Geschlecht und häusliche Gewalttäter. Wer tut wem was an? Professor Dr Marianne Hester OBE. Zentrum für Geschlechts- und Gewaltforschung

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1 Geschlecht und häusliche Gewalttäter Wer tut wem was an? Professor Dr Marianne Hester OBE Zentrum für Geschlechts- und Gewaltforschung

2 Schlüsselfragen Wird häusliche Gewalt uni- oder bidirektional ausgeübt? Patriarchal/ intimate terrorism oder situational/ common couple violence (Johnson 1995, 2006) Ist die Mehrheit der Opfer weiblich? Ist die Mehrheit der Täter männlich? Was ist mit männlichen Opfern? Nehmen Männer und Frauen gewalttätiges und missbräuchliches Verhalten in Beziehungen ähnlich war und üben dies in ähnlicher Weise aus?

3 Geschlecht & Täter-Stichprobe Häusliche Gewalt ist ein Muster wiederkehrender missbräuchlicher Verhaltensweisen Stichprobe mit 128 Tätern aus Polizeiakten Über 6 Jahre nachverfolgt um die Charakteristika der häuslichen Gewalt zu erfassen

4 Geschlecht & Täter-Stichprobe Stichprobe mit 128 (von 692) Tätern aus Datenbank zu Vorfällen häuslicher Gewalt [96 Fälle; 581 Vorfälle] Über 6 Jahre nachverfolgt 1. Alle weiblichen Täter 32 Frauen in heterosexuellen Beziehungen 2. Zufällige Stichprobe von männlichen Tätern 32 Männer in heterosexuellen Beziehungen 3. Zufällige Stichprobe mit Fällen männlicher und weiblicher Täter 32 Fälle mit 32 Frauen & 32 Männern

5 Vorfälle Tab 3 Anzahl der Vorfälle häuslicher Gewalt mit einer oder beiden Person/en als Täter/n, aufgelistet nach Geschlecht Ein Täter Beide Täter Anzahl Vorfälle Insg. % Davon männlich Davon weiblich Insg. % Davon männlich % N=32 % N=32 % N=32 Davon weiblich % N= % N=181 in 64 Fällen 100% n= % n=44 100% N=400 in 32 Fällen 100% n= % n=70

6 Aufgezeichnetes Verhalten nach Geschlecht Davon männlich % Davon weiblich % Verbaler Missbrauch Physische Gewalt * Drohungen * Belästigung * Beschädigung von Besitz des Partners Einsatz einer Waffe Beschädigung eigenen Besitzes 6 11 * statistisch signifikanter Unterschied zwischen Männern und Frauen

7 Geschlechtsunterschiede bei den Vorfällen Weniger weibliche Täter (62% ein Vorfall, Höchstzahl 8 Vorfälle) Mehr männliche Täter (83% zwei oder mehr Vorfälle, Höchstzahl 52 Vorfälle!) Männliche Vergehen viel schwerwiegender

8 Frauen als Täter Viel verbaler Missbrauch Psychische Probleme, Krankheit I. Allg. weniger Festnahmen von Frauen, aber unverhältnismäßig mehr gemessen an der Zahl der Vorfälle Polizei zweifelt Täterschaft eher an

9 Täter häuslicher Gewalt - Geschlechtsasymmetrien Frauen wenig Angst und Kontrolle Frauen fügen eher ihrem eigenen Besitz oder sich selbst Schaden zu Frauen Wahrscheinlichkeit der Waffennutzung doppelt so hoch Männer überwiegend Angst und Kontrolle Männer üben viel eher körperliche Gewalt aus, drohen, belästigen und beschädigen Dinge Männer Wahrscheinlichkeit des verbalen Missbrauchs leicht höher

