Bisherige Ergebnisse. Elternhaus

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1 Bisherige Ergebnisse Elternhaus Wie wichtig ist das Elternhaus im Lebenslauf von Kindern? Die Meinungen dazu gehen weit auseinander. Viele würde sofort sagen: Eltern sind das Wichtigste im Leben. Andere beklagen die Ohnmacht der Eltern angesichts der Medien, der Freunde und den eigenen Absichten der Kinder. In der Jugendzeit schwindet nach dieser Einschätzung der Einfluss der Eltern besonders stark. Nach unseren Ergebnissen täuscht dieser Eindruck. Gewiss, Eltern kämpfen häufig mit ihren Kindern um Ordnung, die Übernahme von Pflichten, Pünktlichkeit und Schulleistungen. Bei mehr als 70% der Jugendlichen bleibt aber auch in der Pubertät die Beziehung zu den Eltern sehr erfreulich. Dies ist besonders dann der Fall, wenn auch die Freunde im Elternhaus willkommen sind. Und im Lebenslauf? Was bleibt vom Einfluss der Familie? In drei Bereichen bleibt sehr viel: religiöse Eltern haben am ehesten auch religiöse Kinder; kulturelle Tätigkeiten wie das Lesen und das Musizieren kommen (neben der Schule) häufig von den Eltern. Am deutlichsten ist aber der Einfluss der Eltern auf die Schullaufbahn der Kinder. Eltern achten sehr auf die Schulleistungen der Kinder (häufig nicht unbedingt zu deren Freude), was sich wie die Lebensverlaufsstudie zeigt langfristig auszahlt. Wie die Abbildung zeigt, sind schon die Erwartungen der Eltern für Schulabschlüsse bei den 13-Jährigen wichtig für den mit 35 Jahren erreichten Schulabschluss. Fast 70% erreichen den früher gewünschten Abschluss. Abbildung: Elternwunsch mit 13 Jahren und erreichter Schulabschluss mit 35 Jahren 1

2 Partnerbeziehungen Wie teilen Paare Hausarbeiten unter sich auf und was nimmt darauf Einfluss? Von jungen, seit kurzem zusammen lebenden Paaren weiß man, dass sie Hausarbeiten wie kochen, abwaschen, einkaufen oder putzen untereinander zunächst fast gleich aufteilen. Die Ankunft des ersten Kindes führt dann aber meistens zu einer stärker traditionellen Arbeitsteilung. Sehr viele junge Mütter geben ihre Erwerbsarbeit vorübergehend oder dauerhaft auf. Sie bleiben zuhause und übernehmen den größten Teil der Arbeiten im Haushalt. Zahlreiche junge Väter engagieren sich gleichzeitig stärker im Beruf und übernehmen nur kleine Anteile von Hausarbeiten. Die LifE-Studie konnte diesen Traditionalisierungsschub von Elternschaft bestätigen. Zusätzlich konnte sie zeigen, dass Frauen mit längerer Schulbildung und höherem Einkommen eher mit Männern zusammenleben, die sich im Haushalt stärker beteiligen. Darüber hinaus machte sie deutlich, dass die Einflüsse aus der Kindheit und dem Jugendalter auf die Aufteilung der Hausarbeit im Erwachsenenalter wichtiger sind, als bislang angenommen. Jugendliche, die auf dem Lande aufwuchsen, teilten im Erwachsenenalter die Hausarbeit viel traditioneller ( altmodischer ) auf als Jugendliche, die in einer Stadt aufwuchsen. Die im Jugendalter erlebte Normalität nimmt wesentlichen Einfluss darauf, was man selbst als richtig erlebt und im Erwachsenenalter dann praktiziert. Und auch die eigene Einstellung im Jugendalter zur späteren Arbeitsteilung in der Partnerschaft wirkte sich noch 20 Jahre später aus zumindest bei den Frauen. Diejenigen, die sich im Jugendalter einen Mann wünschten, der im Haushalt mithilft, hatten später tatsächlich häufiger einen solchen, als jene, die sich eine traditionelle Arbeitsteilung gewünscht hatten. Freunde und Familie Für die allermeisten Menschen gehört das Leben in einer Partnerschaft oder einer Familie zur Normalität im Leben. Im Unterschied zu den 1970er Jahren ist jedoch die Eheschließung in der Regel nicht mehr der Übergang in die erste feste Partnerschaft. Erste Partnerschaftserfahrungen werden indes bereits im Alter von 15 Jahren geschlossen. In der Öffentlichkeit wurde in den letzten beiden Jahrzenten immer wieder die Frage diskutiert, ob wir in einer pluralen Gesellschaft leben? Wir können nun zeigen, dass die allerwenigsten Menschen gar keine Partnerschaftserfahrungen in ihrem Leben haben, unsere Befunde zeigen, dass dies nur ca. 5 Prozent bis zum Alter von 35 Jahren sind. Knapp ein Drittel haben nur einen Partner und ca. und ca. 51 Prozent haben 2 oder 3 Partner. Betrachten wir nun die Ehe, so können wir zeigen, dass von denjenigen die heiraten 38 Prozent den ersten Partner heiraten und knapp 50 Prozent den 2. oder 3. Partner in ihrem Leben. 2

