Erfahrungsbericht Erasmus-Studienaufenthalt, Studienjahr 2009/10 an der VetAgro Sup Campus Vétérinaire de Lyon

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1 Friederike Rupprecht (7.Sem.), September 2010 Erfahrungsbericht Erasmus-Studienaufenthalt, Studienjahr 2009/10 an der VetAgro Sup Campus Vétérinaire de Lyon (ehemals École Nationale Vétérinaire de Lyon) Vor nun ziemlich genau einem Jahr, Anfang September 2009, war ich aufgebrochen, um meinen persönlichen Traum von Frankreich weiter zuträumen. Mindestens 10 Monate Auslandsaufenthalt lagen damals noch vor mir und nach stressigem Physikumssommer schwankten die Gefühle zwischen erschöpfter Abschiedstraurigkeit und von Neugier geprägter Vorfreude auf das mir Bevorstehende. Inzwischen bin ich seit 1 ½ Monaten zurück in Deutschland, aber leider immer noch nicht wieder hier angekommen. Auch dieses wieder angekommen ist wahrscheinlich eine wichtige Erfahrung im Zusammenhang mit einem Auslandsaufenthalt während des Studiums; aber fangen wir von vorne an Dieser vorliegende Erfahrungs-Bericht soll keine Erzählung persönlicher Erlebnisse werden die muss und vor allem sollte jeder selber machen; eher gebe ich denen, die an solch einem Auslandsstudium interessiert sind, einen Einblick; die Erfahrungen und Erlebnisse sehen dann bei jedem individuell ganz anders aus. Der Bericht soll daher neben einem Erfahrungsbericht für die Förderer solcher Aufenthalte (Förderverein Gesellschaft der Freunde und Förderer der Veterinärmedizin an der Freien Universität Berlin e.v. ) vielmehr die Lust und Neugierde wecken einen Teil seines Studiums im Ausland zu verbringen und denen, die das Fernweh bereits gepackt hat, offene Fragen beantworten und sie in ihrem Vorhaben bestärken denn, auch wenn leider häufig leichtfertig ausgeschlossen wird, in ein Studium der Veterinärmedizin lässt sich ein Auslandsaufenthalt integrieren. Vor und während des Aufenthalts wird es sicher immer wieder mal kleine Unsicherheiten, Ängste und Zweifel geben, die einen oft unvermutet überkommen- vor allem in der Zeit der Vorbereitungen. Die größte Ungewissheit liegt sicher in der zu erwartenden Einsamkeit. Man fragt sich, wie schnell (und ob überhaupt) man Anschluss findet. Dazu gehört auch die Frage: Wie werde ich in der neuen Umgebung zurechtkommen, werde ich alles verstehen und mich auch verständigen können? Diese Art von Selbstzweifeln ist völlig normal und trifft jeden Studenten, auch wenn er es nicht zugeben will. Auch wenn es während des Semesters/Jahres mal nicht gut läuft, die ersten Prüfungen im Ausland ins Haus stehen, man sich alleine fühlt, sich das Heimweh nach Familie, Freunden und gewohnter Umgebung meldet, oder die Verständigung am Anfang eben vielleicht doch schwerer fällt als gedacht. Da dies bei allen Beteiligten recht normal ist, braucht man sich allerdings nicht gleich Gedanken über einen Abbruch zu machen. Die Alarmglocken läuten bei den meisten vor allem auch dann, wenn die endgültige Anerkennung der Studienleistungen während des Aufenthalts ungewiss ist und damit der Verlust eines Studienjahres in Kauf genommen werden müsste beziehungsweise vielmehr ein Weiterstudieren mit zusätzlichen Hindernissen (in Folge des Auslandsaufenthaltes) verbunden wäre teilweise nachvollziehbar und vor allem nicht im eigentlichen Sinne des Erasmus-Programms

2 Meist sind es eben diese organisatorischen Dinge und Problemchen, die einem das Leben als Erasmus-Studenten schwer machen. Ich habe es zumindest so empfunden. Abgesehen von dem doch eher simplen Bewerbungsprozedere ist man im Laufe des Jahres ständig mit Organisation konfrontiert; angefangen beim Stundenplan erstellen zu Beginn des Semesters (der allerdings generell permanent spontan und flexibel Änderungen angepasst werden muss) bis hin zu Rückfragen an die deutschen Heimat-Institute in Sachen Klausuren- /Prüfungsanerkennungen und der Organisation und Anerkennung von Wahlpflichtkursen, Pflichtveranstaltungen und so weiter nach der Wiederkehr. Dies kann einen manchmal tatsächlich nerven und ärgerlich werden lassen, man sollte aber versuchen sich davon nicht unnütz demotivieren zu lassen. Denn dennoch ist alles im Fazit halb so schlimm wie es manchmal wirkt und hinterher bereut man es ganz sicher nicht, (auch wenn man am Ende ein Jahr verlieren sollte, wobei der persönliche Gewinn so groß ist, dass man eigentlich gar nicht verlieren kann) denn diese Probleme lassen einen auch wachsen. Solch ein Auslandsaufenthalt formt einen nachhaltig und bereichert ungemein sowohl das persönliche Ich als auch in puncto Zukunftschancen, denn ein Auslandsaufenthalt und zudem noch in Verbindung mit dem Studium individualisiert und wertet den persönlichen Lebenslauf ebenfalls deutlich auf. Trotz einiger Steine, die einem nach wie vor in den Weg gelegt zu scheinen werden, wird man ebenfalls immer wieder auf Unterstützer vor, während und nach dieser Zeit im Ausland treffen und auf Anerkennung stoßen, die man garantiert auch verdient hat. Auch dies sollte einen ermuntern, einen Schritt aus dem Alltag heraus zu treten, die Chancen, die uns heute gegeben werden, beim Schopfe zu ergreifen. Man wird nicht nur sein eigenes Leben bereichern sondern auch das der