Hessisches Kultusministerium. Projekt Schnecke Bildung braucht Gesundheit

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1 Hessisches Kultusministerium Projekt Schnecke Bildung braucht Gesundheit

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3 Projekt Schnecke Bildung braucht Gesundheit Informationen zum Projekt Das bundesweit, bisher einmalige, interdisziplinär arbeitende Projekt Schnecke Bildung braucht Gesundheit, startete im Februar 2007 im Schulamtsbezirk des Staatlichen Schulamtes für den Lahn-Dill-Kreis und den Landkreis Limburg-Weilburg. Das Projekt Schnecke (Schnecke nach dem gleichnamigen Teil des Innenohres) befasst sich mit drei Wahrnehmungssystemen, die in engem Zusammenhang stehen und für das Lernen und Leisten des Menschen große Bedeutung haben. Hören und Lärmprävention Sehen Gleichgewicht Es ist aus der Notwendigkeit entstanden, Wahrnehmungsauffälligkeiten und Wahrnehmungsschwierigkeiten entgegen zu treten, Gesundheit zu erhalten und Lernen zu fördern. Gesundheit und schulische Leistungen sind grundlegend für die spätere berufliche und soziale Situation eines Menschen. Je früher Gleichgewichtsschwierigkeiten, Seh- und Hörschwächen erkannt werden, desto besser sind die Möglichkeiten pädagogisch und medizinisch Angebote zu nutzen. Schon einfache Seh-, Hör- und Gleichgewichtstests können Aufschluss über evtl. Behandlungsbedarf geben. Sie geben weiterhin Aufschluss über präventive und begleitende pädagogische Maßnahmen. Ziel des Projekts Schnecke Bildung braucht Gesundheit ist es, Hörschäden vorzubeugen, Seh- und Gleichgewichtsschwierigkeiten präventiv zu begegnen, vorschulischen, schulischen und außerschulischen Lärm zu senken. Das Projekt setzt sich für die Grundlagen der Gesundheit ein, um optimales Lernen und Leisten für Lehrende und Lernende aller Schulformen und Altersklassen zu ermöglichen. Ein Team aus Pädagogen, Fachärzten, Hörgeräteakustikern, Hochschulprofessoren, Mitgliedern des Schul- und Baudezernats sowie Bediensteten des Hessischen Landesamtes für Umwelt und Geologie erarbeiteten das Grundlagenkonzept. Das Projektteam wurde durch Mediziner und Fachkräfte aus dem Bereich Augenheilkunde und Optik bereichert. Absprachen und Zusammenarbeit mit Kinder- und Jugendärzten sowie mit Ärzten des Gesundheitsamtes waren selbstverständlich, interessierte Mitwirkende sind jederzeit willkommen. Die Durchführung einer so umfangreichen Studie ist nicht ohne jede Menge freiwilliger Helfer zu bewerkstelligen, die sich 2007 aus den vor Ort ansässigen Augenoptikern und Hörakustikern, Motopädagogen und Ergotherapeuten und den Studenten der Hochschule Aalen (HTW- Aalen), Studiengang Augenoptik und Hörakustik zusammensetzte. 1

4 Unterstützung erhält das Projekt durch das Hessische Kultusministerium, Arbeitsgebiet Schule & Gesundheit und durch das Hessische Ministerium für Umwelt, ländlichen Raum und Verbraucherschutz. Projektziele: Bildungschancen wahren Schäden erkennen und vermeiden Gestaltung einer sinnfreundlichen Lernumgebung Gesundheitsschutz für Schülerinnen und Schüler, Lehrerinnen und Lehrer und des gesamten schulischen Personals Vorbereitung und Unterstützung der Lern- und Leistungsfähigkeit Erkennen und Vermeiden von Wahrnehmungsauffälligkeiten und daraus resultierenden Verhaltensauffälligkeiten Aufklärung über die Wirkungen von Lärm und damit verbundenen dauerhaften Schädigungen der Hörleistung, wie Lärmschwerhörigkeit und Tinnitus aurium Einbindung aller schulischen und außerschulischen Personen und Institutionen zur dauerhaften Lärmreduktion Projekt-Gesamtplan Schulträger Kinder-, Jugendärzte HNO-Ärzte Augenärzte landesweite Prävention Installierung Maßnahmen 8. Übertragung Projekt 1. Kooperation Hochschule Gesundheitsamt Optiker, Akustiker Schulen, Schulamt HMULV, HLUG Öffentlichkeit Lehrerinnen, Lehrer Schülerinnen, Schüler Erzieher, Therapeuten, 7. Pädagog. Fortbildung Schnecke 2. Info Schulen 3. Info Eltern Meldungen Auswahl Materialvergabe Elternabende Öffentlichkeit 4. Fortbildung FoBi Lärm-Scouts FoBi Motopädagogen Bewertung medizinisch Bewertung pädagogisch Rückmeldung Prävention 6. Evaluation Nachhall-Messung Lärm-Messungen 5. Analyse Screening Hören Sehen Gleichgewicht 2

5 Reduktion der mittel- und langfristigen Kosten der Entschädigung, Diagnostik und Therapie von Lärmschwerhörigkeiten, Tinnitus und Hyperakusis und von Wahrnehmungsstörungen aus dem Bereich des Sehens und des Gleichgewichts Durchführung: 1. schriftlichen Befragungen zu Hör- und Sehgewohnheiten Testungen/Screenings April bis Juli 2007: erster Durchgang des freiwilligen Screenings in zehn hessischen Schulen (zusätzlich eine Schule zur Pre-Testung) Teilnehmer waren: Grundschulen, Grundschule mit Eingangsstufe, Grundschule mit Vorklasse, Hauptschule, Realschule, Gymnasium, Integrierte Gesamtschule und Förderschule für Lernhilfe und Körperbehinderte Personen nahmen insgesamt teil, davon: 3338 Schülerinnen und Schüler (sechs bis neunzehn Jahre) 144 Lehrerinnen und Lehrer, Hausmeister, Sekretärinnen, Busfahrer, Reinigungskräfte April bis Oktober 2008: zweiter Durchgang mit weiteren zehn hessischen Schulen. Teilnehmer sind: Grundschulen in Kooperation mit ihren Kindergärten (Bildungsplan 0 10), Grundschule mit Vorklasse, Gesamtschulen, Berufs- und Berufsfachschulen 2. Screening Hören Otoskopischer Befund (Blick in den Gehörgang und auf das Trommelfell) Hörscreening bei 15 db HL bei 500 Hz, 1 khz, 2 khz, 4 khz und 6 khz sowie eine erweiterte Audiometrie bei Hörverlusten von 20 db HL oder mehr 3. Sceening Sehen Visus (übliche Angabe der Sehschärfe) Stereopsis (Dreidimensionales Sehen) Refraktionswerte der Schülerbrillen (Stärke der Brillengläser) 4. Screening Gleichgewicht Romberg-Test Einbeinstand-Test Balancier-Test rückwärts (vorwärts) 5. Nachhallmessungen und Schallpegelmessungen Zusätzliche Nachhall- und Lärmpegelmessungen (Messung der Schallpegel innerhalb der Klassenräume bei Ruhe und bei laufendem Unterricht) fanden in allen Schulräumen statt. 3

