c mag Langzeitarchivierung November 2005

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1 c mag Fachzeitschrift für Informationstechnologien Langzeitarchivierung Wie lang sind Daten haltbar?. Daten in der Langzeitarchivierung Speicher organisieren. Langzeitarchivierung und ECM Technik reicht nicht. Konzepte Langzeitarchivierung You have lost Mail.. s im Langzeitarchiv Digitale Archivierung ist ein ständiger Prozess. Archivierung beim Bundesarchiv Ausgabe #2 Deutschland Euro 7,60 ISSN November 2005 Überlebensgarantie ECM. Grundlagen ECM (Teil I) Erst Bloggen, dann Verlegen. Verlage nutzen Blogs für neue Printmodelle Suche ist nicht gleich Suche. Strategien für Findeprobleme Der Traum vom strukturierten Dokument. Compound Documents Kein Hype und doch da. Digital Asset Management Der Ein-Milliarden-Dollar-Man. Firmenportrait FileNet Frei ist besser. TYPO3 bei Greenpeace Cases. Verlage (Bezahlsysteme), Stadtwerke (Rechnungsbearbeitungbearbeitung)

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3 003 in eigener Sache Vielen Dank für Ihre Resonanz zur ersten Ausgabe! Das Ausmaß der positiven Meldungen freut uns und hat sogar ein wenig überrascht. Das c//mag wird gelesen, so viel ist sicher. Von Fachleuten, von Entscheidern, von Lesern, die hier zu Recht etwas Neues entstehen sehen. Die erste Ausgabe hat ein Magazin mit Kante eingeführt, das, wie wir hoffen, seine Spur im Markt ziehen wird. Mit recherchierten Fachbeiträgen und Autoren, die ihr Wissen mit den Lesern des c//mag teilen. Mit dem anderen Blick, der Galerie. Mit Case Studies und der direkten Möglichkeit zur Kontaktaufnahme. Dem Highlight. Und den kommentierten News. Ab dieser Ausgabe lesen Sie im c//mag die Briefe an den IT-Leiter. Hier schreibt der IT-Verantwortliche im Unternehmen an seine Kollegen (Seite 14). Und im Beobachter lesen Sie unsere Clippings von Messen, Kongressen und anderen Veranstaltungen (Seite 81). Das Titelthema ist selbst erklärend. Langzeitarchivierung ist ein - wichtiger - Aspekt der Archivierung, der über die reine Technik hinausgeht. Hier sind schlüssige Konzepte gefragt und der Blick über den Bildschirmrand des Desktops hinaus. Was der Kulturträger Papier bereits bewiesen hat, muss der elektronische Datenträger erst noch belegen. Deshalb fragen wir auch: Wie lange halten Daten? Viel Spaß beim Lesen! Volker Watschounek, Uwe Hentschel

4 004 Register der erwähnten Unternehmen und Organisationen AIIM International 43 Apple 57 Artplan 67 Autonomy 71, 80 benchpark.com 10 betandwin 5 Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik 18 Bundesverwaltungsamt 73 Business Application Research Center 27 Canto 65 Capgemini Deutschland 20 CAPTIVA Software 70 CeBIT 77 CEYONIQ Technology 31, 70 ciao.com 10 Coca-Cola Erfrischungsgetränke 14 comet Communications 76 Computer Associates 80 contentmanager.de 10 Cyco 31 d.velop 31, 73 daa Systemhaus 31, 73 Das Bundesarchiv 18, 32 Deutsche Post Direkt 73 Deutsche Telekom 75 Digital Library Forum 18 DISC 26 DMS-Akademie 76 DMSfactory 70 DocuWare 31 ECMguide.de 18 ELO 31 EMC 21, 70 Euroforum 77 FileNet 6, 60, 70 Firstgate Internet 75 Forschungszentrum Informatik Universität Karlsruhe 18 Fraunhofer Institut für Zuverlässigkeit und Mikroinegration 18 Fraunhofer-Institut für Software- und Systemtechnik 79 Fujitsu 71 Fujitsu Siemens Computers 21 GCT 31 Gedas 80 Gesellschaft für wissenschaftliche Datenverarbeitung 18 GFI Software 31 Greenpeace 66 GROUP Technologies 31 H&S Heilig & Schubert 31 Heinold, Spiller & Partner 76 Hochschulverband Informationswissenschaft 18 Hyperwave 5, 80 IBM 57, 71, 80 infin-micropayment 75 InterLake 74 International Federation of Library Associations and Institutions 18 IQDoQ 22 IQ-work Software 31 Kompetenznetzwerk Langzeitarchivierung 18 Koordinierungs- und Beratungsstelle für Informationstechnik 18 LuraTech 70 Management Circle 77 marketinghub 64 Maxpert 31 Merck & Co. 28 Microsoft 57, 70, 71, 76 Mirra 71 montax payment service 74 Network Appliance 21 NITAG 31 Novell 57 Océ Document Technologies 73 Olympus 11 Omikron Data Quality 55 Open Text 31 Optimal Systems 58, 73 PayPal 75 Physikalisch Technische Bundesanstalt 18 Pixelboxx 66 PROJECT CONSULT 43 ReadSoft 72 RealNetworks 71 Red Hat 71 Rheinische Post 49 Ringier Verlag 75 RP Online Verlagsgesellschaft 49 Seagate Technology 71 SearchStorage.com 18 SER Solutions 73 Siemens Business Services 22 SOFTCON 78 Software AG 71 Stadtwerke Ulm/Neu-Ulm 73 Synerg-e Consult 10 The Internet Archive 18 TIM 31 Tomorrow Focus Technologies 50 Umatico Software 71 Unilog Integrata Training 76 Veritas 31 Verity 71, 80 VOI 73 W3C 59 Web.de 75 Yaletown Technology Group 10 yellowworld 74 Zöller & Partner 77

