[ TITELTHEMA] Aquakulturen
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- Stephanie Beckenbauer
- vor 9 Jahren
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1 [ TITELTHEMA] Fische werden im Vergleich zu Säugetieren häufi g als minderwertige Lebewesen angesehen. Die Öffentlichkeit akzeptiert es, dass Forellen im Restaurant ohne Nahrungs zufuhr zur Schau gestellt werden oder dass ein Alleinunterhalter im Fernsehen Fische verschluckt und wieder ausspuckt. Aktuelle Forschungsergebnisse zeigen, dass Fische deutlich höher entwickelt sind als lange Zeit angenommen. Sie können Schmerzen und Leiden empfi nden und zeigen die gleichen Stressreaktionen wie wir. Ihnen müssten die gleichen Tierschutzüber legungen zugute kommen wie Säugetieren oder Vögeln. Doch diese Erkenntnis schlägt sich weder im praktischen Umgang mit Fischen noch in der Gesetzgebung nieder. Aquakulturen Eine neue Form der Massentierhaltung 12 du und das tier 5/2010
2 Weltweit werden immer mehr Fische in kommerziellen Fischfarmen (Aquakulturen) gezüchtet. Die Bandbreite reicht von Süßwasserfischen wie Karpfen, Forelle oder Tilapia bis hin zu Meeresfischen wie Lachs, Dorade, Heilbutt oder Thunfisch, die in Teichen, Zuchtbecken, Netzgehegen und Meereskäfigen gemästet werden. Aktuell stammen 51,7 Millionen Tonnen Fisch jährlich aus der Fischzucht, bei einem durchschnittlichen Jahreswachstum von 6 8%. Der Hauptteil gezüchteter Fische stammt aus Asien, wobei China mit einem Weltmarktanteil von 67% deutlich dominiert. Von 430 Fischarten, die im Jahr 2007 in Aquakulturen gehalten wurden, hat man hundert Jahre zuvor erst 3% gezüchtet. Indem immer mehr verschiedene Arten gezüchtet wurden, stieg die Herausforderung, die unterschiedlichen Bedürfnisse der Fische kennenzulernen, die Haltungstechniken daran anzupassen und für das Wohlergehen der einzelnen Spezies zu sorgen. Wie viele Fische lassen sich auf engem Raum unterbringen? Um den Profit zu erhöhen werden Fische wie andere Nutztiere auch in zu hoher Anzahl auf geringem Raum gehalten. So kommt es vor, dass Forellen bei Besatzdichten von 80 kg/m 3 gehalten werden. Das ist vergleichbar mit einer Badewanne, in der 35 schlachtreife Forellen herumschwimmen. Die Besatzdichte sollte nicht nur das Fassungsvermögen des Wasserbehälters berücksichtigen, sondern von den speziellen Bedürfnissen der betreffenden Fischart abhängig sein. Für Fische, die natürlicherweise in großen Schwärmen leben, ist es eher akzeptabel, in höheren Besatzdichten gehalten zu werden. Für territoriale Einzelgänger nicht. Die Folge zu hoher Besatzdichten sind vielfältige Tierschutzprobleme: erhöhte Krankheitsanfälligkeit, erhöhtes Vorkommen von Flossenschäden, Augenerkrankungen (Katarakte beim Lachs), Stress, Änderungen des Schwimmverhaltens, Zunahme von Aggressionen, reduziertes Wachstum, reduzierte Futteraufnahme und erhöhte Mortalitätsraten. Oft wird argumentiert, dass niedrige Besatzdichten bei bestimmten Fischarten zu aggressiven Verhaltensweisen (Territorialverhalten) führen. Aus Tierschutzsicht darf daraus aber nicht der Umkehrschluss gezogen werden, dass diese Fische deswegen eng begrenzt gehalten werden müssten. Stattdessen muss hier zugestanden werden, dass sich territoriale Fischarten nicht für die Fischzucht eignen. Hungert der Fisch bei der Hälterung? Vor Transporten, vor einer Krankheitsbehandlungen oder vor der Schlachtung wird Fischen üblicherweise für einen gewissen Zeitraum das Futter entzogen. Dieser Vorgang wird als Hälterung bezeichnet. Er soll dazu dienen, den Magen-Darm-Bereich der Tiere von Futter- und Verdauungsresten zu reinigen, den Stoffwechsel sowie den Sauerstoffbedarf herunterzufahren und die Produktion von Fäkalien zu verringern. Als wechselwarme Tiere vertragen Fische einen Nahrungsentzug besser, als dies bei endothermen Säugetieren der Fall wäre. Trotzdem haben