Bewegungslandschaften
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- Silvia Beckenbauer
- vor 9 Jahren
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Transkript
1 Purzelbaumtagung vom 21. November 2015 Workshop Nr. 9 Bewegungslandschaften Katja Reichen Psychomotorik-Therapeutin EDK
2 Lernen in Spiel und Bewegung Motorik Wahrnehmung Gefühle / Emotionen Sozialverhalten
3 Elementare Bewegungsbedürfnisse des Kindes: (Lienert et al. 2010) spielerisches Laufen, Davonlaufen und Schnelllaufen hochspringen und von oben hinabspringen schaukeln und weit durch den Raum schwingen Höhe erklettern und Ausschau halten den Taumel des Rollens und Drehens erleben konzentriert und erfolgreich im Gleichgewicht bleiben riskante Situationen suchen und sie mit Herzklopfen meistern Bewegungskunststücke lernen und vorführen sich bis zur wohltuenden Erschöpfung anstrengen gleiten und rutschen an und mit Sportgeräten intensiv spielen sich von fliegenden und rollenden Bällen faszinieren lassen sich im Rhythmus bewegen mit, am und im Wasser spielen raufen, kämpfen, Kräfte messen in eine Nische kriechen und sich verstecken
4 Formen der Bewegungsförderung offene Spiel- und Bewegungssituation offene Aufgabenstellung geschlossene Lernaufgabe
5 Zentrale Aspekte in der Arbeit mit Bewegungslandschaften offene Bewegungsangebote offene Organisation offene Verwendbarkeit offene Einstellung der Erwachsenen offene Entwicklung des Spiels Offenheit der Fortschritte
6 Gründe für die Arbeit mit Bewegungslandschaften Bereich Motorik: Die Kinder lernen in ihrem Tempo, den eigenen individuellen Fähigkeiten entsprechend, es gibt keinen äusseren Druck oder Zwang. Die Kinder lernen von einander, sie inspirieren sich gegenseitig. Die Eigenaktivität des Kindes wird gefördert. Das Kind probiert eigene Lösungen zu finden bei schwierigen Hindernissen.
7 Bereich der Sozialkompetenz: Die Kinder organisieren sich selber, da die Erwachsenen nicht anleiten (abwechseln, einander fragen, Konflikte austragen...). Es gibt keine Situationen, in denen sich ein Kind ausgestellt fühlen muss. Die gleich bleibenden Strukturen und Regeln geben Sicherheit und Halt. Das Aufbauen der Bewegungslandschaften fördert die Zusammenarbeit unter den Kindern (zuhören, ausführen, einander helfen, Rücksicht nehmen...).
8 Bereich der Selbstkompetenz: Freies Spielen ist lustvoll, regt an zum Ausprobieren, macht Spass. Erfolgserlebnisse sind eindrücklicher, wenn keine erwachsene Person Impulse und Hilfestellungen gibt, wenn die Initiative ganz allein vom Kind ausgeht. Das selbst bestimmte Lernen fördert die Selbstsicherheit und baut Angst ab, persönliche Grenzen können ausgeweitet werden. Die Worte "das chan ich nid" verschwinden fast ganz. Fantasie und Eigenaktivität werden angeregt, oft müssen eigene Wege gesucht werden. Das Kind kann seinem inneren Rhythmus von Spielen und Ruhen folgen, es lernt sich dadurch selber besser wahrnehmen. Das Kind trägt mehr Eigenverantwortung für sein Wohlergehen / seine Befindlichkeit.
9 Organisation / Struktur/ Regeln In jeder Stunde werden 3-4 Bewegungsstationen aufgebaut. Es wird darauf geachtet, dass pro Woche höchstens ein Posten geändert wird, so dass 2-3 Bewegungsstationen vom letzten Mal her bekannt sind. Wiederholen und vertiefen. Jede Stunde beginnt in der Mitte der Turnhalle, wo sich alle Kinder auf dem Kreis treffen. Der Erwachsene leitet eine Wahrnehmungs- und Bewegungssequenz an, die das Ankommen ermöglicht. Die Kinder lernen vorgängig die wenigen Regeln, die während der Turnstunde gelten. Abschluss der Stunde via Wahrnehmungseinheit im Kreis mit Reflexion und Feed-back- Runde in Varianten.
