Biochemie/Monosaccharide1. Kohlenhydrate:

Ähnliche Dokumente
BIOCHEMIE. Prof. Manfred SUSSITZ. über(be)arbeitet und zusammengestellt nach Internetvorlagen:

α- und β- Glucose können sich ineinander umwandeln

Kohlenhydrate und ihre Funktionen

Kohlenhydrate Einleitung

Kohlenhydrate C n. O) n (H 2. z.b. C 6 O 6 O) 6 H 12 : C 6. Monosaccharide Di- und Oligosaccharide Polysaccharide (Glykane) Monosaccharide

Funktion von Proteinen:

Z 11 GRUNDLAGEN DER BIOCHEMIE STOFFWECHSELWEGE 1) DIE WICHTIGSTEN STOFFWECHSELWEGE: 2) ÜBERSICHT ÜBER DEN ENERGIESTOFFWECHSEL

Chemie der Kohlenhydrate

Kohlenhydrate. Monosaccharide

Kohlenhydrate. spielen in der Natur eine sehr wichtige Rolle. dienen als Energiespeicher: Stärke, Glykogen

Grundzüge des Energiestoffwechsels I

Kohlenhydrate Einleitung

Kohlenhydrate Aminosäuren Peptide

Citratzyklus. Biochemie Maria Otto,Bo Mi Ok Kwon Park

Di- und Polysaccharide

Grundzüge des Kohlenhydratstoffwechsels

Regulation der Glykolyse: Phosphofructokinase

Angelika Stöcklinger. Molekulare Biologie und Biochemie Teil 7: Kohlenhydrate

Kohlenhydrate. Prof. Dr. Albert Duschl

Stoffwechsel. Metabolismus (3)

Musterlösung. Frage Summe Note Punkte 1, ,5 1,0

Die kleinsten Zuckermoleküle. Zucker zeigen gemeinsame funktionelle Gruppen

b) Sauerstoff-Nucleophile: Wasser H 2 O => Hydrate

Schwebstoffe/ milchig. 1 ml Ethanol 4 ml Ethanol 10 ml Ethanol Glucose Bodensatz/ milchig Schwebstoffe/ fast klar

Auswahlverfahren Medizin Prüfungsgebiet Chemie. 6.Termin Organische Chemie Naturstoffe

Stoffwechsel - Energiebereitstellung - Biomoleküle

Einführung in die Biochemie Glykolyse

VL Kurs 7: Kohlenhydrate. Angelika Stöcklinger

Glykogen. 1,6-glykosidisch verbunden sind. Die Verzweigungen dienen dazu das Molekül an vielen Stellen gleichzeitig ab- oder aufzubauen.

Einige Aufgaben zu Kohlenhydraten

Der Energiestoffwechsel eukaryotischer Zellen

KOHLENHYDRATE. Die Glykolyse

Kohlenwasserstoffe. Alkane. Kohlenwasserstoffe sind brennbare und unpolare Verbindungen, die aus Kohlenstoff- und Wasserstoffatomen aufgebaut sind.

Was bisher geschah 1

+ 2 [Ag(NH 3 ) 2 ]+ + 2 OH - 2 Ag + 4 NH 3. Versuch: Tollensprobe mit Glucose und Saccharose

SPEYER-KOLLEG AUGUST 2003 FACHKONFERENZ CHEMIE / BIOLOGIE

im Molekül eine Dreifachbindung (eine σ-bindung,

Kohlenhydrate (Zucker)

Aminosäuren 1. Aufbau der Aminosäuren

7. Zucker - Kohlenhydrate

Zucker und Polysaccharide (Voet Kapitel 10)

Unterrichtsmaterialien in digitaler und in gedruckter Form. Auszug aus: Lehrerhandreichungen zu: "Zellatmung" Das komplette Material finden Sie hier:

SOP_018_Glucosebestimmung

Unterrichtsmaterialien in digitaler und in gedruckter Form. Auszug aus: Lernwerkstatt: Aldehyde, Ketone und Kohlenhydrate

Bioenergetik. Technische Universität Ilmenau, FG Nanotechnologie. Zentrum für Mikro- und Nanotechnologien

Versuchsprotokoll. 1.) Versuch 2a: Quantitative Bestimmung der Atmung

Biochemie II - Tutorium

Überblick über die Zellatmung (qualitativ) : Welche Produkte entstehen? Name des Teilprozesses. C-Körper / Wasser H-Überträger Energieüberträger

Versuchsprotokoll. Nachweise für Mono-, Di- und Polysaccharide. Gruppe 9, Typ: Pflichtversuch

6. Carbonyl-Verbindungen

Um diesen Prozess zu verstehen, müssen wir die Wege der Glukose genauer betrachten.

