Störfaktoren an Büroarbeitsplätzen Umfrage im Gewerbemuseum Winterthur, 28. Oktober 2007 bis 13. April 2008

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1 Störfaktoren an Büroarbeitsplätzen Umfrage im Gewerbemuseum Winterthur, 28. Oktober 2007 bis 13. April 2008 Kompetenzzentrum Typologie & Planung in Architektur CCTP Juli 2008

2 Kompetenzzentrum Typologie & Planung in Architektur Seite 2

3 Impressum Adresse Hochschule Luzern Technik & Architektur CC Typologie & Planung in Architektur (CCTP) Technikumstrasse 21 CH-6048 Horw Verfasserinnenteam Simone Gretler Heusser HSLU - S Sibylla Amstutz HSLU - T&A / CCTP Projektdaten Projektstart 28. Oktober 2007 Projektabschluss 13. April 2008 Kontakt Kompetenzzentrum Typologie & Planung in Architektur Seite 3

4 Inhaltsverzeichnis 1. Einleitung Auswertung Teil 1: Deskriptive Daten Altersgruppen Anstellungsverhältnisse Unternehmensgrösse und Branchen Bürogrösse Dauer am gleichen Arbeitsplatz Teil 2: Analytische Daten Störfaktoren nach Geschlecht Störfaktoren nach Alter Flexibilität und Kommunikation Förderung des Potenzials der Mitarbeitenden Am meisten schätze ich Kompetenzzentrum Typologie & Planung in Architektur Seite 4

5 1. Einleitung Im Zusammenhang mit dem Forschungsprojekt human building office testete das Team des Kompetenzzentrum Typologie & Planung in Architektur der Hochschule Luzern das Multi-Space Bürokonzept, das in der Ausstellung Bürowelten im Gewerbemuseum Winterthur (28. Oktober 2007 bis 13. April 2008) eingerichtet war. Gleichzeitig wurden in einer Umfrage die Störfaktoren an Büroarbeitsplätzen ermittelt. Dazu wurden die Besucherinnen und Besucher der Ausstellung mittels Fragebogen nach ihrer Bürosituation befragt. Die Umfrage richtete sich an Personen, die mindestens teilweise in einem Büro tätig sind oder waren. Die Umfrage erfolgte anonym. Die Angabe der Adresse war freiwillig und diente dazu, dass die Teilnehmerinnen und Teilnehmer über die Umfrageergebnisse informiert werden konnten. Der Fragebogen bestand aus geschlossenen und offenen Fragen. Mit den geschlossenen Fragen wurde eher deskriptive Daten zu Bürogrösse, Branche, Betriebsgrösse, etc. erhoben. Die offenen Fragen dagegen dienten dazu, weitere Hinweise zu erhalten, was in einem Büro für die Mitarbeitenden wichtig ist, woran sie sich stören und was sie schätzen. Die vorliegende Zusammenstellung einiger Ergebnisse der Auswertung gibt einen Überblick über die Gruppe der Antwortenden und zeigt einige Trends in den Antworten. Es wurden 439 Fragebogen ausgewertet. Es ist interessant zu sehen, dass die Befragten zu einem grossen Teil zufrieden mit ihrer Bürosituation sind: ganze 85% sind zufrieden oder sehr zufrieden, nur gerade 6% unzufrieden oder sehr unzufrieden 9% 4% 2% 39% 46% Trifft sehr zu Trifft zu Neutral Trifft nicht zu Trifft gar nicht zu Abbildung 1: Zufriedenheit mit der aktuellen Bürosituation 2. Auswertung 2.1. Teil 1: Deskriptive Daten Der Fragebogen wurde von 220 Männern und 219 Frauen ausgefüllt Altersgruppen Die Antworten stammen zu fast zwei Dritteln (63%) von Personen zwischen 40 und 60 Jahren. Diese stehen schon seit längerer Zeit im Berufsleben und haben manche der technischen Revolutionen in der Bürowelt miterlebt. Mehr als ein Viertel aller Antwortenden (29%) waren sogar älter als 61 Jahre. So wird diese Gruppe ihre Ausbildung noch mit Schreibmaschine und ohne Kompetenzzentrum Typologie & Planung in Architektur Seite 5