anderen. Ausländische, junge, offene Menschen bringen immer auch wieder frischen Wind an eine Universität beziehungsweise in die Uni-Gesellschaft. Man selber und andere gewinnen dadurch teilweise eine ganz andere Sichtweise auf bestimmte Dinge, die davor als immer gut befunden worden waren, man reflektiert deutlich mehr über Handeln und bestehende Verhältnisse. So sollten eben auch diejenigen, so wünsche ich es mir zumindest, die dem ganzen Erasmus-Programm noch etwas skeptisch gegenüber stehen, mit ehemaligen und derzeitigen Auslandsstudenten (auch mit denen, die Jahr für Jahr begeistert zu uns an den Fachbereich kommen) mehr in Kontakt treten und sich von ihren Erfahrungen berichten lassen. Sie werden schnell merken, dass im Erasmus- Programm kein böser Geist steckt, sondern vielmehr unheimliches Potential und Gutes. In der Tat ist solch ein Auslandsaufenthalt eine spannende Sache, die es wert ist, zu entdecken. Ich möchte euch dazu einladen

3 Das Erasmus-Programm Das Hochschulprogramm Erasmus fördert die grenzüberschreitende Mobilität von Studierenden in Europa. Seit dem Start im Jahre 1987 haben bereits mehr als 2 Millionen Studenten die Möglichkeit genutzt, mit Erasmus ein oder zwei Semester im Ausland zu studieren. Teilnehmen kann jeder, der an einer Hochschule eingeschrieben ist, die ersten zwei Studiensemester bereits abgeschlossen hat (nach bestandenem Physikum, Fachbereich Veterinärmedizin) und die Nationalität eines der vom Erasmus- Programm geförderten Staaten (EU-Mitgliedstaaten, Türkei, Island, Liechtenstein, Norwegen und Teilen der Schweiz) besitzt. Für die Erasmus-Studierenden entfallen an der Gastuniversität jegliche Einschreibe- und Studiengebühren. Jeder Erasmusstudent erhält je nach Land und GesamtStipendiengeldtopf des jeweiligen Jahres (des Erasmus-Büros der FU Berlin) ein Stipendium von mindestens 100 pro Monat, gezahlt in 2 Raten. Der Förderverein Gesellschaft der Freunde und Förderer der Veterinärmedizin an der Freien Universität Berlin e.v. fördert euch ebenfalls mit einem einmaligen Betrag, der mir persönlich meinen nach-hause-flug zu Weihnachten ermöglicht hat. Wichtig! Lasst euch für die Zeit des Auslandsaufenthaltes nicht beurlauben. Damit zählen eure Fachsemester nicht weiter und ihr bekommt Probleme mit den folgenden Staatsexamensprüfungen im Zusammenhang mit der Prüfungs-/Studienordnung (bzw. TappV). Dadurch müsst ihr leider für den Zeitraum euren Semesterbericht hier in Berlin an die FU entrichten. Ihr könnt euch allerdings das Bvg-Semesterticket rückerstatten lassen (jeweils zum Einzug des Semesterbetrages). Informiert ihr dazu im Studienbüro der Asta (Thielallee). Bewerbung Die Bewerbung für ein Auslandssemester im Rahmen von Erasmus erfolgt über die Hochschule, genau genommen am Fachbereich übe den zuständigen Erasmus-Koordinator (Prof. Dr. K.D. Weyrauch). Bei ihm gibt es alle genaueren Informationen wie Einschreibefristen und benötigten Unterlagen. Mit der Planung des Aufenthalts sollte man ungefähr ein Jahr im Voraus beginnen. Normalerweise sind für alle (aufgrund der doch recht geringen Nachfrage) ausreichend Plätze vorhanden, jeweils 2 für einen Ort, also zum Beispiel 2 in Wien, 2 in Budapest, 2 in Lyon, Ihr solltet euch in der Regel für einen Ort entscheiden. Die genaue Auswahl an Studienorten könnt ihr bei Herrn Professor Weyrauch oder auch im Internet einsehen. Grundsätzlich gibt es die Möglichkeit in Österreich, der Schweiz, Spanien, Frankreich, Belgien, Ungarn, Tschechien etc. zu studieren. Für alle anglophon-interessierten: ein Erasmus-Aufenthalt in Großbritannien ist bis zum heutigen Tag nicht möglich. *Frankreich, die Wiege der Veterinärmedizin* Die Wiege der Tiermedizin liegt gegen Ende des 18. Jahrhunderts in Frankreich. Die ersten Vieharzneischulen in Frankreich wurden von Claude Bourgelat gegründet. In Lyon gelang es Bourgelat im Jahre 1762, die Gründung der ersten École Nationale Vétérinaire durchzusetzen. Diese von Bourgelat zunächst als Privatunternehmen gestiftete Ecole Vétérinaire zu Lyon wurde so erfolgreich, dass die Regierung sie zur Ecole Royale Vétérinaire ernannte. Bourgelat erhielt gleichzeitig den Rang des Direktors und Generalinspektors und eröffnete 4 Jahre später in Alfort bei Paris eine zweite Ecole, deren Leitung er übernahm. Der kostenlose Unterricht wurde von angestellten Lehrern gehalten. Für die Unterbringung und Verpflegung musste gezahlt werden. Da viele Arbeiten von den Schülern erledigt wurden, mussten die Tierbesitzer nur die Arzneikosten übernehmen. Bourgelat wurde Zeit seines Lebens kritisiert, da er als Leiter der Reiterakademie wenig von der Tierheilkunde verstand, obwohl er sich um Wissen bemühte und nebenbei seine tiermedizinischen Kenntnisse aufzubessern versuchte. Er hatte das Bestreben, die Tierheilkunde auf ein wissenschaftliches Niveau zu heben. Da er sich aber in der tierärztlichen Praxis nicht auskannte, gestaltete Bourgelat den Unterricht bedarfsgerecht, was zu vielseitiger Kritik führte. Sein Verdienst am Aufbau der Tierärztlichen Ausbildungsstätten ist unantastbar. Ihm ist der Erfolg der ersten Tierärztlichen Ausbildungsstätte in Lyon zuzuschreiben, die zur Gründung aller weiteren Ausbildungsstätten in Europa führte.

