Das niederländische Rentensystem. Eine Übersicht über die wichtigsten Aspekte

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1 Das niederländische Rentensystem Eine Übersicht über die wichtigsten Aspekte

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3 Das niederländische Rentensystem Eine Übersicht über die wichtigsten Aspekte Dutch Association of Industry-wide Pension Funds (VB)

4 Inhalt

5 1 Einleitung 6 2 Die drei Säulen des niederländischen Rentensystems Erste Säule Zweite Säule Dritte Säule 13 3 Aufsicht DNB AFM 16 4 Solidarität und Risikoteilung Solidarität Risikoteilung Buchhaltungsregeln 20 5 Verschiedene Rentenvereinbarungen DB-Regelungen DC-Regelungen CDC-Regelungen 24 6 Verschiedenes Mitspracherecht Vergreisung Steuern Verbot der Einmalauszahlung Übertragung der Versicherung Gleichbehandlung 29

6 1 Einleitung

7 Das niederländische Rentensystem Die niederländische Altersversorgung besteht wie in vielen anderen europäischen Staaten aus drei Säulen: der gesetzlichen Rentenversicherung (AOW), der betrieblichen Altersversorgung und der privaten Individualvorsorge. Diese drei Säulen bestimmen gemeinsam die Höhe der Rente, die jemand nach Beendigung seiner beruflichen Laufbahn erhält. Das System zeichnet sich durch Kollektivität, Risikodeckung und Effizienz aus. Die gesetzliche Rentenversicherung für Rentner von 65 Jahren und älter wird aus den Beiträgen derer bezahlt, die jünger als 65 Jahre sind (Umlageverfahren). Die betriebliche Altersvorsorge wird während des Berufslebens aufgebaut. Durch die immer älter werdende Bevölkerung in Europa wird die Gestaltung der Rentensysteme immer wichtiger. Länder, in denen das Umlageverfahren vorherrscht, erkennen, dass dieses System in Zukunft nicht mehr nachhaltig ist, da eine immer kleinere Gruppe Berufstätiger eine immer größere Gruppe Rentner unterhalten muss. Dies bedarf einschneidender Reformen. Aber auch Länder wie die Niederlande mit einem Kapitaldeckungssystem, sehen sich Problemen gegenüber. Neue Buchhaltungsregeln und Bestimmungen für die Bereithaltung von Reserven, aber auch die Tatsache, dass die Bevölkerung immer älter wird, drohen, die Kosten dieses Systems zu erhöhen, was zu Einschränkungen der Renten führen könnte. In Europa sind die Rentensysteme sind von Land zu Land unterschiedlich. Die eine Seite des Spektrums bilden Länder mit einem reinen Umlagesystem, bei dem die heutigen Renten vollständig von den Berufstätigen aufgebracht werden. Und auf der anderen Seite stehen Länder, in denen die Einwohner individuell für Ihre Rente sparen, wobei die Höhe der Rente hauptsächlich von den Anlageerträgen bestimmt wird. Es gibt jedoch zahlreiche Zwischenlösungen. Die Niederlande verfügt über eine solche. Im Rahmen der europäischen Diskussion ist es wichtig, dass die Vor- und Nachteile der verschiedenen Systeme betrachtet werden. Im folgenden wollen wir einen Überblick über die wichtigsten Aspekte des niederländischen Rentensystems geben. Niederlande: Einzigartiges Rentensystem 7