auch Fische eine innere Motivation zu fressen, wenn die Nahrungsreserven niedrig sind. Es gibt leider nur wenige Studien, die den Einfluss von Futterentzug auf das Wohlergehen der Fische untersucht haben. Bisherigen Erkenntnissen zufolge sollte die Hälterungszeit aus Tierschutzsicht nicht länger als 72 Stunden andauern. In der Praxis werden Fische aber wochenlang gehältert. Können Raubfische Vegetarier werden? Die meisten gezüchteten Fische sind Raubfische und damit Fleischfresser (Carnivoren). Sie werden mit Fischmehl oder Fischöl ernährt. Die für das Futter verwendeten Fische stammen zumeist aus der Fischerei. Somit wird zusätzlicher Druck auf die leer gefischten Weltmeere ausgeübt. FOTOS: OKAPIA/R. HERMANN/P. DE OLIVEIRA, IMAGO, ISTOCKPHOTO.COM/T. STALMANN du und das tier 5/
3 [ TITELTHEMA] Zuchtforellen werden auch bei uns in viel zu großer Zahl in kleinen Gewässern gehalten und gezüchtet. Die qualvolle Enge des Lebensraums fördert den Ausbruch von Krankheiten und verändert das Verhalten der Fische. Zucht Beeinträchtigende Methoden Da nur wenige Fischspezies spontan ablaichen (wie z.b. Tilapia), werden den Elterntieren die reifen Eier und Samen meist durch Streifen entnommen. Dabei wird mit der Hand Druck auf den Hinterleib des Tieres ausgeübt. Manchmal wird auch mithilfe von Nadeln Druckluft in den Hinterleib gesetzt, oder das Tier wird getötet. Etwas schonender ist es, wenn jedes Tier vor der Wasserentnahme betäubt wird. Will sich ein Betrieb diesen Aufwand sparen, so setzt er Hormone ein, um bei allen Fischen gleichzeitig die Reifung der Geschlechtsprodukte zu erreichen. Um das Eintreten der Geschlechtsreife hinauszuzögern (zu diesem Zeitpunkt verschlechtert sich die Fleischqualität); werden die Fische manipuliert. Unter anderem werden frisch befruchtete Eier Temperaturschocks oder Druck ausgesetzt, sodass die Zellen drei Chromosomensätze (triploid) anstelle von zweien aufweisen. Triploidität verursacht aber auch Gesundheits- und Tierschutzprobleme, wie Wirbelsäulendeformationen, Atemschwierigkeiten, niedrige Blut-Hämoglobinwerte und höhere Mortalitätsraten. Aus Tierschutzsicht sind sowohl das Streifen als auch das Herbeiführen der Triploidität abzulehnen. Für Gentechniker sind Fische angenehme Versuchsobjekte, da die Eier sehr groß sind, viele Eier produziert werden und sowohl die Befruchtung der Eier als auch die gesamte Embryonalentwicklung außerhalb des Körpers stattfindet. Ziel der Experimente sind schneller wachsende Fische, bessere Futterumsatzraten, Krankheitsresistenzen, Sauerstofftoleranz und Kältewiderstandsfähigkeit. Die negativen Folgen: hohe Todesraten, verkrüppelte Flossen, deformierte Kiemen, verringerte Fruchtbarkeit, verändertes Fressverhalten, gesteigerte Aggressivität etc. Die Überlebensrate beträgt in der Regel nur 35% für Gentechniker eine Erfolgsrate, für Tierschützer inakzeptabel. Wegen der begrenzten Verfügbarkeit von Fischmehl und Fischöl und der gestiegenen Preise versuchen die Betreiber von Aquakulturen, auch carnivore Fische immer häufiger mit pflanzlichen Proteinen zu füttern. Eine rein pflanzliche Fütterung von Raubfischen ist jedoch nicht artgerecht und aus Tierschutzsicht abzulehnen. Carnivore Fische müssen für ihr Wachstum mehr tierische Nahrung aufnehmen, als sie am Ende produzieren. Aus diesem Grund stellt sich generell die Frage, wie sich eine Zucht dieser Fische im Sinne der Nachhaltigkeit rechtfertigen lässt. Ökologisch empfehlenswerter wäre es, sich auf die Haltung pflanzenfressender Fische zu beschränken, beispielsweise Karpfen, Tilapia oder Pangasius. Stattdessen aber werden immer mehr carnivore Fischarten für die Zucht hergenommen. Körperliche Schäden und Krankheiten Gesundheit ist zwar nicht die einzige, aber eine wichtige Grundlage für das Wohlergehen von Tieren. Intensiv gehaltene Fische leiden unter einer Vielzahl