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Gruppen 31 2 Gruppen Rechenstrukturen sind uns aus Schule und täglichem Leben bekannt: Wir lernen dort bzw benötigen die Addition, Subtraktion, Multiplikation und Division von von ganzen, rationalen und reellen Zahlen (mit der Rechenstruktur Z der ganzen Zahlen haben wir uns schon Kapitel 1 ausführlich beschäftigt) Bei diesen Strukturen werden Elemente von unendlichen Mengen miteinander verknüpft In der Informatik sind in der Regel Rechenstrukturen mit nur endlich vielen Elementen von Interesse So rechnen wird dort mit zwei Bits, dh mit den Zahlen 0 und 1 Abbildung 7 zeigt die Additions- und die Multiplikationstafel für Bits Hier wird modulo 2 gerechnet, dh alle Zahlen werden durch 2 dividiert und der dabei verbleibende Rest ist das Ergebnis Deshalb ist 1+1=0, weil 2 bei Divison durch 2 den Rest 0 ergibt In der Informatik wird nicht nur mit kleinen Moduln wie 2, sondern auch mit sehr großen Modulen m N gerechnet, wie zb in der Kryptografie mit m in der Größenordnung von 2 212 ; wir werden in späteren Kapiteln noch darauf zurückkommen + 0 1 0 0 1 1 1 0 0 1 0 0 0 1 0 1 Abb 7: Addition und Multiplikation von Bits Als ein weiteres Beispiel für das Modulo-Rechnen zeigt Abbildung 8 die Additions- und die Multiplikationstafel für das Rechnen modulo 5 (siehe auch Satz 13) Dabei lassen wir bei der Multiplikation die 0 weg, weil das Ergebnis immer gleich 0 ist (im weiteren Verlauf werden wir noch weitere mathematische Gründe dafür kennen lernen) Aber Rechnen umfasst nicht nur das Addieren und Multiplizieren von Zahlen in endlichen und unendlichen Strukturen, Rechnen kann auch andere Verknüpfungen von Zahlen bedeuten, wie zb das Minimum und das Maximum oder der größte gemeinsamer Teiler oder das kleinste gemeinsame Vielfache von Zahlen Aber nicht nur Zahlen können miteinander verknüpft werden Ein Datenbanksystem muss zb Mengen vereinigen und schneiden können oder die Differenz von zwei Mengen bilden können, um Benutzeranfragen beantworten zu können Abildung 9 zeigt als einfache Beispiele die Tafeln für die Vereinigung und den Durchschnitt der Teilmengen der Menge M = {a, b} Dabei lassen wir bei der Vereinigung die Menge M = {a, b} und beim Durchschnitt die leere Menge weg, weil die Vereinigung mit M immer M bzw der Durchschnitt mit immer K-U Witt, Algebraische und zahlentheoretische Grundlagen für die Informatik, DOI 101007/978-3-658-04075-8_2, Springer Fachmedien Wiesbaden 2014

32 Gruppen + 0 1 2 3 4 0 0 1 2 3 4 1 1 2 3 4 0 2 2 3 4 0 1 3 3 4 0 1 2 4 4 0 1 2 3 1 2 3 4 1 1 2 3 4 2 2 4 1 3 3 3 1 4 2 4 4 3 2 1 Abb 8: Addition und Multiplikation modulo 5 ergibt {a} {b} {a} {b} {a} {a} {a} {a, b} {b} {b} {a, b} {b} {a} {b} {a, b} {a} {a} { a} {b} {b} {b} {a, b} {a} {b} {a, b} Abb 9: Vereinigung und Durschnitt der Teilmengen von {a, b} Lernziele Weitere Beispiele für Verknüpfungen sind die Konjunktion und Disjunktion von Wahrheitswerten und die Komposition von Funktionen Nach dem Durcharbeiten dieses Kapitels sollten Sie die Definitionen für Halbgruppen, Monoide und Gruppen kennen und für diese jeweils mehrere Beispiele angeben und für kleinere Strukturen die Verknüpfungstafeln aufstellen können, überprüfen können, ob gegebene Rechenstrukturen bestimmte Eigenschaften besitzen, die Begriffe Gruppen- und Elementordnung definieren, ihre elemntaren Eigenschaften erklären und für (kleinere) endliche Gruppen die Ordnungen ihrer Elemente bestimmen können, die von Elementen erzeugten Untergruppen bestimmen können, nachweisen könen, ob eine Untermenge einer Gruppe eine Untergruppe bildet,

Gruppen 33 den Satz von Lagrange erläutern können, die Begriffe Homomorphismus und Isomorphismus erläutern können und nachweisen können, ob eine gegebene Abbildung zwischen Gruppen ein Homomorphismus oder ein Isomorphismus ist, den Begriff Kern eines Homomorphismus und seine Bedeutung erläutern und für einfache Beispiele bestimmen können, den Homomorphiesatz für Gruppen erläutern und an Beispielen veranschaulichen können 21 Grundlegende Eigenschaften von Rechenstrukturen Wenn wir uns die obigen Beispiele etwas näher ansehen und die Eigenschaften der verwendeten Verknüpfungen ansehen, dann entdecken wir, dass es Eigenschaften gibt, die alle Beispiele besitzen, und dass es ebenso Eigenschaften gibt, die nicht von allen Beispielen erfüllt werden So sind zb alle betrachteten Verknüpfungen assoziativ, dh werden mehr als zwei Elemente miteinander verknüpft, spielt die Reihenfolge des Auswertung keine Rolle Wenn wir das Symbol als einen Platzhalter für die verwendeten Verknüpfungen Addition, Multiplikation, Vereinigung, Durchschnitt, Komposition, Konjunktion und Disjunktion benutzen, dann gilt für diese alle die Eigenschaft (a b) c = a (b c) Da es sich um zweistellige Verknüpfungen handelt, denn es werden immer zwei Elemente der zugrundeliegenden Menge verknüpft, müssen wir zunächst Klammern verwenden, weil sonst nicht klar ist, welche beiden Elemente zunächst miteinander verknüpft werden sollen Die Assoziativität besagt nun, dass die Reihenfolge bei der Auswertung keine Rolle spielt Man kann also bei einer assoziativen Rechenstruktur sogar die Klammern weglassen Das Ergebnis der Auswertung eines Ausdrucks a 1 a 2 a n, n 3, ist unabhängig von der Reihenfolge, in der die Operanden und die entstehenden Zwischenergebnisse verknüpft werden Assoziativität 21 Überüfen Sie anhand von Beispielen, dass alle oben erwähnten Rechenstrukturen assoziativ sind! Eine Eigenschaft, die alle bis auf eine der oben erwähnten Strukturen erfüllen, ist die Kommutativität Eine Operation ist kommutativ, wenn für alle Elemente a Kommutativität

34 Grundlegende Eigenschaften von Rechenstrukturen und b der Struktur a b = b a gilt, dh die Vertauschung der Operanden a und b lässt das Ergebnis ihrer Verknüpfung invariant Addition und Multiplikation von Zahlen, Vereinigung und Durchschnitt von Mengen, Disjunktion und Konjunktion von aussagenlogischen Ausdrücken sind Beispiele für kommutative Operationen Die Komposition von Funktionen ist im Allgemeinen nicht kommutativ Betrachten wir zb die beiden Funktionen f(x) =x +1und g(x) =x 2, dann gilt f g(x) =f(g(x)) = f(x 2 )=x 2 +1 (x +1) 2 = g(x +1)=g(f(x)) = g f(x) Die Multiplikation von Matrizen ist ein weiteres Beispiel für eine im Allgemeinen nicht kommutative Operation Einselement Neutrales Element Eine weitere gemeinsame Eigenschaft der obigen Beispiele ist die Existenz eines so genannten Einselements, auch neutrales Element genannt Die Verknüpfung irgendeines Elementes mit diesem speziellen Element ändert das Element nicht Wenn wir das Einselement im Allgemeinen mit e bezeichnen, dann gilt also a e = a für alle Elemente a der Struktur So ist die Null das Einselement bei der Addition ganzer Zahlen, und die Eins ist das Einselement bei der Multilikation; das Einselement bei der Komposition von Funktionen ist die Identität id(x) =x 22 Stellen Sie fest, ob die in den Abbildungen 7 9dargestellten Strukturen Einselemente besitzen und geben Sie diese gegebenenfalls an! Aufgrund dieser Beobachtungen von Gemeinsamkeiten verschiedener Rechenstrukturen werden wir im Folgenden von konkreten Rechenstrukturen abstrahieren und mithilfe von genannten und weiteren Eigenschaften abstrakte Rechenstrukturen definieren und untersuchen Die Erkenntnisse, die wir so abstrakt gewinnen, gelten dann jeweils für alle konkreten Rechenstrukturen der entsprechenden Art Trägermenge Abgeschlossenheit Wir betrachten zunächst Rechenstrukturen, bei denen die Elemente einer Menge M mit einer zweistelligen Operation miteinander verknüpft werden, später kommt noch eine weitere zweistellige Verknüpfung hinzu Die Menge M wird auch Trägermenge der Struktur genannt Dabei gehen wir grundsätzlich davon aus, dass eine solche Struktur abgeschlossen ist Das bedeutet, dass für alle a, b M gilt: a b M Das Ergebnis der Verknüpfung von Elementen der Trägermenge ist also immer ein Element der Trägermenge Wir können die Verknüpfung als Abbildung : M M M auffassen; Abgeschlossenheit bedeutet, dass total definiert ist

Gruppen 35 23 (1) Überlegen Sie, dass für alle oben erwähnten Beispiele die Abgeschlossenheit gegeben ist! (2) Ist die Menge der geraden ganzen Zahlen abgeschlossen gegenüber Addition? (3) Ist die Menge der ungeraden ganzen Zahlen abgeschlossen gegenüber Addition? 22 Definitionen und Beispiele Mithilfe der oben bei den Beispielen betrachteten Eigenschaften führen wir nun die ersten Bezeichnungen für algebraische Strukturen ein Definition 21 Es sei A =(M, ) eine abgeschlossene algebraische Struktur mit Trägemenge M und der total auf M definierten zweistelligen Verknüpfung Wir schreiben im Folgenden für Elemente a einer solchen Struktur a A anstelle von a M, was formal korrekt wäre, dh wir unterscheiden nicht zwischen dem Namen einer algebraischen Struktur und ihrer Trägermenge a) A heißt assoziativ genau dann, wenn (a b) c = a (b c) für alle a, b, c A Assoziativität gilt b) Ein Element e Aheißt Einselement oder auch neutrales Element von A Einselement genau dann, wenn a e = a und e a = a für alle a Agilt c) Besitzt A ein Einselement e und existiert zu dem Element a Aein Element b Amit der Eigenschaft a b = b a = e, dann heißt b invers oder Inverses zu Neutrales Element Inverses a In der Regel notieren wir das Inverse von a mit a 1 Gilta 1 = a, dann heißt a selbstinvers oder Involution Inverses Element d) A heißt kommutativ genau dann, wenn a b = b a für alle a, b Agilt Selbstinverses Element Involution Kommutativität 24 Untersuchen Sie, welche der in der Definition 21 festgelegten Eigenschaften von den in den Abbildungen 7 9 dargestellten Strukturen erfüllt werden!

