Integrationsmonitoring des Hochtaunuskreises

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1 Integrationsmonitoring des Hochtaunuskreises Impressum: Dezernat Dr. Wolfgang Müsse Autorin: Dr. Uta George, Leitstelle Integration Beteiligte Fachbereiche: Verwaltungssteuerung, Organisation, Demographie und Statistik Ausländer- und Personenstandswesen Personalservice Gesundheitsdienste Leitstelle für Kinder, Jugendarbeit, Betreuungsstelle und Sozialpsychiatrischer Dienst Beratung: Hessisches Ministerium der Justiz, für Integration und Europa

2 1. Einleitung 2. Das Integrationsverständnis des Hochtaunuskreises 3. Definition Migrationshintergrund 4. Dimensionen von Integration nach Heckmann 5. Datenquellen und Indikatoren. Zahlen, Grafiken und Analysen 6. Gesamteinschätzung 1. Einleitung Das vorliegende Monitoring gibt eine erste Auswertung der Zusammensetzung der Bevölkerung des Hochtaunuskreises unter dem Blickwinkel des Themas Migration / Integration. Bis dato gab es keine verlässliche Zusammenstellung über den Grad der Integration von Menschen mit Migrationshintergrund und über die interkulturelle Öffnung einiger Schlüsselinstitutionen im Hochtaunuskreis. Durch die Erhebung der Daten können wir nun gesicherte Informationen vorlegen. Die Daten des Monitorings geben Auskunft über Tatsachen, wie z.b. den Besuch unterschiedlicher Schulformen von Kindern mit und ohne Migrationshintergrund, aber nicht über die Gründe dafür. Eine Entwicklung zu erkennen, wird erst möglich sein, wenn dieselben Daten in mehreren Jahren erhoben werden, beispielsweise im Abstand von 5 Jahren. Die Indikatoren orientieren sich an den vom Hessischen Ministerium der Justiz, für Integration und Europa erarbeiten Datensatz. Dadurch ist es möglich, die Erkenntnisse langfristig mit denen auf Landesebene und in anderen Kommunen abzugleichen. Die Zusammenstellung der Daten war nur möglich dank des steten und kollegialen Einsatzes von Oliver Britz und Jessica Schuhrk (Fachbereich Verwaltungssteuerung, Organisation, Demographie und Statistik). Auch wären viele Fragen nicht zu beantworten gewesen ohne die Unterstützung von Annette Volk (Ausländer- und Personenstandswesen). Ihnen sei an dieser Stelle herzlich gedankt. 2. Das Integrationsverständnis des Hochtaunuskreises Der Hochtaunuskreis erlebt die internationale Zusammensetzung seiner Bevölkerung als Bereicherung. Vielfalt ist hier selbstverständlich. Allen Einwohnern und Einwohnerinnen soll durch einen gleichberechtigten Zugang zu Bildungsinstitutionen, zum Arbeitsmarkt und zu weiteren Institutionen Chancengleichheit ermöglicht werden. Der Zugang zu den Schlüsselinstitutionen wird als Voraussetzung für eine gelungene Integration gesehen. Integration ist ein fortwährender Prozess. Ein besonderes Augenmerk liegt auf Anerkennung der kulturellen Vielfalt. Dies beinhaltet gegenseitige Achtung und Toleranz, die wiederum die Grundlage für ein friedliches und bereicherndes Zusammenleben sind. Sowohl Menschen mit Zuwanderungsgeschichte als auch Mitglieder der Aufnahmegesellschaft sind gefordert, Anstrengungen zur Integration zu unternehmen. Eine interkulturelle Öffnung der gesellschaftlichen Institutionen ist dafür ebenso notwendig wie die Bereitschaft der Bevölkerung zum vorurteilsfreien Miteinander. 2