an Krankheiten und körperlichen Schäden wie Flossenerosionen, Skelettdeformierungen, Gewebeanomalien, Katarakten, erhöhter Krankheitsanfälligkeit, Seeläusebefall und hohen Mortalitätsraten. Seeläusebefall beispielsweise ist ein großes Problem der Lachsindustrie und führt zu Verlusten über 100 Millionen US-Dollar jährlich. Bekämpft werden die Läuse mit verschiedenen Medikamenten, die über das Wasser verabreicht werden. Als biologische Abwehrhilfe dienen Putzerfische (Labridae sp), die zusammen mit Lachsen in Farmen gehalten werden und welche die Parasiten fressen. Aus Tierschutzsicht ist diese Maßnahme bedenklich, da die Putzerfische häufig von den Lachsen attackiert und gefressen werden und somit durchgehend als potenzielles Beutetier unter Stress stehen. In Fischfarmen gibt es zum Teil sehr hohe Mortalitätsraten. So wird von schottischen Lachsfarmen berichtet, 14 du und das tier 5/2010
4 dass bis zu 22% der Lachse sterben das entspricht in einem Jahr 8,1 Millionen Fischen. Selbst Wissenschaftler stellen infrage, ob Überlebensraten unter 80 90% noch zu rechtfertigen sind, um Tiere zur Nahrungsgewinnung zu halten. Handling Anfassen ist Stress Aus den Zuchtbecken werden Doraden in Netzbehälter transportiert, in denen sie bis zur Schlachtung wachsen. Sie werden mit Fischen und anderen Meerestieren gefüttert und fressen mehr, als sie schlachtreif Nahrung bieten. Millionen Fische werden in China in Aquakulturfabriken gezüchtet. Das asiatische Land liefert mehr als zwei Drittel der Zuchtfische auf dem Weltmarkt. Unten: Um an Eier zu kommen, streift man die Fische ab für Fische großer Stress. Zur Überprüfung der Geschlechtsreife, zur Gewinnung von Geschlechtsprodukten, zur Größensortierung oder zur Vorbereitung des Transportes bzw. der Schlachtung werden Fische aus dem Wasser und in die Hand genommen. Dieses Handling bedeutet für die Tiere immer Stress. Sobald sie dem Wasser entnommen werden, wird bei den Tieren physiologisch eine maximale Notfallreaktion ausgelöst. Dies sollte daher nur erfolgen, wenn absolut nötig. Beim Handling besteht auch immer die Gefahr, dass Schuppen entfernt werden oder dass der Schleimmantel der Fische verletzt wird, der die Tiere vor Infektionen und Chemikalien schützt und wichtig für die Regulation des osmotischen Drucks der Körperflüssigkeiten (Osmoregulation) und für die Fortbewegung ist. Aus Tierschutzsicht sollte das Handling von Fischen auf ein Minimum beschränkt werden (max. einmal pro Laichperiode). Auch sollten die Fische dabei stets in feuchtem Milieu verbleiben. Transporte vermeiden Fische werden während ihres Lebens mehrfach transportiert: von den Zuchtfarmen zu den Netzgehegen oder zur Schlachtstätte. Um Fische von einem Ort zum anderen zu transportieren, existieren verschiedene Techniken. Allen gemeinsam ist, dass die Fische zuerst gefangen, eingeladen, transportiert, abgeladen und umgesetzt werden müssen und dass das Gesamtprozedere großen Stress für die Tiere mit sich bringt. Schlechte Bedingungen beim Transport, wie Überfüllung oder schlechte Wasserqualität, können zu irreparablen Schäden bei den Fischen bis hin zum Tode führen. Zur FOTOS: MAURITIUS/IMAGEBROKER/J. W. ALKER, WATERFRAME, DREAMSTIME.COM/XUNBIN PAN, PHOTOLIBRARY du und das tier 5/
5 [ TITELTHEMA] Verbesserung des Schutzes der Tiere sollten die Wasserqualität und der Sauerstoffgehalt bei Transporten zu jeder Zeit den Bedürfnissen der jeweiligen Art entsprechen. Generell sollte auf Transporte verzichtet werden. Zucht, Haltung und Schlachtung sollten möglichst an einem Ort stattfinden. Oben: Lachse sind wandernde Fische, die bis Kilometer von ihrem Süßwasser-Laichgewässer ins Meer und zum Ablaichen wieder zurückschwimmen. Der Heilbutt (unten) ist ein Einzelgänger. Beide leiden in den engen Aquakulturen. Schlachtung Das Töten von Fischen Nach Ansicht des Deutschen