Besonderheiten der Fachmittelschule FMS

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1 Amt für Berufsbildung, Mittel- und Hochschulen Amtsleitung Bielstrasse Solothurn Besonderheiten der Fachmittelschule FMS 1. Selbstständiges Lernen Definition Lernen besteht aus verschiedenen Dimensionen und jede Dimension kann unterschiedliche Ausprägungen aufweisen. Auswahl von Dimensionen Organisation des Lernprozesses Erschliessung des Lerninhalts Vollständig nach Vorgaben ausführend Nachvollziehend, Bekanntes auf bekannte Aufgaben anwendend Wirkungsdidaktik Ausprägung Selbstständig gestaltend Entdeckend, neue Probleme bearbeitend und lösend Ermöglichungsdidaktik Anspruch Einfach Komplex Beteiligte Einzelperson Gruppe Selbstständiges Lernen lässt sich grob mit den beiden ersten Dimensionen Organisation des Lernprozesses und Erschliessung des Lerninhalts definieren. Durch die unterschiedliche Ausprägung dieser beiden Dimensionen entstehen unterschiedliche Variationen des selbstständigen Lernens, die noch durch andere Dimensionen z. B. Beteiligte erweitert werden: selbstständig 4 Organisation des Lernprozesses 2 3 ausführend 1 nachvollziehend entdeckend problemlösend Erschliessung des Lerninhalts

2 Beispiele 1) Vortrag der Lehrperson mit Fragen und Zeitfenstern, die eigenständiges Überlegen erfordern und selbstständige Erkenntnisse ermöglichen 2) Leittext, dessen Lerninhalte zu einem grossen Teil nachvollziehend dargelegt sind. 3) Einzelarbeit mit klar vorgegebenen Schritten und dem Auftrag, bekannte Lösungsmuster auf bekannte Probleme anzuwenden. 4) Projektarbeit mit dem Auftrag in einer Gruppe das Ziel selbst festzulegen, selbst zu planen, das Projekt selbstständig durchzuführen und auszuwerten. Grundsatz Die FMS legt besonderen Wert auf selbstständiges Lernen in verschiedenen Variationen alleine und in Gruppen. Dies fördert sie insbesondere durch: Förderung der Selbstständigkeit im regulären Unterricht Einführung in das selbstständige Lernen spezifisch für jedes Fach oder für Fachgruppen (siehe Ausführungen zu Blockunterricht) Erweiterte Lehr- und Lernformen (ELF) im regulären Unterricht, im Blockunterricht und in Studienwochen Lernjournal Reflexion und Beratung in Bezug auf Lern- und Arbeitsstrategien sowie Gruppenprozesse durch die Fachlehrpersonen Eine Kultur, die Fehler als Lernchancen nutzt Spezialwochen Abschlussarbeit Die Lehrpersonen verfügen über Kompetenzen in der Beratung und über Wissen über Lernund Arbeitsstrategien sowie Gruppenprozesse Die Lehrpersonen verfügen über Kenntnisse der ELF und ihrer professionellen Umsetzung (Zielformulierung, Moderation, entsprechende Prüfungen) Zeitgefässe für aufwändigere ELF und Projekte (Blockunterricht, Spezialwochen) Die Lehrpersonen verfügen über Wissen zur Arbeit mit dem Lernjournal, die Schulen haben ein entsprechendes Konzept und jemand ist für die Koordination und den Erfahrungsaustausch zuständig. Die Lehrpersonen verfügen über Kenntnisse, wie Lernen aus Fehlern und eine Fehlerkultur zu realisieren sind und haben Gelegenheit zum Erfahrungsaustausch. Zum Lehrauftrag gehört für jedes Fach mindestens eine ELF pro Semester 2. Blockunterricht In jedem Jahr sind zwei bis vier Schulwochen nicht mit dem üblichen Unterricht, sondern mit Spezialwochen belegt. An der jährlichen stattfindenden Projektwoche (gemeinsam mit der Maturitätsausbildung) sind jeweils alle Lehrpersonen beteiligt, in den verbleibenden Wochen aber nicht. Die ausfallenden Lektionen werden von jeder Lehrperson mit Blockunterricht kompensiert oder mit anderen Einsätzen ausgeglichen. Im Blockunterricht wird die Selbstständigkeit besonders gefördert und mit speziellen Lehrund Lernformen genutzt. 2

3 3. Spezialwochen und Fremdsprachenaufenthalt Schulwochen Ferienwochen Bezeichnung Beschreibung 3 0 Projektwoche 0 1 Einblick in die Berufswelt Die Schüler und Schülerinnen weisen 5 Tage nach, die sie im 1. Ausbildungsjahr absolvieren (einzeln oder in einer Woche). Die Einsätze werden in der Schule vor- und nachbereitet. 1 1 Sozialpraktikum Ausserschulische, soziale Erfahrungen sammeln Gemeinsam mit den Spezialwochen der Kantonsschule. Sprachintensivwoche Sprachaufenthalt Französisch Sprachaufenthalt Englisch Eine Woche Unterricht in Französisch (an der Kantonsschule oder extern). Sprachaufenthalt im französischsprachigen Raum. Sprachintensivaufenthalt in Englisch. Total Spezialwochen während der drei Jahre FMS 1. Ausbildungsjahr: - 1 Sprachintensivwoche Französisch an der Schule - 2 Wochen Sprachaufenthalt französischsprachigen Raum - während der unterrichtsfreien Zeit: 5 Tage Einblick in die Berufswelt 2. Ausbildungsjahr - 2 Wochen Sozialpraktikum, davon 1 Woche in den Ferien 3. Ausbildungsjahr - 4 Wochen Sprachintensivkurs in Englisch, davon 2 Wochen in den Ferien 4. Interdisziplinarität Definition Tragen verschiedene Fächer und Erfahrungsbereiche einen selbstständigen Anteil zu einem gemeinsamen Thema bei, wird darunter Multidisziplinarität verstanden und zur Interdisziplinarität gerechnet (z.b. Physikalische Bedingungen, damit Flugzeuge fliegen, Geschichte und Bedeutung der Fliegerei und im Französischunterricht Lektüre Vol de Nuit ). Wird ein Thema in verschiedenen Fächern und Erfahrungsbereichen so bearbeitet, dass sich die bearbeiteten Anteile überschneiden, so wird darunter Interdisziplinarität verstanden (z.b. Verständnis der Materie in der Antike, dem Mittelalter und der Moderne und der Einfluss der unterschiedlichen Sichtweisen auf die Konzepte der Medizin). 3

