Räumliche Darstellung
Einleitung Stellen wir uns mal vor, jemand möchte einen Rubiks-Cube abzeichnen, dann wird sich diese Person diesen Würfel vor sich auf einen Tisch stellen, wird ein Papier hinlegen und verschiedene Zeichnmaterialien bereitstellen. Das Grundproblem besteht nun darin, dass der Ausgangspunkt (der Würfel) ein dreidimensionales Objekt, die Zeichnung aber nur zweidimensional ist. Im zweidimensionalen Raum (auf dem Zeichenblatt) gibt es nur zwei Raumrichtungen, die horizontale (links - rechts) und die vertikale (oben - unten). Im dreidimensionalen Raum kommt die Richtung in die Tiefe hinzu. Dieses Wegfallen der dritten Dimension hat fatale Folgen, denn man kann nicht das Objekt so übernehmen, wie es in Wirklichkeit ist, sondern kann es nur so wiedergeben, wie es sich genau aus einem Beobachtungspunkt zeigt. Man übersetzt also etwas Räumliches in etwas Flächiges. Text lesen wichtige Stellen markieren Eine räumliche Darstellung ist im Endeffekt also nichts anderes, als etwas Zweidimensionales, das so tut, als ob es dreidimensional wäre. Die Übersetzung von drei Dimensionen in deren zwei kann über zwei verschiedene Methoden geschehen, über die Beobachtung oder die Konstruktion. Die Methode der Beobachtung hat den Vorteil, dass sie eine relativ schnelle Methode ist. Ihr Nachteil liegt in der Ungenauigkeit (symbolhaftes Sehen, optische Täuschungen). Die Methode der Konstruktion hat den Vorteil, dass sie ziemlich genaue Ergebnisse erzielt (mit den oben genannten Einschränkungen). Ihr Nachteil liegt wohl darin, dass sie sehr zeitaufwändig ist. So benötigt man beispielsweise für eine konstruierte Abbildung eines Holzstuhles mit Lehne auch als geübter Zeichner schnell vier bis fünf Stunden. Im eigenen gestaltersischen Schaffen verschmelzen diese beiden Methoden oft. Darüber hinaus können im eigenen Gestalten noch weitere raumgebende Methoden berücksichtigt werden (z. B.: Verdeckung, Modulierung). Diese Werkstatt führt in die Wahrnehmung des Raumes ein. Sie gibt einen Einblick in die beiden Methoden (beobachten und konstruieren), zeigt auf, welche weiteren raumgebenden Methoden angewendet werden können und erweitert das eigene räumliche Denken und Vorstellungsvermögen. Dadurch wird die eigene Wahrnehmung, wie auch das künstlerische / gestalterische Schaffen differenzierter. li: Rubiks-Würfel re: Der Beobachtungspunkt entscheidet über die Erscheinung eines Objektes. Räumliche Darstellung 1
Raumgebende Verfahren: Die Perspektiven 1. Geometrische Projektionsverfahren 1A - Parallelprojektion Sehstrahlen verlaufen parallel, raumparallele Kanten werden in der Projektion ebenfalls parallel abgebildet. rechtwinklig (orthogonal): Sehstrahlen treffen rechtwinklig auf die Projektionsfläche. Hauptriss (Dreitafelprojektion) Axonometrie: isometrisch, dimetrisch oder trimetrisch schiefwinklig: Sehstrahlen treffen in einem schrägen Winkel auf die Projektionsfläche. Kavalier-, Kabinett- und Militärperspektive 1B - Zentralprojektion Sehstrahlen gehen von einem Augpunkt aus, raumparallele Kanten fluchten in der Projektion in einem Punkt Zentralperspektive Zentralprojektion, eine Raumfläche liegt parallel zur Bildebene, diese wird bildparallel abgebildet, die andere orthogonal dazu deren Raumflächen fluchten in einem Punkt 2-Punktperspektive (Übereckperspektive) Zentralprojektion, die horizontparallelen Raumkanten sind nicht bildebenenparallel und fluchten in ihrem jeweiligen Fluchtpunkt, die Vertikalen werden bildparallel abgebildet. 