6 Fachliche Begründung der Maßnahmen Hören: Der Mensch hört immer, auch im Schlaf. Das Auge kann sich verschließen, das Ohr ruht nie. Es arbeitet durchgehend, ansonsten würde man morgens den Wecker nicht hören. Menschliche Ohren reagieren auf jedes Signal. Ohren sammeln Informationen und ermöglichen so das Verstehen, Erlernen und Austauschen von Sprache. Über das Hören gelingt dem Menschen das Erschließen und Beurteilen gefühlsmäßiger Sprachinhalte. Warnsignale und Untertöne werden wahrgenommen. Die Orientierung im Raum ist auch vom Hören abhängig. Das Hören ist eine wichtige Voraussetzung für sprachliche Kommunikation. Die Sprachentwicklung wird maßgeblich von gutem Hören beeinflusst. Gehörte Sprache regt Sprache an, die Kontrolle der eigenen Sprache erfolgt über das Ohr. Auch das Gelingen des Lese-Rechtschreibprozesses steht in engem Zusammenhang damit. Gutes Hören steigert altersunabhängig die Lebensqualität und den Kontakt zu Menschen. In der heutigen Zeit ist das Gehör einer durchgehenden Beschallung ausgesetzt. Trotzdem wird gutes Hören als Selbstverständlichkeit angesehen. In der Schule wird das auditive Sinnessystem stark angesprochen und gefordert Häufiges, langzeitiges und genaues Zuhören ist im Schulalltag notwendig. 4

7 Kinder und Jugendliche, die Gehörtes erschwert verarbeiten, ermüden nach wenigen Schulstunden. Aufmerksamkeit und Konzentration werden beim Hören nicht nur durch kognitive Inhalte gefordert, auch die emotionale Bewertung von Informationen wird mit Hilfe der auditiven Wahrnehmungsverarbeitung gesteuert. Wenn das Erschließen der emotionalen Anteile von Sprache schwer gelingt, schaltet der Mensch schneller ab und reagiert oft unangebracht. Hörschäden und Hyperakusis (hohe Sensibilität im auditiven Sinnessystem) können sich problematisch auf die schulische und berufliche Entwicklung des Kindes auswirken. Sprache, Kommunikation, Lese-Rechtschreibfähigkeit, schulisches Lernen und Verhaltensauffälligkeiten sind davon betroffen. Lärm Lärm ist unerwünschter Schall. Bei der Wirkung des Lärms wird lästiger Lärm von hörschädigendem Lärm unterschieden. Lästiger Lärm beeinträchtigt das Wohlbefinden, die Konzentration und die Wahrnehmung von gewünschten Signalen. Lästiger Lärm muss nicht besonders laut sein, um als sehr lästig empfunden zu werden (z. B. eine Mücke im Schlafzimmer). Sehr lauter Schall kann das empfindliche Hörorgan schädigen. Bei Schallimpulsen mit hohen Schallpegeln kann eine tausendstel Sekunde ausreichen, um das Ohr zu schädigen. Beispiele sind z. B. Silvesterböller und Spielzeugpistolen. Auch eine länger dauernde Beschallung mit hohen Schallpegeln kann zu einem Hörverlust führen. Lärmschäden sind irreparabel und damit unwiderruflich, da die geschädigten Hörzellen im Innenohr nicht nachwachsen können! Die rund Hörzellen pro Ohr stellen eine einmalige Grundausstattung für das gesamte Leben dar. Jede zerstörte Hörzelle hinterlässt eine lebenslange Lücke. Lärmbelastungen haben in den letzten Jahren deutlich zugenommen. Die Minimierung von Lärmbelastungen des täglichen Lebens ist daher dringend notwendig. Aufklärung und Prävention von Lärmbelastungen und deren Schäden gehören zu den vordringlichen Zielen der gesundheitsbewussten Pädagogik. Bereits junge Kinder müssen ausreichend und optimal informiert sein, welche Schäden Lärm erzeugen kann und wie man selbst Lärmschäden vorgebeugt kann. Lärm kann das Wohlbefinden und die geistige Leistungsfähigkeit beeinträchtigen. Lärm scheint sich negativ auf die Entwicklung der Sprachkompetenz auszuwirken und die Ausbildung von Teilleistungsstörungen zu begünstigen. In wissenschaftlichen Studien konnten Zusammenhänge zwischen Lärm, Aufmerksamkeit und Motivation aufgezeigt werden. Konzentration, Aufmerksamkeit und Zuhören sind unverzichtbare Grundlagen für die Bewältigung des Schulalltags. Eine langfristige und nachhaltige Lärmreduktion kann nur erreicht werden, wenn darüber Informationen erfolgen und damit Einsicht gewonnen werden kann. Gesundheit muss ein Ziel und grundlegender Bestandteil der Schulbildung werden. Gesundheitsthemen und somit auch Erkrankungen die irreparabel sind, wie z. B. Lärmschwerhörigkeit, gehören langfristig in die Lehrerausbildung und Lehrerfortbildung. Hörprobleme sind bei Schülern wie Lehrern keine Seltenheit. Die Zahl der in Schule Die Zahl der in Schule beschäftigten Erwachsenen mit Diagnose Hörsturz und/oder Tinnitus steigt. Ständige Lärmeinwirkung in Schul- und Aufenthaltsräumen, Radio-, TV-Einwirkung, Fluglärm, ein hoher Lärmpegel in Discos, Straßen- oder Schienenverkehrslärm verursachen in einer hektischen Gesellschaft immer mehr Erkrankungen in Bereichen, die mit auditiver Verarbeitung in Verbindung stehen. 5

