Formelle Instrumente und Verfahren
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- Sofia Ingrid Böhm
- vor 9 Jahren
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1 Formelle Instrumente und Verfahren Stand: Sektion 1
2 Inhaltverzeichnis 4 Informelle Kompetenzmessung (IKM) 4 Schultests / Schulleistungstests 5 Sprachkompetenzdiagnose bei mehrsprachigen Kindern und Jugendlichen 6 Diagnostik bei Lernschwierigkeiten 8 Diagnostische Verfahren zur Feststellung von besonderen Begabungen 11 2
3
4 Formelle Instrumente und Verfahren In der pädagogisch-diagnostischen Praxis an österreichischen Schulen finden sowohl in Österreich als auch in Deutschland entwickelte Diagnoseverfahren wie z. B Lesetests, Lernstandserhebungen, Schulleistungstests, Verfahren zur Sprachstandsdiagnostik etc. Verwendung. Im Gegensatz zu Persönlichkeitstests, Intelligenztests und klinischen Verfahren, die Psycholog/innen vorbehalten sind, dürfen und sollen diese Instrumente von Lehrerinnen und Lehrern im Rahmen ihrer pädagogischen Arbeit eingesetzt werden. Dabei muss aber sicher gestellt sein, dass Lehrer/innen Theoriewissen, Kompetenz und Routinen beim Einsatz solcher Verfahren erworben haben und die gewonnenen Ergebnisse im Hinblick auf die Planung und Durchführung einer zielgerichteten Förderung der Schüler/innen nutzen. Diagnosebasierte Unterrichtsentwicklung wirkt,... wenn Lehrer/innen extern zur Verfügung gestellte Verfahren als förderdiagnostische Instrumente einsetzen, wenn die Ergebnisse zeitnah, differenziert und verständlich rückgemeldet und wenn konkrete Verbesserungsmöglichkeiten aufgezeigt werden. Informelle Kompetenzmessung (IKM) Die Informelle Kompetenzmessung (IKM) ist ein formelles, auf wissenschaftlichen Grundsätzen basierendes Verfahren, das vom BIFIE Wien in Kooperation mit universitären Projektpartner/inne/n und Praktiker/inne/n für die 3. bzw. 6. und 7. Schulstufe entwickelt wurde. Es steht den Lehrenden zum freiwilligen, informellen Einsatz in ihrem Unterricht zur Verfügung. Die Aufgabensammlung, auf der die IKM basiert, ist analog zu den Standardüberprüfungen gestaltet. Mit der IKM können Lehrende den Leistungsstand der Klasse und jede/r /s einzelnen Lernenden bezogen auf die österreichischen Bildungsstandards feststellen. Die Ergebnisse werden differenziert nach Kompetenzbereichen rückgemeldet und bieten eine Grundlage für individuelle Förderung. 4
5 Beispiel: Quelle: BIFIE Bundesinstitut für Bildungsforschung, Innovation und Entwicklung des österreichischen Schulwesens: Freigegebene Tasks IKM D3 Lesen (2010). Online: Mehr: BIFIE Bundesinstitut für Bildungsforschung, Innovation und Entwicklung des österreichischen Schulwesens: Diagnoseinstrumente zur Informellen Kompetenzmessung (IKM). Schultests / Schulleistungstests Schulleistungstests decken Bereiche ab, die Lehrende ein Berufsleben lang beurteilen: Leistungen, Wissen, Kompetenzen, Lernvoraussetzungen und spezifische Inhalte von Schulfächern. Deshalb unterstützen und ergänzen diese wissenschaftlich fundierten Messinstrumente die subjektiven Werkzeuge der Leistungsbeurteilung im Schulalltag. Übersicht über in Österreich gebräuchliche Schulleitungstests 5