3-Punktperspektive Zentralprojektion, die horizontparallelen Raumkanten sind nicht bildebenenparallel und fluchten in ihrem jeweiligen Fluchtpunkt, ebenso die Vertikalen. Froschperspektive Zentralprojektion, es gibt keine bildebenenparallelen Raumkanten, der Augpunkt liegt unter dem abgebildeten Gegenstand Vogelperspektive Zentralprojektion, es gibt keine bildebenenparallelen Raumkanten, der Augpunkt liegt über dem abgebildeten Gegenstand 1C - weitere geometrische Projektionsverfahren Fischaugprojektion Sphärische Projektion. Linien, die nicht durch das Zentrum gehen, werden gekrümmt, Flächen am Rand kleiner abgebildet, als in Bildmitte, der Blickwinkel erreicht 180 Grad und mehr. Panoramabild Beim Panoramabild erfolgt die Abbildung zunächst auf eine zylinderförmige Fläche, die dann in eine Ebene abgerollt werden kann. Es gibt aber auch große Panoramen, die als Zylinder aufgestellt sind. Parallele Linien werden nur im Sonderfall parallel abgebildet. Man erreicht einen Blickwinkel von 180 Grad und mehr (bis 360 Grad). Zylinderperspektive Reliefperspektive Umgekehrte Perspektive 2. Bedeutungsperspektive Begriff in der Malerei. Die Größe der dargestellten Figuren und Gegenstände hängt von deren Bildbedeutung ab, nicht von den räumlich-geometrischen Gegebenheiten. 3. Luft- und Farbperspektive Die Farb- und Helligkeitskontraste nehmen in die Ferne ab Farben erscheinen matter, meistens heller und ins blau verschoben Räumliche Darstellung 2
Raumgebende Verfahren: Weitere Methoden Neben den perspektivischen Methoden gibt es auch andere Verfahren, ein Bild räumlich wirken zu lassen. Hier eine Übersicht: Verdeckung In einer räumlichen Situation stehen Gegenstände nicht nur neben-, sondern auch hintereinander. So ist es wahrscheinlich, dass Gegenstände, die sich näher beim Betrachter befinden, andere teilweise verdecken. Veränderung der Grösse Je grösser der Abstand zwischen Betrachter und Gegenstand ist, desto kleiner erscheint dieser. Dies gilt sowohl für die die Gegenstände selber, wie auch für die Zwischenräume. Modellierung Die zu zeichnenden Objekte werden immer auf eine bestimmte Art und Weise beleuchtet. Das Licht wird je nach Einfallswinkel stärker oder schwächer reflektiert, der Gegenstand erscheint heller oder dünkler. Die Lichtsituation bringt auch Schatten hervor, meistens mehrere. Details + Schärfe Abb. 2 + 3 aus «Perspective Without Pain», 1988, bei North Light/F&W Publications, Ohio Je grösser der Abstand zwischen Betrachter und Gegenstand ist, desto weniger Details sind auf dem Gegenstand zu erkennen. Ebenso kann nur ein Teil des Bildes mit scharfem Umriss gezeichnet werden. Veränderung des Kontrastes Mit zunehmendem Abstand verändert sich das Objekt auch in Bezug auf seinen Kontrast. Je weiter weg ein Objekt ist, desto vergrauter erscheint es. Das hat mit der Luft zu tun, die zwischen Objekt und Betrachter liegt. Luft enthält Wasser und Staub, und je nach dem, wie hoch diese Anteile sind, desto stärker wird der Schleier sichtbar. Ein anderer Grund ist, dass von weiter entfernten Objekten weniger Licht unser Auge erreicht. Räumliche Darstellung 3
