Mehrfachabhängigkeit



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insgesamt 4,3 1,6 15 bis 20 0,4 0,7 20 bis 25 1,5 2,5 25 bis 30 1,9 4,1 30 bis 35 2,0 5,0 35 bis 40 2,3 5,9 40 bis 45 2,8 6,6 45 bis 50 3,0 7,0

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Transkript:

Mehrfachabhängigkeit 14.10.2011 Ulrike Dickenhorst

Inhaltsverzeichnis Bernhard-Salzmann 1. Definition und Diagnose 2. Behandlung 3. Ausblick

Problembeschreibung Bernhard-Salzmann RMK-Studie N 120 Patient 6 Monate 2009 RMK-Studie (3. Phase) N120 Patient 10 Monate 2011 In der BSK sind Frauen häufig mehrfachabhängig von Alkohol, Benzodiazepinen und begleitender Essstörung (Bulimie). Drogenpatienten gehörten in hoher Anzahl zur Gruppe der polyvalenten Abhängigkeitserkrankten. Zunehmend werden alkoholabhängige Patienten mit weiteren komorbiden Diagnosen des schädlichen Gebrauchs und weiterer Abhängigkeiten aufgenommen.

Diagnose Bernhard-Salzmann Polytoxikomanie (ICD 10 : F19.2; dt. Mehrfachabhängigkeit) ist eine Form der Abhängigkeit, bei der mindestens drei verschiedene Substanzen mit Abhängigkeitspotenzial aus den Substanzgruppen Alkohol, Medikamente und illegale Drogen wahllos konsumiert werden. Prinzipien der Einnahme können einerseits die gegensätzlichen Wirkungen von aufputschend bis dämpfend sein und andererseits auch die Verfügbarkeit, sowie die Austauschbarkeit der Mittel sein.

In Abgrenzung dazu: 1. Bei einer Kombination von nichtstoffgebundenen und stoffgebundenen Süchten, wie Spielsucht und Alkoholismus, liegen zwar zwei Abhängigkeitskrankheiten vor, es wird aber nicht die Diagnose Polytoxikomanie verwandt. 2. Dies gilt auch für jene Fälle, bei denen eine Suchtkrankheit auf eine andere folgt, die Stoffe aber nie gleichzeitig konsumiert wurden. Gründe für die gleichzeitige Einnahme von verschiedenen Substanzen können sein: Unabhängige, gleichzeitige Abhängigkeit von zwei oder mehreren Stoffen Wechselseitige Wirkungsverstärkung Gewünschte neue Wirkungen durch die Kombination Als Mittel gegen Entzugserscheinungen Abschwächung negativer Wirkungen einer Droge durch eine andere Die Wiederherstellung der ursprünglichen Wirkung bei einer erhöhten Toleranz

Generell ist festzustellen: sobald jemand von einer Droge abhängig geworden ist und er andere stimmungsändernde Substanzen konsumiert, das Risiko, auch von diesen Stoffen abhängig zu werden, erheblich steigt (Suchtverlagerung). Sobald jemand eine erhöhte Toleranz einer Droge gegenüber entwickelt hat, hat er automatisch eine erhöhte Toleranz (cross- addiction) einer Droge der gleichen Klasse gegenüber. Z. B.: So ist beispielsweise ein Alkoholiker besonders anfällig dafür, von Beruhigungsmitteln abhängig zu werden, da sie die gleichen chemischen Wirkungsmechanismen aufweisen. Das zeigt sich auch daran, dass die Gefahr eines Rückfalls für Alkoholiker steigt, wenn sie bei einer Krankheit vom Arzt Schmerzmittel mit Beruhigungsmittelanteilen verschrieben bekommen (bekannte Wirkungsweise).

Psychologische Faktoren spielen ebenfalls eine große Rolle bei der Entwicklung von Mehrfachabhängigkeiten. Studien haben gezeigt, dass das psychische Verlangen, high zu sein, von jeder stimmungsverändernden Droge befriedigt werden kann (Sensation Seeking/ Entspannung fördernd).

LWL-Klinik Gütersloh

A: ambulant 28% Tabak 6 % Cannabis Bernhard-Salzmann stationär 70 % Tabak 11 % Cannabis D Opiat: Cannabis 41 % Tabak 32 % Cannabis 24 % Kokain 25 % Alkohol 13 % Benzodiazepine 37 % Tabak 28 % Alkohol 16 % Amphetamine 11 % Kokain 9 % MDMA 84 % Tabak 66 % Cannabis 57 % Kokain 58 % Alkohol 31 % Benzodiazepine 83 % Tabak 61 % Alkohol 53 % Amphetamine 40 % Kokain 33 % MDMA Pathologisches Glückspiel 18 % Tabak, 4% Cannabis 78% Tabak, 20% Canna. Medienabhängigkeit Es ergeben sich hohe Risiken, da die Wechselwirkungen kaum vorhersehbar sind! 18% Ca.14% Sp.2% Alk.

Auswirkung auf die Behandlung Längere und kompliziertere Entzugsphase Anpassung der Hausordnung (A/D) Krankheitseinsichtsentwicklung Behandlungsmotivation Regelmäßige Urin- und Blutkontrollen Suchtverlagerung thematisieren (Spieler/Alk.) Höhere Abbruchsquote Kenntnisse und Kompetenzen der Mitarbeiter Zumeist höherer Grad an sozialer Desintegration (ZSD)

Früher: Konzepte von Separation Heute: Integration (D/A) BSK seit 1980 Alle komorbiden Störungen erheben (psychische Angst-, Depression, PTBS und Abhängigkeit/ Missbrauch,riskanter Konsum) Verhaltensanalyse der verschiedenen genutzten Substanzen: Funktionaler Gebrauch Potenzierung der Wirkung Bewältigung von Entzugserscheinungen Behandlung der psychischen komorbiden Störungen

Danke für Ihre Aufmerksamkeit Ulrike.Dickenhorst@wkp-lwl.org