6 Sprachkompetenzdiagnose bei mehrsprachigen Kindern und Jugendlichen Bildungserfolg steht in einem engen Zusammenhang zu (bildungs-)sprachlichen Kompetenzen in der Schulsprache. Aufgrund unterschiedlicher sozioökonomischer und sprachlicher Bedingungen in den Familien der Schülerinnen und Schüler ist die sprachliche Ausgangslage für die Aneignung von Bildungssprache heterogen. In den vergangenen Jahrzehnten sind verschiedene Konzepte entwickelt worden, um Schülerinnen und Schüler, deren Deutschkenntnisse für das erfolgreiche Bestehen im österreichischen Schulsystem nicht hinreichend sind, zu unterstützen. Bislang handelt es sich dabei überwiegend um Ansätze additiver Sprachförderung, in jüngerer Vergangenheit lässt sich jedoch eine Zunahme integrierter Förderung (wie im Konzept der Durchgängigen Sprachbildung, s. Gogolin/Lange 2011) verzeichnen, die sich vor allem bei Kindern in der Primarstufe als effizienter erwiesen hat (Gogolin u.a. 2011). Unabhängig vom Sprachbildungskonzept, das eine Lehrkraft oder eine Schule verfolgt, ist es ratsam, die Sprachkompetenz der Schülerinnen und Schüler hin und wieder festzustellen, um sicherzugehen, dass die Sprachbildungsangebote an die Ausgangslage anschlussfähig sind. Hierfür steht eine Vielzahl an sprachkompetenzdiagnostischen Verfahren zur Verfügung zu unterscheiden sind drei Typen: Beobachtungsverfahren, Profilanalyen und Tests. Für individuelle Förderdiagnosen besonders geeignet sind Beobachtungsverfahren und Profilanalyen. Beobachtungsverfahren... eignen sich besonders gut, um den Stand der Sprachaneignung über einen längeren Zeitraum hinweg wiederholend festzustellen. Es handelt sich im weitesten Sinne um Zusammenstellungen von sprachlichen Kriterien, die dabei unterstützen, die sprachlichen Fähigkeiten von Schülerinnen und Schüler systematisch zu erfassen. Beobachtungsverfahren knüpfen dabei einerseits an die Unterrichtsbeobachtung der Lehrkräfte an, andererseits geben sie konkret vor, auf welche sprachlichen Merkmale zu achten und wie Beobachtetes im Kompetenzspektrum zu verorten ist. Beobachtungsverfahren lassen sich gut in den Unterrichtsalltag integrieren und bieten dadurch die Möglichkeit, unterrichtsbegleitend umfassende Kompetenzprofile einzelner Schülerinnen und Schüler zu erstellen, die Stärken und Schwächen aufzeigen und sich daher gut als Grundlage für Förderentscheidungen eignen. Beispiele für Beobachtungsverfahren sind BESK (Breit/Schneider 2008), BESK DaZ (Breit u.a. 2009) und USB DaZ in Ö (Heller/Döll/Dirim 2012). Profilanalysen Bei Profilanalysen handelt es sich um Verfahren, bei denen Kompetenzprofile anhand von Sprech- oder Schreibproben ausgearbeitet werden. Dazu werden die Schülerinnen und Schüler in der Regel mit einem Bildimpuls konfrontiert und durch Aufforderungen und Fragen gezielt zu bestimmten Sprachhandlungen veranlasst. Dabei wird auf alterstypische Situationen geachtet, um nahezu spontansprachliche Äußerungen und/oder Texte von den Schülerinnen und Schülern zu erhalten. Die Proben werden im Nachgang entlang eines auf den Bildimpuls zugeschnittenen Rasters analysiert, wobei altersgruppenspezifische Schwerpunkte gesetzt werden (z. B. bildungssprachliche Elemente ab der Sekundarstufe). Das Angebot an Profilanalysen ist überschaubar: Für Kinder am Übergang vom Kindergarten in die Grundschule eignet sich das Verfahren HAVAS 5 (Reich/Roth 2004), für Kinder im Alter zwischen 10 und 12 Jahren steht das Verfahren FÖRMIG-Tulpenbeet (Reich/Roth/Gantefort 2008) zur Verfügung, für Jugendliche 6
7 ab dem 14. Lebensjahr kann FÖRMIG-Bumerang (Reich/Roth/Döll 2009) eingesetzt werden. Die drei genannten Verfahren sind nicht nur für das Deutsche, sondern auch für einige Migrations- und Minderheitensprachen verfügbar, sodass die Feststellung der Sprachkompetenz bei mehrsprachig aufwachsenden Kindern und Jugendlichen nicht auf die (Zweit-)Sprache Deutsch reduziert ist und gesamtsprachliche Kompetenzprofile erstellt werden können. Tests Testverfahren sind klassische diagnostische Instrumente und weithin bekannt: Mit ihnen kann das individuelle Kompetenzniveau diagnostiziert