5 005 Highlight Die Hyper-Welle Kaum eine Messe ausgelassen. Immer ein ordentlicher Stand. Consultants und Entwickler im korrekten Business- Look, ohne gleich wie IBM auszusehen. Hyperwave schien in den letzten Jahren eine im Markt verankerte Größe zu sein. Gleichwohl fragten sich die Bebachter immer, warum eigentlich. Der führende Anbieter von Collaborative Enterprise Content Management (ECM) mit einer vollständig integrierten E-Learning und WebConferencing Umgebung, so das Unternehmen, hat eine Referenzliste zum Niederknien. Dennoch, das Geraune der letzten Jahre ist nie verstummt, womit die eigentlich Geld verdienen. Am letzten Tag der DMS Expo in Essen dann die Nachricht: Insolvenz. Wieder ein Einschlag, zeitverzögert, scheinbar ohne ersichtlichen Grund. the power of wisdom, so der Firmenslogan, hat nicht ausgereicht. Dabei hätte es eine Geschichte nach Maß sein können: 1997 gegründet, 2000 mit 4,6 Mio. Euro die Planzahlen für das IV. Quartal übertroffen, Anfang 2001 den Börsengang bekannt gegeben. Dann den IPO erst verschoben und schließlich ganz abgesagt die Turbulenzen am Neuen Markt. Aus der Geschichte des Unternehmens wurde keine Equity Story, wie man sie in diesen Jahren so gerne las. Dabei hatte das Unternehmen 2001 in einer Finanzierungsrunde 20 Mio. Euro beim Investor e-millennium akquiriert. Die hatten im selben Jahre immerhin die Suse AG angeschoben. Außerdem waren da noch DVC, 3i, Atlas Venture und Hitech als Kapitalgeber. Jetzt steigt die österreichische Beteiligungsgesellschaft Global Equity Partners bei Hyperwave ein. Damit kann das operative Geschäft erst einmal vollumfänglich weitergeführt werden. Der neue Kapitalgeber hat unter anderem den heute in Österreich führenden Einzelhandelsanbieter für Indianstyle- und Westernbekleidung groß rausgebracht. Und Und eine Reihe von Technologieunternehmen. Alles in allem sieht das eher nach alpenländischer Freunderl-Wirtschaft als nach einem Schwarm rabiat-globaler Heuschrecken aus. Ob Hyperwave mit dem frischen Venture Capital seine Software für die Verwaltung von Intellectual Capital auf die Straße bringt? Was war bei Gartner im Oktober zu lesen? Hyperwave is a visionary in the Smart Enterprise Suite market, but its vision has always exceeded its ability to execute. Always.

6 006 Auf dem Weg FileNet zu einer one billion dollar company zu machen, ist das erklärte Ziel des Chairman Lee D. Roberts. Die erste Milliarde ist allerdings immer die schwerste. Wann es so weit sein wird, konnten wir nicht erfahren. Dafür aber, was er als Erstes macht, wenn er nach Hause kommt. Seite 60

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8 Inhalt in eigener Sache 3 Firmenregister 4 Highlight 5 Panorama Briefe an den IT-Leiter Langzeitarchivierung Titel Wie lang sind Daten haltbar? Daten in der Langzeitarchivierung Speicher organisieren Langzeitarchivierung und ECM Technik reicht nicht Konzepte Langzeitarchivierung You have lost Mail s im Langzeitarchiv Digitale Archivierung ist ein ständiger Prozess. Archivierung beim Bundesarchiv Kommentar 35 Galerie Kleidsam. Schwerpunkt Überlebensgarantie ECM (Teil I) Grundlagen ECM Erst bloggen, dann verlegen Neue Modelle für Printobjekte Zu viele Daten, zu wenig Wissen Neue Suchtechnologien Der Traum vom strukturierten Dokument Compound Documents Der Ein-Milliarden-Dollar-Mann Firmenportrait FileNet AG

9 Alltag Kein Hype und doch da Digital Asset Management Frei ist besser TYPO3 bei Greenpeace News Unternehmen Antrieb für die Rechnungsverarbeitung Case: Digitaler Aktenschrank in der Schublade Gemeinsam wachsen und stark sein Case: Online-Bezahlsysteme im Verlagswesen News Veranstaltungen nachgefragt: zu Gast bei der Stadt München 78 Forschung 79 in die Nesseln 80 der Beobachter 81 Impressum 82

10 010 Panorama Panorama (Vernünftige) Zahlen, bitte! Benchmarking: von innen betrachtet, von außen betrachtet. Es ist die Welt der Analysen und Vergleiche: eine neue Art der Qualitätswissenschaft. Eine Wissenschaft, die aus marktwirtschaftlicher Sicht in den Bereichen der Technik an Bedeutung gewinnt. Es geht darum, mittels Analysen und Vergleiche, die eigenen Stärken und Schwächen zu erkennen. Und die der Mitbewerber. Zu lernen, wie ein Unternehmen optimiert werden kann. Benchmarking bezeichnet eine Methode, mit der Unternehmen die Konzepte, Instrumente und Prozesse anderer Unternehmen identifizieren und mit dem Ziel, die Wettbewerbsfähigkeit zu steigern, auf die eigene Situation zu übertragen (Blick von innen). In der Praxis steht die seit 1979 bekannte Betrachtungsweise hinten an. Qualifizierende Daten wie Urteile sind wichtiger. Damit soll es möglich werden, ein positives oder negatives Bild vom Produkt zu gewinnen nicht nur Marketingblasen von Plattformen wie größtenteils aus den Marketing- oder PR-Abteilungen der Hersteller stammen, wissen wir nicht. Wir bezweifeln es aber. Dabei reicht ein Blick auf die Autoren. echte Informationen Anders ist das bei Hier findet der Nutzer keine Marketingprosa und auch keine Produktinformationen. Das Portal der Hamburger Synerg-e Consult GmbH & Co. KG beschränkt sich mit seinem Experten-Team auf das Wesentliche: die Qualität einzelner WCM-, ECM- und CRM-Anbieter - aber auch ERP- und Business Intelligence-Anbieter. Das Besondere: Wer in dem Fachportal gelistet sein möchte, bezahlt erst mal nichts. Der reine Eintrag sowie die Einreichung von Implementierungsergebnissen ist kostenlos. Auch die Überprüfung des Expertenteams ist umsonst. Und genau das ist es, wodurch sich Benchpark auszeichnet. Die Bewertung aller Agenturen und Software-Lösungen geschieht unabhängig von $$$. Im Software-Bereich machen etwa 200 bis 300 Anbieter von von einem kostenlosen Listing Gebrauch. Vielleicht eine besonders listige Marketingplattform? 2004 war zu hören, dass die Echtheit der Ergebnisse und damit die Objektivität nicht wirklich gewährleistet waren. Die Betreiber haben daraus gelernt. Kontrolle durch Experten zu lesen. Kunden möchten erfahren, wodurch sich Produkte tatsächlich unterscheiden. Sie möchten Produktmängel im Voraus einschätzen können. Für Konsumgüter hat sich hier die Plattform etabliert. Und es scheint, als hätten das auch andere erkannt. Der Suchbegriff Content Management führt uns zu NOEO, Microsoft und Ceyoniq als Anbieter einer Wysiwyg-Verwaltung, einer Beitragsverwaltung und, wir sind überrascht, eines Tools für Enterprise Content Management (ECM). Bewertungen, wie sonst üblich, sind jedoch nicht hinterlegt. Für Fachinformationen zu diesem Themenspektrum gibt es andere Plattformen: mal leichter, mal schwerer zu finden. Doch bei der Vielzahl an Angeboten verwischt die Qualität. Und ob immer präsent ist, dass die redaktionellen Inhalte Seit Oktober zeichnen bei benchpark.com in der Anbieterkategorie Enterprise Content Management die beiden ECM-Spezialisten Renate Karl (dsk Beratungs- GmbH, Pfaffenhofen) und Dr. Ulrich Kampffmeyer (Project Consult GmbH, Hamburg) verantwortlich. Zusammen wacht das Duo über die eingehenden Anwenderurteile und übernimmtdie Qualitätssicherung. Karl und Kampffmeyer präsentieren mit Enterprise Content Management (ECM) eine neu strukturierte Kategorie: Anbieter von reinem Web Content Management (WCM) wurden ausgelagert. Die Überwachung der Einträge hat der Münchner Hightext Verlag übernommen. So kann das Duo seinen Fokus auf spezialisierte Anbieter von ECM-Lösungen richten. Bestandsaufnahme 1. November 2005: In der Kategorie WCM- und E-Commerce-Anbieter sind derzeit 164 Anbieter gelistet; 102 davon haben mindestens eine der 580 abgegebenen Bewertungen erhalten. In der seit Oktober neuen Kategorie ECM-Anbieter sind derzeit 72 Anbieter gelistet. 29 davon haben mindestens eine der 203 Bewertungen erhalten.