6 Internet und Klimaanlage absolviert haben. Sicher haben die verschiedenen Filme und Ausstellungsobjekte, welche die Entwicklung des Personal Computers zum Thema hatten, gerade bei dieser Gruppe lebhafte Erinnerungen an die eigene Annäherung an den Computer geweckt. 7% 1% 0% 14% 18% 27% Abbildung 2: Altersgruppen 18% 15% nach vor 1937 keine Angaben Anstellungsverhältnisse Die Anstellungsverhältnisse der Antwortenden sind relativ heterogen: weniger als die Hälfte (46%), arbeiten Vollzeit, fast ein Drittel (31%) Teilzeit. Ebenfalls beträchtlich ist der Anteil der Personen in Ausbildung (19%). Nur 3% der Antwortenden sind temporär oder befristet angestellt oder zurzeit ohne Stelle. 19% 3% Vollzeit 46% Teilzeit Ausbildung Andere 31% Abbildung 3: Anstellungsverhältnisse Der Bildungsstand der Antwortenden ist relativ hoch: 60% verfügen über einen tertiären Abschluss, davon je rund ein Viertel einen Fachhochschul- resp. einen Universitätsabschluss (24% resp. 26% 1 ). Ein weiteres knappes Viertel (23%) der Antwortenden hat den für die Schweiz klassischen Weg der Berufslehre gewählt. 1 Universitätsabschlüsse mit (3%) und ohne (23%) Doktorat. Kompetenzzentrum Typologie & Planung in Architektur Seite 6

7 2% 3% 5% 4% 23% 3% 3% Abbildung 4: Ausbildung 10% 23% 24% Höhrere Berufsbildung Fachhochschule Universität Doktorat Obligatorische Schule Berufsbildung Fachmittelschule Berufsmaturität Matura In Weiterbildung Unternehmensgrösse und Branchen Der grösste Teil der Personen, die den Fragebogen ausgefüllt haben, nämlich fast 70%, sind im privaten Sektor tätig; 27% arbeiten im öffentlichen Sektor und 3% machen keine Angabe dazu. Als Tätigkeitsbereich sind die verschiedensten Branchen vertreten. Interessant ist der Blick auf die Betriebsgrösse. Erwartungsgemäss ist ein grosser Teil der Antwortenden in KMU s tätig, wobei fast ein Drittel in einem Betrieb arbeitet, der weniger als 20 Personen beschäftigt (30%). Ungefähr ein Fünftel der Antwortenden arbeitet in einem Betrieb mit Mitarbeitenden (19%). Je ein Viertel der Antwortenden arbeiten in einem mittleren Betrieb mit resp. mit 250 und mehr Mitarbeitenden. 25% 30% < > % 19% Abbildung 5: Unternehmensgrösse Bürogrösse Bekanntlicherweise sind viele Menschen, die im Büro arbeiten, beruflich auch an anderen Orten, z.b. auf Baustellen, im Aussendienst, als Dozierende in einem Schulzimmer etc. tätig. Auf die Frage, welchen Anteil die Büroarbeit an ihrer gesamten Arbeitszeit einnehme, gaben über 25% der antwortenden Personen keine Antwort. Die restlichen Antwortenden gaben Werte zwischen 60 und Kompetenzzentrum Typologie & Planung in Architektur Seite 7

8 100% an, wobei über die Hälfte zwischen 80 und 100% ihrer Arbeitszeit effektiv im Büro verbringt. Interessiert hat uns deshalb auch, wie gross die Büros sind, in welchen die Antwortenden arbeiten. Etwa drei gleich grosse Gruppen bilden dabei die Büros mit einem (21%), zwei (23%) oder drei bis sechs (25%) Arbeitsplätzen. 13% der Antwortenden arbeiten in Büros mit sieben bis zwanzig Arbeitsplätzen. Mit 11% die kleinste Gruppe sind die Personen, welche in einem Grossraumbüro mit über zwanzig Arbeitsplätzen arbeiten. 11% 21% 13% 1 AP 2 AP 3-6 AP 7-20 AP > 20 AP 23% 25% Abbildung 6: Bürogrössen Dauer am gleichen Arbeitsplatz Der deskriptive Teil wird nun abgeschlossen mit der Angabe, wie lange die Antwortenden schon an ihrem aktuellen Büroarbeitsplatz arbeiten, auf den sie die Angaben im Fragebogen beziehen. Mit 54% über die Hälfte der Antwortenden arbeitet seit mehr als zwei Jahren am aktuellen Arbeitsplatz, 17% seit mehr als einem Jahr und fast ein Drittel (28%) ist noch weniger als ein Jahr an diesem Arbeitsplatz tätig. 28% 54% < 1 Jahr > 1 Jahr > 2 Jahre 17% Abbildung 7: Dauer am Arbeitsplatz Kompetenzzentrum Typologie & Planung in Architektur Seite 8

