4. Bedingte Wahrscheinlichkeit



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Transkript:

R. lbers, M. Yanik Skript zur Vorlesung Stochastik (Elementarmathematik) 4. edingte Wahrscheinlichkeit edingte Wahrscheinlichkeit ist ein neuer Fachbegriff, der uns inhaltlich bereits in den vorhergehenden Kapiteln begegnet ist. Er taucht in mehrstufigen Zufallsexperimenten auf. m einfachsten und deutlichsten lässt sich die bedingte Wahrscheinlichkeit an einem einfachen aumdiagramm erläutern. Wir haben ein zweistufiges Experiment. uf der ersten Stufe kann das Ereignis passieren oder nicht, auf der zweiten Stufe das Ereignis. "" "" "" ## "" ## Die Wahrscheinlichkeit von hängt von bzw. ab. Dazu schreiben wir "" ## bzw. P( ). "" ## wird gesprochen als: Die Wahrscheinlich- keit für unter der edingung. Inhaltlich- anschaulich fragt diese Wahrscheinlichkeit also: Wie groß ist die Wahrscheinlichkeit für, wenn bzw. bereits passiert ist? leibt die Frage, warum wir dem egriff der bedingten Wahrscheinlichkeit ein extra Kapitel widmen, wo wir ihn doch längst schon angewendet haben. Das liegt daran, dass in der bedingten Wahrscheinlichkeit einige überraschende Ergebnisse stecken. Eine Überraschung können wir erhalten, wenn wir das oben dargestellte, einfache aumdiagramm umdrehen (umgekehrtes aumdiagramm). Das kommt in der Praxis durchaus vor. Zum eispiel kann das estehen eines Tests sein (mit dem etwa ein Schüler oder ewerber getestet wird) und ist das Ereignis, dass der ewerber tatsächlich gut ist (auf Grund anderer Gütebeurteilungen). Das obere aumdiagramm ist dann die Situation, dass man den Test anwendet und dann wissen will, mit welcher Wahrschein- lichkeit man einen guten ewerber erhält. "" ## ist dann die Wahrscheinlichkeit, dass ein ewerber gut ist, wenn er den Test bestanden hat. Das umgekehrte aumdiagramm beschreibt die ""## Situation, dass man (vor der nwendung) den Test testet. Man kennt die Güte von Probanden (auf Grund "" anderer eurteilungen), lässt diese den Test machen ""## und schaut nun, mit welcher Wahrscheinlichkeit sie den Test bestehen. P( ) ist also die ""## Wahrscheinlichkeit, dass ein Proband den Test "" besteht, wenn bekannt ist, dass er gut ist. Natürlich gilt auch für die bedingten Wahrscheinlich- ""## keit, also denen für die zweite Stufe, die einfache Regel: P( " # $# ) + P( " # $# ) = 1 Ereignis Gegenereignis Rein formal muss man hier darauf achten, dass die edingung in beiden Wahrscheinlich- keiten die gleiche ist. 1