4 Studium Das Studium der Veterinärmedizin erfolgt in Frankreich an den sogenannten Grandes Écoles und nicht wie bei uns an den Universitäten. An dieser Stelle sollen daher ein paar Worte zum französischen Bildungssystem gesagt werden. Kennzeichnend für das französische Bildungssystem ist die übergeordnete staatlich-zentralistische Organisation. Im Hochschulbereich besteht eine Zweiteilung zwischen den Universitäten und den sog. Grandes Écoles. Das Universitätssystem in Frankreich entspricht grundsätzlich dem in Deutschland. Jeder Abiturient kann sich für einen der unzähligen Studiengänge an einer der zahlreichen französischen Universitäten bewerben. Eine Zulassung erfolgt aufgrund der Abiturnote. Die französischen Universitäten sind allerdings oft überfüllt und bilden mehr Studenten aus als Bedarf für die einzelnen Arbeitssparten vorherrscht. Stark vom Universitätssystem unterscheiden sich die französischen Eliteschulen ( Grandes Écoles ). Der Begriff Grande École bezieht sich auf die wenigen Eliteschulen oder aber auf alle außeruniversitären Hochschulen. Diese Bildungseinrichtungen sind eines der charakteristischen Merkmale des französischen Gesellschaftssystems (kein anderes Land besitzt ein solches System der Eliteschulen) und sind sehr hoch angesehen. An ihnen werden vor allem die Ingenieurstudiengänge und eben die Veterinärmedizin gelehrt. Den Grandes Écoles ist gemeinsam, dass für eine Zulassung zum Studium nicht nur das Abitur ( Baccalauréat ), sondern das Bestehen eines zentralen strengen Auswahlverfahren nach dem Leistungsprinzip, dem sog. Concours, ist. Je höher das Ansehen der Ecole ist, umso schwieriger sind die Zulassungsbedingungen. Die Bewerber müssen sich innerhalb von 2 Jahren in den sog. Classes préparatoires (Vorbereitungsklassen) auf den Concours vorbereiten. Die Vorbereitungsklassen unterstehen, im Gegensatz zu den ENV s, nicht dem Landwirtschaftsministerium, sondern dem Ministerium für Nationale Erziehung. Eine Auswahl der Schüler, die zu einer Vorbereitungsklasse zugelassen werden, wird von den dortigen Professoren unter Berücksichtigung der Noten der letzten beiden Schulklassen getroffen. Die Vorbereitungsklassen sind eigens eingerichtete Klassen in dafür errichteten Gymnasien ( Lycées ). Die Bewerber können sich für staatliche oder private Vorbereitungsklassen bewerben, wobei bei den privaten oft erhebliche Gebühren zu bezahlen sind. Jedes Jahr werden zwischen 420 und 450 Studenten an den vier ENV s aufgenommen, so dass die Semesterstärke deutlich kleiner als in Deutschland ist; der Frauenanteil liegt in Frankreich bei ca. 70%. Für die Zulassung an einer der vier ENV s werden zunächst die 750 Bewerber mit den besten schriftlichen Prüfungen des Concours ermittelt. Erst mit Hilfe der anschließend abgehaltenen mündlichen Prüfungen wird eine Bestenliste, aus dem Resultat der schriftlichen und mündlichen Prüfung, erstellt. Die Grandes Ecoles sehen ihre Aufgabe in erster Linie in der praxisbezogenen Ausbildung und weniger in der Forschung. Es sind Studiengebühren zu entrichten, die in ihrer Höhe je nach Ecole variieren (ca Studiengebühren pro Studienjahr; in dieser Gebühr sind die gesetzliche Krankenversicherung sowie eine Unfallversicherung für den Studenten enthalten). *Allgemeines zum Studium der Tiermedizin in Frankreich* Tiermedizin kann in Frankreich an einer der vier Grandes Ecoles in Lyon, Alfort, Toulouse oder Nantes studiert werden. Der Aufbau und Inhalt des Studiums ist in den Règlement des études (Studienordnung), die von jeder der Grandes Ecoles selbst definiert wird, geregelt. Die Ausbildung der Studenten erfolgt in sog. Module, in deren Rahmen der theoretische und praktische Unterricht abgehalten wird. Der Unterricht eines jeden Moduls ist Gegenstand einer Prüfung. Das Studium ist in einen wissenschaftlich-theoretischen, einen klinisch-praktischen Anteil und mehrere Pflichtprak-tika von insgesamt fünf Studienjahren aufgeteilt. Innerhalb der fünf Studienjahre ist das Studium in drei Zyklen gegliedert, wobei das Studienjahr durch die Abschnittsprüfungen in zwei Semester unterteilt ist. Der erste Zyklus umfasst die, für die Aufnahme an einer der vier ENV s vorausgesetzte classe préparatoire (Dauer: 2 Jahre) und das erste Studienjahr. Der zweite Zyklus umfasst die das zweite bis vierte Studienjahr, d.h. die Ausbildung der Studenten zum Tierarzt und endet mit dem Erhalt des Diplôme d études

5 fondamentales vétérinaires (Diplom zur Bescheinigung des Abschlusses des Studiums der Veterinärmedizin). Der dritte Zyklus beginnt mit der sogenannten T1 Pro, dem fünften und letzten Studienjahr. Es dient zur Erstellung der Dissertation ( Thèse, die allerdings nicht der dt. universitären Doktorarbeit entspricht) und einem praktischen Ausbildungsteil, der durch Rotationen und externe Praktika erfolgt. Jeder Student entscheidet sich dafür gegen Ende des 4. Studienjahres für eine Spezialisierung im Bereich Pferdemedizin, Kleintier, Rinder oder mixte (Kombinationen aus Pferd/Kleintier oder Rind/Pferd). Erst mit absolvierter Dissertation wird den Studenten das Diplôme de doctorat vétérinaire, zur selbständigen und selbstverantwortlichen Ausübung des tierärztlichen Berufes berechtigt, ausgehändigt. Innerhalb eines Jahres kann eine Vertiefung mit dem Abschluss CEAV ( Certificat d Etudes Approfondies Vétériniares ) oder in drei Jahren eine Spezialisierung in einer Domäne mit dem Abschluss DESV ( Diplôme d Etudes