Versuch: Siedetemperaturerhöhung

Ähnliche Dokumente
Kolligative Eigenschaften

R- und S-Sa tze in deutscher Sprache

Bezeichnungen der besonderen Gefahren bei gefährlichen Stoffen und Zubereitungen (R-Sätze) Jeden Tag mit ins Labor bringen!

A.6 Auflistung der R- und S-Sätze

Gefrierpunktserniedrigung

Kennzeichnung von Gefahrstoffen nach Chemikalienrecht (Stand: Januar 2005)

Liste der R- und S-Sätze

PC I Thermodynamik und Transportprozesse

Präparat 11: Dibenzylidenaceton (Aldolkondensation)

Chromatographie von Acetylsalicylsäure. Gefährdungsbeurteilung. Schülerexperiment. Lehrerexperiment

Quelle: Verordnung vom 18. Mai 2005 über den Schutz vor gefährlichen Stoffen und Zubereitungen (Chemikalienverordnung, ChemV, SR 813.

Ergänzende Hinweise Hautkontakt vermeiden! Indikator: Ninhydrinlösung (0,5 Gramm in 100 Milliliter Aceton)

212 - Siedepunktserhöhung

Zustandsbeschreibungen

Physikalische Chemie Praktikum. Mischphasenthermodynamik: Gefrierpunktserniedrigung Molmassenbestimmung

Grundpraktikum Physikalische Chemie V 18/19. Molekulargewichtsbestimmung. nach Rast, Dumas und durch. Gefrierpunktserniedrigung nach Beckmann

A 3 Dampfdruckkurve einer leichtflüchtigen Flüssigkeit

Synthese von Dibenzalaceton (DBA) (1,5-Bisphenylpenta-1E,4E-dien-3-on)

Versuch: Inversion von Saccharose

Giftig: ernste Gefahr irreversiblen Schadens durch Einatmen, Giftig: ernste Gefahr irreversiblen Schadens durch Einatmen und

Gefrierpunktserniedrigung

Anhang III. Bezeichnungen der besonderen Gefahren bei gefährlichen Stoffen und Zubereitungen

Versuch 14: Dampfdruckkurve - Messung der Dampfdruckkurven leicht verdampfbarer Flüssigkeiten -

Versuch: Schmelzdiagramm

Hochentzündliche und leichtentzündliche Gefahrstoffe

A 3 Dampfdruckkurve einer leichtflüchtigen Flüssigkeit

Physikalisches Praktikum I

Aufgabe: Es sind die kryoskopischen Konstante von Wasser und die Molmassen von darin löslichen Substanzen zu bestimmen.

Praktikum Physikalische Chemie I. Versuch 4. p, V, T - Verhalten realer Gase am Beispiel von SF 6

Multiple-Choice Test. Alle Fragen können mit Hilfe der Versuchsanleitung richtig gelöst werden.

DAMPFDRUCK EINER REINEN FLÜSSIGKEIT. 1. Versuchsplatz. 2. Allgemeines zum Versuch

Synthese von Adipinsäure

Inhalt 1 Grundlagen der Thermodynamik

Kolligative Eigenschaften

Endersch, Jonas 09./

Physikalisch-chemische Grundlagen der thermischen Verfahrenstechnik

trans-(distickstoff)hydrido tris(triphenylphosphin)cobalt(i)

Protokoll Dampfdruck. Punkte: /10

Synthese von tert Butylchlorid

Präparat 12: Diphenylmethanol (Grignard Reaktion)

4. Freie Energie/Enthalpie & Gibbs Gleichungen

Phasengleichgewicht. 1. Experimentelle Bestimmung des Dampfdrucks von Methanol als Funktion der Temperatur. A fl. A g

2. GRUNDLAGEN. 2.1 Kontinuierliche Thermodynamik

Herstellung und Oxidation von 2,4,6-Tri-tert-butylphenol

Prof. Dr. Peter Vogl, Thomas Eissfeller, Peter Greck. Übung in Thermodynamik und Statistik 4B Blatt 8 (Abgabe Di 3. Juli 2012)

Modul: Allgemeine Chemie

Übungen zur Vorlesung Physikalische Chemie 1 (B. Sc.) Lösungsvorschlag zu Blatt 11

Versuch: Wasserdampfdestillation

Vergleich der Kennzeichnungen: RL 67/548/EWG VO EG/1272/2008 geordnet nach R-Sätzen

Phasen, Komponenten, Freiheitsgrade

A 2.6 Wie ist die Zusammensetzung der Flüssigkeit und des Dampfes eines Stickstoff-Sauerstoff-Gemischs

Lernziele: Phasen, Komponenten, Freiheitsgrade Die Phasenregel Zweikomponentensysteme: Dampfdruckdiagramme,

Ergänzende Hinweise Im Abzug arbeiten! Mit einem angefeuchteten Indikatorpapier überprüfen.

