Basale Stimulation in der Pflege Basale Stimulation in der Pflege 1 Wahrnehmung Spontaner Prozess, der nur bedingt beeinflussbar ist Selektion Auswahl von Wichtigem Strukturierung und Gestaltung speichern und vergleichen Wahrnehmung beeinflusst Handeln und Gefühle! Abgleich zwischen Reiz und Sinn. (Berührung, Geräusche, Gerüche) Basale Stimulation in der Pflege 2 1
Kennen Sie Situationen aus Ihrem Alltag, in denen Sie in Ihrer Wahrnehmung einschränkt waren? Basale Stimulation in der Pflege 3 Bereiche der Wahrnehmung Somatische Wahrnehmung Taktil-haptische Wahrnehmung Vestibuläre Wahrnehmung Vibratorische Wahrnehmung Orale Wahrnehmung Schmecken Riechen Auditive Wahrnehmung Visuelle Wahrnehmung Basale Stimulation in der Pflege 4 2
Somatische Wahrnehmung Wahrnehmungsfähigkeit der Haut, Muskulatur und Gelenke Haut spielt eine bedeutend Rolle Bildet Grenze Definiert den Einzelnen Kontaktaufnahme Registriert Druck, Vibration, Temperatur, Schmerzen und Feuchtigkeit Siehe Skript Basale Stimulation in der Pflege 5 Taktil-haptische Wahrnehmung Tast und Greifsinn Lässt uns die Umwelt regelrecht be-greifen Besonders hohe Rezeptorendichte (Nerven) Fingerkuppen Lippen Basale Stimulation in der Pflege 6 3
Kinästhetische Wahrnehmung Informationen aus dem Körperinneren; Tiefensensibilität Spannungssinn: wie ist mein Muskeltonus? Bewegungssinn: in welche Richtung bewege ich mich in welcher Geschwindigkeit? Wie ist die Qualität der Bewegung? Stellungssinn: Wie stehen meine Gelenke zueinander? Kraftsinn: welches Maßan Muskelkraft brauche ich für die jeweilige Bewegung, ggf. auch gegen einen Widerstand? Basale Stimulation in der Pflege 7 Kinästhetische Wahrnehmung Bewegungserfahrungen schaffen einen Speicher für bestimmte Bewegungs- und Handlungsmuster. Funktioniert weitgehend automatisch Braucht genügend Wahrnehmungsreize Beispiele: Handschuhe, Fahrrad fahren Basale Stimulation in der Pflege 8 4
Vestibuläre Wahrnehmung Gleichgewichtssinn ab der 9.Schwangerschaftswoche Auge Innenohr das Sinnesorgan für Bewegung und Gleichgewicht, die Stimulation fördert den Lage und Gleichgewichtssinn. Basale Stimulation in der Pflege 9 Vibratorische Wahrnehmung Weiterleitung über das Skelettsystem Liefert Informationen über Körpertiefe- und fülle Vibrationsrezeptoren üben regulierenden Einfluss auf Muskeltonus und Empfindungen bei Bewegung aus (schwingen, rütteln) Bildet zusammen mit der somatischen und vestibulären Wahrnehmung die Grundlage für das Körper-Ich Basale Stimulation in der Pflege 10 5
Orale Wahrnehmung Setzt sich Zusammen aus dem Schmecken und Riechen Starke Verbindung zu emotionalen Systemen im Limbischen System Gerüche können starke Erinnerungen und Emotionen auslösen (häufig auf unbewusster Ebene) Weiterer siehe Skript Basale Stimulation in der Pflege 11 Großhirn Denken, willkürliche Bewegungen, Bewusstes Erleben, Sprache, Handlungsanpassung, Kosten-Nutzen Analyse Stammhirn Sitz der Reflexe Affekte Regelkreise für Körperfunktionen Limbische System Sitz der Gefühle, Stimmungen, Ausdrucksverhalten Basale Stimulation in der Pflege 12 6
Auditive Wahrnehmung Eine der wichtigsten Wahrnehmungsebenen für Kommunikation Starke Warnfunktion, die auch im Schlaf erhalten bleibt. Kaum Möglichkeiten sich auditiven Reizen zu entziehen. >Augen können geschlossen werden, das Ohr nicht< Wichtig für den Umgang mit sedierten und bewusstseinseingeschränkten Patienten. Bereiche der auditiven Wahrnehmung, siehe Skript. Basale Stimulation in der Pflege 13 Visuelle Wahrnehmung Wir orientieren uns dadurch in unserer Umwelt, eine gewohnte Umgebung gibt uns Sicherheit Unser Sehsystem ist primär zur Erfassung von Bewegungsabläufen ausgelegt. Bewegungslose Zustände kommen in der Natur relativ selten vor und sind für die beutejagendenlebewesen, mit denen wir die Prinzipien der Bildverarbeitung gemeinsam haben, nicht weiter interessant. Unser Kopf ist ferner ständig in Bewegung und auch unsere Augäpfel drehen sich unaufhaltsam. Wir bilden Kategorien um visuelle Informationen schnell einordnen zu können. Basale Stimulation in der Pflege 14 7
