Cannabis die Modedroge Nr. 1

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1 Cannabis die Modedroge Nr. 1 Beitrag von Dr. Klaus Lehmann, Ärztlicher Leiter des Fachkrankenhauses Höchsten und Tagesrehabilitation Bodensee in Friedrichshafen Heute möchte ich Ihnen einige Informationen und Stellungnahmen zu einem Thema weiter geben, das mich besonders bewegt: Cannabis. Cannabis ist die Modedroge Nr. 1, der Konsum nimmt massiv zu. Seit Ende der neunziger Jahre hat sich bei uns von Amerika kommend - ein Trend durchgesetzt, der eine Abnahme des Konsums von Heroin mit sich bringt bei gleichzeitiger Erhöhung des Konsums von stimulierenden Drogen wie Ecstasy, Amphetamine oder Kokain und parallel dazu einer massiven Steigerung des Cannabis-Konsums. In Entwöhnungseinrichtungen und Suchtkliniken kommen immer mehr Drogenabhängige an, die kein Heroin genommen haben. Über keine Droge gibt es so viel Diskussion wie über Cannabis. Über die verbreiteteren (legalen) Drogen wie Alkohol oder Tabak wird (noch) viel zu wenig geredet; kaum jemand verteidigt die Einnahme von Heroin oder Kokain. Dagegen gibt es eine wortgewaltige, sehr aktive Szene von Haschischbefürwortern, die unter den Schlagworten Haschisch ist harmlos oder Kiffer sind die besseren Menschen, Haschisch macht nicht abhängig, ja sogar Cannabis ist Medizin teilweise recht aggressiv für ihre Droge Werbung machen. Ich bezeichne das als Cannabis-Ideologie. Einerseits ist das eine Werbestrategie, andererseits wird jeder, der kifft, zum versteckt-augenzwinkernden oder offen-eifernden Verteidiger seines Krautes. Zu dieser Diskussion möchte ich einige Fakten und einige Einschätzungen beitragen. Zunächst einige Vorbemerkungen. Cannabis ist im Harz und in den Blättern der Hanfpflanze enthalten, je nach Art in unterschiedlicher Konzentration. Hauptwirkstoff sind 9- Tetrahydrocannabinol (THC) und andere dem Cannabinol chemisch ähnliche Substanzen. Die Wirkung entsteht wohl durch das Zusammenwirken der verschiedenen Substanzen. Meist wird Cannabis inhaliert, d.h. geraucht, als Joints oder aus der Wasserpfeife (Bong), es kann aber auch gegessen werden. Der Stoff gelangt beim Rauchen über die Lunge ins Blut, von dort u.a. ins Gehirn. Eine einmalige Dosis kann noch nach Tagen nachgewiesen werden. Die Datenlage zu den körperlichen Schäden durch Cannabis ist unübersichtlich. Es wird noch nicht sehr lange in großer Breite und Menge konsumiert; die eingenommene Drogenmenge lag in den sechziger Jahren wesentlich niedriger, die THC-Menge pro Joint ist heute zehn- bis vierzigmal höher als damals. Außerdem sind natürlich Informationen schwer zu bekommen, da Konsumenten bei Befragungen keine wahrheitsgemäßen Angaben machen. Es gibt einige gesicherte körperliche Schäden; welche Organe sind davon betroffen? Als erstes wird die Lunge geschädigt; der Haschisch-Rauch ist (ähnlich wie der Tabak-Rauch) ein Gemisch aus zahlreichen Substanzen, von denen viele krebserregend sind. Durch die Art des Konsums (der Rauch wird besonders tief inhaliert und möglichst lange in der Lunge gehalten, um die Wirkung so weit wie möglich auszunutzen) ist der Kontakt mit dem

