,15 8,10 9,25 10,10 8,50 10,70 7,15 8,60 Neubau 6,95 5,95 6,35 7,70 6,10 5,90 8,80 6,60 5,80 5,75 8,45 6,20 5,95 7,40 5,60 6,00 6,15 8,85 10,10 5,15 5,65 5,80 6,20 6,50 8,55 7,50 7,05 8,55 9,10 7,40 9,35 6,80 7,90 Bestand ca J. alt Bestand m 2 Neubau m 2 Preisentwicklung Preisentwicklung Preisentwicklung Preisentwicklung Alle Angaben in Euro Methodik: Es können sich auf Grund vorgegebener Daten ggf. Abweichungen 1) Die Bundesagentur für Arbeit hat die Zahl der sozialversicherten Beschäftigten von 2005 zur Realität ergeben. Qualitätsunterschiede sind statistisch bereinigt. mit den zuletzt vorliegenden Zahlen Q verglichen und daraus einen Trend gebildet. Jobentwicklung 1) Quelle: IDN Immodaten GmbH/BA FOCUS 34/

18 Roter Poltergeist Auf halber Kraft Schafft es Bundespräsident Köhler in der ersten Runde? Der Finanzminister will von üblen Zahlen ablenken Wie es sich anfühlt kurzzuarbeiten Schwan Steinbrück Ge Nr Mai ,20 Brü sse ld v b e er s c die hw ne en n: d De en, r E sic U- h s Re el po bs t rt Krisen-Gewinner lmmobilie Wer jetzt kaufen sollte und wer nicht hhhhhhhh Österreich 3,40 Schweiz CHF 5,80 Belgien 3,70 Niederlande 3,70 Luxemburg 3,70 Frankreich 4,20 Italien 4,20 Portugal (Cont) 4,20 Spanien 4,20 Kanaren 4,40 Griechenland 4,80 Finnland 5,30 Dänemark DKK 33 Norwegen NOK 44 Japan JPY 1550 (exclusive tax) Slowenien 4,20 Ungarn HUF 1300 Köhler Abweichler-Wahl Mit großen h h h Checklisten: Preise Finanzierung Qualität l sp inn t! 21

19 WIRTSCHAFT KRISE Endlich zu Hause und sicher Selten zuvor haben sich die Deutschen so für Immobilien interessiert wie jetzt. Für wen es sich lohnt zu kaufen und wer vorsichtig sein sollte 108

20 BERUHIGT AM WASSER Mit Blick auf die Elbphilharmonie hat sich Jurist Frank W. Jacob den Traum von der eigenen Wohnung erfüllt F rank W. Jacob hat sich gegen die Börse und für eine Immobilie entschieden. Seit Anfang des Jahres wohnt der 40-jährige Marketingleiter einer großen Unternehmensberatung in seiner eigenen 140-Quadratmeter-Wohnung in der Hamburger HafenCity. Licht flutet durch die Glasfassade, Schiffe ziehen vor dem Haus vorbei, in Blickweite entsteht die Elb - philharmonie. Jakob genießt sein Wohnparadies mit dem edlen Eichenholzboden. An schönen Tagen kann er auf dem Balkon sitzen und arbeiten: Ich hätte mein Geld auch in Aktien oder Fonds anlegen können aber in meine eigenen vier Wände zu investieren ist mir zurzeit das Liebste. Die Finanzkrise bedroht Deutschland, Banken flehen um Staatsgeld, Unternehmen melden Kurzarbeit an, Immobilienmakler dagegen verdienen prächtig. Jürgen Michael Schick, Vizechef des Maklerverbands IVD, sagt: Die Krise beschert der Immobilienbranche eine unerwartete Belebung. In München hat Makler Detlev von Wangenheim in den ersten zehn Wochen dieses Jahres Immobilien für rekordverdächtige 40 Millionen Euro vermittelt. Die Nachfrage steigert sich rasant, freut sich der Chef des Immobilienbüros Duken & v. Wangenheim, die Anleger wollen raus aus Cash und Aktien. Viele Menschen sehnen sich nach Sicherheit. Ein Gefühl, das ihnen vor allem eine Immobilie liefert. Gerade wenn die Börsenkurse einbrechen, G R O S S E S PA N N E N I N B E S T L A G E N Kaufpreise für Hamburg in Euro Lage Eigentumswohnung 1 Reihenhaus 2 Einfamilienhaus 3 einfach ab ab ab mittel ab ab ab gehoben ab ab ab ETW = 100 qm; 2 RH = 120 qm; 3 EFH = 140 qm FRISCHER WIND In einfachen Lagen wie Wilhelmsburg und Billstedt ist das Kaufi nteresse geringer, ab der mittleren Lage (Bahrenfeld, Stellingen, Bramfeld) nimmt es zu die Preise steigen. Bei Makler Großmann & Berger ist man sich sicher: In Top-Lagen wie HafenCity, Alsterlage und Blankenese übersteigt die Nachfrage bei Weitem das Angebot. Quelle: eigene Recherchen FOCUS 21/2009 Foto: M. Losse/FOCUS-Magazin 109