10 Verhaftungen und Hauptaggressor Der Hauptaggressor ist meist ein Mann,... aber Frauen werden unverhältnismäßig häufiger verhaftet Wahrscheinlichkeit, dass es zu einer Verhaftung kommt, ist drei mal so hoch, wenn eine Frau als Hauptaggressor in einem Vorfall gilt Die Polizei schien eher dazu bereit zu sein, Frauen zu verhaften, trotz weniger intensiver oder schlimmer Gewalttaten als im Vergleich von Männern ausgeübt Frauen wurden für ein breiteres Spektrum und schwerwiegendere Vergehen mit Angriffen verhaftet als Männer

11 40 genperp male female 30 Count bop s39 s47 s18 s20 crim damage threat to kill release other arresttype

12 Männer als Täter Beispiel für typische männliche Täter-Gewalt : Mr & Mrs Purple 24 Vorfälle häuslicher Gewalt durch Mr Purple über 2 ½ Jahre: Angriffe, Todesdrohungen, darunter Bedrohung mit Hammer und Messer Extreme Angst und Missbrauch - besonders schwer für Mrs Purple zu entkommen Vier Kinder vom Sozialdienst zu den Großeltern gebracht

13 Frauen als Täter Beispiel für schlimmste weibliche Gewalt : Paar in ihren 70ern. Frau sehr aggressiv und physisch gewalttätig. Wurde verhaftet und für schwere Körperverletzung verurteilt. Kontrolle: Sie zwingt den Mann dazu, unten auf dem Boden zu schlafen. Sie hält den Mann klein. Der Mann ist beunruhigt über ihr Verhalten und möchte ihr helfen. Bei der Frau wurde ein tödlicher Hirntumor festgestellt.

14 Bewältigung weiblicher Gewalt durch den männl. Partner [Mrs. Teal] hatte an diesem Abend mit ihrem Mann getrunken, sie jedoch trank bis heute früh weiter ihr Mann bat sie in einen anderen Raum zu gehen damit Handwerker Arbeit verrichten konnten. Nach dieser Bitte wurde [Mrs. Teal] sehr beleidigend, was sich in der Küche fortsetzte, wo sie drohte, ein Messer zu nehmen [Mr. Teal] entfernte die Messer ehe sie diesen nahe kommen konnte und verständigte die Polizei. (Polizeiaufzeichnung zu häuslicher Gewalt)

15 Fazit Männer sind häufiger Hauptaggressoren, üben häufiger und schwerwiegendere Gewalt und Missbrauch aus. Frauen übten ein breites Spektrum an gewalttätigen und aggressiven Verhaltensweisen aus, riefen aber selten Furcht hervor. Frauen übten Gewalt häufig zur Selbstverteidigung, zur Flucht oder zum Selbstschutz aus. Pence & Dasgupta s (2006) analytische Kategorie der pathologischen Gewalt ist nützlich, um Frauen als Hauptaggressoren zu beschreiben. Das Strafjustizsystem behandelt einzelne Fälle, ohne Geschlechterdynamiken in Frage zu stellen (wie z.b. dass Frauen drei mal so häufig verhaftet werden und Gewalt oftmals als Schutz vor weiteren Schäden durch den männlichen Partner eingesetzt wird) Angebote für Opfer/Überlebende sollten v.a. auf Frauen abzielen, die Arbeit mit Tätern v.a. auf Männer

16 Revision der Schlüsselfragen Häusliche Gewalt uni- und bi-direktional? Patriarchal/ intimate terrorism V.A. DURCH MÄNNER Ist die Mehrheit der Opfer weiblich? JA Ist die Mehrheit der Täter männlich? JA Männliche Opfer ERLEBEN WENIGER ANGST ODER KONTROLLE Gewaltttätiges/missbräuchliches Verhalten wird von Männern und Frauen unterschiedlich wahrgenommen und eingesetzt.

17 Literaturhinweise Hester, M. (2013) Who does what to whom? Gender and domestic violence perpetrators in English police reports, European Journal of Criminology. 10 (5) Hester, M. (2012) Portrayal of women as intimate partner domestic violence perpetrators, Violence Against Women 18(9)

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