Die Master-Frage. Drei Viertel aller Bachelor-Studierenden

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1 4 09 Forschung & Lehre STANDPUNKT 241 Die Master-Frage Bernhard Kempen lehrt Ausländisches Öffentliches Recht und Völkerrecht an der Universität zu Köln und ist Präsident des Deutschen Hochschulverbandes. Drei Viertel aller Bachelor-Studierenden streben ein Master-Studium an. Werden aber letztlich nur ein Drittel oder ein Viertel von ihnen in die Meisterklasse gelangen? Die Master-Frage, die sich im Zusammenhang mit der Einführung konsekutiver Studiengänge stellt, wird zehn Jahre nach der Bologna-Erklärung nun von den Gerichten zu beantworten sein. Der AStA der Universität Potsdam setzt sich mit einem Normenkontrollantrag vor dem OVG Berlin-Brandenburg dagegen zur Wehr, dass Master-Bewerber einen Numerus clausus zu überwinden haben. In Potsdam hängt der Zugang zum Master-Studium im Fach Betriebswirtschaftslehre an einer Bachelor-Note von mindestens 2,5, und im Fach Informatik bleibt nur den besten zwei Dritteln eines Bachelor-Jahrgangs der Master-Abschluss vorbehalten. Die Ausschlüsse, so der Kläger, verstießen gegen Artikel 12 des Grundgesetzes, da sie die freie Wahl des Arbeitsund Ausbildungsplatzes behinderten. Die Studierenden legen damit den Finger auf eine offene Wunde: Nach dem Willen der Kultusminister soll der Bachelor ein berufsqualifizierender Abschluss sein. Faktisch aber ist der Master für viele Berufe eine Zugangsvoraussetzung und das liegt nicht nur an dem verbesserungsbedürftigen Image, das der Bachelor-Abschluss in den Augen vieler Unternehmen und Studierender hat. Viele Berufsbilder lassen sich nur mit dem Master-Abschluss erschließen. Bachelor-Berufe in Fächern wie Pharmazie oder Architektur existieren praktisch nicht. Nach dem Numerus clausus-urteil des Bundesverfassungsgerichts aus dem Jahr 1972 garantiert das Grundrecht der Berufsfreiheit aber das Recht auf ein Hochschulstudium, das zu den staatlich reglementierten Berufsbildern hinführt. Dabei wirken sich Zulassungshürden für Bachelor-Absolventen noch viel gravierender aus als für Abiturienten. Denn hier steht der Sinn des zuvor abgeschlossenen Bachelor-Studiums auf dem Spiel. Dass die Hochschulen ihre Mittel bis zu 80 Prozent in die Bachelor-Programme stecken und bei der Master-Ausbildung knapsen, hat vor allem finanzielle Gründe. Das unerfüllte Versprechen, den deutlich erhöhten Prüfungs- und Lehraufwand der modularisierten Studiengänge mit zusätzlichem Personal aufzufangen, droht im Zuge der Finanzund Wirtschaftskrise Makulatur zu werden. In internen Kalkulationen der Bundestagsfraktionen fallen die vom Wissenschaftsrat zuletzt angemahnten 1,1 Milliarden Euro für eine bessere Betreuung bereits unter den Tisch. Es passt einfach nicht zusammen: Für Handwerksmeister werden die Zugangshürden im Bachelor-Studium fast auf Null gesenkt, gleichzeitig werden beim Master-Studium durch Noten und Quoten neue Hürden errichtet. Das Kapital moderner Wissensgesellschaften liegt aber gerade in einer fundierten Ausbildung, die der Bachelor mit einer sechssemestrigen Regelstudienzeit allein kaum bieten kann. Nicht der Bachelor, sondern der Master sollte deshalb der Regelabschluss sein. Wer in Krisenzeiten in die Zukunft investieren will, darf bei der Bildung nicht sparen. Die Master-Frage wird zu einer Schlüsselfrage unseres Bildungssystems.

2 242 INHALT Forschung & Lehre 4 09 Inhalt Prognosen STANDPUNKT Bernhard Kempen 241 Die Master-Frage NACHRICHTEN 244 Hochschulzulassung: Einigung auf Übergangsverfahren PROGNOSEN Thomas Macho 248 Prognose statt Utopie? Zur Geschichte des Umgangs mit der Zukunft Gabriele Gramelsberger 250 Berechenbare Zukunft Wissenschaft im Zeitalter des Computers Christian Hesse 252 Prognosen stochastisch, praktisch, klug Kann man Aktienkurse voraussagen? 254 Erfahrene Propheten warten die Ereignisse ab Prognoseirrtümer der Technikgeschichte Dieter Dohmen 256 Der Studentenberg Prognose und Realität Richard Münch 258 Wissenschaftliche Exzellenz von morgen Standortförderung im Konflikt mit der Erneuerung des Wissens REKTOR DES JAHRES Foto: picture-alliance Zu den Grundbedürfnissen des Menschen gehört es, sich seiner Vergangenheit zu versichern. Doch auch der Wunsch, sich von der Zukunft ein möglichst genaues Bild machen und sie damit beeinflussen zu können, ist Teil des Menschen. Hilfsmittel sind seit jeher Orakel, Prophezeiungen und Utopien, seit neuerer Zeit auch Prognosen. Letztere treten gern mit dem Anspruch auf, die Zukunft möglichst genau vorherzusagen. Wie kommt es, dass Prognosen derart en vogue sind? Prognosen Rektoren-Ranking Thomas Krüger Georg Rudinger 260 Rektoren-Ranking 2009 Ergebnisse einer Umfrage EXZELLENZINITIATIVE Stefan Hornbostel Michael Sondermann 264 Dynamische Entwicklung Stand der Personalrekrutierung bei der Exzellenzinitiative In einer Umfrage des Deutschen Hochschulverbandes (DHV) haben über Wissenschaftler Anforderungsprofile für den Rektor bzw. Präsidenten ihrer Hochschule erstellt und die jeweiligen Amtsinhaber danach bewertet. Ergebnisse des ersten Rektoren-Rankings in Deutschland. Rektoren-Ranking Impressum 16. Jahrgang in Fortführung der Mitteilungen des Deutschen Hochschulverbandes (43 Jahrgänge) Herausgegeben im Auftrage des Präsidiums des Deutschen Hochschulverbandes ISSN: ; erscheint monatlich Deutscher Hochschulverband Präsident: Bernhard Kempen, Univ.-Professor, Dr. Vizepräsidenten: Johanna Hey, Univ.-Professorin, Dr. Ulrich Schollwöck, Univ.-Professor, Dr. Präsidiumsmitglieder: Josef Pfeilschifter, Univ.-Professor, Dr. Wolfram Ressel, Univ.-Professor, Dr. Tom Schanz, Univ.-Professor, Dr. Marion Weissenberger-Eibl, Univ.- Pro fessorin, Dr. Ehrenpräsident: Hartmut Schiedermair, Univ.-Professor, Dr. Geschäftsführer: Michael Hartmer, Dr. Geschäftsstelle des Deutschen Hochschulverbandes: Rheinallee 18, Bonn, Tel.: (0228) ; Fax: (0228) Internet: Forschung & Lehre Kuratorium: Manfred Erhardt, Professor, Dr. Wolfgang Frühwald, Univ.-Professor, Dr. Horst-Albert Glaser, Univ.-Professor, Dr. Peter Heesen Max G. Huber, Univ.-Professor, Dr. Hans Mathias Kepplinger, Univ.-Professor, Dr., Steffie Lamers Franz Letzelter, Dr. Reinhard Lutz, Dr. Johannes Neyses, Dr. Karl-Heinz Reith Kurt Reumann, Dr. Joachim Hermann Scharf, Prof. Dr., Dr., Dr. h.c. Hartmut Schiedermair, Univ.-Professor, Dr. Andreas Schlüter, Dr. Joachim Schulz-Hardt, Dr. Hermann Josef Schuster, Dr. Werner Siebeck Erich Thies, Univ.-Professor, Dr. Margret Wintermantel, Univ.-Professor, Dr. Redaktion: Felix Grigat, M. A. (verantwortl. Redakteur) Michael Hartmer, Dr. Friederike Invernizzi, M.A. Ina Lohaus Vera Müller, M. A.

3 4 09 Forschung & Lehre INHALT 243 Exzellenzinitiative Der letzte Bericht des Instituts für Forschungsinformation und Qualitätssicherung (ifq) machte deutlich, dass sich die Personalrekrutierung im Rahmen der Exzellenzinitiative schwieriger gestaltete als erwartet. Wie hat sich die Stellenbesetzung in der Zwischenzeit entwickelt? Das ifq veröffentlicht hier erstmals Zahlen zum aktuellen Stand. Dynamische Entwicklung Frankreich Foto: picture-alliance BERUFUNGSGESCHEHEN I 266 Brauchen Sie wirklich eine Spülkraft? Warum Geld allein den Biologen Thomas Tuschl nicht von den USA nach Berlin locken kann FRANKREICH Andreas Gelz 268 Antisarkozysme Studierenden- und Hochschullehrerproteste in Frankreich BERUFUNGSGESCHEHEN II 270 Wie man Berufungsverfahren diskreditiert DARWIN-JAHR Wolfgang Sonne 272 Ein Lob der Theorie Wider den Fundamentalismus in den Wissenschaften ÄMTER Oliver Günther 274 Dekan versus Dean Ein universitäres Selbstverwaltungsamt im Umbruch Studierende und Hochschullehrer gingen in Frankreich gemeinsam auf die Straße, um gegen die Bildungsreformen der französischen Regierung Sarkozy zu demonstrieren. Sie kritisierten die Ökonomisierung der Bildung, neue Verwaltungsstrukturen und Evaluationsmethoden. Ein Bericht. Antisarkozysme Foto: picture-alliance RUBRIKEN 278 Forschung: Ergründet und entdeckt 280 Lesen und lesen lassen 281 Zustimmung und Widerspruch 282 Entscheidungen aus der Rechtsprechung 283 Steuerrecht 284 Karrierepraxis 286 Karriere 291 Informationsservice 292 Akademischer Stellenmarkt 315 Fragebogen II: Zu Ende gedacht Anke Schmeink 316 Exkursion Design-Konzept: Agentur 42, Mainz Titelbild: dpa picture-alliance Grafik und Layout: Robert Welker Weitere Mitarbeiter dieser Ausgabe: Hubert Detmer, Dr., Rechtsanwalt, 2. Geschäftsführer des Deutschen Hochschulverbandes Ulrike Preißler, Dr., Rechtsanwältin im Deutschen Hochschulverband Birgit Ufermann, Rechtsanwältin im Deutschen Hochschulverband Beiträge, die mit Namen oder Initialen des Verfassers gekennzeichnet sind, stellen nicht in jedem Falle die Meinung der Redaktion oder des Herausgebers dar. Für unverlangt eingesandte Manu skripte kann keine Haftung übernommen werden.»verbum hoc,si quis tam masculos quam feminas complectitur«(corpus Iuris Civilis Dig. L, 16, 1) Zitierweise: Forschung & Lehre Verlag und Redaktion: Rheinallee 18, Bonn Tel.: (02 28) Fax: (02 28) Internet: Druck: Saarländische Druckerei und Verlag GmbH, Saarwellingen Bezugsgebühr: Abonnement 70,00 Euro zzgl. Porto. Für Mitglieder des DHV durch Zahlung des Verbandsbeitrages. Einzelpreis 7,00 Euro zzgl. Porto. Bankverbindung: Dresdner Bank Bonn Kto.-Nr BLZ Anzeigenabteilung: Gabriele Freytag / Angelika Miebach Rheinallee 18, Bonn Tel.: (0228) , Fax: (0228) Preisliste Nr. 38 vom Forschung & Lehre wird auf chlorfreiem Papier gedruckt und ist recyclebar. Druckauflage: Exemplare (IVW 4/2008)