8 2 Die drei Säulen des niederländischen Rentensystems

9 Das niederländische Rentensystem Das niederländische Rentensystem besteht aus drei Säulen. In Abhängigkeit von der persönlichen Situation erhält ein Rentner Geld aus der ersten Säule, aus der ersten und zweiten Säule, aus der ersten und dritten Säule oder aus allen drei Säulen. 2.1 Erste Säule Die erste Säule besteht aus der gesetzlichen Rentenversicherung, der AOW. Diese Abkürzung steht für das Algemene Ouderdomswet, welches im Jahre 1957 als allgemeines Altersrentensystem eingeführt wurde. Die AOW ist ein Basiseinkommen und seine Höhe ist an den gesetzlichen Mindestlohn gekoppelt. Verheiratete und gleichgestellte unverheiratet Lebenspartner erhalten 50% des Mindestlohns (ca. 700 Euro Brutto im Monat). Alleinstehende erhalten mehr, nämlich 70% des Mindestlohns (ca Euro Brutto im Monat). Alle Personen, die zwischen ihrem 15. und 65. Lebensjahr in den Niederlanden gewohnt oder gearbeitet haben, sind AOW-versichert und haben Recht auf eine Rente ab dem 65. Lebensjahr. Für jedes versicherte Jahr innerhalb der Altersgrenze von 15 bis 65 Jahren, werden demnach 2% der Rentenzahlung aufgebaut. Auch Personen, die nicht arbeiten, bauen ein Recht auf AOW- Auszahlung auf. Ende 2007 erhielten 2,7 Millionen Menschen eine AOW-Rente. Insgesamt handelt es sich hierbei um einen Betrag von 25,2 Milliarden. Im Vergleich zu anderen Ländern deckt diese Basisversicherung aber nur einen Teil des gesamten Renteneinkommens ab. Die erste Säule wird mit Hilfe des so genannten Umlageverfahrens auf Basis des Solidaritätsprinzips finanziert. Dies beinhaltet, dass die Berufstätigen die Kosten des AOW für die heutigen Rentner von 65 Jahren und älter bezahlen. Darüber hinaus wird die Rente teilweise aus allgemeinen Mitteln der Staatskasse bezahlt. Indirekt kommt somit jeder, ob Berufstätige oder Rentner, für die steigenden Rentenkosten auf. 9

10 Eine Übersicht über die wichtigsten Aspekte 2.2 Zweite Säule Die zweite Säule besteht aus der kollektiven betrieblichen Altersversorgung. Diese Form der Altersversorgung kann bei einem Pensionsfonds oder bei einer Versicherung untergebracht sein. In den Niederlanden sind Pensionsfonds rechtlich und finanziell von den Unternehmen getrennt. Die meisten Rentengelder werden von Pensionsfonds verwaltet. Die zweite Säule sind kapitalgedeckt. Bei einer Kapitaldeckung wird die Rente mit den Beiträgen finanziert, die in der Vergangenheit einbezahlt wurden, um die darauf erzielte Rendite vermehrt. In den Niederlanden gibt es drei Arten von Pensionsfonds: Branchenpensionsfonds (für eine gesamte Branche, zum Beispiel Beamte, > Bau, Gaststätten oder Einzelhandel) Unternehmenspensionsfonds (für ein einzelnes Unternehmen oder einen > Konzern) Pensionsfonds für Freiberufler, wie zum Beispiel medizinische Fachkräfte > oder Zahnärzte. Pensionsfonds sind nicht gewinnorientiert. Es handelt sich um Stiftungen, die als eigenständige juristische Person nicht zu einem Unternehmen gehören. Finanzielle Probleme eines Unternehmens haben daher keine direkten Folgen für die Finanzen des Pensionsfonds. 10

11 Das niederländische Rentensystem Versicherungspflicht In den Niederlanden gibt es keine gesetzliche Rentenpflicht. Wenn die Sozialpartner aber entscheiden, dass sie Regelungen zur Altersversorgung anbieten wollen, kann der Staat eine Altersversorgungsregelung für eine bestimmte Branche oder Berufsgruppe vorschreiben. Deshalb verfügen 90% aller Arbeitnehmer über eine betriebliche Rentenversicherung. In diesen Fällen kann der Arbeitgeber also nicht selbst entscheiden, ob er eine Altersversorgungsregelung anbietet oder nicht. Durch Pflichtmitgliedschaft sorgt bei Branchenpensionsfonds für ausreichende Skaleneffekte, so dass die entsprechende Vorsorgeregelung kosteneffizient durchgeführt werden kann. Außerdem bietet eine Rentenpflicht eine gute Altersvorsorge für alle ArbeitnehmerDer Staat will mit einer solchen Pflichtmitgliedschaft für gegenseitige Solidarität sorgen. Arbeitnehmer können zudem innerhalb ihrer Branche einfach zu einer anderen Stelle überwechseln, ohne dass sich dies auf ihre Rente auswirkt. Unternehmen, die nicht unter die Pflichtmitgliedschaft fallen, können die Altersversorgungsregelung bei einem eigenen Unternehmenspensionsfonds oder bei einer Versicherung unterbringen. Organisation eines Pensionsfonds Die Leistungsmerkmale der betrieblichen Altersversorgung werden durch Arbeitnehmer und Arbeitgeber festgelegt. Dies ist sowohl bei einem Unternehmenspensionsfonds als auch bei einem Branchenpensionsfonds der Fall. Die Fondspolitik wird vom Vorstand des Fonds bestimmt. Laut Gesetz muss der Vorstand zur Hälfte aus Arbeitgeber- und zur Hälfte aus Arbeitnehmervertretern bestehen. Bei einem Unternehmenspensionsfonds können einige Arbeitnehmersitze durch Ruheständler eingenommen werden. Eine geringe Anzahl der Pensionsfonds behält die Renten- und Vermögensverwaltung in eigenen Händen. Die meisten Fonds delegieren dies jedoch an eine externe Verwaltungsgesellschaft. Dies kann eine Versicherungsgesellschaft oder eine Pensionsverwaltungsgesellschaft sein. Dabei geht es um private Organisationen, die sowohl gemeinnützig als auch gewinnorientiert sein können. 11