8 Sehen: Gleichgewicht: Der Gleichgewichtssinn (Vestibularsystem) erfasst die Richtung von Schwerkraft und Bewegung. Er ermöglicht dem Menschen beim Stehen und Bewegen im Gleichgewicht zu bleiben, ohne umzufallen. Er erlaubt, Handlungen fließend auszuführen. Das Sehen ist für den Menschen ein äußerst wichtiges Sinnessystem, es ermöglicht, wichtige Aspekte der Umwelt wahrzunehmen. Der Mensch benötigt für den Sehprozess seine Augen. Die Signalverarbeitung beginnt schon in spezialisierten Neuronen der Netzhaut und setzt sich weiter im Hirnstamm und der Sehrinde fort. Die Interpretation der optischen Eindrücke findet in verschiedenen Arealen des Großhirns statt. Zum Erkennen, Unterscheiden, zum Erfassen von Lage, zur Orientierung im Raum, zur Auge-Hand-Koordination benötigt der Mensch die Augen aber allein mit ihnen sieht er nicht. Das Gehirn verarbeitet die Bilder, die auf dem Augenhintergrund optisch abgebildet und in der Netzhaut in elektrische Signale umgesetzt werden zu einem ganzheitlichen Wahrnehmungseindruck. Kinder mit visuellen Wahrnehmungsschwierigkeiten können optische Reize nicht richtig zuordnen. Lernschwächen, unsichere Feinmotorik, fehlerhaftes Lesen, frühzeitige Ermüdung, Stress- und Konzentrationsschwierigkeiten, Kopfschmerz, Lichtempfindlichkeit sowie häufiges Reiben der Augen stehen in vielen Fällen mit mangelnder Sehleistung und unkorrigierter Sehschwäche in Verbindung. Sehfehler sollten so früh wie möglich erkannt und behandelt werden. Viele Kinder sehen schlecht, ohne dass Eltern und Lehrer es wissen. Da eine Sehschwäche nicht schmerzt und Kinder mit mangelndem Sehvermögen optimales Sehen nicht kennen, können sie ihre Schwierigkeit nicht benennen. Das Vestibularsystem, das beim Menschen weitgehend unbewusst arbeitet, spielt eine wichtige Rolle in der Entwicklung. Zu dem Gleichgewichtsgefühl des Menschen tragen auch die Reize des visuellen Systems und die Propriorezeptoren bei, die über die Stellung der Gelenke des Körpers informieren. Das Vestibularsystem veranlasst automatisch die Augenmuskeln zu angepassten ausgleichenden Augenbewegungen, damit das Gesichtsfeld konstant bleibt. Das vestibulare und das auditive System stehen in enger Verbindung, da sie beide praenatal (vorgeburtlich) aus den Labyrinthbläschen entstehen und gemeinsam im Innenohr liegen. Das Gleichgewichtssystem nimmt seine Arbeit sehr früh vorgeburtlich auf und bereitet sich für lebensnotwendige Aufgaben vor. Störungen im vestibularen Bereich werden in erster Linie durch Gleichgewichtsprobleme gekennzeichnet. Durch die Verbindung zwischen dem vestibularen-visuellen Bereich sowie dem vestibularen-auditiven Bereich kann es zu weitreichenden Folgen kommen. Visuelle Wahrnehmungsprobleme, wie verschwommenes ungenaues Sehen sind genauso möglich, wie Entwicklungsverzögerungen von Sprache durch Auswirkung des Vestibularsystems auf den auditiven Bereich. Unangemessene Haltungsreaktionen, häufiges Stolpern, Hinfallen und allgemeine Ungeschicklichkeit können mit schlecht abgestimmter Arbeit des vestibularen Systems zusammenhängen. Eine enge Verbindung zwischen Gleichgewicht und Verdauungstrakt ist zu erwähnen. Übelkeit oder mangelnde Darm- und Blasenkontrolle zeigen sich ebenfalls in Verbindung mit Schwierigkeiten in der vestibularen Wahrnehmungsverarbeitung. Vestibulare Wahrnehmungsauffälligkeiten zeigen sich u. a in verzögerter motorischer Entwicklung, emotionalen Problemen, Wahrnehmungs- und Konzentrationsschwie 6

9 rigkeiten, Lernschwierigkeiten, Sprachstörungen und Verhaltensauffälligkeiten. Lernen: Bildungsqualität und Gesundheitsqualität bedingen sich gegenseitig. Lernen, Leisten und Gesundheit stehen in einer engen Beziehung zueinander. Zum erfolgreichen Lernen ist ein Zusammenspiel aller Sinnesorgane erforderlich. Etwa 80 % aller Nervensignale sind visueller Art. Die Augen sehen, das Gehirn interpretiert. Seherfahrung beginnt bei der Geburt und entwickelt sich bis zum Seniorenalter weiter. Die volle Sehschärfe erreicht das Kind etwa mit sieben bis acht Jahren. In der Schule wird der Schüler vor visuelle Aufgaben gestellt: Er soll Lesen und Schreiben lernen. Sehprobleme eines Kindes können sich bei Anstrengungen durch Augenreiben, Stirnrunzeln, schnelle Ermüdung, Kopfschmerzen und Lern- und/oder Verhaltensauffälligkeiten bemerkbar machen. Kinder mit schlechter Sehschärfe entwickeln zudem ein stark kompensatorisches Verhalten. Oft klagen sie nicht über schlechtes Sehen, sondern versuchen Unterstützung durch veränderte Kopfoder Körperstellung zu erfahren. Manche Schülerinnen und Schüler lernen Texte auswendig, um sie leichter vorlesen zu können. Einzelne Buchstaben helfen ihnen beim Erraten eines Wortes. Die genannten Symptome sollten Eltern dazu veranlassen, den Augenarzt aufzusuchen und, wenn nötig, eine Brille zu tragen. 7

10 Beeinträchtigungen von Augenbewegungen können auch Einfluss auf die Auge-Hand-Koordination haben. Die Auge-Hand-Koordination ist für das Erlernen von Lesen, Schreiben und Rechnen unabdingbar notwendig. Schlechte Handschrift, nicht eingehaltene Linien/Rechenkästchen oder Schwierigkeiten beim Ausmalen können Hinweise auf mangelhaft ausgeprägte Auge-Hand-Koordination sein. Die Auge-Hand-Koordination ist zugleich auch eine wichtige Vorstufe für das Zählen, Ordnen und Zuordnen von Elementen. Das Kind zählt und ordnet, anfangs benutzt es Augen und Hand gemeinsam. Die Hörwahrnehmung wird als eine wichtige Voraussetzung für die sprachliche Kommunikation und das Denken angesehen. Die Entwicklung beginnt bereits vorgeburtlich und hält parallel zum Erlernen der kindlichen Sprache an. Durch Hörprobleme kann das Erlernen der Sprache ebenso betroffen sein wie der spätere Schriftspracherwerb. Ein Hörschaden kann sich ebenso wie eine Hypersensitivität (eine Überempfindlichkeit im Hören) problematisch auf die Entwicklung des Kindes auswirken. Ein hypersensitives Kind blendet mitunter Geräusche aus. Die Folge davon sind unvollständige und unrichtige Informationen. Unter geschützten Umständen fällt dies nicht auf, in Situationen mit schulischem Stress durch Lärm und Hektik aber wird es zum Problem. Dies kann ein Grund sein, warum Diktate beim Üben zu Hause so viel besser geschrieben werden als später in der schulischen Situation. Häufig wird die Bedeutung der Wahrnehmung ausschließlich in Bezug auf das Sehen und das Hören beachtet. Dabei stellt sich gerade das Gleichgewichtssystem (Vestibularsystem) als Basis der Sinnesverarbeitung dar. Es spielt eine grundlegend wichtige Rolle in der menschlichen Entwicklung, auch für das Lernen. Es steht in engster Verbindung mit Sehen und Hören und hat durch seine enge Vernetzung erheblichen Einfluss auf schulische Aufgaben. Schülerinnen und Schüler, Erwachsene der gesamten Schulgemeinde profitieren von frühen Warnsignalen ebenso wie von begleitenden Maßnahmen zur Gesundheitserhaltung und Gesundheitsförderung. Ein ausgeglichenes Gleichgewicht, gutes Hören und Sehen hängen unmittelbar mit Lebensfreude zusammen. Sie unterstützen lebenslang die Gesundheit, das Wohlbefinden, die Leistungskraft sowie ein gesundes Selbstbewusstsein und einen sicheren Umgang mit Menschen und Materialien Erkrankungskomplexe, die Lernen und Lehren beeinflussen In den letzten Jahren zeigt sich eine Zunahme von Hyperakusis und Tinnitus (aurium) in der Schule und bereits auch im Kindergarten. Diese Erkrankungskomplexe, wie auch deren Auswirkungen von Lernen und Lehren sind bisher gar nicht oder nur sehr unzureichend untersucht worden. Hyperakusis Hyperakusis bedeutet übersetzt Mehr - oder zu-viel - Hören. Eine Normalhörigkeit bezeichnet man als Normakusis und eine Schwerhörigkeit (= vermindertes Hören) als Hypakusis. Warum also kann eine Hyperakusis ein Problem des Betroffenen darstellen? Jeder Mensch hat eine so genannte Unbehaglichkeitsschwelle. Dies ist eine Hörkurve, die von den Untersuchten als gerade noch akzeptabel angegeben wird. Hyperakusis bedeutet, dass bereits laute Gespräche, tägliche Geräusche auf der Straße oder eine normale Unterrichtsstunde in der Schule als zu laut und sehr oft schmerzhaft empfunden werden. Die genaue Ursache dieser Hyperakusis ist bis heute nicht geklärt. Man vermutet eine zentrale Fehlsteuerung der Sinneswahrnehmung Hören, d. h. das Gehirn verarbeitet die Informationen, die es vom Ohr erhält, nicht so, wie es 8

