Teilmärkte & Marktsegmente was heißt das?
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- Henriette Förstner
- vor 8 Jahren
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1 19. Treffen der AG Methoden im IK KomWoB Teilmärkte & Marktsegmente was heißt das?, Team Wohnungsmarktbeobachtung grün = gesprochene Erläuterungen und Diskussionsergebnisse aus der AG Die Begriffe Teilmarkt und Marktsegment tauchen im Kontext der Wohnungsmarktbeobachtung immer wieder auf. Vielen dürfte jedoch unklar sein, was sie genau bedeuten bzw. wodurch sie sich unterscheiden. Ziel des Beitrags ist es daher, dieses semantische Feld etwas beleuchten - welche Definitionen gibt es, aus welchen Zusammenhängen kommen sie und wofür sind sie relevant? Quellen: div. Lehrbücher zum Marketing, zur Stadt-/Wohnsoziologie und Internet.
2 1 Marktsegment ist ein Begriff aus dem Marketing Ausschnitt eines Marktes mit einer bestimmten Angebots-Nachfrage-Konstellation, d.h. es geht um die Abgrenzung unterscheidbarer Zielgruppen, die spezifische Produkte nachfragen Ziel : Ausrichtung von Marketing/gesamter Unternehmensaktivität auf diese Segmente, um den Markt passgenau bearbeiten zu können Beispiele für Marktsegmentierungen: Demographisch (Soziogeographisch, sozioökonomisch, soziodemographisch) Geographisch und Mikrogeographisch Psychographisch (Persönlichkeitsmerkmale, produktspezifische Merkmale) Verhaltensorientiert/beobachtbares Kaufverhalten (Preisverhalten, Mediennutzung, Einkaufsstättenwahl, Produktwahl d.h. Markenwahl, Kaufvolumen, Verbrauchsintensität) Segmentierung nach Rentabilität (im Dienstleistungsbereich - Ziel: unrentable Kunden loswerden, andere aufsteigen lassen ) Kombinierte Segmentierungs-Ansätze (z.b. demographisch-psychographische Profile wie die Sinus-Milieus, geodemographische Segmentierung wie Mikrom-Milieus/vhw) 2 soziogeographisch: Räume mit vergleichbarem Nachfragestrukturen sozioökonomisch: z.b. Beruf, Einkommen, Haushaltsgröße, Ausbildung, soziodemographisch z. B. Alter, Geschlecht, Größe, Gewicht, Familienstand, Kinderzahl, Nationalität, Religion Mikrogeographisch: nach Lebensräumen, die von Menschen mit gleichen Werten, gleichem Lebensstil oder Sozialstatus gemeinsam eingenommen werden ( gleich zu gleich gesellt sich gerne, Neighbourhood-Affinity ) Psychographisch: bezieht sich auf allgemeine Persönlichkeitsmerkmale der Käufer, etwa Typologien wie Yuppies, Double income no kids (DINKs), oder produktspezifische Merkmale (absatzrelevante Kriterien wie deren Kernnutzen, Zusatznutzen, Güterklassen, Art des Konsumes bzw. Verbrauches; oder Szene- Marketing (nach Lifestyle, Treffpunkten; häufig bei neuen Trendsportarten, Getränken) Verhaltensorientiert/beobachtbares Kaufverhalten (Preisverhalten, Mediennutzung, Einkaufsstättenwahl, Produktwahl d.h. Markenwahl, Kaufvolumen, Verbrauchsintensität) Segmentierung nach Rentabilität (im Dienstleistungsbereich - Ziel: unrentable Kunden loswerden, andere binden und aufsteigen lassen, gem. sog. Customer Pyramid ) Kombinierte Segmentierungs-Ansätze (z.b. demographisch-psychographische Profile wie die Sinus-Milieus, geodemographische Segmentierung wie Mikrom- Milieus/vhw