2. Klausur. 1. Aufgabe

Das Sinnloseste: der Zitronensäurezyklus

Biochemie II. im Wintersemester 2009/2010. Joachim Wegener. Institut für Analytische Chemie, Chemo- und Biosensorik Universität Regensburg

4.2. Kohlenhydrate Aufbau und Bedeutung Physikalische Eigenschaften Stereoisomerie und Fischer-Projektion

Klausur zur Vorlesung Biochemie I im WS 2001/02

Kohlenhydrate. Prof. Dr. Albert Duschl

14. Biomoleküle : Kohlenhydrate

Der Citratzyklus (= Trikarbonsäurezyklus, Krebszyklus)

Kapitel 5: 1. Siderophore assistieren dem Transfer welcher der folgenden Makronährstoffe über Membranen? A. Stickstoff B. Phosphor C. Eisen D.

Monosaccharide: Einfache Zucker, z. B. Glucose, Fructose, Ribose

DIGITAL & ANALOG

Die innere Mitochondrienmebran ist durchlässig für: 1. Pyruvat 2. Malat 3. Aspartat 4. Citrat

4. Naturstoffe 4.1 Kohlenhydrate 4.2 Lipide 4.3 Aminosäuren, Peptide und Proteine

Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main

Weitere Übungsfragen

Kohlenhydrate. Prof. Dr. Albert Duschl

a) Zeichnen Sie den Mechanismus für die säure-katalysierte Esterhydrolyse des unten gezeigten Carbonsäureesters.

Chemisches Praktikum für Studierende der Humanmedizin, der Zahnheilkunde und Biologie/Lehramt

Inhaltsverzeichnis - Kapitel

Kohlenhydrate im Kontext: Zucker viel mehr als süß!

Einführung in die Biochemie

Beschreiben Sie den Aufbau und die Eigenschaften der Kohlenwasserstoffe. Beschreiben Sie die Alkane allgemein.

Autotrophe und heterotrophe Organismen

Importance of Glucose

Biochemie II - Tutorium

Stichpunkte zu den Vorlesungen von Prof. Dr. Peter Rehling

Reaktionen der Zellatmung (1)

12 Naturstoffe. 1 Elemente Chemie Oberstufe NRW Ernst Klett Verlag GmbH, Stuttgart Lösungen zu den Durchblick-Seiten

19. Kohlenhydrate Monosaccharide

Kataboler und Anaboler Stoffwechsel

Atmungskette inklusive Komplex II

GRUNDWISSEN CHEMIE 10. KLASSE

❶ ❷ ❸ ❹ 1) ATP: 2) Energiegewinnungswege:

schnell und portofrei erhältlich bei

Fragen zur Vorlesung Grundlagen der Biologie (I) Teil 1: Biomoleküle (B. Moerschbacher)

Schritt für Schritt Simulation Die Atmungskette

Unterrichtsmaterialien in digitaler und in gedruckter Form. Auszug aus: Grundwissen: Chemie für Biologen (Sek II)

Lactose. Ein Kohlenhydrat. Jahresarbeit Q2 an der Freiherr-vom-Stein-Schule in Hessisch Lichtenau. Fach: Chemie bei Herr Orth

Material zur Vorbereitung der Prüfung im Fach Chemie

Gluconeognese Neusynthese von Glucose aus Pyruvat

Kraftwerk Körper Energiegewinnung in unseren Zellen

Einführung in die Biochemie

Lebewesen enthalten weitaus mehr Molekülarten und beherbergen weitaus mehr chemische Reaktionsarten als die ganze anorganische Welt.

