Stress Burnout Depression eine Begriffsbestimmung

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Transkript:

Stress Burnout Depression eine Begriffsbestimmung GeFa Fachtag 2013 Prof. Dr. med. Richard Mahlberg Institut für Psychogerontologie Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg Praxen für seelische Gesundheit Privatpraxis für Psychiatrie und Psychotherapie, Schlafmedizin, Gedächtnisambulanz Bayreuther Str. 28 91054 Erlangen Tel.: 09131 530 9 530

Was bedeutet Stress?

Was bedeutet Stress? Erste Antwort: Körperliche und psychische Reaktionen auf besondere Herausforderungen. Ursprünglich aus dem Tierreich: I. Akute Gefahr Fressfeind Rivale Überschwemmung/Waldbrand II. Erhöhte Handlungsbereitschaft Hormon Adrenalin Muskulatur Herz-Kreislauf-System Atmung Großhirn III. Reaktion ( fight or flight ) Angriff Flucht

Was bedeutet Stress? Erste Antwort: Körperliche und psychische Reaktionen auf besondere Herausforderungen.

Was bedeutet Stress? Besondere Herausforderungen beim Menschen: Gedankenpause: Was hat Sie zuletzt gestresst? (Situation/Reaktion)

Was bedeutet Stress? Besondere Herausforderungen beim Menschen: unangenehm/bedrohlich länger/ungewiss andauernd nicht zu vermeiden kaum zu beeinflussen (Wirksamkeit) kaum zu bewältigen (Ressourcen) körperliche und psychische Reaktion Stressoren

Was bedeutet Stress? Beanspruchung Stressor Informationen/Reize aus der Umwelt Neutrale Reize: Hintergrundrauschen Positive Reize: Herausforderung; Umgang möglich Negative Reize: Stressor Stress : objektive Beanspruchung (Stressor) unangenehm/bedrohlich andauernd unvermeidlich kaum zu beeinflussen kaum zu bewältigen subjektive Belastungsreaktion (Stressreaktion)

Was bedeutet Stress? Erste Antwort: Körperliche und psychische Reaktionen auf besondere Herausforderungen. Zweite Antwort: Subjektive Belastungen aufgrund objektive Beanspruchung. Oder: Stressreaktion aufgrund eines Stressors. Beispiele für Stressoren Beispiele für Stressreaktionen

Beispiele für Stressoren Holmes-Rahe Life Changes Scale (1967) Tod des Partners 100 Scheidung 73 Eheliche Trennung 65 Gefängnisaufenthalt 63 Tod eines Familienangehörigen 63 Persönliche Verletzung oder Krankheit 53 Heirat 50 Verlust von Arbeit 47 Versöhnung mit dem Lebenspartner 45 Pensionierung/Ruhestand 45 Gesundheitl. Veränd. eines Familienmitglieds 44 Schwangerschaft 40 Sexuelle Probleme 39 Familienzuwachs 39 Veränderungen im Geschäft/Business 39 Finanzielle Veränderungen 38 Tod eines nahen Freundes 37 Wechsel der Arbeitsstelle 36 Auseinandersetzungen mit dem Partner 35 Schulden über 77.000 ($ 100.000) 31 Kündigung eines Darlehens 30 Verantwortungsänderung im Beruf 29 Sohn oder Tochter verlassen das Haus 29 Schwierigkeiten mit Schwiegereltern 29 Außerordentlicher persönlicher Erfolg 28 Der Partner beginnt/verlässt eine Arbeit 26 Beginnen oder beenden der Schule 26 Veränderung der Wohnsituation 25 Verhaltensänderung 24 Probleme mit dem Vorgesetzten 23 Veränderungen der Arbeitszeiten 20 Wohnortwechsel 20 Schulwechsel 20 Veränderung in der Freizeit 19 Veränderungen in der Gemeindetätigkeit 19 Veränderungen der sozialen Aktivitäten 18 Schulden unter 23.000 ($ 30.000) 17 Veränderungen der Schlafgewohnheiten 16 Veränderung der Familienzus.künfte 15 Veränderung der Essgewohnheiten 15 Urlaub/Ferien 13 Weihnachten allein verbringen 12 Geringe Gesetzesverstöße 11

Stressoren im Arbeitsleben Psychisch-mental Sozial Physisch Emotional

Psychisch-mentale Stressoren Leistungs- und Zeitdruck Informationsflut, Unübersichtlichkeit oder Kompliziertheit Unterforderung Überforderung widersprüchliche Arbeitsanweisungen Ständige Unterbrechungen ungeeignete Arbeitsmittel (z.b. EDV) unvollständige Informationen mangelhafte Rückmeldungen unklare Zielvorgaben Angst vor Misserfolg und Kontrolle hohe Verantwortung für Personen oder Werte ungenügende Einarbeitung unklare Zuständigkeiten