21 WIRTSCHAFT Wie wir wohnen, worauf wir vertrauen Viele Deutsche sehnen sich nach einer Immobilie: Wer lebt heute in den eigenen vier Wänden und wie werthaltig sind die Regionen? SICHERHEIT GESUCHT Wie die Deutschen ihre wirtschaftliche Lage in den nächsten zwölf Monaten einschätzen Welche Anlagen die Deutschen in Zukunft als sicher empfinden* In welche Anlagen die Deutschen die nächsten zwölf Monate investieren würden* OPTIMISMUS Die meisten Befragten halten ihre Lage für besser als die der Bundesrepublik GUTES GEFÜHL Beim Immobilienkauf spielt die Psychologie eine große Rolle er verspricht Sicherheit * Duisburg Düsseldorf Aachen SOLIDE Immerhin fast jeder Fünfte denkt inzwischen über den Kauf einer Immobilie nach mehr als je zuvor Quelle: GfK im Auftrag von Schwäbisch Hall GEFAHREN FÜR DAS INVESTMENT Wer eine Immobilie kauft, sollte das Preisniveau der Umgebung kennen Bonn Trier Saarbrücken Münster Oldenburg Koblenz Osnabrück Paderborn Essen Dortmund Bochum Wuppertal Köln Frankfurt/Main Wiesbaden Mainz Mannheim Freiburg 112 FOCUS 21/2009 Bielefeld Bremen Kassel Fulda Konstanz Kiel Lübeck Hamburg Hannover Wolfsburg Göttingen Würzburg Heidelberg Heilbronn Karlsruhe Stuttgart Braunschweig Ulm Erfurt Ansbach Schwerin Coburg Stendal Bamberg Augsburg Halle Rostock Magdeburg Parchim Jena Nürnberg Dessau Ingolstadt Weiden München Neuruppin Neubrandenburg Potsdam Leipzig Regensburg Abweichung vom Bundesdurchschnitt Chemnitz BERLIN Cottbus Dresden Orte Einwohner PREISBAROMETER Weit außerhalb der Großstädte wird es meist deutlich günstiger. Viele Regionen fallen im Vergleich zum Bundesdurchschnitt um mehr als 50 Prozent ab. Ausnahme: Auf breiter Fläche erreicht vor allem Oberbayern ein preisliches Höchstniveau Quelle: empirica/idn Immodaten GmbH