3 3. Definition Migrationshintergrund Nach der Definition des Mikrozensus (MZ) zählen zu den Personen mit Migrationshintergrund (MH) alle nach 1949 auf das heutige Gebiet der Bundesrepublik Deutschland Zugewanderten, sowie alle in Deutschland geborenen Ausländer und alle in Deutschland als Deutsche Geborenen mit zumindest einem zugewanderten oder als Ausländer in Deutschland geborenen Elternteil. Dieser Definition schließt sich der Hochtaunuskreis an. 4. Dimension von Integration nach Heckmann Die vom Hessischen Ministerium der Justiz, für Integration und Europa erarbeiteten Indikatoren für das Monitoring operationalisieren die Dimensionen der Integration nach Friedrich Heckmann. Er geht von vier Dimensionen aus, von struktureller Integration (z.b. Integration in den Arbeitsmarkt, Besuch von Schulen), sozialer Integration (z.b. Integration im privaten Umfeld, wie Freundschaften), kultureller Integration (z.b. gute Deutsch-Kenntnisse, Bewusstsein über die Werte der Aufnahmegesellschaft), sowie identifikatorische Integration (z.b. Einbürgerung, Zugehörigkeitsgefühl zur Aufnahmegesellschaft). Nicht alle diese Dimensionen sind gut messbar. Am leichtesten und klarsten ist die Dimension der strukturellen Integration erfassbar. Gleichzeitig gilt sie auch als Grundlage für einen gelungenen Integrationsprozess. Die verwendeten Indikatoren versuchen darüber hinaus, Auskunft zu geben über die anderen Dimensionen von Integration. 5. Datenquellen und Indikatoren. Zahlen, Grafiken und Analysen Die vorliegenden Daten für das Monitoring des Hochtaunuskreises wurden für das Jahr 2010 erhoben. Die Datenlage ist nicht einheitlich. So mussten verschiedene Quellen herangezogen werden, die allerdings eine Vergleichbarkeit nur schwerlich ermöglichen. Für die Grundlagen wurden Daten von der Ekom 21, der Stadt Bad Homburg, des Fachbereichs Ausländer- und Personenstandswesen des Hochtaunuskreises (LaDivaNT), eigene Erhebungen in Kitas und der Kreisverwaltung, Daten vom Hessischen Statistischen Landesamt (LUSD), der Bundesagentur für Arbeit, der kommunalen Schuleingangsuntersuchung, des Ausländerzentralregisters, der Arbeitsgemeinschaft der Ausländerbeiräte, des IB (Träger von Integrationskursen) und des staatlichen Schulamts für den Hochtaunus- und Wetteraukreis herangezogen. Dies macht es in vielen Fällen unmöglich, die Sachverhalte miteinander in Beziehung zu setzen. Viele Zahlen sprechen jedoch für sich. In vielen Fällen war es zudem nur möglich, den Ausländeranteil zu erheben, nicht jedoch den Anteil von Menschen mit Migrationshintergrund. Hinzu kommt eine unterschiedliche Definition von Migrationshintergrund in eigenen Erhebungen (Mikrozensus) und dem Bereich Gesundheit. 1 Dennoch lassen sich anhand der erhobenen Daten einige interessante Aussagen über die Bevölkerungsstruktur des Hochtaunuskreises treffen: 1 Die Definition von Migrationshintergrund des Gesundheitsamtes findet sich bei den jeweiligen Indikatoren. 3

4 12,1% 14,3% 11,9% 7,3% 9,4% 14,7% 10,8% 7,8% 14,1% 7,9% 17,4% 10,7% 5,7% 4,4% 5.1. Allgemeine Angaben zur Bevölkerung Ausländerinnen und Ausländer im Hochtaunuskreis Im Hochtaunuskreis lag der Ausländeranteil 2010 bei 12,1%. Den höchsten Ausländeranteil weist die Stadt Steinbach auf mit 17,4%, den niedrigsten Weilrod mit 4,4%. Einen hohen Anteil an ausländischen Mitbürgerinnen und -bürgern haben außerdem die Städte Bad Homburg, Königstein und Oberursel. 20,0% 18,0% 16,0% 14,0% 12,0% 10,0% 8,0% 6,0% 4,0% 2,0% 0,0% Ausländeranteil Aufenthaltstitel und Aufenthaltsdauer von Ausländerinnen und Ausländern im Hochtaunuskreis Im Hochtaunuskreis leben Menschen mit ausländischer Staatsbürgerschaft. 8450, d.h. 42,4% stammen aus Ländern der EU. Von diesen wiederum haben 86% einen unbefristeten Aufenthaltstitel. 57,6% ( Personen) entstammen Nicht-EU-Ländern. Von ihnen haben 55,9% einen unbefristeten Aufenthaltsstatus, 43,2% einen befristeten, und 0,9% eine Duldung. 4