11 011 Panorama Analog zu digital mit Tücken Sony, Grundig, Panasonic. Das Angebot digitaler Aufnahmegeräte ist groß. Leichtfertig und ohne groß darüber nachzudenken stecken wir sie gerne in die Schublade der digitalen Diktiergeräte. Nicht zuletzt deshalb, weil der Markt und das Leistungsspektrum der kleinen Arbeitshilfen kaum zu überblicken ist. Und so greift der Kunde schon mal schnell mal zu dem Falschen denn zur Ablösung der bekannten Bandgeräte mit Mini-Kassette eignen sich auf den ersten Blick alle Geräte. Erst ein zweiter Blick legt die Unterschiede offen. zum Arbeiten gedacht Aufnehmen, zurückspulen, anhören - schnell die Gedanken sortieren, noch mal ein klein wenig zurückspulen und dann weiter aufzeichnen. Wieder stoppen, zurückspulen und die letzten drei Wörter übersprechen. Bei Gutachtern und Rechtsanwälten ist das ein geschulter Prozess, in Fleisch und Blut übergegangen die Nutzung des traditionellen, in die Jahre gekommenen Diktiergerätes. In die Jahre gekommen. Nicht wirklich. Professionelle Diktiergeräte verwenden heute noch gerne das kleine Band, das nicht in einen handelsüblichen Kassettenrekorder passt. Digitale Diktiergeräte wie funktionieren sie? Lohnt sich die Investition? Reicht nicht schon ein digitales Aufnahmegerät? Ein digitales Aufnahmegerät ist das nicht ein Diktiergerät? umständlich war gestern Ist es nicht. Ich erinnere mich noch, als die ersten erschwinglichen Aufnahmegeräte auf den Markt kamen. So um das Jahr Ich musste damals eine Reihe von Interviews machen, die meisten am Telefon oder vor Ort. Handschriftlich eine Tortur. Und sicher ging dabei die eine oder andere Information verloren. Also entschloss ich mich, die Hilfe eines dieser Geräte in Anspruch zu nehmen. Fest in dem Glauben, ein Diktiergerät zu haben. War es aber nicht. Die Bedienung meines IC Recorder ICD-R100 von Sony gleicht der obigen Beschreibung in keiner Weise. Sie erinnert mich mehr an meine ersten Mitschneideversuche, Anfang der 80er Jahre, als ich mit meinem Kassettenrekorder vor dem Röhrenradio saß und versuchte, den neuen Song von BAP oder Marius Müller Westernhagen mitzuschneiden. Wie ich immer wieder das Gebrabbel der Moderatoren dazwischen hatte und die Kassette rausholte, mit dem kleinen Finger das Band zurückdrehte, um nahtlos den nächsten Song anzuhängen. Ganz so schlimm ist es mit dem digitalen Gerät dann doch nicht. Das Rausnehmen der Kassette blieb mir erspart. Dafür holte ich mir einen wunden Finger, von dem passgenauen Drücken der Rück- und Vorspultasten und dem schnellen Indexieren. Mein Gerät ist in die Jahre gekommen. Zum Mitschneiden von Konzerten eignet es sich immer noch wunderbar. Und was neuere Generationen heute so alles können... bis zu 277 Stunden Aufnahme Die Verpackung des Olympus WS-320M überrascht. Das etwa 9 mal 3,5 cm kleine Gerät wird in einer Verpackung ausgeliefert, die seine Größe um ein Vielfaches übersteigt (16 x 22 x 4 cm). Schuld daran die in sechs Sprachen mitgelieferte Dokumentation. Es bleibt noch ausreichend Platz, um ein Earphone und ein USB-Kabel beizulegen. Dank des integrierten USB-Steckers ist dies nur bei schwer zugänglichen USB-Ports notwendig. Damit ersetzt der Notetacker den USB-Stick, denn die integrierten Speicher sind groß genug, um digitale Daten abzulegen, Dokumente mit einem Speichervolumen von bis zu 1 GB. Alternativ nimmt das kleine Gerät mit dem integrierten Stereomikrofon bis zu 277 Stunden lange Sprachnotizen im Long-Play-Modus auf oder aber 70 Stunden hochqualitative Audioaufanhmen. Da fragt sich der Benutzer, ob eine einzelne Batterie für die großzügige Speicherkapazität ausreicht, oder ob die Stromversorgung nicht schon früher abbricht. Für meinen Test war sie ausreichend. PS: Ich war überrascht von der guten Aufnahmequalität. Für den Hausgebrauch sind mit dem WM-320M qualitativ hochwertige Konzertmitschnitte möglich. Und auch im professionellen Einsatz liefert das Gerät für den einen oder anderen schnellen Mitschnitt eine durchaus sendefähige Qualität. Es lebe der Podcast.