12 Eine Übersicht über die wichtigsten Aspekte Fakten und Zahlen im Hinblick auf die Pensionsfonds der 2. Säule Mehr als 90% der Arbeitsnehmer sind Mitglied eines Pensionsfonds. In den Niederlanden gab es Ende 2008 ungefähr 600 Pensionsfonds. Darüber hinaus haben Arbeitgeber circa Rentenvereinbarungen für mehr als Arbeitnehmer bei Versicherungen abgeschlossen. Dreiviertel der Arbeitnehmer sind bei einem Branchenpensionsfonds untergebracht. Die übrigen Arbeitnehmer sind über einen Unternehmenspensionsfonds oder über eine Versicherung versichert. Die Pensionsfonds unterscheiden sich stark im Hinblick auf ihre Größe, sowohl bezüglich der Anzahl der Mitglieder als auch bezüglich des aufgebauten Vermögens. Der größte Fonds der Niederlande verfügt über mehr als 1 Million aktive Mitglieder und mehr als 150 Milliarden Euro an angelegtem Vermögen. Es gibt jedoch auch Fonds mit nur einigen Dutzend Mitgliedern und einigen Millionen Euro an Vermögen. Das Gesamtvermögen, welches von niederländischen Pensionsfonds verwaltet wird, beträgt ca. 700 Milliarden Euro (Ende 2008). Zum Vergleich: das niederländische Bruttoinlandseinkommen für 2008 betrug ca. 600 Milliarden Euro. Verwaltungskosten von Pensionsfonds Die Kosten der niederländischen Pensionsfonds sind relativ gering. Hauptsächlich Skaleneffekte und die Tatsache, dass sie nicht gewinnorientiert sind, sorgen für niedrige Kosten. Auch die Anwendung von Standardverträgen mit wenig individueller Wahlmöglichkeit tragen zu den niedrigen Verwaltungs kosten bei. Die Verwaltungskosten sind pro Pensionsfonds unterschiedlich. Durchschnittlich betragen sie in den Niederlanden ca. 3,5 % (2004) der Prämie. Das bedeutet, dass so gut wie der gesamte Beitrag zum Aufbau der Rente eingesetzt wird. Dies steht im Kontrast zu den Lebensversicherungen, die individuelle Leibrentenversicherungen anbieten. Versicherungen haben neben Verwaltungskosten auch Marketingkosten. Außerdem müssen kommerzielle Versicherungen auch Gewinn erzielen. Aufgrund dieser Anhäufung von Kosten kann eine Lebensversicherung 25,7% (2004) der Beiträge nicht zum Aufbau der Rente verwenden. 1 1 noot? 12

13 Das niederländische Rentensystem 2.3 Dritte Säule Die dritte Säule wird von den individuellen Rentenprodukten gebildet. Hauptsächlich Selbständige und Arbeitnehmer in Branchen ohne eigene Altersversorgungsregelungen nutzen diese Möglichkeit. Jeder kann nach eigenen Wünschen eine Rentenversicherung der dritten Säule abschließen. Man kann auf diese Weise, teilweise auch steuerlich begünstigt, eine Zusatzrente aufbauen. Pensionsfonds sind nicht gewinnorientiert 13