Schulversuchspraktikum. Dennis Roggenkämper. Sommersemester Klassenstufen 11 & 12. Kohlenhydrate

Asmaa Mebrad Caroline Mühlmann Gluconeogenese

Transkript:

Biochemie/Monosaccharide1 Kohlenhydrate: Unter Kohlenhydraten versteht man Stoffe, deren Moleküle neben Kohlenstoff die Elemente Wasserstoff und Sauerstoff im Verhältnis 2:1 enthalten. Zu den Kohlenhydraten gehören die Monosaccharide Fructose, Glucose sowie das Disaccharid Saccharose und die Polysaccharide Stärke und Cellulose. Glucose (Traubenzucker) C6H12O6: Glucose ist ein kristalliner, farbloser Stoff, gut wasserlöslich, aber unlöslich in Benzin und anderen Kohlenwasserstoffen. Glucose in der offenen Form besitzt fünf Hydroxylgruppen und eine Aldehydgruppe. Glucose wird aufgrund der sechs Kohlenstoffatome als Hexose bzw. durch die Aldehydgruppe als Aldose bezeichnet. Die Aldehydgruppe ist für die meisten Nachweise die reaktive funktionelle Gruppe und wirkt auf Kupfer- und Silbersalzlösungen reduzierend. Zur offenen Form gibt es eine isomere Ringform. Durch intramolekulare Wanderung des Protons (der Hydroxylgruppe) am fünften Kohlenstoffatom zur Carbonylgruppe des ersten Kohlenstoffatoms entsteht ein Sechsring (Pyranring): Die Position der neu entstandenen Hydroxylgruppe entscheidet, ob es sich um α- oder βglucose handelt. Bei der Reaktion handelt es sich um eine nukleophile Addition an die Carbonylgruppe. Die entstandene Verbindung heißt allgemein Halbacetal. Fructose (Fruchtzucker C6H12O6): Fructose kristallisiert in wässrigen Lösungen nur sehr schlecht aus und bildet sirupartige Flüssigkeiten. Sie ist wesentlich süßer als Glucose und wird vom Organismus schneller abgebaut als Glucose. Fructose besitzt ebenfalls fünf Hydroxylgruppen, allerdings statt einer Aldehyd- eine Ketogruppe am zweiten Kohlenstoffatom. Auch hierbei gibt es eine isomere Ringform, sowie α- und β- Fructose. Der entstandene Fünfring (Furanring) ist eine Furanose.

Biochemie/Monosaccharide 2 Auch Fructose reagiert Glucosemoleküle entstehen. reduzierend, da durch Hydroxidionen (Katalysator!!) Schreibweisen der Saccharide: 1) Fischer Projektion: Die C-Atome liegen parallel zueinander und werden entsprechend durchnummeriert. Nachteil dieser Schreibweise ist die Darstellung der Ringbildung. Insofern hat sich die Schreibweise nach Haworth durchgesetzt. 2) Haworth Formeln: Für den Umgang mit den Formeln kann man sich folgende Regeln merken: a) Wenn der Sauerstoff hinten und das C1 rechts steht - die meistgebrauchte Form -, dann zeigt bei allen D-Hexosen die CH2OH-Gruppe nach oben. b) In der D-Reihe zeigt die HO-Gruppe am anomeren C-Atom (C1 oder C2) bei der α-form nach unten, bei der β-form nach oben. c) Bei der β-d-glucose stehen alle H-Atome in trans, d.h. sie stehen abwechseln oben und unten. 3) Konformation der Pyranosen: Auch die perspektivische Haworth-Formel schematisiert; sie stellt den Sechsring als Ebene dar. In Wahrheit liegen die Atome, die einen Ring bilden, nicht in einer Ebene, sie bilden vielmehr eine Sesselform. Dabei ist diejenige Sesselform die stabilste, die am meisten äquatorial gerichtete Hydroxygruppen aufweist. 4) Konformation der Furanosen Den Fünfring der Ribose bzw. Desoxyribose kann man ebenfalls räumlich darstellen. Dabei ragt dann ein Atom aus der Ebene heraus. Man bezeichnet diese Konformation dann als Briefumschlag-Konformation.