22 S TA B I L U N D L E B E N S W E R T Kaufpreise in Freiburg in Euro Lage Eigentumswohnung 1 Reihenhaus 2 Einfamilienhaus 3 einfach ab ab ab mittel ab ab ab gehoben ab ab ab ETW = 100 qm; 2 RH = 120 qm; 3 EFH = 140 qm AB IN DIE CITY Die innenstadtnahen Viertel Wiehre, Neuburg und Herdern ziehen die Wohlhabenden an. Das hält die Preise stabil. Der einfache Stadtteil Weingarten gilt dagegen als unterbewertet bei teilweise nur 1000 Euro/qm für Bungalows. Dabei hat das Viertel Chancen aufzusteigen, denn die Stadt saniert dort Hochhäuser. Quelle: eigene Recherchen NEUES GLÜCK Möbelhändler Alfred Wilhelm wohnt seit Karfreitag mit seiner Frau Lucie und Sohn Marc in einer Altbauwohnung nahe der Freiburger Innenstadt ABSCHIED Nachdem vier Kinder ausgezogen sind, hat Familie Wilhelm ihr Haus im Vorort verkauft N AT I O N V O N M I E T E R N Wie viele Deutsche in ihrer eigenen Immobilie wohnen % EIGENTÜMER SIND ANDERE 87 Prozent der Spanier wohnen im Eigenheim, 78 Prozent der Norweger hierzulande nicht mal jeder Zweite FOCUS 21/2009 Quelle: Statistisches Bundesamt Wohnungen. Käufer investieren daher jetzt sogar vermehrt in günstigere Lagen. Am meisten tut sich in München trotzdem im Luxussegment. Von Wangenheim: Die aktuelle starke Nachfrage können wir kaum mit passenden Immobilien befriedigen. Immer mehr Gutverdiener wollen urban leben. Viertel wie Lehel, Herzogpark, Schwabing, Nymphenburg und die Innenstadt sind gefragt wie selten. Gerade erst zahlte ein Käufer zwölf Millionen für eine Villa im Stadtteil Bogenhausen. Die Interessenten wollen für ihr Geld aber auch etwas Werthaltiges bekommen und nicht nur einen wohlklingenden Namen. So lässt sich etwa das Neubaugebiet Hirschgarten, das Makler gern als Nymphenburg ausweisen, nur schwer vermarkten. Käufer erwarten hier Altbauten und Alleen, nicht aber kühle, wenn auch moderne Wohnklötze nahe der Bahnlinie. Noch schleppender läuft das Geschäft am Stadtrand im ehemals noblen Grünwald. Nur wenige Käufer sind bereit, horrende Preise für unmoderne Villen zu zahlen. Dieses Problem hat der jahrelang schwächelnde Kölner Nobelvorort Hahnwald nicht mehr. Gut erholt zeige sich der Stadtteil, beobachtet Fotos: K. J. A. Mellenthin/FOCUS-Magazin Burkard Brinkmann von Engel&Völkers. Oft rücken schon 24 Stunden nach einem Besitzerwechsel Planierraupe und Abrissbirne an, um die 70er- Jahre-Architektur einzuebnen. Brinkmann: Für eine Million gekauft und dem Erdboden gleichgemacht, werden die Grundstücke anschließend für zwei bis vier Millionen Euro bebaut. Fast überall in Köln verteuerten sich gebrauchte Wohnimmobilien, so das Maklerbüro Corpus Sireo. Die Preise für Eigentumswohnungen stiegen vergangenes Jahr im Schnitt um 2,5 Prozent auf 1763 Euro pro Quadratmeter. Neue Objekte kosteten 2395 Euro ein Plus von zwei Prozent. Bei den Eigenheimen stagnieren die Second-Hand-Objekte, während Neubauten im Schnitt um fünf Prozent zulegen. Noch schneller ziehen die Preise in Düsseldorf an. Neue Wohnungen kosten im Schnitt 2600 Euro pro Quadratmeter ein Plus von sechs Prozent gegen über dem Vorjahr. In guten Lagen heben auch die Bestandsimmobilien preislich ab. Neben Himmelgeist im Süden (2600 Euro) und Kalkum sowie Wittlaer im Norden (2400) legen vor allem die traditionellen Top-Viertel zu: Angeführt von Niederkassel, dessen Durchschnitts- 113

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