14 3 Aufsicht

15 Das niederländische Rentensystem Der Staat überwacht die Tätigkeiten der Rentenversicherungsanstalten. Dies erfolgt durch zwei Aufsichtsbehörden, De Nederlandsche Bank (DNB), die niederländische Zentralbank, und die Autoriteit Financiële Markten (AFM), die niederländische Finanzaufsichtsbehörde. 3.1 DNB Die niederländische Zentralbank (DNB) prüft die finanzielle Stellung der Pensionsfonds. Sie beurteilt, ob die Pensionsfonds finanziell gesund sind und auch in der Zukunft ihren Verpflichtungen nachkommen können. Auch die materielle Aufsicht, nämlich die Aufsicht darüber, ob die Anforderungen an Pensionsfonds erfüllt werden, geschieht durch die DNB. Die niederländische Zentralbank (DNB) beaufsichtigt den Pensionsfonds, jedoch nicht die Pensionsverwaltungsgesellschaft. Der Pensionsfonds ist endverantwortlich für die Ausführung der Altersversorgungsregelung, auch wenn die täglichen Handlungen bei der Pensionsverwaltungsgesellschaft stattfinden. Prüfung der Finanzlage Ein Pensionsfonds muss immer genug Geld in der Kasse haben, um Renten auszahlen zu können. Der niederländische Staat hat in dem so genannten financieel toetsingskader (FTK) des Rentengesetzes die Rahmenbedingungen für die Finanzlage eines Pensionsfonds festgelegt. Die Finanzlage eines Pensionsfonds wird hauptsächlich durch seinen Deckungsgrad ausgedrückt, der das Verhältnis zwischen dem Vermögen des Fonds und der in Zukunft auszuzahlenden Renten (Rentenverpflichtung) widerspiegelt. Der Mindestdeckungsgrad beträgt 105%. Das bedeutet, dass das Vermögen 105% der Verpflichtungen beträgt. Außerdem muss ein Pensionsfonds über Reserven (Eigenkapital) verfügen, um finanzielle Rückschläge auffangen zu können. Die Höhe dieser Reserven hängt von einer großen Anzahl Faktoren ab. Für einen durchschnittlich großen Pensionsfonds beträgt der erforderliche Deckungsgrad einschließlich der erforderlichen Reserven ca. 125%. Je risikofreudiger ein Pensionsfonds anlegt und je höher das Durchschnittsalter der Mitglieder, desto höher sind die Anforderungen an die Reserven. Sowohl das Vermögen als auch die Verpflichtungen werden zum Marktwert bewertet. 15

16 Eine Übersicht über die wichtigsten Aspekte Sanierungsplan Sobald eine Unterdeckung auftritt (unter 105%), muss der Fonds bei der DNB einen Sanierungsplan einreichen. Innerhalb von 3 Jahren muss der Deckungsgrad wieder 105% betragen. Danach hat der Fonds insgesamt 15 Jahre lang Zeit, die erforderlichen Reserven wieder aufzubauen. In Ausnahmefällen kann die Wiederaufbaufrist von 3 Jahren verlängert werden. Dies ist vor kurzem aufgrund der Probleme im Zusammenhang mit der Finanzkrise aufgetreten (Verlängerung auf 5 Jahre). 3.2 AFM Die niederländische Finanzaufsichtsbehörde AFM überwacht die Handlungen der Pensionsfonds, hauptsächlich auf dem Gebiet der Informationspflichten gegenüber den Mitgliedern. Die AFM überwacht zudem die Sorgfaltspflicht; Pensionsfonds, die Rentenprodukte mit freier Kapitalanlagewahl anbieten, müssen ihre (ehemaligen) Mitglieder auch tatsächlich beim eigenständigen Anlegen unterstützen. Informationspflicht Das Rentengesetz verpflichtet Pensionsverwaltungsgesellschaften dazu, die Menschen, deren Rente sie verwalten oder an die sie auszahlen, gut über deren Rentenrechte zu informieren. Dies hilft Menschen, über ihre finanzielle Situation nachzudenken und im Hinblick auf ihre Altersvorsorge die richtigen Entscheidungen zu treffen. Dies kann sinnvoll sein, wenn Menschen der Meinung sind, dass sie nach ihrer Pensionierung nicht genug Einkommen zum Leben haben, früher mit dem Arbeiten aufhören möchten oder einige Zeit ins Ausland gehen möchten. In diesen Fällen können Sie sich bewusst dazu entschließen, selbst eine zusätzliche Altersvorsorge zur ersten und zweiten Säule zu schaffen. 16

