Geld, Preise und die EZB

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2 Gebrauch von Geld Funktionen von Geld Tauschmittel Ohne Geld müssten Transaktionen durch Tauschhandel (Naturaltausch) durchgeführt werden Problem der Doppelkoinzidenz der Wünsche (z.b. Tausch des Auftritts eines Musikers gegen Fahrrad) Wertaufbewahrungsmittel Recheneinheit Muscheln: 2500 v.chr. in Ägypten Goldmünzen: 550 v. Chr. in Kleinasien Kapitel 23: Geld, Preise und die EZB Slide 2

3 Gebrauch von Geld Messung von Geld (entsprechend der Systematisierung der EZB) M1 (eng gefasste Geldmenge): Beinhaltet den Bargeldumlauf sowie täglich fällige Einlagen (z.b. Girokonten) M2: Beinhaltet M1 sowie Einlagen mit vereinbarter Laufzeit von bis zu zwei Jahren und Einlagen mit vereinbarter Kündigungsfrist von bis zu drei Monaten M3: Beinhaltet M2 sowie Repogeschäfte, Geldmarktfondsanteile und Schuldverschreibungen mit einer Laufzeit von weniger als 2 Jahren Kapitel 23: Geld, Preise und die EZB Slide 3

4 Gebrauch von Geld M1 M1, M2 und M3 in der Eurozone im Dezember 2005 in Mrd. (jährliche Wachstumsrate in %) 3380 (10.4) Bargeld Täglich fällige Einlagen 520 (14.6) 2860 (9.7) M (8.2) M1 Einlagen (<2 Jahre Laufzeit) Einlagen (<3 Monate Künd.frist) (6.7) 1549 (5.2) M (7.6) M2 Liquide Geldmarktinstrumente (3.8) Kapitel 23: Geld, Preise und die EZB Slide 4

5 Gebrauch von Geld Komponenten von M3 Kapitel 23: Geld, Preise und die EZB Slide 5

6 Prozess der Geldschöpfung Beispiel: Hypothetisches Land Staat gibt 1 Mio Euro aus BewohnerInnen möchten die 1 Mio Euro (aus Sicherheitsgründen) bei einer Bank deponieren Zunächst: Mindestreserve von 100%, d.h. das Land ist sehr vorsichtig (Personen könnten jederzeit Geld abheben wollen) Kapitel 23: Geld, Preise und die EZB Slide 6

7 Prozess der Geldschöpfung Bargeld sind Aktiva, Einlagen sind Passiva für die Bank Bargeld Aktiva 1 Mio Euro Einlagen Passiva 1 Mio Euro Reserven entsprechen den Einlagen und damit der Geldmenge Einlagen sind Teil der Geldmenge, Reserven nicht Geldmenge beträgt damit insgesamt 1 Mio Euro Kapitel 23: Geld, Preise und die EZB Slide 7

8 Prozess der Geldschöpfung Jetzt: Mindestreservepflicht 10% Bank bemerkt, dass 10% Reserven, d.h tatsächlich ausreichend sind Erste Kreditvergabe aus den Überschussreserven von Aktiva Bargeld Euro (Reserven) Kredite Euro Einlagen Passiva 1 Mio Euro Kapitel 23: Geld, Preise und die EZB Slide 8

9 Prozess der Geldschöpfung Unternehmen kaufen Maschinen bei anderen Unternehmen, die den Erlös von deponieren Geldmenge bzw. Einlagen betragen 1.9 Mio Euro Mindestreserven betragen (0.1 x 1.9 Mio Euro) Vorhandene Reserven betragen 1 Mio Euro, Überschussreserven betragen Kapitel 23: Geld, Preise und die EZB Slide 9

10 Prozess der Geldschöpfung Aktiva Bargeld 1 Mio Euro (Reserven) Kredite Euro Einlagen Passiva 1.9 Mio Euro Bank kann weiteren zweiten Kredit von vergeben Unternehmen kaufen Maschinen bei anderen Unternehmen, die den Erlös von deponieren Geldmenge bzw. Einlagen betragen 2.71 Mio Euro Kapitel 23: Geld, Preise und die EZB Slide 10

11 Prozess der Geldschöpfung Mindestreserven betragen (0.1 x 2.71 Mio Euro) Vorhandene Reserven betragen 1 Mio Euro, Überschussreserven betragen Bargeld (Reserven) Kredite Aktiva 1 Mio Euro 1.71 Mio Euro Einlagen Passiva 2.71 Mio Euro Bank kann weiteren zweiten Kredit von vergeben usw. Kapitel 23: Geld, Preise und die EZB Slide 11

12 Prozess der Geldschöpfung Kreditvergabe kann weitergehen bis Reserven den Mindestreserven von 10% entsprechen bzw. die Überschussreserven gleich 0 sind Geldmenge beträgt dann 10 Mio Euro Bankensystem hat aus 1 Mio Euro Bargeld eine Geldmenge von 10 Mio (auf Girokonten) geschöpft Bargeld (Reserven) Kredite Aktiva 1 Mio Euro 9 Mio Euro Einlagen Passiva 10 Mio Euro Kapitel 23: Geld, Preise und die EZB Slide 12