2 Lungengewebe sehr intensiv. Der Rauch reizt die Lunge und die Bronchien fünfzehn Mal mehr als Tabakrauch und ist fünf bis zehn Mal gefährdender für Lungenkrebs. Auch die sonstigen Lungenschäden durch den Cannabisrauch sind besonders ausgeprägt; oft habe ich bei langjährigen Cannabiskonsumenten schwere Verläufe von chronischer Bronchitis und Lungenemphysem (Überblähung der Lunge) gesehen. Weiter wird das Herz angegriffen. Haschisch-Rauch kann eine Herzkranzgefäßverengung verstärken und so zum Herzinfarkt führen. Es kommt zu Sehstörungen, einer Rötung der Augen, einer Senkung der Körpertemperatur, einem Brennen im Hals, zu Zittern und oft zu gesteigertem Hunger und Durst. Die weiteren Schäden entstehen durch eine unheimliche Eigenschaft des Cannabis und seiner Abbauprodukte: Sie lagern sich für lange Zeit in allen fettreichen Geweben des Körpers ein und werden nur ganz langsam wieder ausgeschieden. Auch ein Mensch mit einem schweren Alkoholrausch ist nach ein oder zwei Tagen wieder frei von Alkohol bei dauerhaft Haschisch rauchenden Menschen kann die Droge manchmal noch nach einem halben Jahr nachgewiesen werden! Diese fettreichen Organe sind (neben dem eigentlichen Fettgewebe) besonders das Gehirn, die Geschlechtsorgane (Hoden, Eierstöcke), die Leber und die Milz. Eine Schädigung der Spermien durch Cannabis, eine Neigung zu Früh- und Fehlgeburten und zu Schädigungen des ungeborenen Kindes sind nachgewiesen. Weiter wird das Immunsystem geschädigt. Die gravierendste Wirkung hat Cannabis aber am Gehirn. Wie bei vielen Drogen sind dabei die gewünschten Effekte und die angerichteten Schäden eng miteinander verknüpft. Ich möchte die Wirkung von Cannabis aufs Gehirn etwas näher beschreiben. Cannabis-Konsumenten führen oft an, sie seien im Rausch immer noch klar und völlig steuerungsfähig (sogenannter klarer Rausch ). Ähnlich wie beim Alkohol gehen hier die subjektive Beurteilung und die objektive Einschränkung weit auseinander. Zwar werden Bewusstsein und Orientierung unter Cannabis nicht eingeschränkt wie unter höheren Alkoholdosen d.h. man schläft nicht ein oder wird bewusstlos, man weiß noch, wer und wo man ist; aber niemand, der einen bekifften Menschen gesehen und mit ihm gesprochen hat, würde von Klarheit sprechen. So sind denn auch die Fähigkeit, auf neue Situationen zu reagieren, die zeitliche und räumliche Orientierung, die Sehfähigkeit, das Denken, die Bewegungen und der Kreislauf gestört; z.b. kann man im Cannabisrausch nicht mehr Auto fahren (leider tun manche es trotzdem). Ein Joint entspricht etwa 0,3 0,6 Promille Alkohol. Übrigens ist die Kombination mit Alkohol besonders gefährlich. Im Cannabis-Rausch folgt auf anfängliche Unruhe Hochstimmung, z.t. mit Halluzinationen; dann gerät man in eine meditativ-apathische Stimmung, eine Art Traum, in dem sich die Gedanken zusammenhanglos aneinander reihen. Ein Patient berichtete, er habe in diesem Zustand den ganzen Abend mit wachsender Begeisterung seine Schuhsohle betrachten können und sei dabei zu tiefen Einsichten gelangt, an die er sich allerdings am nächsten Morgen nicht mehr erinnern konnte.

