Vanessa Senning: Ich habe auch Gefühle

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2 Vanessa Senning: Ich habe auch Gefühle Es war 1717, ein Tag wie jeder andere, und ich stand in meinem Zimmer. Mein Klavierspieler war sehr gut, und ich freute mich immer, wenn wir zusammen die Zeit verbrachten. Er hieß Jan Spieler. Ich weiß nicht, ob er wegen seines Nachnamens so gut spielen konnte, jedenfalls spürte ich immer, dass er mit Gefühl spielte. Das nahm mich immer mit, und ich sang auch immer mit. Jan Spieler kümmerte sich gut um mich. Ich glänzte immer so schön bei jedem Auftritt. Doch die Zeit verging sehr schnell, und mein Klavierspieler wurde immer älter und älter. Bei den Konzerten musste man ihn schon mit einem Rollstuhl auf die Bühne bringen. Ich habe versucht, ihm mit meinen Tasten zu helfen, aber es half nichts. Er komponierte 1756 sein letztes Stück, es hieß Die Zeit vergeht schnell. Sein letzter Tag war gekommen, er wusste es schon und starb. Ich konnte nicht aufhören, zu weinen. Tag und Nacht dachte ich an ihn, aber der Schmerz in meinem Herzen war viel zu groß, um nicht zu weinen. Es vergingen Tage und Nächte. Da stand ich jetzt und weinte. Plötzlich hörte ich, wie die Tür aufging. Ich konnte hören, wie jemand über einen Verkauf redeten. Es kamen zwei Männer und eine Frau herein. Am nächsten Tag kehrte die Frau zurück. Langsam verstand ich, dass sie das Haus kaufen wollte und mich inklusive. Inzwischen hatte ich mich an sie gewöhnt. Aber alles war anders: Sie spielte nicht mit Gefühl und pflegte mich auch nicht. Sie putzte den Staub nicht von mir, stimmte mich nicht und ließ im Winter immer das Fenster offen. So verlor ich immer mehr meine schöne Stimme. Sie verstand wohl nicht, dass auch ich Gefühle habe und ein Herz wieder jeder andere auch. Nur mein früherer Klavierspieler Jan Spieler hatte gewusst, dass ich ein Herz und Gefühle habe, und mich auch sehr gut gepflegt. Eines Tages kam ein kleines Mädchen herein und spielte auf mir, doch sie wollte mich nicht. Ich sei schon viel zu zerkratzt und hätte eine schlechte Stimme. Sie wollte ein neues weißes und schönes Klavier. Ich stand nur im Zimmer des Mädchens und war zu nichts zu gebrauchen. Am nächsten Tag kam ein schönes, weißes, großes, poliertes und gestimmtes Klavier neben mich. Das kleine Mädchen spielte jeden Tag auf ihm.

3 Da fielen mir wieder die alten Zeiten mit meinem besten Klavierspieler Jan ein. Es war so toll mit ihm gewesen. Eines Tages kamen drei Männer und schleppten mich in ein Auto. Ich weiß nicht wieso, aber ich hatte ein gutes Gefühl. Die Männer brachten mich in ein großes Waisenhaus. Alle Kinder rannten gleich zu mir außer ein Junge, der drei Jahre alt war und mich die ganze Zeit nur anschaute. Bis er sich auf den Stuhl setzte und zu spielen anfing. Er spielte so bezaubernd, dass ich meine letzte Kraft zusammennahm und so schön sang, wie ich nur konnte. Der kleine Junge verstand, dass ich auch Gefühle habe. Und spielte Tag und Nacht auf mir. Auch die anderen Kinder glaubten fest daran, dass ich ein Herz und Gefühle habe. Es war das Tollste auf der Welt, eine richtige Familie zu haben. Sie polierten mich und stimmten mich und pflegten mich. Und leise in meinem Herzen hörte ich eine flüsternde Stimme: Du hast eine tolle Familie. Ich sah so schön wie früher aus und fühlte mich auch so. So habt ihr gelernt, dass ich auch ein Herz habe wie jeder andere auch. Schaut nicht auf das Aussehen sondern auf das Herz. (geschrieben 1759 von eurem Klavier)