12 012 Panorama Panorama Scannen, Buchen, Belasten DMS Expo: Kodak präsentierte mit den i30 und i40 gleich zwei kompakte Dokumentenscanner für den Heim- und Office-Bereich. Sogar für das Einlesen von Kredit, EC oder anderer Plastikkarten geeignet (Bild). Der Sinn erschließt sich nicht sofort - vielleicht ist der Wunsch, künftig bei allen Vorgängen komplett auf Papier zu verzichten. Zu den Modellen: Beide erzielen mit etwa 25 Seiten pro Minute eine gute Scangeschwindigkeit. Das entspricht 50 Images im TIF-Format, Bilddateien, die sich sogar zur Langzeitarchivierung eignen. Ein durchschnittliches Scanvolumen von bis 500 Seiten pro Tag ist so problemlos zu bewältigen. 500 Dokumente am Tag, in der Woche und im Monat. Ordentlich abgelegt als TIF, archiviert und dokumentiert einfach nach Datum und Dateinname? Nach Schlagworten? Klassifiziert? Die technischen Daten: Die optische Auflösung der beiden Geräte beträgt 600 dpi. Die Perfect Page -Technologie sorgt für eine in dieser Scaner-Klasse ungewöhnlich gute Bildqualität. Mit einem komfortablen nach oben gerichteten Papiereinzugsschacht benötigen die Geräte eine äußerst geringe Standfläche. Um Papierstau zu vermeiden, sollte beim Aufstellen genügend Spielraum nach vorne eingerechnet werden. Selbiges gilt für den Fall, dass der Einzelblatteinzug verwendet wird. Dessen Einzugsgeschwindigkeit lässt nämlich keine Zeit zum Ausrichten des Papiers. Bei kleineren Originalen kein Problem, beim DIN A 4-Format hingegen Papierstau mit Ansage. nicht neu, sondern drüber -installieren Softwarepaket: Dank TWAIN- und ISIS-Treiber sowie USB 2.0 Schnittstelle sind die Kodak Dokumentenscanner problemlos in nahezu jede Umgebung zu integrieren. Die beigelegte Lite-Version der Kodak Capture Software benötigt jedoch mehr Sachverstand - oder einfach nur blonde Hartnäckigkeit. Beim ersten Start öffnete sich die Fehlermeldung: Stellen Sie sicher, dass der aktuelle TWAIN Treiber installiert und der Scanner verbunden und eingeschaltet ist. Dann:./MC DEDKDK.DLL: Installierung der Bibliothek fehlgeschlagen. Und die Capture Software war nicht betriebsbereit. Also noch mal: Deinstallieren, neu aufspielen. Das Ergebnis blieb das Selbe. Lag es an veralteten Treibern? Einer überholten Lite-Version? Nein, alles auf dem neuesten Stand. Der entscheidende Hinweis kam von einem Kodak- Mitarbeiter. Nicht deinstallieren, sondern einfach darüber installieren. Einmal, zweimal... Siehe da, gleich nach der

13 013 Panorama zweiten Installationsroutine war der Fehler behoben und die Tipps des Ratgeber Visitenkarte in die Tat umgesetzt. Am Beispiel der Braintribe Group, Penton Media GmbH, dem Rudolf Haufe Verlag und der Captiva Software Cooperation, hat sich dann gezeigt, welche Art von Visitenkarte zur automatischen Kontakterfassung geeignet ist oder auch nicht. was zu lesen war (1) Rudolf Haufe Verlag - Firma, Straße, Telefonnummer, Telefax und adresse fehlerfrei erkannt. Bei der Stadt fehlte lediglich die Länderkennung D-. Und die Internetadresse. (2) Captiva Software Cooperation Name des Mitarbeiters und seine Telefonnummer fehlerfrei erkannt. Dann wurde es kryptisch. Lediglich die Stadt war zuzuordnen und zu verbessern, alle anderen Daten nur durch den Blick auf die Visitenkarte abzugleichen. Die Internetadresse fehlte komplett. (3) Penton Media GmbH Mitarbeiter, Telefonund Faxnummer, Stadt und Postleitzahl fehlerfrei. Danach ein ähnliches Bild. Firmenname und adresse des Geschäftsführers waren selbst mit 9-Live geschulter kognitiven Wahrnehmung nicht herauszukriegen (4) Braintribe Group: Ich wiederhole mich ungern. Name des CEO lesbar. Telefonnummer, Faxnummer und Mobilnummer korrekt. Bei den anderen Daten das übliche Bild. Eignet sich die OCR-Software einfach nicht zum Erfassen von Visitenkarten? Ist das Ergebnis bei einfach strukturierten Texten besser? Wir belassen es bei den Ergebnissen. Auf ersten Rang schafft es die einzige Visitenkarte im Hochformat, die des Rudolf Haufe Verlag. Die Plätze zwei, drei und vier alle im Querformat unterscheiden sich nicht wesentlich. Unser Dank gilt der Grafikabteilung des Haufe Verlag.