3 Subjektiv bleibt aber das Gefühl, die abnormen Wahrnehmungen unter Kontrolle halten zu können. Z.B. werden die Halluzinationen noch als unecht, nicht als real erlebt. Was als meditativ erlebt wird, ist ein Verlust des Zeitgefühls die Zeit scheint langsamer zu laufen, es entsteht ein Gefühl des Schwebens oder Gleitens, es kommt zu einer wohligen Wurstigkeit gegenüber der Umwelt, zum Nachlassen der Spontaneität bis zur Lethargie. Der Berauschte zieht sich auf sich selbst zurück und gibt sich seinen veränderten Wahrnehmungen hin. Scheinbar (nicht messbar) sind die Sinneseindrücke wie Hören und Sehen intensiver, mehr verknüpft. Gedanken werden sichtbar, man fühlt sich selig mit der Umwelt verbunden. Die Grenze zwischen der eigenen Person und der Umgebung verschwimmt. Gesichtsausdruck und Bewegungen verändern sich. Der Denkablauf ist gestört. Während der Mensch im Cannabis-Rausch sein Denken als besonders genau und originell empfindet, ist es für einen Beobachter oft nur noch albern. Ein Patient auf dem Ringgenhof erzählte, wie er zur Therapie gekommen sei: Jahrelang hätte er mit drei Freunden unter Cannabis die tiefschürfendsten und wertvollsten nächtlichen Gespräche geführt bis sie eines Tages beschlossen, ein Tonband mitlaufen zu lassen, um auch den Rest der Menschheit von ihren Einsichten profitieren zu lassen. Nach dem Abhören des Bandes hatte der Patient dann umgehend die Beratungsstelle aufgesucht... Das Denken zerfällt in seine Einzelteile, die nicht mehr zu einem sinnvollen Ganzen zusammen gefügt werden können. Lernfähigkeit und Kurzzeitgedächtnis sind verringert. Informationen können weniger gut vom Kurzzeit- ins Langzeitgedächtnis übertragen werden. Umgekehrt kann schwerer das Wichtige aus einer Gesamtmenge von Informationen herausgefiltert werden. Nebensächliches bekommt übermäßige Bedeutung. Die Cannabiskonsumenten sprechen von einer bewusstseinserweiternden Wirkung ihrer Lieblingsdroge. Tatsächlich kommt es im Cannabisrausch zu einer Bewusstseinsveränderung, zu einer Umwertung. Die Dinge des täglichen Lebens werden weniger wichtig, der Konsument bekommt Abstand zu Sorgen und Anforderungen, versetzt sich in eine gleichgültig-euphorische Grundstimmung, meist im Kontakt mit einer Gruppe anderer Konsumenten. Eine Patientin erzählte: Wenn ich von der Arbeit nach Hause kam, konnte ich es kaum erwarten, mich in meinem Zimmer einzuschließen, meine Bong anzuzünden und mich in eine andere Welt zu beamen. Kann das ein alternativer Lebensentwurf in unserer Gesellschaft sein nach dem Motto: Kiffer sind die besseren Menschen? Tatsächlich leiden viele von uns an den Leistungsanforderungen der Gesellschaft, der Alltag scheint grau und sinnlos, traditionelle Gruppen und Kontakte steif und leblos, das Lebensgefühl trist und unerfreulich. Familien bröckeln, Partnerschaften wollen nur schwer gelingen, Kinder machen Probleme, Arbeitslosigkeit drückt. Sich in eine andere Welt beamen warum nicht? Für mich sprechen mehrere Gründe dagegen. Selbst wenn wir die körperlichen Schäden etwa an der Lunge und an den Geschlechtsorganen in Kauf nehmen wollen Cannabis verhält sich wie alle Suchtmittel: Es verspricht viel und hält das Versprochene nicht, ja nimmt genau das weg, was es angeboten hatte!