Tierschutzbundes sollte de Schlachtung von Fischen die gleichen Grundsätze erfüllen wie die von Säugetieren und Geflügel. Sie sollte ohne Schmerz, Angst und Stress erfolgen. Die Tiere sollten so betäubt werden, dass eine sofortige Bewusstlosigkeit eintritt, die bis zum Tod anhält. Diese Forderungen sind in der Realität jedoch meist nicht zu finden. Bei einigen Betäubungs- und Tötungsverfahren leiden die Fische zwar deutlich weniger als bei anderen, aber bislang kann kein Verfahren garantieren, dass die Ansprüche an eine humane Betäubung und Schlachtung erfüllt werden. Viele der existierenden Tötungsmethoden sind für die Fische mit erheblichem Leiden über einen längeren Zeitraum hinweg verbunden. Daher forderte die EFSA (European Food Safety Authority) bereits 2004, es müssten bessere Betäubungsmethoden entwickelt werden, die zur sofortigen Bewusstlosigkeit führen, und sie wiederholte diese Aufforderung im Jahr Ein ausführliches Positionspapier des Deutschen Tierschutzbundes zu den Betäubungs- und Schlachtmethoden, die für Fische aus Aquakulturen eingesetzt werden, ist in der Bundesgeschäftsstelle erhältlich. Sie können es auch im PDF- Format erhalten. Bitte senden Sie dazu eine an Können Fische in Farmen artgerechtes Verhalten ausleben? In freier Natur wandern Lachse über Tausende von Kilometern. Der Heilbutt lebt als Einzelgänger am Meeresboden. In den gängigen Aquakulturanlagen können Fische solche Verhaltensweisen nicht ausüben. Die üblichen hohen Besatzdichten und die mangelnde Strukturierung der Tanks, Becken und Käfige bringen deutliche Einschränkungen des normalen Verhaltens mit sich. Beim Heilbutt wurde in Zuchtanlagen oft senkrechtes Schwimmverhalten beobachtet, was in freier Wildbahn so nicht vorkommt. Dieses Verhalten wird genauso wie das Kreisschwimmen von Atlantischen Lachsen in Meereskäfigen mit dem stereotypischen Hin- und Herlaufen bestimmter Zootiere im Gehege verglichen. Es ist deswegen dringend geboten, auch in Aquakulturen die Gehege mit artgemäßen Strukturierungen anzureichern. So sollten je nach Fischart verschiedene Ebenen, Rückzugsmöglichkeiten, passendes Bodensubstrat, Unterwasserfütterungen oder andere Enrichment - Maßnahmen von Wissenschaft und Industrie entwickelt und vorangetrieben werden. Auswirkungen von Aquakulturen auf die Umwelt Offene Aquakulturanlagen schädigen, obwohl es zwischenzeitlich Verbesserungsversuche gab, massiv die Umwelt. Arzneien, Fäkalien und Nährstoffe treten aus den Zuchtanlagen aus und verschmutzen das Wasser, was dazu führt, dass in der unmittelbaren Umgebung von manchen Farmen kaum noch anderes Leben 16 du und das tier 5/2010
6 vorgefunden wird. Auch lässt sich nicht verhindern, dass Farmfische entweichen oder Fische in den Meerskäfigen ablaichen und die frühen Lebensstadien entkommen. Die Vermischung von Wild- und Zuchtfischen ist in vielerlei Hinsicht problematisch, vor allem wenn Fischarten entweichen, die im umgebenden Habitat natürlicherweise nicht vorkommen würden. Weiterhin gibt es Aquakulturen von Fischen, bei denen die künstliche Nachzucht noch nicht gelingt, weshalb immer wieder auf Wildfänge zurückgegriffen wird (z.b. Aal, Thunfisch). Auf Wildfänge sollte aus ökologischen, aber auch aus Tierschutzgründen, nicht zurückgegriffen werden. Gelingt die Aufzucht in geschlossenen Anlagen nicht, so ist die betreffende Fischart für die kommerzielle Haltung nicht geeignet. Rechtliche Regelungen fehlen Bis heute gibt es keine rechtlich bindenden Vorgaben zur Haltung von Fischen in Aquakulturen, abgesehen von den allgemeinen Vorgaben der EU-Richtlinie 98/58/EG zu Mindestnormen für den Schutz landwirtschaftlicher Nutztiere und seuchenhygienischen Vorschriften. Zwar hat der Europarat 2005 Empfehlungen für die Haltung von Zuchtfischen veröffentlicht, die Ergänzung mit Anhängen zu den einzelnen Fischarten ist aber noch nicht