13 Prozess der Geldschöpfung Jetzt: BewohnerInnnen des Landes möchten von den 1 Mio Euro Bargeld halten Mindestreservesatz beträgt weiterhin 10% Maximale Bankeinlagen betragen jetzt 5 Mio Euro ( / 0.10) Die Geldmenge ist die Summe aus Bargeld ( ) und Bankeinlagen (5 Mio Euro), d.h. 5.5 Mio Euro Das heißt, bei Bargeldhaltung von reduziert sich die Geldmenge um 4.5 Mio Euro Kapitel 23: Geld, Preise und die EZB Slide 13

14 Prozess der Geldschöpfung Weiteres Beispiel: Geldmenge in der Weihnachtszeit bei einem Mindestreservesatz von 20% Vor Weihnachtszeit Bargeld = 500, Reserven = 500 Geldmenge: / 0.20 = 3000 Weihnachtszeit Personen heben zusätzlich 100 ab Geldmenge: / 0.20 = 2600 Kapitel 23: Geld, Preise und die EZB Slide 14

15 Die Geldmenge an Weihnachten Regel Bei einem Mindestreservesatz von 20% reduziert jeder, der Reserven vermindert, die Geldmenge um 5 Geldmenge = Bargeldhaltung + Bankeinlagen Im Gleichgewicht gilt: Bankeinlagen = Reserven / Mindestreservesatz Daraus folgt: Reserven Geldmenge = Bargeld + Mindestreservesatz Kapitel 23: Geld, Preise und die EZB Slide 15

16 Die Europäische Zentralbank (EZB) Einzelheiten zur EZB EZB: Zentralbank der Eurozone, die alle Staaten umfasst, deren Währung der Euro ist Arbeit der EZB wurde 1999 aufgenommen Euro ist in der Eurozone seit 2002 die einzige Währung Euroländer: Belgien, Deutschland, Finnland, Frankreich, Griechenland, Irland, Italien, Luxemburg, Niederlande, Österreich, Portugal, Spanien (jeweils seit 2002), Slowenien (seit 2007), Malta, Zypern (jeweils seit 2008), Slowakei (seit ) Kapitel 23: Geld, Preise und die EZB Slide 16

17 Die Europäische Zentralbank (EZB) EZB ist unabhängig von Regierungen oder der Europäischen Kommission (nach dem Vertrag von Maastricht) Hauptaufgaben der EZB Geldpolitik Aufsicht und Regulierung der Finanzmärkte (hauptsächlich durch Zentralbanken der Mitgliedsländer) Ziele der EZB Hauptziel: Preisniveaustabilität Nebenziele: Vollbeschäftigung, Wirtschaftswachstum Kapitel 23: Geld, Preise und die EZB Slide 17

18 Kontrolle der Geldmenge Instrumente der EZB zur Kontrolle der Geldmenge Hauptinstrument: Wöchentliche Offenmarktgeschäfte (Repoauktionen) EZB kauft von Geschäftsbanken Wertpapiere und verkauft sie eine Woche später wieder (Differenz entspricht implizit einem Zinssatz) EZB erhöht oder senkt die Reserven der Geschäftsbanken und damit deren Möglichkeit zur Geldschöpfung Weitere Instrumente Langfristige Geschäfte Übernachtgeschäfte Kapitel 23: Geld, Preise und die EZB Slide 18

19 Kontrolle der Geldmenge Kapitel 23: Geld, Preise und die EZB Slide 19

20 Kontrolle der Geldmenge Kapitel 23: Geld, Preise und die EZB Slide 20

21 Geld und Preise Umlaufgeschwindigkeit V (velocity) Geschwindigkeit, mit der Geld zirkuliert Hängt von der Zahlungstechnologie ab V Wert Transaktionen = = Geldmenge Nominales BIP Geldmenge V CPI x reales BIP = = Geldmenge P x Y M Kapitel 23: Geld, Preise und die EZB Slide 21

22 Geld und Preise Werte für die Eurozone 2002: M1 = 2439 Mrd. Euro, M2 = 4914 Mrd. Euro, nominales BIP = 7073 Mrd. Euro 7073 Mrd. Euro V M1 = = Mrd. Euro 7073 Mrd. Euro V M2 = = Mrd. Euro Kapitel 23: Geld, Preise und die EZB Slide 22

23 Geld und Preise Quantitätsgleichung des Geldes Ausgangspunkt: V = P x Y M Multiplikation mit M führt zur Quantitätsgleichung: V x M = P x Y Kapitel 23: Geld, Preise und die EZB Slide 23

24 Geld und Preise Wenn V und Y konstant ist: M x V = P x Y Beispiel: Wenn die EZB M um 10% erhöht, dann steigt (bei konstantem V und Y) das Preisniveau langfristig um 10% Dies beschreibt den Zusammenhang zwischen Geldmengenwachstum und Inflation Kapitel 23: Geld, Preise und die EZB Slide 24

25 Geld und Preise Inflation und Geldmengenwachstum in lateinamerikanischen Staaten von 1995 bis 2001 Kapitel 23: Geld, Preise und die EZB Slide 25

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