Evolution, Systematik und Tierstämme

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1 Evolution, Systematik und Tierstämme Evolution A.R. Wallace (1858) On the tendency of varieties to depart indefinitely From the original type 1

2 Zentrale These der Darwin schen Evolutionstheorie: Die rezenten (heute noch lebenden) Arten haben sich im Lauf der Evolution in den aufeinanderfolgenden Generationen in schrittweiser, allmählicher Umbildung aus andersgearteten Organismen entwickelt. Die treibende Kraft ist die natürliche Selektion. Biologische Systematik (Taxonomie) Ziel: Begründung eines natürlichen Systems der Arten. C. Linne ( ): Jede Art erhält einen lateinischen Doppelnamen z.b. Homo sapiens Gattungsname Artname Biologischer Artbegriff - Biospecies: Eine Biospecies ist eine Gruppe sich tatsächlich oder potentiell kreuzender, natürlicher Populationen, die von anderen reproduktiv isoliert sind. Art = Fortpflanzungsgemeinschaft, geschlossene genetische Systeme Biologischer Artbegriff Morphospecies Morphospecies = Gesamtheit aller Individuen, die in ihren wesentlichen Merkmalen (auch nichtmorphologischen!) übereinstimmen. 2

3 Canis lupus Systematische Kategorien (Taxa; Singular: Taxon) Species (Art) Genus (Gattung) Familie Ordnung Klasse Unterstamm Stamm (Phylum) Canis lupus (Wolf) Canis (Wolf- und Schakalartige) Canidae (Hundeartige) Carnivora (Raubtiere) Mammalia (Säugetiere) Wirbeltiere (Vertebrata) Chordata (Chordatiere) 3

4 Tierstämme Rezente (heute noch existierende) Tierarten: ca Millionen Zusammengefaßt in 32 Stämme Homologie Merkmale, die auf gemeinsamen Vorfahren zurückführbar sind (gleiche phylogenetische Herkunft). Sind einander ähnlich, können sich aber in Struktur und Funktion unterscheiden. Beispiel: Vorderextremitäten der Wirbeltiere; Mundwerkzeuge der Insekten. Merkmale: Strukturen; Moleküle; Entwicklungsabläufe; Verhaltensweisen; Funktionsabläufe Analogie (Konvergenz) Merkmale, die gleiche Funktion haben, aber nicht auf gemeinsamen Vorfahren zurückführbar sind (verschiedene phylogenetische Herkunft). Ähnlichkeit ist durch funktionelle Bedürfnisse bedingt. Beispiel: Linsenaugen von Tintenfisch und Wirbeltier. 4

5 Beispiele für Homologien Grundschema Vogel Archaeopteryx Flugsaurier Fledermaus Beispiele für Analogie Tintenfischauge: Einstülpung der Epidermis (Augenblase). Linse: Sekretionsprodukt Grabbeine Maulwurfsgrille Wirbeltierauge: Ausstülpung des Gehirns (Augenblase). Linse: Abfaltung von Epidermis Maulwurf 5

6 Großgliederung des Tierreichs Unterreich: Protozoa (Einzellige Tiere) Unterreich: Metazoa (Vielzellige Tiere) Protozoa: ca Arten 6

7 Metazoa 9 Stämme als Beispiel Liste der besprochenen Tierstämme Protozoa Einzellige Tiere Amöben, ( 7 Stämme!!!) Pantoffeltierchen Eumetazoa Cnidaria Nesseltiere Polypen, Quallen, Korallen Plathelminthes Plattwürmer Leberegel; Bandwürmer Nemathelminthes Rundwürmer Spulwürmer Mollusca Weichtiere Schnecken, Muscheln, Tintenschnecken Annelida Ringelwürmer Regenwurm; Blutegel Arthropoda Gliederfüßler Spinnen; Krebse; Insekten Chordata Chordatiere Manteltiere; Schädellose; Wirbeltiere 7

8 Großgliederung der Metazoa: 1. Organisation der Gewebe (Placozoa, Parazoa, Eumetazoa) 2. Körpersymmetrie (Radiata Bilateria) 3. Zahl der Keimblätter (diploblastisch triploblastisch) 4. Schicksal des Urmunds (Protostomia Deuterostomia) 5. Typus der Leibeshöhle Metazoa Eumetazoa Parazoa Schwämme Vielzeller ohne echte Epithelien Hohltiere + Bilateria echte Vielzeller Schlüsselerfindung: Epithelien mit Zellkontakten Protozoa (Choanoflagellaten??) 8

9 Einteilung der in der Vorlesung besprochenen Tierstämme Nach Storch/Welsch ( Systematische Zoologie) Merke: es existieren unterschiedliche Arbeits- Hypothesen zur Großgliederung des Tierreichs. Die phylogenetische Systematik ist im steten Wandel. Arthropoda Gliederfüßler Annelida Ringelwürmer Mollusca Weichtiere Nemathelminthes Rundwürmer Protostomia Eumetazoa Deuterostomia Chordata Chordatiere Echinodermata Stachelhäuter Hemichordata Plathelminthes Plattwürmer??? Bilateria Triploblastischer Bau Coelenterata Ctenophora Cnidaria Radiata Diploblastischer Bau 9