Biochemie/Disaccharide 3 Saccharose (Rüben-, Rohr- oder Haushaltszucker) Saccharose wird aus jeweils einem Molekül D-Fructose und einem Molekül DGlucose gebildet. Unter Abspaltung von Wasser verbinden sich das zweite C- Atom Fructose mit dem ersten C-Atom der Glucose. Es entsteht eine 1,2 glykosidische Bindung: Saccharose gehört zu den nicht reduzierenden Zuckern!!! Klärung wichtiger Begriffe: D- Form: Hydroxylgruppe an einem optisch aktive C-Atom, das am weitesten von der funktionellen Gruppe entfernt ist, zeigt nach rechts. L- Form: Hydroxylgruppe an einem optisch aktive C-Atom, das am weitesten von der funktionellen Gruppe entfernt ist, zeigt nach links. (+) rechtsdrehend: linear polarisiertes Licht wird in eine Küvette eingestrahlt. Eine Lösung mit einer rechtsdrehenden Substanz, dreht die Ebene des Lichtes um einen bestimmten Winkel nach rechts. (-) linksdrehend: linear polarisiertes Licht wird in eine Küvette eingestrahlt. Eine Lösung mit einer linksdrehenden Substanz, dreht die Ebene des Lichtes um einen bestimmten Winkel nach links. α- Form: Durch Ringbildung kann die Hydroxylgruppe am zweiten C-Atom (ehemalige Carbonyl/Keto C-Atom) nach unten zeigen. β- Form: Durch Ringbildung kann die Hydroxylgruppe am zweiten C-Atom (ehemalige Carbonyl/Keto C-Atom) nach oben zeigen.

Biochemie/Nachweise 4 Nachweise von Kohlenhydraten: Tollens-Probe (Silberspiegel) In einem Reagenzglas gibt man zu 5 ml einer Silbernitratlösung (w=5%) einige Tropfen verdünnte Natronlauge und dann soviel Ammoniaklösung, bis sich der gebildete Niederschlag gerade aufgelöst hat. Man fügt einige Tropfen der Probelösung hinzu und stellt das Reagenzglas in ein Becherglas mit heißem Wasser. Fehling Probe Je 2 ml der Lösungen Fehling I und II werden in einem Reagenzglas vermischt. Dazu kommt eine kleine Portion der Probe und man erhitzt im Wasserbad. Nachweis von Stärke mit Lugolscher Lösung: Zur Probe gibt man einige Tropfen der Probelösung. In Anwesenheit von Stärke färbt sich die Lösung blau-violett.

Biochemie/ Abbau von Glucose 5 Die Glycolyse Die Zerlegung von Glucose in CO2 und coenzymgebundenen Wasserstoff erfolgt über insgesamt 20 hintereinander geschaltete chemische Reaktionen, jede von einem speziellen Enzym katalysiert. Die Übertragung von Phosphatgruppen spielt im Stoffwechsel der Zellen eine ganz wichtige Rolle. Die mit der Phosphatgruppe übertragene Energie kann als Aktivierungsenergie betrachtet werden. Die phosphorylierten Moleküle werden dadurch reaktionsfreudiger. Die Phosphorylierung von Glucose hat aber noch eine weitere Funktion. Der Glucosetransport in die Zelle erfolgt substratspezifisch nach dem Schlüssel-SchlossPrinzip. Die phosphorylierten Glucosemoleküle können die Zelle nicht mehr verlassen, weil die veränderten Moleküle nicht mehr transportiert werden. Dadurch reichert sich Glucose in der Zelle an. Verantwortlich für die erste Phosphorylierung sind zwei Enzyme: Hexokinase und Glucokinase. Letztere ist sehr spezifisch, wird vom Insulin kontrolliert und spielt in der Leber eine wichtige Rolle. Es wird das CAtom in der 6-Stellung phosphoryliert. Die Glykolyse erfolgt ausschließlich an phosphorylierten Molekülen. Zunächst wird das Molekül in einen anderen Zucker, das Fructose-6-Phosphat umgewandelt. Da es sich um eine Isomerisierung handelt heißt das dazugehörige Enzym Glucose-6phosphat-Isomerase. In einem weiteren Schritt wird ein weiteres Phosphatmolekül angehängt (in der 1Stellung). Produkt ist das Fructose-1,6-bisphosphat. Enzym hierfür ist die Phosphofructokinase. Das Enzym wird durch die steigende Konzentration an ATP gehemmt. Dadurch kann im Muskel der Bedarf an ATP und der Durchsatz an Glucose gesteuert werden. Bei der Phosphorylierung wurden bisher 2 Moleküle ATP verbraucht. Das FructoseDiphosphat wird durch das Enzym Fructobisphosphat-Adolase in zwei Moleküle zerlegt, die Aldotriose Glycerinaldehyd-3-phosphat und die Ketotriose Dihydroxyacetonphosphat. Nur Glycerinaldehyd-3-phosphat kann direkt in die weiteren Reaktionsschritte einschleust werden. Glycerinaldehyd-3-phosphat und Dihydroxyacetonphosphat sind Isomere, sie stehen über eine gemeinsame Enolform im Gleichgewicht. Verbrauchtes Glycerinaldehyd-3-phosphat kann also schnell durch Dihydroxyacetonphosphat ersetzt werden. Nun erfolgt der wichtigste Schritt der Glykolyse: die Oxidation von Glycerinaldehyd-Phosphat zu 1,3 Bisphosphoglycerat. Das Enzym Glycerinaldehydphosphat-Dehydrogenase dehydriert das Molekül und überträgt den Wasserstoff an seinen Cofaktor NAD+. Das Glycerinaldehyd-Phosphat wird durch die Aufnahme von anorganischem Phosphor zu 1,3 Bisphosphoglycerat phosphoryliert. Da bei der Glycolyse aus einem Molekül Glucose 2 Moleküle Triosephosphat entstehen, werden in diesem Reaktionsschritt 2 NADH+H+ gebildet. Ein NADH+H+ liefert in der Atmungskette drei ATP.