4 244 NACHRICHTEN Forschung & Lehre 4 09 Nachrichten Hochschulzulassung: Einigung auf Übergangsverfahren ZAHL DES MONATS Nur 41 Prozent der im Ausland erbrachten Studien - leistungen werden komplett, 23 Prozent gar nicht anerkannt. Quelle: Bericht des BMBF zur Umsetzung des Bologna-Prozesses Mit einem bundeseinheitlichen Bewerbungstermin und einer Internetbörse soll künftig die Vergabe von Studienplätzen so geregelt werden, dass chaotische Zustände wie im vergangenen Jahr vermieden werden. Auf ein entsprechendes Verfahren haben sich die Kultusministerkonferenz der Länder (KMK), die Hochschulrektorenkonferenz (HRK) und Bundesbildungsministerin Annette Schavan geeinigt. Die Vergabe von Studienplätzen werde damit übersichtlich und zuverlässig koordiniert, erklärte Schavan. HRK-Präsidentin Wintermantel sagte: Es wird keine frei bleibenden Studienplätze mehr geben. Für das Übergangsverfahren, das zum Wintersemester 2009/10 beginnen soll, müssen sich die Hochschulen auf den einheitlichen Bewerbungsschlusstermin 15. Juli für alle NC-Fächer verständigen. Die Bescheide über die Zulassung sollen dann bis Mitte August versandt werden. Die Studienplätze, die Ende August noch nicht besetzt sind, werden über das Internet in einer Börse bekannt gegeben. Studierwillige, die noch keinen Studienplatz erhalten haben, können sich dann unmittelbar bei den jeweiligen Hochschulen um freie Plätze bewerben. KMK und HRK wollen sich nachdrücklich dafür einsetzen, dass sich alle Hochschulen diesem Verfahren anschließen. Die endgültige Lösung soll 2011 kommen, zwei Jahre später als ursprünglich geplant. Bis dahin soll eine Internetplattform geschaffen werden, auf der angehende Studierende sich über alle Studienplätze in zulassungsbeschränkten Fächern informieren und ihre Bewerbungen einsenden können. Eine Serviceagentur soll die Plattform betreuen und bei der Vermittlung der Studienplätze helfen. Ob die ZVS, die derzeit fast nur noch Medizin-Studienplätze vermittelt, künftig wie geplant auch die Internet-Plattform für das neue System betreiben wird, blieb nach einem Bericht der Financial Times Deutschland offen. Schavan hatte die ZVS mehrfach kritisiert und ihr die Schuld an den Zeitverzögerungen gegeben. Der Kultusminister von Sachsen-Anhalt, Jan-Hendrik Olbertz, sagte dagegen, für die Länder stehe die ZVS und ihr Umbau in eine Service-Agentur der Hochschulen nicht zur Disposition. Sie habe eine Schlüsselverantwortung. Wenn sie dieser nicht gerecht werde, würden ihre Strukturen umgebaut. Unterdessen weitet sich die Hamburger Initiative bei der Hochschulzulassung in Numerus-clausus-Fächern aus. An dem für das Wintersemester 2009/10 geplanten Vermittlungsverfahren wollen sich inzwischen insgesamt 22 Universitäten beteiligen; weitere 12 seien derzeit in Wartestellung. Kern des verabredeten Vorgehens ist die gleichzeitige Versendung der Zulassungsbescheide und eine Internet-Börse zur Information über offen gebliebene Studienplätze. Studierende: Resignation und Flucht ins Private Die Studierenden in Deutschland sind einer Studie Konstanzer Hochschulforscher zufolge heute politisch so desinteressiert wie nie zuvor. Nur noch 37 Prozent der Studierenden interessierten sich für Politik, 1983 seien es noch 54 Prozent gewesen. Für Studierende, die die kommende gesellschaftliche Elite bildeten, müsse dieser Rückzug aus der Politik als problematisch gelten, weil er zugleich einen Abschied von öffentlicher Verantwortung darstelle. Nach Erkenntnissen der Autoren geht dieser Rückzug aus dem öffentlichen Leben einher mit einer Zunahme der Wertschätzung für die Familie und das Private. Die Einschätzung des privaten Lebensbereichs der Familie als sehr wichtig stieg von 46 Prozent im Jahr 1983 bis auf 72 Prozent Studierende haben den Hochschulforschern zufolge den Eindruck, als könnten sie weder ihre berufliche Karriere noch politische Entscheidungen wirklich beeinflussen. Was bislang nur für Jugendliche ohne berufliche Qualifikation gegolten habe, treffe nun auf mehr und mehr Studierende zu. Deswegen zögen sich immer mehr Studenten ins Private zurück. Der Untersuchung zufolge bezeichnen sich immer weniger Studenten als links und rechts. Gleichzeitig wächst die Zahl der Studierenden, die sich der politischen Mitte oder gar keinem Lager zuordnen wollen. Immer weniger Studierende engagieren sich in Parteien und Bürgerinitiativen, hieß es. Verändert hätten sich auch die politischen Ziele der Studierenden. Je 52 Prozent der Befragten befürworteten die Förderung von Technologien und die harte Bestrafung von Kriminellen. Im Jahr 1985 hatten sich lediglich 35 beziehungsweise 29 Prozent für diese Ziele ausgesprochen. Ein Viertel plädierte für die Begrenzung der Zuwanderung von Ausländern, 17 Prozent forderten die Abwehr kultureller Überfremdung. Für die Studie wurde die politische Einstellung von Studenten an 25 Hochschulen untersucht.

5 4 09 Forschung & Lehre NACHRICHTEN 245 KMK: Studium ohne Hochschulreife für Meister Meister und Techniker können künftig nach einem Beschluss der Kultusministerkonferenz (KMK) bundesweit jedes Fach ihrer Wahl studieren. Dieses allgemeine Hochschulzugangsrecht gilt für Universitäten wie für Fachhochschulen und sieht keine weiteren Eignungstests oder Probestudienzeiten vor. Berufstätige mit mindestens zweijähriger Ausbildung plus dreijähriger Berufspraxis bekommen künftig ein fachgebundenes Zugangsrecht. Ihr Studienfach muss in etwa ihrer bisherigen Universität Mannheim lehnt Profi-Dekane ab Immer weniger Physikprofessuren beruflichen Fachrichtung entsprechen. Laut Deutscher Presseagentur planen einige Länder noch liberalere Regelungen. Nicht-Abiturienten war unter bestimmten Voraussetzungen bisher auch schon ein Studium möglich. Dazu gab es aber 16 völlig unterschiedliche Länderregelungen. Anders als in vielen anderen Staaten schafft in Deutschland bisher nur ein verschwindend kleiner Anteil beruflich Qualifizierter den Sprung ins Studium. An den Universitäten sind es etwa 0,5 Fünf Fakultäten der Universität Mannheim haben sich gegen die Einrichung eines hauptamtlichen Dekans ausgesprochen. Damit scheiterte wenige Tage bevor Baden-Württemberg am 1. März den hauptamtlichen Dekan im Hochschulgesetz verankerte ein entsprechendes Modellprojekt. Dies berichtet der Berliner Tagesspiegel. Damit bleiben die Dekane in Mannheim Dekane im Nebenamt aus dem Kreis der Professoren. Erst vor kurzem hatte die Universität der Zeitung zufolge einen Streit über ihr Profil beigelegt. Zum Kompromiss gehörte demnach auch das Zusammenlegen verschiedener Fächer in gemeinsamen Fakultäten. Die Fakultäten hätten sich allerdings starke Fachabteilungen unter dem gemeinsamen Dach, nicht einen Profi-Dekan mit zusätzlichen Rechten gewünscht. Streit habe bereits bei der Frage gedroht, welches Fach ihn hätte stellen dürfen. Kritiker der Profidekane verweisen auf die Tradition kollegialer Selbstorganisation deutscher Universitäten. Nach dem neuen badenwürttembergischen Gesetz ist es an den Hochschulen nun erlaubt, die Leistungsbezüge von Professoren durch private Drittmittel aufzustocken und den dafür vorgesehenen Prozent der Neueinschreibungen, an den Fachhochschulen 1,9 Prozent. Der Deutsche Philologenverband warnte vor einer unkontrollierten Öffnung der Hochschulen. Berufstätigkeit vermittle nicht per se Studierfähigkeit. Diese erfordere nicht nur inhaltliches Wissen, sondern auch hohe methodische Kompetenzen. Wenn sich diese nach einigen Berufsjahren von selbst einstellen würden, könnte man die schulischen Wege zur Hochschulreife alle dichtmachen und würde damit viel Geld sparen. Vergaberahmen zu erhöhen. Die Mittel müssten den Hochschulen ohne Bindung an eine bestimmte Person zur Verfügung gestellt werden. Künftig besteht die Möglichkeit zur Exmatrikulation bei Plagiatsfällen oder wissenschaftlichem Fehlverhalten. Die Exmatrikulation steht im Ermessen der Hochschule. Mit dem neuen Gesetz wendet sich Baden-Württemberg auch von der Programmakkreditierung ab hin zur Systemakkreditierung. Staatlich anerkannte Hochschulen in freier Trägerschaft mit eigenständigem Promotionsrecht können sich künftig Universität nennen. An deutschen Universitäten gibt es immer weniger Physik-Professuren. Zwischen 1997 und 2007 ist die Zahl dieser Personalstellen um 11,7 Prozent zurückgegangen. Dies hat die Konferenz der Fachbereiche Physik (KFP) auf der Grundlage eigener Erhebungen und von Daten des Statistischen Bundesamtes ermittelt. Die Deutsche Physikalische Gesellschaft (DPG) und die KFP fordern die Wissenschaftsministerien der Länder auf, diesem Trend entgegenzusteuern und die Zahl der Professuren wieder aufzustocken. Der Stellenabbau gefährde die Qualität des Physikstudiums ebenso wie den Forschungsauftrag der Universitäten. Die Physik ist nach Erkenntnissen der Statistiker vom Stellenabbau weit stärker betroffen als die Mathematik und die Naturwissenschaften insgesamt. Dort liege der Rückgang bei 4,3 Prozent. Andererseits sei die Zahl der Physik-Studierenden auf einem ähnlich hohen Niveau wie Immer weniger Dozenten müssten sich um immer mehr Studierende kümmern. Deshalb fordern DPG und KFP die Zahl der Professuren aufzustocken. KOMMENTAR Akademiker unerwünscht Werden Niederlagen als Erfolge gefeiert und Begriffe entgegen ihrer Wortbedeutung verwendet, spricht man von Propaganda. Dazu gehört, mit Verve über Dinge zu reden, auf die es nicht ankommt. Beispiele in Hülle und Fülle bietet die Hochschulpolitik mit ihrer manischen Fixierung auf einen Erfolg des Bologna-Prozesses. Internationalisierung, Mobilität u.a. sind die Worthülsen, mit denen das Kartell der großen Wissenschaftsorganisationen und -minister über die politischen und medialen Jahrmärkte zieht. Zu der Begriffs-Wundertüte gehört auch Akademisierung. Dabei sind alle erwünscht, nur keine Akademiker. Denn unter Akademikern versteht man seit etwa 2500 Jahren nicht primär auf den Nutzen, sondern auf die Wahrheit blickende antisophistische Menschen. Die Bologna- Welt will dagegen Akademisierung als die reibungslose Produktion passgenauer Absolventen, die Integration der Universitäten in den Arbeitsmarkt, der Forschung in Industrie und Konsum. Dass einige Meister ohne Hochschulreife jedes Fach ihrer Wahl studieren dürfen selbst als Ablenkungsthema ein Affront gegen die Gymnasien wird die Universitäten nicht ruinieren. Zu ihrem Ruin führt die Atemlosigkeit der Reformen, die Missachtung von Tradition und Kritik gleichermaßen, die Verunglimpfung des Nachdenkens und der Sprache sowie der Verlust der Zwecklosigkeit und damit der Bildung. Felix Grigat