11 eigentlich sein sollte. Daraus ergibt sich das veränderte Lautheitsgefühl. Dieser Umstand erklärt auch, dass gerade Patientinnen und Patienten mit Tinnitus aurium ( Ohrensausen ) oft an einer Hyperakusis leiden. Insgesamt bedeutet es aber für den Erkrankten eine erhebliche Einschränkung im täglichen Leben. Erwachsene habe im Beruf zum Teil erhebliche Probleme, wenn sie in einem lauten (lärmenden) Berufsfeld arbeiten. Damit kann eine Hyperakusis zu einer Berufsunfähigkeit führen und diese Fälle von Hyperakusiserkrankten, die berufsunfähig werden, nehmen an Häufigkeit zu. Wenn Kinder oder Jugendliche von einer Hyperakusis betroffen sind, ergeben sich daraus oft sehr schwerwiegende Probleme. Aufgrund des heutigen sehr lauten schulischen Umfeldes können die betroffenen Kinder und Jugendliche dem Unterricht schlecht oder gar nicht folgen, sie sind oft unkonzentriert und werden als verhaltensgestört eingestuft. Eltern können ebenfalls die Symptome nicht einordnen, wenn Kinder nicht mehr zur Schule gehen wollen weil es Ihnen dort zu laut ist. Nicht selten werden Kinder zur schulpsychologischen Untersuchung geschickt, weil sie unter dem Tisch sitzen und nicht dem Unterricht folgen wollen (können). Ein weiteres Problem der Hyperakusis ist die eingeschränkte Therapiemöglichkeit. Für Erwachsene oder ältere Jugendliche kann eine sogenannte Noiser-Applikation versucht werden. Dies entspricht etwa einer Versorgung mit Hörgeräten, wobei die Noiser keine Verstärkung der Umgebungsgeräusche bzw. -töne durchführen, sondern eine besondere Form von Rauschen in einer speziell eingemessenen Lautstärke abgeben. Dies entspricht einer sehr aufwendigen und komplizierten Versorgung durch den dafür besonders qualifizierten Hörgeräteakustiker. Für Kinder und jüngere Jugendliche sind bisher nur verhaltenstherapeutische Maßnahmen bekannt, die ebenfalls einer dafür besonders qualifizierten Gruppe von Therapeuten bedürfen. Tinnitus (aurium) Man versteht heute unter Tinnitus Geräusche, die in den Ohren oder im Kopf wahrgenommen werden, für die es offenbar keine externe Schallquelle gibt. Häufig kann das Geräusch nicht genau lokalisiert werden. Im Gegensatz zu diesen subjektiven Ohrgeräuschen gibt es sehr selten objektive Ohrgeräusche, die eine gefäßbedingte oder muskuläre Ursache im Mittelohr oder seiner Umgebung haben. Diese objektiven Ohrgeräusche sind von pulsierendem oder klickendem Charakter und können auch vom Untersucher selbst akustisch wahrgenommen werden. Abhängig vom individuellen seelischen Befinden wird der Tinnitus in größerem oder weniger großem Maß hingenommen, ähnlich dem Schmerz oder dem Juckreiz. Die Menschen unterscheiden sich sehr stark in ihren Reaktionen auf den Tinnitus. Er ist häufig ein ständiger Begleiter, mit dem einige Menschen zu leben lernen, während andere unter seiner quälenden Gegenwart leiden. Die Betroffenen hören manchmal oder dauernd in einem oder beiden Ohren, aber auch im ganzen Kopf, Geräusche in sehr unterschiedlichen Ausprägungen und Lautstärken, die lautmalerisch mit Sausen, Zischen, Klopfen, Dröhnen, Knarren, Knallen, Klingeln usw. beschrieben werden. Jeder Betroffene hat vermutlich seinen speziellen Tinnitus mit ganz individuellen Ursachen und Auswirkungen, die in Verbindung mit der jeweiligen Persönlichkeitsstruktur eine ganz spezifische Konstellation bilden. Häufig werden mit dem Tinnitus Schlaflosigkeit, Persönlichkeitsveränderungen, Funktionsstörungen oder in Extremfällen sogar Selbstmordgedanken verbunden. Für nicht wenige Menschen ist der Tinnitus ein peinigendes Phänomen, das oftmals die volle Aufmerksamkeit auf die Geräusche im Kopf oder in den Ohren lenkt. Die daraus resultierende nervöse Spannung und das verstärkte Bewusstsein verschlimmern den Tinnitus. 9