Biochemie/ Abbau von Glucose 6 Das Enzym 1,3 Bisphosphoglycerat-Kinase überträgt die energiereiche Phospatgruppe auf ADP. In diesem Schritt werden pro mol Glucose 2 ATP und zwei 3-Phosphoglycerat gebildet. 3-Phosphoglycerat wird zu 2-Phosphoglycerat umgewandelt. Aus dem 2 Phosphoglycerat wird ein Wassermolekül entzogen und es entsteht Phosphoenolpyruvat. Im letzten Schritt wird durch Pyruvat-Kinase die energiereiche Phosphatgruppe auf ein ADP-Molekül übertragen. Es werden pro mol Glucose 2 ATP und zwei Moleküle Pyruvat (Salz der Brenztraubensäure) gebildet.

Biochemie/ Abbau von Glucose 7

Biochemie/ Abbau von Glucose 8 Der Tricarbonsäurezyklus (Zitronensäurezyklus)1 Der Abbau von Glucose zu Pyruvat (Salz der Brenztraubensäure) setzt nur einen Energiebetrag von 197 kj/mol Glucose frei, die vollständige Oxidation von Glucose dagegen 2872 kj/mol. Das Pyruvat enthält also noch eine beträchtliche Energiemenge, die zum Teil von den Zellen genutzt werden kann. Das Pyruvat wird vom Cytoplasma in die Mitochondrienmatrix transportiert. Hier ist der erste Reaktionsschritt die Übertragung von 2 Wasserstoffatomen auf NAD + und die Abspaltung von CO2, die oxidative Decarboxylierung. An diesem Reaktionsschritt ist das Coenzym A beteiligt, es bildet mit der entstehenden Ethansäure die sogenannte aktivierte Essigsäure. Dieser Stoff ist reaktionsfreudiger als reine Ethansäure. Der von H.A.Krebs im Jahre 1937 aufgeklärte Reaktionsweg ist ein zyklischer Prozess. Zuerst wird dabei die aktivierte Essigsäure an Oxalsäure (C4H4O5), eine C4Verbindung, angelagert. Dabei entstehen C6-Moleküle der Citronensäure. Sie enthalten drei Carboxylgruppen. Die Citronensäure gehört deshalb zu den Tricarbonsäuren. Ziel des Citronensäurezyklus ist es, die beiden Kohlenstoffatome der aktivierten Essigsäure in die energieärmste Kohlenstoffverbindung, CO2, umzuwandeln und den Wasserstoff auf geeignete Coenzyme zu übertragen. Im weiteren Verlauf werden 2 Moleküle CO2 abgespalten und Wasserstoff (aus in der Zelle vorkommenden Wasser und der Glucose 1: 1) an die Moleküle NAD+ und FAD (Flavin-Adenin-Dinucleotid) übertragen. Außerdem wird das Coenzym A und die Oxalsäure regeneriert. Die Energie der Glucose ist in dem angelagerten Wasserstoff gebunden. 1 Auch als Citratzyklus bekannt; in den Fall werden alle beteiligten Stoffe als Anionen der entsprechenden Salze dargestellt.

