Pädiatrische Notfälle

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1 Pädiatrische Notfälle Folie 1

2 Umgang mit Kindern und Eltern Untersuchung auf dem Schoß der Bezugsperson ergiebiger als auf der Trage Falsche Versprechungen können zu einem Vertrauensverlust führen Verletzungen sollten rasch steril abgedeckt ( unsichtbar gemacht ) werden Vertrauen wecken durch freundliches und ruhiges Auftreten des RD-Personals Kind ist die Hauptperson Eltern aktiv in die Betreuung mit einbeziehen Folie 2

3 Pädiatrische Notfälle Im allgemeinen gilt hier das Prinzip der Minimaltherapie : d.h. dass die Manipulationen, Untersuchungen und Maßnahmen bei Kindern so gering gehalten werden sollten, wie es die Situation und das Krankheitsbild erfordert Folie 3

4 Pädiatrische Notfälle Spezielle Maßnahmen Untersuchungen des Mund-Rachenraumes nur bei akuter Atemnot (siehe Algorithmus Fremdkörperaspiration) Venöser/intraossärer Zugang nur wenn unbedingt notwendig Sauerstoffgabe meist nur durch Vorhalten der Maske möglich Folie 4

5 Pädiatrische Notfälle Anatomische und physiologische Besonderheiten Atmungsorgane Der kindliche Kehlkopf liegt höher und ist verkippt Die kindliche Schleimhaut schwillt sehr schnell an Neugeborene und Säuglinge sind Nasenatmer Höherer Sauerstoffverbrauch durch höheren Stoffwechsel Folie 5

6 Pädiatrische Notfälle Anatomische und physiologische Besonderheiten Herz-Kreislauf-System Die Herzauswurfleistung ist überwiegend frequenzabhängig Höhere Herzfrequenz Niedrigerer Blutdruck Folie 6

7 Pädiatrische Notfälle Anatomische und physiologische Besonderheiten Wasser- und Elektrolythaushalt Die Kinder haben eine größere Körperoberfläche bezogen auf das Körpergewicht Der Körperwasseranteil ist höher (ca. 75%) Folie 7

8 Pädiatrische Notfälle Anatomische und physiologische Besonderheiten Weitere Besonderheiten Kein Kältezittern möglich Schlechte Schweißsekretion Die Schädelknochen sind beim Säugling noch nicht zusammengewachsen Sehr niedrige Krampfschwelle Wenig Energiereserven und labile Temperaturregulationsmechanismen Folie 8

9 Pädiatrische Notfälle Anatomische und physiologische Besonderheiten Zeichen der Atemnot Einziehungen (zwischen Rippen, am Rippenbogen, bzw. Zwerchfellansatz) Nasenflügeln, häufig von Schwitzen begleitet Pfeifendes Atemgeräusch (Stridor) Häufig in- und exspiratorisches Giemen oder Stöhnen Beschleunigte Atmung Folie 9

10 DD: Kruppsyndrom / Epiglottitis Kruppsyndrom Epiglottitis Alter 6 Monate 3 Jahre 2 6 Jahre Beginn Langsam Akut Ursache Viren Bakterien Lokalisation Stimmbandebene und darunter Kehldeckel, oberhalb Stimmbandebene Stimme Heiser Spricht kaum Stridor In-/Exspiratorisch Inspiratorisch Gesicht Mund geschlossen, Nasenflügeln Husten Typisch bellend Kaum Körperhaltung Jede Position Sitzend Mund offen, Schluckbeschwerden Fieber Fehlend-mäßig Hoch >39 40 C Allgemeinzustand Mäßig beeinträchtig Schwer krank, still, ängstlich Folie 10

11 Kruppsyndrom/Pseudo-Krupp Spezielle Maßnahmen Feuchte Luft zuführen Gabe von Rectodelt (Cortison-Zäpfchen) durch den Notarzt Gabe von abschwellenden Nasentropfen (z.b. Otriven ) Ggf. Suprarenin inhalativ verabreichen Folie 11

12 Epiglottitis Spezielle Maßnahmen Dringende Anmeldung auf der Kinderintensivstation Alle invasiven Maßnahmen erfolgen in Narkose Ggf. Wadenwickel zur Fiebersenkung Folie 12

13 Fremdkörperaspiration Ursache Eindringen flüssiger oder fester Fremdkörper in die unteren Atemwege Häufig zwischen dem Lebensjahr (z.b. Nüsse, Bonbons, Spielzeugteile) Gefahren Verengung/Verlegung der Atemwege Hypoxie Folie 13

14 Fremdkörperaspiration Symptome Plötzlich einsetzender Husten starke Hustenanfälle In- / Exspiratorischer Stridor Giemen Tachypnoe Abgeschwächtes Atemgeräusch Brustkorbbewegungen fehlen Folie 14