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5 Lisa Betz: Aufregung am Strand Mein Name ist Lorenz und ich bin neun Jahre alt. Ich habe drei Geschwister. Meine große Schwester heißt Lillian und ist elf Jahre alt, mein kleiner Bruder heißt Fritz und ist fünf, der andere ist zwei und heißt Franz. Wir fahren gerade auf der Autobahn nach Italien. Ich streite mich mit Fritz, während Franz schreit und Lillian über irgendetwas nachdenkt. Es dauert lange, bis endlich Ruhe einkehrt und wir ankommen. Mama und Papa haben einen kleinen Bungalow gemietet, der auf einem großen Campingplatz steht. Weil es schon Abend ist, schlafen wir schnell ein. Am nächsten Morgen gehen wir alle an den Strand, um zu frühstücken. Wir haben den großen, weiten Strand fast ganz für uns allein, weil alle anderen Urlauber wohl noch schlafen. Ich finde, dass es hier wunderschön ist. Man sieht die glitzernden Wellen, den fast weißen Strand und ein paar bunte Sonnenschirme. Als Lillian und ich eingecremt sind, spielen wir Volleyball. Danach gehen wir zusammen ins Wasser. Mit ihr verstehe ich mich in letzter Zeit gut, dafür mit Fritz überhaupt nicht. Gegen Mittag kommen immer mehr Urlauber. Mama bietet uns belegte Brote an und ich würde gerne lesen, aber ich kann mein Buch nicht finden. Das war bestimmt wieder Fritz, der es mir weggenommen hat, um mich zu ärgern. Fritz!, zische ich. Doch: Wo war er überhaupt? In dem Moment, als ich den Namen meines Bruders ausspreche, zuckt Mama zusammen. Wo ist er? Fritz ist weg!, ruft sie erschrocken. Das kann doch gar nicht sein, eben war er doch noch hier und hat mit seinem Eimer Wasser vom Meer gebracht, erwidert Papa. Wir schauen rings herum, doch er ist nicht zu sehen, nicht am Strand und auch nicht im Wasser. Mama läuft mit Franz auf dem Arm in die eine, Papa in die andere Richtung. Lillian und ich bleiben am Platz. Nach einer halben Ewigkeit kommt Mama zurück und ist ganz blass.

6 Ich finde ihn nicht. Ich habe ihn überall gesucht, aber vergebens, er ist verschwunden. Ich bekomme schreckliche Angst um meinen Bruder. Es fühlt sich furchtbar an, Streit zu haben, aber noch schlimmer ist es, wenn dem, mit dem man streitet, etwas passiert. Mir laufen kalte Schauer über den Rücken. Was, wenn Fritz nun im Wasser ertrunken ist? Er ist doch erst fünf und kann noch nicht schwimmen! Oder wenn ein böser Mensch ihn entführt hat? Vielleicht ist er aber auch wegen mir weggelaufen, weil ich so gemein zu ihm war? Jetzt merke ich auf einmal, wie lieb ich ihn doch eigentlich habe, ich wünsche mir gerade nichts mehr, als dass er wieder bei uns ist. Tränen laufen mir aus den Augen und machen mein ganzes Gesicht nass, aber das ist mir in dem Moment nicht peinlich, stattdessen heule ich immer weiter. Mama geht auf einen Mann zu, er hat ein rotes T-Shirt an, ich glaube, er ist Rettungsschwimmer. Papa ist mittlerweile auch da, er sieht verzweifelt aus, weil er Fritz auch nicht gefunden hat. Meine Eltern gehen mit dem Rettungsschwimmer zu seinem Turm und suchen von oben mit dem Fernglas den ganzen Strand ab. Mit dem Funkgerät spricht der Rettungsschwimmer mit seinen Kollegen von den benachbarten Türmen. Alle halten jetzt Ausschau nach meinem kleinen Bruder. Plötzlich rauscht das Funkgerät, und man kann eine Stimme hören. Ich sehe, wie meine Eltern und der Rettungsschwimmer genau hinhören und sich dann scheinbar sehr freuen. Ich laufe ganz zu ihnen hin und frage: Was ist los, was hat der Mann am Funkgerät gesagt? Mama antwortet erleichtert: Er ist Polizist und sagt, Fritz sei bei ihm, er sei scheinbar zurück auf den Campingplatz gelaufen. Er dachte wohl, wir wären dort, nachdem er unseren Platz nicht mehr gefunden hatte. Er bringt ihn gleich her. Wenige Minuten später ist Fritz wieder bei uns. Wir umarmen uns alle und sind unglaublich froh. Ich finde heraus, dass er nicht mehr sauer auf mich ist und das ist das Einzige, was zählt.

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