5 33% der Ausländerinnen und Ausländer lebten Ende 2010 seit mehr als 20 Jahren in Deutschland. Sie gelten damit als alteingesessen 33,1% 66,9% weniger als 20 Jahre in Deutschland Alteingesessene Ausländer (20 Jahre und mehr in Deutschland) 5.2. Besuch von Kindertagesstätten Für den Hochtaunuskreis liegen keine flächendeckenden Erhebungen zum Besuch von Kindertagesstätten vor. Sämtliche im Kreis ansässige Kitas (116) wurden deshalb Anfang 2011 angeschrieben und um Auskunft gebeten. Insgesamt antworteten 59 Kitas, d.h. mehr als 50%. In den Einrichtungen für Kinder unter 3 Jahren gaben die Befragten einen Anteil von Kindern mit Migrationshintergrund mit 23,3% an Einrichtungen beantworteten die Frage nach dem Migrationshintergrund von Kindern, die im Alter zwischen 3 und 6 Jahren eine Kita besuchen. 28,9% der Kinder haben einen Migrationshintergrund, 71,1% haben keinen Einrichtungen beantworteten die Frage nach Kindern zwischen 3 und 6 Jahren, in deren Familien vorrangig nicht deutsch gesprochen wird. Dies trifft demnach bei 17,7% der Familien zu. 50 der Kitas beantworteten die Frage nach Kindern zwischen 4 und 5 Jahren, die einen Förderbedarf in der deutschen Sprache aufwiesen. Demnach haben 353 Kinder einen Sprachförderbedarf. Von 2 Es gilt die Definition des Mikrozensus für Migrationshintergrund. Geantwortet haben 39 Kitas, da sie ein Angebot für Kinder unter 3 Jahren haben. 3 Es gilt die Definition des Mikrozensus für Migrationshintergrund. 5

6 ihnen wiederum haben 55,8% einen Migrationshintergrund. Der Sprachförderbedarf beschränkt sich folglich nicht auf Kinder mit Migrationshintergrund Schulbesuch von ausländischen und deutschen Kindern Im Hochtaunuskreis besucht der überwiegende Teil der Schülerinnen und Schüler in der 8. Klasse ein Gymnasium (52,2%). Die übrigen 47,8% verteilen sich auf die anderen Schulformen, wobei die Realund die Gesamtschulen eher besucht wurden als die Haupt- und Förderschulen. Der Anteil an Schülerinnen und Schülern an Förderschulen belief sich auf insgesamt 2,5%. Alle Kinder in der 8. Klasse nach Schulart 2,5% 14,3% 8,4% 52,2% 22,5% Gesamtschule Hauptschule Realschule Gymnasium Förderschule 4 Es gilt die Definition des Mikrozensus für Migrationshintergrund. 6

7 Der Anteil der ausländischen Schülerschaft lässt sich im Hochtaunuskreis mit durchschnittlich 10,97% beziffern. Die folgende Grafik zeigt den Anteil ausländischer Schülerinnen und Schüler an den verschiedenen Schulformen. 5 Dabei ist eine Überproportionalität in den Haupt- (29,7%) und in den Förderschulen (23,4%) zu beobachten, eine Unterrepräsentativität hingegen im Gymnasium (6,2%). Der Blick auf die Grafik zeigt des weiteren, dass auch die Hauptschulen des Hochtaunuskreises dennoch überwiegend von deutschen Kindern besucht werden (ca. 70%), ebenso die Förderschulen (mehr als 75%). Die Statistik gibt keine Auskunft darüber, wie viele Schülerinnen und Schüler einen Migrationshintergrund haben. Ausländeranteil nach Schulform 100% 80% 10,2% 29,7% 14,1% 6,2% 23,4% 11,0% 60% 40% 89,8% 70,3% 85,9% 93,8% 76,6% 89,0% 20% 0% Deutsch Ausländer 5 100% = deutsche + ausländische Schülerinnen und Schüler pro Schulform. 7