4 In der Tat gibt es eine Bewusstseinsveränderung durch Cannabis. Sie ist auf längere Sicht aber nicht gekennzeichnet durch die Reifung zum besseren Menschen oder Flower-power- Hippie, sondern durch Abhängigkeit, das amotivationale Syndrom und durch den Ausbruch vorher verborgener Krankheiten in unserer Seele. Ein Grundpfeiler der Cannabis-Ideologie ist die Behauptung, Cannabis mache nicht abhängig. Tatsächlich ist die körperliche Abhängigkeit gering wie übrigens auch bei Kokain; viel weniger ausgeprägt als etwa bei Alkohol oder Heroin. Wohl besteht aber eine psychische Abhängigkeit der Konsument benötigt höhere Dosierungen, ohne dabei auf die Dauer die Wirkung zu erreichen; Unruhe, Angst und Missstimmung treten auf, die ja gerade beseitigt werden sollten. Ohne Cannabis sein heißt es in der tristen Realitätswelt aushalten müssen, obwohl doch die glanzvolle andere Welt um die Ecke zu liegen scheint. Die Stärke der psychischen Abhängigkeit sei geringer als die von Heroin, etwa in der Stärke der Abhängigkeit von Alkohol. Ich finde, das reicht, oder? Ähnlich wie beim Alkohol wird nicht jeder Konsument abhängig. Es gibt viele, die Alkohol konsumieren, ohne schädliche Folgen zu entwickeln oder abhängig zu sein; ähnlich scheint es bei Cannabis zu sein. Allerdings wird m.a.n. der Anteil dieser Gelegenheits- und Wochenendkiffer überschätzt, die Häufigkeit der Abhängigkeit noch unterschätzt. Ich fürchte, wir werden unsere Schätzungen über das Abhängigkeitspotential von Cannabis nach oben korrigieren müssen... Das amotivationale Syndrom wird gekennzeichnet durch Teilnahmslosigkeit, Aktivitätsverlust, Apathie und Rückzug. Wahrscheinlich handelt es sich nicht um eine Erscheinung allein unter Cannabis es kann auch bei Einnahme anderer Drogen oder bei seelischen Krankheiten auftreten. Klar ist aber, dass es bei Einnahme von Cannabis häufig ist. Es ist noch nicht sicher, wie weit es auf Veränderungen an der Hardware des Gehirns, an den Zellen und Verschaltungen zurück geht und wie weit es durch Veränderungen der Software bedingt ist, also an unseren Gedanken und Gefühlen, unseren seelischen Strukturen. Tatsächlich wird ja auch die Grenze zwischen Hardware und Software immer weniger scharf, je mehr wir über das Gehirn wissen. Deutlich ist, dass bei Cannabiskonsumenten bestimmte Fähigkeiten nachlassen und bestimmte wie Zeitbomben in unser Gehirn eingebaute Krankheiten leichter aktiviert werden. Die unter Cannabis eingeschränkten Fähigkeiten betreffen besonders mathematisches Denken, Gedächtnis und Gefühle. Das gilt nicht nur im akuten Cannabisrausch, sondern v.a. beim Dauerkonsum. Typischerweise lassen kiffende Schüler zuerst in den (sowieso spröden) mathematischen Fächern nach. Ausdauer und Konzentration verschlechtern sich. Schlimm ist, dass die größte Empfindlichkeit für Cannabis zur Zeit der Pubertät besteht, wenn sowieso die Seele und das Gehirn im Umbruch sind, neue Verbindungen aufgebaut und neue Einstellungen gefunden werden müssen. In der Pubertät startet das Gehirn einen Neuanfang, löst bestehende Strukturen auf und baut sich neue. Cannabis bietet sich hier als Helfer bei der Umwertung aller Werte an; so ist es eine typische Pubertätsdroge. Gerade in dieser Zeit des Lernens wirken sich Gedächtnisstörungen besonders fatal aus. Leider sind die Veränderungen nicht rasch vorüber gehender Art, sondern können lange anhalten und prägen. Subjektiv berichten die Cannabiskonsumenten dann, Leistung und Arbeit seien für sie weniger wichtig geworden, dafür legten sie mehr Wert auf soziale Beziehungen, Kumpels und Gruppe. Leider sind gerade diese Beziehungen oft äußerst enttäuschend oberflächlich