36 Definitionen und Beispiele Für die wiederholge Verknüpfung eines Elementes a mit sich selber verwenden wir die Potenzschreibweise a} a {{ a} = a n n-mal die wir wie folgt auch formal rekursiv definieren können: Des Weiteren setzen wir a 0 = e a n+1 = a n a a n = (a 1)n Es gilt dann für alle m, n Z das bekannte Potenzrechengesetz a m+n = a m a n (21) Halbgruppe Monoid Gruppe Die Potenzschreibweise kennen wir von der Multiplikation von Zahlen, während wir die wiederholte Addition nicht mit einem Exponenten, sondern mit einem Wiederholungsfaktor ausdrücken Wir schreiben zb für 3+3+3+3+3nicht 3 5, sondern 5 3 Entsprechend notieren wir das additive Inverse einer Zahl a nicht mit a 1, sondern mit a = 1 a Das Potenzrechengesetz (21) lautet dann für die Addition (m + n) a = m a + n a Definition 22 a) Eine einsortige algebraische Struktur G = (M, ), die assoziativ ist, heißt Halbgruppe Besitzt eine Halbgruppe ein Einselement, dann heißt G Monoid Besitzen alle Elemente eines Monoids ein Inverses, dann heißt G Gruppe Ist die Verknüpfung kommutativ, dann heißt G kommutativ oder abelsch 4 Unter- -halbgruppe -monoid -gruppe Gruppenordnung Elementordnung b) Bildet eine Untermenge U M von G eine Halbgruppe, ein Monoid oder eine Gruppe, dann heißt G U =(U, ) Unterhalbgruppe, Untermonoid bzw Untergruppe von G Ist G 1 eine Untergruppe von G 2, so schreiben wir auch G 1 G 2 Ist G 1 eine echte Untergruppe von G 2, dh ist G 1 G 2 und G 1 G 2, dann schreiben wir auch G 1 G 2 c) Ist G endlich, dann heißt ord G = G die Ordnung von G d) Sei a Gund e das Einselement von G Dann heißt { } ord G (a) =min k N a k = e die Ordnung von a in G Falls a keine Ordnung in G besitzt, dann sagen wir, dass a von unendlicher Ordnung in G ist 4 Benannt nach Niels Hendrik Abel (1802-1829), einem norwegischen Mathematiker, der sich unter anderem mit der Auflösbarkeit algebraischer Gleichungen beschäftigte und eine Theorie über Integrale algebraischer Funktionen begründete

Gruppen 37 Beispiel 21 a) (N, +) ist eine kommutative Halbgruppe, (N 0, +) ist ein kommutatives Monoid mit dem Einselement 0 b) Sei Σ ein Alphabet, dann bildet (Σ, ) ein Monoid mit dem leeren Wort ε als Einselement (siehe auch Anhang A2) Ist Σ 2, dann ist dieses Monoid nicht kommutativ c) (Z, +) bildet eine additive abelsche Gruppe mit dem Einselement 0 Das Inverse von a Z ist a d) Die Menge der bijektiven Funktionen einer Menge in sich selbst bildet eine im Allgemeinen nicht kommutative Gruppe mit der Identität als Einselement e) (G, +) ist eine echte Untergruppe von (Z, +) f) Die beiden Rechenstrukturen in Abbildung 8 bilden abelsche Gruppen Die Menge {1, 4} bildet eine Untergruppe der multiplikativen Gruppe modulo 5 g) Einselemente haben immer die Ordnung 1, denn es gilt e 1 = e In der additiven Gruppe modulo 5 in Abbildung 8 hat 2 die Ordnung 5, denn 5 ist die kleinste Zahl, für die 5 2 = 0modulo 5 ist Auch alle anderen Elemente außer dem Einselement 0 haben die Ordnung 5 25 Geben Sie an, von welcher Art die Rechenstrukturen in den Abbildungen 7 9 sind Im Falle von Gruppen geben Sie deren Ordnung und die Ordnungen ihrer Elemente an! 26 Stellen Sie die Multiplikationstafel modulo 7 für die Menge {1, 2,,6} auf Überlegen Sie, dass die so entstehende Rechenstruktur eine abelsche Gruppe bildet! Geben Sie zu jedem Element das Inverse an! Welche Ordnung hat die Gruppe? Gegeben Sie die Ordnungen aller Elemente an! Geben Sie eine Untergruppe mit zwei Elementen, eine mit drei Elementen an! 27 Die Funktionen id, nid, rez, nrez : R {0} R {0} seien definiert durch: id(x) = x, nid(x) = x, rez (x) = 1 sowie nrez(x) = 1 x x Geben Sie die Verknüpfungstafel für die Operation (Komposition von Funktionen) auf dieser Menge von Funktionen an, dh geben Sie die Verknüpfungstafel für die Struktur ({ id, nid, rez, nrez }, ) an Begründen Sie, dass diese Struktur eine abelsche Gruppe bildet! Geben Sie die Ordnungen ihrer Elemente an! 28 Zeigen Sie, dass die algebraische Struktur (R, ) definiert durch a b = 3 a 3 + b 3

38 Definitionen und Beispiele eine abelsche Gruppe bildet! 29 Es sei SL 2 (Z) =(Z 4,1, ) definiert durch { } Z 4,1 = (a, b, c, d) Z 4 ad bc =1 sowie (a, b, c, d) (e, f, g, h) =(ae + bg, af + bh, ce + dg, cf + dh) (1) Zeigen Sie, dass SL 2 (Z) eine Gruppe bildet, die im Allgemeinen nicht abelsch ist! (2) Geben Sie die Ordnungen der Elemente a =(1, 1, 0, 1), b =(0, 1, 1, 0), und c =(0, 1, 1, 1) an! Kürzungsregel Wenn wir die bisherigen Definitionen, Beispiele und Übungen etwas genauer betrachten, stellen wir fest, dass alle Strukturen, die ein Einselement besitzen, auch nur dieses eine besitzen Ebenso gilt, wenn ein Element invertierbar ist, dann existiert genau ein Inverses Weiterhin stellen wir fest, dass, wenn b Inverses von a ist, dann ist a auch Inverses von b, dh es gilt immer (a 1 ) 1 = a für invertierbare Elemente a Im folgenden Satz zeigen wir, dass diese und weitere Eigenschaften nicht nur für die bisherigen Beispiele zutreffen, sondern generell auf alle Gruppen Satz 21 Sei G = (M, ) eine Gruppe mit Einselement e, dann gilt für alle a, b, c G: a) e ist eindeutig; b) zu a ist a 1 eindeutig; c) (a 1 ) 1 = a; d) die Kürzungsregel: aus a c = b c folgt a = b bzw aus c a = c b folgt a = b; e) (a b) 1 = b 1 a 1 ; f) die Gleichungen a x = b bzw x a = b mit der Unbekannten x sind eindeutig lösbar; g) a ist selbstinvers genau dann, wenn a die Ordnung 2 hat Beweis a) Wir nehmen an, es gebe zwei Einselemente e und e Dann gilt einerseits e a = a für alle a G, also auch für a = e, dh es gilt e e = e Andererseits gilt a e = a für alle a G, also auch für a = e, dh es gilt e e = e Insgesamt folgt e = e e = e, womit die Behauptung gezeigt ist

Gruppen 39 b) Wir nehmen an, zu a gebe es zwei Inverse a 1 und a 1, dh es ist a a 1 = e 1 2 2 und a 1 a = e, dann gilt mithilfe der Assoziativität: 1 ( ) ( ) a 1 = a 1 e = a 1 a a 1 = a 1 a a 1 = e a 1 = a 1 1 1 1 2 1 2 2 2 c) Es gilt mithilfe der Assoziativität: (a 1 ) 1 =(a 1 ) 1 e =(a 1 ) 1 (a 1 a) =((a 1 ) 1 a 1 ) a = e a = a d) Aus a c = b c folgt (a c) c 1 =(b c) c 1, daraus mithilfe der Assoziativität a (c c 1 )=b (c c 1 ), daraus a e = b e, daraus a = b Die zweite Kürzunsregel folgt analog e) Es gilt einerseits e =(a b) (a b) 1 (22) und andererseits e = a a 1 = a e a 1 = a (b b 1 ) a 1 =(a b) (b 1 a 1 ) (23) Aus (22) und (23) folgt (a b) (a b) 1 =(a b) (b 1 a 1 ) woraus mit der Kürzungsregel die Behauptung folgt f) Die Lösung für a x = b ist x = a 1 b, denn es gilt a (a 1 b) =(a a 1 ) b = e b = b Wir nehmen an, es gebe zwei Lösungen x 1 und x 2, dh es gilt a x 1 = b und a x 2 = b und damit a x 1 = a x 2, woraus mit der Kürzungsregel x 1 = x 2 folgt Die eindeutige Lösung von x a = b ist x = b a 1, der Beweis ist analog g) Die Gültigkeit dieser Aussage ist offensichtlich 210 a) Zeigen Sie, dass in den beiden Monoiden in Abbildung 9 die Kürzungsregel nicht gilt! b) Überlegen Sie, dass für die Verknüpfungstafeln von endlichen Gruppen gilt, dass in jeder Zeile und in jeder Spalte jedes Gruppenelement vorkommen muss und dass alle Elemente innerhalb jeder Spalte und alle Elemente innerhalb jeder Zeile von einander verschieden sein müssen! c) Zeigen Sie: Sind in einer Gruppe alle Elemente selbstinvers, dann ist die Gruppe abelsch!

