Ärzte befürchten Engpässe bei der Patientenversorgung

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1 allensbacher berichte Institut für Demoskopie Allensbach November 2010 Ärzte befürchten Engpässe bei der Patientenversorgung Die Ärzte in Deutschland sind außerordentlich besorgt, dass es in Zukunft verstärkt zu Lücken in der medizinischen Versorgung der Bevölkerung kommen wird. Bereits die derzeitige Situation wird von vielen Ärzten kritisch beurteilt. Das zeigen die Ergebnisse einer Repräsentativbefragung für den MLP Gesundheitsreport 2010, der heute in Berlin vorgestellt wird. 46 Prozent der Ärzte sind davon überzeugt, dass es heute schon bundesweit einen Ärztemangel gibt, weitere 42 Prozent rechnen damit, dass sich die Lage in den nächsten Jahren weiter verschlechtern wird. Erwartungsgemäß fallen die Einschätzungen regional deutlich unterschiedlich aus. Besonders kritisch urteilen die Ärzte aus den östlichen Bundesländern und aus bevölkerungs- und strukturschwächeren Gebieten. In Ostdeutschland sehen bereits jetzt 63 Prozent eine regionale Unterversorgung, in Westdeutschland nur 32 Prozent. Porträt des Instituts - Leistungsspektrum - Aktuelle Studien Belege an INSTITUT FÜR DEMOSKOPIE ALLENSBACH, Allensbach am Bodensee

2 51 Prozent der Ärzte aus Städten bzw. Regionen mit weniger als Einwohnern beurteilen die derzeitige Situation kritisch, dagegen nur 19 Prozent der Ärzte aus Großstädten oder Ballungsräumen. Schaubild 1 Große Befürchtungen über Ärztemangel Einschätzung der bundesweiten Situation Ärzte insgesamt Niedergelassene Ärzte Krankenhausärzte Es gibt einen Ärztemangel 31 Rechne mit Ärztemangel 46 % Einschätzung der Situation in der Region Ärzte insgesamt in Westdeutschland in Ostdeutschland Aus Städten/Regionen mit über Einwohnern bis Einwohnern unter Einwohnern Basis: Bundesrepublik Deutschland, Krankenhaus- und niedergelassene Ärzte Die Befürchtungen über einen zunehmenden Ärztemangel kommen auch darin zum Ausdruck, dass die große Mehrheit der niedergelassenen Ärzte die Aussichten, im Fall einer Aufgabe der eigenen Praxis einen Nachfolger für die Übernahme zu finden, problematisch einschätzt, unabhängig davon, ob aktuell entsprechende Überlegungen bestehen. 72 Prozent der niedergelassenen Ärzte rechnen mit Problemen, einen Nachfolger zu finden, 42 Prozent sogar mit außerordentlichen Schwierigkeiten. Die Hausärzte äußern sich dabei tendenziell noch pessimistischer als die niedergelassenen Fachärzte

3 Auch die Einschätzung der Probleme, einen Nachfolger zu finden, macht deutlich, dass es in den kommenden Jahren vor allem in bevölkerungsschwächeren Gebieten zu erheblichen Lücken in der ärztlichen Versorgung kommen dürfte. Niedergelassene Ärzte aus eher ländlichen Regionen mit nur kleineren oder mittleren Gemeinden bewerten die Aussichten deutlich skeptischer als die Ärzte in Großstädten oder Ballungsgebieten. Schaubild 2 Große Mehrheit der niedergelassenen Ärzte rechnet mit Nachfolgeproblemen Frage: "Einmal angenommen, Sie würden sich dazu entschließen, Ihre Praxis aufzugeben: Was glauben Sie, wie wäre es dann, einen Nachfolger zu finden?" Einen Nachfolger zu finden, wäre gar nicht nicht so sehr 8 15 Niedergelassene Ärzte insgesamt 30 % Hausärzte Fachärzte Aus Städten/Regionen mit über Einwohnern bis Einwohnern unter Einwohnern Auf 100 % fehlende Werte = Unentschieden Basis: Bundesrepublik Deutschland, niedergelassene Ärzte aus Einzelpraxen Verantwortlich für den Ärztemangel sind aus Sicht der Mediziner vor allem eine zu starke Reglementierung der ärztlichen Tätigkeit, für große Teile vor allem der Krankenhausärzte aber auch die hohen beruflichen Belastungen. 64 Prozent derjenigen, die bundesweit bereits jetzt einen Ärztemangel sehen bzw. diesen erwarten, sind überzeugt davon, dass der Ärztemangel in besonders hohem Maße auf die Fülle der Anweisungen und Vorgaben für die Ärzte zurückzuführen ist. Von den negativen Auswirkungen einer - 3 -