R. lbers, M. Yanik Skript zur Vorlesung Stochastik (Elementarmathematik) Man darf aber nicht Ereignis und Gegenereignis in der edingung kombinieren. Die Summe P( ) + P( ) hat keinen regelhaften, festen Wert. (Unterschiedliche Stränge eines anderen Hauptzweiges hängen nicht zusammen) Eine weitere, in der Praxis wichtige nwendung ist die Diagnose von Krankheiten. Ein Test kann ergeben, dass man eine Krankheit hat. Dabei muss man aber nicht krank sein. Die umgekehrte Situation ist ebenso möglich. Der Test von Diagnoseverfahren ist aufwendig und erfordert sorgfältige, wissenschaftliche rbeit. n der Universität remen gibt es dafür zwei Institute (IS, KKS), die über Deutschland hinaus anerkannte Institute sind. Zusammenhänge zwischen beiden aumdiagrammen Hängen die Wahrscheinlichkeiten in beiden aumdiagrammen zusammen oder sind diese völlig unabhängig voneinander? Ein Zusammenhang ergibt sich zwischen beiden äumen über die Enden. Läuft man im ersten aum entlang des obersten Pfades, so erhält man erst das Ereignis, dann das Ereignis. m Ende steht also das Ereignis und man berechnet die Wahrscheinlichkeit " ( ) mit der Pfadregel ""##""$ $ ## = ""#" $# ei dem umgekehrten aum hat man ebenfalls einen Pfad, der über und dann läuft. uch hier berechnet man die Wahrscheinlichkeit " ( ) über die Pfadregel: ""##""$$## = ""$" ## Folglich ergibt sich die Gleichung: ""##""$ $ ## = ""#" $# = ""$#""#$$#. Diese Gleichung verknüpft also eine bedingte Wahrscheinlichkeit "" ## mit der, in der Ereignis und edingung gerade vertauscht sind: ""##$$. Im ersten aum taucht die Wahrscheinlichkeit für nur unter den edingungen auf. Im umgekehrten Diagramm braucht man aber die Wahrscheinlichkeit für ohne edingung. Diese Wahrscheinlichkeit nennt man in diesem Zusammenhang auch die totale Wahrscheinlichkeit. Die zweite wichtige Regel ist die zur erechnung der totalen Wahrscheinlichkeit. uch diese stellt eine Verbindung zwischen den Werten beider aumdiagramme her. Zur Herleitung der Formel für die totale Wahrscheinlichkeit beginnen wir mit reiner Mengenlehre: " = "" ##""" ## Hier sind " # und " # immer disjunkt. Dann gilt nach den xiomen für die Wahrscheinlichkeit: ""## = ""# $#+ ""# $# Diese Formel können wir aber auch direkt im aumdiagramm ablesen. Die Wahrscheinlichkeiten für die Schnittmengen lassen sich mit der Pfadregel berechnen: ""# $# = ""##"""$ $ ## und ""# $# = ""##"""$ $ ## lso ergibt sich als Formel für die totale Wahrscheinlichkeit ""## = ""$#""# $ $#+ ""$#""# $ $# Diese theoretischen etrachtungen wollen wir konkret an einem eispiel betrachten. Wir wählen dazu das Einführungsbeispiel aus Kapitel 0, das dort unter der Überschrift Qualitätstest aufgeführt ist. Es geht dabei um ein üro, in dem zwei Sekretärinnen 2

R. lbers, M. Yanik Skript zur Vorlesung Stochastik (Elementarmathematik) arbeiten und sich die rbeiten aufteilen. eide arbeiten mit unterschiedlicher Sicherheit. Die in der rbeit gegebenen Daten formulieren wir gleich in Ereignissen und deren Wahrscheinlichkeiten: : rbeit wurde von Sekretärin 1 erledigt. P() = 0,6 : rbeit wurde von Sekretärin 2 erledigt. P( ) = 1 P() = 0,4 : rbeit war fehlerfrei. Für Sekreträrin 1 galt das zu 92%. In unserer Notation für bedingte Wahrscheinlichkeiten bedeutet das: P( ) = 0,92 ei Sekretärin 2 waren es nur 90%: P( ) = 0,9 : rbeit war fehlerhaft. P( ) = 0,08 P( ) = 0,1 0,6 0,92 0,08 Wir tragen alle ngaben übersichtlich in ein aumdiagramm ein. Diesen Werten kann man entnehmen, dass Sekretärin 1 () mehr arbeitet und sicherer ist. 0,4 0,912 0,9 0,1 ""## ""## Der in der ufgabe beschriebene Test durch den Chef geht in den edingungen genau umgekehrt vor. Er stellt einen Fehler fest, d.h. Ereignis liegt vor, und forscht dann nach der Verursacherin des Fehlers. Seine kleine Statistik misst also die Wahrscheinlich- keiten P( ) bzw. P( ). lle diese ngaben tauchen im umgekehrten aumdiagramm auf. Für die erechnung dieser Werte bestimmt man zunächst die totale Wahrscheinlichkeit: 0,088 0,5454 "" = #$%#$&'+#$(#$& = #$&)' Womit auch P( ) = 1 P() = 0,088 bekannt ist. 0,4545 Wir wollen nun die Wahrscheinlichkeiten P( ) und P( ) aus den Werten des usgangsdiagramms bestimmen. Es existiert eine Verknüpfung über P( ) : P( ) P() = P() P( ) P() P( ) 0,6 0,08 P( ) = = = 6 P() 0,088 11 0,5454 Die (verlässlicheren) Daten aus dem ersten Diagramm legen also zwangsläufig fest, dass in dem unzureichenden Test durch den Chef die leistungsfähigere Sekretärin schlechter abschneiden muss. Das 2. eispiel beruht auf statistischen Daten, die im Rahmen einer umfangreichen Studie zur Mammographie erhoben wurden. Dabei ist dieses eispiel die Konkretisierung eines allgemeinen Problems in der Medizin. Man möchte eine Krankheit diagnostizieren (hier rustkrebs bei älteren Frauen) und verwendet dazu ein Testverfahren (hier die Mammographie). Solche Testverfahren müssen nun selbst auch getestet werden, bevor sie offiziell zugelassen werden. Dazu werden Menschen, deren Gesundheitszustand aus 3

