Infektionen und Stillen
HIV hohes Transmissionsrisiko ohne Behandlung (40%) unter HAART (hochaktive anti-retrovirale Therapie) und korrektem Management Transmissionsrate unter 1% HAART: Dreifachkombination
HIV hohes Transmissionsrisiko ohne Behandlung (40%) unter HAART (hochaktive anti-retrovirale Therapie) und korrektem Management Transmissionsrate unter 1% HAART: Dreifachkombination
HIV Management Frühzeitige Diagnosestellung Berücksichtigung Risikokonstellationen Management durch Therapiezentrum Durchgehende HAART evtl. adaptiert an HIV-Typ
HIV Entbindung bei Viruslast < 50 Kopien/ml ist vaginale Entbindung prinzipiell möglich
HIV Stillen Postexpositionsprophylaxe der Neugeborenen, Zidovudin, risikoadaptiert Virus in der Muttermilch nachgewiesen, vom Stillen wird abgeraten
Zytomegalie ca. 0,2-2,3% aller Neugeborenen weltweit Durchseuchungsrate in D 30-90% Erstinfektion Körperkontakt, Sekrete Kindertagesstätte Vertikale Transmission möglich
Zytomegalie Verlauf Erstinfektion oft kaum symptomatisch, uncharakteristische Symptome selten schwere Verläufe Reaktivierte Infektion meist asymptomatisch In SS: Plazentitis, fetale Infektion (Schäden des ZNS, Hörschäden, SGA,...)
CMV Stillen CMV ist in der Milch nachweisbar. Bei Primärinfektionen sollte das Stillen bis zum Nachweis mütterlicher Antikörper unterbrochen werden. Bei rekurrierender Infektion ist das Ngb durch mütterl. AK geschützt. Postexpositionsprophylaxe möglich, medikamentöse Therapie möglich.
Herpes simplex HSV Infektion über Mund-Rachen bzw. Genitalbereich. Schmierinfektion. Mensch einziger Wirt. Durchseuchung 80-90%. Rekurrierende Infektion möglich Vertikale Transmission
HSV Symptome Oft nur lokale Infektion Haut/ Schleimhaut- Übergang (Bläschen). Generalisierte Verläufe (z.b. Enzephalitis, Pneumonie,...) möglich Neugeborenen-Infektion oft generalisiert und häufig letal Frühgeburt, Sepsis, Ekzem, Mikrozephalie, Retinitis, Enzephalitis,...)
HSV Neugeborene Akute Infektion der Mutter am Ende der Schwangerschaft und bei Geburt Übertragung bei Geburt Keine ausreichenden Daten für Europa über Häufigkeiten. Prophylaktische Therapie mit Virostatika
HSV Management Bei rek. Infektionen Aciclovir (3x400mg) sympt. Therapie Ab 36. SSW Aciclovir-Prophylaxe bis Geburt Bei Vorstellung zur Geburt gezielte Anamnese / Untersuchung, ggf. Sectio.
HSV Stillen Stillen in der Regel möglich. Kein direkter Kontakt mit Läsionen Bei HSV-Befall der Brustwarze: Lokale Therapie mit Aciclovir, auf der Seite Abpumpen, Verwerfen
VSV Windpocken Varizella zoster, hoch kontagiös Tröpfcheninfektion im Kindesalter meist harmlos, VZV persistieren in Nervenzellen rekurrierende Infektionen (Gürtelrose möglich)
VZV Schwangerschaft Bei rekurrierender Infektion, Schutz des Kindes durch mütterliche AK Fetales Varizellensyndrom: Transmission gegeben, nur 1-2% mit Erkrankung Symptomatik variabel Konnatale Erkrankung Mutter 5 Tage vor bis 2 Tage symptomatisch Kind erkrankt bis 12 Tage nach Geburt
VZV, Stillen Bei Erstinfektion und negativem AK-Status Isolierung von Mutter und Kind. Nach Auftreten von mütterlichen Antikörpern ist Stillen möglich. Je nach Zeitpunkt der Infektion evtl. Therapie des Kindes mit einem Virostatikum erforderlich. Impfung möglich Postexpositionsprophylaxe mit Hypperimmunserum möglich Virostatika möglich
Hepatitis A RNA-Virus Fäkal-orale Übertragung Leberentzündung, selten schwere Verläufe bei Begleiterkrankungen auch fulminant Inkubationszeit ca. 30 Tage
HAV Stillen Stillen im akuten Stadium kontraindiziert. Nach Antikörperentwicklung ist Stillen möglich. Strikte Hygiene beachten.