3 Marktsegmentierung im Wohnungswesen Marktsegmentierung im Wohnungswesen genutzt von gewerblicher Wohnungswirtschaft (Marktforschung und Marketings von gewerblichen Wohnungsvermietern und verkäufern, Beratungsbüros) obwohl sie es wahrscheinlich nicht so nennt: Stadtplanung/Wohnungspolitik (Wanderungsmotivbefragungen, zielgruppenspezifische Politiken) Marketing (Produktentwicklung, Werbung) und Organisation (Geschäftsfelder, Vertrieb) eines (Wohnungs-) Unternehmens kann auf einzelne Marktsegmente ausgerichtet sein, z.b. Pflegeheime, betreutes Wohnen u.ä. Bauträger-Eigenheime für Schwellenhaushalte, junge Familien Günstige, kleinere Bestandwohnungen (Miete, Kauf) für Starterhaushalte besonders intensive Zielgruppenansprache bei Einzelprivatisierung 3 2 Der Begriff Teilmarkt bezieht sich auf Produkte/das Angebot Produktpaletten werden nach den Produkteigenschaften oder der Art ihrer Herstellung in Teilmärkte (=Produktgruppen) unterteilt. Nachfrager/Zielgruppen spielen hier keine Rolle Teilmärkte in der Immobilienbranche (Grobunterteilung) Wohnimmobilien Gewerbeimmobilien Industrieimmobilien Landwirtschaftliche Immobilien Spezialimmobilien eher geringe Zusammenhänge zwischen den Teilmärkten angenommen 4
4 2 Teilmärkte im Wohnungswesen Teilmärkte im Wohnungswesen (Feinunterteilung) nach Eigentumsform: Miete/Wohneigentum nach Baualter: Neubau/Bestand nach Sanierungszustand nach Finanzierung: frei finanziert/öffentlich gefördert nach Bauform: Geschosswohnung, Einfamilienhaus (freistehend, RH, DHH etc.) nach Siedlungstyp: Großsiedlung, Zechensiedlung, Eigenheimgebiete, innerstädtische Altbauviertel, etc. usw. deutlich: Zielgruppenaspekt kann nicht immer ausgeblendet werden Begriffe verschwimmen etwas Zwischenfazit Teilmarkt: Produktbezogen, übliche Unterscheidung in der Wohnungswirtschaft Marktsegment: Zielgruppenbezug, aus dem Marketing, in der Wohnungswirtschaft also erst seit kurzem relevant ein Teilmarkt kann auch Marktsegment sein, wenn es spezifische Nutzer gibt (z.b. Altenheime), in der Regel dürften sich Produkte eines Teilmarkts aber auf verschiedene Marktsegmente aufteilen (insbesondere im Bestand) In der Praxis werden die Begriffe Marktsegment und Teilmarkt allerdings meist nicht trennscharf, z.t. sogar synonym verwendet Außerdem: Vermischung mit weiterer Begriffsdefinition aus der Stadtsoziologie (ff.) 5
5 3 Theorie der segmentierten Wohnungsmärkte (Ipsen) Ergänzung & Einschränkung der Sicker-Theorie (H. Westphal; Wohnungen sickern mit zunehmenden Alter/Abnutzung in günstigere Preisbereiche ab, Haushalte steigen im Verlauf der Wohnbiographie in teurere Teilmärkte auf und machen günstigere Wohnungen frei) Kernthesen: Wohnungsmarkt zerfällt in (+/-) separate Teilmärkte. Innerhalb der Teilmärkte ähneln sich Qualitäten u. Preise. Zugangsprobleme zu anderen Teilmärkten überlagern das Zusammenspiel von Angebot und Nachfrage bei der Preisbildung Unterschiedliche Bevölkerungsgruppen haben unterschiedliche Zugangsmöglichkeiten zu den einzelnen Teilmärkten 5 Gatekeeper (= Türhüter, ursprünglich ein Begriff aus dem Bildungswesen, auf Wohnungsmarkt übertragen) Personen/Institutionen an Schlüsselpositionen, die Zugangsschwellen kontrollieren (z.b. Bildung/berufl. Aufstieg): Gatekeeper am Wohnungsmarkt: private Vermieter und Makler ( unerwünschte oder vermeintlich unverwünschte Mieter bleiben außen vor, so lange es der Markt zulässt). Das ist relevant für den Zugang zu besseren Stadtteilen/höherwertigen Mietwohnungen Vermietungsbüro der Wohnungsgesellschaft oder Genossenschaft kommunale Wohnraumvermittlung für Sozialwohnungen beim Wohneigentum: Bauträger kann sortieren, z.b. wenn er Migrantenanteil niedrig halten will, weil er sonst Desinteresse deutscher Haushalte (und damit langsamere Gesamtvermarktung) fürchtet; auch die Kommune kann bei Baulandverkäufen sortieren; ebenso bei der Mieterprivatisierung (bisher allerdings keine Indizien) - teilweise
6 3 Theorie der segmentierten Wohnungsmärkte (Ipsen) Zugangsmöglichkeiten zu den einzelnen Teilmärkten bestimmt durch Einkommen Informationsflüsse (persönliche Kontakte sind immer noch wichtiger Weg, von einer neuen Wohnung zu erfahren sozial selektiv) Diskriminierung/ Schließung durch Gatekeeper (Türhüter/Türsteher) Typisierung der Teilmärkte nach Zugangsmöglichkeit + Wohndauer (Friedrichs, Keim): Eigentumswohnungen, Eigenheime (stabile/hohe Einkommen als Voraussetzung) Sozialmietwohnungen (niedrige Einkommen, aber oft subjektive Belegungskriterien) frei finanzierte Mietwohnungen Teilmarkt der mobilen Unterschicht mit rel. hohen Mieten Teilmarkt der rel. immobilen Mittelschicht mit rel. geringen Mieten Teilmarkt der mobilen, gehobenen Schicht mit durchschnittlichen Mieten 6 Gatekeeper (= Türhüter, ursprünglich ein Begriff aus dem Bildungswesen, auf Wohnungsmarkt übertragen) Personen/Institutionen an Schlüsselpositionen, die Zugangsschwellen kontrollieren (z.b. Bildung/berufl. Aufstieg): Gatekeeper am Wohnungsmarkt: private Vermieter und Makler ( unerwünschte oder vermeintlich unverwünschte Mieter bleiben außen vor, so lange es der Markt zulässt). Das ist relevant für den Zugang zu besseren Stadtteilen/höherwertigen Mietwohnungen Vermietungsbüro der Wohnungsgesellschaft oder Genossenschaft kommunale Wohnraumvermittlung für Sozialwohnungen beim Wohneigentum: Bauträger kann sortieren, z.b. wenn er Migrantenanteil niedrig halten will, weil er sonst Desinteresse deutscher Haushalte (und damit langsamere Gesamtvermarktung) fürchtet; auch die Kommune kann bei Baulandverkäufen sortieren; ebenso bei der Mieterprivatisierung (bisher allerdings keine Indizien) teilweise auch Nachbarschaft, Hausmeister
7 3 Segmentierte Wohnungsmärkte: Strukturen Diskriminierungszuschläge : Verhandlungsspielraum der Nachfrager sinkt, je kleiner das zugängliche Angebot ist überteuerte Angebot müssen akzeptiert werden Teilmärkte sind räumlich zu verorten entsprechen meist bestimmten Stadtteilen, Stadtteiltypen oder Lagen Image der Orte erzeugt Barrieren und umgekehrt wesentlicher Faktor für soziale Entmischung und deren Verfestigung in angespannten Märkten bei hoher Fluktuation schlechtes Preis-Leistungs- Verhältnis in unattraktiven Stadtteilen und im Ergebnis oft teurere Mieten unklar: Inwiefern gibt es diese Muster auch auf entspannten Märkten? These: Zugangschancen verbessern sich, aber nicht für alle in gleichem Maße 7