40 Elementordnungen Direktes Definition 23 Seien G i =(M i, i ), 1 i n, Gruppen Dann bildet Produkt von Gruppen G = G 1 G n =(M 1 M n, ) mit x y =(x 1 1 y 1,,x n n y n ) für x =(x 1,,x n ) Gund y =(y 1,,y n ) Gdas direkte Produkt von G 1,,G n Beispiel 22 Das direkte Produkt der additiven Gruppe der ganzen Zahlen (Z, +) ist (Z Z, + 2 ) definiert durch (a, b) + 2 (c, d) = (a + c, b + d) Die Abgeschlossenheit ist offensichtlich, ebenso die Kommutativität Wir rechnen (a, b)+ 2 ((c, d)+ 2 (e, f)) = (a, b)+ 2 (c + e, d + f) =(a +(c + e),b+(d + f)) =((a + c)+e, (b + d)+f) =((a + c, b + d)+ 2 (e, f) =((a, b)+ 2 (c, d)) + 2 (e, f) und stellen die Assoziativität von + 2 fest (0, 0) ist das Einselement, denn es gilt (a, b)+ 2 (0, 0) = (a +0,b+0)=(a, b) Zu (a, b) ist 2 (a, b) =( a, b) invers, denn es gilt (a, b)+ 2 2 (a, b) =(a, b)+( a, b) =(a a, b b) =(0, 0) Das direkte Produkt der abelschen Gruppe der ganzen Zahlen bildet also wieder eine additive abelsche Gruppe 211 Bilden Sie die Verknüpfungstafel des direkten Produktes der additiven Gruppe modulo 2 (Abbildung 7) und der multiplikativen Gruppe modulo 5 (Abbildung 8); geben Sie das Einselement und die Inversen an! Überlegen Sie die Gültigkeit der folgenden Aussage! Korollar 21 Das direkte Produkt G = G 1 G n =(M 1 M n, ) der Gruppen G I =(M i, i ) mit den Einselementen e i, 1 i n, bildet selbst wieder eine Gruppe Insbesondere ist e =(e 1,,e n ) das Einselement von G, und das Inverse von x =(x 1,,x n ) ist x 1 =(x 1 ) 1,,x 1 n

Gruppen 41 23 Elementordnungen Wir haben in den bisherigen Beispielen und Übungen auch immer die Gruppenordnung und Elementordnungen betrachtet Wenn man die Ergebnisse etwas genauer analysiert, kann man Vermutungen aussprechen wie zb, dass die Ordnung eines Elementes immer die Gruppenordnung teilt sowie dass, wenn a r = e gilt, r ein Vielfaches der Elementordnung ist Die folgenden Sätze bestätigen diese Vermutungen und machen weitere wichtige Aussagen über diese Begriffe und deren Zusammenhänge Dazu erinnern wir uns daran, dass gemäß Definition 22 d) a ord G (a) = e (24) für alle a Gist Satz 22 Sei G eine Gruppe mit Einselement e und a G, dann gilt a) a ord G (a)+s = a s für alle s Z; b) a r = e genau dann, wenn ord G (a) r für alle r Z; c) a r = a s genau dann, wenn ord G (a) r s für alle r, s Z Beweis a) Es gilt: a ord G (a)+s = a ord G (a) a s = e a s = a s b) : Gemäß Satz 11 gibt es zu r und ord G (a) eindeutig einen Quotient q und einen Rest s mit r = ord G (a) q + s und 0 s<ord G (a) Damit folgt ( e = a r = a q ord G (a)+s = a ord G (a))q a s = e q a s = a s Falls s =0ist, ist die Behauptung gezeigt Falls s 1 ist, dann ist a s = e und s<ord G (a), was ein Widerspruch dazu ist, dass die Ordnung von a der kleinste Exponent k 1 mit a k = e ist Für s 1 erhalten wir also einen Widerspruch, also kann nur s =0sein, dh es ist r = q ord G (a), womit die Behauptung gezeigt ist : Aus ord (a) r folgt, dass es ein q gibt mit r = ord q Damit gilt G G ( a r = a ord G (a))q = e q = e was zu zeigen war 212 Beweisen sie die Aussage c)!

42 Elementordnungen Nun, c) folgt unmittelbar aus b), denn wir können die Gleichung a r = a s äquivalent durch die Gleichung a r s = e ersetzen Der folgende Satz macht Aussagen über die Ordnung von Potenzen von Gruppenelementen Satz 23 Sei G eine Gruppe Dann gilt für alle a Gund n N 0 : a) ord G (a n )= ord G (a) (ord G (a),n) b) ord G (a n ) ord G (a), c) ord G (a n )=ord G (a) genau dann, wenn (ord G (a),n)=1 Beweis a) Aus schreibtechnischen Gründen setzen wir k = ord G (a) Wir zeigen ord G (a n ) k k und (k, n) (k, n) ord G (an ) (25) dann folgt mit Korollar 12 j) die Behauptung Es ist (a n ) k k (k,n) =(a ) n n (k,n) = e (k,n) = e (26) Mit Satz 22 b) folgt hieraus ord G (a n ) k (k, n) (27) womit die erste Behauptung in (25) gezeigt ist Wegen (24) gilt e =(a n ) ord G (an ) Hieraus und aus (26) folgt woraus mit Satz 22 c) gilt und hieraus folgt mit Korollar 12 h) a n ord G(a n) = a nk (k,n) k n ord G (a n ) k n ord G (a n ) nk (k, n) und hieraus k n (k, n) (k, n) ord ) G (an

Gruppen 43 Da ( ) k (k, n), n =1 (k, n) ist (siehe Satz 14), folgt k (k, n) ord G (an ) womit auch die zweite Behauptung von (25) gezeigt ist b) folgt unmittelbar aus a) c) folgt unmittelbar aus a) Der folgende Satz macht Aussagen über die Ordnung von Elementverknüpfungen Satz 24 Sei G eine Gruppe mit den Elementen a und b, die kommutieren, dh es gilt a b = b a, und die endliche Ordnung haben, dann gilt a) ord G (a b) [ ord G (a), ord G (b) ], b) ord G (a b) =ord G (a) ord G (b) genau dann, wenn (ord G (a), ord G (b)) = 1 ist Beweis Wir setzen aus schreibtechnischen Gründen r = ord G (a) s = ord G (b) k =[r, s ] (28) l =(r, s) (29) a) Aus (28) folgt r k und s k und daraus mit Satz 22 b) a k = e und b k = e Hieraus und mit der Voraussetzung, dass a und b kommutieren, folgt e = a k b k =(a b) k und daraus wiederum mit Satz 22 b) ord G (a b) k, was zu zeigen war b) : Es gilt mit Satz 116: ord G (a b) =r s =(r, s) [ r, s ] Hieraus folgt, da wegen a) r s [ r, s ] ist, (r, s) =1und damit die Behauptung : Sei (r, s) =1 Dann existieren gemäß Korollar 114 b) ganze Zahlen x und y mit rx + sy =1 Hiermit und, da a und b kommutieren, gilt Hieraus folgt (a b) rx = a rx b rx = a rx b 1 sy =(a r ) x (b s ) y b = b (210) e = e rx = ((a b) ord G (a b))rx = ( ) (a b) rx ord G (a b) = b ord G (a b) (211)

44 Untergruppen Hieraus folgt wegen Satz 22 b) s ord G (a b) (212) Analog zu (210) und (211) erhalten wir (a b) sy = a sy b sy = a 1 rx b sy = a (a r ) x (b s ) y = a Hieraus folgt e = e sy = ((a b) ord G (a b))sy = ( ) (a b) sy ord G (a b) = a ord G (a b) und damit ebenfalls wegen Satz 22 b) r ord G (a b) (213) Aus (212) und (213) folgt, dass ord G (a b) ein gemeinsames Vielfaches von r und s ist Aus Korollar 118 b) folgt [ r, s ] ord G (a b) Wegen a) folgt hieraus mit Korollar 12 j) ord G (a b) =[r, s ] (214) Laut Satz Satz 116 gilt r s =(r, s) [ r, s ] Laut Voraussetzung ist (r, s) =1 und damit ist r s =[r, s ] Hieraus folgt mit (214) ord G (a b) =r s, also ord G (a b) =ord G (a) ord G (b), was zu zeigen war Bemerkung 21 In Satz 24 ist die Voraussetzung, dass die Elemente kommutieren wesentlich Betrachten wir zb die Elemente a, b, c SL 2 (Z) in Übung 29 (2), dann stellen wir fest, dass b und c nicht kommutieren, und es gilt a = b c Es ist aber ord (a) =, während ord (b) ord (c) = SL2 (Z) SL 2 (Z) SL 2 (Z) 4 6=24ist 24 Untergruppen Bevor wir im nächsten Abschnitt weitere wichtige Zusammenhänge von Gruppen- und Elementordnungen betrachten, beschäftigen wir uns mit Untergruppen und deren Eigenschaften, die für diese Betrachtugen von Bedeutung sind 241 Elementare Eigenschaften Triviale Korollar 22 Sei G =(M, ) eine Gruppe, dann sind G {e} und G Untergruppen, Untergruppen die so genannten trivialen Untergruppen von G

