AUTOMATISIERTE HANDELSSYSTEME



Ähnliche Dokumente
Die drei Kernpunkte der modernen Portfoliotheorie

Portfoliotheorie. Von Sebastian Harder

Planen mit mathematischen Modellen 00844: Computergestützte Optimierung. Autor: Dr. Heinz Peter Reidmacher

Würfelt man dabei je genau 10 - mal eine 1, 2, 3, 4, 5 und 6, so beträgt die Anzahl. der verschiedenen Reihenfolgen, in denen man dies tun kann, 60!.

Risikoeinstellungen empirisch

Portfolioselection. Zentrale Frage: Wie stellen rationale Investoren ihr Portfolio zusammen?

Mehr Rendite bei weniger Risiko

Portfoliotheorie. Von Meihua Peng

geben. Die Wahrscheinlichkeit von 100% ist hier demnach nur der Gehen wir einmal davon aus, dass die von uns angenommenen

Risikodiversifikation. Birgit Hausmann

Korrelationen, Portfoliotheorie von Markowitz, Capital Asset Pricing Model

Individuelle Vermögensbildung und Altersvorsorge

Lineargleichungssysteme: Additions-/ Subtraktionsverfahren

einfache Rendite

Welche Lagen können zwei Geraden (im Raum) zueinander haben? Welche Lagen kann eine Gerade bezüglich einer Ebene im Raum einnehmen?

Ermittlung der Bevorzugung einer Investitionsvariante aufgrund des Vergleichs der Kosten, die bei den verschiedenen Varianten entstehen.

CAPM Die Wertpapierlinie

Investition und Finanzierung. Investition Teil 1

Korrigenda Handbuch der Bewertung

Zeichen bei Zahlen entschlüsseln

Kapitalmarktlinie. von Kirstin Muldhoff

Prüfung: Vorlesung Finanzierungstheorie und Wertpapiermanagement

OECD Programme for International Student Assessment PISA Lösungen der Beispielaufgaben aus dem Mathematiktest. Deutschland

W-Rechnung und Statistik für Ingenieure Übung 11

QM: Prüfen -1- KN

Informationsblatt Induktionsbeweis

Warum Sie dieses Buch lesen sollten

Einfache Varianzanalyse für abhängige

Leseprobe. Wilhelm Kleppmann. Versuchsplanung. Produkte und Prozesse optimieren ISBN: Weitere Informationen oder Bestellungen unter

Professionelle Seminare im Bereich MS-Office

Übung 2 Erfolgsrechnung

Quadratische Gleichungen

Daten sammeln, darstellen, auswerten

Die Gleichung A x = a hat für A 0 die eindeutig bestimmte Lösung. Für A=0 und a 0 existiert keine Lösung.

Korrelation (II) Korrelation und Kausalität

Primzahlen und RSA-Verschlüsselung

Musterlösungen zur Linearen Algebra II Blatt 5

Kurs 00091: Finanzierungs- und entscheidungstheoretische Grundlagen der Betriebswirtschaftslehre

Info zum Zusammenhang von Auflösung und Genauigkeit

Der Leverage-Effekt wirkt sich unter verschiedenen Umständen auf die Eigenkapitalrendite aus.

Simulation LIF5000. Abbildung 1

Portfoliorisiko und Minimum Varianz Hedge

Die Größe von Flächen vergleichen

4. Versicherungsangebot

Abschlussprüfung Realschule Bayern II / III: 2009 Haupttermin B 1.0 B 1.1

Kurs 00091: Finanzierungs- und entscheidungstheoretische Grundlagen der Betriebswirtschaftslehre

In konstanten Modellen wird davon ausgegangen, dass die zu prognostizierende Größe sich über die Zeit hinweg nicht verändert.

Mean Time Between Failures (MTBF)

Existenzgründer Rating

Geld wechseln kann als Visualisierung des Zehnerübergangs dienen. Die Zwischengrössen (CHF 2.-, 5.-, 20.-, 50.-) weglassen.