9 2.2. Teil 2: Analytische Daten In einer offenen Aufzählung konnten die Antwortenden ankreuzen, welches für sie die grössten Störfaktoren sind, welche ihre Arbeit im Büro negativ beeinflussen, und bei Bedarf eigene Faktoren beifügen Störfaktoren nach Geschlecht Die Spitzenreiter bei den Störfaktoren sind: Temperatur(-unterschiede), Lärm, zu wenig frische Luft, Platzknappheit, der Mangel an persönlicher Sphäre, eine schlechte Lichtsituation und zu wenig Ablagefläche. Frauen leiden deutlich häufiger als Männer an falschen Temperaturen, zu wenig frischer Luft und zu wenig Ablagefläche. Die Männer sind dagegen sind an denselben Büroarbeitsplätzen lärmempfindlicher, stören sich stärker an zu wenig Platz, an mangelnder persönlicher Sphäre und an der schlechten Lichtsituation als die Frauen. (Tabelle 8) 60% 50% 40% 30% 20% 10% 0% zu heiss / kalt Lärm zu wenig Platz zu wenig frische Luft keine persönliche Sphäre schlechte Lichtsituation zu wenig Ablagefläche männlich weiblich alle Abbildung 8: Störfaktoren nach Geschlecht Folgende Aufstellung zeigt die Rangliste der Störfaktoren nach Geschlecht. 1 ist der Faktor, der am meisten als störend empfundene wurde: Faktor Männer Frauen alle Raumtemperatur 1 (40%) 1 (53%) 1 (46%) Lärm 2 (37%) 3 (34%) 2 (35%) Platzknappheit 4 (31%) 4 (29%) 3 (30%) Luftqualität 3 (32%) 2 (38%) 2 (35%) Mangelnde persönliche Sphäre 4 (31%) 5 (23%) 4 (27%) Schlechte Lichtsituation 6 (25%) 5 (23%) 5 (24%) Zu wenig Ablagefläche 5 (20%) 5 (23%) 6 (17%) Störfaktoren nach Alter Bei der Auswertung der wichtigsten Störfaktoren nach Alter zeigt sich, dass die unterschiedlichen Altersgruppen sich unterschiedlich gestört fühlen, wobei die Unterschiede ausser bei den Temperaturen relativ klein sind. So fühlen sich die älteren Antwortenden über 50 Jahre im Kompetenzzentrum Typologie & Planung in Architektur Seite 9

10 Allgemeinen weniger gestört als die Jüngeren warum dies so ist, kann hier nicht beantwortet werden. Vielleicht sind sie resistenter gegen Störfaktoren und/oder mit dem Alter toleranter geworden; vielleicht liegt es auch daran, dass sie an einem anderen Punkt in ihrer beruflichen Karriere angelangt sind und effektiv bessere Arbeitsbedingungen haben als die Jüngeren; vielleicht haben sie resigniert und sich mit ungünstigen Bedingungen zufrieden gegeben. Interessant sind die konstant tieferen Werte der Gruppe über 50; bei den Störfaktoren Lärm und schlechte Lichtsituation steigt der Störungsgrad von den Jüngeren zu den Älteren kontinuierlich an. Interessant ist, dass die Jungen unter 30 Jahre sich massiv an zu warmen resp. zu kalten Temperaturen stören: 56% der betreffenden Gruppe nennen zu heisse oder zu kalte Temperaturen als Störfaktor Nummer eins. 60% 55% 50% 45% 40% 35% 30% 25% 20% 15% 10% 5% 0% zu heiss / kalt Lärm zu wenig Platz zu wenig frische Luft keine persönliche Sphäre schlechte Lichtsituation zu wenig Ablagefläche unter J. über 50 alle Abbildung 9: Störfaktoren nach Alter Auch hier soll eine tabellarische Aufstellung die Rangliste der Störfaktoren nach Altersgruppen aufzeigen. 1 ist der am störendsten empfundene Faktor: Faktor Unter Über 50 alle Raumtemperatur 1 (56%) 1 (47%) 1 (41%) 1 (46%) Lärm 3 (33%) 3 (35%) 2 (37%) 2 (35%) Platzknappheit 4 (30%) 4 (32%) 4 (28%) 4 (30%) Luftqualität 2 (39%) 2 (41%) 3 (30%) 3 (35%) Mangelnde persönliche Sphäre 4 (24%) 5 (29%) 5 (27%) 5 (27%) Schlechte Lichtsituation 6 (20%) 5 (23%) 5 (27%) 6 (24%) Zu wenig Ablagefläche 5 (21%) 5 (21%) 6 (22%) 7 (22%) Ergiebig sind die Kommentare und Ergänzungen, die manche Personen dem Fragebogen angefügt haben. Natürlich handelt es sich dabei um Einzelaussagen; diese können aber doch als Indikatoren gewertet werden, die dem Projekt human building office Hinweise darauf geben können, dass Gebäudestrukturen möglichst flexibel gestaltet sein sollten etc. Kompetenzzentrum Typologie & Planung in Architektur Seite 10