15 Atemwegsverlegung durch Fremdkörper(PBLS) V.a. Atemwegsverlegungdurch Fremdkörper Ansprechbar Schweregrad feststellen Ansprechbarkeit prüfen Bewusstlos Atemwege freimachen 5x beatmen CPR beginen Schwere Atemwegsverlegung 5 Schläge auf den Rücken 5 Oberbauchkompressionen (Heimlich-Manöver) Ab >1 Jahr Leichte Atemwegsverlegung Zum Husten auffordern Kontinuierlich überwachen Folie 15

16 Kindlicher Krampfanfall (häufig Lebensjahr) Ursache Meist durch erhöhte KKT Gefahren Sturztrauma Krampfbedingte Verletzungen Symptome Fieber > 38.5 C rektal Generalisierte tonisch-klonische Krämpfe (Dauer ca min) Blass-graue, evtl. zyanotische Hautfarbe Nachschlafphase (Terminalschlaf) Folie 16

17 Kindlicher Krampfanfall Spezielle Maßnahmen Aspirationsschutz und Verletzungsschutz durch Bauchlage Abkühlen (Fiebersenkung) durch Wadenwickel (handwarm 30 ) Krampfdurchbrechung mittels Diazepam Rectiole (RA mit Notkompetenz, Notarzt) Folie 17

18 Diazepam rectiole Wirkungsweise: antikonvulsiv (krampflösend) sedierend anxiolytisch (angstlösend) leicht muskelrelaxierend zentral atemdepressiv Folie 18

19 Diazepam rectiole Indikation: Fortbestehender Grand-mal-Krampfanfall beim Säugling und Kind, Fieberkrampf Dosierung: Gewicht 5-15 kg: initial 5 mg, event. nach 10 min wiederholen Gewicht > 15 kg: initial 10 mg, keine Wiederholungsgabe! Wirkungseintritt: Inhalt der Rektiole wird rasch resorbiert Wirkung tritt innerhalb weniger Minuten ein Folie 19

20 Diazepam rectiole Wirkungsdauer: sehr variabel; Sedierung evtl. über Stunden NW: - Atemdepression - Muskelerschlaffung - Starke Sedierung - Blutdruckabfall KI: - Vorbestehende neuromuskuläre Erkrankungen, z. B. Myasthenia gravis - Alter < 4 Monate - Gewicht < 5kg Folie 20

21 Plötzlicher Kindstod / SIDS Definition Unerwarteter und ohne Vorerkrankungen eintretender Tod eines Säuglings, bei dem auch durch eine Obduktion keine hinreichend erklärende Todesursache zu ermitteln ist. SIDS = Sudden Infant Death Syndrom Häufigkeit In Deutschland: 1-3 von 1000 Lebendgeborenen Ca. 80% davon innerhalb des 1. Lebensjahres Mit einer Häufung im 2. bis 4. Lebensmonat Folie 21

22 Plötzlicher Kindstod / SIDS Spezielle Maßnahmen Reanimation (Ausnahme: sichere Todeszeichen) Kein sinnloser Transport in die Klinik Psychologische Betreuung (ggf. Notfallnachsorgeteam nachfordern) Eltern über die Notwendigkeit polizeilicher Ermittlungen informieren Folie 22

23 Kindesmisshandlung Eine nicht zufällige psychische oder physische Gewalteinwirkung mit starken Verletzungen/Entwicklungsstörungen In allen sozialen Schichten vorkommend Ca. 10% aller Verletzungen im Säuglings- und Kindesalter kommen durch Misshandlung zustande Hinweise Zwischen dem Verletzungszeitpunkt und dem Ruf des RD liegt ein längeres Zeitintervall Der behandelnde Arzt/Krankenhaus wurden häufig gewechselt Diskrepanz zwischen angeblichem Verletzungsmechanismus und klinischem Befund Folie 23

24 Kindesmisshandlung Symptome Vorliegen mehrerer Verletzungen verschiedenen Alters und Art (z.b. Hämatome) Erkennbarer formender Gegenstand (Gürtel, Stock) Zerrissenes Oberlippenbändchen bei gewaltsamer Fütterung Mangelnde Hygiene V.a. sexuellen Missbrauch: Juckreiz, Schmerzen / Blutung im Genitalbereich, Bissverletzungen Folie 24

25 Kindesmisshandlung Spezielle Maßnahmen Behandlung der Verletzungen Zum Schutz des Kindes keine voreilige Konfrontation der Eltern mit dem Misshandlungsverdacht Beachte: Eine strafrechtliche Verfolgung führt zu einer Mehrbelastung des Kindes Folie 25

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