10 Regeln in der Bewegungslandschaft (für alle offenen Bewegungssituationen anwendbar) sich selber und einander Sorge tragen (einander nicht wehtun, nicht auslachen und drängen). Hilfe durch Stoppregel vorsichtig mit dem Material umgehen (auf heikle Posten aufmerksam machen) Glocke: Versammeln im Kreis In konfliktanfälligen Gruppen und bei Nichteinhaltung der 3 goldenen Regeln ist eine Auszeit auf der Pausenmatte empfehlenswert (evtl. mit Sanduhr).
11 Sicherheit, Absicherungen, Unfälle Erfahrungsgemäss gibt es in offenen Bewegungssituationen nicht mehr Unfälle als in anderen. Im Gegenteil, die Kinder lernen immer besser, Selbstverantwortung zu übernehmen und sich selber wahrzunehmen. Die Mattendicke muss an die jeweilige Sprunghöhe angepasst werden. Es gibt aber auch Stellen, wo die Kinder nicht herunterspringen dürfen, weil eine komplette Absicherung nicht möglich ist (z.b.: seitwärts von der schiefen Ebene). Wie in allen Bewegungssituationen sind Stürze und Zusammenstösse auch in der Bewegungslandschaft nicht völlig aus zu schliessen.
12 Interventionen / Rollenverteilung Kinder Erwachsene Das Geschehen wird den Kindern überlassen. Die Kinder selber entscheiden lassen, wann sie Hilfe brauchen. Die Kinder lösen ihre Konflikte nach Möglichkeit selber. möglichst kein Eingreifen bei Bedarf an die Stopp-Regel erinnern oder zum Gespräch hinausführen bei Gefahr eingreifen, jedoch nicht bei Kleinigkeiten auch mal lustvoll mitturnen beobachten (Beobachtungsbogen)
13 Aufstellen und Aufräumen Organisation und Hilfsmittel (Fotos der einzelnen Stationen) Wichtigste Regeln: Die Kinder, die nicht wissen, was tun, setzen sich an die Wand und warten. Niemand darf spielen, bevor nicht alle Geräte aufgestellt sind (Sicherheit!). Alternative: Eine dicke Matte wird in die Mitte der Halle gelegt und die Kinder, die nichts zu tun haben, dürfen sich auf dieser bewegen (hüpfen, rollen, ) Die Erwachsenen geben den einzelnen Kindern (oder Gruppen) immer wieder Aufträge, was sie als nächstes holen oder aufräumen müssen. Nach dem Aufstellen sind die Kinder körperlich aufgewärmt fürs Spielen.
14 Reflexion mit den Kindern wieder in Kontakt mit den Kindern treten das Erlebte austauschen die Kinder erzählen, was sie erlebt haben die Erwachsenen ergänzen, was sie beobachtet haben Die Kinder geniessen es, direktes Feedback zu hören. Es differenziert ihre Eigenwahrnehmung und erweitert das Selbstkonzept.
15 Mögliche Variationen in der Zielsetzung Die Kinder in Gruppen einteilen und den Wechsel von Posten zu Posten vorgeben strukturierte Situation. Den Kindern nach mehreren Malen in der Bewegungslandschaft eine gezielte (individualisierte) Bewegungsaufgabe geben. Den Schwerpunkt auf motorische oder soziale Ziele setzen.
16 Anpassung an das Entwicklungsalter Für ältere Kinder: mehr Stationen aufbauen herausforderndere Stationen aufbauen (z.b. Bänkli frei schwebend) die Kinder eigene Stationen mit vorgegebenem Material erfinden lassen Aufgaben stellen Burgen bauen ("Burgenvölk")
17 Umsetzung in kleinern Räumen Bewegungsecke einrichten Matten Schaumstoffklötze Decken Tücher
18 Befestigungsvorrichtung für die Hängematte, ist auch an der Decke möglich
19 Seile Bretter Bänkli Trampolin
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