Ist Fernsehen schädlich für die eigene Meinung oder fördert es unabhängig zu denken?

1.3 Die Beurteilung von Testleistungen

Protokoll des Versuches 7: Umwandlung von elektrischer Energie in Wärmeenergie

Lehrer: Einschreibemethoden

Güte von Tests. die Wahrscheinlichkeit für den Fehler 2. Art bei der Testentscheidung, nämlich. falsch ist. Darauf haben wir bereits im Kapitel über

Inventur. Bemerkung. / Inventur

Eckpfeiler der neuen Regelung:

Tutorium zur Mikroökonomie II WS 02/03 Universität Mannheim Tri Vi Dang. Aufgabenblatt 3 (KW 44) ( )

Access [basics] Gruppierungen in Abfragen. Beispieldatenbank. Abfragen gruppieren. Artikel pro Kategorie zählen

Was bedeutet Inklusion für Geschwisterkinder? Ein Meinungsbild. Irene von Drigalski Geschäftsführerin Novartis Stiftung FamilienBande.

Wachstum 2. Michael Dröttboom 1 LernWerkstatt-Selm.de

Media Teil III. Begriffe, Definitionen, Übungen

Aufgabe 1: Steuerwirkungen auf Investitionsentscheidungen (22 Punkte)

Widerrufsbelehrung der Free-Linked GmbH. Stand: Juni 2014

PTV VISWALK TIPPS UND TRICKS PTV VISWALK TIPPS UND TRICKS: VERWENDUNG DICHTEBASIERTER TEILROUTEN

Erläuterungen zu Leitlinien zum Untermodul Krankenversicherungskatastrophenrisiko

ACHTUNG: Voraussetzungen für die Nutzung der Funktion s-exposé sind:

Einführung in die Algebra

4. Erstellen von Klassen

Schleswig-Holstein Kernfach Mathematik

Zahlenwinkel: Forscherkarte 1. alleine. Zahlenwinkel: Forschertipp 1

BERECHNUNG DER FRIST ZUR STELLUNGNAHME DES BETRIEBSRATES BEI KÜNDIGUNG

AGROPLUS Buchhaltung. Daten-Server und Sicherheitskopie. Version vom b

Bundesverband Flachglas Großhandel Isolierglasherstellung Veredlung e.v. U g -Werte-Tabellen nach DIN EN 673. Flachglasbranche.

Statistische Auswertung:

Physikalisches Praktikum

Aufgabensammlung Bruchrechnen

Repetitionsaufgaben Wurzelgleichungen

Lineare Funktionen. 1 Proportionale Funktionen Definition Eigenschaften Steigungsdreieck 3

1 Mathematische Grundlagen

ONLINE-AKADEMIE. "Diplomierter NLP Anwender für Schule und Unterricht" Ziele

Finanzwirtschaft. Teil II: Bewertung. Zinssätze und Renten

CAPM Die Wertpapierlinie

Access [basics] Rechnen in Berichten. Beispieldatenbank. Datensatzweise berechnen. Berechnung im Textfeld. Reporting in Berichten Rechnen in Berichten

Modellbildungssysteme: Pädagogische und didaktische Ziele

Grundlagen der Theoretischen Informatik, SoSe 2008

Berechnung der Erhöhung der Durchschnittsprämien

7 Rechnen mit Polynomen

Kapitel 4 Die Datenbank Kuchenbestellung Seite 1

LU-Zerlegung. Zusätze zum Gelben Rechenbuch. Peter Furlan. Verlag Martina Furlan. Inhaltsverzeichnis. 1 Definitionen.