Schmelzdiagramm eines binären Stoffgemisches

VERDAMPFUNGSGLEICHGEWICHTE: SIEDEDIAGRAMM EINER BINÄREN MISCHUNG

Fettgehalt einer Tafel Schokolade

Chloro(triphenylphosphin)gold(I)

Physikalisches Anfaengerpraktikum. Zustandsgleichung idealer Gase und kritischer Punkt

Global Harmonisiertes System zur Einstufung und Kennzeichnung von Chemikalien

Siedediagramm binärer Systeme

1. BESTIMMUNG DER DAMPFDRUCKKURVE EINER REINEN FLÜSSIGKEIT ZUR BERECHNUNG DER VER- DAMPFUNGSENTHALPIE DH verd UND -ENTROPIE DS verd

Thomas Eissfeller, Peter Greck, Tillmann Kubis, Christoph Schindler

Diisothiocyanatotetrapyridinmangan(II) [Mn(SCN) 2 (py) 4 ]

Multiple-Choice Test. Alle Fragen können mit Hilfe der Versuchsanleitung richtig gelöst werden.

Praktikum Physikalische Chemie II (C-3) Versuch Nr. 11

Reale Gase. Versuch: RG. Inhaltsverzeichnis. Fachrichtung Physik. Erstellt: E. Beyer Aktualisiert: am Physikalisches Grundpraktikum

Physik III - Anfängerpraktikum- Versuch 203

Protokoll zum Versuch 4.2

Synthese von n-butylacetat

Modul Chemische Thermodynamik: Verdampfungsgleichgewicht

Synthese von tert-butylchlorid (2-Chloro-2-methylpropan)

Institut für Physikalische Chemie Albert-Ludwigs-Universität Freiburg

Skript zur Vorlesung

1. Wärmelehre 1.1. Temperatur. Physikalische Grundeinheiten : Die Internationalen Basiseinheiten SI (frz. Système international d unités)

R- und S-Sätze. Einleitung.

Physikalische Chemie Praktikum. Elektrolyte: Dissoziationskonstante von Essigsäure λ von NaCl ist zu ermitteln

Synthese von N -(4-Ethoxyphenyl)harnsto (Dulcin)

a) Welche der folgenden Aussagen treffen nicht zu? (Dies bezieht sind nur auf Aufgabenteil a)

SICHERHEITSDATENBLATT gemäss 2001/58/EG

2.3 Stoffmodelle für Reinstoffe Die Dampftabelle ... MPa C m 3 /kg m 3 /kg ... 0, ,23 0, ,

Kryoskopie. Stand: 01/2007. Ziel des Versuches

Risiken der verwendeten Gefahrstoffe und Sicherheitsvorkehrungen. H319 Verursacht schwere Augenreizung. H225 Flüssigkeit und Dampf leicht entzündbar

1. Klausur ist am 5.12.! Jetzt lernen! Klausuranmeldung: Bitte heute in Listen eintragen!

Physikalisches Anfaengerpraktikum. Dissoziationsgrad und Gefrierpunkterniedrigung

Dissoziationsgrad und Gefrierpunkterniedrigung (DIS) Gruppe 8 Simone Lingitz, Sebastian Jakob

Synthese von 3-Menthen

ÜBUNGEN ZUR VORLESUNG Physikalische Chemie I (PC I) (Prof. Meerholz, Hertel, Klemmer) Blatt 14,

Gesundheitliche Auswirkungen von Lösemittelbelastungen. Dr. Ursula Weinssen, Amt für Arbeitsschutz, Staatlicher Gewerbearzt Hamburg

Endersch, Jonas Praktikum Allgemeine Chemie 2, Saal G1, Platz 53

S05-Mischungslücke_Bsc Erstelldatum :15:00

Versuch Bestimmung der Verdampfungsenthalpie leichtflüchtiger Stoffe

Universität Kassel, Grundpraktikum Physikalische Chemie Studiengänge Nanostrukturwissenschaft, Lehramt Chemie, Diplom Biologie

Wir wollen unsere folgenden Betrachtung auf die drei Phasen - fest, - flüssig, - gasförmig beschränken.

Alles was uns umgibt!