R. lbers, M. Yanik Skript zur Vorlesung Stochastik (Elementarmathematik) anderen Untersuchungen bekannt ist, dem zu testenden Test unterzogen und es wird festgestellt, wie weit der Test den Gesundheitszustand korrekt anzeigt. Das hier dargestellte aumdiagramm stellt diese 6,5% T+ Messdaten dar: T+ besagt, dass der Test die Krankheit anzeigt, T- steht dafür, dass die 99,2% gesund Krankheit nicht festgestellt wurde. 93,5% T ei gesunden Frauen zeigt die Mammographie in 0,8% krank 90% 10% T+ T 93,5% der Fälle dieses richtig an, bei Frauen mit rustkrebs kann man das zu 90% der Mammo- graphie entnehmen. Die totalen Wahrscheinlich- keiten für gesund/krank besagen, dass 0,8% der Frauen rustkrebs haben. 7,1% 92,9% T+ T 10% krank gesund krank gesund Wird nun das Testverfahren, hier also die Mammographie, angewendet, um rustkrebs festzustellen, kehren sich die edingungen um: Wie groß ist die Wahrscheinlichkeiten, rustkrebs zu haben, wenn die Mammographie Indizien dafür anzeigt? Überraschender Weise ist diese Wahrscheinlichkeiten nur etwa 10%. Das Verfahren, das in der Testsituation eine Sicherheit von über 90% hatte, erweist sich in der Praxis als unsicher. Die Erklärung findet man wieder in den entsprechenden bedingten Wahrscheinlichkeiten, die man genau so ausrechnen könnte wie im ersten eispiel. Es existiert jedoch noch ein zweites Lösungsverfahren. Nämlich die Vier-Felder-Tafel. usgehend von der Gesamtzahl der Probanden (26.057 unten rechts) kann man die Werte entsprechend der Wahrscheinlichkeiten im oberen aumdiagramm nach und nach ausfüllen (schwarze Pfeile). (Tatsächlich sind die Zahlen in der Tabelle die Rohdaten, nach denen die Wahrscheinlichkeiten als relative Häufigkeiten berechnet wurden.) krank gesund T+ 179 1.671 1.850 T 20 24.187 24.207 199 25.858 26.057 Die Wahrscheinlichkeiten für den umgekehrten aum erhält man, indem man zunächst entlang der grauen Pfeile die Summen am rechten Rand berechnet und dann die entsprechenden Wahrscheinlichkeiten. Hier kann man sehr übersichtlich sehen, dass die Mammographie bei 1850 Frauen Hinweise auf eine Erkrankung geliefert hat, dass davon aber nur 179 tatsächlich rustkrebs hatten. Das sind 179 9, 7%. 1850 4

R. lbers, M. Yanik Skript zur Vorlesung Stochastik (Elementarmathematik) Eine kurze Übung zur Vier- Felder- Tafel Gegeben ist die nachfolgende Vier- Felder- Tafel. 18 72 90 6 4 10 24 76 100 us dieser Tafel sollen die beiden aumdiagramme mit den zugehörigen Wahrscheinlichkeiten (relativen Häufigkeiten) abgeleitet werden. Lösung: 0,2 0,75 0,9 0,8 0,24 0,25 0,1 0,6 0,76 " # 0,4 " Die Formel von ayes (Satz von ayes) als Zusammenfassung Für diese abstrakte etrachtung gehen wir wie so oft von einem simplen aumdiagramm eines zweistufigen Versuchs und dessen Umkehrung aus. Die Wahrscheinlichkeiten in einem aumdiagramm legen die Wahrscheinlichkeiten im anderen aumdiagramm eindeutig fest. Das heißt, wenn man in dem einen aumdiagramm alle Wahrscheinlichkeiten kennt, kann man die Wahrscheinlichkeiten beim umgekehrten aumdiagramm ausrechnen. Dafür kann man die Formel von ayes benutzen. Zur Herleitung der Formel gehen wir wieder über das gemeinsame Eintreten von zwei Ereignissen. Dieses stellt die Verbindung zwischen beiden aumdiagrammen her und geschieht immer über das Ende der Pfade des aumdiagramms. 5