Visuelle Wahrnehmung Basale Stimulation in der Pflege 15 Visuelle Deprivation Deprivation = Entzug Ohne ausreichend sich abwechselnde Reize, verliert unser Gehirn recht schnell die Fähigkeit, visuelle Reize einzuordnen und diese zu kategorisieren. Autostimulation Trugbilder Wahnvorstellungen Basale Stimulation in der Pflege 16 8
Basale Stimulation in der Pflege 17 Basale Stimulation in der Pflege 18 9
Wahrnehmungsstörungen durch: Grunderkrankungen der Sinnesorgane oder anderer Organsysteme Schmerzen Medikamentennebenwirkungen Traumatische Erlebnisse Veränderte Lebensbedingungen (Einweisung in ein Pflegeheim, Aufenthalt in einem Krankenhaus) Überforderung-oder Unterforderung der Sinne (Habitualisierung oder Stress) Siehe Skript Basale Stimulation in der Pflege 19 Pflegephänomene Bezeichnen die wahrnehmbaren Reaktionen eines Menschen auf seinen Gesundheitszustand. Pflegende können häufig sehen, hören und fühlen, wie pflegebedürftige Menschen auf ihren schwierigen Zustand reagieren. Aus diesen Beobachtungen, werden Aktivitäten de Pflegekräfte abgeleitet und entschieden wie auf den Patienten reagiert werden soll. Es geht hierbei nicht um objektivierbare Pflegediagnosen, sondern um ein Verständnis dafür, was den Bewohner bewegt, oder ihn erstarren lässt. Basale Stimulation in der Pflege 20 10
Pflegephänomene Autonomieverlust: Andere bestimmen über mich Physische Eingriffe Mein Körper wird von anderen angegriffen Kommunikationsverlust Ich kann mich nicht ausdrücken, ich verstehe die anderen nicht Sorge Ich sorge mich um meine Finanzen, Angehörigen usw. Angst Ich habe angst vor Schmerzen, der Zukunft, Eingriffen usw. Schuld Ich bin Schuld an der Situation, ich falle anderen zu Last Elend Ich bin erschöpft, müde und habe keine Hoffnung mehr, Was hat das Ganze noch für einen Sinn Scham Ich bin hilflos und abhängig von der Pflege, ich kann nicht für mich selbst sorgen Desorientierung Was ist mit mir los? Wo bin ich? Was macht man mit mir? Basale Stimulation in der Pflege 21 Veränderung und Bewegung sind die Grundlagen für die Wahrnehmung von Informationen! Es gibt neun basale Bereiche, die im Zentrum eines schwer beeinträchtigten Menschen stehen (sie sind alle gleichwertig): aus der Sicht des Patienten und werden als Basale Ziele betrachtet. 1. Sicherheit geben und Vertrauen aufbauen 2. Beziehung aufnehmen und Begegnung gestalten 3. Außenwelt erfahren 4. Sich spüren 5. Das eigene Leben spüren und Sinn erfahren 6. Das Leben selbst gestalten 7. Den eigenen Rhythmus entwickeln 8. Autonomie und Verantwortung leben 9. Genesungs- und Entwicklungsmöglichkeiten geben Basale Stimulation in der Pflege 22 11
Zielsetzung Es ist wichtig, sich darüber klar zu sein, was genau man mit der Basalen Stimulation erreichen möchte. Diese sollten sich am jeweiligen Pflegephänomen ableiten. Pflegephänomen Ziel Angst/Scham Vertrauen Basale Stimulation in der Pflege 23 Durch basal stimulierende Pflege versuchen wir, den kranken Menschen sensorische Angebote zu machen, die ihrer jeweiligen Befindlichkeit entsprechen. Dadurch ergeben sich neue und angemessene Orientierungsmöglichkeiten. Basale Stimulation in der Pflege 24 12
Durch basal stimulierende Pflege versuchen wir, insbesondere nonverbale Elemente der Kommunikation in die Pflege mit einzubeziehen und so eine elementare Verständigung zu ermöglichen. Bewohner spüren, dass andere Menschen auf einer menschlichen Basis mit ihnen in eine Beziehung treten. Basale Stimulation in der Pflege 25 Durch basal stimulierende Pflege wird versucht, die vielfältigen Berührungen verstehbar und akzeptabel zu machen. Berührung soll nicht länger als Ein- oder Angriff empfunden werden, sondern als Kontaktaufnahme eines anderen Menschen Basale Stimulation in der Pflege 26 13