Umgang mit Schaubildern am Beispiel Deutschland surft

Approximation durch Taylorpolynome

Wahl- und Wechselmöglichkeiten im Lebensphasenmodell

ANLAGEFONDS Arbeitsauftrag

Bürgerhilfe Florstadt

50. Mathematik-Olympiade 2. Stufe (Regionalrunde) Klasse Lösung 10 Punkte

Vorratsgesellschaften Der schnelle Weg zum eigenen Unternehmen interna

Statuten in leichter Sprache

Ein neues System für die Allokation von Spenderlungen. LAS Information für Patienten in Deutschland

Transkript:

UweGresser Stefan Listing AUTOMATISIERTE HANDELSSYSTEME Erfolgreich investieren mit Gresser K9 FinanzBuch Verlag

1 Einsatz des automatisierten Handelssystems Gresser K9 im Portfoliomanagement Portfoliotheorie nach Markowitz Risiko- und Renditequantifizierung eines Wertpapiers Die klassische Portfoliotheorie basiert auf den Betrachtungen von Harry M. Markowitz. Er geht zunächst von folgenden zentralen Prämissen aus: Ein Investor verhält sich bei einer Anlageentscheidung risikoscheu. Der Grad der Risikoaversion ist individuell unterschiedlich. Der Anleger handelt rational und nutzenmaximierend. Jede Anlagealternative wird nicht nur auf ihre Renditechance, sondern auch auf ihr Verlustpotenzial untersucht. Der Kapitalmarkt ist vollkommen. Ziel der Portfoliotheorie ist es,durch geschickte Wahl der Anlagen eine Diversifikation im gesamten Portfolio des Anlegers zuerreichen. Es soll dabei das Risiko imgesamtportfolio bei gleicher Rendite geringer sein als in einer Einzelanlage. Imfolgenden Kapitel soll die Ermittlung eines theoretisch optimalen Portfolios untersucht werden. Um Anlagen unterschiedlicher Natur vergleichbar zu machen, sind Messgrößen zur Ermittlung von Risiken und Renditechancen eingeführt worden. Diese Ertragsaussichten können als Zufallsvariablen angenommen werden, deren Realisation von verschiedenen zukünftigen Umweltzuständen zum Beispiel Zins- und Konjunkturentwicklungen abhängt. Im nächsten Schritt werden diesen prognostizierten Szenarien spezifische Eintrittswahrscheinlichkeiten zugeordnet. Anschließend erfolgt eine Schätzungder durch die Szenarien hervorgerufenen Renditeausprägungen der untersuchten Wertpapiere.

UweGresser Automatisierte Handelssysteme Der Erwartungswert der zukünftigen Rendite eines Wertpapiers berechnet sich nach der Formel: μ i =erwartete Rendite des Wertpapiers i p z =Eintrittswahrscheinlichkeit von z r z i =Rendite des Wertpapiers ibei Eintritt von z z =Umweltzustand wobei die Summe aller Eintrittswahrscheinlichkeiten gleich 1sein muss: Der Erwartungswert ergibt sich somit aus der Summe der mit den jeweiligen Eintrittswahrscheinlichkeiten gewichteten entsprechenden Renditeausprägungen. Er ist eine erste Messgröße, umverschiedene Wertpapiere bezüglich ihrer Renditeerwartungen miteinander zu vergleichen. Allerdings fehlt den Grundprämissen folgend eine Aussage über die jeweiligen Risiken. Diese lassen sich über die abweichenden Schwankungen der Renditen vomerwartungswert ermitteln. Dabei findet die Varianz Anwendung, um das Risiko einer Investition abzubilden: σ 2 i =Varianz des Wertpapiers i Da die Dimension der Varianz nicht mit der des Erwartungswertes übereinstimmt, wird die Standardabweichung berechnet, die als Volatilitätsmaß und damit als Risikomaß betrachtet werden kann. Sie berechnet sich wie folgt: Die Standardabweichung beschreibt die durchschnittliche Abweichung der Rendite vom Erwartungswert eines Wertpapiers. Eine isolierte Betrachtung der Rendite beziehungsweise eine isolierte Betrachtung des Risikos eines Wertpapiers führen zu keinem aussagekräftigen Ergebnis, welche Anlagealternative für den Investor die günstigere ist. Eine Kombination der Messgrößen 22