R. lbers, M. Yanik Skript zur Vorlesung Stochastik (Elementarmathematik) " #" = """## "" = #"""##". Dies kann nach der bedingten Wahrscheinlichkeit im umgekehrten aumdiagramm auflösen: ""## = "##" "# ## Um die Wahrscheinlichkeit von P() zu ermitteln, benutzen wir die Formel für die totale Wahrscheinlichkeit: P() = P( ) + P( ) = P() P( ) + P() P( ) Die Wahrscheinlichkeit von P() ist nun ermittelt und wird in die obige Formel eingesetzt. Satz von ayes: "##" "# ""## = "##" "#+ "##" "# Übungsaufgaben zum Kapitel 4 Ü1 Gegeben ist das folgende aumdiagramm a. Schreiben Sie das Diagramm auf mit absoluten Zahlen bei einer Gesamtversuchszahl von 600. b. Erstellen Sie aus den Zahlen in a. eine Vierfeldertafel. c. Erzeugen Sie aus der Vierfeldertafel das umgekehrte aumdiagramm i. mit den absoluten Zahlen ii. mit den Wahrscheinlichkeiten d. Lesen Sie aus den entsprechenden aumdiagrammen ab: P( ) P( ) P( ) P( ) P( ) e. Wir interpretieren die gesamten Daten in dem Zusammenhang: : Person ist Wähler der Grünen : Person ist efürworter einer Müllverbrennungsanlage Wie viel Prozent der Grünenwähler befürworten die Müllverbrennungsanlage? Wie viel Prozent der efürworter der Müllverbrennungsanlage sind Grünenwähler? Ü2 Eine Firma beschäftigt drei Mitarbeiter, die telefonische nfragen von Kunden beantworten sollen. Herr lleskönner kann 90% aller Frage zur Zufriedenheit der Kunden beantworten, Frau esserwisser 80% und Herr Chancenlos noch gerade 70%. erechnen Sie unter der nnahme, dass alle drei Mitarbeiter gleich viele Telefonate beantworten, die Wahrscheinlichkeiten, dass 6

R. lbers, M. Yanik Skript zur Vorlesung Stochastik (Elementarmathematik) a. ein Kunde an Herrn lleskönner gerät und eine zufrieden stellende ntwort bekommt. b. ein Kunde an Herrn Chancenlos gerät und eine nicht zufrieden stellende ntwort bekommt. c. ein Kunde mit der ntwort, die er erhält, nicht zufrieden ist. d. ein unzufriedener Kunde an Frau esserwisser geraten ist. e. eine ntwort, die zur Zufriedenheit des Kunden ausfiel, von Herrn Chancenlos gegeben wurde. f. eine ntwort, die den Kunden nicht zufrieden stellt, von Herrn lleskönner gegeben wurde. P( ) Ü3 Die formale Definition der bedingten W ist: P( ) =. P() a. egründen Sie diese Gleichung aus dem Rechnen im aumdiagramm. b. Erläutern Sie die Gleichung P( ) = P( ), wobei wie üblich die Ergebnismenge ist. c. eweisen Sie formal die Gleichung P( ) = 1. d. erechnen Sie analog zu c die W en P( ) und P( ). e. Verwenden Sie die inhaltliche Erklärung für die bedingte W : P( ) ist die W für, wenn bereits eingetreten ist. Erläutern Sie damit inhaltlich - anschaulich die Gleichung unter b, c und d. Ü4 In einem bayrischen Touristenort sind zur Hochsaison drei Mal so viele Touristen wie Einheimische. Touristen tragen zu 70% einen Tirolerhut, Einheimische nur zu 25%. a. Sie fragen einen Menschen mit Tirolerhut nach dem Weg. Wie groß ist die W, dass der Mensch ein Einheimischer ist? b. Sie fragen einen Menschen ohne Tirolerhut nach dem Weg. Wie groß ist die W, dass der Mensch ein Einheimischer ist? Was ist also günstiger, wenn Sie möglichst schnell eine verlässliche Wegauskunft haben möchten? Ü5 Eine Krankheit kommt in der evölkerung mit einer W von 2% vor. Der Test für die Krankheit ist zurzeit noch sehr unsicher, er zeigt nämlich sowohl für die Kranken wie auch die Gesunden ihren Zustand mit einer Sicherheit von 75% an. a. Der Test zeigt für eine Person das Vorhandensein der Krankheit an. Wie groß ist die W, tatsächlich Krank zu sein? b. Die Firma möchte nun durch weitere Investitionen den Test genauer machen. Sie sollen entscheiden, ob die Investitionen eher in die genauere Indikation bei den Kranken oder bei den Gesunden fließen soll. Rechnen Sie dazu die Situation unter a durch, wenn die Genauigkeit i. für die Kranken (die Sensitivität) von 75% auf 90% gesteigert wurde. ii. für die Gesunden (die Spezifität) von 75% auf 90% gesteigert wurde. Wohin sollte also die Investition fließen? 7