6 246 NACHRICHTEN Forschung & Lehre 4 09 Tarifeinigung im öffentlichen Dienst Am 1. März 2009 haben sich die Parteien des Tarifvertrages für den öffentlichen Dienst der Länder (TV-L) auf eine Erhöhung der Bruttoeinkommen der Beschäftigten in zwei Stufen geeinigt. Vom 1. März 2009 an steigen demnach die Tabellenentgelte zunächst um einen einheitlichen Sockelbetrag in Höhe von 40 Euro monatlich. Die um diesen Sockelbetrag angehobenen monatlichen Tabellenentgelte werden sodann ebenfalls mit Wirkung ab dem 1. März 2009 um weitere drei Prozent erhöht. Für die Monate Januar und Februar 2009 wird rückwirkend eine Einmalzahlung in Höhe von 40 Euro geleistet. Ab dem 1. März 2010 steigen die monatlichen Tabellenentgelte schließlich nochmals um 1,2 Prozent. Die Tarifvertragsparteien einigten sich außerdem darauf, dass das Leistungsentgelt, welches bei der Umstellung vom Bundesangestelltentarifvertrag (BAT) auf den TV-L als neue Errungenschaft eingeführt wurde, mit Wirkung vom 1. Januar 2009 wieder gestrichen wird. Im Bereich der Wissenschaft soll eine leistungsorientierte Entlohnungskomponente allerdings erhalten bleiben. Einigung erzielten die Tarifvertragsparteien im Übrigen darüber, dass die Tabellenentgelte der Beschäftigten in den neuen Bundesländern zum 1. Januar 2010 auf Westniveau angehoben werden. HESSEN Keine Berufungssperre mehr Seit 2008 wendet auch das Land Hessen die Vereinbarung der Kultusministerkonferenz der Länder (KMK- Vereinbarung) zur Besetzung von Professorinnen- und Professorenstellen an Hochschulen nicht mehr an. Die KMK-Vereinbarung sieht vor, dass von einer Berufung eines W3-Professors abzusehen sei, wenn er innerhalb der letzten drei Jahre in ein Amt der Besoldungsgruppe W3 ernannt oder seine Besoldung aus Anlass des Verbleibens von der Hochschule erhöht worden ist (sogenannte Drei-Jahres-Sperre). Vor dem Hintergrund der Föderalismusreform und des internationalen Wettbewerbs der Hochschulen um die besten Köpfe hatten sich bereits die Länder Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg gegen eine Anwendung dieser wettbewerbshindernden Vereinbarung der Kultusministerkonferenz der Länder ausgesprochen. Durch die Nichtanwendung der KMK- Sperre können W3-Professoren in Hessen vor Ablauf der Frist den Ruf an eine andere Hochschule erhalten und annehmen. Darüber hinaus können hessische Hochschulen auch W3-Professoren aus anderen Bundesländern vor Ablauf der Drei-Jahres-Frist berufen. Berlin: Bachelor-Studierende selten in Regelstudienzeit Nur ein Drittel der Studierenden, die vor vier Jahren ein Bachelor-Studium in Berlin angenommen haben, hat dieses im ursprünglichen Fach beendet. Das geht aus einer Antwort der Senatsverwaltung auf eine Anfrage des SPD-Abgeordneten Lars Oberg hervor, über die der Tagesspiegel berichtet. Von den 4010 Studienanfängern hätten demnach 961 ihr Studium in der vorgesehenen Regelstudienzeit von sechs Semestern abgeschlossen. 358 hätten es nach sieben Semestern absolviert. Über Studierende, die später fertig geworden seien, konnte der Senat noch keine Angaben machen. 685 Studierende hätten keinen Abschluss in ihrem Studiengang, seien aber noch immatrikuliert. Belastbare Aussagen über Studienabbrecher sind laut Senatsverwaltung nicht möglich. Zehn Prozent der damaligen Studienanfänger seien nach einem Semester in einen Magister- oder Diplom-Studiengang gewechselt. Ein nicht unerheblicher Teil habe zudem beim sogenannten Kombinationsbachelor, bei dem Studierende zwei oder drei Fächer belegen, mindestens ein Fach ausgetauscht. All dies werde in der Statistik nicht berücksichtigt. Die Verwertungsgesellschaft Wort (VG Wort) und weitere Verbände wollen deutschsprachigen Autoren und Verlagen helfen, angemessen mit der ungenehmigten Digitalisierung ihrer Bücher durch den Suchmaschinenbetreiber Google in den USA umzugehen. Man wolle dafür sorgen, dass es dabei in den USA nicht zu einer kalten Enteignung deutscher Rechteinhaber komme. Hintergrund des gemeinsamen Vorgehens ist die Digitalisierung der kompletten Buchbestände der größten amerikanischen Buch- Kalte Enteignung durch Google? bestände durch Google. Diese soll durch einen Vergleich zwischen Google und den amerikanischen Autoren- und Verlegerverbänden, der auch die Urheberrechte ausländischer Autoren und Verlage einbezieht, legalisiert werden. Unter den etwa sieben Millionen Büchern, die von dem Vergleich erfasst werden, sind auch zehntausende deutschsprachiger Buchtitel. Gegen Google haben die amerikanischen Autoren- und Verlegerverbände wegen der Verletzung von Urheberrechten geklagt. Dabei handelt es sich um eine so genannte class action, die das deutsche Recht nicht kennt. Das besondere an dieser Klageform ist, dass Entscheidungen im Rahmen der class action nicht nur Wirkungen für die Parteien des Rechtsstreits, sondern für alle Mitglieder einer class entfalten. Betroffen sind deshalb auch deutsche Autoren und Verlage im Hinblick auf ihre Rechte in den USA. Der Vergleich bedarf noch der Genehmigung des zuständigen Gerichts in New York. Zuvor müssen die Gruppenmitglieder innerhalb und außerhalb der USA über die Regelungen des Vergleichs informiert werden. Zu diesem Zweck wurden bereits Anzeigen in deutschen Zeitungen veröffentlicht. Ferner kann die offizielle Information des Gerichts in deutscher Sprache unter ment. com/r/view_notice abgerufen werden. Unter ment.com/r/home finden sich weitere Erläuterungen. Der Deutsche Hochschulverband hat ein Merkblatt vorbereitet, das unter ab-

7 4 09 Forschung & Lehre FUNDSACHEN 247 Fundsachen Kulturen In den Naturwissenschaften ist es wichtig, was gesagt wird, und weniger wichtig, wie es gesagt wird. Exakte und elegante oder gar unnötig komplexe, ja, kryptische Sprache ist deshalb weit weniger verbreitet in den Naturwissenschaften. Im gefühlten Unterschied zu den Geisteswissenschaften wollen Naturwissenschaftler Klartext reden und nicht den Eindruck vermitteln, dass es an den intellektuellen Limitationen des Publikums liegen muss, wenn etwas unklar bleibt. Experimente und Daten allein zählen. Bei den Geisteswissenschaften dagegen hat man manchmal den Eindruck, dass es mindestens ebenso wichtig ist, wie und vor allem von wem etwas gesagt wird. Axel Meyer, Professor für Evolutionsbiologie an der Universität Konstanz und Fellow am Wissenschaftskolleg zu Berlin; zitiert nach Handelsblatt vom 26. Februar 2009 USA I Mir hat das Leben in den USA gut gefallen der zupackende Optimismus, aber auch das Meritokratische: dass es darauf ankommt, was einer leistet. Ich hatte mehrere Angebote aus Deutschland, aber in jedem Fall wäre ich die einzige Frau am Institut gewesen. In Amerika war es für eine junge Frau leichter in der Forschung. Der Himmel war dort irgendwie höher. Ulrike Gaul, die im Frühjahr von der Rockefeller University in New York als Humboldt-Professorin an das Genzentrum der Ludwig-Maximilian-Universität München wechseln wird; zitiert nach Die Zeit vom 19. Februar 2009 USA II (An den USA nervt) der Overkill an Pädagogisierung, die Verkindlichung: Luftballons für Erstsemester. Der Puritanismus in Beziehungen, der größer wird, je enger sie sind. Professor Hans Ulrich Gumbrecht, Literaturwissenschaftler an der Stanford University; zitiert nach Süddeutsche Zeitung vom 23. Februar 2009 Populismus Sie wissen wohl auch, dass 200 Millionen Amerikaner seit 20 Jahren Lebensmittel zu sich nehmen, die aus gentechnologisch veränderten Organismen stammen, und dass im Land der Massenklage bisher noch nicht ein einziger Prozess dagegen angestrengt, geschweige denn gewonnen wurde. Es gibt eben keinen einzigen Nachweis einer Gesundheitsbeeinträchtigung. Aber die diffuse Angst der Bevölkerung vor der Biotechnologie, die durchaus verständlich ist, mit der man sich politisch und fachlich auseinandersetzen müsste, wird jetzt zum Anlass genommen für ein Maß an Populismus, das nur noch Panik vor der Wiederholung schlechter Wahlergebnisse verrät. Friedrich Merz, CDU-Abgeordneter im Deutschen Bundestag; zitiert nach Handelsblatt vom 25. Februar 2009 Beispiel Es wird überhaupt zu viel erzogen, besonders an amerikanischen Schulen. Es gibt keine andere vernünftige Erziehung, als Vorbild zu sein, wenn`s nicht anders geht, ein abschreckendes. Albert Einstein; zitiert nach Mein Weltbild Analogie (...) berühmte Institutionen wurden nicht von ungefähr als Gärten angelegt: Platons Akademie, die Schule des Epikur, die mittelalterlichen Universitäten, der englische Campus. Der Garten ist eine Analogie: für den Geist und die Seele des Studenten. Wir müssen sie wie einen Garten kultivieren. Studenten zu bilden heißt, ihren Geist und ihre Seele zu bepflanzen. Professor Robert Pogue Harrison, Gartenforscher und Literatur - wissenschaftler; zitiert nach Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 21. März 2009 Bildung... (das Internet) ist doch eher eine informationelle Müllhalde und sehr chaotisch. Gegen dieses Informationschaos hilft nur Bildung. Wenn ich das Wichtige vom Schrott trennen will, muss ich um grundlegende Zusammenhänge wissen. Bildung lässt sich nicht downloaden. Und ich habe auch ein generelles Problem mit Leuten, die stolz darauf sind, dass sie keine Zeitung lesen und sich nur noch online informieren dabei sind doch Zeitungen notwendig, um an der Kultur und der Gesellschaft teilzuhaben. Allen Schülern und Studenten kann ich nur zurufen: Lest mehr Zeitung! Günther Jauch, Fernsehmoderator; zitiert nach Spiegel online vom 20. März 2009 Ersatz Wissenschaftliches Interesse an der Sache und fachliche Exzellenz schaden nur. Heute geht es vor allem um das Wie, nicht mehr um das Was. Didaktik ersetzt den Gedanken. Der Laptop bringt Kinderaugen zum Leuchten. Völkerschicksale und Jahrhunderte können aus einem,ideenpool frei kombiniert werden.,revolutionen der Menschheitsgeschichte lassen sich exemplarisch auf die dreifarbig eingepowerpointete Trias von 1789 reduzieren. Josef Zellner, Lehrer für Latein und Französisch am Gymnasium Tegernsee; zitiert nach Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 11. März 2009