Soziale Stressoren fehlende Unterstützung durch Kollegen fehlende Anerkennung durch Vorgesetzte schlechtes Betriebsklima Konflikte Konkurrenzdruck isoliertes Arbeiten geringe Entwicklungsmöglichkeiten Diskriminierung oder Benachteiligung Kollision der Arbeitsbedingungen mit Familienerfordernissen Angst vor Arbeitsplatzverlust mangelhafte Information und Beteiligung am Betriebsgeschehen

Physische Stressoren Dauersitzen Autofahren bei dichtem Verkehr Öffentliche Auftritte Überstunden (Arbeitszeiten über 10 Std./Tag) Lärm Kälte bzw. Hitze Nacht- und Schichtarbeit falsche Beleuchtung

Emotionale Stressoren Zwang zum freundlich sein Widerspruch zwischen ausgedrückten und empfundenen Gefühlen Beleidigungen Kränkungen Demütigungen Quellen: Gesellschaft Arbeit und Ergonomie - online e.v.

Beispiele für Stressoren Psychosozial: Arbeitsleben Finanzen Partnerschaft/Familie Gesundheit Akute Lebensgefahr: Fressfeind Rivale Überschwemmung/Waldbrand Vulkanausbruch/Erdbeben Psychotrauma: Sexueller Missbrauch Vergewaltigung Folter Krieg Raubüberfall Verschüttung Industriekatastrophe

Beschwerden bei Stress Emotional Kognitiv Vegetativ Muskulär

Beschwerden bei Stress Emotionale Ebene Ärger Unsicherheit Unzufriedenheit Unausgeglichenheit Nervosität Gereiztheit Angstgefühle Schreck Panik Wut Aggressionsbereitschaft Apathie

Beschwerden bei Stress Kognitive Ebene Leere im Kopf (Blackout) Konzentrationsstörungen Tagträumen, Realitätsflucht Denkblockaden Gedankenkreisel Gedächtnisstörungen Leistungsstörungen Wahrnehmungsverschiebung

Beschwerden bei Stress Vegetativ trockener Mund, Kloß im Hals flaues Gefühl im Magen, Verdauungsbeschwerden, Gastritis weiche Knie Engegefühl in der Brust Herz-Kreislauf-Beschwerden, Herzrasen, Herzstolpern hoher (labiler) Blutdruck Schlafstörungen, chronische Müdigkeit

Beschwerden bei Stress Muskuläre Ebene starre Mimik, verzerrtes Gesicht Fingertrommeln Zähneknirschen Fußwippen Spannungskopfschmerz, Rückenschmerzen Faustballen Stottern nervöse Gestik allgemeine Verspanntheit Krampfneigung Muskelzittern, Ticks Entspannungsunfähigkeit

Burn-Out-Syndrom (Freudenberg 1974) Ursprünglich Konzept für Soziale Berufe: Pflege, Medizin, Sozialarbeit, Lehrer, Pfarrer Erweitert: Sportler, Politiker, Langzeitarbeitslose, pflegende Angehörige, Chronische Stressoren im Beruf: Emotionale Belastungen Körperlicher Anspannung Zeitdruck Komplexität Verantwortung

Burn-Out-Syndrom (Freudenberg 1974) Stressreaktion: Stresssymptome Psychische und physische Erschöpfung Distanz/Zynismus gegenüber Arbeit/Klienten Wirkungslosigkeit (Ressourcenmangel) Sozialer Rückzug gedrückte Stimmung Interessenverlust Antriebsmangel Suizidalität reaktive Depression mit psychosozialen Ursachen

Ursachen von Depressionen Körperliche Faktoren - Botenstoffe im Gehirn - Stresshormone - Gene - körperliche Krankheiten Persönlichkeit - frühkindliche Entwicklung - Beziehungserfahrungen - Erziehung - Lebenserfahrung Psychosoziale Faktoren - Lebensverhältnisse (Einsamkeit, Armut) - Chronische Überlastung, Stress - Arbeitslosigkeit - schwerwiegende Lebensereignisse

Prof. Dr. med. Richard Mahlberg Institut für Psychogerontologie Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg Praxen für seelische Gesundheit Privatpraxis für Psychiatrie und Psychotherapie, Schlafmedizin, Gedächtnisambulanz Bayreuther Str. 28 91054 Erlangen Tel.: 09131 530 9 530