11 Flexibilität und Kommunikation Ein Blick in die Fragebogen zeigt, dass gerade Flexibilität und Kommunikation auch für Menschen, die im Büro arbeiten, wichtige Faktoren für die Arbeitszufriedenheit, aber auch für die Performance darstellen. So finden 45% der Antwortenden, es sei sehr wichtig, dass die Gebäudestruktur flexibel reagieren könne. 5% 4% 17% 45% Trifft sehr zu Trifft zu Neutral Trifft nicht zu Trifft gar nicht zu 28% Abbildung 10: Gebäudestruktur muss flexibel reagieren können Über zwei Drittel (68%) der Befragten geben an, Kommunikation werde in Zukunft noch wichtiger. Für 35% der Antwortenden trifft das sogar in starkem Mass zu. 6% 5% 35% 22% Trifft sehr zu Trifft zu Neutral Trifft nicht zu Trifft gar nicht zu 33% Abbildung 11: Kommunikation wird in Zukunft noch wichtiger Förderung des Potenzials der Mitarbeitenden Natürlich wurde im Fragebogen auch die Frage gestellt, wie man das Potenzial der Mitarbeitenden am besten unterstützen könnte. Neben Antworten eher technischer Art (z.b. mehr Platz für Ablage; effizienteres Ablagesystem; mehr PC-Support) wurden Ruheräume, auch mit Gelegenheit von Entspannungshilfen wie Massagen oder Musik als wichtige Unterstützung angesehen. Auch wurde mehrmals darauf verwiesen, dass Büroräume Kreativität und Kommunikation besser unterstützen sollten; bessere Vernetzung bedeute auch optimierte Arbeitsleistung. Ebenso wurde erwähnt, dass Kompetenzzentrum Typologie & Planung in Architektur Seite 11

12 je nach Art der Arbeit, aber für unterschiedliche Arbeitstypen unterschiedliche Arbeitsformen und plätze angezeigt seien. Andere Beobachtungen widersprechen sich zumindest auf den ersten Blick. So schätzt jemand an seinem Grossraumbüro, dass er/sie von Kollegen umgeben ist, was einen schnellen und informellen Austausch begünstige und einem das Gefühl gebe, man bekomme mit, was läuft. Auf der anderen Seite beklagt sich eine andere Person darüber, dass sie in ihrem Schalterbüro über keine Rückzugsmöglichkeit verfüge Am meisten schätze ich... Interessanterweise zeigt diese letzte Frage eine ziemlich gleichmässige Verteilung der meistgenannten Antworten. Manche stellen generell einen Trend zur Verschlechterung fest. Schliesslich weist eine Person darauf hin, dass ständige Aufmerksamkeit für dieses Thema wichtig ist, es wird nie eine endgültige gute Lösung geben. Eine andere Antwort erinnert daran, dass der Büroarbeitsplatz nicht nur in seiner individuellen Ausstattung sich günstiger oder weniger günstig auswirken kann, sondern dass die Platzierung entscheidend ist für die Sozialisierung von Mitarbeitenden. Im Rahmen des Projektes human building office, welches sich mit dem Wirkungsgefüge Mensch Gebäude Organisation in Bezug auf Bürogebäude auseinandersetzt, ist es doch recht aufschlussreich zu sehen, dass beeinflussbare Faktoren für Menschen im Büro die Lebensqualität merklich steigern. Am meisten schätzen die Antwortenden an ihrem Arbeitsplatz gutes Licht (20%), gute Möblierung (16%), Individualität (16%), ein gutes Klima unter den Mitarbeitenden (13%) sowie einen Fensterplatz (12%). gutes Licht gute Möblierung Individualität Klima unter MA Fensterplatz 0% 5% 10% 15% 20% 25% Abbildung 12: Am meisten schätze ich... Kompetenzzentrum Typologie & Planung in Architektur Seite 12

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