8 248 PROGNOSEN Forschung & Lehre 4 09 Prognose statt Utopie? Zur Geschichte des Umgangs mit der Zukunft THOMAS M ACHO Über einen langen Zeitraum hinweg bestimmten Orakel, Prophezeiungen oder Visionen den Blick in die nahe oder ferne Zukunft. Hat sich mit der Einführung der Prognostik die Zukunftsschau verändert? Die Grundfarben gesellschaftlicher Vorwegnahme der Zukunft haben sich in den vergange nen beiden Jahrhunderten radikal geändert. Der bunte Optimismus vielgestaltiger Fort schrittserwartungen, der»hochkulturen der Vergangenheit haben sich stets auch in ihrem Um - gang mit der Zukunft konstituiert.«vor den Weltkriegen dominierte, ist dem düsteren Pessimismus von Katastrophenängsten und kollektiver Sorge gewichen; dem Futurismus antwortete die Postmoderne. Schon vor dem Fall der Berliner Mauer hatte sich eine Kultur des Gedenkens und der Erinnerung vertieft; noch vor der Jahrtausendwende begann die Verbreitung eines Kalenders der Jubiläen, der Terminverwaltung prominenter Geburts- und Todestage, wie sie auch das gegenwärtige Jahr 2009 prägen: von Poe, Darwin, Lincoln, Gogol und Händel bis zu Conan Doyle, Haydn oder Calvin. Die Kulturwissenschaften befassen sich vorrangig mit Theo rien des kulturellen Gedächtnisses, AUTOR Thomas Macho ist Professor für Kulturgeschichte an der Humboldt-Universität zu Berlin. Seine Forschungsschwerpunkte sind Geschichte der Zeitrechnung und des Kalenders, Theorie und Geschichte der Rituale (Tod, Bestattung, Trauer) sowie Animal Studies. als würden sich Kulturen bloß durch ihre Techniken der Memorialisierung, der Erzeugung bleibender Erbschaften, voneinander unterscheiden. Dabei haben sich die Hochkulturen der Vergangenheit stets auch in ihrem Umgang mit der Zukunft konstituiert: durch ihre Techniken der Voraussage, der Planung, der Prognostik. Nicht allein der Rückblick in die Vergangenheit stärkte die Lebenswelten, sondern auch der Blick nach vorn, in die Zukunft. Ruine des Apollo-Tempels in Delphi Welche Zukunft? Hat die Zukunft keine Zukunft mehr? Und welche Zukunft? Wer von der Zukunft spricht, muss zwischen naher und ferner Zukunft unterscheiden. Nahzukunft ist morgen, in der kommenden Woche, im nächsten Herbst oder Frühjahr der äußerste Schattenwurf der Nahzukunft reicht wohl nicht weiter als eine Legislaturperiode oder eine Fußballweltmeisterschaft. Fernzukunft ist dagegen das nächste Jahrzehnt, das kommende Zeitalter, die neue Ära. Sie wird als Jahrhundert des Aufstiegs oder Untergangs, technischer Triumphe oder Katastrophen, Erlösungen oder Flüche imaginiert. Fernzukunft wird in Epochen gegliedert; ihre Stichworte heißen Prophezeiung oder Vision, die Stichworte der Nahzukunft dagegen Strömung oder Trend. Die Unterscheidung zwischen Fern- und Nahzukunft erlaubt die Dis kussion einer Beobachtung, die sich in folgender These zuspitzen lässt: Ein markanter kultu reller Verlust positiver Fernzukunft gewöhnlich als Krise der Utopien charakterisiert spie gelt sich in steigender Aufmerksamkeit für Modewellen und Ereignisse der Nahzukunft. Selbst die Politik denkt nur mehr selten im Zeithorizont des ägyptischen Traumdeuters Josef, der dem Pharao immerhin ein Planungskonzept für mehr als drei Legislaturperioden sieben fette Jahre, sieben dürre Jahre vorlegte. Ausgehend von dieser Überlegung kann gefragt werden, welche Zukunft

9 4 09 Forschung & Lehre PROGNOSEN 249 mit welchen Techni ken der Voraussage erreicht wird. Im Altertum wurde das Orakel für die Nahzukunft bevor - stehender Entscheidungen in Anspruch genommen; die Astrologie wurde dagegen auch zur Konstruktion von Epochen und Fernzukunft eingesetzt. Und heute? Welche Reichweite kann etwa mit der Statistik bewältigt werden? Wie verlässlich sind Szenarien, die mit Hilfe von Computersimulationen aufgebaut werden? Schon die Rede von Frühwarnsystemen signali siert, dass die aktuelle Dominanz der Nahzukunft auch mit technisch-methodischen Schwie rigkeiten der Konstruktion von Fernzukunft sei es in Politik, Ökonomie oder Ökologie zu sam men hängt. Allzu oft haben sich die Trendforscher getäuscht; nahezu achtzig Prozent der futurologischen Prognosen aus den letzten fünfzig Jahren waren schlicht falsch, während tat sächlich umwälzende Ereignisse und Entwicklungen der Zusammenbruch der Sowjetunion, der Siegeszug des Internets, die Terroranschläge von New York oder die jüngste Wirtschafts krise nicht antizipiert werden konnten. Zu Recht betonte der erfolgreiche Science Fiction-Autor Andreas Eschbach, es sei kein Privileg vergangener Generationen, sich mords mäßig zu irren. Von der Prophetie zur Apokalyptik Konstruktionen der Fernzukunft schei - tern leichter als die Ankündigungen aktueller Trendfor schung; die Prognose»Bereits in der Alten Welt wurde die Steigerung der zeitlichen Reich weite einer Prophezeiung oft teuer erkauft.«des Klimawandels ist erheblich komplexer als die Wettervorhersage für den nächsten Tag. Bereits in der Alten Welt wurde die Steigerung der zeitlichen Reichweite einer Prophezeiung oft teuer erkauft: Sobald mit Jahrtausenden gerechnet wurde, ging es meist nicht mehr um Planung und Ökonomie, sondern um das Ende aller Pläne am Jüngsten Tag. In Israel konvertierte die Prophetie zur Apokalyptik, etwa im Buch Daniel. Die Vision vom Ziegenbock mit den vier Hörnern, der den Widder zertritt und so lange wächst, bis er zu den Sternen reicht, wurde im frühen Mittelalter als Prophezeiung der historischen Sukzes sion von vier Großreichen gelesen, die durch den Weltuntergang zu ihrem Ende kommen sollte: Nach Babylon triumphierten die Perser, danach das Alexanderreich und schließlich als viertes Foto: picture-alliance und letztes Reich das Imperium Roms, das von den deutschen Kaisern per trans lationem imperii bis 1806 fortgeführt wurde. Im Mittelalter fungierte die Apokalyptik als Me dium der Kritik und der Rebellion; sie wurde in der frühen Neuzeit abgelöst von rationaleren Konstruktionen der Fernzukunft: der Modellierung alternativer Gesellschaften wurde die erste Staats- und Sozialutopie verfasst: die Utopia von Thomas Morus. Auf Datenmengen reduziert Die eigentliche Blütezeit der Utopie brach indes erst im 18. Jahrhundert an: mit dem Beginn der Geschichtswissenschaft, im Horizont einer Neuentdeckung der Zukunft, der Zukunft als Fortschritt. Diese Entdeckung benötigte keine Prophezeiungen mehr, keine Apokalyptik oder Utopie; viel dringender bedurfte sie einer wissenschaftlichen Prognostik, wie sie bei spiels weise aus der Wahrscheinlichkeitsrechnung entwickelt werden konnte. Seit dem 17. Jahr hundert hatten Mathematiker und Philosophen wie Pascal oder Huygens, später gefolgt von Leibniz oder Gauß, die Wahrscheinlichkeitsrechnung perfektioniert. In gewisser Hinsicht machten sie die Fernzukunft berechenbar, jedoch mit einer wesentlichen Einschränkung. Ihre Operationen galten nämlich nur für große Zahlen. Die Kontingenz zukünftiger Ereignisse wurde gleichsam durch ihre massenhafte Vervielfachung gemindert. Die offene Frage der Zukunft wurde auf Proportionen und Größenordnungen von Datenmengen reduziert. Auf Basis moderner Mathematik, Statistik und Datenerfassung konnten die neuen Institutionen einer staatlichen Zukunftsverwaltung begründet wer den: von den Systemen der Bildungs- und Wirtschaftspolitik bis hin zu den Kranken- und Rentenversicherungsanstalten. Freilich wur den die Datenmengen auch manchmal zu groß und unübersichtlich; an den beiden Grenzen, die sich aus einer zu kleinen bis zum Einzelfall oder zu großen Datenmenge ergeben, haben sich darum erfolgreich die Nischen gebildet, in denen die älteren Techniken der Zukunftsschau bis heute überleben: Orakel, Visionen, Prophezeiungen und Utopien. Von ihrer Unverzichtbarkeit profitieren nicht nur Astrologen oder Psychologen, sondern auch die Berater und Trendforscher.

10 250 PROGNOSEN Forschung & Lehre 4 09 Berechenbare Zukunft Wissenschaft im Zeitalter des Computers GABRIELE G RAMELSBERGER Ohne die Einführung des Computers und dessen stetige Leistungszunahme wäre der Einsatz und die Akzeptanz von wissenschaftlichen Prognosen nicht denkbar gewesen. Doch die wissenschaftlich fundierte Vorhersage besonders von negativen Szenarien birgt ihr eigenes Dilemma. Mathematiker seien daran gewöhnt zu extrapolieren, schreibt der Mathematiker Henri Poincaré Das sei ein Mittel, die Zukunft aus der Vergangenheit und aus der Gegenwart abzuleiten. Bereits 1609 war der Astronom Johannes Kepler in der Lage, die idealisierte Bahn eines Planeten berechnen und damit prognostizieren zu können, als er das Gesetz der Planetenbewegung aus der Beobachtung erkannt hatte. Dabei berechnete Kepler in jahrelanger Arbeit die Bewegungstrajektorie eines einzigen Planeten. Seither hoffen Naturwissenschaftler, Phänomene mathematisch erfassen, berechnen und auf diese Weise vorhersagen zu können beschrieb der Mathematiker Pierre-Simon Laplace dieses deterministische Weltbild treffend: Eine Intelligenz, welche für einen gegebenen Augenblick alle Kräfte, von denen die Natur belebt ist, sowie die gegenseitige Lage der Wesen, die sie zusammen setzen, kennen würde, und überdies umfassend genug wäre, um diese gegebenen Grössen einer Analyse zu unterwerfen, würde in derselben Formel die Bewegungen der grössten Weltkörper wie die des leichtesten Atoms ausdrücken: nichts würde Foto: faceland, Berlin für sie ungewiss sein und Zukunft wie Vergangenheit ihr offen vor Augen liegen. Allerdings, so fügte Laplace hinzu, biete der menschliche Geist in der Vollendung, die er der Astronomie zu geben gewusst hatte, nur ein schwaches Bild dieser Intelligenz. Vor diesem deterministischen Hintergrund sind die berechenbaren Zukünfte aus dem Computer angesiedelt ob es sich dabei um Vorhersagen des Wetters von Morgen, des Klimawandels der nächsten Jahrzehnte oder dem Design neuer Materialien handelt. Wie nie zuvor häufen sich in der jüngsten Zeit Versuche, mit spielerischer Phantasie und nüchternem Kalkül die Welt von morgen zu erschließen, schreibt Der Spiegel Dabei sind mit spielerischer Phantasie wie auch nüchternem Kalkül die ersten Computerprognosen gemeint, die ab den 1960er Jahren zunehmend die wissenschaftliche Forschung wie industrielle Planung bestimmen. Bereits 1968 werden von den westlichen Industriestaaten rund 15 Millionen Dollar in Technologieprognosen investiert, davon das AUTORIN Gabriele Gramelsberger ist Wissenschaftsphilosophin an der Freien Universität Berlin. Ihre Forschungsschwerpunkte sind die Transformation der Wissenschaft durch die Nutzung des Computers sowie die zunehmende Mathematisierung der Lebenswelt. In Kürze erscheint ihr Buch Computerexperimente. Wandel der Wissenschaft im Zeitalter des Computers, Transcript Verlag, Bielefeld. meiste von den USA und Kanada. Die 500 größten Konzerne geben in dem gleichen Zeitraum bereits über 500 Millionen Dollar an Zukunftsforschung aus. Voraussetzung dieser zunehmenden Prognostik ist die permanente Leistungssteigerung automatischer Rechenmaschinen. Konnte ENIAC Electronic Numerical Integrator and Calculator, einer der ersten elektronischen Computer, 1946 dreihundert Operationen pro Sekunde ausführen, so steigerte sich dies 1965 bereits auf zehn Millionen Operationen (CDC 6600) und bis heute auf 280 Billionen Operationen pro Sekunde (IBM BlueGene/L). Diese Fülle»Ab den 1960er Jahren bestimmen Computerprognosen zunehmend die wissenschaftliche Forschung und industrielle Planung.«an Berechnungen hat Folgen für Computerprognosen. Nicht nur lässt sich das Computerwetter seit den 1960er Jahren schneller berechnen als sich das reale Wetter verändert, die anfänglich einzelnen Trajektorien Berechnung der zeitlichen Entwicklung einer Variable verdichten sich heute millionenfach zu dreidimensionalen Bildern möglicher Entwicklungen in der Zukunft. Allerdings handelt es sich bei diesen Möglichkeitsbildern zukünftiger Entwicklungen um mathematische Extrapolationen quantifizierbarer Variablen. Im Falle des Wetters wären dies die Temperatur, die Luftfeuchte und -dichte, der Luftdruck und die Windgeschwindigkeit. Aus diesen Variablen lassen sich dann erfahrbare Phänomene wie Stürme, Wolken oder Niederschläge ableiten. Solche Ableitungen mögen für physikalische Phänomene trotz aller Unsicherheiten und Heuristiken