12 Gelingt eine muskuläre Entspannung, so kann mit gleichzeitig herabgesetztem Tinnitusbewusstsein der störende Charakter der Ohrgeräusche deutlich vermindert werden. Von vielen Menschen mit einem Tinnitus wird berichtet, dass Genuss von Alkohol und Nikotin zu einer Verstärkung ihrer Kopf- und Ohrgeräusche führen. Stress in jeder Form hat auf die Ohrgeräusche die gleiche verstärkende Wirkung. Tinnitus kann grundsätzlich bei jeder Ohrerkrankung und mit jeder Form einer Hörminderung auftreten. So beobachten wir z. B. Tinnitus bei festsitzenden Ohrschmalzpfröpfen, bei harmlosen Infektionen und Katarrhen im Bereich der Ohrtrompete, bei akuten und chronischen Mittelohrentzündungen, bei der Menière schen Erkrankung oder beim Hörsturz. Beim so genannten dekompensierten (nicht erträglichen) Tinnitus verbinden sich psychische Beeinträchtigungen mit dem Geräusch zu einem scheinbar unlösbaren Komplex (komplexer Tinnitus). Es können sich daraus Depressionen, Antriebsschwäche, Schlafprobleme, Ängste, soziale Isolation und vieles andere mehr entwickeln. Aus diesem Grund ist es aus therapeutischer Sicht wichtig, dass jeder Betroffene sich vertrauensvoll mit seinem Arzt oder Psychotherapeuten zusammenschließt, um ein individuelles Therapiekonzept aufzustellen. Ohrgeräusche entstehen nach einer Hypothese der Experten, wenn die außerordentlich feinen Sinneszellen im Innenohr aufgrund einer Schädigung oder aus einem sonstigen Grunde von sich aus aktiv werden, so als wenn in einem andächtig lauschenden Konzertsaal plötzlich ein Zuhörer scheinbar völlig unmotiviert aufsteht und zu schreien anfängt. Diese Aktivität teilt sich über den Hörnerv dem Gehirn mit, das nun die Aufgabe hat, im Sinnlosen einen Sinn zu erkennen. Für den modernen, auf Wechselwirkung und Rückkopplung mit der Umwelt eingerichteten Menschen muss das aus dem Nichts entstehende Geräusch unheimlich wirken. In der Antike war das anders: Da waren auch die Götter ein Teil der Realität. So nahm man an, Tinnitusbetroffene könnten die Stimmen der Götter hören und daraus auch weissagen. Dementsprechend war damals auch ihr Ansehen. Auch heute noch macht es einen Sinn, den Tinnitus als eine Botschaft, als wichtigen Mahner für das zukünftige Leben zu sehen, und sei es zunächst auch nur für das, was er rein medizinisch gesehen ist: als ein Krankheitssymptom. Die ersten Bemühungen um eine schnelle Behebung der Ohrgeräusche gehen von einer häufig vermuteten Ursache aus, nämlich von denkbaren Durchblutungsstörungen, sollten aber auch einer möglichen psychischen Komponente durch Ruhigstellung des Patienten Rechnung tragen. Es gibt Ursachen, die oft lange zurückliegen und trotzdem aktuelle Auslöser sind. Sie gilt es zu unterscheiden. Dabei muss den Erkenntnissen Rechnung getragen werden, dass bei Ohrgeräuschen eine oft jahrelange psychische Problematik zugrunde liegen kann, wie man sie auch bei sonstigen chronischen Krankheiten oft in einer Persönlichkeitsentwicklung erlebt, die einhergeht mit einer sozial positiv belegten Entwicklung zu einem hilfreichen, nützlichen und tüchtigen Menschen. Von ärztlicher Seite werden Durchblutungsstörungen als Hauptursache genannt und der Behandlung zugrunde gelegt. Als mögliche weitere Ursache gelten Hörsturz, die Menière sche Erkrankung, die Lärmschwerhörigkeit, aber auch die Altersschwerhörigkeit sowie weitere vererbbare Arten von Schwerhörigkeit. Häufige Ursache von Ohrgeräuschen ist eine Schädigung der feinen Haarzellen im Innenohr durch Lärm oder Knall (ca. 30 %). In diesem Zusammenhang ist eine gesundheitliche Aufklärung und Öffentlichkeitsarbeit ganz wichtig. Tinnitus ist oft ein psychosomatisches Geschehen. Manche Leute vermuten, Tinnitus sei wegen der engen Verbindung zwischen dem Hören und der Seele ein Aufschrei der Seele, andere sagen, er sei auf unbewältigten Stress zurückzuführen. Meist wird von organischen Ursachen ausgegangen. Möglicherweise spielen alle drei genannten Faktoren bei der Tinnitusentstehung eine Rolle und bei jedem Tinnitusbetroffenen in einer ganz persönlichen Zusammensetzung. Immer sind Psyche (Seele) und Soma (Körper) an diesem psychosomatischen Geschehen beteiligt. Neben den Schädelhirntraumen gibt es Tumore des Hörnerven, die Tinnitus auslösen können. Auch Vergiftungen mit Arzneimitteln wie Chinin, Acetylsalicylsäure etc. können Ohrgeräusche auslösen. Neben der chronischen Mittelohrentzündung sind aber auch ohrferne Erkrankungen in der Lage, Ohrgeräusche zu verursachen (Herz- 10

13 Kreislauferkrankungen, Stoffwechselkrankheiten, Diabetes mellitus, Nierenkrankheiten, Erkrankungen des zentralen Nervensystems sowie degenerative Veränderungen und funktionelle Blockierungen der Halswirbelsäule). Therapierbare Ursachen findet man auch im Zahn-Kieferbereich. Die Forschung nach der Ursache sollte frühzeitig beginnen und gehört in die Hände eines HNO-Arztes. In Zusammenarbeit mit dem Hausarzt oder Kinder/Jugendarzt bedarf es deshalb fallweise des Internisten, des Orthopäden, des Zahnarztes bzw. Kieferspezialisten, des Augenarztes, des Neurologen, evtl. auch des Nervenarztes oder Psychiaters. Es ist somit notwendig, dass zur effektiven Diagnose und Therapie eine schon während der Akutphase beginnende intensive interdisziplinäre Zusammenarbeit der verschiedenen Fachleute zu fordern ist. Das erste Jahr des Tinnitus sollte optimal genutzt werden. Tinnitus ist kein eigenständiges Krankheitsbild, sondern primär ein Symptom (Krankheitszeichen), kann sich aber im Laufe der Jahre verselbständigen. Von den Betroffenen wird oft gefragt, ob Ohrgeräusche gefährlich sind. Es gibt nur sehr wenige gefährliche Ursachen, die unbedingt vom Arzt auszuschließen sind, wie z.b. eine Geschwulst am Hörnerv (Akustikusneurinom). Aus diesem Grund sollte auf jeden Fall am Anfang eine exakte Diagnostik stehen, die die Grundlage für das weitere therapeutische Vorgehen bildet, dessen Schwerpunkt auch der Aufklärung des Patienten über die Natur seines Leidens dienen sollte. So lassen sich Ängste vor zerebralen Prozessen (Erkrankungen des Gehirns) oder einem Schlaganfall abbauen und die Voraussetzungen für eine wirksame Therapie schaffen. Ohrgeräusche sind also in der Regel weder von ihren Ursachen noch von ihren Auswirkungen her gefährlich. Tinnitus führt weder zur Taubheit noch besteht die Gefahr verrückt zu werden. Auch eine Verschlechterung der Ohrgeräusche ist nicht generell zu erwarten. Dem kann weitgehend durch Lärmvermeidung und entsprechende Lebensführung vorgebeugt werden. Lärmeinwirkungen durch Walkman, Diskothek, Rockkonzerte, nicht getragenen Gehörschutz am Arbeitsplatz, durch Schießen (Sportschütze, Jäger) oder durch Knalltraumen an Silvester und Fasching sollten zwingend vermieden werden. Prävention und unterstützende Maßnahmen im Projekt Schnecke Bildung braucht Gesundheit die individuellen Daten werden im Hessischen Wahrnehmungspass vermerkt die Weiterbildung von so genannten Lärmscouts wird angeboten Elternabende und Öffentlichkeitsveranstaltungen werden durchgeführt erste pädagogische Maßnahmen (Einsatz von Hörampeln, Hör-Koffern, Ausstattung der Klassenzimmer, Einsatz des Hörclowns) werden in Angriff genommen interdisziplinäre Schnecke Fachtagungen zum Themengebiet werden durchgeführt (Schülergesundheit Lehrergesundheit Pädagogische Maßnahmen im Unterricht Einsatz von Hörampeln Hörampeldienst Die Hörampel steht oder hängt gut sichtbar in der Klasse. Um das Ein- und Ausschalten der Hörampel in die Hände der Schüler zu geben, wurde ein Hörampeldienst eingeführt, der wöchentlich wechselt. Hat der Dienst den Eindruck in der Klasse sei es zu laut, so schaltet dieser stillschweigend die Ampel ein. Die Schüler weisen sich dann selbst gegenseitig darauf hin, dass die Ampel leuchtet und versuchen im grünen Lichtampelbereich zu bleiben. 11