werden, indem den Probandinnen und Probanden Testaufgaben gestellt und, sehr knapp gesagt, das Ausmaß angemessener Antworten bzw. Reaktionen festgestellt wird. Die Ergebnisse einzelner Schüler bzw. Schülerinnen werden mit Normwerten verglichen, wodurch festgestellt werden kann, wie sich das festgestellte Kompetenzniveau im Vergleich zu den Ergebnissen einer repräsentativen Stichprobe verhält. Tests ermöglichen damit die Beantwortung der Frage, ob bei einem Schüler bzw. einer Schülerin eine Kompetenz normal oder altersgemäß ausgeprägt ist oder ob Förderbedarf besteht. Anders als bei den beiden anderen genannten Verfahrenstypen, mit denen Stärken und Schwächen in verschiedenen sprachlichen Teilbereichen beschreibende Kompetenzprofile erstellt werden können, bieten Tests in der Regel nicht die Möglichkeit festzustellen, worauf unterdurchschnittliche Ergebnisse zurückzuführen sind. Hierfür müssten weitere Diagnoseschritte angeschlossen werden. Da Tests zudem (zeit-)ökonomisch durchführbar sind, eignen sie sich besonders für Screeningzwecke. Seit einigen Jahren besonders verbreitet sind Tests zur Feststellung der Lesekompetenz, wie z. B. das Salzburger Lesescreening (Mayringer/Wimmer 2002). Seit einigen Jahren werden Vor- und Nachteile, Möglichkeiten, Grenzen und Gefahren der Sprachkompetenzdiagnose intensiv diskutiert. Unter anderem findet eine Auseinandersetzung darüber statt, welche Qualitätskriterien sprachkompetenzdiagnostische Verfahren erfüllen und welche sprachlichen Merkmale erfasst werden sollten, wenn Sprachkompetenz festgestellt werden soll (Ehlich 2005). Das Angebot an sprachkompetenzdiagnostischen Verfahren ist mittlerweile etwas unübersichtlich geworden; wer sich einen Überblick verschaffen möchte, der bzw. dem sind die folgenden Veröffentlichungen zu empfehlen: Einen ersten Überblick ermöglichen Marion Döll und İnci Dirim (2011): Sprachstandsdiagnose. In: Erziehung und Unterricht 2-1, Jänner Februar Um eine detaillierte theoretische Einführung handelt es sich bei Konrad Ehlich u.a. (2005): Anforderungen an Verfahren der regelmäßigen Sprachstandsfeststellung als Grundlage für die frühe und individuelle Förderung von Kindern mit und ohne Migrationshintergrund. Berlin: Bundesministerium für Bildung und Forschung. [Online verfügbar unter letzter Aufruf: ]. Eine umfassende Zusammenstellung und Klassifizierung von aktuell im amtlich deutschsprachigen Raum verfügbaren Verfahren bieten Angelika Redder u.a. (2011): Bilanz und Konzeptualisierung von strukturierter Forschung zu Sprachdiagnostik und Sprachförderung. Hamburg: ZUSE Berichte 2. [Online verfügbar unter letzter Aufruf: ]. Zitierte Literatur: Auer, M./ Gruber, G./ Mayringer, H./ Wimmer, H. (2005): Salzburger Lese-Screening für die Klassenstufen 5-8 (SLS 5-8). Göttingen: Hogrefe. Breit, S./ Schneider, P. (2008): Beobachtungsbogen zur Erfassung der Sprachkompetenz 4- bis 5- Jähriger in Bildungs- und Betreuungseinrichtungen. Version 1.1. Wien: BMUKK. 7
8 Breit, S./ Schneider, P./ Wanka, R./ Rössl, B. (2009): Bogen zur Erfassung der Sprachkompetenz von Kindern mit Deutsch als Zweitsprache. BIFIE/bm:ukk. Gogolin, I. / Lange, I. (2011): Bildungssprache und Durchgängige Sprachbildung. In: Fürstenau, S./Gomolla, M. (Hrsg.): Migration und schulischer Wandel: Mehrsprachigkeit. Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften, S Gogolin, I. u.a. (2011): Förderung von Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund. FörMig. Bilanz und Perspektiven eines Modellprogramms. Münster: Waxmann. Heller, L./ Döll, M./ Dirim, İ. (2012): Unterrichtsbegleitenden Sprachstandsbeobachtung Deutsch als Zweitsprache in Österreich. Entwurf 09/2012. Masch. Wien: Fachbereich Deutsch als Fremd- und Zweitsprache der Universität Wien. Informationen zum Projekt siehe Mayringer, H. / Wimmer, H. (2003): Salzburger Lese-Screening für die Klassenstufen 1-4 (SLS 1-4). Göttingen: Hogrefe. Reich, H. H./ Roth, H.