17 Das niederländische Rentensystem Das Rentengesetz schreibt beispielsweise vor, dass man zu Beginn eines Beitritts zu einem Pensionsfonds einen Informationsbrief und danach jährlich eine Rentenübersicht erhalten muss. Darüber hinaus ist festgelegt, zu welchen Zeitpunkten Informationen herausgegeben werden und dass diese in verständlicher Form erteilt werden müssen. Im Rentengesetz ist festgelegt, dass Pensionsverwaltungsgesellschaften ab 2011 ein gemeinsames Rentenregister führen müssen. Dieses Register muss es Mitgliedern, ehemaligen Mitgliedern und ehemaligen Partnern auf einfache Weise ermöglichen, über Internet Einsicht in all ihre Rentenansprüche zu erhalten. Scharfe Kontrolle über Finanzen und Führung 17

18 4 Solidarität und Risikoteilung

19 Das niederländische Rentensystem 4.1 Solidarität In der niederländischen betrieblichen Altersversorgung baut ein Mitglied jedes Jahr mit einem festen Prozentsatz des Lohns einen zukünftigen Rentenanspruch auf. Alle Mitglieder zahlen dafür den gleichen Beitrag an den Pensionsfonds. Bei der Festsetzung der Höhe des Beitrages werden individuelle Unterschiede wie Alter, Geschlecht, Gesundheit und Einkommen demnach nicht berücksichtigt. Deshalb spricht man hier von einer Solidarität unter den Mitgliedern. Zum Beispiel werden Frauen durchschnittlich älter als Männer und dennoch zahlen sie keinen höheren Beitrag als Männer. Auch ärztliche Gutachten zu Beginn der Mitgliedschaft an einer Altersversorgungsregelung sind nicht gestattet. 4.2 Risikoteilung Der größte Teil der niederländischen Altersversorgung mit Leistungszusage (Defined Benefit, DB) ist keine reine DB-Regelung, sondern eine Mischregelung. Das bedeutet, dass im Falle von finanziellen Problemen des Fonds, alle Beteiligten ihren Beitrag zur Sanierung leisten. Das betrifft gleichzeitig Arbeitgeber, Arbeitnehmer und Rentner. Die Rentenbeiträge können erhöht werden. Hierdurch steigen die Lohnkosten > des Arbeitgebers und der Arbeitnehmer erhält ein geringeres Nettogehalt. Es ist auch möglich, dass sich der Arbeitgeber zur Bezahlung eines Zusatzbeitrages verpflichtet. Die Indexierung kann eingeschränkt werden. In den meisten Altersvorsorge- > regelungen wurde festgelegt, dass die Indexierung an Bedingungen geknüpft ist. Jedes Jahr entscheidet der Vorstand des Pensionsfonds, ob die Finanzlage des Fonds die Indexierung von Renten und aufgebauten Rechten ermöglicht. In indizierten Durchschnittslohnregelungen treffen die Beschränkungen der Indexierung sowohl den Rentner als auch das aktive oder ruhende Mitglied. Als äußerste Maßnahme können Rentenansprüche gekürzt werden. > 19

20 Eine Übersicht über die wichtigsten Aspekte Sowohl die Höhe des Beitrages als auch die Höhe der Indexierung ist bei vielen Altervorsorgeregelungen vom Deckungsgrad abhängig. Man spricht in diesem Fall von einer Risikoteilung zwischen den Generationen bei Pensionsfonds. Außerdem wird bei der Festlegung der verschiedenen Anlageformen nach einer guten Mischung und einem guten Gleichgewicht zwischen dem Bedürfnis von Rentnern nach Sicherheit einerseits und dem Bedürfnis von Jüngeren nach der Möglichkeit des Erreichens eines angemessenen Investitionsertrages gesucht. 4.3 Buchhaltungsregeln In Zeiten wirtschaftlicher Probleme, wenn der Deckungsgrad geringer als 105% ist, werden sowohl vom Arbeitgeber, als auch dem Arbeitnehmer und dem Rentner Opfer abverlangt. In den Buchhaltungsregeln für niederländische nicht-börsennotierte Unternehmen wird dies berücksichtigt. Die Höhe der Rentenverpflichtung in ihrer Bilanz hängt vom Vertrag ab, den sie mit dem Pensionsfonds abgeschlossen haben. Risiken, mit denen ein Unternehmen konfrontiert wird, müssen (in dem Maße, in dem die Risiken bestehen) auch in der Bilanz des Unternehmens zum Ausdruck kommen. Die Verpflichtung des Unternehmens kann lediglich auf die Zahlung des Beitrages beschränkt werden. In der Bilanz des Unternehmens muss daraufhin aufgrund der niederländischen Regelungen (RJ271) keine zusätzliche Rentenverpflichtung mit aufgenommen werden. Dies steht im Kontrast zu den internationalen Buchhaltungsregeln, die in IAS19 festgelegt sind. Diese bestimmen, dass börsennotierte Unternehmen mit einem eigenen Unternehmenspensionsfonds die gesamten Rentenverpflichtungen in den Jahresabschluss des Unternehmens mit aufnehmen müssen, auch wenn die Risiken zwischen den heutigen, den ehemaligen Mitgliedern und dem Arbeitgeber verteilt sind. 20