Basal stimulierende Pflege versucht, den Patienten klare, eindeutige und intensive Informationen bezüglich ihres eigenen Körpers zukommen zu lassen. Durch dieses umfassende Herangehen soll die durchaus unerwünschten Folgen bei den Patienten gemindert werden. Die in der Regel vergebliche und oft sogar schädliche Suche der Bewohner nach Informationen ist in der unerwünschten Form dann nicht mehr nötig. Basale Stimulation in der Pflege 27 Berührung Wichtig, aber Richtig! Viele Berührungen in der Pflege sind funktionelle Berührungen, die wichtig jedoch nicht ausreichend sind. Selbst funktionelle Berührungen können, wenn sie gezielt eingesetzt werden, eine Vielzahl an Möglichkeiten bieten dem Bewohner eindeutige Reize zu übermitteln. Mögliche Lageveränderungen während der Pflege, wie beispielsweise das Drehen oder Lagern, geben dem Bewohner Informationen über die eigene Position im Raum und unterstützen das Körperbild. Der Berührungsqualität kommt im Pflegeprozess eine besondere Bedeutung zu. Basale Stimulation in der Pflege 28 14
Berührung Wichtig, aber Richtig! Konstanz der Berührung: hierunter versteht man, dass die Berührungen wenn möglich innerhalb einer Pflegehandlung nicht unterbrochen werden. Für schwer wahrnehmungseingeschränkte Bewohner ist auch eine nur kurzfristige unterbrochene Berührung immer wieder mit einem Neuanfang und einer aufwendigen Neuorientierung verbunden. Pflegemaßnahmen sind daher so zu planen, dass sich alle nötigen Materialien in Reichweite befinden und der Bewohner während der einzelnen Pflegemaßnahme nicht verlassen werden muss. Basale Stimulation in der Pflege 29 Kontaktintensität: zu leichte und oberflächliche Berührungen führen häufig zu einer taktilen Abwehr. Nicht eindeutige und wenig informative Berührungen werden als diffus unangenehm erlebt. Berührungen sollten daher kein leichtes und kurzes Streicheln darstellen, sondern vielmehr eindeutige, feste, auch die Tiefensensibilität ansprechende, Druckerlebnisse bieten. Eine flächige, die ganze Handfläche nutzende, Berührung ist informativer als ein flüchtiger Kontakt mit den Fingerspitzen oder einem kleinen Teil der Hand. Je flächiger der Druck ausgeübt wird, desto mehr entspricht er der wünschenswerten Qualität. Basale Stimulation in der Pflege 30 15
Rhythmus der Bewegung: Bewegungen und Berührungen sollten möglichst fließend und nicht abrupt erfolgen. Der Rhythmus ist das Versprechen, dass es so weiter geht wie bisher. In der Wahrnehmung eingeschränkte Menschen müssen die Möglichkeit erhalten, die nächste Bewegung/Berührung vorherahnen zu können. Wiederholungen in einer gleichbleibenden Reihenfolge sind außerordentlich wünschenswert und bestärken den Informationsgehalt der Berührung selbst. Basale Stimulation in der Pflege 31 Sicherheit der Berührung: Berührungen können sehr viel Sicherheit geben. Gerade flächige, feste und vorhersehbare Berührungen entsprechen diesem Merkmal. Unsicherheiten entstehen dann, wenn die eigentliche Pflegehandlung zu komplex und schwierig wird ( physisch wie psychisch). Auch das nicht ganz bei der Sache sein führt zu flüchtigen und unüberlegten Berührungen. Berührungsqualität, kann durch konsequentes einhalten der Grundprinzipien trainiert werden. Es sollte bei Pflegehandlungen weder Radio gehört oder sich mehr als nötig mit Kollegen unterhalten werden. Auch die Ansprache des Bewohners sollte sich in Maßen halten. Die volle Aufmerksamkeit des Bewohners soll sich auf die Wahrnehmung der Berührung richten. Basale Stimulation in der Pflege 32 16