-J./ Gantefort, C. (2008): Der Sturz ins Tulpenbeet. Deutsche Sprachversion. Auswertungsbogen und Auswertungshinweise. In: Klinger, T./ Schwippert, K./ Leiblein, B. (Hrsg.): Evaluation im Modellprogramm FörMig. Planung und Realisierung eines Evaluationskonzepts. FörMig Edition Band 4. Münster: Waxmann, S Reich, H. H./ Roth, H.-J./ Döll, M. (2009): Fast Catch Bumerang Auswertungshinweise, Schreibimpuls und Auswertungsbogen. In: Lengyel, D./ Reich, H.H./ Roth, H.-J./ Döll, M. (Hrsg.): Von der Sprachdiagnose zur Sprachförderung. FörMig Edition Band 5. Münster: Waxmann, S Diagnostik bei Lernschwierigkeiten Lernschwierigkeiten werden meist Schüler/inne/n zugeschrieben, die vorgegebene Lernziele nicht erreichen, die sich am Ende der Leistungsrangordnung in einer Klasse befinden oder deren Leistung sich verglichen mit bisherigen Leistungsergebnissen gravierend verschlechtert. Dabei werden Lernschwierigkeiten im pädagogischen Alltag selten mit Hilfe eindeutiger Kriterien erfasst. Um bei Lernschwierigkeiten (z. B. einer Lese-/Rechtschreibschwäche oder Rechenschwäche) erfolgreich intervenieren und individuell fördern zu können, ist eine jedoch eine differenzierte Abklärung der Ursachen durch speziell ausgebildete Lehrer/innen und gegebenenfalls durch die/den zuständigen Schulpsychologin/Schulpsychologen unerlässlich. Gänzlich außerhalb des Handlungsfelds von Lehrer/inne/n liegen Lernschwierigkeiten, die auf persönlichen Krisen, Suchtproblemen, Essstörungen, Mobbing etc. basieren. Sie erfordern eine intensive therapeutische Ausbildung und umfassende Kenntnisse in psychologisch begründeten Diagnoseverfahren. Aufgabe von Lehrer/inn/n ist es in solchen Fällen, erste Ansprechpartner/innen für Schüler/innen und Eltern sein, dabei aber nicht die Rolle einer/eines Psycholog/in, Psychotherapeut/in oder Sozialarbeiter/in zu übernehmen und stattdessen Hilfe von Spezialist/inn/en hinzuzuholen bzw. zu vermitteln. Mehr: Grundlegende Informationen zur Lese-/Rechtschreib- bzw. Rechenschwäche, Informationen zur Diagnostik bzw. schulischen Förderung finden Sie auf der Website der schulpsychologischen Bildungsberatung. Link: Link: Bundesministerium für Unterricht, Kunst und Kultur (Hrsg.) (2007). Leseschwächen erkennen. Schüler/innen individuell fördern. Fertigkeiten sichern und erweitern. Arbeitshefte zur multimedialen Schulbibliothek 2. Wien: bmukk. 8
9 Online: ( ) 9
10 Beispiel: Checkliste zur Früherkennung von Rechenschwächen Bundesministerium für Unterricht, Kunst und Kultur, Abteilung Schulpsychologie-Bildungsberatung (Hrsg.) (2008). Die schulische Behandlung der Rechenschwäche. Eine Handreichung für Pädagog/inn/en und Eltern. Wien: 2008, S. 17. Online: ( ) 10
11 Diagnostische Verfahren zur Feststellung von besonderen Begabungen Für die Identifizierung von Lernenden mit besonderen Begabungen bedarf es einer methodisch fundierten Diagnose von Expert/inn/en der psychologischen Diagnostik. In den Bereich der pädagogischen Diagnostik und somit in das Handlungsfeld von Lehrenden fallen eine erste Einschätzung und die zielgerichtete Förderung. Mehr: Österreichisches Zentrum für Begabtenförderung und Begabungsforschung (ÖZBF) (2010). FAQs zur Begabungs- und Begabtenförderung. Die häufigsten Fragen in Zusammenhang mit (Hoch)Begabung. Salzburg: ÖZBF, S. 27. Online: ( ) Link: 11
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