21 Das niederländische Rentensystem große Solidarität durch Durchschnittsprämien 21

22 5 Verschiedene Rentenvereinbarungen

23 Das niederländische Rentensystem 5.1 DB-Regelungen Es gibt verschiedene Formen der Altervorsorgeregelungen. Die am weitesten verbreiteten sind die so genannten Gehalts-Dienstjahre-Systeme, auch leistungsdefinierte oder defined benefit Système (DB) genannt. Dabei ist die Höhe der Rente von der Lebensarbeitszeit sowie dem Gehalt abhängig. Die DB-Regelung ist an einen Endlohn oder Durchschnittslohn gekoppelt. Der größte Teil der Altervorsorgesysteme besteht in den Niederlanden aus DB-Systemen. In den letzten Jahren wurde der größte Teil der Altersvorsorgesysteme von einer Endlohn- in eine Durchschnittslohnregelung umgestellt. Ende 2008 besaßen nur noch 1% der Aktiven eine Endlohnregelung, 87% eine Durchschnittslohnregelung und 5% eine DC-Regelung (Erläuterung siehe unten). Alles andere sind Mischformen von Komponenten verschiedener Regelungsarten. In den Endlohnregelungen wird bei jedem Karrieresprung der aufgebaute Rentenanspruch auf das Niveau der neuen Rentengrundlage angehoben. Wenn von dem Durchschnittslohn ausgegangen wird, dann spricht man von der Durchschnittslohnregelung. Bei Durchschnittslohnregelungen wird der aufzubauende Rentenanspruch an das Einkommen in einem bestimmten Jahr gekoppelt. Bei Durchschnittslohnregelungen wird im Allgemeinen eine bedingte Indexierung durchgeführt. Das bedeutet, dass der Rentenanspruch sowohl von Berufstätigen als auch von Rentnern im Prinzip einmal jährlich an die Inflation oder die Lohnsteigerungen in dieser Branche angepasst wird. Sollte es die finanzielle Situation des Fonds es jedoch nicht zulassen, wird auf diese Anpassung verzichtet. Darum spricht man von einer bedingten Indexierung. Pensionsfonds müssen keine Reserven für zukünftige Indexierungen bereithalten. Sie müssen der Aufsichtsbehörde jedoch nachweisen, dass sie auch auf lange Sicht ihre Indexierungsabsichten verwirklichen können. Anhand einer Indexierungstabelle geben Pensionsverwaltungsgesellschaften an, in wieweit sie unter normalen Umständen die Inflation ausgleichen können und was bei einem starken Konjunkturrückgang passiert. 23