Gruppen 45 Satz 25 Sei G =(M, ) eine Gruppe Dann gilt: a) Sei U M G U ist eine Untergruppe von G genau dann, wenn gilt: Ist a, b G U, dann ist auch a 1 b G U b) Sei U M G U ist eine Untergruppe von G genau dann, wenn gilt: Ist a, b G U, dann ist auch a b 1 G U c) Sei a Gund a = { a k k Z }, dann ist G a eine Untergruppe von G d) Sei a G, dann ist ord G (a) =ord G a Beweis a) : Diese Richtung ist offensichtlich : G muss assoziativ sein, sonst wäre G nicht assoziativ Wir setzen b = a, U dann ist a 1 a G U, also e G U, G U enthält also das Einselement Wir setzen jetzt b = e, dann ist a 1 e G U, also a 1 G U,zuaenthält G U also das Inverse a 1 Wir zeigen noch die Abgeschlossenheit von G U, dh ist x, y G U, dann ist auch x y G U : Setze a = x 1 sowie b = y, dann ist a, b G U und damit a 1 b G U, also x y G U b) anaolog zu a) c) Wir wenden b) an und zeigen, dass aus x, y a folgt: x y 1 a Sei also x, y a Dann gibt es r, s Z mit x = a r sowie y = a s Dann ist x y 1 = a r a s = a r s a, dar s Z ist d) Ist die Ordnung von a unendlich, dann ist a r a s für r s Daraus folgt, dass a unendliche viele Elemente besitzt, also unendliche Ordnung hat Ist die Ordnung von a endlich, dann folgt aus Satz 22 a) a ord G (a) q+s = a s für alle q Z und s N 0 mit 0 s<ord G (a) Das bedeutet, dass es nur ord G (a) verschiedene Elemente in a geben kann: a = {a 0,a 1,a 2,a 3,,a ord (a) 1} G womit die Behauptung gezeigt ist 213 Sei G =(M, ) eine Gruppe mit U 1,U 2 G Zeigen Sie: Sind G U1 = (U 1, ) und G U2 =(U 2, ) Untergruppen von G, dann ist auch G U1 U 2 = (U 1 U 2, ) Untergruppe von G, dh der Durchschnitt von zwei Untergruppen von G bildet stets wieder eine Untergruppe von G 214 (1) Es sei Z =(Z, +) die additive Gruppe der ganzen Zahlen Zeigen Sie: Für jedes m N ist Z m = (mz, +) mit mz = {m x x Z} eine Untergruppe von Z

46 Untergruppen (2) Sei G =(M, ) eine abelsche Gruppe U M sei definiert durch U = { a G ord G (a) U + } Involution Zentrum einer Gruppe Beweisen Sie, dass G U G gilt! { } x G x 2 = e die Menge der Invo- 215 Sei G eine Gruppe sowie I(G) = lutionen von G (1) Begründen Sie, dass I(G) für alle Gruppen G gilt! (2) Bestimmen Sie I(Z m ) für alle m 2 (zur Definition von Z m siehe Übung 214)! (3) Begründen Sie, dass I(Z ) 2 für alle m 3 gilt! m (4) Zeigen Sie: Ist G abelsch, dann gilt I(G) G 216 Sei G eine Gruppe Dann heißt C(G) ={a G x a = a x, x G}das Zentrum von G C(G) enthält alle Elemente von G, die mit allen Elementen von G kommutieren Zeigen Sie: (1) Ist G abelsch, dann ist C(G) =G (2) Für alle Gruppen G ist C(G) 1, dh das Zentrum einer Gruppe ist niemals leer (3) Es gilt C(G) G für alle Gruppen G 217 Für eine Gruppe G =(M, ) und zwei Untergruppen G 1 G und G 2 G sei G 1 G 2 = {a b a G 1,b G 2 } Sei nun U M mit G U G (1) Beweisen Sie, dass G U G U = G U gilt! { } (2) Beweisen Sie, dass G U = G 1 ist! Dabei Ist G 1 = a 1 a G U U U (3) Beweisen Sie, dass G U G 1 U U (4) Beweisen Sie, dass Folgendes gilt: Ist a G U = b G U für a, b G, dann folgt a G U a 1 = b G U b 1! 242 Zyklische Gruppen Generator Primitives Element Wir knüpfen nun an Satz 25 c) anund betrachten in diesem Abschnitt zyklische Gruppen etwas näher Definition 24 a) Sei G eine Gruppe und a G, dann heißt a die von a erzeugte zyklische Untergruppe von G b) Sei G eine Gruppe Gibt es ein g Gmit g = G, dann heißt G zyklisch, und g ist ein Generator (auch primitves Element) vong

Gruppen 47 Beispiel 23 Es sei Z =({1, 2, 3, 4}, ) die multiplikative Gruppe modulo 5 5 aus Abbildung 8 Für diese gilt: 1 = {1} 2 = {1, 2, 4, 3} = Z 5 3 = {1, 3, 4, 2} = Z 5 4 = {1, 4} Z 5 ist eine zyklische Gruppe mit den Generatoren 2 und 3 218 (1) Berechnen Sie alle zyklischen Untergruppen der multiplikativen Gruppe Z modulo 7! Ist diese Gruppe zyklisch? 7 (2) Zeigen Sie, dass die additiven Produktgruppen Z 2 Z, k N nicht 2 k zyklisch sind! Korollar 23 Zyklische Gruppen sind abelsch 219 Beweisen Sie Korollar 23! Sei x, y a, dh es gibt r, s Z mit x = a r und y = a s Es gilt: x y = a r a s = a r+s = a s+r = a s a r = y x Wir beweisen jetzt einen Satz über eine Eigenschaft von zyklischen Gruppen, den wir später benötigen, um eine wesentliche Eigenschaft eines Primzahltests zu beweisen Satz 26 Sei G eine endliche Gruppe mit Einselement e und a Gsowie { a = e, a, a 2,a 3,,a r 1} = {a, a 2,a 3,,a r 1,a r} die von a erzeugte zyklische Untergruppe mit Ordnung r Dann gibt es genau t =(k, r) Elemente in a, die die Gleichung x k = e lösen

48 Faktorisierung von Gruppen Beweis Ein Element a j a, 1 j r, erfüllt die Gleichung x k = e genau dann, wenn a jk = e gilt Mit Satz 22 b) folgt, dass r jk ist Hieraus folgt, da t =(k, r) ist, r j k Aus Satz 14 folgt ( r, ) k t t t t =1 Und damit folgt, dass r j ist, t also j = r q für ein geeignetes q N gilt Da 1 j r gilt, folgt 1 r q r t t und daraus t q t Dar t gilt, ist t 1, und, da q N ist, gilt 1 q t r r Das heißt: q kann t Werte annehmen Da j = r q ist und r und k fest gegeben t sind, kann j ebenfalls t Werte annehmen, womit die Behauptung gezeigt ist Beispiel 24 Wir betrachten die zyklische Gruppe Z aus Übung 218 3 ist ein 7 Generator der Gruppe, 3 = Z, mit ord(3) = 6 Die Lösungen der Gleichung 7 x 2 = 1 sind die Selbstinversen in dieser Gruppe Es gilt gemäß dem obigen Satz, dass es t =(2, 6) = 2 Lösungen dieser Gleichung, also zwei selbstinverse Elemente gibt Da das Einselement 1 und das additive Inverse davon, in Z ist 7 das 6, immer selbstinvers sind, gibt es in Z also keine weiteren selbstinversen 7 Elemente (was wir aus Übung 218 schon wissen) 220 Wie viele Lösungen der Gleichung x 3 =1gibt es in Z 7? Nun, gemäß Satz 26 gibt es t =(3, 6) = 3 Lösungen Eine Lösung ist offensichtlich x = 1, die beiden anderen sind x = 2 und x = 4 Wenn wir die Gleichung x 3 =1wie folgt schreiben: x 2 x =1und diese umschreiben zu x 1 = x 2, dann suchen wir Elemente x mit der Eigenschaft, dass x 2 invers zu x ist Es folgt unmittelbar, dass 2 und 4 invers zueinander sind 25 Faktorisierung von Gruppen Wenn man bei den bisherigen Beispielen und Übungen zu endlichen Gruppen jeweils die Gruppenordnungen und die Ordnungen ihrer Untergruppen betrachtet, stellt man fest, dass Untergruppenordnungen immer Teiler der Gruppenordnung sind Wir werden in diesem Abschnitt sehen, dass diese auch für viele Anwendungen wesentliche Eigenschaft von endlichen Gruppen allgemein gilt Auf dem Weg dorthin verallgemeinern wir wie bereits am Ende von Abschnitt 123 angekündigt das Rechnen mit Äquivalenzklassen

Gruppen 49 251 Nebenklassen Definition 25 Sei G =(M, ) eine Gruppe, U M und G U G sowie a G a) Dann heißt Linksnebenklasse a G U = { a x x G U } Linksnebenklasse von G U, und Rechtsnebenklasse G U a = { x a x G U } Rechtsnebenklasse von G U G/G U = { a U a G} ist die Menge aller Linsknebenklassen von G U und G U \G = { U a a G}die Menge der Rechtsnebenklassen von G U Anstelle von a G U und G U a schreiben wir auch ag U bzw G U a oder auch au bzw Ua sowie G/U und U\G anstelle von G/G U bzw von G U \G b) a heißt Repräsentant der Nebenklasse a G U bzw der Nebenklasse G a Repräsentant einer c) Gilt a G U = G U a für alle a G, dann heißt G U ein Normalteiler von G Nebenklasse Es gilt offensichtlich Normalteiler Korollar 24 Ist G ein Normalteiler der Gruppe G, dann gilt a G U = G U a für alle a Gsowie G/G U = G U \G Beispiel 25 Aus Beispiel 23 wissen wir, dass 4 = {1, 4} eine Untergruppe von Z ist Wir bestimmen alle Linksnebenklassen dieser Untergruppe: 5 1 4 = {1, 4} = 4 2 4 = {2, 3} 3 4 = {3, 2} 4 4 = {4, 1} = 4 Da Z abelsch ist, gilt a 4 = 4 a für alle a 5 Z, dh 4 ist ein Normalteiler von Z 5 5 Des Weiteren gilt Z / 4 = {{1, 4}, {2, 3}} = 4 5 \Z 5 221 Berechnen Sie alle Nebenklassen der Untergruppe 2 in Z! 7 222 Sei G =(M, ) eine endliche Gruppe mit U M und G U G Für jedes a Gsei die Abbildung ϕ a : U au definiert durch ϕ a (x) =a x Zeigen Sie, dass ϕ a bijektiv, dh dass U = au für alle a Gist!