11 4 09 Forschung & Lehre PROGNOSEN 251 Entwicklung eines Gasstromes in der Nähe eines schwarzen Lochs, links auf einem älteren Computer (VAX) und rechts einem wesentlich leistungsfähigeren Rechner aus dem Jahr 1976, dem ersten Supercomputer (Cray-1). Quelle: William J. Kaufmann, Larry L. Smarr: Simulierte Welten. Moleküle und Gewitter aus dem Computer, Spektrum Akademischer Verlag, Heidelberg u.a., 1994: 58. recht zutreffend sein, für nicht-physikalische Phänomene hingegen gestalten sie sich weitaus schwieriger. Vor allem sozioökonomische Vorhersagen werfen Zweifel an der Möglichkeit auf, mit mathematischen Extrapolationen Entwicklungen vorherzusagen. Doch genau dies wird seit den 1970er Jahren versucht. Die Computerprognosen des Club of Rome 1972 Limit of Growth (Forrester/Meadows, 1972) und 1974 Menschheit am Wendepunkt (Mesarovic/Pestel, 1974) bildeten den spektakulären Auftakt. Die Studie von 1972 prognostizierte eine Bevölkerungsexplosion für das Jahr 2000 von 6,8 Mrd. Menschen am 12. Oktober 1999 wurde der sechsmilliardste Mensch geboren die Erschöpfung der Erdölvorkommen bis 2025 und eine hoffnungslose Landverknappung bereits vor dem Jahr 2000 mit katastrophalen Hungersnöten. Für 2100 errechnete sie schlichtweg das Ende der Menschheit. Zwar revidierte die zweite Studie des Club of Rome die Endzeitprophetie, doch rosig sah die Zukunft auch hier nicht aus. Wie zutreffend auch immer diese Prognosen sein mögen, sie führten dazu, dass sich die Menschheit ihres Einflusses auf die Umwelt bewusst wurde. Damit begründeten diese Prognosen eine neue Form der sozio-wissenschaftlichen Reflexivität, wie man sie heute in den Vorhersagen zum Klimawandel wieder findet. Denn nur mit Computermodellen und -prognosen lassen sich Erkenntnisse über komplexe Zusammenhänge, deren Vernachlässigung verhängnisvolle Folgen haben könnten, gewinnen und in Form von Möglichkeitsbildern darstellen. Diese Bilder sind jedoch paradoxe Gebilde der Antizipation der Nachträglichkeit vom Orte potentieller Zukünfte projiziert auf die Gegenwart; oder in kurzen Worten, des Futurum exactum (Futur II: es wird gewesen sein ) berechenbarer Zukünfte. Aus wissenschaftshistorischer Perspektive stellen diese futuristischen Möglichkeitsbilder ein Novum dar. Nicht nur deshalb, weil ihr soziopolitischer Einfluss mittlerweile enorm ist»studien wie die des Club of Rome führten dazu, dass sich die Menschheit ihres Einflusses auf die Umwelt bewusst wurde.die futuristischen Möglichkeits - bilder bringen die Wissenschaft in eine paradoxe Lage.«und damit die veränderte Rolle der Wissenschaften in der Wissensgesellschaft dokumentiert. Sondern weil ihre Möglichkeit die Wissenschaft in eine paradoxe Lage bringt. Prognosen dienen in den Naturwissenschaften der Bestätigung wissenschaftlicher Erklärungen. Indem Johannes Kepler die Planetenbahn vorausberechnete, bestätigte er in den darauffolgenden Monaten durch die Beobachtung der tatsächlichen Bahn die Richtigkeit des von ihm formulierten Gesetzes der Planetenbewegung. Ähnliches gilt heute für die Wettervorhersage, die sich durch das Eintreffen ihrer Prognosen permanent optimiert. Doch die futuristischen Möglichkeitsbilder des Klimawandels, der Weltentwicklung, der Umweltzerstörung und anderer Szenarien sind darauf angelegt, alles zu unternehmen, die Vorhersagen nicht eintreffen zu lassen. Damit verschalten sie Wissenschaft und Gesellschaft in ein kybernetisches System und transformieren die sozio-wissenschaftliche Reflexivität in ein Frühwarnsystem möglicher Zukünfte, die es zu verhindern gilt. Aus wissenschaftlicher Perspektive sind diese Prognosen immer unerquicklich, denn sie bestätigen nur im schlimmsten Falle, also wenn soziopolitisch nicht gehandelt wird, die Richtigkeit der zugrundeliegenden Theorien. In allen anderen Fällen dokumentieren sie die nicht eingetroffene Prognose und suggerieren damit ein Versagen der wissenschaftlichen Theorie. Beide Szenarien sind auf jeweils eigene Weise nicht angenehm, aber eben auch nicht vermeidbar, will man einen wissenschaftlich fundierten Blick in die Zukunft werfen.

12 252 PROGNOSEN Forschung & Lehre 4 09 Prognosen stochastisch, praktisch, klug Kann man Aktienkurse voraussagen? CHRISTIAN H ESSE Prognosen über die Entwicklung von Aktienkursen gehören in der aktuellen Weltwirtschafts- und Finanz - krise zum Standardrepertoire der Nachrichtensendungen. Ist die Prognose Zufallseinflüssen unterworfen oder gibt es mathematische Modelle, die reelle Voraus sagen ermöglichen? Ein Beitrag der Stochastik. In seiner Parabel Der Garten der sich gabelnden Wege befasst sich der Schriftsteller Jorge Luis Borges mit dem Verhältnis von Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Das Vergangene ist in Fakten aufbewahrt, die Zukunft entwickelt sich als dynamischer Prozess, wobei von der Gegenwart in welcher Weise auch immer jeweils eine der logisch möglichen Verlaufsformen ausgewählt wird. Nach der modernen Quantenmechanik, die eine Wahrscheinlichkeitstheorie ist, hat das Universum auf fundamentaler Ebene zufallsbestimmten, also stochastischen Charakter. Der Prototyp eines Zufallsmechanismus ist der Münzwurf. Andererseits: Weiß man, mit welcher Geschwindigkeit die Münze geworfen wird, kennt man ihre Rotationsfrequenz, ihr Gewicht, die Windverhältnisse, kurz: die gesamte Physik des Vorgangs, so ist der Ausgang Kopf oder Zahl festgelegt und eben nicht mehr zufällig. Aber ohne diese Informationen ist es üblich, die unbekannten Einflüsse zu Zufallseinflüssen zusammenzufassen. Dasselbe kann auch bei anderen determinierten Vorgängen sinnvoll sein, etwa bei Aktienkursen. Diese werden vom Prinzip Ursache (d.h. Transaktionen von Käufern und Verkäufern) und Wirkung (d.h. Kursänderungen aufgrund dieser Transaktionen) bestimmt. Konkret: Die Börsenmakler nehmen zunächst alle Kauf- und Verkaufswünsche entgegen und errechnen anschließend, bei welchem Kurs der größte Umsatz an Aktien zustande kommt. So entsteht aus den gegensätzlichen Interessen der Anbieter und der Nachfrager ein Marktpreis. Aktien steigen oder fallen also nicht nach dem Zufallsprinzip, sondern aufgrund von Kaufs- und Verkaufsentscheidungen der Marktakteure. Aber der Vorgang ist so sprunghaft unregelmäßig und voller Fluktuationen, dass man auf Aktienkurse die Gesetze des Zufallsgeschehens anwenden kann. So wie beim Münzwurf. Nun ist es die große Zahl einzelner Transaktionen, die man zu fluktuierenden Zufallseinflüssen bündeln kann. Dies bedeutet nicht, dass Aktienkurse zufallsbestimmt sind und der Zufall an der Börse regiert, sondern nur, dass sich die Kurse so verhalten, als wenn dies der Fall wäre. Wie kann man bei dieser stochastischen Weltsicht Prognose betreiben?»statistisches Denken wird für den mündigen Bürger eines Tages dieselbe Bedeutung haben wie die Fähig - keit, lesen und schreiben zu können.«autor Der Harvard-Absolvent Christian Hesse ist Professor für Mathematik an der Universität Stuttgart. Die Forschungsschwerpunkte des nach seiner Berufung 1991 jüngsten Professors der Bundesrepublik liegen im Bereich der Stochastik. Im Mai erscheint sein neuestes Buch: Das kleine Einmaleins des klaren Denkens 22 Denkwerkzeuge für ein besseres Leben. (C.H.Beck) H. G. Wells ( ) Beispiel: Der Fall der Berliner Mauer Die Basis einer jeden sinnvollen Prognose bilden relevante Fakten, oft in Form von Daten. Wie wenig Information man bisweilen braucht, zeigt dieses Beispiel: 1969 besuchte der amerikanische Mathematiker Richard J. Gott die Berliner Mauer, die zu diesem Zeitpunkt gerade acht Jahre alt war. Er fragte sich, wie lange die Mauer noch stehen werde. Statt den weiteren Verlauf komplizierter weltpolitischer Ereignisse gesellschaftswissenschaftlich zu prognostizieren und hieraus eine Antwort abzuleiten, warum nicht stochastisch argumentieren? Da Gott (d.h. Richard J.) sich gegenüber der Gesamtexistenzdauer der Mauer als rein zufälligen Besucher betrachtete, konnte er mit 75 Prozent Wahrscheinlichkeit sagen, dass der zufällige Zeitpunkt t jetzt seines Mauerbesuchs nach dem ersten Viertel der Existenz der Mauer passierte und somit im zeitlichen Bereich der letzten drei Viertel von deren Existenz liegt. Liegt t jetzt am linken Rand des 75 Prozent-Bereiches, ist die Zukunft der Mauer am längsten, nämlich dreimal so lang wie