8 Die untenstehenden Grafiken beziehen sich auf alle ausländischen und alle deutschen Schülerinnen und Schüler der 8. Klassen des Hochtaunuskreises und die von ihnen gewählten Schulformen (getrennte Grafiken). Sie zeigt, dass in der 8. Klasse fast gleich viele ausländische Schülerinnen und Schüler ein Gymnasium (29,3%) und eine Realschule besuchen (29%). Desweiteren besuchen sie eher eine Hauptschule (22,8%), als eine Gesamt- (13,4%) oder Förderschule (5,4%). Bei deutschen Schülerinnen und Schülern ist eine andere Verteilung zu beobachten: 55% besuchen ein Gymnasium, 21,7% eine Realschule und 14,5% eine Gesamtschule. Die Haupt- und die Förderschulen sind deutlich unterrepräsentiert in der deutschen Schülerschaft (6,6% bzw. 2,2%). Verglichen mit dem hessischen Integrationsmonitor 6 weist der Hochtaunuskreis damit positive Zahlen auf: Hessenweit besuchten 43,0% der deutschen Schülerinnen und Schüler und 19,2% der ausländischen Schülerinnen und Schüler ein Gymnasium, im Hochtaunuskreis sind es 55% bzw. 29,3%. Eine Hauptschule besuchten hessenweit 11,3% der deutschen und 28% der ausländischen Jugendlichen in der 8. Klasse, im Hochtaunuskreis waren es 6,6% bzw. 22,8%. Ausländische Kinder in der 8. Klasse nach Schulart 5,4% 13,4% 29,3% 22,8% 29,0% Gesamtschule Hauptschule Realschule Gymnasium Förderschule 6 Hessisches Ministerium der Justiz, für Integration und Europa (Hg.): Integration nach Maß Der Hessische Integrationsmonitor 2010, Wiesbaden 2010, S

9 Deutsche Kinder in der 8. Klasse nach Schulart 2,2% 14,5% 6,6% 55,0% 21,7% Gesamtschule Hauptschule Realschule Gymnasium Förderschule 5.4. Schulabschlüsse von ausländischen und deutschen Schülerinnen und Schülern Bei den Schulabgängerinnen und -abgängern ist eine deutliche Veränderung gegenüber der Verteilung in der 8. Klasse zu beobachten. Die Daten zeigen einen Rückgang der Gymnasiastinnen und Gymnasiasten von den 8. Klassen des Hochtaunuskreises bis zum Abitur von 52,2% auf 38,4%. Nahezu 14% der Schülerinnen und Schüler haben offensichtlich zwischen der 8. und der 12. bzw. 13. Klasse die Schulform gewechselt, abgebrochen oder aber das Abitur nicht bestanden. Alle Schulabgänger nach Schulabschluss 3,3% 2,1% 38,4% 16,0% 39,3% 0,9% ohne Hauptschulabschluss* mit Hauptschulabschluss mit Fachhochschulreife davon Förderspez. Abschluss mit Realschulabschluss mit Hochschulreife 9

10 Ausländische Schulabgänger nach Schulabschluss 9,4% 5,7% 16,7% 1,0% 36,1% 31,1% ohne Hauptschulabschluss* mit Hauptschulabschluss mit Fachhochschulreife davon Förderspez. Abschluss mit Realschulabschluss mit Hochschulreife Gravierend sind hier auch die Unterschiede zwischen ausländischen und deutschen Jugendlichen. Der Anteil aller Jugendlichen, die keinen Hauptschulabschluss erzielen, d.h. die Schule ohne Abschluss verlassen, liegt bei 3,3%, einer relativ niedrigen Zahl. Vergleicht man deutsche mit ausländischen Schülerinnen und Schülern ergibt sich folgendes Bild: Von der Gesamtheit deutscher Schülerinnen und Schüler verlassen lediglich 2,5% die Schule ohne Abschluss, von der Gesamtheit ausländischer Schülerinnen und Schüler sind es hingegen sind es 9,4%. Vergleichbar verhält es sich bei einem Förderabschluss: 1,6% der deutschen Schülerinnen und Schüler (gemessen an der Gesamtzahl) verlassen die Schule mit einem Förderabschluss, bei ausländischen Schülerinnen und Schülern sind es 5,69%. Einen Hauptschulabschluss erzielen 14% der deutschen Schülerinnen und Schüler (verglichen mit der Gesamtzahl), bei den ausländischen Schülerinnen und Schülern sind es 31,1%. Der Schulabschluss Abitur wird von 41,4% der deutschen Schülerinnen und Schüler erreicht, der Anteil ausländischer Jugendlicher mit bestandenem Abitur beläuft sich auf lediglich 16,7%. Zusammengefasst lässt sich sagen, dass deutsche Schülerinnen und Schüler in der Mehrheit einen Realschulabschluss (39,7%) oder die Hochschulreife (41,4%) erzielen, während ausländische Jugendliche mehrheitlich einen Realschulabschluss (36,1%) oder einen Hauptschulabschluss (31,1%) erreichen. 10