50 Faktorisierung von Gruppen Korollar 25 Sei G eine Gruppe und G U G Dann gilt a) a a G U für alle a G; b) a G U = b G U für alle b a G U, dh eine Nebenklasse ist unabhängig von ihrem Repräsentanten, sprich: Jedes Element einer Nebenklasse kann als ihr Repräsentant dienen; c) a G U = a 1 G U ; d) a 1 a G U Beweis a) gilt, weil e G U ist b) Da b a G U ist, gibt es ein x b G U mit b = a x b, dh mit a = b x 1 b Dies verwenden wir, um (1) a G U b G U und (2) b G U a G U zu zeigen, womit die Behauptung gezeigt ist Zu (1): Sei c a G U Dann gibt es x c G U mit c = a x c Es folgt c = b x 1 x b c und damit c b G U,dax 1 x b c G U ist Zu (2): Sei c b G U Dann gibt es y c G U mit c = b y c Es folgt c = a x b y c und damit c a G U,dax b y c G U ist c) Mithilfe von Satz 21 c) und e) sowie Übung 217 (2) rechnen wir: ( a G U = ((a G U ) 1) 1 = G 1 U ) 1= a 1 (G U a 1) 1 = a 1 G 1 U = a 1 G U d) folgt unmittelbar aus a) und c) 252 Faktorgruppen Wir führen nun eine Verknüpfung für die Nebenklassen von Normalteilern ein und werden feststellen, dass dadurch eine neue Gruppenstruktur entsteht Definition 26 Sei G =(M, ) eine Gruppe, U M und G U G ein Normalteiler von G Dann ist die Verknüpfung U : G/G U G/G U G/G U definiert durch (a G U ) U (b G U )=(a b) G U (215) Korollar 26 Für die in dieser Definition festgelegte Verknüpfung von Nebenklassen gilt für a a G U und b b G U (a b) G U =(a b ) G U (216) Die in (215) festgelegt Verknüpfung von Nebenklassen ist als unabhängig vom gewählten Repräsentanten; man sagt deshalb auch, dass diese Verknüpfung wohldefiniert ist

Gruppen 51 Beweis Zu a a G U gibt es x a G U mit a = a x a und zu b b G U gibt es x b G U mit b = b x b Damit überlegen wir c ( a b ) G U gdw es x c G U gibt mit c =(a b ) x c gdw c =(a x a ) (b x b ) x c gdw c = a (x a b) x b x c gdw c a (G U b) G U da x a,x b,x c G U gdw c a (b G U ) G U da G U Normalteiler gdw c (a b) (G U G U ) gdw c (a b) G U wegen Übung 217 (1) womit die Behauptung gezeigt ist Satz 27 Sei G =(M, ) eine Gruppe, U M und G U G ein Normalteiler Faktorgruppe von G Dann bildet (G/G U, U ) mit (a G U ) U (b G U )=(a b) G U eine Gruppe, die so genannte Faktorgruppe von G nach G U Beweis Die Verknüpfung U ist offensichtlich abgeschlossen Die Verknüpfung ist assoziativ, denn es gilt: ((a G U ) U (b G U )) U (c G U )=((a b) G U ) U (c G U ) =((a b) c) G U =(a (b c)) G U =(a G U ) U ((b c) G U ) =(a G U ) U ((b G U ) U (c G U )) e G U = G U ist das Einselement, denn es ist G U U (a G U )=(e G U ) U (a G U )=(e a) G U = a G U Zu a G U ist a 1 G U das Inverse, denn es gilt (a G U ) U (a 1 G U )=(a a 1 ) G U = e G U = G U Beispiel 26 Wir greifen nun die Überlegungen zum Rechnen mit Restklassen vom Ende von Abschnitt 123 auf Wir wissen, dass (Z, +), die Menge der ganzen Zahlen mit Addition, eine abelsche Gruppe bildet Wir betrachten nun für m N die Menge mz = {mx x Z} (siehe Definiton 16) mz bildet eine Untergruppe von Z (siehe Übung 214) mz ist zudem Normalteiler in Z, denn wegen der Kommutativität der Addition gilt a + mz = mz + a für alle a Z Die Nebenklassen von mz in Z sind (siehe auch Definition 14, Korollare 18 und 19 sowie Satz 13) r + mz = {mx + r x Z}, 0 r<m (217)

52 Faktorisierung von Gruppen Additive Restklassengruppe modulo m mz besitzt genau diese m Nebenklassen, denn zu a Z existiert wegen Satz 11 genau ein x Z und ein r N 0 mit a = mx + r und 0 r<m, dh zu a Z gibt es ganau ein r, 0 r<mmit a r + mz Gemäß Definition 26 ergibt sich die Rechenstruktur (Z/mZ, + mz ) definiert durch (a + mz)+ mz (b + mz) =(a + b)+mz (218) Diese Addition der Nebenklassen ist gemäß Korollar 26 unabhängig vom gewählten Repräsentanten, und wegen Satz 27 bildet Z/mZ eine Gruppe, die additive Faktorgruppe von Z nach mz, auch additive Restklassengruppe modulo m genannt 223 Stellen Sie die Gruppentafel für die Faktorgruppe Z / 2 auf! 7 Quotientengruppe Eine Untergruppe U teilt ( faktorisiert ) die Elemente der Gruppe G =(M, ) in Teilmengen ein Durch eine entsprechende Verallgemeinerung der Elementverknüpfung auf die Mengenverknüpfung U erhält man eine Gruppenstruktur, die sogenannte Faktorgruppe (auch Quotientengruppe) G/G U von G nach G U Wir werden im Folgenden zumeist nicht mehr zwischen den beiden Verknüpfungen unterscheiden und beide mit notieren, und wir werden, wie in Definition 25 schon erklärt, in der Regel die Nebenklasse a U durch au bzw a G U durch ag U notieren 253 Satz von Lagrange Satz von Lagrange Wenn wir die bisherigen Beispiele von Faktorgruppen betrachten, dann können wir folgende Beobachtungen machen: Nebenklassen sind entweder identisch oder disjunkt; die Nebenklassen einer Faktorgruppe haben die gleiche Anzahl von Elementen, nämlich genau so viele wie die Untergruppe, die die Faktorgruppe bestimmt, die ja das Einselement der Faktorgruppe darstellt Außerdem greifen wir die schon füher aufgestellte Vermutung auf, dass die Ordnung von Untergruppen immer ein Teiler der Gruppenordnung ist Diese Beobachtungen und Vermutungen bestätigt der folgende Satz von Lagrange Satz 28 Sei G =(M, ) eine endliche Gruppe, U M und G U G (1) Für a, b Ggilt entweder au = bu oder au bu = Analoges gilt für die Rechtsnebenklassen

Gruppen 53 (2) Die Nebenklassen legen eine Äquivalenzrelation und damit eine Partition auf G fest (3) Es gilt au = bu = U für alle a, b G Analoges gilt für die Rechtsnebenklassen (4) Es gibt eine Zahl r N mit G = r U, dh mit ord G = r ord GU Die Ordnungen von Untergruppen sind also immer Teiler der Gruppenordnung (5) Es ist r = G/U = U\G, und r heißt Index von U in G Schreibweise: Index [G : U] = r Es gilt also G = [G : U] U, anders formuliert ord G = [G : U] ord GU (6) Für die trivialen Untergruppen U = {e} und U = G gilt [G : {e}] = G bzw [G : G] =1 (7) Ist G U keine triviale Untergruppe von G, dann gilt G 2 U, dh ord G 2 = G 2 U = ord G U Beweis (1) Wenn a = b ist, folgt au = bu Es sei also a b Des Weiteren sei au bu, dh es gibt mindestens ein c au bu Wir betrachten zwei Fälle: (i) Es gibt x U mit c = ax und c = bx (ii) Es gibt x, y U, x y, mit c = ax und c = by Zu (i): Aus c = ax und c = bx folgt ax = bx und daraus a = b, ein Widerspruch zur Voraussetzung a b Die Annahme au bu führt also im Fall (i) zu einem Widerspruch, es folgt somit au bu = Zu (ii): Aus c = ax und c = by folgt ax = by und daraus a = byx 1 Sei d au, dann gibt es z U mit d = az Es folgt d = byx 1 zdau Untergruppe und x, y, z U ist, ist u = yx 1 z U und damit d = bu bu Wir haben gezeigt, dass au bu ist Analog kann gezeigt werden, dass bu au ist Es folgt also im Fall (ii) die Gleichheit au = bu (2) Aus (1) folgt, dass die Nebenklassen entweder identisch oder disjunkt sind Wir müssen noch zeigen, dass die Vereinigung aller Nebenklassen gleich der Gruppe ist, also au = G a G gilt Offensichtlich ist a G au G Wir müssen noch G a G au zeigen: Sei dazu b G Es gilt b = b e und damit b bu, dae U ist Also ist b a G au (3) folgt unmittelbar aus Übung 222