Hepatitis B DNA-Virus, Übertragung parenteral/ sexuell Integriert sich über RNA-Zwischenstufen in Zell-DNA der Leberzellen, nicht eliminierbar Verwendet wie Retroviren eine Reverse Transcriptase DNA/ Kapsid, Hülle, exkretorische Proteine
HBV Erkrankung Akute Hepatitis nur in ⅓ der Fälle Nach akuten Stadium chronisch verlaufend Rezidivierende Schübe möglich Therapie: Interferon Virostatika, antiretrovirale Medikamente Aktive/ Passive Impfung
HBV Schwangerschaft Verschiedene Verläufe, wie z.b. Aktivierung, akute Verlaufsformen möglich. Übergang auf Fetus möglich, aber vor Entbindung sehr selten Risiko für Transmission abhängig von der Aktivität/ Viruslast Antivirale Therapie möglich
HBV Stillen HBV in Milch nachgewiesen Aktive und passive Immunisierung des Kindes danach ist Stillen möglich. Stillen im akuten Stadium "kontraindiziert." (m.e. fraglich n. akt. Daten)
Hepatitis C HCV, Flaviviridae, Einzelstrang-RNA-Virus Relativ neues Virus (300-400 Jahre) Bei Koinfektion fulminante Verläufe möglich überwiegend chronische Erkrankung Interferontherapie, keine Impfung
HCV Schwangerschaft Transmission möglich Wege schlecht verstanden wahrscheinlich überwiegend unter der Geburt abhängig von mehreren RF z.b. Viruslast, HIV-Koinfektion, evtl. Zeit nach BS, Verletzungen,...
HCV Stillen Stillen scheint kein erhöhtes Infektionsrisiko zu beinhalten Im akuten Stadium wird vom Stillen abgeraten. Danach ist Stillen möglich. Blutende Brustwarzen vermeiden
Tuberkulose Bei frischer Erkrankung nach der Geburt eine Woche nicht stillen bis Behandlung der Mutter greift und das Kind geimpft wurde. INH geht in die Milch über. Bei Infektion in der Schwangerschaft ist Stillen möglich.
Candida/ Soor Es kann gestillt werden. Lokaler Infekt: Lokaltherapie mit Nystatin (Tropfen, Creme) oder Clotrimazol (Creme) Systemischer Infekt: Systemische Therapie mit Fluconazol, Ketoconazol, Amphotericin B, Immer Mutter und Kind behandeln,
Lues Bei offenen Affekt (bes. Brust) und im Stadium II Isolieren des Kindes bis Antibiotikatherapie greift. Danach kann gestillt werden.
Mastitis Ausschluss anderer mit Fieber einhergehender Erkrankungen im Wochenbett Immer Arztvorstellung, stationäre Behandlung der Mutter mit Kind Wenn möglich konservative Behandlung
Mastitis Fiebersenkende Maßnahmen mit Paracetamol maximal 4g in 24h oral oder intravenös Bei anhaltendem Fieber > 24h oder deutlichem laborchemischen Hinweis auf Entzündung Antibiotikatherapie mit Amoxicillin/ Clavulansäure (z.b. AmoxiClav 875/125 dreimal täglich über mind. drei Tage). Bei schwerer Erkrankung oder Sepsisverdacht, Abnahme von Blutkulturen, RS Hintergund, evtl. systemisch Vancomycin, Wechsel auf 3. Gen. Cephalosporin (Cefotaxim). Bei Verdacht auf bilaterale Mastitis mit beidseits hochroten, schmerzhaften Brüsten sofortiger Beginn mit gegenüber β- Streptokkoken und Staphylokokkus aureus haemolytikus wirksamen Antibiotikum intravenös bis Mutter fieberfrei ist. Mitbehandlung des Kindes auf Ordination des Pädiaters
Mammaabszess Ärztliche klinische und sonografische Untersuchung beider Brüste. Dokumentation des Ausgangsbefundes Bei unauffälliger Haut Punktion des Abszesses unter sonographischer Kontrolle. Dabei ist ein Zugang entfernt von der Areola zu wählen. Verdünnung des Eiters ist mittels NaCl-/ Lidocain- Instillation möglich. Abszess vor der Perforation (Zeichen der Hautkompromittierung): Inzision des Abszesses ggf. Entfernung nekrotischer Gewebsanteile
Dr. med. Martin Neuß FA f. Gynäkologie und Geburtshilfe Oberarzt am Johanniter-Krankenhaus-Geesthacht URL: http://