abgeschlossen. Entwürfe zu Karpfen, Europäischem Aal, Wels, Kabeljau, Saibling, Wolfsbarsch und Dorade liegen vor. Die Europäische Lebensmittelbehörde (EFSA) hat sich in den letzten Jahren intensiv mit Fischen beschäftigt und verschiedene Gutachten zu den Tierschutzaspekten bei der Haltung von Regenbogenforelle, Wolfsbarsch und Dorade, Lachs, Europäischem Aal und Karpfen veröffentlicht. Diese Arbeiten sollen als wissenschaftliche Grundlage für kommende Rechtssprechung dienen. Ökologische Aquakultur Ökologische Aquakultur ist ein relativ junges Segment der Biobranche. Zunächst gab es von einzelnen Bio- Verbänden wie Naturland Richtlinien zur Bio-Aquakultur. Mit den am 29. Juli 2009 verabschiedeten Durchführungsbestimmungen für die ökologische Aquakultur im Rahmen der neuen EU-Ökoverordnung 1 gibt es erstmals eine europaweite gesetzliche Regelung für Biofisch und -meeresfrüchte. Die EU-weite Regelung ist aus Tierschutzsicht schlechter als die Richtlinien der Bioverbände. So sind die Besatzdichten für die meisten Fischarten sehr hoch angesetzt. Bei Forellen beispielsweise sind mit 25 kg/m 3 mehr als das Doppelte als bei z.b. Naturland zugelassen. Auch dürfen Wildfänge zu Zuchtzwecken eingesetzt werden und Europäische Glasaale trotz ihres Bedrohungsstatus als Besatzmaterial. Nicht für die Zucht geeignete Fischarten werden nicht ausgeschlossen. Kritik aus den eigenen Reihen erhalten die Fisch vertreibenden Bioverbände, da sie auch aus fernen Ländern wie Südostasien Garnelen und Fische importieren, was als ökologischer Widerspruch empfunden wird. Ausblick Weltweit gibt es mehr als verschiedene Fischspezies, von denen 430 kommerziell gezüchtet werden. Der Forschungsbedarf ist immens, denn die Kenntnisse über die arteigenen Bedürfnisse der Fische sind dürftig. Fische sind als leidens- und schmerzensfähige Lebewesen zu betrachten und verdienen genauso wie Säugetiere und Vögel unseren Respekt. Deswegen ist es höchste Zeit, rechtliche Vorschriften zu entwickeln, welche den Bedürfnissen der gehaltenen Fische gerecht werden. Dabei muss anerkannt werden, dass viele Fischarten aus Tierschutzgründen für die Fischzucht ungeeignet sind und dass die aktuell üblichen Haltungsformen nicht Standard bleiben dürfen. HENRIETTE MACKENSEN 1) Verordnung (EG) Nr. 834/2007; Verordnung (EG) Nr. 710/2009 Fische Verbraucher- Tipps Durch Überfischung der Meere sind die Bestände der meisten Fischarten bedroht. Beliebte Speisefische wie Lachs, Kabeljau und Thunfisch, wurden durch zu hohe Fangquoten und illegale Fangflotten stark dezimiert. Die Zucht und Haltung von Fischen in Aquakulturen birgt ebenfalls eine Vielzahl tierschutzrelevanter Probleme und die Meere werden dennoch leer gefischt. Ein verändertes Verbraucherverhalten, das sich mehr am Tier- und Umweltschutz orientiert, kann jedoch zu einer Besserung der Lage beitragen. Das kann der tierschutzbewusste Verbraucher tun: Am konsequentesten ist es, völlig auf den Konsum von Fisch zu verzichten. Wer Fisch essen möchte, sollte ihm eine besondere Stellung einräumen und nicht jeden Tag Fisch auf den Speiseplan setzen. Auf den Kauf von besonders bedrohten Fischarten wie z.b. Aal, Schwertfisch oder Dornhai sollte man verzichten. Bei Meeresfischen auf Labels wie friends of the sea oder MSC (Marine Stewardship Council) achten, die zumindest eine nachhaltigere Fischerei garantieren. Tierschutzstandards sind mit diesen Siegeln allerdings nicht festgelegt. Bei Zuchtfischen sollten anstelle von carnivoren Fischarten Pflanzenfresser gekauft werden (z.b. heimischer Karpfen). Bio-zertifizierte Fische aus Aquakulturen sind konventionell gezüchteten Fischen vorzuziehen, da bei deren Haltung zumindest höhere Anforderungen an Umweltund Tierschutz gestellt werden. FOTOS: IMAGO, GETTY IMAGES/P. NICKLEN du und das tier 5/
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