54 Faktorisierung von Gruppen (4) folgt unmittelbar aus (2) und (3): G wird vollständig, disjunkt überdeckt von allen Nebenklassen, und diese besitzen alle dieselbe Anzahl von Elementen, nämlich genau U viele Es folgt, dass r die Anzahl der Nebenklassen, dh die Anzahl der Elemente in der Faktorgruppe G/G U ist (5) folgt unmittelbar aus (4) (6) ist offensichtlich: In G/G {e} bildet jedes Element a Geine Nebenklasse {a} InG/G ist G die einzige Nebenklasse (7) Da G U nicht trivial ist, muss 2 U < G, also G 3 sein Es sei also G = { e, a 1,a 2,,a k 1 } mit k 3 Es gilt U = eu a i U, 1 i k 1 Daraus folgt, dass es mindestens zwei Nebenklassen gibt, nämlich U und zb a 1 U (von den anderen Nebenklassen a i U, 2 i k 1, könnten welche verschieden von a 1 U und welche (sogar alle) könnten gleich a 1 U sein) Da es somit aber mindestens zwei Nebenklassen gibt, ist der Index größer gleich 2: [G : U] 2 Mit (5) folgt dann G =[G : U] U 2 U womit die Behauptung gezeigt ist Bemerkung 22 Die Aussagen (4) und (5) bilden die eigentliche Aussage des Satzes von Lagrange: Für eine endliche Gruppe G und eine Untergruppe G U G gilt, dass die Untergruppenordnung ein Teiler der Gruppenordnung ist: G =[G : G U ] G U (219) Die Aussagen (1) (3) sind Hilfsaussagen, mit denen der Satz bewiesen werden kann Die Aussagen (6) und (7) betrachten Spezialfälle Der Satz von Lagrange ist von immanenter Bedeutung in der Gruppentheorie und in ihren Anwendungen Das werden wir in späteren Kapitel noch sehen, zb bei der Verschlüsselung von Daten sowie bei Primzahltests Korollar 27 Sei G mit ord G P Dann gilt: a) G besitzt außer den trivialen keine weiteren Untergruppen b) G ist zyklisch c) G ist abelsch Beweis a) folgt unmittelbar aus dem Satz 28 (4): Primzahlen besitzen keine echten Teiler, also kann G keine echten Untergruppen besitzen, da deren Ordnung Teiler der Gruppenordnung sind Somit besitzt G nur die trivialen Untergruppen b) a bildet gemäß Satz 25 c) eine Untergruppe von G für jedes a GDawegen a) G außer den trivialen Untergruppen keine weiteren Untergruppen besitzt, muss a = G für a e ein Also ist G gemäß Definition 24 b) zyklisch c) Folgt aus b) und Korollar 23

Gruppen 55 Korollar 28 Sei G =(M, ) eine endliche Gruppe a) Sei a G, dann ist ord G (a) ord G b) Sei a G, dann ist a ord G = e c) Ist G zyklisch und g Gein Generator von G, dann gilt g n = e genau dann, wenn ord G n gilt Beweis a) Wegen Satz 25 d) gilt ord G (a) =ord G a und aus dem Satz 28 (4) folgt ord G a ord G, also gilt auch ord G (a) ord G b) folgt aus a) und Satz 22 b) c) folgt aus b) und Satz 22 b) 26 Gruppenhomomorphismen Wir haben in den bisherigen Beispielen und Übungen eine Reihe von Gruppen betrachtet, welche dieselbe Anzahl von Elementen und verschiedene Verknüpfungen haben Es stellt sich die Frage, ob diese Gruppen tatsächlich verschieden sind oder ob in ihnen nicht dasselbe berechnet wird, nur mit anderen Elementen und verschiedenen Bezeichnungen für die Verknüpfungen In den folgenden Abschnitten führen wir Begriffe für den Vergleich von Gruppen ein 261 Beispiele und Definitionen Wie viele Gruppen mit genau einem Element gibt es? Nun, da jede Gruppe ein Einselement besitzen muss, enthalten Gruppen mit einem Element nur das Einselement Solche Gruppen haben wir als triviale Untergruppen schon kennen gelernt: Die Untergruppen ({0}, +) der additiven Gruppen (Z m, +); die Untergruppe ({1}, ) der multiplikativen Gruppe (Z, ); die Untergruppe ({id}, ) 7 der Funktionengruppe aus Übung 27 Die entsprechenden Gruppentafeln bestehen jeweils nur aus dem Einselement Das heißt, wenn wir von den verschiedenen Bezeichnungen der Einselemente wie 0, 1 und id absehen, sind alle einelementigen Gruppen identisch; abstrakt betrachtet gibt es nur eine einzige Gruppe mit einem Element: ({e}, ) mit der Verknüpfungstafel e e e

56 Gruppenhomomorphismen 224 Überlegen Sie, wie viele verschiedene Gruppen es mit zwei bzw mit drei Elementen gibt! Nun betrachten wir die additive Verknüpfungstafel von Z 4 : Z 4 + 0 1 2 3 0 0 1 2 3 1 1 2 3 0 2 2 3 0 1 3 3 0 1 2 ist eine additive abelsche Gruppe mit Einselement 0, und y =4 xist das additive Inverse zu x Z 4 ; 0 und 2 sind selbstinvers, 1 und 3 sind invers zueinander Des Weiteren betrachten wir die multiplikative Verknüpfungstafel von Z : 5 1 2 3 4 1 1 2 3 4 2 2 4 1 3 3 3 1 4 2 4 4 3 2 1 Z ist bezüglich der Multiplikation eine abelsche Gruppe mit Einselement 1 1 5 und 4 sind invers zu sich selbst, 2 und 3 sind invers zueinander Die Frage ist, ob es sich hier ebenfalls um ein und dieselbe Gruppe handelt, dh gibt es eine eineindeutige Zuordnung der Elemente dieser beiden Gruppen, die verträglich mit den beiden Operationen ist, so dass es sich letztendlich um ein und dieselbe Rechenstruktur handelt Wenn es sich abgesehen von der Benennung der Elemente und abgesehen von der Benennung der Verknüpfung um dieselbe Gruppe handeln soll, dann ist es einsichtig, dass die Einselemente einander zugeordnet werden sollten Wir halten also schon einmal die Umbenennung 0 1 fest Neben diesen beiden Elementen sind noch 2 in Z 4 bzw noch 4 in Z 5 selbstinvers, also halten wir die Umbenennung 2 4 fest Für die verbliebenen Elemente bleiben noch die beiden Zuordnungen 1 2 und 3 3 oder 1 3 und 3 2 Für die erste Zuordnung 0 1 1 2 2 4 3 3 (220)

Gruppen 57 stellen wir die beiden Verknüpfungstafeln entsprechend nebeneinander: + 0 1 2 3 0 0 1 2 3 1 1 2 3 0 2 2 3 0 1 3 3 0 1 2 1 2 4 3 1 1 2 4 3 2 2 4 3 1 4 4 3 1 2 3 3 1 2 4 225 Stellen Sie die andere Zuordnung entsprechend dar! Für diese Zuordnung erhalten wir + 0 1 2 3 0 0 1 2 3 1 1 2 3 0 2 2 3 0 1 3 3 0 1 2 0 1 1 3 2 4 3 2 1 3 4 2 1 1 3 4 2 3 3 4 2 1 4 4 2 1 3 2 2 1 3 4 (221) Die beiden Rechenstrukturen (Z 4, +) und (Z, ) sind offensichtlich identisch; 5 es gibt sogar zwei eineindeutige Zuordnungen der Elemente beider Strukturen, nämlich (220) und (221), und diese Umbenennungen sind verträglich mit den beiden Verknüpfungen Wir betrachten als weiteres Beispiel einer Gruppe mit vier Elementen, die so genannte Kleinsche Vierergruppe: 5 K 4 = ({0, 1, 2, 3}, ) definiert durch die Verknüpfungstafel: 0 1 2 3 0 0 1 2 3 1 1 0 3 2 2 2 3 0 1 3 3 2 1 0 Kleinsche Vierergruppe 5 Benannt nach dem deutschen Mathematiker Felix Klein (1849-1925), der zu vielen Gebieten der Mathematik und zur Didaktik der Mathematik wesentliche Beiträge lieferte Er legte zum Ende des 19 und am Anfang des 20 Jahrhunderts die Grundsteine dafür, das Göttingen bis zum zweiten Weltkrieg zu dem Zentrum der Mathematik weltweit wurde

58 Gruppenhomomorphismen K 4 ist eine abelsche Gruppe mit Einselement 0, und jedes Element ist invers zu sich selbst 226 Überlegen Sie, ob K 4 strukturgleich zu Z 4 (und damit strukturgleich zu Z ) 5 sein kann! Homomorphismus Strukturgleichung Da im Gegensatz zu Z 4 alle Elemente von K 4 selbstinvers sind, können die Strukturen nicht strukturgleich sein Wir wollen nun den Begriff der Strukturgleichheit von Gruppen formal definieren Definition 27 Seien G 1 =(M 1, 1 ) und G 2 =(M 2, 2 ) zwei Gruppen Eine totale Abbildung ϕ : G 1 G 2 mit ϕ(a 1 b)=ϕ(a) 2 ϕ(b) (222) heißt Homomorphismus von G 1 nach (auch: in) G 2 (siehe Abbildung 10) Die Gleichung (222) heißt Strukturgleichung a b a 1 b G 1 G 1 G 1 G 2 G 2 G 2 ϕ(a) 2 ϕ(b) ϕ(a) ϕ(b) ϕ(a 1 b) Abb 10: Homomorphismus Isomorphismus Automorphismus Ist ein Homomorphismus ϕ von G 1 nach G 2 bijektiv, dann heißt ϕ Isomorphismus zwischen G 1 und G 2 Die Gruppen G 1 und G 2 heißen isomorph genau dann, wenn es einen Isomorphismus zwischen G 1 und G 2 gibt Sind G 1 und G 2 isomorph, so schreiben wir G 1 = G2 Ist ϕ ein Isomorphismus einer Gruppe G auf sich selbst, so heißt ϕ ein Automorphismus von G Die sinnvollen Eigenschaften, dass ein Homomorphismus das Einselement der Gruppe G 1 dem Einselement der Gruppe G 2 zuordnet und verträglich mit der

Gruppen 59 Inversenbildung ist, müssen nicht explizit in der Definition gefordert werden, sondern sie folgen mithilfe der Kürzungsregel aus der Strukturgleichung (222) Korollar 29 Sei ϕ : G 1 G 2 ein Homomorphismus von der Gruppe G 1 = (M 1, 1 ) mit dem Einselement e 1 in die Gruppe G 2 =(M 2, 2 ) mit dem Einselement e 2 Dann gilt: a) ϕ(e 1 )=e 2 sowie b) ϕ(a 1 )=(ϕ(a)) 1 Beweis a) Es sei ϕ(a 1 )=a 2, dann gilt: a 2 2 e 2 = a 2 = ϕ(a 1 )=ϕ(a 1 1 e 1 )=ϕ(a 1 ) 2 ϕ(e 1 )=a 2 2 ϕ(e 1 ) Hieraus folgt mithilfe der Kürzungsregel e 2 = ϕ(e 1 ) b) Es gilt einerseits e 2 = ϕ(a) 2 (ϕ(a)) 1 und andererseits mit a) e 2 = ϕ(e 1 )=ϕ(a 1 a 1 )=ϕ(a) 2 ϕ(a 1 ) woraus folgt, dass ϕ(a) 2 (ϕ(a)) 1 = ϕ(a) 2 ϕ(a 1 ) ist Hieraus folgt mithilfe der Kürzungsregel die Behauptung ϕ(a 1 )=(ϕ(a)) 1 Beispiel 27 Die Zuordnungen (220) und (221) stellen Isomorphismen zwischen der additiven Gruppe modulo 4 und der multiplikativen Gruppe modulo 5 dar Es gilt also Z 4 = Z Des Weiteren haben wir bereits überlegt, dass die 5 Kleinsche Vierergruppe K 4 nicht isomorph zu Z 4 und damit auch nicht isomorph zu Z ist 5 227 (1) Zeigen Sie: K 4 ist isomorph zu den Gruppen (i) F =({ id, nid, rez, nrez }, ) aus Übung 27, (ii) (Z 2 Z 2, + 2 ) und (iii) Z! 8 (2) Zeigen Sie: Die Gruppen (R, +) und (R {0}, ) sind isomorph! (3) Zeigen Sie: Die Gruppe (Z, +) ist isomorph zu allen Untergruppen (mz, +), m N!