14 014 Der Anteil der IT am Unternehmenserfolg: Organisation und Kommunikation. Liebe Kolleginnen, liebe Kollegen! Als IT im Unternehmen sind wir ständig aufgefordert nachzuweisen, dass wir einen Beitrag zur Wertschöpfung, zum Erfolg leisten können. Dass Investitionen in Informationstechnologie den Business Case nicht scheuen müssen. Nun haben E-Business- und Internet-Hype in den letzten Jahren nicht gerade zur Vertrauensbildung beigetragen. Dennoch bin ich überzeugt, dass es der IT mit ein paar einfachen Mitteln gelingen kann, ihren Wert für das Unternehmen sichtbar und vor allem verstehbar zu machen. Ich glaube, es geht dabei nicht um das Was, um Technologie, sondern vor allem um das Wie, um Prozesse und Kommunikation. Meine Kernthese dazu lautet deshalb: Der Schlüssel zum Erfolg der Informationstechnologie liegt vor allem in der Fähigkeit, deren Wert für das Geschäft des Unternehmens kommunizieren, vermarkten und umsetzen zu können. Anfang letzten Jahres haben Berater der Firma AT Kearney den Wertbeitrag der IT in einem Buch zum Thema Strategisches IT-Management beleuchtet, auf welches ich hier zurückgreife. Je nach Branche liegen die IT Kosten bei etwa 1-7 Prozent der Unternehmenskosten. Die Hebelwirkung der Informationstechnik zeigt sich an drei Stellen: (1 ) Effizienzsteigerung der IT durch konsequentes Kostenmanagement und Produktivitäts steigerung. (2) Effizienz- und Effektivitätssteigerungen in den Geschäftsprozessen. (3) Steigerung von Umsatz und Profitabilität. Informationstechnologie schafft also durch ihren Nutzen für das Geschäft mehr Wert, als durch Kostensenkungen in der IT erzielbar sind. Die Berater konstatieren übrigens, dass die meisten Unternehmen nicht zu viel, sondern zu wenig für IT ausgeben. Natürlich muss die Unternehmens-IT aus meiner Sicht vor allem auf ein intelligentes Management und die Vermarktung ihres Leistungsportfolios achten. Darüber hinaus sollte sie durch langfristige Partnerschaften in die Rolle eines so genannten Business Value Drivers wachsen. Mit dem Begriff Partnerschaft sind dabei nicht allein externe Partner im Sinne von Zulieferern gemeint. Da nahezu alle Geschäftsprozesse heute von IT- Lösungen abhängig sind und integrierte Systeme nutzen, sind bei Umsetzung und im Betrieb nahezu alle Mitarbeiter aus der IT maßgeblich beteiligt. Sie eignen sich dabei detaillierte Kenntnisse von Geschäftsprozessen an und entwerfen gemeinsam mit ihren Kollegen in den Fachbereichen also ihren internen Kunden leistungsfähige Lösungen. Langfristige externe Partnerschaften können diese Fähigkeiten nachhaltig bereichern. Partner können dabei helfen, fehlende Ressourcen zu kompensieren und Kosten zu sparen. Sie unterstützen das Unternehmen dabei, schneller zu sein, aber was noch viel wichtiger ist: Sie können helfen, mehr zu wissen. Im eigenen Unternehmen haben wir folgende Schlüsselaufgaben identifiziert: Operate, Built und Engage IT. Was meine ich damit im Einzelnen? OPERATE IT: Hier stellt die IT Systeme und Anwendungen bereit, eine Art Grundversorgung mit Informationstechnik. Dabei spielen Zuverlässigkeit, Sicherheit, Datenintegrität und Standards, Verfügbarkeit und Performanz die entscheidende Rolle. Effizienz, kontinuierliche Optimierung und marktgerechte Ausrichtung der Kostenstruktur gehören ebenfalls dazu. Da der operative Betrieb eine enge Verzahnung mit externen Anbietern erfordert, kommt der Wahl der richtigen Partner und deren Einbeziehung ein hoher Stellenwert zu. Meiner Auffassung nach stellt die IT außerdem

15 Briefe an den IT-Leiter nicht nur Infrastruktur und Experten bereit, sondern zusätzlich auch die Projektsteuerung und -kommunikation als integrale Bestandteile. BUILT IT: Im Sinne einer kontinuierlichen Verbesserung und Standardisierung der Geschäftsprozesse ist die IT angehalten, Potenziale zur Verbesserung der Prozesse gemeinsam mit dem Fachverantwortlichen zu identifizieren, zu qualifizieren und durch professionelles Projektmanagement umzusetzen. ENGAGE IT: Informationstechnik sollte nicht um ihrer selbst willen betrieben werden. Eine wertorientierte Unternehmensführung verlangt von der IT und ihren Partnern neben der fachlichen Spezialisierung ein tief gehendes Verständnis von Markt und Geschäft. Auf dieser Basis kann Informationstechnologie strategische Geschäftsentscheidungen in der Umsetzung untermauern oder gar erst ermöglichen. In meinem Verantwortungsbereich habe ich eine Rolle mit dem Namen Corporate Relations geschaffen, die gemeinsam mit meinem Management-Team im Kern die Aufgabe hat, das interne und externe Partnermanagement mit Leben zu erfüllen. Sie werden sagen, das hört sich mehr nach Marketing an. Sie haben Recht. Marketing und Steuerung des Leistungsportfolios der IT. Internes Kundenbeziehungsmanagement. Gemeinsam Business Cases bauen. Die Projektmanagement-Fähigkeiten der Organisation erhöhen und in diesem Kontext Standards setzen. IT-Controlling und Wirtschaftlichkeitsbetrachtungen durchführen und die Transparenz in Kosten und Leistungen im Sinne des Total Cost of Ownership herstellen. Externe Partnerschaften gemeinsam mit dem Procurement-Team unserer Organisation entwickeln und pflegen. All das hat vor allem mit Kommunikation zu tun, und gerade das ist der Bereich, in dem sich die IT und ihre Partner noch immer schwer tun. Der Chief Executive Officer einer Organisation muss heute von seinem IT-Management erwarten können, dass es sich auf seine Sprachebene begibt und in der Lage ist, auf der Grundlage von Markt und Geschäftserfordernissen IT zu betreiben. Das gilt auch für unseren CEO und er hat natürlich Recht. Es geht im Kern immer wieder darum, dass es dem IT-Management gelingt, die Möglichkeiten der Technologie mit Good Business Sense zu bewerten und in geeigneter Sprache zu kommunizieren und zu vermarkten. Es geht darum, eine ganzheitliche Sicht auf das Geschäft zu demonstrieren und Benefits eines gezielten IT-Einsatzes transparent zu machen. Wenn ich mich einmal in die Position eines eher nicht IT -beflissenen Menschen versetze und mir dann die Einladungsbroschüren zu diversen Fachkonferenzen der informationstechnisch gebildeten Bevölkerung anschaue, drängt sich doch die Frage auf: Wollen wir eigentlich verstanden werden? Wenn Kommunikation über Informationstechnologie, deren Fähigkeiten und Business Benefits eine so zentrale Rolle spielt, dann muss es im Unternehmen Spielregeln geben, die dies ermöglichen. Das Thema wird unter anderem im Kontext der IT-Governance -Diskussion und der Diskussion über strategisches IT-Management umfassend bearbeitet. Governance bezogen auf die Informationstechnik ist eine unternehmerische Festlegung über organisatorische Prozesse und Strukturen zur Entscheidungsfindung, Ressourcenallokation und zur effektiven und effizienten Bereitstellung des informationstechnischen Serviceportfolios. Sie wird begleitet von kontinuierlicher Erfolgskontrolle gemessen an den übergeordneten Zielen und Strategien des Unternehmens. Es schrieb Ihnen Martin Hölscher, Cief Information Officer der Coca-Cola Erfrischungsgetränke AG. Der Text ist ein Auszug eines Vortrags für den CIO Talk, eine Veranstaltungsreihe der Detecon AG.