4 Grundsatz Die FMS legt besonderen Wert auf Multi- und Interdisziplinarität von Fächern und Erfahrungsbereichen. Sie fördert Interdisziplinarität auf folgende Weisen: Projektunterricht mit explizit interdisziplinärer Zielsetzung Von verschiedenen Fächern gemeinsam erarbeitete und z.t. gemeinsam begleitete ELF Einbezug von verschiedenen Erfahrungsbereichen (Praktika, Exkursionen, Forum, Gäste, eigne Lebenserfahrungen u.a.) Multi- oder interdisziplinäre Abschlussarbeit (mindestens in Bezug auf Erfahrungsbereiche des Berufsfelds, wenn möglich auch in Bezug auf Fächer) sind erwünscht Festgelegte oder immer wieder neu vereinbarte fächerübergreifende Themen Zeitgefässe für die verschiedenen Erfahrungsbereiche, aufwändigere ELF (Blockunterricht, z.t. Spezialwochen) Gute Koordination durch die Schulleitung Reservelektionen für den Fall, dass Interdisziplinarität zusätzliche Lehrpersonen übermässig beansprucht oder eine zusätzliche Fachperson zugezogen werden muss (für die gesamte Schule maximal 2 Jahreslektionen). Beiträge zur Multi- und Interdisziplinarität gehören in einem bestimmten Mass zum Lehrauftrag: 1 Beitrag pro Semester Die Schule garantiert eine bestimmte Anzahl fächerübergreifender ELF 5. Informations- und Kommunikationstechnologien (ICT) Grundsatz Die FMS legt besonderen Wert auf die Fähigkeit, ICT sinnvoll und effizient gebrauchen und nutzen zu können, insbesondere in den drei folgenden Bereichen: Anwendung von gängigen Computerprogrammen evtl. mit der Möglichkeit, entsprechende Zertifikate zu erwerben Das Internet als Informationsquelle Lernmöglichkeiten: z. B. Lernplattform (nach Möglichkeit Blended-Learning), einzelne Lernoder Übungsaufgaben, Lernprogramme) Pädagogisches und fachliches Know-how Infrastruktur Medien (Plattform, Programme) Geeignete Arbeitsplätze für Lehrpersonen, besonders wenn eine Lernplattform eingesetzt wird. Informatikunterricht für die Anwendung im ersten Ausbildungsjahr 2 Jahreslektionen Der Einsatz von ICT gehört in kleinem Rahmen zu jedem Lehrauftrag: jede Lehrperson muss einmal im Quartal ICT einsetzen und nachweisen (z.b. Excell-Tabelle verlangen, Versuch am PC machen, Informationen aus dem Netz nutzen, eine Übung mit einem Lernprogramm machen, eine Präsentation mit PowerPoint) 4

5 6. Verbindung von Allgemeinbildung und Berufspraxis Alle Lehrpersonen der FMS legen in der Gestaltung ihres Unterrichts besonderen Wert darauf, dass die Allgemeinbildung in einem Bezug zum Alltag oder zu einer beruflichen Praxis steht. Dies ist ein wichtiges Merkmal der FMS. Der Bezug zur beruflichen Praxis in den allgemeinbildenden Fächern ist z. T. auch durch Ziele und Inhalte des Curriculums gegeben. Zu diesem Zweck sind die Abnehmer der drei angebotenen Berufsfelder in die Entwicklung des Curriculums miteinbezogen worden. Im ersten Ausbildungsjahr ist im Fach Psychologie ein Lernziel, dass die Schüler und Schülerinnen die drei angebotenen Berufsfelder kennen lernen. Im zweiten Ausbildungsjahr beginnt der Unterricht im Berufsfeld. Die Ziele und Inhalte dieses Unterrichts sind ebenfalls gemeinsam mit den betreffenden Abnehmern erarbeitet worden, so dass der Bezug zur beruflichen Praxis gewährleistet ist. Ein Teil des Unterrichts für das Berufsfeld Pädagogik wird von der abnehmenden Ausbildungsinstitution durchgeführt. Die Verbindung zur beruflichen Praxis wird im Weiteren dadurch sicher gestellt, dass die Schulleitungen wie auch Lehrpersonen in Kontakt mit den abnehmenden Ausbildungsinstitutionen stehen. So sind die abnehmenden Ausbildungsinstitutionen und Vertretungen aus der Praxis Mitglieder der Fachmittelschulkommission, und auch für die Kollegien der FMS finden Treffen mit den abnehmenden Institutionen statt. Für die Schüler und Schülerinnen wird der direkte Kontakt mit beruflicher Praxis zusätzlich zur Einführung in die Berufsfelder in Schnuppertagen, im Französischaufenthalt und im Sozialpraktikum realisiert. Stand August

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