11 Deutsche Schulabgänger nach Schulabschluss 2,5% 1,6% 41,4% 14,0% 39,7% 0,9% ohne Hauptschulabschluss* mit Hauptschulabschluss mit Fachhochschulreife davon Förderspez. Abschluss mit Realschulabschluss mit Hochschulreife Die Daten offenbaren auch, dass 15,1% der ausländischen Jugendlichen keinen Abschluss oder einen Förderabschluss erzielen. Diese Zahl macht Handlungsbedarf deutlich. Der Hessische Integrationsmonitor zeigt erneut die im Vergleich guten Zahlen des Hochtaunuskreises: Landesweit verlassen 30,5% der deutschen Schülerinnen und Schüler die Schule mit einem Abitur, bei den ausländischen sind es 10,5%, im Vergleich zu 41,4% und 16,7% im Hochtaunuskreis. Die Hauptschule verlassen landesweit 38,3% der nicht-deutschen Schülerinnen und Schüler mit einem Abschluss, im Hochtaunuskreis sind es 31,1%. 7 Zusammengefasst lässt sich sagen, dass es für die Schülerinnen und Schüler im Hochtaunuskreis offensichtlich leichter ist, die Realschule oder das Gymnasium erfolgreich zu absolvieren als im hessischen Landesdurchschnitt. Dennoch zeigen die Zahlen auch hier Handlungsbedarf bzgl. der Unterstützung ausländischer Schülerinnen und Schüler an Daten zum Arbeitsmarkt Von den sozialversicherungspflichtig Beschäftigten im Hochtaunuskreis sind 88,8% Deutsche und 11,1% Ausländerinnen und Ausländer. Die Quote nicht-deutscher sozialversicherungspflichtig Beschäftigter ist etwas geringer als der Anteil ausländischer Bevölkerung an der Gesamtbevölkerung. Bei den geringfügig Beschäftigten hingegen ist ein leicht überproportionaler Anteil der ausländischen Bevölkerung festzustellen (15%). Beim Bezug von SGB-II Leistungen (Hartz-IV) ist in der Gruppe (15 bis 64 Jahre) der Ausländerinnen und Ausländer im Hochtaunuskreis mit 37,4% ein deutlich erhöhter Anteil im Vergleich mit dem ausländischen Anteil an der Gesamtbevölkerung zu verzeichnen. Bei den Jugendlichen (15 bis 24 7 Hessisches Ministerium der Justiz, für Integration und Europa (Hg.): Integration nach Maß Der Hessische Integrationsmonitor 2010, Wiesbaden 2010, S

12 Jahre) ist dieser noch leicht höher (40,3%), bei den Arbeitslosen über 50 Jahren liegt er mit 31,8% etwas niedriger. SGB II Arbeitslose im Alter von Jahren 40,3% 59,7% Deutsche Ausländer SGB II Arbeitslose im Alter von Jahren 37,4% 62,5% Deutsche Ausländer 12

13 SGB II Arbeitslose im Alter von Jahren 31,8% 68,2% Deutsche Ausländer Die Statistik gibt keine Auskunft über den Anteil von Deutschen mit Migrationshintergrund, die SGB-II-Leistungen beziehen. Nach Schätzungen liegt dieser Anteil jedoch ähnlich hoch, wie der der ausländischen Bezieherinnen und Bezieher von Transferleistungen. Der Blick in die SGB-II-Statistik zeigt, dass es auch im Hochtaunuskreis, der mit einer Arbeitslosenrate von nahezu Vollbeschäftigung aufweist, bislang nicht gelungen ist, allen ausländischen Bürgerinnen und Bürgern hinreichend Zugang zum Arbeitsmarkt zu gewährleisten. Zusätzlich Offensichtlich bedarf es hier gezielter Maßnahmen, wie des Case-Managements des Hochtaunuskreises, um dieses Problem anzugehen. Beim Bezug von SGB-III-Leistungen (Arbeitslosengeld I) sind ausländische Erwerbslose (15 bis 64 Jahre) mit 14,3% etwas höher vertreten als der Ausländeranteil an der Gesamtbevölkerung. Bei Jugendlichen (15 bis 24 Jahre) entspricht die Arbeitslosenquote mit 12,1% in etwa dem Ausländeranteil an der Bevölkerung, bei Menschen über 50 mit 12,8% ebenso. Ausländische Bürgerinnen und Bürger von 25 bis 49 Jahren weisen mit 16% eine überproportionale Arbeitslosenrate auf. SGB III Arbeitslose im Alter von Jahren 14,3% 85,6% Deutsche Ausländer 13