16 Titelthema Langzeitarchivierung Dr. Harald Gerlach Wie lang sind Daten haltbar? Daten in der Langzeitarchivierung Speicher organisieren Langzeitarchivierung und ECM 22 Angemerkt: Optische Speicher Technik reicht nicht. Konzepte Langzeitarchivierung 26 Angemerkt: Tipps Langzeitarchivierung You have lost Mail. s im Langzeitarchiv Digitale Archivierung ist ein ständiger Prozess. Langzeitarchivierung 35 Kommentar Neulich durfte ich den 70. Geburtstag meines Vaters organisieren. Einer der Höhepunkte war das Vergnügen, Fotos aus Vatis Jugendzeit betrachten zu können. Zugegebenermaßen, alle Fotos der frühen Jugend waren vergilbt und zum Teil auch schon etwas mitgenommen. Aber sie hatten ja auch einen Weltkrieg überlebt und waren schon vielen Widernissen ausgesetzt. Doch als wirkliche Langzeitarchivierung kann der Betrachter diese Fotos sicher nicht bezeichnen obzwar diese Fotos die wesentlichen Anforderungen an die Archivierung erfüllen: dass die Information auch noch nach vielen Jahrzehnten und mehreren Jahrhunderten unverfälscht vorhanden ist. Weiterhin soll die gespeicherte Information, in unserem Beispiel das jugendliche Bild meines Vaters, ohne oder zumindest mit einfachen Hilfsmitteln verfügbar gemacht werden können. Und drittens soll die Qualität der Daten nicht unter dem Alterungsprozess leiden. Im Zeitalter der allgegenwärtigen Digitaltechnik sollte anzunehmen sein, dass diese Anforderungen leicht zu erfüllen sind und vergilbte Papierbilder und natürlich auch die verrauschten Vinyl- und Schelllackplatten, die Zelluloidfilme und alle anderen rückständigen Informationsträger längst der Vergangenheit angehören und wirklich nicht mehr zeitgemäß sind. Prinzipiell haltbar Prinzipiell sind digitale Daten alleine schon durch die der Digitaltechnik inhärenten Eigenschaften haltbarer als analoge Daten. Jeder kennt die Probleme alter Musikaufnahmen mit ihren kratzenden und rauschenden Nebengeräuschen. Die vergilbter Dokumente oder die Qualitätseinbußen von

17 017 Daten in der Langzeitarchivierung Wie lang b b b b b sind Daten haltbar? Pergamentrollen aus dem Mittelalter sind heute noch lesbar. Der Nachweis der Langlebigkeit steht bei CDs, DVDs oder Magnetbändern indes noch aus. Die Lanzeitarchivierung von Daten wird zum Puzzlespiel von Hardware und Software. alten Filmen, die im wesentlichen daher rühren, dass die eigentliche Information sich mit der Zeit verändert. Durch die Digitalisierung können diese Probleme im Grunde nicht mehr auftreten, da eine Eins immer eindeutig von einer Null unterscheidbar ist. Zwischenwerte zwischen diesen beiden Zuständen gibt es nicht. Und so kann Information sich nicht verfälschen. Ihre Qualität bleibt erhalten. Fortschritt ohne Blick zurück Soweit die Signaltheorie und die positiven Seiten der digitalisierten Daten. Doch wie sieht die Wirklichkeit aus? Dazu muss der Betrachter der Überlegung folgen, dass die Nullen und Einsen eines digitalen Datenstroms erst durch deren Interpretation ihre Bedeutung erhalten. Einfacher gesagt: Erst wenn die Bedeutung der einzelnen Nullen und Einsen fest steht, ist deren Inhalt wahrzunehmen. Der Informatiker spricht hier vom Format der Daten. Wir alle kennen diese unterschiedlichen Formate. In der Microsoftwelt sind sie, sofern sie im Explorer nicht unterdrückt werden, an der dreibuchstabigen Endung des Dateinamens unterscheidbar. Jede Applikation erzeugt ihr eigenes Datenformat. Ein Datenformat, das die Applikation selbstverständlich immer fehlerfrei und zuverlässig lesen, speichern und darstellen kann. Jedes Datenformat benötigt (und hat) also seinen eigenen Interpreten. Üblicherweise ist dies der Interpret, mit der die Daten erstellt wurden. In dieser einfachen Tatsache liegt einer der großen Problemfelder der Archivierung von Daten. Denn häufig wird das Datenformat von einer Version zur nächsten - natürlich sehr viel leistungsfähigeren - Version der Applikation nicht beibehalten, sondern verändert. Für die versprochene einhundertprozentige Abwärtskompatibilität sorgen dann Importfilter. Ihre Leistungsfähigkeit und Fehlerfreiheit darf nicht höher bewertet werden, als Software nun halt mal ist. Zudem soll gleich darauf hingewiesen werden, dass der Anwender genötigt wird, die Applikation öfter zu aktualisieren und oft nur ein Importfilter zu der nächst älteren Version vorhanden ist. Um alte Daten verfügbar zu halten, müssten Anwender deshalb immer alle alten Daten mithilfe der aktuellen Programmversion in das neueste Datenformat konvertieren. Nachdem dieser Weg unpraktikabel und zeitaufwändig ist, ergibt sich für die Langzeitarchivierung ein zweiter Lösungsweg. Zusätzlich zum bestehenden Datenmaterial wird auch die Applikation archiviert: die Applikation, mit der die Daten erstellt wurden - und natürlich wird zusätzlich ein Verzeichnis benötigt, welche Daten zu welchen Versionen gehören. Alternativ kann zur Archivierung, üblicherweise unter Verlust von Information, versucht werden, Datenformate zu verwenden, die es heute schon lange gibt und es somit wahrscheinlich erscheint, dass sie auch noch in Zukunft existieren dürften. Für Texte bietet sich hierfür reines ASCII, für Bilder mit hoher Wahrscheinlichkeit das JPEG-Format an. Daten plus Umgebung speichern? Wird das Problemfeld der unterschiedlichen Datenformate gelöst, stolpert der Anwender direkt in die nächste Ebene der Software, denn auf dem Verkaufskarton von älteren Softwareprodukten (man bemerke bitte das Material, von dem dieses abgelesen wird) kann man oftmals als benötigtes