13 4 09 Forschung & Lehre PROGNOSEN 253 die bisherige Vergangenheit von acht Jahren. R.J. Gott konnte also damals 75 Prozent sicher sein, dass die Mauer 24 Jahre später, also 1993, nicht mehr stehen würde. Und sie fiel ja auch Dies ist eine simple, aber in ihrer Einfachheit geniale stochastische Methode, die zukünftige Dauer eines beliebigen Phänomens (auch z.b. die weitere Publikationsdauer Ihrer Lieblingszeitschrift bis zum Publikationsende oder gar den Fortbestand der Menschheit bis zum Aussterben) mit gewünschter Wahrscheinlichkeit allein (!) unter Verwendung seiner bisherigen Existenzdauer zu prognostizieren. Ein Beispiel für die Kunst, die Gunst des Zufalls zu nutzen. Eine absolut minimalistisch agierende Prognosemethode, die nur einen im Existenzintervall annähernd rein zufällig platzierten Zeitpunkt benötigt. Bei Aktienkursen ist der verfügbare Informationspool ungleich viel reichhaltiger. Abermillionen von Datenpunkten, Kurse im Sekundentakt für jeden Handelstag an jeder Börse über Jahrzehnte und einiges mehr. Wie kann man vorgehen, um daraus etwas über Aktienkurse zu prognostizieren? Kursdynamik als Zufalls- Fraktal Meine Sicht der Kursdynamik einer Aktie ist ein Zufalls-Fraktal auf zufallsartig variierender Zeitskala. Was ist damit gemeint? Fraktale sind Objekte, die einen hohen Grad von Selbstähnlichkeit aufweisen. Selbstähnlichkeit bedeutet dabei, dass Vergrößerungen von kleinen Teilen des Objekts in etwa so aussehen wie das Objekt selbst. Die russische Holzpuppe Matroschka ist eine gute Veranschaulichung. Die äußere Puppe birgt viele kleine und ähnliche Puppen, die jeweils um einen konstanten Faktor geschrumpft sind. Bei Zufalls-Fraktalen liegt keine exakte, sondern statistische Selbstähnlichkeit vor. Die kleineren Teile der Struktur sind nur im statistischen Mittel den größeren Teilen ähnlich und variieren in ihrer Form. Man kann auch sagen: Vergrößerungen von kleineren Teilen haben dieselbe Zufallsverteilung wie die größeren Teile.»Aktienkurse sind Zufallsirrfahrten mit vertrackten geringfügigen Spuren - elementen von Struktur.«Bei Aktienkursen sind es die zur Modellbildung eingesetzten Zufallsdynamiken, die die Eigenschaft der Selbst - ähnlichkeit besitzen. Sie lässt sich folgendermaßen plausibel machen. Aktienkursänderungen kann man über variable Zeitintervalle betrachten: von einem Tag auf den nächsten, über eine Woche, einen Monat hinweg usw. Da die Kursänderungen sich ergeben als gesamtheitliche Wirkung einer großen Zahl einzelner Transaktionen und sich unterschiedlich lange Intervalle nur durch die Anzahl der darin getätigten Transaktionen unterscheiden, kann man aus mathematischen Gründen die Strukturähnlichkeit rechtfertigen. Das deckt sich mit dem gefühlten Wissen, dass alle Darstellungen des Kursverlaufes einer Aktie in gewisser Weise ähnlich aussehen. Bei vorgelegtem Diagramm ohne Beschriftung kann man aus der Kurve des Kursverlaufes allein nicht angeben, ob sie einen Tag, eine Woche, einen Monat abdeckt. Ferner zeigt eine Inspektion realer Kursverläufe einen Wechsel zwischen Phasen starker und schwächerer Fluktuation. Diese entsprechen oft Perioden stärkerer oder schwächerer Handelsintensität der Aktie. Um die Eigenschaft der Selbstähnlichkeit auch unter diesen Umständen mathematisch zu rechtfertigen, kann man die verstreichende Zeit je nach Handelsaktivität beschleunigen oder verzögern, und zwar in kontrollierter Weise gerade so, dass auf dieser modifizierten, variablen und selbst auch zufallsbeeinflussten Zeitskala die Fraktal-Eigenschaft erhalten bleibt. Gelingt dies für eine Aktie, kann der resultierende fraktale Zufallsprozess verwendet werden, um durch Vorausschau Wahrscheinlichkeitsprognosen zu erstellen, etwa: Mit einer Wahrscheinlichkeit von 75 Prozent ist der morgige Schlusskurs im Vergleich zum heutigen zwischen x Prozent und y Prozent höher/niedriger. Diese Art von Information ist nützlich für Banken und Investoren großer Geldvolumina, um risiko-optimierte Portfolios zu bilden, aber praktisch bedeutungslos für Normalaktionäre. Eine ganz ohne intellektuellen Aufwand generierbare Prognose ist im Gegensatz dazu die Persistenzprognose: Es bleibt alles, wie es ist. Manchmal ist auch sie nicht schlecht. Beim Wettergeschehen z.b. morgen wird s so wie heute ist sie in Mitteleuropa zu Prozent zutreffend, während mit komplizierten mathematischen Modellen erstellte 24h-Prognosen Prozent erreichen. Für Vorgänge, die reine Zufallsirrfahrten sind, kann man sogar beweisen, dass keine noch so raffinierte Methode im langfristigen Mittel eine bessere Erfolgsbilanz hat als die Persistenzprognose. Bescheidenheit Wie steht es bei Aktienkursen? Kurse sind keine reinen Zufallsirrfahrten, mit ihren Zacken nach oben und nach unten verhalten sie sich nicht so, als wären sie durch eine Serie von Münzwürfen ausgeworfen worden. Vielmehr handelt es sich bei ihnen um Zufallsirrfahrten mit vertrackten geringfügigen Spurenelementen von Struktur. Durch einen raffinierten stochastischen Apparat kann man seine langfristige prognostische Bilanz relativ zur Persistenzprognose Der Schlusskurs von morgen ist gleich dem Schlusskurs von heute. geringfügig zu eigenen Gunsten verschieben. Damit müssen wir uns bescheiden. Am 20. März 2009 berichtete das Wissenschaftsmagazin nano (3sat) über die wissenschaftliche Arbeit des Autors zur Aktienkursdynamik. Der vorliegende Beitrag basiert teilweise auf dieser Sendung.

14 254 PROGNOSEN Forschung & Lehre 4 09 Erfahrene Propheten warten die Ereignisse ab Horace Walpole Das Telefon hat zu viele ernsthaft zu bedenkende Mängel für ein Kommunikationsmittel. Das Gerät ist von Natur aus von keinem Wert für uns. Manager der Western Union Telegraph Company, 1876 Eine erstaunliche Erfindung. Aber wer sollte sie jemals benutzen wollen. Kommentar von US-Präsident Rutherford B. Hayes zum ersten Telefon, 1877 Foto: mauritius-images Das zeitraubende Hin- und Hergeschiebe von Papier wird im Büro der Zukunft durch Informationsverarbeitung mit Computer ersetzt. Prognose des Palo Alto Research Center, 70er Jahre»Ein Experte ist ein Mann, der hinterher genau sagen kann, warum eine Prognose nicht gestimmt hat.«winston Churchill Ich denke, dass es einen Weltmarkt für vielleicht fünf Computer gibt. Thomas J. Watson, IBM-Vorsitzender, 1943 Es gibt keinen Grund, warum irgendjemand einen Computer in seinem Haus wollen würde. Ken Olson, Präsident, Vorsitzender und Gründer der Computerfirma Digital Equipment, 1977 Foto: picture-alliance Foto: mauritius-images

15 The Commonwealth Fund Harkness Fellowships in Health Care Policy and Practice The Commonwealth Fund, in collaboration with B. Braun-Stiftung and the Robert Bosch Stiftung, invites interested applicants from Germany to apply for the Harkness Fellowships. The Harkness Fellowships provide a unique opportunity for mid-career professionals academic researchers, government policymakers, clinicians, managers, and journalists from Australia, Germany, the Netherlands, New Zealand, Norway, Switzerland, and the United Kingdom, to spend up to 12 months in the United States conducting a policy-oriented research study, working with leading U.S. health policy experts, and gaining in-depth knowledge of both the U.S. and other Fellows home country health care systems. The Commonwealth Fund also brings together the full class of Fellows throughout the year to participate in a series of policy and leadership seminars with U.S. health care leaders drawn from government, politics, health care organizations, and academia. Applicants must demonstrate a strong interest in health policy issues and propose a study within the scope of The Commonwealth Fund s mission to support a high health care system performance improving access to care and insurance coverage, quality income families, children, the elderly, and minorities. Through partnerships with the Robert Bosch Stiftung and B. Braun-Stiftung, support has been provided for two additional Harkness Fellows, enabling a total of three German Harkness Fellows to be selected annually. The Harkness/Robert Bosch Stiftung Fellowship aims to encourage the translation of knowledge into practice and health care policy, improve the quality and coordination of care, and advance nursing science. The Harkness/B. Braun-Stiftung Fellowship aims to advance nursing science and encourage the next generation of leaders in nursing policy, and is targeted to nursing health services researchers, managers and policymakers. Once selected, the Fund will provide extensive support to successful Fellows to help them develop and shape their research place Fellows with mentors who are experts in the policy areas to be studied, e.g., at Harvard University, Columbia University, University of California at San Francisco, Johns Hopkins University, Kaiser Permanente, Veterans Health Administration, Institute for Healthcare Improvement (IHI), RAND, Agency for Healthcare Research and Quality, and Group Health Cooperative at Puget Sound. A peer-reviewed journal article or policy report for Health Ministers and other high-level policy audiences is the anticipated product BMJ, Health Affairs, Health Policy, International Journal for Quality in Health Care, New England Journal of Medicine, and Quality and Safety in Health Care. Building on their fellowship experiences, Harkness Fellows have moved into senior positions within academia, government, and health care delivery organizations, making valuable contributions to health policy and practice at home and in the United States. In addition, Harkness Fellows become part of a strong international network, with opportunities for ongoing cross-national collaborations and research. Deadline for receipt of applications is September 15, Each fellowship will provide up to U.S. $107,000 in support, which includes round trip airfare to the United States, a monthly insurance, and U.S. taxes. In addition, a supplemental allowance is provided to Fellows accompanied by a spouse and/or children. For details and application form, please visit For questions about the program, eligibility, and proposed projects, contact Robin Osborn, vice president and director of the International Program in Health Policy and Practice ( The Commonwealth Fund is a private foundation, based in New York, which aims to promote a high performing health care system that achieves

16 256 PROGNOSEN Forschung & Lehre 4 09 Der Studentenberg Prognose und Realität* DIETER D OHMEN Prognosen dienen auch der Handlungsbegründung. Gilt das auch für die Kultusministerkonferenz (KMK), die einen deutlichen Anstieg der Studierendenzahlen an den deutschen Hochschulen vorausgesagt hatte? Schwierigkeiten und Hintergründe der KMK-Prognose. Vor drei Jahren wurde der Hochschulpakt I zwischen dem Bund und den Ländern geschlossen, weil für die kommenden Jahre mit einer deutlichen Zunahme der Studierendenzahlen gerechnet wurde; vielfach wurde auch von einem Studentenberg gesprochen. Nach einer Prognose der Kultusministerkonferenz (KMK), die dem Hochschulpakt zugrunde lag und 2005 veröffentlicht wurde, sollten 2014 bis zu 2,7 Mio. Studierende an den deutschen Hochschulen eingeschrieben sein. Zwar hat die KMK die Zahl der Studienanfänger des vergangenen Jahres ziemlich gut durch das 75 Prozent-Szenario prognostiziert, allerdings sind die Studierendenzahlen mit 2,01 Mio. deutlich niedriger als von der KMK seinerzeit mit knapp 2,3 Mio. im unteren Szenario für das Wintersemester 2008/09 prognostiziert. Dass die KMK-Prognose die Zahl der Studienanfänger in den vergangenen Jahren meist ebenso überschätzte wie die Zahl der Studierenden hat verschiedene Ursachen, auf die im Folgenden eingegangen wird. Dabei wird sich zeigen, dass man auch der KMK zugute halten sollte: Prognosen sind zwar schwierig, aber unverzichtbar. Zunächst kann eine Prognose nur auf den Erfahrungen der Vergangenheit AUTOR Dr. Dieter Dohmen ist Direktor des Forschungsinstituts für Bildungs- und Sozialökonomie (FiBS) Berlin. aufbauen und diese unter Berücksichtigung wichtiger Veränderungen und Einflussfaktoren in die Zukunft fortschreiben externe Schocks sind nicht prognostizierbar. Vor diesem Hintergrund sind die von der KMK zugrundegelegten Szenarien durchaus vertretbar.»die Argumentation mit einem Studentenberg war politisch zumindest kurzfristig nach voll - ziehbar.«schließlich lagen und liegen die langfristigen Übergangsquoten an die Hochschulen zwischen 75 und 90 Prozent. Kaum vorhersehbar war jedoch der starke Einbruch bei den kurzfristigen Übergangsquoten, die 2002 und 2003 noch bei 78 bzw. 80 Prozent gelegen hatten, dann aber schlagartig um über fünf Prozentpunkte einbrachen erreichte die Übergangsquote im Übrigen wieder das frühere Niveau von 78 Prozent. Gleichzeitig führten verschiedene Länder Langzeit-Studiengebühren ein, wodurch sich die Zahl der Langzeit- Studierenden wie auch der Studierenden um über reduzierte. Wenn sich aber Studierende früher exmatrikulieren, verkürzt sich die durchschnittliche Studiendauer, die zudem durch die Umstellung auf die zweistufige Studienstruktur mit Bachelor und Master beeinflusst wird. Geht beispielsweise nur die Hälfte der Bachelorabsolventen in das Masterstudium über, dann verkürzt sich die Regel -Studiendauer von durchschnittlich fünf auf vier Jahre. Politisches Kalkül? An dieser Stelle befindet sich die KMK im strukturellen Prognose-Dilemma: Erstens lässt sich ex-ante kaum abschätzen, wie schnell die Umstellung auf BA und MA in den Hochschulen erfolgt. Zweitens hätte sie für eine realitätsnahe Prognose zugleich unterstellen müssen, wie hoch die Übergangsquote vom Bachelor- in das Masterstudium ist. Dies ist von politischen Vorgaben bzw. Finanzentscheidungen ebenso abhängig wie von strategischen Entscheidungen der Hochschulen. Hier hätte die Politik also Entscheidungen treffen bzw. Vorgaben machen und dabei offenlegen müssen, welche Masterquoten sie bereitstellen bzw. finanzieren will. Jede Quote, die deutlich unter einhundert Prozent gelegen hätte, hätte einen Aufschrei aller Beteiligten verursacht. Je näher die Quote an 100 Prozent gelegen hätte, desto mehr Geld hätte bereitgestellt werden müssen, da der Betreuungsaufwand in der neuen Studienstruktur deutlich höher ist als in der alten. Indirekt hat die KMK diesen Weg gewählt, indem sie die alten Bedingungen fortgeschrieben hat. Damit umging sie zugleich das Problem, den Finanzministern und Regierungschefs angesichts der Problemlagen öffentlicher Haushalte zu vermitteln, dass Studienanfänger im neuen System mehr sind als im alten ohne dass es dafür empirisch eindeutige und unbestreitbare Zahlen gab. Vor diesem Hintergrund war die Argumentation mit einem Studentenberg politisch zumindest kurzfristig durchaus nachvollziehbar. Ohne diese Krücke wäre der Hochschulpakt I vermutlich nicht zustande gekommen. 2,4 oder 2,7 Mio. Studierende sind nun einmal eindeutig mehr als 2,0 Mio.