14 SGB III Arbeitslose im Alter von Jahren 12,1% 87,9% Deutsche Ausländer SGB III Arbeitslose im Alter von Jahren 16,0% 83,9% Deutsche Ausländer Der Anteil der ausländischen Bevölkerung an den Beziehern von SGB-III-Leistungen entspricht durchschnittlich in etwa dem Bevölkerungsanteil dieser Gruppe. 14

15 5.6. Daten zur Gesundheitsversorgung Anlässlich der Schuleingangsuntersuchung erhob das Gesundheitsamt Daten zur Gesundheitsversorgung der Kinder. Dabei differenzierte das Gesundheitsamt nach Kindern mit bzw. ohne Migrationshintergrund. 8 Demnach haben 28,3% einen Migrationshintergrund, 71,7% der Kinder haben keinen. Folgende Daten wurden zum Durchimpfungsgrad der Kinder erhoben. Von untersuchten Kindern legten 1.930, d.h. 92,5% eine vollständige Impfdokumentation (Mumps, Masern, Röteln mindestens zwei Impfdosen) vor. Von diesen haben 25,6% einen Migrationshintergrund, 74,4% keinen. D.h. der Durchimpfungsgrad ist bei Kindern ohne Migrationshintergrund leicht höher als bei denjenigen mit Migrationshintergrund. Bei der kommunalen Schuleingangsuntersuchung wurde ebenso die Inanspruchnahme der Früherkennungsuntersuchung U8 gemessen. Von Kindern hatten 89,2% an der Früherkennungsuntersuchung teilgenommen. Von diesen hatten 22% einen Migrationshintergrund, 78% keinen. D.h. differenziert nach Migrationshintergrund, dass Kinder mit Migrationshintergrund deutlich seltener an der Früherkennungsuntersuchung teilnehmen (22% statt 28,3% Anteil an der Gesamtgruppe). 8 Ein Migrationshintergrund besteht, wenn beide Elternteile oder der allein erziehende Elternteil einer anderen Ethnie angehört. Bei Mischehen ist ein Migrationshintergrund zu dokumentieren, wenn der nichtdeutsche Elternteil kulturell oder sprachlich stark prägt. Das Gesundheitsamt legte bei all seinen Untersuchungen diese Definition zugrunde. 15

16 5.7. Sprachvermögen und Sprachdefizite Bei der kommunalen Schuleingangsuntersuchung wurden Kinder untersucht. Von ihnen haben 590, das heißt 28,28% einen Migrationshintergrund. Von diesen wiederum haben 4,1% (24) unzureichende deutsche Sprachkenntnisse. Bei der Sprachstandfestsetzung von Erstklässlerinnen und Erstklässlern stellte das Gesundheitsamt fest, dass von untersuchten Kindern lediglich 133, das heißt 5,6% an einem vorschulischen Sprachkurs teilgenommen hatten. Von ihnen hatten 91,7% einen Migrationshintergrund, 8,3% hatten keinen. 9 Bei der Befragung der Kitas (Pkt. 5.2.) zur Sprachförderung war ein wesentlich höherer Bedarf erhoben worden (mindestens 353 Kinder). Diese Zahlen zeigen, dass im Hochtaunuskreis insgesamt ein niedriger Sprachförderbedarf bei Eintritt in die Schule besteht. Vorsichtig lässt sich interpretieren, dass die Sprachförderangebote in den Kitas effektiv sind, sodass die Kinder bei der Einschulung offensichtlich einen signifikant geringeren Förderbedarf haben als vorher Wahlen zum Ausländerbeirat Bei den Ausländerbeiratswahlen am 7. November 2010 gab es kreisweit eine Beteiligung von 7,8%. Ein Ausländerbeirat ist einzurichten, wenn in einer Kommune mehr als Menschen mit nichtdeutscher Staatsbürgerschaft leben. Auf Kreisebene ist die Einrichtung eines Ausländerbeirates fakultativ, bislang gibt es im Hochtaunuskreis keinen Kreisausländerbeirat. Die Wahlbeteiligung an den Ausländerbeiratswahlen war in Usingen mit 11,5% am höchsten, in Oberursel mit 3,4% am niedrigsten. Insgesamt ist bei einer durchschnittlichen Wahlbeteiligung von 7,8% zu vermuten, dass viele ausländische Bürgerinnen und Bürger die Ausländerbeiräte nicht als Gremium wahrnehmen, das ihre Interessen vertritt. Ein Grund könnte die wachsende Integration vieler alteingesessener Ausländerinnen und Ausländer sein. 12% 10% 8% Wahlbeteiligung bei Ausländerbeiratswahlen 6% 4% 8,6% 9,1% 10,6% 9,0% 9,6% 7,5% 11,5% 7,8% 2% 3,4% 0% 9 Es gilt die Definition Migrationshintergrund des Gesundheitsamtes, s.a. Pkt