Synthese von 5-Nonanol

Synthese von Brommaleinsäure

Transkript:

Versuch: Siedetemperaturerhöhung Die Molmasse stellt für einen chemisch einheitlichen, niedermolekularen Stoff eine charakteristische Kenngröße dar. Mit physikalisch-chemischen Messmethoden lässt sich die Molmasse von festen Stoffen, wenn sie sich gut lösen lassen, (und von gasförmigen oder leicht verdampfbaren Substanzen) relativ einfach bestimmen. Eine Lösung zeigt ein anderes Dampfdruck-, Siede- und Schmelzverhalten als das reine Lösemittel. Bei sehr verdünnten und daher annähernd "idealen" Lösungen ist dieses Verhalten unabhängig von der Art des gelösten Stoffes. Es hängt nur von der Anzahl der gelösten Teilchen (Phänomen der kolligativen Eigenschaften) ab. Lässt sich diese bestimmen, so kann aus dieser und der Masse des aufgelösten Stoffes, dessen Molmasse berechnet werden. Bei diesem Versuch soll die Molmasse einer unbekannten festen Substanz über die Siedetemperaturerhöhung einer Lösung dieser Substanz durch die Erhöhung ihrer Konzentration bestimmt werden. Theorie zur Siedetemperaturerhöhung Bei Lösungen nichtflüchtiger Stoffe beobachtet man eine Erniedrigung des Dampfdruckes in Abhängigkeit von der Temperatur gegenüber dem Dampfdruck des reinen Lösemittels. Dies entspricht einer Erhöhung der Siedetemperatur der Lösung gegenüber derjenigen des reinen Lösemittels. Im Verdampfungsgleichgewicht ist das chemische Potential des Lösemittels in der flüssigen Phase µ 1 (l) gleich demjenigen in der Gasphase µ 1 (g). Es gilt folgende Beziehung zwischen der Siedetemperaturerhöhung T' und der Konzentration an gelöstem Stoff: RT M1 mkeb Hv T ' m = (1) T bedeutet die Siedetemperatur des reinen Lösemittels, H v seine molare Verdampfungsenthalpie. K Eb nennt man ebullioskopische Konstante. Eine Möglichkeit der Herleitung von (1) geht von der Clausius-Clapeyronschen Gleichung dp Hv = dt () p RT 1

aus, die die Abhängigkeit des Dampfdrucks p einer Flüssigkeit von der Temperatur T beschreibt, wobei Hv die molare Verdampfungsenthalpie des Lösemittels bedeutet. Desweiteren benötigt man das Raoultschen Gesetz: p = x (3) p bzw. mit x m M 1: p p m M 1 (4) Dabei ist x der Molenbruch und m die Molzahl. des gelösten Stoffes und M 1 die Molmasse des Lösungsmittels. Die Dampfdruckerniedrigung p = p - p und die Siedetemperaturerhöhung T' einer idealen Lösung sind sehr klein, weshalb näherungsweise p H = p RT v T' (5) gilt, mit p =ˆ Dampfdruck des reinen Lösemittels. Aus (4) und (5) folgt Beziehung (1).

Versuchsvorbereitung - Konzentrationsmaße - Thermodynamik idealer und realer Lösungen - Aktivitäten und Aktivitätskoeffizienten - Bestimmung partieller molarer Größen - Gefriertemperaturerniedrigung - Siedetemperaturerhöhung - Osmose - Intermolekulare Wechselwirkungen Versuchsdurchführung Zur Bestimmung von Siedetemperaturen wird die von WASHBURN und REAP vorgeschlagene Apparatur verwendet. CaCl - Rohr Thermometer Kühler Glasröhre Trichter Keramikplatte Mikrobrenner Apparatur nach WASHBURN und REAP 3