14 Hörkoffer Hörclown Der Hörclown schafft es, Schüler in seinen Bann zu ziehen. Auf altersgerechte Weise gibt er Erklärungen zu den Sinnes organen und ihrer Funktion beim Lernen ab. Konzentriert hören die Schüler zu und bringen ihre eigenen Erfahrungen über Hören Sehen und Gleichgewicht aktiv mit ein. Lernspiele zum Sehen und Hören Das Ein-Minuten-Spiel Material: Große Wanduhr mit Sekundenzeiger oder eine Sanduhr mit 1 bis 2 Minuten Auftrag: Wie lange ist für dich eine Minute? Was kannst du in dieser Zeit alles hören? Spiel zum Richtungshören Die Schüler stehen im Kreis. Ein Schüler steht in der Mitte und hat die Augen verbunden. Die Lehrkraft steht hinter dem Schülerin und zeigt auf einzelne Schüler im Kreis. Diese erzeugen ein vorher vereinbartes Geräusch. Der ratende Schüler zeigt in die Richtung aus der das Geräusch wahrgenommen wurde. Seven Up Spiel der Stille und Wahrnehmung Alle Schüler sitzen auf ihren Plätzen. Sieben Schüler gehen zur Tafel. Die restlichen legen ihre Köpfe auf ihre Tische und schließen die Augen. Die Hand, zur Faust geballt, liegt auf dem Tisch, die Daumen gestreckt nach oben. Die sieben Schüler, die vorne stehen, schleichen nun durch die Klasse, berühren jeweils den ausgestreckten Daumen eines Mitschülers, und gehen wieder nach vorne. Diese Berührten knicken ihren Daumen ein. Sind alle sieben Schüler wieder vorn, wird Seven Up gesagt. Alle, deren Daumen berührt wurde, stehen auf. Sie versuchen zu erraten, wer ihre Daumen berührt hat. Die Schüler stehen an ihrem Tisch, der Stuhl steht hinter ihnen. Der Lehrer hält gut sichtbar eine Wand- oder Sanduhr zu den Schülern. Auf ein gemeinsames Kommando (z. B. Augen schließen) schließen alle Schüler ihre Augen. Wenn sie der Meinung sind, die Minute ist vorbei, setzen sie sich leise hin. Während dieser Minute lauschen sie auf alle Geräusche im Raum Anschließend wird der Auftrag besprochen. Dem Klang lauschen Material: Klangschale oder anderes länger klingendes Instrument Auftrag: Wie lange hörst du den Klang? Verändert sich der Klang mit der Zeit? Die Schüler sitzen auf ihren Plätzen. Die Stirn ruht auf ihren Handrücken auf dem Tisch. Der Lehrer/Ein Schüler schlägt die Klangschale an. Wenn der Klang nicht mehr zu hören ist, richten sich die Schüler stillschweigend auf. Anschließend wird der Auftrag besprochen. Bewegungsangebote im Unterricht zur Unterstützung des Gleichgewichts 1 Rechenjogging: Eine Zahl zwischen 2 und 19 wird ausgemacht und an die Tafel geschrieben. Alle Schüler joggen auf der Stelle. Der Spielleiter ruft eine Zahl. Ist diese Zahl durch die vorher abgemachte Zahl teilbar (2, 3, 4, 19), drehen sich die Schüler sofort auf der Stelle. Ist die Zahl nicht teilbar, wird weiter auf der Stelle gejoggt Fotoapparat: Ein Schüler wird mit geschlossenen Augen von einem Partner langsam durch den Raum geführt; dabei hat der führende Partner seine Hände auf den Schultern des 1 Die Spiele sind dem Buch Beweg dich, Schule! Verlag modernes lernen, Dortmund entnommen. 12

15 Blinden, geht also hinter ihm. Er gibt ihm durch das Umfassen der Schultern Sicherheit. Vor einem Gegenstand im Klassenraum bleiben sie stehen. Der Führende drückt beidseitig leicht in die Schulter des Schülers und sagt: Knips Auf dieses Zeichen öffnet der Fotoapparat kurz die Augen und fotografiert den Gegenstand. Nach drei verschiedenen Fotoaufnahmen gehen die Partner zurück zu ihrem Ausgangspunkt. Dort macht der Führende kreisende Bewegungen auf dem Rücken des Schülers und sagt dazu die Worte: Entwickeln, entwickeln Der Fotoapparat öffnet die Augen und sagt, was er gesehen hat. Fehlerstopp Ein bekanntes Märchen, eine Geschichte oder sachkundliche Inhalte werden vom Spielleiter vorgelesen oder erzählt. Die Schüler gehen während des Vorlesens oder Erzählens schweigend in eigener Geschwindigkeit durch den Raum. Sobald ein Fehler im Text vorkommt, bleiben alle sofort auf der Stelle stehen. Das Spiel kann auch in zwei Mannschaften gespielt werden. Ergebnisse der Screenings 2007 Hören: 9 % der Schüler im Alter von 5 18 Jahren wiesen einen Hörverlust von mehr als 15dB HL bei mindestens einer Frequenz auf. 9,7 % der Grundschüler haben einen Hörverlust von 20 db HL oder mehr auf mindestens einem Ohr Schüler haben zu 9,3 % einen Hörverlust, Schülerinnen 10,0 % 37 % der Grundschüler und 59 % der Klasse gaben an, schon einmal Ohrgeräusche erlebt zu haben. 17 % gaben an, dass laute Geräusche wie Türen knallen unangenehm sei. Ergebnis: Auch Schüler die nur einen geringen Hörverlust aufweisen, haben schon schlechtere Noten in Mathematik und Deutsch Mathematik (N = 968, D: 2,6 Stdabw. 1,00) Deutsch (N = 967, D: 2,7 Stdabw. 1,00) 0,2 Notenstufen schlechter 0,2 Notenstufen schlechter Interdisziplinäre Fachtagungen zum Projekt Sport (N = 967, D: 2,1 Stdabw. 0,73) 0,1 Notenstufe schlechter Die 3. Fachtagung zum Projekt Schnecke Bildung braucht Gesundheit findet am in Wiesbaden, in Kooperation mit dem Hessischen Kultusministeriums, Arbeitsgebiet Schule & Gesundheit, dem Hessischen Umweltministeriums für Umwelt, ländlichen Raum und Verbraucherschutz und der Unfallkasse Hessen (UKH) sowie dem Pädagogischen Zentrum der Bistümer im Land Hessen (Pädagogisches Zentrum Wiesbaden-Naurod) statt. Informationen zu Fachtagungen finden sie unter: Zusammenhang zwischen dem Sozialstatus und der Häufigkeit von Hörschäden: Kinder, die ein Instrument spielen (Hinweis auf einen höheren Sozialstatus der Eltern) haben nur halb so häufig einen Hörschaden im Vergleich zur nicht musizierenden Vergleichsgruppe. Die 29 % musizierenden Grundschüler weisen mit 6,3 % hochsignifikant weniger Hörschäden auf als nicht musizierende Grundschüler (11,4 %) 13