17 5.9. Besuch von Integrationskursen Für Einwandernde aus nicht-eu-staaten ist der Besuch eines Integrationskurses verpflichtend um einen Aufenthaltstitel zu erlangen. Es muss die Sprachprüfung B1 absolviert werden. Im Jahr 2010 besuchten im Hochtaunuskreis (ohne Bad Homburg) 301 Personen einen Integrationskurs. 101 von ihnen nahmen an der Sprachprüfung B1 teil, von denen 80,2% die Prüfung bestanden. Erfolgsquote der Sprachkursteilnehmer 19,8% 80,2% Sprachkurs erfolgreich bestanden Sprachkurs nicht bestanden Personalstruktur in Kindertagesstätten, Schulen und der Kreisverwaltung Die Erhebung bei Kindertagesstätten beinhaltete auch die Frage nach dem Migrationshintergrund der dort arbeitenden Erzieherinnen und Erzieher. 59 der befragten 116 Kitas beantworteten diese Frage: In diesen Kitas arbeiten insgesamt 476 Erzieherinnen und Erzieher. Von ihnen haben 14,4% einen Migrationshintergrund. 10 Von den Lehrerinnen und Lehrern an den Schulen im Hochtaunuskreis haben 1,7% eine ausländische Staatsbürgerschaft. Die Erhebung des Migrationshintergrundes war nicht möglich. In der Kreisverwaltung des Hochtaunuskreises wurden im Berichtsjahr (2010) 42 Personen neu eingestellt. Von ihnen haben 16,7% einen Migrationshintergrund. 11 Im Dezember 2010 befragte die Leitstelle Integration die Belegschaft der Kreisverwaltung im Hochtaunuskreis. Von 871 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern nahmen 390, das heißt 44,8% an der Befragung teil. Von diesen haben 14,4% einen Migrationshintergrund. Der hohe Rücklauf ist bemerkenswert und zeugt von einer großen Offenheit der Beschäftigten bzgl. des Themas Integration. 10 Es gilt die Definition von Migrationshintergrund des Mikrozensus, s. Pkt Es gilt die Definition von Migrationshintergrund des Mikrozensus, s. Pkt

18 Beschäftigte in der Kreisverwaltung des HTK * 14,4% mit MH ohne MH 85,6% 6. Gesamteinschätzung Die vorliegenden Daten geben einen ersten Eindruck über die Integration von Menschen mit Migrationshintergrund im Hochtaunuskreis. Sie können bereits jetzt eine Grundlage für die künftige Integrationsarbeit im Kreis sein. Dieses Monitoring soll im Abstand von 3 bis 4 Jahren fortgeschrieben werden, um eine Entwicklung beobachten zu können. Die Indikatoren werden dazu an die spezifischen Gegebenheiten des Hochtaunuskreises angepasst. Insgesamt ist feststellbar, dass die Möglichkeiten zur strukturellen Integration, nämlich in den Arbeitsmarkt oder in das Bildungssystem im Hochtaunuskreis leichter sind als in anderen Regionen, wie die Vergleichszahlen des hessischen Integrationsmonitors zeigen. Es scheint darüber hinaus zu gelingen, die Sprachförderung für Kinder in Kindertagesstätten so einzusetzen, dass sie signifikante Erfolge bringt. Auch verweist der Anteil von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern mit Migrationshintergrund in der Kreisverwaltung und in den Kindertagesstätten auf eine interkulturelle Öffnung dieser Institutionen und damit auf gelungene Zugangswege für eine von Vielfalt geprägte Belegschaft. 18

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