Biochemie/ Abbau von Glucose 9 Stark vereinfachte Darstellung des Tricarbonsäurezyklus: Salz der Citronensäure = Citrat Salz der Glutarsäure = Glutarat Salz der Oxalsäure = Oxalat Salz der Äpfelsäure = Malat Salz der Fumarsäure = Fumarat Salz der Bernsteinsäure = Succinat

Biochemie/ Abbau von Glucose 9a Endoxidation Das aus dem Citronensäurezyklus gebildete NADH2 wird in 2 H+ und 2 Elektronen gespalten. Die Elektronen reagieren in einer stillen Reaktion mit dem eingeatmeten Sauerstoff. Die im Innenraum entstandenen H+ Ionen werden in den Zwischenraum transportiert. Dort reichern Sie sich an und strömen über eine Gradientenpumpe wieder ins Innere. Dieser Prozess bildet aus ADP das Energiemolekül ATP. Erst dann reagieren die H+ Ionen mit den O2- zu Wasser.

Biochemie/ Polysaccharide 10 Die Glykosidische Bindung Die Verknüpfung der Monosaccharide erfolgt zwischen der durch Ringschluss entstandenen OH-Gruppe (=glykosidische Hydroxylgruppe) und der Carbonylgruppe oder einer alkoholischen Hydroxylgruppe des anderen Monosaccharids. Verbindungen, an denen die glykosidische Hydroxylgruppe beteiligt ist heißen Glykoside. Polysacchariden sind Polymere, die aus glykosidisch gebundenen Monosacchariden gebildet werden. Polysaccharide heißen auch Glykane. Man unterscheidet Homoglykane, die nur aus einer Monosaccharid -Art aufgebaut sind z.b. Stärke, Glykogen und Cellulose und Heteroglykane, die aus verschiedenen Momosacchariden aufgebaut sind. Heteroglykane treten häufig in Verbindungen mit Proteinen oder Lipiden auf. Cellulose (Homoglykan): Gerüstsubstanz im Pflanzenreich (meist mit anderen Gerüstsubstanzen). Baumwollhaare bestehen zu fast 100 % aus Cellulose. Sie besteht aus 1-4 β verknüpften Glucosemolekülen. Chitin (Homoglykan): Gerüstsubstanz, die der Cellulose ähnelt. Die einzelnen Einheiten bestehen aus NAcetyl-glycosamin (Chitobiose). Das Molekül ist ebenfalls 1-4 verknüpft und linear. Chitin kommt bei Pilzen und bei allen Arthropoden (Krebsen und Insekten) vor. Mureine (Heteroglykan): Komplex aufgebaute Moleküle, deren Grundbaustein ein Disaccharid aus Chitobiose und Muraminsäure ist. Es handelt sich um stark vernetzte Moleküle. Mureine bilden die Zellwand der Bakterien. Durch Penicillin wird die Biosynthese von Murein gehemmt. Abgebaut werden Mureine durch Lysozym (enthalten in Tränenflüssigkeit, Nasenschleim, Blutplasma und Hühnereiweiß). Agar und Pektine (Heteroglykane): Es handelt sich um gelbildende Polysaccharide. Agar ist ein Produkt aus Algen. Die Gelbildung kommt durch die wassergefüllten Hohlräume der gebildeten Helixstrukturen zustande (siehe Abbildung). Pektine sind in Früchten enthalten (Äpfel, Aprikosen, Citrusfrüchte).

Biochemie/ Polysaccharide 11 Stärke (Homoglykan): Stärke besteht eigentlich aus zwei Arten von Polymeren, ca. 20 % Amylose und 80% Amylopektin. Amylose löst sich in heißem Wasser kolloidal (es bilden sich Aggregate aus Wasser und Amylose). Beim Abkühlen fällt sie wieder aus, sie bildet keinen Kleister. Amylose ist aus Glucoseeinheiten aufgebaut, welche alle α - 1-4 verknüpft sind. Das Molekül liegt als Spirale vor. Durch Einlagerung von Jod, entsteht eine blaue Farbe (Nachweis!). Durch Erwärmen verschwindet die Farbe wieder. Amylopektin besteht aus den gleichen Bausteinen wie Amylose. Allerdings ist die Struktur verzweigt. Amylopektin ist in kaltem Wasser unlöslich. In heißem Wasser wird ein Gel gebildet (siehe Abbildung zur Gelbildung). Auch Amylopektin färbt sich mit Jod (violett). Glykogen (Homoglykan): Speicher-Polysaccharid (bei Tieren, Menschen, Pilzen). Aufbau wie Amylopektin nur stärker verzweigt. Es färbt sich mit Jod braun, löst sich kolloidal. Amylosemolekül Glykogenmolekül