Kapitel 1: Einsatz des automatisierten Handelssystems Gresser K9 im Portfoliomanagement führt jedoch zu indifferenten Aussagen, wie in der folgenden Tabelle für zwei fiktive Wertpapiere dargestellt wird: 1 Szenario z p z WP 1 WP2 1 20 % 8% 10% 2 20 % 16 % 8% 3 20 % 42% 2% 4 20 % 0% -4% 5 20 % 26% 24 % Rendite μ 12 % 8% Risiko σ 20,2 % 9,4 % Tabelle 1: Risiko- und Renditequantifizierung für zwei einzelne fiktive Wertpapiere Risiko- und Renditequantifizierung eines Portfolios Da aus dem vorigen Abschnitt die Betrachtung von Rendite und Risiko keine eindeutige Entscheidung für das eine oder das andere Wertpapier hervorgebracht hat, soll nun die Rendite- und Risikoquantifizierung für ein Portfolio bestimmt werden. Dabei wird indiesem Zusammenhang unter einem Portfolio der Bestand von zwei oder mehreren Wertpapieren im Depot eines Anlegers verstanden. Das Vermögen eines Investors wird dementsprechend auf mehrere Anlagen aufgeteilt. Die erwartete Gesamtrendite eines solchen Portfolios setzt sich aus den Renditen der einzelnen Wertpapiere und ihrer Gewichtung im Portfolio zusammen. μ p x i =erwartete Rendite eines Portfolios =Anteil des Wertpapiers iamportfolio wobei auch hier gilt, dass die Summe der Anteile aller Wertpapiere 1ergeben muss. 1 Die Berechnung wurde im Anhang 1durchgeführt. 23

UweGresser Automatisierte Handelssysteme Die Bestimmung des Risikos gestaltet sich jedoch nicht so einfach. Eine schlichte Addition der gewichteten Risiken reicht dazu bei weitem nicht aus. Inder Regel sind die Renditeausprägungen der einzelnen Wertpapiere nicht völlig gleichgerichtet. Beispielsweise kann der in einem Investment erlittene Verlust durch den Gewinn in einem anderen Investment teilweise oder gänzlich kompensiert werden. Zur Bestimmung des Portfoliorisikos müssen zunächst die Kovarianz sowie der Korrelationskoeffizient ermittelt werden. Die Kovarianz ist ein Maß für den Gleichlauf zweier Renditen und berechnet sich nach folgender Formel: Cov ij =Kovarianz μ i =erwartete Rendite des WP i =erwartete Rendite des WP j μ j Da sich aus der Kovarianz nur schwer ein Ergebnis ablesen lässt, inwieweit sich die Renditen zweier Anlagen ähnlich verhalten, wirddie Kovarianz durch das Produkt der jeweiligen Standardabweichungen dividiert, wodurch der Korrelationskoeffizient ermittelt wird. Corr ij =Korrelationskoeffizient zwischen WP i und j 1 Corr ij +1 Die Korrelation stellt den Gleichlauf zwischen zwei Wertpapieren normiert dar. Sie schwankt zwischen den Extremwerten 1 und +1, wobei 1 eine ideale negative Korrelation die beiden Anlagen verhalten sich völlig gegensätzlich und +1 eine ideale positive Korrelation die beiden Anlagen verhalten sich völlig gleich aufweisen. Bei einer Korrelation von Null ist kein zusammenhängendes Verhalten zwischen den beiden Renditen zu erkennen. Die Bildung eines Portfolios ist immer dann vorteilhaft, wenn die Renditen der Wertpapiere nicht vollständig positiv zueinander korrelieren. Das Augenmerk einer Diversifikation liegt darin, dass das Risiko der gehaltenen Wertpapiere verringert wird, ohne dass dabei bei der Renditeerwartung ein zu großer Kompromiss eingegangen werden muss. Mithilfe der Kovarianz beziehungsweise des Korrelationskoeffizienten lässt sich nun das Portfoliorisiko bestimmen: 24