Spécialisés Vétérinaires ) abgeschlossen werden. Die Studien weiterführende Schiene ermöglicht eine Ausbildung für die Forschung, mit der Absolvierung eines DEA ( Diplôme d Etudes Approfondies ) innerhalb eines Jahres und einer universitären Doktorarbeit ( Thèse d université ) innerhalb von vier Jahren. Diese ist Vorraussetzung für das Verbleiben an der Ecole als Professor. Die Thèse d université entspricht der deutschen Habilitation und ermächtigt zur ersten Stufe der Professorenlaufbahn. *Das Studium an der École Nationale Vétérinaire de Lyon (seit dem VetAgro Sup Campus Vétérinaire de Lyon)/Marcy l Étoile * Nach mehreren Umzügen der ENVL innerhalb der Stadt Lyon, wurde sie in den 70er Jahren in das westliche Umland, nach Marcy l Étoile ausgesiedelt. Marcy l Étoile ist ein kleiner Ort mit ca Einwohnern und Sitz von Sanofi-Pasteur und BioMerieux. Die ENVL besitzt eine Kleintier-, Pferde- und Rinderklinik auf ihrem Campus, wobei letztere in ihrer Außenstelle im ca. 10 Kilometer entfernten Ort L Abresle praktiziert. Die Studenten sind ab dem 3. Studienjahr (Rotation ausschließlich vormittags, ab 4. Studienjahr ganztägig; beide inkl. Nacht- und Wochenenddiensten) in den Klinikalltag der verschiedenen Kliniken einbezogen, führen im Rahmen bestimmter Kleintierrotationswochen bspw. Kastrationen einständig (anfänglich unter Anleitung von Professoren und Interns) durch. Die Klinikgruppen bestehen im 3. Jahr aus 6-7, im 4. aus 3 bzw. 4 Studenten). Man bekommt im Laufe des Tages einen eigenen Patienten und damit einen cas de clinique, der zu einem späteren Zeitpunkt vor allen Studenten des Jahres vorgestellt wird. Auch als Erasmusstudent kann man sich (wenn man will) einer Klinikgruppe fest zu ordnen und mit ihr dem Rotationsverlauf folgen, in sofern es mit dem Stundenplan vereinbar ist. Der theoretische Ausbildungsteil hat grundsätzlich Priorität. Zu Beginn (eigentlich bereits im Zuge der Bewerbung wird ein Learning Agreement zwischen der ENVL und dem Fachbereich Veterinärmedizin in Berlin erstellt, in dem alle gewählten Module aufgelistet sind und dessen Anerkennung durch die gegenseitige Unterschrift grundsätzlich gesichert ist. Das Learning Agreement wird allerdings auf seine praktische Ausführbarkeit erst vor Ort zu Beginn des Studienjahres überprüft und kann bei Bedarf dann auch noch verändert werden. Für die Prüfungen (Klausuren) der jeweiligen Periode müsst ihr euch je nach Bedarf individuell einschreiben. Madame Lerouge bittet dazu um eine verbindliche Einschreibung in eine ausgehängte Liste. Die Ergebnisse werden ca. 1-2 Wochen nach den Prüfungsperioden ausgehangen und euch am Ende mit dem Transcript of Records bestätigt. Bei Bedarf könnt ihr die absolvierten Prüfungen beider Perioden im Falle des Nichtbestehens Ende August im Rahmen der rattrapages wiederholen. Die Vorlesungsveranstaltungen finden in der Regel von früh um 10 Uhr bis 15 Uhr statt, wobei es eine feste Mittagspause von 12:10 bis 14 Uhr gibt. Die Vorlesungen dauern 60 Minuten, so dass ihr normalerweise jeden Tag 3-4 Stunden habt. Zusätzlich zu den Vorlesungen gibt es sogenannte TD ( Travaux dirigés, angeleitetes Arbeiten dt. Übungen) und TP ( Travaux pratiques ) zu den jeweiligen Modulen, die früh von 8-10Uhr bzw. ab 15Uhr stattfinden. Im 3. Studienjahr gibt es ab dem 2. Semester keine TD und TP mehr; man ist vormittags in der klinischen Rotation und mit seiner Gruppe in das Klinikgeschehen

6 direkt involviert. Ab 14Uhr laufen die Vorlesungen bis 18Uhr. Die erfolgreiche Teilnahme an den Vorlesungsveranstaltungen wird bei regelmäßiger und gewissenhafter Teilnahme der Studenten bestätigt. Eine Anwesenheitskontrolle wird meistens stichprobenartig durchgeführt. Im Falle eines mehr als zweimaligen unentschuldigten Fehlens wird die Teilnahme an diesem Fach nicht bescheinigt. In den TD s finden zum großen Teil An-Testate statt, dessen Bewertung teilweise mit in die Endnote eingeht. Für Erasmus-Studenten sind alle Studienveranstaltungen grundsätzlich anwesenheitspflichtig und werden nach jeder Vorlesung/TD/TP vom Prof mit der Unterschrift in einem dafür vorgesehenen Carnet bestätigt. Teilweise überschneiden sich Veranstaltungen für Erasmusstudenten, da man Kurse aus mehreren Studienjahren belegt; in diesem Fall sollt eine Entschuldigung vorliegen bzw. nicht immer das gleiche Fach verpasst werden. Der Donnerstagnachmittag ist den Studenten generell zur freien Verfügung gelassen und häufig sportlichen Veranstaltungen, der Musik, dem Jobben und anderen Dingen gewidmet. Neben dem praktischen Pflichtprogramm des Studiums, gibt es zahlreiche auf freiwilliger Basis basierende Gruppen, die einen anderen und vertiefenden Einblick in das Berufsfeld bieten. Ich war so unter anderem in der Association VETGATE (Betreuung und Durchführung der Tierarzt-Kontrollen bei Distanzrennen) und im Team Poulain, im Rahmen dessen sich Studenten je nach Studienjahr, Erfahrung im Pferdebereich und Kompetenz um das Fohlen-Nursering im Falle von eingestallten Fohlen in der Pferdeklinik kümmern. Dazu gibt es eine theoretische Ausbildung, die der Fohlen-Periode vorangestellt ist. Außerdem gibt es eine Studentengruppe, die zusammen mit einer Professorin, in regelmäßigen Abständen in Lyon eine kostenlose Minimal-Veterinärversorung (v.a. Parasitenbehandlungen, Impfungen etc.) für Tiere obdachloser oder besonders sozialschwacher Besitzer leistet. Wer sich also neben der Uni engagieren möchte, findet sicher