60 Gruppenhomomorphismen Bemerkung 23 Man kann zeigen, dass (Z 4, +) und K 4 bis auf Isomorphie die einzigen, vierelementigen Gruppen sind Ist G eine Gruppe mit ord G =4, dann gilt entweder G = Z 4 oder G = K 4 Für die grundsätzliche Untersuchung vierelementiger Gruppen reicht es also aus, die Gruppe Z 4 und die Gruppe K 4 zu betrachten Homomorphismen sind deutlich schwächer als Isomorphismen als Kriterien für Strukturvergleiche Korollar 210 Zwischen zwei Gruppen G und G existiert immer ein Homomorphismus Beweis Sei e das Einselement von G Dann ist die Abbildung ϕ : G G definiert durch ϕ(a) =e für alle a Gein Homomorphismus von G in G, denn ϕ erfüllt die Strukturgleichung: ϕ(a b) =e = e e = ϕ(a) ϕ(b) Korollar 211 a) Sei G eine Gruppe sowie ϕ und ψ Homomorphismen von G in sich selbst Dann ist auch ψ ϕ ein Homomorphismus von G in sich selbst Die Komposition von Homomorphismen ist also wieder ein Homomorphismus b) Sei ϕ ein Isomorphismus von der Gruppe G 1 = (M 1, 1 ) auf die Gruppe G 2 =(M 2, 2 ), dann ist ϕ 1 ein Isomorphismus von G 2 auf G 1 Beweis a) Wir zeigen schrittweise, dass ψ ϕ(x y) =ψ ϕ(x) ψ ϕ(y) gilt: ψ ϕ(x y) =ψ(ϕ(x y)) = ψ(ϕ(x) ϕ(y)) = ψ(ϕ(x)) ψ(ϕ(y)) = ψ ϕ(x) ψ ϕ(y) b) Nach Voraussetzung ist ϕ bijektiv, dann ist auch die Umkehrung ϕ 1 bijektiv Wir müssen noch zeigen, dass ϕ 1 (a 2 b)=ϕ 1 (a) 1 ϕ 1 (b) (223) gilt Es seien x, y G 1 mit ϕ(x) =a und ϕ(y) =b, womit x = ϕ 1 (a) bzw y = ϕ 1 (b) gilt Da ϕ Homomorphismus ist, gilt ϕ(x 1 y)=ϕ(x) 2 ϕ(y) Mit diesen Voraussetzungen rechnen wir ϕ 1 (a 2 b)=ϕ 1 (ϕ(x) 2 ϕ(y)) = ϕ 1 (ϕ(x 1 y)) = x 1 y = ϕ 1 (a) 1 ϕ 1 (b) womit (223) gezeigt ist

Gruppen 61 228 Sei ϕ : G 1 G 2 ein Homomorphismus der Gruppe G 1 in die Gruppe G 2 Zeigen Sei, dass Bild(ϕ) eine Untergruppe von G 2 ist! 229 a) Sei G eine Gruppe Welche Voraussetzung muss gelten, damit die Abbildung ϕ : G Gdefiniert durch ϕ(x) =x 1 ein Isomorphismus von G in sich selbst ist? b) Sei G =(M, ) eine Gruppe Für jedes t Gsei die Abbildung ϕ t : G Gdefiniert durch ϕ t (x) =t x t 1 (1) Zeigen Sie, dass ϕ t ein Isomorphismus von G auf sich selbst, also ein Automorphismus ist! (2) Es sei AUT = { ϕ t t G}die Menge dieser Automorphismen Zeigen Sie, dass (AUT, ) eine Gruppe bildet! 230 a) Sei G =(M, ) eine Gruppe Zeigen Sie, dass für jedes Element a G die Abbildung f a : G Gdefiniert durch f a (x) =a x eine bijektive Abbildung ist! b) Geben Sie für die multiplikative Gruppe (Z, ) alle Abbildungen f 5 a an! c) Sei G =(M, ) eine Gruppe Zeigen Sie, dass dann die Struktur F(G) = ({f a a G}, ) ebenfalls eine Gruppe bildet Dabei ist (f a f b )(x) = f a (f b (x)) d) Geben Sie die Gruppe F(Z ) an 5 e) Zeigen Sie, dass für jede Gruppe G gilt: G = F(G) f) Verifizieren Sie die allgemeinen Ergebnisse aus c) und e) am Beispiel b) und d) 262 Kerne von Homomorphismen Bei einem Isomorphismus zwischen zwei Gruppen werden genau die Einselemente aufeinander abgebildet (siehe Korollar 29 a) Bei nicht injektiven Homomorphismen ist dies nicht der Fall Wir betrachten im Folgenden die Menge der Elemente, die von einem Homomorphismus auf das Einselement abgebildet werden, und wir werden sehen, dass diese Menge im Wesentlichen den Homomorphismus beschreibt

62 Gruppenhomomorphismen Kern eines Homomorphismus Definition 28 Sei ϕ : G 1 G 2 ein Homomorphismus von Gruppe G 1 nach Gruppe G 2 Dann heißt Kern(ϕ) ={x G 1 ϕ(x) =e 2 } der Kern von ϕ Der Kern enthält also alle Elemente von G 1, die auf das Einselement von G 2 abgebildet werden, oder anders dargestellt gilt ϕ 1 (e 2 )=Kern(ϕ): Der Kern ist das Urbild des Einselementes von G 2 unter ϕ Korollar 212 Es sei ϕ : G 1 G 2 ein Homomorphismus von der Gruppe G 1 in die Gruppe G 2 a) Es gilt immer e 1 Kern(ϕ) b) Falls Kern(ϕ) > 1 ist, dann ist der Homomorphismus ϕ nicht injektiv und damit kein Isomorphismus c) Falls der Homomorphismus ϕ injektiv ist, dann gilt Kern(ϕ) ={e 1 } d) Ist Kern(ϕ) =1, dh Kern(ϕ) ={e 1 }, dann ist ϕ injektiv e) ϕ ist injektiv genau dann, wenn Kern(ϕ) =1, dh Kern(ϕ) ={e 1 } ist Beweis a) Folgt unmittelbar aus Korollar 29 a) b) Da Kern(ϕ) > 1 ist, gibt es neben e 1 Kern(ϕ) ein davon verschiedenes x Kern(ϕ) mit ϕ(e 1 )=e 2 und ϕ(x) =e 2 Damit ist ϕ(e 2 )=ϕ(x) für e 1 x, also ist ϕ nicht injektiv c) Folgt unmittelbar durch Umkehrung von b) unter Beachtung von a) d) Wir nehmen an, ϕ sei nicht injektiv Dann existieren x, y G 1 mit x y und ϕ(x) =ϕ(y) Daraus folgt ϕ(x) 2 (ϕ(y)) 1 = e 2 und daraus ϕ(x) 2 ϕ(y 1 )=e 2 und daraus ϕ(x 1 y 1 )=e 2 Hieraus folgt nun x 1 y 1 Kern(ϕ) Dax y ist, ist x 1 y 1 e 1 Das bedeutet, dass Kern(ϕ) außer e 1 noch das Element x 1 y 1 enthält, was einen Widerspruch zur Voraussetzung darstellt e) folgt unmittelbar aus c) und d) Der Kern bildet eine Untergruppe, sogar einen Normalteiler von G 1 Satz 29 Der Kern eines Homomorphismus ϕ zwischen zwei Gruppen G 1 und G 2 bildet einen Normalteiler in G 1 Beweis Wir zeigen zunächst mithilfe von Satz 25 a), dass Kern(ϕ) eine Untergruppe von G 1 bildet Sei also a, b Kern(ϕ), dh es ist ϕ(a) = e 2 und ϕ(b) =e 2 Dann gilt ϕ(a 1 1 b)=ϕ(a) 1 2 ϕ(b) =e 2 2 e 2 = e 2 Es folgt, dass a 1 1 b Kern(ϕ) ist Jetzt zeigen wir noch, dass Kern(ϕ) normal in G 1 ist, dh, dass a 1 Kern(ϕ) = Kern(ϕ) 1 a für alle a G 1 ist Sei x a 1 Kern(ϕ), dh es gibt ein k Kern(ϕ) mit x = a 1 k Wir müssen zeigen, dass x Kern(ϕ) 1 a ist Dazu setzen wir x = a 1 k 1 a 1 1 a = k 1 a