5 freundlich und unkompliziert, aber dann geprägt von einem erschreckenden Mangel an Zuverlässigkeit und Tiefe, oft auch von Rücksichtslosigkeit und Gleichgültigkeit. Diese Veränderungen sind durchaus einsichtig wenn ich mich nur weg beamen will oder stundenlang auf meinen Schuh starre, morgens nicht mehr weiß, was ich in der Nacht gemacht habe wozu brauche ich dann andere Menschen? Sie werden zum Hintergrundgeräusch, zu Randfiguren, auch wenn viele Konsumenten immer wieder um Beziehungen kämpfen. Zur Beziehung zwischen Cannabis und seelischen Krankheiten: Heute nimmt man an, dass wir alle in uns die Möglichkeit zu verschiedenen seelischen Krankheit tragen wie gut vergrabene und abgeschirmte Zeitbomben. Beispiele sind Psychosen mit Wahnbildung und Halluzinationen, Depressionen oder die Sucht. Teilweise entstehen diese Zeitbomben durch Erbanlagen, teilweise durch die Art, wie wir aufgewachsen sind, durch unsere frühen Beziehungen und ihre Verarbeitung. Jede und jeder hat seine eigene innere Landkarte der vergrabenen Sprengsätze; beim einen liegen sie tiefer, beim anderen gefährlich nahe an der Oberfläche. Unter diesen psychischen Mustern können wir auch leiden, wenn noch keine Krankheiten zum Ausbruch gekommen sind etwa durch eine Neigung zu niedergedrückter Stimmung oder zu Chaos in Beziehungen. Wir brauchen Mittel und Wege, diese Landkarte kennen zu lernen, um gefährliche Untiefen meiden zu können, und uns auf ihr zu bewegen. Immer wieder kommen wir im Leben einer dieser Bomben nahe; manchmal gehen sie auch hoch und wir müssen uns mit den entstandenen Zerstörungen auseinander setzen. Cannabiskonsum ist offenbar ein Aktivierungsprogramm für innere Bomben. Das gilt besonders für Psychosen aus dem Umkreis der Schizophrenie, also mit Halluzinationen, Denkstörungen und Wahnbildung; die Symptome des Cannabisrausches ähneln denen der Schizophrenie. In einem Tierversuch mit Ratten waren nach einmaliger Gabe eines Cannabinoids die Aufmerksamkeitsleistung, das Kurzzeitgedächtnis und die Motivation von pubertären Ratten noch 85 Tage lang gestört, die Störung konnte durch das Antipsychotikum Haloperidol aufgehoben werden. Erwachsene Ratten waren weit weniger empfindlich. Aber auch Depressionen sind unter Cannabis gehäuft. Das Cannabis erzeugt also die psychischen Störungen nicht aus dem Nichts, aber es verstärkt bestehende Gefahren und verschlimmert Krankheitsdispositionen. Umgekehrt sind gerade Jugendliche, die seelisch leiden und wenig Unterstützung haben, besonders anfällig für den Konsum von Drogen. Die Häufigkeit seelischer Krankheiten ist abhängig von der Häufigkeit und Dauer des Konsums. Außerdem ist Cannabis eine Einstiegsdroge, auch wenn das oft bestritten wird. Nicht in dem Sinne, das jeder Kiffer eines Tages Heroin oder Kokain spritzt; auch nicht so, dass der Weg zu anderen Drogen nur über das Cannabis führt. Einstiegsdroge Nr. 1, an der kaum ein Konsument von Drogen vorbei kommt, ist bei uns nach wie vor das Nikotin; auch Alkohol erhöht das Risiko, später andere Drogen zu konsumieren. Aber eindeutig ist: Wer Cannabis konsumiert, hat ein höheres Risiko, von anderen Drogen abhängig zu werden. Eine Studie ergab für Cannabiskonsumenten ein 85fach höheres Risiko, später Heroin oder Kokain zu nehmen. Von den holländischen Cannabiskonsumenten haben später 4% Heroin genommen ein deutlich höheres Risiko als bei Menschen ohne Erfahrung mit Cannabis. Und Ratten, die im Mutterleib an Cannabis gewöhnt wurden, nahmen später deutlich mehr Morphin zu sich als Tiere ohne Erfahrung mit Cannabis. Das weist auf im einzelnen noch nicht bekannte Verbindungen zwischen Cannabis und Opiaten (wie Heroin) hin.