das passende Ich persönlich habe für 2 Semester in Marcy l Étoile studiert und muss rückblickend sagen, dass dies auch in Sachen Studienorganisation eine gute Entscheidung war. Es wird leichter fallen, innerhalb eines Jahres (anstelle von 5-6 Monaten) die nötigen Kurse zu belegen. Unsere gewohnten großen Fächer wie die Parasitologie, Pharmakologie oder Virologie werden in Frankreich in verschiedene Module aufgeteilt. So werdet ihr Inhalte eines Faches nicht nur in verschiedenen Studienjahren, sondern auch in unterschiedlichen Semestern hören. Bei einem Semester läuft man teilweise Gefahr nicht alle nötigen Kurse (die im jeweiligen Semester in der Heimat im Studienplan vorgesehen sind) zu belegen. Wer sich dennoch entschließen sollte für ein Semester an eine École Véto in Frankreich zu gehen, sollte ebenfalls beachten dies insofern möglich- eher im Wintersemester tun, da das 2. Semester in Frankreich bereits wieder Ende Januar/Anfang Februar beginnt, so dass es zur Überschneidung mit dem deutschen Semesterplan kommt. *Der Ablauf eines gewöhnlichen Studienjahres an einer École Véto* Das Wintersemester beginnt in Frankreich bereits Mitte September mit der großen Rentrée und der ihr vorgelagerten Semaine d accueil. Zur Begrüßung des 1. Studienjahres, les poulots. In dieser Woche werden die Neuankömmlinge willkommen geheißen, aber auch ein wenig geärgert; Ausflüge, Rallyes und viele andere Aktivitäten unternommen. Jeden Abend gibt es eine andere thematische Soirée im Salle deboum alias Salle Henri Point (dessen Bekanntschaft ihr dann auch persönlich machen werdet). Es gibt ein repas de classe, die Zuteilung von poulot et ancien (in Frankreich gibt es das Patensystem, sprich jeder Student im ersten Studienjahr bekommt eine(n) Patin/Paten aus dem 3. Studienjahr, der ihm bei Fragen und Problemen zur Seite steht und den er die komplette Studienzeit behält; meistens entwickeln sich daraus oft enge Freundschaften. Auch die Erasmus-Studenten erhalten einen Paten, eine sehr schöne Idee, vor allem zu Beginn recht hilfreich!) Die Semaine d accueil ist auf jeden Fall eine semaine de folie, wo auch reichlich getrunken wird und die ihr in der Form nicht woanders wiederfinden werdet, also einfach selbst einmal miterleben!

7 Mitte Januar ist das 1. Semester zu Ende. Ein Semester wird immer mit einer Prüfungsphase abgeschlossen, wobei bereits ab Ende November teilweise Klausuren geschrieben werden, sogenannte partiels anticipés. Ende Januar, nach den anstrengenden 3 Wochen temps des partiels gibt es eine Woche frei, in der vorwiegend für das 1. Jahr die Semaine blanche, eine Skifreizeit, jeweils vom 2. Studienjahr organisiert, auf freiwilliger Basis stattfindet. Im Februar/März sind je nach Studienjahr Praktikazeiten vorgesehen. Das 2. Semester findet zwischen Februar und April statt. Mitte April sind 2 Wochen Ferien, in denen z.t. Pflicht- Praktika vorgesehen sind. Ende Mai findet, meistens in Lyon, die große REVUE (Abschlussball des 4. Studienjahres) zu dem die gesamte Studentenschaft und natürlich die Familien der Absolventen eingeladen sind. Es handelt sich um ein recht großes Spektakel, wo es sich auch als Erasmusstudent lohnt hinzugehen. Ab Anfang/Mitte Juni ist wieder eine Klausurphase eingeplant und danach haben die Studierenden "Ferien" bis zum neuen Wintersemester. Die Semesterferien in Frankreich sind anders gelegt als in Deutschland. Man muss seinen Urlaub also zu anderen Zeiten planen. Während des gesamten Studienjahres werden zahlreiche interessante Vorträge zu ganz unterschiedlichen Themenbereichen, zum großen Teil von den Pharamriesen wie Merial, Pfizer und anderen organisiert, angeboten und meist mit einem gesponserten Büffet beendet. Sprachkurse...gibt es von der École selber nicht; allerdings wird es evtl. demnächst und bei Bedarf eine Art Kurs über den Erasmus-Club ERASMOVE geben. Bei Bedarf wendet euch einfach an Lorraine PUZIN (4A), Jen AILLOUD(4A) & Adeline GRANGE (5A). Organisatorisches - Wohngeld (APL) In Frankreich hat man auch als ausländischer Student generell die Möglichkeit, Wohngeld von der CAF (Caisse d allocations familiales), zu beantragen. Die Formulare und nötigen Informationen erhaltet ihr automatisch im Büro der CROUS. Ihr erhaltet je nach zu zahlender Miete und Berechnung durch die CAF ungefähr 60 monatlich, die euch automatisch auf eure Miete gutgeschrieben werden. Wundert euch am Anfang allerdings nicht, dass dies seine Zeit braucht (bis ca. Mitte Dezember), denn mit der Rentrée im Herbst ist die CAF mit der Masse an Anträgen oft einfach überfordert. Aber keine Sorge, es wird alles ab Antragsdatum rückerstattet. - Versicherungen Die europäische Krankenversicherungskarte (EKVK): Diese Krankenversicherungskarte gilt unabhängig davon, ob man bei den Eltern mitversichert ist (die Mitversicherung bei einem Elternteil ist jedoch maximal bis zum vollendeten 25. Lebensjahr möglich) oder eine eigene Krankenversicherung hat. Wenn man eine europäische Krankenversicherungskarte hat, muss man keine französische Krankenversicherung abschließen. Der durch die Europäische Krankenversicherungskarte abgedeckte Bereich gilt nur für die unmittelbar erforderliche medizinische Versorgung (zum Beispiel Beinbruch, kranker Zahn, Virusinfektion und ähnliche Notfälle) oder für die fortlaufende Versorgung bei chronischen Erkrankungen wie Diabetes. Die medizinischen Leistungen können im europäischen Ausland zu denselben Bedingungen in