24 Eine Übersicht über die wichtigsten Aspekte 5.2 DC-Regelungen Neben den leistungsdefinierten Systemen defined benefit gibt es die so genannten beitragsdefinierten Systeme oder defined contribution (DC) Regelungen, bei der die Rente von den Beiträgen, die während der Aufbauphase eingezahlt wurden und der Rendite, die darauf erzielt wurde, abhängig ist. Individuelle DC kommt in den Niederlanden relativ selten vor. Das Kapital muss spätestens bei Pensionierung in periodische Zahlungen umgesetzt werden. Sowohl das Kapitalanlagerisiko als auch das Zinsrisiko (das Risiko, dass sich der Einkaufspreis der Rentenauszahlungen verändert) liegen im Prinzip beim Arbeitnehmer. Es ist auch möglich, dass eine Altersvorsorgeregelung eine Kombination aus oben genannten Systemen darstellt. So kann jemand beispielsweise eine Altersrente beziehen, die eine Kombination einer DB-Regelung (bis zu einer bestimmten Einkommensgrenze) mit einem kleinen Teil DC für den Gehaltsanteil oberhalb dieser Grenze ist. 5.3 CDC-Regelungen Neben den DB- und DC-Regelungen bestehen in den Niederlanden auch Mischformen, so genannte Collectief Defined Contribution (CDC) Regelungen. Dabei basiert die Höhe der Rente auf dem Gehalt und den Mitgliedsjahren, als ob es sich um eine DB-Regelung handelt. Der Beitrag ist jedoch für eine große Anzahl von Jahren festgelegt. Erweist sich der Beitrag jedoch als nicht ausreichend, wird die Rentenauszahlung niedriger ausfallen, als ursprünglich vorgesehen. CDC- Regelungen kombinieren ein eingeschränktes Risiko für fluktuierende Rentenverpflichtungen für den Arbeitgeber mit den Vorteilen eines kollektiven Rentensystems. 24

25 Das niederländische Rentensystem Ambitionen: Rente wächst mit der Lohnentwicklung oder Inflation 25

26 6 Verschiedenes

27 Das niederländische Rentensystem 6.1 Mitwirkung der Arbeitnehmer Auch die Weise, wie ein Fonds geleitet werden muss, ist im Pensionsgesetz festgelegt. Der Vorstand muss zur Hälfte aus Arbeitgebervertretern und zur Hälfte aus > Arbeitnehmervertretern bestehen. Er muss die Interessen aller Anteilinhaber beherzigen, also die der aktiven Mitglieder und des Arbeitgebers aber auch die der Rentner und der ruhenden Mitglieder. Ein Branchenpensionsfonds verfügt über einen Mitgliederbeirat. Darin sind > die Arbeitnehmer und Rentner anteilsmäßig vertreten. Der Mitgliederbeirat berät den Vorstand in allen wichtigen Leitungs- und Verwaltungsangelegenheiten. Für einen Unternehmenspensionsfonds oder Berufspensionsfonds ist ein Mitgliederbeirat nicht vorgeschrieben. Bei einem Unternehmenspensionsfonds müssen die Rentner direkt im Vorstand vertreten sein, wenn es keinen Mitgliedsbeirat gibt. Der Vorstand ist verantwortlich für die interne Überwachung, im Rahmen derer > regelmäßig beurteilt wird, ob die verwaltungstechnischen Prozesse und die Leitung des Fonds ordnungsgemäß verlaufen. Der Vorstand muss sich gegenüber einem Rechenschaftskommittee, welches > aus Vertretern aller Anteilinhaber, Arbeitgeber, Arbeitnehmer und Rentner besteht, verantworten. 6.2 Alternde Bevölkerung Das gesetzliche Rentenalter liegt zurzeit bei 65 Jahren. Seit einigen Jahren sind die eingezahlten Beiträge für eine Pensionierung vor dem 65. Lebensjahr nicht mehr steuerlich absetzbar. Es ist zwar möglich, vor dem 65. Lebensjahr aus dem Arbeitsleben auszuscheiden, dann jedoch auf eigene Kosten: Wenn man die Altersrente früher erhalten möchte, wird die Rentenauszahlung niedriger, da mit dem aufgebauten Rentenkapital länger ausgekommen werden muss. 27