16 Sehen: 8 % der Schüler wurde ein Augenarztbesuch empfohlen Ergebnis: Schüler mit auffälligen bis stark auffälligen Befunden in Ergebnis: Schüler die schlecht sehen, haben in allen drei Schulfächern im Durchschnitt schlechtere Noten. Mathematik (N = 937, D: 2,6 Stdabw. 1,00) Deutsch (N = 936, D: 2,7 Stdabw. 1,00) Sport (N = 935, D: 2,1 Stdabw. 0,73) Gleichgewicht 0,2 Notenstufen schlechter 0,3 Notenstufen schlechter 0,3 Notenstufen schlechter 38 % der Schüler galten bei der Gleichgewichtstestung als unauffällig. 58 % wiesen leichte, 4 % der Schüler auffällige oder stark auffällige Gleichgewichtbefunde auf. den Gleichgewichtstests haben signifikant schlechtere Schulnoten. Beispiel Gleichgewicht Durchschnittsnote: Durchschnittsnote ,5 Durchschnittsnote im Fach Deutsch unauffällig (282) 2,8 leicht auffällig (598) 3,3 auffällig bis stark auffällig (39) Mathematik (N = 922) Deutsch (N = 921 Sport (N = 922) 0,6 Notenstufen schlechter 0,7 Notenstufen schlechter 0,6 Notenstufen schlechter Ergebnis: Je schlechter das Ergebnis der Gleichgewichtstests, desto schlechter die durchschnittliche Deutschnote. 14

17 Ergebnisse zum Screening der Lehrerinnen und Lehrer (26 männliche, 88 weibliche Personen) Hören: Sehen: 24 Personen mit HV > 15dB 90 Personen ohne Hörverlust (Alter wurde berücksichtigt) 14 Personen klagten über Probleme mit den Augen, 6 Personen hatten deutliche Beeinträchtigung beim Binokularsehen, 22 Personen waren Brillenträgen, 1 Person Visus > 0,8 Gleichgewicht: von den 33 Personen, die an diesem Test teilnahmen, zeigte sich bei 18 Personen das Ergebnis leicht auffällig im Bereich des Einbeinstandes Zusammenfassung der Schülerinnen/ Schüler-Ergebnisse: Es zeigen sich deutliche Zusammenhänge zwischen den Schulleistungen und Beeinträchtigungen der Sinnesorgane Schon kleine Beeinträchtigungen führen zu signifikant schlechteren Schulnoten Es zeigt sich ein deutlicher Zusammenhang zwischen sozialen Faktoren und den erreichten Schulnoten: Musizierende Kinder haben deutlich bessere Noten. Der Effekt von Hörverlusten auf die Schulleistungen lässt sich jedoch unabhängig von der sozialen Gruppenzugehörigkeit nachweisen. Bildung braucht Gesundheit die Ergebnisse unterstützen diese These eindrucksvoll Screeninguntersuchungen zur Erkennung von betroffenen Schülern sind notwendig, ebenso wirkungsvolle Maßnahmen zur Prävention und therapeutische Angebote Bildung braucht Gesundheit ist mehr als ein gut klingendes Motto. Das interdisziplinäre Projekt Schnecke- Bildung braucht Gesundheit konnte nachweisen, dass der Mangel an Gesundheit zu schlechteren Bildungschancen führt. Es ist daher dringend notwendig, Störungen der Sinnesorgane aufzudecken und pädagogische, therapeutische oder medizinische Maßnahmen einzuleiten. Eine gute Zusammenarbeit von Kindergarten, Schule, Lehrern, Eltern, Therapeuten und Medizinern ermöglicht, Kindern unabhängig von ihrem sozialen Hintergrund gute Grundvoraussetzungen für das Lernen zu bieten. Im Rahmen ihrer Berufsausübung sollen Lehrerinnen und Lehrer auch selbst geschützt werden, Lärm in der Schule als Gesundheitsbelastung zu ertragen (Ohr, Kehlkopf, Stimme) und dadurch ein burn-out- Syndrom zu vermeiden. Folgerungen: Bildungschancen wahren heißt Schäden erkennen und vermeiden Die Erkennung von Beeinträchtigungen des sensorischen Systems ist notwendig, um Kindern die Chance zu geben, den Lernstoff ohne Schnittstellenverluste aufzunehmen. Geeignete Maßnahmen helfen, die Folgen einer Schädigung zu mindern Wichtig sind eine frühzeitige Diagnose von Beeinträchtigungen und eine breit angelegte Prävention vermeidbarer Schäden. Notwendig ist die Gestaltung einer sinnesfreundlichen Lernumgebung in den Schulen Benachteiligte Kinder sollten beim Screening und der Prävention besonders ins Blickfeld rücken, da diese oft an mehreren Fronten benachteiligt sind. 15

18 Die aktuellen Studienergebnisse des Projekts Schnecke Bildung braucht Gesundheit legen nahe, dass für die Mehrheit der Kinder zunächst eine Wahrnehmungsförderung mit besonderem Schwerpunkt auf der Förderung des Gleichgewichts im Vordergrund stehen muss. Dies erweist sich nach der Studie als notwendige Grundlage für optimale Aufnahme und Verarbeitung des Lernstoffs Positive Auswirkungen auf Leistungen und Lernmotivation aller Schüler sind zu erwarten. Hierbei sind besonders zu erwähnen: Schülerinnen und Schüler der G8, die zur Zeit die Gesamtbelastung durch eine geballte Wissensvermittlung verarbeiten Deutliche Hinweise auf PISA und die damit aufgekommenen Fragen Die Fragestellung erweitert sich aber auch auf das Wohlbefinden und die Gesundheit der Lehrerinnen und Lehrer Reaktionen der Lehrerinnen und Lehrer auf die Schulung ihres eigenen Gleichgewichts Verminderung von Stress durch Verhaltensveränderungen der Schülerinnen und Schüler Die ständig wachsende Zahl der Kinder mit Lernstörungen und Konzentrationsproblemen 16