Anspruch genommen werden wie für die Versicherten des Gastlandes. Die anfallenden Kosten werden von der gesetzlichen Krankenkasse des Patienten erstattet. Ihr solltet euch bei eurer Krankenkasse informieren, inwieweit eine Deckung der Krankenbehandlungen im Ausland besteht. In manchen Fällen empfiehlt sich eine zusätzliche Auslands-Krankenversicherung. Ich hatte für den Zeitraum die ENVIVAS- Zusatzversicherung der Techniker Krankenkasse; diese kann man sogar tagweise abschließen, so dass eine individuelle Anpassung an den Auslandsaufenthalt erfolgen kann. Ich war recht zufrieden damit. Es gibt aber mit Sicherheit auch andere Angebote. Für die Einschreibung an der Hochschule braucht ihr auf jeden Fall eine Bescheinigung der deutschen Krankenkasse oder Privatversicherungen, dass ihr auch in Frankreich für die unmittelbar erforderliche medizinische Versorgung versichert seid.

8 - Eröffnen eines französischen Bankkontos Ihr müsst in Frankreich relativ zeitnah nach Ankunft ein Bankkonto eröffnen, schon allein für den Mietvertrag und den Antrag auf das APL. In Marcy l Étoile geht das ganz unkompliziert am besten in der Filiale der BNP Parisbas im Ortszentrum (rein theoretisch könnt ihr das Konto aber in jedem beliebigem Bankinstitut eröffnen). Ihr könnt dort für 2 Jahre kostenlos ein Konto führen. Durch die Eröffnung des Kontos erhaltet ihr einen sogenannten RIB (relevé d identité bancaire), den ihr unter anderem bei der Crous einreichen müsst, zum Abschließen eines Handyvertrages und Ähnlichem braucht. Außerdem erhaltet ihr ein Scheckheft, ohne dieses läuft nichts in Frankreich! - Haftpflichtversicherung Diese benötigt ihr für die Crous und da die Franzosen teilweise doch eher skeptisch den deutschen Versicherungen und so weiter entgegenstehen, schließt ihr am Besten die benötigte Haftpflichtversicherung im Zusammenhang mit eurem Konto bei der BNP Parisbas ab. Wenn ihr nachfragt, wird es euch sogar angeboten, sie besteht dann auch genau praktisch für ein Jahr und ist preislich angemessen und wird auf jeden Fall akzeptiert. - Auslandsbafög: BAföG ist eine staatliche, finanzielle Einkommensförderung für Studierende, die sich nach deren finanziellen Situation richtet. Die Einkommensförderung besteht teilweise aus einem Zuschuss, teilweise aus einem verzinsten Darlehen durch den Staat, dessen Rückzahlung spätestens fünf Jahre nach Beendigung des Studiums erfolgen muss. In der Regel muss der Antragstellende vor dem Studienaufenthalt einen ständigen Wohnsitz in Deutschland haben. Die Altersgrenze liegt bei 30 Jahren. Der Auslandsaufenthalt muss mindestens ein Semester bzw. zwölf Wochen im Rahmen einer Hochschulkooperation dauern. Auch die nachweislich gute Beherrschung der Landessprache wird vorausgesetzt. Wer einen BaföG-Anspruch im Inland hat, wird in der Regel auch im Ausland gefördert. Auch wer im Inland kein BAföG erhält, sollte es mit einem Antrag versuchen, da sich die Voraussetzungen unterschiedlich gestalten. Besondere Leistungen (z.b.: Reisekostenzugschlag, einmalige Gebühren usw.) müssen nach der BAföG- Auslandszuschlagsverordnung nicht zurückgezahlt werden. Darüber hinaus gibt es zusätzliche Auslandsleistungen, wie z.b. die Übernahme der Studiengebühren, insofern diese anfallen (bis zu 4600 ) oder der Reisekosten. Achtung! Der Antrag sollte nach Möglichkeit sechs Monate vor Beginn des Aufenthalts gestellt werden. Detaillierte Informationen zum BAfög sind auf den Internetseiten des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) zusammengestellt. Wohnen Grundsätzlich besteht die Möglichkeit auf ein Zimmer im Studentenwohnheim, der sogenannten Résidence universitaire alias Rez, zurückzugreifen. Dies ist wahrscheinlich, vor allem aus der Ferne betrachtet und der Sommer vorher verplant mit Physikum und anderen Dingen, die einfachste Lösung (wenn auch nicht immer die beste wie manche Erfahrungen zeigen ). Die CROUS (entspricht dem dt. Studentenwerk und koordiniert u.a. das Studentenwohnheim) reserviert einige Zimmer für die Erasmus- Studenten vor Beginn des neuen Studienjahres. Ein Bewerbungsformular für ein Zimmer wird normalerweise automatisch mit den Erasmusunterlagen der École über Madame Lerouge mitgeschickt (März/April). Ein großer Teil der Studentenschaft, vor allem das 1. Studienjahr, wohnt in der Rez. Die kurze Entfernung hinüber zum Campus, morgen zwischen 3 und 8 Minuten zu Fuß, reizt in der Tat und auch so lebt es sich dort in Sachen gesichertes soziales Umfeld gerade als Erasmusstudent ganz gut. Es ist zur Not halt immer jemand nebenan und wenn nicht, dann nur kurz über den Flur ; die Rez bietet neben dem Studienalltag eine weitere recht einfache Möglichkeit für die Begegnung mit anderen. Oft finden Gemeinschaftsgeburtstage, Abendessen, Filmeabende statt. Aktivitäten wie der Sport am Donnerstag-Nachmittag und abends sowie die Boums im Laufe des Jahres finden auf dem Gelände der Crous bzw. in Räumen des Wohnheims statt. Man ist einfach schön nah am Geschehen, wenn man in der Rez wohnt und muss sich nicht um etwaige Möbel oder andere Dinge - wie etwa für ein eventuell unmöbiliertes Appartement in der Umgebung- kümmern. Die Kosten für ein Zimmer belaufen sich je nach Bâtiment dennoch auf mindestens 300 Warmmiete pro Monat (inkl. Internet und Strom, wobei der teilweise nachgezahlt werden muss). Tiere könnt ihr ohne Probleme mitbringen (die Rez ist voll von Hunden und Katzen), ihr müsst dies nur bei der Crous angeben.