3 Was kann man schlussfolgern? Plural ja, nicht regellos und man kann es auch so formulieren: Die Verlobung wird ersetzt durch eine oder zwei Partnerschaftsphasen vor der Heirat. Abbildung: Anteil derer, die in einer Partnerschaft leben, im Alter von 16 bis 35 nach Geschlecht (in Prozent) Schule und Ausbildung Schulabschluss und dann? Wie Schulbildung den Ausbildungsweg beeinflusst Bildungswege umfassen zum Beispiel Wechsel der Schulform. Sie können auch mehr als eine Ausbildung einschließen - und dabei von mehreren Abschlüssen, Abbrüchen oder Neuanfängen gekennzeichnet sein. In den Befragungen war es deshalb ein Ziel, mehr über die Wege durch das allgemeine und berufliche Bildungssystem zu erfahren. Die Bedeutung des Schulabschlusses für den anschließenden Ausbildungsweg war hierbei von besonderem Interesse. Denn Schulabschlüsse bestimmen nicht nur die Aussichten auf ein Studium anstatt einer Berufsausbildung, sondern beeinflussen auch die Chancen bei der Ausbildungssuche. Unsere Auswertungen zeigten, dass Personen mit Fach-/Hochschulreife häufiger mehr als eine Ausbildung absolvieren (61%) als Personen mit keinem oder einem Hauptschulabschluss (26%) und Personen mit Mittlerer Reife (37%) (Abbildung). Das heißt, dass auch die Chancen zu einer weiteren Ausbildung nach der Erstausbildung von der Schulbildung abhängig sind. 3

4 Personen mit hohen Schulabschlüssen verschaffen sich damit einen weiteren Bildungsvorsprung, während geringer qualifizierte Schulabgänger ihre Qualifikationsarmut nur selten durch eine zusätzliche Ausbildung ausgleichen können. Abbildung: Einfach- und Mehrfachausbildungen, nach Schulabschlüssen (in Prozent) Politische Einstellungen Werden politische Wertvorstellungen "vererbt"? In Bezug auf politische Einstellungen werden Jugendliche überraschend stark von ihren Eltern beeinflusst. So würden zum Beispiel viele Kinder dieselbe Partei wie ihre Eltern wählen. Im Übergang zum Erwachsenenalter werden diese Ansichten zwar hinterfragt, aber dennoch teilen noch viele junge Erwachsene die politischen Wertvorstellungen ihrer Eltern. Das Ausmaß der politischen Übereinstimmung zwischen Eltern und Kindern wiederum hing davon ab, wie eng und vertrauensvoll die Eltern-Kind-Beziehung im Jugendalter war. Jugendliche mit harmonischer Beziehung zu ihren Eltern übernahmen deren Parteipräferenz im Alter von 15 Jahren nahezu vollständig. Auch im Erwachsenenalter war bei ihnen die Übereinstimmung mit den Eltern die höchste. 4

5 Kulturelle Orientierung Wird eine hochkulturelle Orientierung "vererbt"? Zentral ist in diesem Zusammenhang die Frage, inwiefern sich die kulturellen Vorlieben der Eltern auf die Kinder übertragen und wie stabil diese Übertragung im Lebenslauf bis ins frühe Erwachsenenalter hinein ist. Dabei kann vermutet werden, dass die Jugendlichen sich zunächst einer jugend(sub)kulturellen Orientierung zuwenden, im frühen Erwachsenenalter aber wieder Orientierungsmuster aktiviert werden, die man modellhaft im Elternhaus erlernt hat. Im Rahmen von statistischen Analysen konnte nachgewiesen werden, dass eine hochkulturelle Orientierung der Eltern sich zu 60% auf die Kinder im Jugendalter überträgt. Bestand ein geringes Interesse der Eltern an hochkulturellen Genres, so übertrug sich diese Haltung sogar zu 76%. Andererseits existierten jedoch auch Veränderungsprozesse, d.h. unabhängig vom Elternhaus entwickelten 24% der Jugendlichen eine hochkulturelle Orientierung und 40% der Jugendlichen zeigten hier kein Interesse, obwohl dieses bei den Eltern festzustellen war. Hatte sich im Jugendalter eine hochkulturelle Orientierung entwickelt, so blieb diese in hohem Maße (74%) bis zum Alter von 35 Jahren bestehen. 89% derjenigen, die in der Jugend ein geringes Interesse bekundeten, taten dies auch noch im Alter von 35 Jahren. Im Gegensatz hierzu erwarben 26% der ehemaligen Jugendlichen im Lauf von 20 Jahren ein Interesse an Hochkultur und 11% der Befragten verloren diese Orientierung. Gesundheit Ist die Jugendzeit wichtig für den Lebensweg und die Gesundheit? Die LifE-Studie begleitete über 2000 Jugendliche in der Zeit des Erwachsenwerdens. Uns interessierte besonders, wie sich verschiedene Entwicklungswege im Jugendalter auf die Gesundheit 20 Jahre später auswirken. Wir erhielten sehr interessante Resultate: Entwickelt man während der Jugendzeit ein positives Selbstbild, so beeinflusst dies die Gesundheit noch 20 Jahre später im Erwachsenenalter mit 35. So zeigen Erwachsene beispielsweise weniger depressive Verstimmungen, wenn sie in ihrer Jugend eine positive Entwicklung des Selbstwertes verzeichneten. Die Jugendzeit ist demnach eine sehr wichtige, für den weiteren Lebensweg und den Erhalt der eigenen Gesundheit prägende Zeit. 5

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