Die verschiedenen Leistungslohnsysteme

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1 Die verschiedenen Leistungslohnsysteme Im Friseurhandwerk werden seit Jahren mit mehr oder minder großem Erfolg verschiedene Leistungslohnsysteme praktiziert. Eine Gemeinsamkeit aller Systeme ist die Gewährung eines Garantielohnes, der unabhängig von der erbrachten Leistung mindestens gezahlt werden muss. Der Garantielohn darf den Tariflohn nicht unterschreiten, kann aber höher liegen. Ein wichtiges Unterscheidungsmerkmal der Leistungslohnsysteme ist die Art und Weise der Erfassung von Mitarbeiterleistungen. Hier besteht die Möglichkeit eventuelle Assistenzarbeiten eigenständig zu bewerten, also eine getrennte Erfassung von Haupt- und Assistenzleistung durchzuführen. Im Gegensatz zur Form der gemeinsamen Erfassung aller Leistungen auf einen Mitarbeiter ist dies zwar sicherlich die genauere, aber auch aufwendigere Methode. Beide Verfahren werden in den folgenden Abschnitten des Skriptes dargestellt. Auf die jeweiligen Vor- und Nachteile wird hingewiesen und damit eine Entscheidungshilfe für die individuelle Salonsituation gegeben. a) reiner Leistungslohn Bei dieser Form des Leistungslohns werden alle durchgeführten Behandlungsarten, d.h. der gesamte Bedienungsumsatz, dem Mitarbeiter gutgeschrieben, der die Hauptleistung ausführt. Von anderen Mitarbeitern ausgeführte Zu- oder Assistenzarbeiten werden nicht gesondert erfasst. Da der gesamte Umsatz nur einem Mitarbeiter gutgeschrieben wird, ist eine Aufsplittung der Behandlungsarten in einzelne Arbeitsschritte nicht notwendig. Ebenso entfällt die Zuordnung auf andere Mitarbeiter.

2 Vorteile: relativ einfache Erfassung keine Aufsplittung der Behandlungsarten in einzelne Arbeitsschritte notwendig die bisherigen Bedienungszettel können weiter verwendet werden durch die relativ einfache Erfassung der Gesamtumsätze pro Bedienungsfall können noch weitere Daten (z.b. Behandlungsarten) erfasst und ausgewertet werden relativ schnelle Auswertung Nachteile: keine exakte Erfassung der tatsächlichen Mitarbeiterleistung Assistenzkräfte werden nicht leistungsmäßig erfaßt/ entlohnt junge Mitarbeiter kommen nur schwer aus dem Assistenzdasein heraus ungleiche Verteilung von Assistenz- und Zuarbeiten auf einzelne Mitarbeiter wird unter Umständen nicht erkannt Zuordnung der Kosten der Assistenzkräfte auf die umsatzschreibenden Mitarbeiter ist schwierig evtl. unzufriedene Mitarbeiter bei ungleicher Verteilung der Assistenzarbeiten b) Prämienlohn Der Prämienlohn orientiert sich, genau wie der reine Leistungslohn, an der Höhe der Arbeitsleistung. Durch Mehrleistungen der Mitarbeiter kann der zu zahlende Garantielohn dann um eine "Leistungsprämie" aufgestockt werden. Jedoch wird die Höhe der Prämie nicht anhand des Gesamtumsatzes des jeweiligen Mitarbeiters berechnet, sondern man unterscheidet hier zwischen fixen Prämien (z.b. für Verkaufsumsätze) und spontanen Prämien ( z.b. Belohnung für besonderen Einsatz), d.h. daß Hauptleistungen und Neben- bzw. Assistenzleistungen getrennt erfaßt werden.

3 Erfassung der Mitarbeiterleistung Hierbei wird jede bei einer Kundin/einem Kunden durchgeführte Behandlungsart einzeln erfaßt und dem ausführenden Mitarbeiter zugerechnet. Werden einzelne Behandlungsarten evtl. von mehreren Mitarbeitern ausgeführt, so sind diese in die einzelnen Arbeitsschritte aufzuteilen und entsprechend zu bewerten. Bei der Behandlungsart "Dauerwelle" können sich z.b. folgende Arbeitsschritte ergeben: Verkauf der Dauerwelle Dauerwelle wickeln Dauerwelle auftragen + fixieren. Für jeden dieser Arbeitsschritte ist dann ein bestimmter Umsatzanteil einheitlich festzulegen. Jeder Mitarbeiter, der eine Behandlungsart ausgeführt hat, trägt dies in den entsprechend aufbereiteten Bedienungsblock (am Bedienungsplatz) ein.

4 Beispiel für die Leistungserfassung eines Bedienungsfalles. Folgende Behandlungsarten wurden von folgenden Mitarbeitern durchgeführt: Verantwortlich für die Kundin Mitarbeiter 5 (Gabi) Waschen: 2,50/Mitarbeiter 6 (Sandra) Schnitt: 11,00/Mitarbeiter 5 (Gabi) Verkauf Dauerwelle: 8,00/Mitarbeiter 5 (Gabi) Wickeln Dauerwelle: 7,00/Mitarbeiter 3 (Tina) Auftragen + Fixieren: 5,00/Mitarbeiter 3 (Tina) Kur-/Systembehandlung: 4,00/Mitarbeiter 6 (Sandra) Fönfrisur: 12,00/Mitarbeiter 5 (Gabi) Verkauf Heimpflegeprodukte: 10,00/Mitarbeiter 5 (Gabi) Vorteile: genaue Erfassung der tatsächlichen Leistung eines jeden Mitarbeiters Assistenzarbeit kann ebenfalls leistungsbezogen entlohnt werden (Ausnahme: Auszubildende) bessere Vergleichbarkeit der einzelnen Mitarbeiterleistungen jeder Mitarbeiter bekommt ausschließlich seine eigene Leistung honoriert jüngere Mitarbeiter (mit noch geringerem Kundenstamm) werden gefördert

5 Nachteile: relativ schwierige Erfassung Aufsplittung der Behandlungsarten notwendig evtl. neue Bedienungszettel erforderlich? zeitaufwendige (manuelle) Auswertung einseitige Spezialisierung einzelner Mitarbeiter Kampf um "teurere" Leistungen Wann geeignet? bei relativ hohem Anteil an Assistenz- und Zuarbeiten bei unterschiedlicher Verteilung der Assistenz-/Zuarbeiten auf die einzelnen Mitarbeiter bei Kassenabrechnung und Statistik per Computer/Registrierkasse bei vorhandener Bereitschaft zu etwas mehr administrativer Arbeit (zumindest bei manueller Auswertung!)

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