19 Das geplante Projekt Schnecke Bildung braucht Gesundheit II (Maßnahmen) verspricht wertvolle Hinweise auf sinnvolle und umsetzbare Fördermaßnahmen zu geben, die flächendeckend eingesetzt werden können. Hypothese: Eine gezielte Förderung des Gleichgewichts und der Wahrnehmungsfähigkeit verbessert die Lernfähigkeit von Kindern und wirkt sich positiv auf Schulleistungen und spätere Berufschancen aus. Die Hypothese soll mittels einer gut designten prospektiven Studie überprüft werden, um eine solide Entscheidungsgrundlage zu gewinnen, ob eine breit angelegte pädagogische Förderung in dieser Weise angezeigt ist. Therapeutische, medizinische und pädagogische Erfahrungen weisen darauf hin, dass dieser Ansatzpunkt ein großes und bislang meist ungenutztes Potenzial birgt. Zusammenfassung: Zwischen Beeinträchtigungen des Gleichgewichts und den Schulleistungen in Mathematik, Deutsch und Sport besteht nach den Ergebnissen des Projekts Schnecke Bildung braucht Gesundheit ein enger Zusammenhang. Mit einer prospektiven Studie zur neuro-sensoriellen Bildungsförderung soll geklärt werden, ob durch ein gezieltes Training des Gleichgewichts und der Wahrnehmungsfähigkeit auch eine Verbesserung von Lernleistungen erzielt werden kann. Dieser Ansatz ermöglicht neue Perspektiven in der Förderung von Schülerinnen und Schülern. Kinder fit machen für die Aufnahme von Wissen dieses Potenzial sollte untersucht und genutzt werden. Eine zukunftsträchtige Antwort auf PISA ist die Unterstützung der Kinder beim Lernprozess durch Ausnutzung neurophysiologischer Erkenntnisse und die aktuellen Studienergebnisse des Projektes Schnecke. Voraussetzungen zur Teilnahme am Projekt Schnecke Bildung braucht Gesundheit Die Voraussetzungen an dem Projekt teilzunehmen, stehen in engem Zusammenhang mit dem Erwerb des Zertifikats Gesundheitsfördernde Schule So soll die Gesundheitsförderung bei Beantragung zur Teilnahme bereits im schulischen Konzept verankert sein oder nachweislich angestrebt werden. Die Ausschreibung selbst erfolgt im Amtsblatt des Hessischen Kultusministeriums. Kontakt: Prof. Dr. med. Eckhard Hoffmann, Evaluation Hochschule Aalen Studiengang Augenoptik und Hörakustik Prof. Dr. med. Annette Limberger Hochschule Aalen Studiengang Augenoptik und Hörakustik Dr. med. Jörg Silberzahn, Initiator des Projekts, HNO-Arzt in Aßlar (Hessen), Wittmund (Niedersachsen) Dr. phil. Christina Reichenbach, Pädagogische Konzepte, Leibniz Universität Hannover, Schloßwender Str. 1, Hannover Dr. phil. Christina Reichenbach, Husenerstr. 43, Dortmund Dorothea Beigel, Projektleitung Projektbüro Schule & Gesundheit des Staatlichen Schulamtes für den Lahn-Dill-Kreis und den Landkreis Limburg-Weilburg, Turmstraße 20, Wetzlar 17

20 Auswertungen der Untersuchungen im Rahmen des Projekts Schnecke Bildung braucht Gesundheit Nachhallzeiten in Schulräumen Im Rahmen des Projekts Schnecke Bildung braucht Gesundheit untersuchte das Hessische Landesamt für Umwelt und Geologie 51 Räume in 11 hessischen Schulen in Bezug auf ihre Nachhallzeiten: 33 Klassenzimmer, 7 Sporthallen, 2 Bewegungsräumen, 1 Sprachheilraum, 2 PC Räumen, 2 Fluren, 1 Mensa, 1 Küche, 1Pavillon, 1 Musikraum Teilweise waren die Schulräume mit Akustikdecken ausgestattet, teilweise gab es keine Maßnahmen zur Verbesserung der Akustik. In Schulräumen sollte möglichst unabhängig von seiner Sitzposition der Schüler einen Lehrer gut verstehen können und ebenfalls der Lehrer die Wortmeldung des Schülers. Einen wichtigen Einfluss auf die Sprachverständlichkeit in Räumen hat die Nachhallzeit. Während der Direktschall und frühe Reflexionen des Schalls die erwünschten Sprachinformationen an den Hörer (sowohl Schüler als auch Lehrer) übertragen, stören die späten Reflexionen, die später als 50 ms nach dem Direktschall beim Hörer ankommen, die Übertragung von Sprache und verschlechtern die Sprachverständlichkeit. Gemessen wurden die Nachhallzeiten in Abhängigkeit von der Frequenz. Die gemessene Nachhallzeit ist die Zeit, die nach dem Ausschalten einer stationären Schallquelle vergeht, bis die Schallenergie in dem Raum auf den millionsten Teil der Anfangsenergie abgesunken ist. Bewertet wurden die Messergebnisse gemäß DIN Hörsamkeit in kleinen und mittelgroßen Räumen. Danach soll die Nachhallzeit in einem besetzten mittelgroßen Schulraum 0,5 0,6 Sekunden betragen. Die für den jeweiligen Raum optimale Nachhallzeit wurde immer in Abhängigkeit von der Raumgröße berechnet, d. h. eine große Turnhalle darf eine erheblich höhere Nachhallzeit aufweisen, als ein mittelgroßer Klassenraum. Da eine zu lange Nachhallzeit die Sprachverständlichkeit verschlechtert, wurden die gemessenen Räume gemäß ihrer Nachhallzeit kategorisiert. Gut 50 % der Räume konnten als sehr gut bewertet werden, darunter eine Mensa, ein Bewegungsraum, eine Turnhalle und ein Musikraum. In diesen Räumen liegt die gemessene Nachhallzeit innerhalb der Zielvorgabe gemäß DIN % der Klassenräume (13 Räume) konnten als gut bis befriedigend bewertet werden, d. h. die anzustrebende Nachhallzeit wurde maximal bis zu 0,2 Sekunden überschritten. Bei 12 % der Klassenräume ist die Nachhallzeit zwischen 0,2 und 0,5 Sekunden zu lang, so dass akustische Maßnahmen anzustreben sind. 10 % der Klassenräume (3 Räume) fielen durch besonders lange Nachhallzeiten auf und sollten vordringlich unter Schalldruck Direktschall Erste Reflektionen Nachhall Zeit Nützlich sind der Direktschall und die ersten Reflektionen, störend der Nachhall 18

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