Bei dieser Apparatur befindet sich das Thermometer im Dampfraum über der siedenden Flüssigkeit und durch eine einfache Vorrichtung (ein umgestülpter dreiarmiger Trichter) wird dauernd schäumende Flüssigkeit an den Thermometerhals gespült. Auf dem Weg zur Thermometerkugel ist die anfängliche Überhitzung abgeklungen und das Gleichgewicht Dampf-Lösung hat sich eingestellt. Das Glasrohr (Gl) schützt den Thermometerraum vor der aus dem Kühler zurückfließenden kalten Flüssigkeit. Das obere Ende des Kühlers ist mit einem Calciumchlorid-Röhrchen gegen Luftfeuchtigkeit zu schützen. Vor dem Aufbau der Apparatur müssen alle Teile trocken sein. Siedetemperatur des Lösemittels In das Gefäß gibt man zwei oder drei Siedesteine und 30 cm 3 Lösemittel, so dass der Flüssigkeitsspiegel unter dem Glasrohr (Gl) steht. Das Thermometer schiebt man so weit in den dreiarmigen Trichter ein, dass sich die Quecksilberkugel etwa cm über der Flüssigkeit befindet. Das Kühlwasser lässt man kräftig laufen. Den Mikrobrenner und die siedende Flüssigkeit schützt man durch ein Glasrohr vor Luftkonvektion. Ein Keramikdrahtnetz soll verhindern, dass andere Teile als der Boden des Siedegefäßes von dem Brenner erwärmt werden. Das gesamte Gerät muss so aufgestellt werden, dass es keinem Luftzug ausgesetzt ist. Die Hauptlänge des Thermometers wird durch ein Glasrohr vor Zug oder Erwärmung geschützt. Die Brennerstärke ist so zu regulieren, dass sich die Dampfblasen fast nur im Trichterraum bilden. Dabei muss genügend viel Flüssigkeit zum Thermometer befördert werden, so dass ein gleichmäßiger Flüssigkeitsstrom an der Thermometerkugel herabläuft. Erst nach etwa einer Stunde haben sich alle Teile des Gefäßes genügend erwärmt. Man kontrolliert ständig die Temperatur, bis sie für mindestens 10 Minuten auf 0,005 K konstant geworden ist. Das ist die Siedetemperatur des reinen Lösemittels beim äußeren Luftdruck p +. Siedetemperatur der Lösung Nun bestimmt man die Siedetemperatur von Lösungen, deren Konzentration zwischen und 8 Massenprozent liegen soll. Von der zu untersuchenden Substanz presst man 4-6 Pillen, die man jeweils genau wägt. Die Einwaage einer Pille ist so zu wählen, dass die Konzentration der Lösung ungefähr Massenprozent beträgt. (Beim Pressen darf keine Gewalt angewendet werden!) Man gibt in das Siedegefäß zunächst eine Pille. Wenn die Substanz im siedenden Lösemittel gelöst ist, bestimmt man die Siedetemperatur und den dazugehörigen Luftdruck. Man wiederholt das Einbringen der Pillen und bestimmt erneut die Siedetemperatur der nun konzentrierteren Lösung und den dazugehörigen Luftdruck. Abschließend ist das Gefäß sorgfältig zu reinigen und zu trocknen. 4

Aus den T'-Werten und den jeweiligen Molalitäten der Lösung m (Zahl der Mole der gelösten Substanz n = g /M je kg Lösemittel) lässt sich nach (1) die Molmasse M der gelösten Substanz ermitteln: M K Eb g = T' g 1 K Eb g 1 g =ˆ ebullioskopische Konstante =ˆ Masse des Lösemittels =ˆ Masse der gelösten Substanz Substanz K Kr Gefrier- (kg K mol -1 ) temperatur (K) (kg K mol -1 ) temperatur (K) Wasser 1,86 73, 0,513 373, Eisessig 3,90 90,7 3,14 391,3 Ethylacetat ---- -----,83 350,1 Benzol 5,1 78,8,57 353,4 Cyclohexan 0,0 79,,75 354,5 Phenol 7,40 316, 3,56 454,6 K Eb Siede- Molare Gefriertemperaturerniedrigungen und Siedetemperaturerhöhungen von gebräuchlichen Lösemitteln 5

Literatur P. W. ATKINS Physikalische Chemie Verlag Chemie, Weinheim 1996 G. WEDLER Lehrbuch der Physikalischen Chemie Verlag Chemie, Weinheim 1997 H.-D. FÖRSTERLING, H. KUHN Praxis der Physikalischen Chemie Verlag Chemie, Weinheim 1991 L. BERGMANN, C. SCHAEFER Lehrbuch der Experimentalphysik, Bd. I Springer Verlag, Berlin 1998 6

Für diesen Versuch werden Chemikalien mit folgenden R- und S-Sätzen ausgegeben. R 11 R 34 R 41 R 66 R 67 R 1/ R 36/37/38 Leichtentzündlich Verursacht Verätzung Gefahr ernster Augenschäden Wiederholter Kontakt kann zu spröder oder rissiger Haut führen. Dämpfe können Schläfrigkeit und Benommenheit verursachen. Gesundheitsschädlich bei Berührung mit der Haut und beim Verschlucken Reizt die Augen, die Atmungsorgane und die Haut S 16 S S 6 S 33 S 37/39 Von Zündquellen fernhalten - nicht rauchen Staub nicht einatmen Bei Berührung mit den Augen gründlich mit Wasser spülen und Arzt konsultieren Maßnahmen gegen elektrostatische Aufladung treffen Bei der Arbeit geeignete Schutzhandschuhe, Schutzbrille/Gesichtsschutz tragen 7