18 018 Titel Betriebssystem Win95 oder bei noch älteren Applikationen Windows 3.11 oder gar DOS lesen. Für die Langzeitarchivierung bedeutet es nichts anderes, als dass nicht nur die Applikation selbst, sondern auch das Betriebssystem, auf dem unsere Applikation läuft, mit archiviert werden muss. Von den Kenntnissen, wie dieses Betriebssystem verwendet wird, ganz zu schweigen. Selbstverständlich wird eine Abwärtskompatibilität von neuen Versionen von Betriebssystemen garantiert, aber inwieweit diese tatsächlich für alle Applikationen gilt, vermag der erfahrene Anwender an allen anderen Versprechen der Betriebssystemhersteller zu messen. Problem Speichermedium Die Langzeitarchivierung besitzt aber nicht nur das Problemfeld der Software, sondern zusätzlich auch Probleme auf der Hardwareseite. Diese Hardwareprobleme lassen sich in zwei Kategorien aufspalten. Zum einen muss man sich Gedanken über die Haltbarkeit der Speichermedien machen, zum anderen ist das Vorhandensein der Geräte zur Verwendung der Speichermedien nicht unproblematisch. Nachdem magnetische Speichermedien ständig anderen Magnetfeldern ausgesetzt sind, und da ist das Erdmagnetfeld nur eines von vielen, wird schon lange empfohlen, diese Speichermedien regelmäßig einzulesen und erneut, auf neuen Medien, abzuspeichern. Die Haltbarkeit dieser Medien ist stark von der Umgebung abhängig und schwankt erheblich. Von optischen Speichermedien ist die Musik-CD das älteste, auch in der Informationstechnik vorhandene Speichermedium. Nachdem die Musik-CD 1980 auf dem Markt eingeführt wurde, ist ihre minimale Lebensdauer somit, wenigstens für die kommerziell hergestellten, gepressten Rohlinge auf mindestens 25 Jahre anzusetzen. Ein Wert, der nicht wirklich Langzeit ist, den Informatiker aber durchaus garantieren können. Die selbst gebrannten CDs besitzen eine deutlich geringere Lebensdauer. Das dürfte jeder halbwegs ambitionierte Nutzer schon selbst am eigenem Leib festgestellt haben. Zudem sind sie wesentlich empfindlicher gegenüber mechanischen Einwirkungen, und auch die chemischen Substanzen, die verwendet werden, um eine CD oder DVD zu beschriften, sind der Langzeitstabilität des Datenträgers nicht unbedingt zuträglich. Problem Hardware Schwerwiegender allerdings sind die Probleme bei den zu den Medien passenden Abspielgeräten. Die stetige Fortentwicklung hat schon lange dem 5-1/4-Zoll-Diskettenlaufwerk das Leben gekostet, und auch 3-1/2-Zoll-Laufwerke Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik Das Bundesarchiv Digital Library Forum ECMguide.de www. ecm guide.de Forschungszentrum Informatik Universität Karlsruhe Fraunhofer Institut für zuverlässigkeit und Mikroinegration Gesellschaft für wissenschaftliche Datenverarbeitung mbh Göttingen Hochschulverband Informationswissenschaft International Federation of Library Associations and Institutions Kompetenznetzwerk Langzeitarchivierung www. langzeitarchivierung.de Koordinierungs- und Beratungsstelle der Bundesregierung für Informationstechnik in der Bundesverwaltung PTB - Physikalisch Technische Bundesanstalt SearchStorage.com searchstorage.techtarget.com The Internet Archive sind zunehmend seltener zu finden. Auch die Unzahl von erzeugten Normen auf dem Sektor der Magnetbänder stellt den Nutzer oft vor das Problem, zwar das Speichermedium noch zu besitzen, allerdings das entsprechende Bandlaufwerk schon längst entsorgt zu haben, oder gar sich nicht mehr zu erinnern, mit welchem der vielen unterschiedlichen Laufwerke das jeweilige Band beschrieben wurde. Die CD wird zurzeit von der DVD verdrängt, allerdings besitzt die DVD dieselben mechanischen Abmessungen und Abtastprinzipien wie die CD. Somit dürfte die Kompatibilität der DVD-Laufwerke zur CD noch einige Zeit gegeben sein. Wie es jedoch im Zeitalter nach der BlueRay-Disk - einem der aussichtsreichen Nachfolger der DVD - aussieht, steht noch in den Sternen. Altgeräte helfen nicht unbedingt zum Thema Selbst das Aufbewahren von alten Laufwerken hilft übrigens wenig weiter, denn es ist nicht gewährleistet, dass die Motherboards die passenden Schnittstellen zu den Geräten oder deren Kontrollern für alle Zukunft besitzen. Sowohl der alte ISA-Slot, und erst recht alle anderen Slotnormen, sind schon lange nicht mehr vorhanden. Auch die ATA-Schnittstellen für Festplatten sind sicher nicht mehr allzu lange standardmäßig vorhanden. Hier findet zurzeit die Verdrängung durch das serielle ATA (S-ATA) statt. Pikanterweise wird auch darüber nachgedacht, die Abwärtskompatibilität der Prozessoren in Richtung des Betriebssystems DOS aufzugeben. Spätestens wenn das von vielen zu Recht ungeliebte A20-Gate nicht mehr in den Prozessoren vorhanden ist, verlieren wir die uneingeschränkte Hardwarekompatibilität