Gruppen 63 mit k = a 1 k 1 a 1 Es gilt k Kern(ϕ), denn es ist: ϕ(k) =ϕ(a 1 k 1 a 1 ) = ϕ(a) 2 ϕ(k) 2 ϕ(a 1 ) = ϕ(a) 2 e 2 2 ϕ(a 1 ) = ϕ(a) 2 ϕ(a) 1 = e 2 Damit folgt also x Kern(ϕ) 1 a und damit a 1 Kern(ϕ) Kern(ϕ) 1 a Die Umkehrung kann analog gezeigt werden 231 Die Abbildung ϕ : Z 2 Z (zur Definiton von Z 2 siehe Beispiel 22) sei definiert durch ϕ(a, b) =b a a) Zeigen Sie: ϕ ist ein Homomorphismus von (Z 2, +) nach (Z, +) b) Bestimmen Sie Kern(ϕ)! c) Ist ϕ ein Isomorphismus? Beweisen Sie Ihre Antwort! d) Kern(ϕ) ist ein Normalteiler von (Z 2, +) Geben Sie die Nebenklasse von Kern(ϕ) an, von der (3, 7) ein Repräsentant ist! Geben Sie die Nebenklasse von Kern(ϕ) an, von der (a, b) Z 2 ein Repräsentant ist Aus den Sätzen 27 und 29 folgt unmittelbar Korollar 213 Sei ϕ ein Homomorphismus zwischen den Gruppen G und G, dann ist G/Kern(ϕ) eine Gruppe, die Faktorgruppe von G nach dem Kern von ϕ Mit Defintion 28 und Satz 29 wissen wir, dass das Urbild ϕ 1 (e 2 ) von e 2 unter dem Homomorphismus ϕ der Kern von ϕ ist und dass dieser ein Normalteiler, also insbesondere eine Nebenklasse ist Da durch a 1 Kern(ϕ) für a G 1 alle Nebenklassen von Kern(ϕ) bestimmt sind, besagt der folgende Satz, dass die Nebenklassen von Kern(ϕ) gerade alle Urbilder von ϕ sind Satz 210 Sei ϕ ein Homomorphismus der Gruppe G 1 nach der Gruppe G 2 sowie ϕ(a) =c Dann gilt ϕ 1 (c) =a 1 Kern(ϕ)

64 Gruppenhomomorphismen Beweis Es gilt b ϕ 1 (c) genau dann, wenn ϕ(b) =c genau dann, wenn ϕ(b) =ϕ(a) genau dann, wenn ϕ(a) 1 2 ϕ(b) =e 2 genau dann, wenn ϕ(a 1 1 b)=e 2 genau dann, wenn a 1 1 b Kern(ϕ) genau dann, wenn b a 1 Kern(ϕ) Damit haben wir gezeigt, dass ϕ 1 (c) =a 1 Kern(ϕ) ist Aus Übung 228 wissen wir, dass die Bildmenge eines Homomorphismus eine Gruppe bildet Die nächste Folgerung zeigt Zusammehänge zwischen dem Kern und der Bildgruppe eines Gruppenhomomorphismus auf Korollar 214 Sei ϕ : G G ein Homomorphismus von der Gruppe G in die Gruppe G mit Bild(ϕ) < a) Dann gilt b) sowie [G : Kern(ϕ)] = Bild(ϕ) (224) G = Kern(ϕ) Bild(ϕ) (225) Beweis a) Aus Satz 210 folgt unmittelbar, dass die Anzahl der Nebenklassen von Kern(ϕ), dh der Index von Kern(ϕ) in G, gleich der Anzahl der Bilder von ϕ ist b) Unmittelbar aus dem Satz von Lagrange (Satz 28), insbesondere in der Form von Gleichung (219), folgt für die Untergruppe Kern(ϕ): G =[G : Kern(ϕ)] Kern(ϕ) Hieraus folgt mit Gleichung (224) aus a) unmittelbar die Behauptung (225) 263 Der Homomorphiesatz für Gruppen Satz 210 und die daraus folgende Gleichung (224) lassen vermuten, dass die Faktorgruppe G/Kern(ϕ) isomorph zur Bildgruppe Bild(ϕ) eines Homomorphismus ϕ ist Diese Vermutung wird durch den folgenden Satz, den Homomorphiesatz für Gruppen, bestätigt Satz 211 Sei ϕ : G G ein Homomorphismus von der Gruppe G in die Gruppe G Dann ist die Abbildung φ : G/Kern(ϕ) Bild(ϕ)

Gruppen 65 definiert durch φ(a Kern(ϕ)) = ϕ(a) (226) ein Isomorphismus zwischen den Gruppen G/Kern(ϕ) und Bild(ϕ), es gilt also G/Kern(ϕ) = Bild(ϕ) Beweis Die Abbildung φ ist offensichtlich total und surjektiv Zum Nachweis der Injektivität sei φ(a Kern(ϕ)) = φ(b Kern(ϕ)) für a, b G Wegen Gleichung (226) gilt dann ϕ(a) =ϕ(b) Es folgt (siehe Beweis von Satz 210) a b Kern(ϕ) und damit (siehe Korollar 25 b) a Kern(ϕ) =b Kern(ϕ), womit die Injektivität von φ gezeigt ist Des Weiteren gilt φ((a Kern(ϕ)) Kern(ϕ) (b Kern(ϕ))) = φ((a b) Kern(ϕ)) wegen (215) und Definition 26 = ϕ(a b) wegen (226) = ϕ(a) ϕ(b) da ϕ Homomorphismus = φ(a Kern(ϕ)) φ(b Kern(ϕ)) wegen (226) womit die Homomorphieeigenschaft (Definition 27) von φ gezeigt ist Aus dem Satz 211 folgt unmittelbar Korollar 215 Sei ϕ : G G ein surjektiver Homomorphismus von der Gruppe G in die Gruppe G Dann ist die Abbildung definiert durch φ : G/Kern(ϕ) G φ(a Kern(ϕ)) = ϕ(a) ein Isomorphismus zwischen den Gruppen G/Kern(ϕ) und G, es gilt also G/Kern(ϕ) = G Beispiel 28 a) In der Lösung zu Übung 231 d) haben wir den Kern des Homomorphismus ϕ : Z 2 Z definiert durch ϕ(a, b) =b a und seine Nebenklassen (a, b)+kern(ϕ) betrachtet Da ϕ surjektiv ist, gilt gemäß Korollar 215: Z 2 /Kern(ϕ) = Z Die Gleichheit (E24) (a, b)+kern(ϕ) ={(x, y) y x = ϕ(a, b)} drückt quasi diesen Isomorphismus für unser Beispiel aus: φ : Z 2 /Kern(ϕ) Z definiert durch φ((a, b) + Kern(ϕ)) = ϕ(a, b)

66 Gruppenhomomorphismen b) Wir haben verschiedentlich in Z m, m N, gerechnet Wir betrachten nun allgemein die additive Struktur (Z m, + m ) mit der Trägermenge Z m = {0 m, 1 m,,(m 1) m } Die Verknüpfung + m ist definiert durch { (a + b) a m + m b m = m, a+ b m 1 (227) (a + b m) m, a+ b m Es gilt also zb 2 8 + 8 5 8 =(2+5) 8 =7 8 und 3 8 + 8 7 8 =(3+7 8) 8 =2 8 Die Struktur Z m ist offensichtlich abgeschlossen und kommutativ, und sie ist assoziativ (etwas umständlich nachzurechnen, aber machbar) Das Einselement ist 0 m, denn es gilt a m + m 0 m =(a +0) m = a m Das Inverse ( a) m zu a m ist (m a) m, denn es gilt a m + m ( a) m = a m + m (m a) m =(a +(m a) m) m da a +(m a) =m m ist =0 m Z m ist also eine additive abelsche Gruppe Am Ende von Abschnitt 121 haben wir die Operation mod kennengelernt: r = mod(a, b) ist für a Z und b N der kleinste Rest größer gleich 0, der bei der Division von a durch b bleibt (sieh Satz 11) Mithilfe dieser Operation setzen wir nun für a Z und m N: a m = mod(a, m); offensichtlich ist (a m ) m = a m (228) Es gilt (a + b) m = a m + m b m (229) Dazu rechnen wir: Es gibt q a,q b Z mit a = mq a + a m, 0 a m m 1 b = mq b + b m, 0 b m m 1 Damit ist a m + b m 2m 2, also a m + b m m m 2 <m 1 Es folgt (mithilfe von (227) im dritten bzw (228) im vierten Schritt) a + b = m(q a + q b )+a m + b m = = = { m(q a + q b )+(a m + b m ), a m + b m m 1 m(q a + q b +1)+(a m + b m m), a m + b m m { m(q a + q b )+((a m ) m + m (b m ) m ), a m + b m m 1 m(q a + q b +1)+((a m ) m + m (b m ) m ), a m + b m m { m(q a + q b )+(a m + m b m ), a m + b m m 1 m(q a + q b +1)+(a m + m b m ), a m + b m m

Gruppen 67 womit (229) gezeigt ist Wir definieren nun ϕ m : Z Z m durch ϕ m (a) =a m Dann ist ϕ m (229) ein Homomorphismus von Z nach Z m, denn es ist mithilfe von ϕ m (a + b) =(a + b) m = a m + m b m = ϕ m (a)+ m ϕ m (b) ϕ m ist offensichtlich surjektiv Wir bestimmen nun den Kern von ϕ m (siehe Beispiel 26): Kern(ϕ m )={a Z ϕ m (a) =0 m } = {a Z a m =0 m } = {ma a Z} = mz Wir wissen, dass mz ein Normalteiler in Z ist Insgesamt folgt mit Korollar 215: Z/mZ = Z m Deswegen werden wir im Folgenden nicht mehr zwischen Z/mZ und Z m unterscheiden und Z m als Bezeichnung für diese Rechenstruktur wählen Wir nennen (Z m, + m ) die additive Restklassengruppe modulo m Wenn aus dem Zusammenhang klar ist, dass wir in Z m rechnen, lassen wir beim Verknüpfungssymbol das m weg und schreiben einfach nur + anstelle + m Additive Restklassengruppe modulo m 232 Sei G =(M, ) eine endliche zyklische Gruppe und b Gein Generator für G Des Weiteren sei (Z, +) die additive Gruppe der ganzen Zahlen a) Zeigen Sie, dass die Abbildung ϕ b : Z Gdefiniert durch ϕ b (k) =b k ein Homomorphismus ist! b) Bestimmen Sie Kern(ϕ b )! c) Wie viele Elemente besitzt Z/Kern(ϕ b )?

http://wwwspringercom/978-3-658-04074-1