9 Nützliche Tipps Gegen die Einsamkeit und das Heimweh zu Beginn: die geliebte Radiosendung mitschneiden oder Lieblingsmusik von zu Hause mitnehmen, sich ein paar Fotos aufhängen; sich nicht im Zimmer verkriechen, sondern Kontakte suchen und Begegnungen provozieren. Nutzt zum Beispiel die Masse an Crémaillères (Wg-Einzugsparties) zu Beginn des Semesters oder dazu. Meistens sind dort im wahrsten Sinne des Wortes immer alle willkommen! Die Anschaffung eines (Gebraucht-) Fernsehers bzw. eines Radios lohnt sich ebenfalls durchaus. Man lernt die Sprache kaum angenehmer. Auch ist man so ständig in einem französischen Kontext und kann über bestimmte Sendungen mitreden. Eine große Auswahl an Filmen findet ihr innerhalb der Rés auch auf dem MERIAL-Server. Das hat schon den ein oder anderen verregneten November-Abend unter Freunden oder Flurnachbarn in der Résidence gerettet. Zugang erfragt ihr euch vor Ort Ab und zu eine Zeitung erleichtert ebenfalls das Textverständnis und hält euch zudem auf dem Laufenden. Wenn es mit der Rückreise und dem Gepäck und vor allem natürlich mit dem Grad der Leselust vereinbar ist, sollte man sich in Frankreich außerdem viele Bücher zulegen. Normale Taschenbücher sind allgemein auch preiswerter als in Deutschland. Wenn ihr mal ein paar Stunden nichts zu tun habt, nehmt doch einfach mal den Bus nach Lyon und entdeckt die Stadt. Einfach in die Metro steigen und an irgendeiner Haltestelle aussteigen und sich umsehen. Dadurch lernt man die Stadt kennen und entdeckt Unerwartetes...Wenn ihr Naturfreunde seid, schnappt euch ein Fahrrad und macht eine Tour ins Umland oder unternehmt einen Spaziergang, zum Beispiel im 20meter-benachbarten Parc de Lacroix Laval, sehr zu empfehlen. In vielen Universitätsstädten ist Donnerstag DER Tag, an dem alle ausgehen. So auch in Lyon. Es finden dort in regelmäßigen Abständen sogenannte Erasmus-Partys statt, aber auch andere Soirées bieten eine gute Möglichkeit, Kontakte zu knüpfen, vor allem auch außerhalb des Lebens auf dem Campus in Marcy l Étoile. Konsultiert in regelmäßigen Abständen das vom Club ERASMOVE erstellte schwarze Brett im Flur der Rez-de- Chaussée. Dort findet ihr Vorschläge für Unternehmungen, Abendgestaltung und Kultur rund um und vor allem in Lyon. Der Buschfunk funktioniert nach wie vor noch am allerbesten. Haltet euch auf dem aktuellen Stand, in dem ihr einfach aktiv am Leben auf dem Campus teilnehmt. Was Informationen rund um das Studium angeht, achtet auf s von Madame Lerouge in eurem postfach. Sie schickt euch alle wichtigen Informationen per und tritt generell auf diesem Wege mit euch in Kontakt. Ihr bekommt für die Zeit auch automatisch eine uni-eigene adresse, an die sämtliche s aus den diversen -Verteilern der École geschickt werden. Zu guter Letzt: Sehr erfolgversprechend und lohnend bei Fragen und Problemen ist auch immer der Kontakt mit ehemaligen ERASMUS-Studenten, die Ihren Auslandsaufenthalt und demnach auch das Drumherum vorher schon mitgemacht (und auch bewältigt) haben.

10 *Mobilität vor Ort* Ich persönlich kann auch die Mitnahme eines Autos empfehlen, natürlich insofern ihr ein Auto besitzt. Auch wenn Marcy l Étoile durch einen Bus zum Beispiel mit Lyon recht gut verbunden ist (im Halbstunden-Takt) verbunden ist, wird euch ein Auto viel Flexibilität bringen, euch das Einkaufen erleichtern (denn dieses ist außer im überteuerten Mini- Casino im Ort nur mit Auto möglich; aber keine Sorge: oft bilden sich hierzu auch Fahrgemeinschaften, ihr müsst als Nicht-Autobesitzer nicht verhungern) und euch die Möglichkeit geben zum Beispiel in den Ferien oder an freien Wochenenden viel vom Umland und allgemein von Frankreich zu entdecken. Ein weiteres praktisches Fortbewegungsmittel könnt ihr gegen eine geringe Kaution beim COB ausleihen. Dies ist eine echt gute Sache. Die Fahrräder sind neue Mountain-Bikes. Das Fahrrad erleichtert euch den Alltag, das ist sicher. Damit geht s mal schnell zur Post, zur Pharmacie, früh zur Uni oder eben für einen Ausflug in die Natur. Wer Fahrräder nicht mag und kein Auto besitzt kann auch zur jeder Zeit auf die Sparangebote bzw. das Studententicket des SNCF zurückgreifen. Unter 26 Jahren profitiert ihr generell in Frankreich von zahlreichen Vergünstigungen. Mit der carte (damit ist das Alter gemeint) habt ihr 25-60% Vergünstigungen pro Fahrt, mit einmalig 49 ist diese Karte in der Tat erschwinglich und lohnenswert, wenn man plant Frankreich während des Auslandsaufenthaltes zu entdecken.