6 Noch einige Sätze zu Cannabis als Medikament. Immer wieder wird argumentiert, Cannabis könne bei bestimmten Krankheiten wie Krebs, Asthma oder Multipler Sklerose ärztlich eingesetzt werden. Es lindere chronische Schmerzen. Tatsächlich sind bei all diesen Krankheiten bessere medikamentöse Alternativen bekannt. Die Wirkung von Cannabis ist bei keiner von ihnen eindeutig nachgewiesen, obwohl es Hinweise gibt. Gegen einen Einsatz von Cannabis bei nicht Suchtkranken wäre prinzipiell nichts einzuwenden, wenn die Wirkung eindeutig besser wäre als bei anderen Medikamenten; bisher ist das aber keineswegs der Fall. Außerdem werde ich das Gefühl nicht ganz los, dass hier einerseits einige Leute auf Rezept kiffen wollen und v.a. dass Kranke dazu benutzt werden sollen, die Nützlichkeit des Cannabis zu belegen und dadurch den eigenen Konsum zu rechtfertigen. Auch Alkohol wurde früher als Medikament eingesetzt... Immer wieder wird argumentiert, Cannabis sie harmloser als die legalen Drogen Alkohol und Nikotin; daher müsse es ebenfalls legalisiert werden. Umgekehrt wird ein Schuh daraus: Statt weitere v.a. junge Menschen der Gefahr durch ein zusätzliches legales Suchtmittel auszusetzen, sollten wir endlich unseren Umgang mit Alkohol und Nikotin kritisch überdenken, Zigarettenautomaten und Werbung verbieten, alkoholhaltige Mixgetränke wirklich abschaffen, Alkoholverbote tatsächlich durchsetzen, Schulen rauchfrei machen. Schon lange ist nachgewiesen, dass sich Alkohol- und Nikotinkonsum über den Preis regeln lassen warum tun wir es nicht endlich? Dafür lohnt es sich zu kämpfen, nicht für die Legalisierung von Cannabis. Dr. Klaus Lehmann Ärztl. Leiter des Fachkrankenhauses Höchsten u. Tagesrehabilitation Bodensee in Friedrichshafen Weitere Informationen erhalten Sie auf unserer Homepage: -> Suchtkrankenhilfe. Kontaktdaten: Zieglersche Anstalten Suchtkrankenhilfe ggmbh Fachkrankenhäuser Ringgenhof und Höchsten Riedhauser Str Wilhelmsdorf Tel allgemein: Dr. Klaus Lehmann:

7 Weitere Informationen zum Thema Cannabis erhalten Sie: BZgA Bundeszentrale für Gesundheitliche Aufklärung Ostmerheimer Str Köln Tel Informationen zum Thema Cannabis finden Sie von der BZgA als download im internet: Faltblatt Die Sucht und ihre Stoffe Cannabis unter: Broschüre Cannabis: Haschisch und Marihuana eine Informationsbroschüre unter: Internetportal für Jugendliche von der BZgA: drugcom.de ist ein Projekt der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA). Das Internetportal informiert über legale und illegale Drogen und bietet Interessierten und Ratsuchenden die Möglichkeit, sich auszutauschen oder auf unkomplizierte Weise professionelle Beratung in Anspruch zu nehmen. Ziel des Angebots ist es, die Kommunikation über Drogen und Sucht anzuregen und eine selbstkritische Auseinandersetzung mit dem eigenen Konsumverhalten zu fördern (Quelle drugcom). Weitere Informationen zum Thema Cannabis vom Bundesministerium für Gesundheit und Soziale Sicherung im Internet finden Sie als download im internet unter:

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