17 4 09 Forschung & Lehre PROGNOSEN 257 Deutschland insgesamt %-Szenario %-Szenario Tabelle oben: Entwicklung der Studienanfängerzahlen bis 2020 ( nachfrageorientiert ) Tabelle unten: Entwicklung der Studierendenzahlen insgesamt bis 2020 Studierende insg.(in Tsd) %-Szenario %-Szenario Quelle: EduSim Nach der Prognose ist vor der Prognose und vor dem Hochschulpakt II Nachdem die Prognose nun aber durch die Realität scheinbar widerlegt worden ist, ergibt sich ein anderes Dilemma : In den kommenden Jahren steht ein Studienberechtigtenberg vor den Toren der Hochschulen, u.a. bedingt durch die Verkürzung der Gymnasialzeit von neun auf acht Jahren und steigende Übergangsquoten an die Gymnasien. Die Zahl der Studienberechtigten ist in den vergangenen fünf Jahren bereits um fast gestiegen und wird in den nächsten fünf Jahren noch einmal um fast steigen. Legt man die Entwicklungen der vergangenen fünf oder sechs Jahre zugrunde, dann zeigen sich Hochphasen mit Übergangsquoten von annähernd 80 Prozent ebenso wie Talsohlen mit Quoten von deutlich unter 75 Prozent. Allein zwischen 2007 und 2008 ist die Übergangsquote bundesweit von 73 Prozent auf 78 Prozent gestiegen. In etlichen Bundesländern lag die Übergangsquote sogar deutlich über dem 85 Prozent-Szenario! Ein realistisches Szenario könnte daher von 75 bzw. 80 Prozent ausgehen. Hieraus ergeben sich unter Berücksichtigung länderspezifischer Unterschiede die Zahlen in der oben stehenden Tabelle. Da die KMK von Übergangsquoten ausgeht, die sich aus einem mehrjährigen Durchschnitt ergeben, liegt deren neue Prognose etwas über dem unteren, aber deutlich unter dem oberen Szenario. Wenn das untere Szenario die Zukunft richtig einschätzt, dann wären zusätzliche Studienplätze, wie sie beim Bildungsgipfel vereinbart wurden, ausreichend. Setzt sich hingegen die Entwicklung des vergangenen Jahres fort, dann wäre das obere Szenario besser geeignet, die Zukunft zu beschreiben. In diesem Fall wären jedoch fast zusätzliche Studienplätze erforderlich. Der deutliche Anstieg des vergangenen Jahres scheint für höhere Zahlen zu sprechen. Geht man ferner davon aus, dass die derzeitige Finanz- und Wirtschaftskrise die Ausbildungsbereitschaft der Betriebe verringern wird, dann spricht auch dies eher für das obere Szenario. In diesem Fall würde die sinkende Ausbildungsbereitschaft der Betriebe zu einem zusätzlichen Nachfragedruck auf die Hochschulen führen. Es spricht umgekehrt viel dafür, dass der Sprung bei den Studienanfängerzahlen 2008 auch einen Nachholeffekt hat, der teilweise auch durch Studienberechtigte bedingt sein dürfte, die vorüber - gehend wegen der Einführung von Studiengebühren verzichtet oder nach erfolglosen Bewerbungen im Heimatland in ein anderes Bundesland gewechselt sind. Für die Vermutung, dass Studiengebühren das Übergangsverhalten beeinflusst haben, spricht auch die Tatsache, dass Länder ohne Gebühren nunmehr eine gestiegene Zuwanderung und Länder mit Gebühren eine gesunkene Zuwanderung verzeichnen. Dies wäre in weiteren länderspezifischen Prognosen ebenso zu berücksichtigen wie verändertes Wanderungsverhalten durch unzureichende Kapazitäten in einzelnen Ländern oder Werbekampagnen. Unabhängig davon, wie sich die Zahl der Studienanfänger verändern wird, kann man davon ausgehen, dass sich die Zahl der Studierenden insgesamt allenfalls noch geringfügig erhöhen wird. In unseren Prognosen, die anhand unseres Instruments EduSim durchgeführt wurden, und die auch die Effekte der Umstellung auf Bachelor und Master berücksichtigen, zeigen alle Szenarien allenfalls noch einen geringen Anstieg von derzeit 2,01 Mio. auf bis zu 2,03 Mio. Lediglich wenn eine längerfristige Übergangsquote von 85 Prozent oder ein höherer Anteil an Masterstudierenden bundesweit erreicht würde, wäre ein Anstieg auf etwas über 2,1 Mio. Studierende möglich, was einer Steigerung um weitere fünf Prozentpunkte im Vergleich zum Studienjahr 2008 entsprechen würde. Ein solcher Anstieg würde jedoch eine weitere, deutliche Erhöhung der Studienkapazitäten erfordern, die aus den Entwicklungen der vergangenen Jahre nicht abgeleitet werden kann. Insofern können solche Szenarien im Hochschulpakt II keine Rolle spielen. In diesem Kontext könnte aber die neue ZVS interessant sein: Sie könnte endlich offenlegen, wie groß die Nachfrage nach Studienplätzen wirklich ist. Diese für die Abschätzung der Nachfrage wichtige Information fehlt bisher. * Kurzfassung des Beitrages: Der Studentenberg Prognose und Realität, FiBS-Forum Nr. 45 sowie in: Kalle Hauss/Saskia Heise/Stefan Hornbostel (Hg.): Foresight between science and fiction, ifq-working Paper No. 6 (i.v.) Anzeige Maresa Mertel Drittmitteleinwerbung zwischen Kooperation und Korruption Strafrechtliche Grenzen einer Flucht ins Privatrecht bei der Drittmittel einwerbung durch Hochschulen 276 Seiten, 31, plus Porto (Mitglieder des Deutschen Hoch schul verbandes 27, plus Porto), ISBN: Bestellung über den Buchhandel oder bei: Deutscher Hochschulverband Rheinallee Bonn Fax: 0228/

18 258 PROGNOSEN Forschung & Lehre 4 09 Wissenschaftliche Exzellenz von morgen Standortförderung im Konflikt mit der Erneuerung des Wissens RICHARD M ÜNCH Die Forschungspolitik will ihre Finanzmittel nicht mehr mit der Gießkanne verteilen, sondern gezielt dort investieren, wo sie in exzellente Forschung umgesetzt werden. So lässt sich zwar besser voraussagen, wo exzellente Forschung betrieben wird doch welchen Preis hat diese Konzentration auf bestimmte Standorte? Im einfachsten Fall lässt sich Exzellenz in der Forschung so sicher voraussagen, wie der Sieg in der Champions League des Europäischen Fußballverbandes. Für diesen Titel kommen nur vier bis sechs Fußballklubs in Frage. Das ergibt sich allerdings nicht daraus, dass diese Klubs ein Geheimnis des Fußballs hüten würden, das den anderen Klubs verborgen bleibt, z.b. Exzellenz in der Jugendarbeit, im Training, in der Strategie und der Taktik. Die erfolgreichsten Klubs unterscheiden sich von den mittelmäßigen und den mäßigen auch nicht darin, dass sie Rohlinge zu Diamanten schleifen würden, sondern ganz einfach darin, dass sie über mehr Finanzmittel verfügen, um in der ganzen Welt Fußballer einzukaufen, die an anderen, weniger exzellenten Orten schon zu Diamanten gereift sind. Sie können es sich auch leisten, etliche solcher Diamanten auf der Ersatzbank oder auf der Tribüne sitzen zu lassen, so dass sie gar nicht zur Entfaltung kommen können und der Fußballwelt verloren gehen. Die sichere Voraussagbarkeit von Titeln muss allerdings mit einer erheblichen Verzerrung des Wettbewerbs durch die extrem ungleiche Verteilung von Finanzmitteln erkauft werden. Damit fehlt es dem Fußball an Überraschung, Abwechslung und Spannung. Umso mehr muss das Produkt durch Showelemente angereichert werden, um es für die Zuschauer interessant zu halten. Ein verzerrter Wettbewerb mit Folgen In der Wissenschaft sind ähnliche Tendenzen zu beobachten. Die dominant gewordene Rhetorik des Standortwettbewerbs unterwirft die Forschung einer ähnlichen Logik der ungleichen Mittelverteilung, aus der sich relativ leicht voraussagen lässt, an welchen Standorten die größten Erfolge verbucht werden können. In der herrschenden Sprache liegt das an den exzellenten Forschungsbedingungen, die diese Standorte bieten. Auch dabei entsteht der Eindruck, dass sie ein Geheimrezept hätten, das sie in die Lage versetzt, Rohlinge zu Diamanten zu veredeln. Der viel profanere Erfolgsgrund liegt allerdings auch in der Wissenschaft darin, dass die reichsten Institutionen weltweit Diamanten einkaufen, um mit ihnen in einem durch die ungleiche Verteilung von Finanzmitteln verzerrten Wettbewerb AUTOR Richard Münch lehrt Soziologie an der Otto-Friedrich-Universität Bamberg. Nach Die akademische Elite (Frankfurt a.m. 2007) hat er jetzt zum Thema des Beitrags die Studie Globale Eliten, lokale Autoritäten. Bildung und Wissenschaft unter dem Regime von PISA, McKinsey & Co. (Frankfurt a.m. 2009) veröffentlicht. zu glänzen. In der Wissenschaft ist die Folge dieser Wettbewerbsverzerrung die Einschränkung ihres Erneuerungspotentials. Dieses Potential ist umso größer, je mehr die Bedingungen der idealen Sprechsituation gegeben sind, das heißt jeder bzw. jede mit gleichem Recht und Gewicht am Diskurs teilnehmen kann und nur das bessere Argument zählt. Programme der Exzellenzförderung, die auf die Konzentration von Finanzmitteln auf wenige exzellente Standorte hinauslaufen, beseitigen die Bedingungen einer idealen Sprechsituation. Sie befördern die länger andauernde Dominanz bestimmter Paradigmen, behindern alternative Forschungsprogramme und verlangsamen»die erfolgreichen Fußballclubs unterscheiden sich von den mittel - mäßigen auch nicht darin, dass sie Rohlinge zu Diamanten schleifen.«den Erkenntnisfortschritt. Zwei aktuelle Trends bestärken sich darin gegenseitig: erstens die gezielte Förderung exzellenter Standorte durch umfangreiche Finanzmittel, zweitens die systematische Evaluation der Forschung nach den herrschenden Standards. Finanzielle Förderung, Evaluation und Ranking führen dann in einer zirkulären Selbstverstärkung zwar zu einer sicheren Voraussagbarkeit der Standorte exzellenter Forschung, beschränken aber paradoxerweise die Evolution des Wissens. Internationale und nationale Rankings, wie das Shanghai-Ranking der 500 sichtbarsten Universitäten der Welt oder das Forschungs-Ranking deutscher Universitäten des Centrums für Hochschulentwicklung der Bertelsmann-Stiftung, wirken durch die Erzeugung er-