8 Beispiel: Marktsegmentierung nach Preisen 11,00 10,00 9,00 8,00 7,00 6,00 Mietpreissegmente 2006 im Vergleich ( je qm netto kalt) (empirica Preisdatenbank; Quelle: IDN Immodaten GmbH) D W ME KL Unterschiedliche Spannen zwischen teuren und günstigen Angeboten (Ausdifferenzierung insbesondere in den oberen Preisbereichen) 5,00 4,00 BOR HSK 3,00 10er-Perzentil (billige WE) 25er-Perz. (unt. Preisber.) Median (50/50) 75er-Perz. (ob. Preisber.) 90er-Perz. (teure WE) Grafiken: Wfa; Datenquelle: empirica-preisdatenbank (IDN Immodaten GmbH) 8 Hier ist wohl der Segmentbegriff angebracht: Man spricht in der Regel von Preissegmenten. Diese geben einzig und allein Aufschluss über die finanziellen Anforderungen an die Nachfrager, nicht über Art des Produkts Perzentil: Einteilung nach Anteil am Gesamtangebot: Der Wert für das 10er- Perzentil gibt die Preisgrenze an, unterhalb derer die 10 % günstigsten Wohnungen liegen; 90er-Perzentil: oberhalb liegt das teuerste Zehntel des Angebots Es gibt keine klaren/anerkannten Grenzen, üblich sind etwa auch 20er- Schritte. 10er-, 90er-Perzentil und Median (50er-Perzentil) werden aber recht häufig benutzt. Fazit: Es gibt Märkte mit klarer Preissegmentierung und solche, wo diese kaum wahrnehmbar ist.
9 40 Beispiel: Marktsegmentierung (?) nach Wohnungsgrößen 50 % Teilmärkte offenbar in Düsseldorf (li.) autonomer als in Duisburg (re.) 1-Zimmer-Wohnung 2-Zimmer-Wohnung 3-Zimmer-Wohnung 4-Zimmer-Wohnung 4- und mehr Zimmer-Wohnung Mieteinfamilienhäuser 50 % 40 1-Zimmer-Wohnung 2-Zimmer-Wohnung 3-Zimmer-Wohnung 4-Zimmer-Wohnung 4- und mehr Zimmer-Wohnung Mieteinfamilienhäuser /m 2 bis und mehr Wfa-WoB NRW /m 2 bis und mehr Wfa-WoB NRW 2007 Grafiken: Wfa; Datenquelle: empirica-preisdatenbank (IDN Immodaten GmbH) 9 Hier ist weniger klar, ob nun Marktsegmentierung oder Teilmarkt der richtige Begriff ist, denn hier spricht man sowohl die Wohnungseigenschaft als auch die Ziegruppen (Haushaltsgrößen) an. Eher aber: Teilmarkt Erläuterung der Diagramme: Skalierung in % (der Angebote in der jeweiligen Größenkategorie) Düsseldorf: Alle Wohnungsgrößen sind preislich stark ausdifferenziert (flache Häufigkeitsverteilung) das heißt es gibt ein unteres, ein mittleres, aber auch ein ausgeprägtes oberes Preissegment. 2-Zimmer-WE bilden das (relativ gesehen, d.h. je Quadratmeter) günstigste Marktsegment; WE mit 1, 3 oder 4 Zimmern sind annähernd gleich teuer und haben auch eine ähnliche Preisverteilung. Am teuersten auch relativ - sind große Wohnungen und Mieteinfamilienhäuser; hier dehnt sich das obere Preissegment am stärksten aus. Duisburg: Im Gegensatz zu Düsseldorf ist haben alle Wohnungsgrößen eine fast deckungsgleiche und zudem spitze Preisverteilung, d.h. der Wohnungsmarkt ist wenig ausdifferenziert. Das obere Marktsegment wird größtenteils aus Mieteinfamilienhäusern gebildet. Ähnliche Strukturen gibt es in fast allen Ruhrgebietsstädten entweder ein Spiegel der (früheren) Wirtschaftsstruktur (Dominanz des Arbeiterwohnungsbaus) oder vielleicht auch ein Resultat der Marktentspannung, als deren Folge die Unterschiede zwischen den Segmenten möglicherweise abgenommen haben.
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