4 zu starken Reglementierung sind mit 78 Prozent besonders die niedergelassenen Ärzte überzeugt, aber immerhin auch jeder zweite stationär tätige Arzt sieht darin eine wesentliche Ursache. 44 Prozent aller Ärzte, 50 Prozent der Krankenhausärzte, weisen besonders auf die hohe Arbeitsbelastung hin. Erwartungsgemäß liegen aus Sicht der Ärzte die Ursachen auch in einer ungünstigen Einschätzung der generellen Zukunftsperspektiven des Arztberufs und der Einkommenssituation. Allerdings ist der Kreis, der diesen Aspekten eine besonders hohe Bedeutung zumisst, mit 35 Prozent bzw. 27 Prozent vergleichsweise geringer. Schaubild 3 Hauptgrund für Ärztemangel: Zu starke Reglementierung Gründe für den Ärztemangel Starke Reglementierung, Fülle von Anweisungen und Vorgaben für Ärzte gar nicht wichtig sehr wichtig wichtig weniger wichtig 64 % Arbeitsbelastung, Stress, dem man als Arzt ausgesetzt ist Generelle Zukunftsperspektiven Einkommenssituation der Ärzte Zunehmende Tendenz zu Teilzeitarbeit durch steigenden Frauenanteil Sorge vor Klagen und Regressansprüchen von Patienten Basis: Bundesrepublik Deutschland, Ärzte, die einen Ärztemangel in Deutschland sehen bzw. damit rechnen Vorschläge, dem Ärztemangel mit einer Änderung der Zulassungsregeln für das Medizinstudium entgegenzuwirken, stoßen in der Ärzteschaft überwiegend auf Skepsis. 58 Prozent der Ärzte sprechen sich dagegen aus, dass in Zukunft z.b. auch Realschüler, die über eine Ausbildung im Bereich der Krankenpflege verfügen, zum Medizinstudium - 4 -

5 zugelassen werden. Ähnlich sind die Reaktionen auf den Vorschlag, bei der Vergabe von Studienplätzen angesichts des Ärztemangels speziell in ländlichen Regionen Bewerbern den Vorzug zu geben, die sich verpflichten, nach dem Studium mehrere Jahre als Landarzt zu arbeiten. Schaubild 4 Mehrheit der Ärzte gegen veränderte Zulassungsregeln zum Medizinstudium Änderung der Zulassungsvoraussetzungen zum Medizinstudium, dass z.b. Realschüler mit einer Ausbildung zum Krankenpfleger Medizin studieren können Bevorzugung von Bewerbern, die sich für mehrere Jahre als Landarzt verpflichten Guter Vorschlag 37 % 39 Kein guter Vorschlag Auf 100 % fehlende Werte = Unentschieden Basis: Bundesrepublik Deutschland, Krankenhaus- und niedergelassene Ärzte Allensbach am Bodensee, am 25. November 2010 TECHNISCHE DATEN FÜR DIE REDAKTION MLP Gesundheitsreport 2010 Ausführliche Informationen unter Anzahl der Befragten: 524 Repräsentanz: Krankenhaus- und niedergelassene Ärzte in Deutschland Zeitraum der Befragung: 6. September bis 1. Oktober 2010 Archiv-Nummer der Umfrage:

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