28 Eine Übersicht über die wichtigsten Aspekte Es ist auch möglich, länger zu arbeiten und später in Rente zu gehen. Gesetzliche Hindernisse für ein Weiterarbeiten nach dem 65. Lebensjahr wurden in den letzten Jahren beseitigt. Beim Hinauszögern der Pensionierung ergeben sich die umgekehrten Effekte einer verfrühten Pensionierung. Dies führt zu einer höheren Rente. Bei längerer Lebensarbeitszeit, wird mehr Pension aufgebaut. Die Rentenzahlungen setzen erst später ein, so dass die Rente höher ausfällt. Im allgemeinen kann man davon ausgehen, dass für jedes Jahr, die man über das Rentenalter hinaus arbeitet, 9% mehr Rente ausgezahlt wird. Eine Verzögerung der Pensionierung kann dann sehr schnell zu einer beträchtlichen Rentenerhöhung führen und eine attraktive Möglichkeit sein, ein eventuelles Rentendefizit auszugleichen. Oftmals bietet die Altersvorsorgeregelung auch die Möglichkeit, in Teilzeit in Rente zu gehen. Für einen Teil der Arbeitswoche werden Rentenleistungen ausbezahlt und für die gearbeiteten Tage Gehalt. Für den Teil, in dem gearbeitet wird, kann man weiter Rentenansprüche erwerben. 6.3 Steuern In den Niederlanden gibt es für den Aufbau von Rentenansprüchen steuerliche Anreize. Auf Pensionsbeiträge werden keine Steuern erhoben. Auch das Wachstum des Rentenanspruchs durch Kapitalanlageerträge der Pensionsfonds bleibt steuerfrei. Erst bei Erhalt der Rentenauszahlung wird eine Steuer erhoben (Umkehrsystem). Dieser Steueraufschub ist noch attraktiver, wenn der Steuersatz für die zukünftige Rentenauszahlung niedriger als der Steuersatz für das heutige Einkommen ist. Diese steuerliche Vergünstigung hat dazu geführt, dass in den Niederlanden mehr als 90% der Arbeitnehmer eine betriebliche Altersversorgung haben. Dadurch wird das gesellschaftliche Bewusstsein dafür erhöht, dass es sich lohnt während der Berufsjahre Vorsorge für später zu treffen. 28

29 Das niederländische Rentensystem 6.4 Verbot der Einmalauszahlung Man spricht von einer Einmalauszahlung, wenn die Rente nicht in monatlichen Raten, sondern in einer Summe ausgezahlt wird. Eine Einmalauszahlung von Rentenansprüchen ist nicht erlaubt, es sei denn, es handelt sich um einen kleinen Betrag (2009: 417,74 Euro Brutto pro Jahr). Kleine Rentenansprüche bringen nämlich einen relativ hohen Verwaltungsaufwand im Verhältnis zu den zu erwartenden Auszahlungsbeträgen mit sich. Bei DC-Regelungen ist der Ankauf einer Annuität im Alter von 65 Jahren vorgeschrieben. Das Rentenkapital darf nicht pauschal an den Arbeitnehmer ausgezahlt werden. 6.5 Übertragung der Versicherung Arbeitnehmer, die ihre Stelle wechseln, können die aufgebaute Rente zu dem Pensionsfonds des neuen Arbeitgebers mitnehmen. Bei häufigem Stellenwechsel, werden sonst bei unterschiedlichen Pensionsverwaltungsgesellschaften viele kleine Rententöpfe neben einander bestehen. Man ist nicht verpflichtet, seine aufgebaute Rente zu der Pensionsverwaltungsgesellschaft des neuen Arbeitgebers mitzunehmen. Man kann diese auch bei der Pensionsverwaltungsgesellschaft des alten Arbeitgebers belassen (ruhende Rentenansprüche). Ruhende Rentenrechte müssen auf die gleiche Weise indiziert werden wie die Rechte von Rentnern. 6.6 Gleichbehandlung Das Rentengesetz enthält Regeln über die Gleichbehandlung von Männern und Frauen. Sie bezahlen den gleichen Prozentsatz ihres Gehalts an Beiträgen und bauen jährlich eine gleich hohe Rente auf. Ab 2005 sind auch Rentenauszahlungen, die auf die beitragsdefinierten Systemen basieren, für Männer und Frauen gleich. Gleichbehandlung gilt auch für Personen, die eine Teilzeit- oder Vollzeitstelle haben und für Arbeitnehmer mit einem Zeitvertrag oder einer Festanstellung. Das Rentengesetz verbietet zudem Diskriminierung im Hinblick auf das Alter. Arbeitgeber mit einer Altersvorsorgesregelung müssen auf alle Fälle Personen ab ihrem 21. Lebensjahr darin aufnehmen. Hauptaugenmerk auf Corporate Governance 29

30 Eine Übersicht über die wichtigsten Aspekte Notizen 30

31 Sibylle J.M. Reichert Representative of the Dutch Pension Fund Organisations Scepterstraat 63a B-1050 Brussels Belgium

32 Dutch Association of Industry-wide Pension Funds (VB) Zeestraat 65d 2518 AA Den Haag Bezuidenhoutseweg AV Den Haag

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