11 Markante Erlebnisse und besondere Erfahrungen im Ausland Die Phase der Auseinandersetzung mit der fremden Kultur und Sprache ist durchsetzt von Zyklen positiver und negativer Erfahrungen, die jedoch, bei eigener Anstrengung, deutlich zum Positiven tendieren. Probleme können sich z.b. beim Umgang mit Autoritätspersonen (Polizei, Lehrende, Behörden, usw.) ergeben. Besonders am Anfang mit relativ schlechten Kenntnissen der Sprache bzw. der Gegebenheiten fühlt man manchmal ein wenig verloren in den Situationen. Teilweise nervt die fremde Mentalität dann irgendwann auch schon mal und man wünscht sich gewohnte Dinge her bzw. teilweise auch die dt. Bürokratie. Es hat aber auch den Vorteil, dass man auch mal die eigene Mentalität und Kultur in Frage stellt bzw. sich abgrenzen lernt. So erhält man auf jeden Fall von eurer eigenen, aber auch von der Kultur, die ihr zunehmend besser kennenlernt, ein differenzierteres Bild. Dies ist eine interessante Erfahrung und wohl auch nur durch ein zeitweiliges Leben im Ausland möglich. Das gleiche gilt für die Ausbildung von Sprachkompetenzen. Bisweilen werdet Ihr von Euren Verständnis- und Ausdrucksfähigkeiten selbst überrascht sein; bald darauf habt Ihr sehr große Probleme, auch nur einen vernünftigen Satz zu verstehen bzw. zu produzieren. Auch hierbei handelt es sich um Hürden, die übersprungen werden können, wenn Ihr es nur versucht und nicht aufgebt. Ihr vergesst, erinnert Euch wieder; wobei die jeweilige Tagesform auch eine große Rolle spielt. Seid Ihr mal nicht so gut drauf, müde, erschöpft, etc., könnt Ihr auch nicht so gut sprechen. Dadurch könnt Ihr leicht, vorübergehend, das Interesse am Erzählen verlieren. Daraus resultiert Unzufriedenheit und Frust, was sich noch negativer auf die Sprachproduktion auswirkt. Auch wird es zu Beginn des Aufenthalts immer mal wieder zu Missverständnissen kommen, ob nun kultureller oder sprachlicher Natur. Davon solltet ihr euch nicht entmutigen lassen. Fallen negative Erlebisse im Ausland oft ungewöhnlich extrem aus, so gilt dies auch für die positiven. Ihr habt nämlich, auch wenn der Stundenplan sehr voll ist, wesentlich mehr Zeit beziehungsweise einfach mehr Interesse, Euch um Sachen zu kümmern, die euch außerhalb des Studiums interessieren: neue Sportarten, Lesen, Musik, Ausflüge, Feten... Dazu kommt, dass euch niemand kennt; Ihr könnt also ein ganz neues Lebensgefühl/eine neue Identität entwickeln (ohne dabei teilweise vollständig für euer Handeln verantwortlich zu sein, teilweise verwendet man am Anfang doch gerne mal Aber bei uns ist das SO oder hat den sogenannten Sprachbonus). Ganz besondere Erinnerungen bieten gemeinsame besondere oder auch alltägliche Abende mit Freunden, gemeinsame Konzertbesuche oder Kurztrips, das Reden (und Verstandenwerden) in einer Gruppe von Franzosen, gemeinsamer Sport und vieles mehr Ihr werdet zudem auch für die Schwierigkeiten sensibilisiert, die Ausländer generell haben und ihr öffnet euch mehr für die Belange eurer Mitmenschen. Bei alldem kommt es aber fast immer auf eure eigene Initiative an, denn die Franzosen befinden sich ja im gleichen Alltagstrott wie Ihr sonst.die zahlreichen Auf und Abs münden in der Regel in einer vollständigen Anpassung an die ehemals fremde Umgebung: man bewegt sich in ihr ohne Probleme, hat Spaß, wird eingeladen von allen Seiten, fühlt sich verstanden und akzeptiert... Die Sprache wird zur "Muttersprache" und der "aufregende" Auslandsaufenthalt zum Alltag. Der Abschied ist dementsprechend schwer; man ist der Ansicht, etwas Großartiges geleistet zu haben, obwohl, oder gerade weil, der Aufenthalt nicht immer einfach war. Nach dem Auslandsaufenthalt Innerhalb eines Jahres ist alles so vertraut geworden, man hat sich seine eigene Welt geschaffen, eine neue Identität aufgebaut. Man benutzt jetzt auch eine andere Sprache, die ein Teil von einem selbst geworden ist. Es tat mir persönlich sehr weh, meine Freunde, mein neues zu Hause und alles andere verlassen zu müssen. Trotz aller Wiedersehensfreude in Deutschland bleibt ein Teil von mir in Marcy l Étoile. Ich habe das Gefühl, anders geworden zu sein als die anderen. Sie reden über Dinge, die ich nicht kenne, und ich rede über Dinge, die sie nicht kennen. Es beginnt eine harte Zeit des Verarbeitens von Gefühlen und Sehnsüchten, die niemand hier so richtig nachvollziehen kann. Wie auch?

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