19 019 Kennt keine Hard- und Softwareprobleme: das Buch zu diesem Betriebssystem und dessen Applikationen. Selbst wenn Anwender noch die Softwareapplikation und das DOS besitzen, würde es nur noch ohne die Adressierbarkeit der Speicherbereiche über 1 MB laufen, eine Technik, die viele Applikationen der DOS-Welt verwendet haben. Grundsätzlich ist es natürlich möglich, eine Emulation eines Betriebssystems zu programmieren. Inwieweit sich diese Emulation dann jedoch wie das ursprüngliche Betriebssystem verhält, hängt wie immer von den Kenntnissen und Fähigkeiten der Programmierer ab. Die Konsequenz für die Langzeitarchivierung lautet somit, dass nicht nur die Daten, die Applikation, das notwendige Betriebssystem und die Kenntnisse darüber, natürlich das Medium und dessen Lesegerät, sondern auch noch die ganze Hardwareumgebung für diese Komponenten mit aufbewahrt werden müssen. Eine nicht unmögliche, aber beileibe sehr aufwändige Lösung. Erhöhte Speicherdichte bedeutet erhöhtes Risiko Eine weitere Tendenz in der heutigen Informationstechnik soll nicht außer Acht gelassen werden. Jede neue Generation von Speichermedien erhöht die Speicherdichte. Also immer mehr Daten können auf immer weniger Medien gespeichert werden. Damit steigt zwar nicht die Wahrscheinlichkeit des Datenverlustes, denn der ist nur vom Medium abhängig, allerdings wenn er eintritt, ist das Volumen der verlorenen Daten und damit der Verlust wesentlich höher. Vielleicht sollte man allein schon deshalb davon absehen, ganze Bibliotheken zu digitalisieren und die Originale, um Platz zu sparen, zu entsorgen. Leider gibt es aus den aufgezeigten Problemfeldern nicht wirklich einen günstigen Ausweg, der alle Probleme beseitigt, sondern nur Hilfskonstrukte, die die gröbsten Probleme für die nächsten Jahre vermeiden. Das sichere Aufbewahren von Daten über Jahrzehnte und Jahrhunderte hinweg ist bei weitem noch nicht gelöst und kann meiner Einschätzung nach bisher nur durch althergebrachte Technologien gewährleistet werden. Ich will nicht behaupten, dass alle Informationen in Stein gemeißelt werden sollen, aber eine Papierversion oder eine Mikroverfilmung ist bei weitem langzeitlesbarer als jede zurzeit verfügbare Digitaltechnik. Ein dunkles Zeitalter der Digitaltechnik? Historiker sprechen nicht umsonst schon heute von dem dunklen Zeitalter der Digitaltechnik, aus dem so gut wie keine Quellen mehr vorhanden sind (stimmt nicht - es werden noch alle vorhanden sein, können aber wahrscheinlich nicht mehr gelesen werden). Zusätzlich zu allen schon aufgezählten Problemen gibt es keine Institution, die der Deutschen Bibliothek vergleichbar ist. Jeder Buchautor wird verpflichtet, mehrere Exemplare bei verschiedenen Bibliotheken zu hinterlegen, damit diese Quelle auch noch für die Nachwelt verfügbar ist. Viele Internetseiten verschwinden jedoch innerhalb kürzester Zeit aus dem Internet. Denn Artikel, die deren Autor verändert oder gar löscht, sind nirgendwo archiviert und können nach deren Löschung auch nicht mehr nachgewiesen werden, denn bisher wird über die Archivierung von Internetartikeln oder -seiten nicht einmal nachgedacht. Dr. Harald Gerlach, FH Neu-Ulm

20 020 Titel Speicher organisieren Langzeitarchivierung und ECM Mehr Speicher führt nicht automatisch zu besseren Archivlösungen. Es ist der Umgang mit Information, der die Zukunft der Archive bestimmt. Ein Überblick über die wichtigsten Aspekte der Langzeitarchivierung. Ingo Bienek Die Analysten von Capgemini gehen in einer Studie davon aus, dass die allgemeine Datenmenge deutlich steigen wird: So rechnen 16,7 Prozent der Befragten in den nächsten drei Jahren mit einem Zuwachs von mehr als 51 Prozent. Damit steigt auch die Notwendigkeit, komplexe Storage-Strukturen effizient zu verwalten, um den künftigen Anforderungen an Speicherplatz, Verfügbarkeit und Sicherheit gerecht zu werden. Verwaltungsprozesse sollen stärker automatisiert und die Kosten somit gesenkt werden. Zudem sind leistungsfähige Produkte für das Storage-Ressource-Management in der Lage, Trendanalysen zu erstellen, mit denen sich der zukünftige Speicherbedarf einfacher prognostizieren lässt. Speichersystemvielfalt In der Regel sind beim Kunden je nach Historie und ersten Anforderungen bereits unterschiedliche Speichersysteme im Einsatz wie etwa Tape-Roboter, Jukeboxen (WORM, DVD, CD) oder Festplattenspeicher. Diese verschiedenen Hardware-Landschaften müssen zunehmend berücksichtigt, integriert und abgelöst werden. Solange die Technik der Speichersysteme noch aktuell ist, ist der Ansatz der Migration allerdings aus Kosten- und Verfahrensgründen nicht sinnvoll. In erster Linie wurden die Hardware-basierten Speichersysteme eingeführt, um die Informations- und Datenmengen bewältigen zu können und den gesetzlichen Aufbewahrungs- und Nachweispflichten, insbesondere durch die Verschärfung der Produkthaftung sowie zunehmende Produktvielfalt (durch Ausweitung des Projektgeschäftes) in der Industrie Rechnung zu tragen. Dabei ist die elektronische Archivierung der Daten nur der erste notwendige Schritt. Der Nutzen selbst entsteht aber erst durch das Gewinnen, Verdichten und Aufbereiten der Informationen zum Wissen und deren Wiederverwendung. Wissen kann aber nur durch Auflösen und Zusammenführen von Informationsinseln erfolgen. Information Lifecycle Management (ILM) Informationen haben einen Lebenszyklus: Erstellung, Verwaltung, Bewahrung und Langzeitarchivierung. Während ihres Lebens werden sie unterschiedlich oft recherchiert und angezeigt. Im Vorfeld sollten immer auch unter dem Aspekte der Kostenbetrachtung eine Konzeption erstellt und folgende Fragen beantwortet werden: Welche Daten muss ich ablegen? Wo? Für wie lange? Welches Medium eignet sich am besten für meine Anforderungen? Um die Informationen entsprechend ihrem Wert, ihrem Lebenszyklus und ihrer Nutzung sinnvoll verwalten und ablegen zu können, müssen künftig durchgängige Konzepte, die Spannbreite von der Entstehung bis zur Entsorgung abdecken, erarbeitet werden. Einbindung unter Kosten-/Nutzenanalyse Die bereits beim Kunden bestehenden Speichersysteme (Medien) können weiterhin verwendet werden. Der Einsatz sollte unter den Aspekten Kosten und Nutzen erfolgen, denn

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