19 4 09 Forschung & Lehre PROGNOSEN 259 heblicher öffentlicher Aufmerksamkeit maßgeblich darauf hin, dass sich die Forschungspolitik zunehmend in dieses Dilemma verstrickt. Tieferliegende Ursachen Eine Exzellenzförderung, die dem paradoxen Effekt der Schließung der Wissensevolution entgehen will, müsste tiefer greifen und gezielt gegen erneuerungsfeindliche Strukturen arbeiten, weil sich Exzellenz in der Wissenschaft nur in der ständigen Erneuerung des Wissens zeigt und weil der offene Wettbewerb die entscheidende Voraussetzung dafür ist. Insbesondere gälte es, genügend Wettbewerb zwischen einer ausreichenden Zahl von Standorten eines jeweils enger oder breiter gefassten Fächerspektrums zu erhalten. Das war bisher ein Standortvorteil der Forschung in Deutschland. Die 2007 bzw veröffentlichten Pilotstudien des Wissenschaftsrates zum Forschungsrating der Chemie und der Soziologie haben das jüngst bestätigt. Nicht weniger als 35 von 57 (Chemie) bzw. 32 von 54 (Soziologie) der universitären Standorte weisen mindestens eine als sehr gut oder exzellent bewertete Forschungseinheit auf. Eine nachhaltige Forschungspolitik würde auf die Erhaltung und nicht auf den Abbau dieser wettbewerbsintensiven Situation zielen. Durch die im Rahmen der Exzellenzinitiative eingeleiteten Konzentrationsprozesse droht dieser Standortvorteil der Forschung in Deutschland jedoch verloren zu gehen. An zwei gravierenden Stand-»Entscheidende Voraussetzung für Exzellenz in der Wissenschaft ist der offene Wettbewerb.«ortnachteilen hat sich dagegen bis heute wenig geändert. Das sind die oligarchischen Personalstrukturen sowie die Auslagerung eines Großteils der Forschung aus den Universitäten. Diese beiden strukturellen Eigenarten behindern die Ausbreitung neuer Forschungsfelder in Forschung und Lehre. Sie bleiben die Sache einzelner Forscher und Forschergruppen. Schon Joseph Ben-David hat in seiner 1971 erschienenen vergleichenden Studie The Scientist s Role in Society in den oligarchischen Lehrstuhlstrukturen wie auch in der Expansion der außeruniversitären Forschung die tieferen Ursachen dafür identifiziert, dass Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg in der Dynamik der wissenschaftlichen Entwicklung nicht mehr mit den USA mithalten konnte. Das gilt mit Einschränkungen auch im Vergleich zu Großbritannien. Deshalb gibt es in Großbritannien wie in den USA in den Geistes- und Sozialwissenschaften viel Platz für Disziplinen wie Political Economy oder Cultural Studies, Institutional Economics, Behavioral Economics und Neuroeconomics oder für disziplinenübergreifende Angebote wie European Studies, die in Deutschland nicht in ähnlichem Umfang Fuß fassen. In den Natur- und Lebenswissenschaften sieht das nicht anders aus. Eine nachhaltige Exzellenzförderung wird an der Veränderung der erneuerungsfeindlichen Strukturen der Forschung in Deutschland ansetzen, wenn sie über kurzfristige Publicity-Erfolge hinausgelangen will. Es lässt sich dann zwar weniger zuverlässig voraussagen, wo exzellente Forschung stattfindet, dafür gibt es aber mehr davon. Anzeige Ausschreibung Eckert. Der Forschungspreis Das Georg-Eckert-Institut für internationale Schulbuchforschung verleiht 2010 erstmals und künftig alle zwei Jahre den von der Verlagsgruppe Westermann in Braunschweig gestifteten Preis für wissenschaftliche Arbeiten auf dem Gebiet der internationalen Bildungsmedienforschung. Er ist mit 2500 Euro dotiert und umfasst außerdem die Übernahme der Druckkosten durch den Stifter. Ausgezeichnet werden herausragende Monografien, Dissertationen oder Habilitationen. Gemeinschaftswerke werden berücksichtigt, wenn sich alle Autoren bewerben. Es werden sowohl Eigenbewerbungen als auch Nominierungen akzeptiert. Eingereicht werden können bisher unveröffentlichte Arbeiten in deutscher oder englischer Sprache, die zum Zeitpunkt der Einreichung nicht älter als zwei Jahre sind. Eine Jury aus namhaften Wissenschaftlern und einem Vertreter der Verlagsgruppe Westermann befindet unter Ausschluss des Rechtsweges über die Zuerkennung des Preises. Die Verleihung findet im Frühjahr 2010 statt. Die ausgezeichnete Arbeit wird in der Reihe Eckert. Die Schriftenreihe. Studien des Georg-Eckert-Instituts zur internationalen Bildungsmedienforschung (Verlag V&R unipress, Göttingen) veröffentlicht. Bitte senden Sie Ihre Bewerbungsunterlagen (die Arbeit, kurze Zusammenfassung, ggf. Gutachten, tabellarischer Lebenslauf) per oder in zweifacher Ausfertigung mit regulärer Post bis zum 31. Juli 2009 an das Call for Entries Eckert. The Research Award In the year 2010, for the first time and subsequently every two years, the Georg Eckert Institute for International Textbook Research will award a prize donated by the Westermann Publishing Group in Brunswick for academic excellence in the field of international education media research. The award will comprise prize money of 2,500 Euro; printing costs for the successful work will be cov - ered by the donor. The prize will be awarded to a monograph, dissertation or post-doctoral work of outstanding scholarly quality. Jointly written works will also be considered provided that all authors apply for the award. We will accept applications from authors as well as nominations by third parties. The work entered must be a hitherto unpublished study, written in either German or English and at the time of application no more than two years old. The successful candidate(s) will be selected by a jury of renowned scholars and a representative from the Westermann Publishing Group, with the exclu - sion of legal proceedings. The prize will be awarded in Spring The successful work will be published in the academic series Eckert. Die Schriftenreihe. Studien des Georg-Eckert-Instituts zur internationalen Bildungsmedienforschung, with V&R unipress, Göttingen. Please your application documents (the work, a short abstract, your curriculum vitae and, if you wish, a letter of recommendation or an expert report) or send them by normal post in duplicate to the Georg Eckert Institute by 31st July 2009: Georg-Eckert-Institut für internationale Schulbuchforschung Redaktion Schriftenreihe (z. Hd. Verena Radkau) Celler Straße 3, Braunschweig Georg-Eckert-Institut für internationale Schulbuchforschung Redaktion Schriftenreihe (c/o Verena Radkau) Celler Straße 3, D Braunschweig

20 260 REKTOR DES JAHRES Forschung & Lehre 4 09 Rektoren-Ranking 2009 Ergebnisse einer Umfrage THOMAS K RÜGER GEORG R UDINGER In einer Umfrage des Deutschen Hochschulverbandes (DHV) haben über Wissenschaftler Anforderungsprofile für den Rektor bzw. Präsidenten ihrer Hochschule erstellt und die jeweiligen Amtsinhaber danach bewertet. Über welche Kompetenzen sollte aus Sicht der Professorenschaft das ideale akademische Oberhaupt verfügen? Und welcher Rektor entspricht am besten den Wünschen und Erwartungen seiner Wissenschaftler? Ergebnisse des ersten Rektoren-Rankings in Deutschland. Die Leitung einer Hochschule ist eine anspruchsvolle Managementaufgabe. Es gilt, Interessen verschiedener Gruppen neudeutsch Stakeholder zu berücksichtigen und zu integrieren; konkret der Politik (Ministerium), der Studentenschaft und deren zukünftiger Arbeitgeber, aber natürlich auch der Kollegen und Mitarbeiter der Hochschulen. Die wachsende Autonomie der Hochschulen, der zunehmende Wettbewerb bis hin zu Exzellenzinitiativen, aber auch die Einführung von Aufsichtsräten stellen neue Forderungen an Rektoren. Zur Messung der Qualität der Hochschulleitung lassen sich verschiedene mehr oder minder sinnvolle Parameter definieren. So ist es sicherlich auch eine Auszeichnung für die Leitung, wenn eine Hochschule als exzellent eingestuft wird oder auf Spitzenplätzen bei Bewerberzahlen landet. Die hier vorgestellte Studie nimmt eine andere Perspektive ein, nämlich die der Wissenschaftler, die an den Hochschulen forschend und lehrend tätig sind. Im Auftrag des Deutschen Hochschulverbandes untersuchte das Zentrum für Evaluation und Methoden, Universität Bonn, welche Erwartungen und Anforderungen die Wissenschaftler an ihre Hochschulleitung stellen und welcher Rektor diesen am besten gerecht wird. Methodisches Vorgehen Die Mitglieder des Deutschen Hochschulverbandes (DHV), von denen dem DHV eine -Adresse vorliegt, wurden elektronisch kontaktiert und gebeten, im Rahmen einer Online-Befragung aus einer Liste die Eigenschaften auszuwählen, die der Rektor ihrer Hoch-»Der Rektor, der im Urteil seiner Univer - sitätsmitglieder am besten den mit seinem Amt verbundenen Anforderungen gerecht wird, ist Rektor des Jahres 2009.«schule idealerweise erfüllen sollte. Die Eigenschaften wurden einer Einzelfallstudie entnommen und zusammen mit Experten erweitert und verfeinert. Zudem wurde erfragt, wie stark die jeweiligen Eigenschaften beim aktuellen Rektor ausgeprägt sind. Der Rektor, welcher in seinem Ist-Profil im Urteil seiner Universitätsmitglieder am besten den mit seinem Amt verbundenen Anforderungen gerecht wird, ist Rektor des Jahres Diese Auszeichnung des Hochschulverbandes soll in den nächsten Jahren regelmäßig verliehen werden. Die durchaus positive Resonanz auf dieses Rektorenranking umfasst Anregungen, dies auf die Kanzler, auf die Verwaltung etc. auszudehnen. Statistische Überlegungen und andere Erwägungen gingen der Umfrage voraus: Um für die einzelnen Rektoren eine hinreichend große Anzahl von Bewertungen erreichen zu können, wurden von vornherein bei der Online-Umfrage nur größere Hochschulen mit mindestens Studierende berücksichtigt. Die Umfrage beschränkte sich entsprechend auf Universitäten und ihnen gleichgestellte Hochschulen, da der DHV an den anderen Hochschulen nicht so stark vertreten ist. In zukünftigen Rankings sollen auch Rektoren kleinerer Universitäten und Fachhochschulen berücksichtigt werden. Damit überhaupt eine sinnvolle Bewertung möglich ist, sollte der Rektor zum Start AUTOREN Dr. Thomas Krüger ist am Zentrum für Evaluation und Methoden (ZEM) der Universität Bonn tätig. Er koordiniert die Durchführung von Auftragsforschung via Online-Befragungen und Telefonlabor mit 30 Plätzen. Seine Forschungsschwerpunkte liegen im Bereich Sampling-Methoden und Imputation. Georg Rudinger leitet das ZEM und ist Professor für Methodenlehre, Diagnostik und Evaluation am Institut für Psychologie der Universität Bonn. Seine Forschungsschwerpunkte sind Längsschnitt- und Panel - erhebungen und räumliche Mobilität im Kontext der demographischen Entwicklung.

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