10 Protostomia/Gastroneuralia Kontraktiles Rückengefäß (Herz) Mund (Urmund) Bauchmark After (sekundär) Deuterostomia/Notoneuralia Rückenmark Kiemendarm Mund (sekundär) Ventrales Herz Chorda After (Urmund) Typ der Leibeshöhle bei adulten Bilateria Arthropoda Chordata Annelida Mollusca Nemathelminthes Echinodermata Hemichordata Plathelminthes Cölom??? Nach der Hypothese von Remane sind alle Bilateria Cölomaten, also Tiere mit einer sekundären Leibeshöhle. Nach anderen Authoren (Ruppert/Barnes oder Dorrit): Nemathelminthes + Plathelminthes haben eine primäre Leibeshöhle Mixocöl Pseudocöl Schizocöl 10

11 Protozoa (7 Stämme) Metazoa Einzellige Tiere Vielzellige Tiere Eumetazoa ( echte Vielzeller) Cnidaria (Nesseltiere) Radiärsymmetrie Plathelminthes (Plattwürmer) Nemathelminthes (Rundwürmer) Mollusca(Weichtiere) Annelida(Ringelwürmer) Arthropoda (Gliederfüßler) Echinodermata (Stachelhäuter) Bilateralsymmetrie Protostomia Deuterostomia Chordata (Chordatiere) Unterreich: Protozoa (Einzellige Tiere) 11

12 Protozoa (Einzellige Tiere) Früher 1 Stamm. Jetzt aufgeteilt in 7 Stämme!!! 4 Grundorganisationsformen: Rhizopoda Flagellata Ciliata Sporozoa Wurzelfüßler Geißeltierchen Wimpertierchen Sporentierchen Flagellata (Geißeltierchen) -Ursprünglichste Protozoa -1 oder mehrere Geißeln (Flagellen) zur Fortbewegung -Ernährung autotroph (Phytoflagellata) oder heterotroph (Zooflagellata) -zahlreiche Parasiten (z.b. Trypanosoma) 12

13 Phytoflagellata Zooflagellata 1.Geißel Augenfleck 2.Geißel Kontraktile Vakuole Zellkern Euglena gracilis Paramylongranula Chloroplasten Peranema 13

14 Flagellum Undulierende Membran Zellkern Trypanosoma spec. Kinetoplast Parasitischer Zooflagellat; Erreger der Schlafkrankheit Choanoflagellata (Kragengeißler) Evolution der Metazoa (Vielzeller) Modell: Koloniebildung bei Choanoflagellaten 14

15 Evolution der Metazoa Modell: sphärische Hohlkugel mit Spezialisierung von somatischen Zellen und Geschlechtszellen; Bildung Gastrulastadium mit Urdarm Rhizopoda (Wurzelfüßler) Ca Arten -leiten sich von Flagellata ab; wechselnde Körperform -Pseudopodien zur Fortbewegung und Nahrungsaufnahme -viele Formen mit Skeletten Amoeba Cochliopodium Echinosphärium 15

16 Rhizopoda Pseudopodium Zellmembran Ektoplasma Gastriole Entoplasma Kontraktile Vakuole Pseudopodien Gastriolen Zellkern 16

17 Wie Zellen fressen und verdauen Futter Gastriole Lysosom Enzyme Zellkern Phagocytose Enzymbeigabe Durch Lysosomen Verdauung (Hydrolyse) Amöba proteus Absorption Exocytose Rhizopoda: Radiolaria Rhizopoda: Foraminifera 17

18 Amöbina: Lobopodium Die Füßchen der Rhizopoda Heliozoa: Axopodium Foraminifera: Retikulopodium Ciliata (Wimperntierchen) -höchstentwickelte Protozoa -Cilien zur Fortbewegung -Formkonstanz durch spezialisiertes Corticalplasma (Pellicula) -Kerndimorphismus (Makronucleus als somatischer Kern; Mikronucleus als generativer Kern) Paramecium Vorticella Stylonychia 18

19 Ciliata Gastriole Kontraktile Vakuole Cilien Makronucleus Mikronucleus Peristom Paramecium caudatum (Pantoffeltierchen) Kontraktile Vakuole Gastriole Kristalle Cytopharynx Wimpernschopf 19

20 Flagellum Cilium Propeller Ruder Gemeinsame Ultrastruktur: 9+2 Schema Periphere Mikrotubulidupletts Plasmamembran Basalkörper (Kinetosom) Zentrale Einzelmikrotubuli Cortikalplasma von Paramecium Cilium Rippe Zellmembran Alveolarplatte Pellicula Trichocyste Kontraktile Faser Mikrotubuli 20

21 Sporozoa - ausschließlich parasitisch Gregarina Plasmodium falciparum (Malariaerreger) 21

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