Die Perspektiven: Geometrische Projektionsverfahren Zwei häufige und wichtige perspektivische Zeichenmethoden sind die Zentral- und Parallel-Projektion. Sie gehören beide zu den geometrischen Verfahren und werden beispielsweise in der Architektur oder in der Produktegestaltung angewendet. Text lesen wichtige Stellen markieren Die Parallelprojektion (1A) Linien, die in der Wirklichkeit parallel verlaufen, werden bei der parallelperspektivischen Abbildung gleichfalls parallel dargestellt. Dadurch wird ein Zusammenlaufen der Linien in Richtung der Fluchtpunkte vermieden, so dass die abgebildeten Flächen gut erkenntlich bleiben. Diese Darstellungsweise findet man oft bei Anleitungen (zum Beispiel Zusammenbaus eines Möbelstückes). In besonderen Formen der Parallel- Projektion sind die Linien längentreu wiedergegeben, dies kann, bei der Anwendung auf einem Plan, äusserst praktisch sein. Die Zentralprojektion (1B) Die Zentralprojektion ist eine Darstellungsmethode, die dem menschlichen Wahrnehmung sehr nahe kommt. Zu ihr gehören die 1-, 2- und 3-Fluchtpunkt-Perspektive. o-li: Isometrische Darstellung o-mi: Schrägprojektion, «Militärperspektive» o-re:schrägprojektion, «Kabinettperspektive» (auch «Kavalierperspektive») li: 2-Fluchtpunkt-Perspektive u-1: 1-Fluchtpunkt-Perspektive u-2: 2-Fluchtpunkt-Perspektive u-3: 3-Fluchtpunkt-Perspektive (Frosch-Persp.) u-4: 3-Fluchtpunkt-Perspektive (Vogel-Persp.) 1 2 3 4 Räumliche Darstellung 4
Augenpunkt Die Perspektiven: Geometrische Projektionsverfahren Text lesen wichtige Stellen markieren Die Zentralprojektion (Fortsetzung) Die Bildebene Bei der Zentralprojektion werden die Punkte eines dreidimensionalen Raumes oder Objektes auf einer Ebene abgebildet. Diese Ebene nennt man Bildebene. Augenpunkt Bildebene Bildebene Horizont Hauptsehstrahl Horizont + Sehstrahl Parallelität in Bezug zur Bildfläche In der Zentralprojektion werden die im Raum parallelen Linien nicht parallel gezeichnet mit einer Ausnahme: wenn sich diese genau parallel zur Bildfläche (=zum Betrachter) verhalten. Schliesst man diesen Sonderfall aus, so kann man eine weitere Regel formulieren: Linien, die raumparallel sind (= in Wirklichkeit, am Objekt parallel), schneiden sich auf einem gemeinsamen Punkt. Diesen Punkt nennt man Fluchtpunkt. Sind nun diese Linien im Raum waagrecht, so befindet sich ihr Fluchtpunkt auf dem Horizont. Die Horizontallinie Stellen wir uns vor, wir würden aufrecht an einem Sandstrand stehen und ins Meer hinaussehen. Würde man diese räumliche Konfiguration auf ein Blatt übertragen, müsste man nur den Horizont zeichnen. Doch so einfach, wie das auch tönt, diese nur eine Linie würde dem Betrachter schon mehr verraten, als dass man gemeinhin annimmt. Befindet sich die Horizontale im oberen Bildbereich, wäre man sehr gross, oder befindet sich auf einem Aussichtsturm. Ist die Horizontale am unteren Bildrand, hat der Zeichner im Sand gelegen. Die Horizontallinie befindet sich dort, wo der Sehstrahl die Bildebene in einem rechten Winkel schneidet. Den Schneidepunkt nennt man Augenpunkt. Räumliche Darstellung 5
Die Perspektiven: Geometrische Projektionsverfahren Weitere Projektionsverfahren (1C) Fischaugenprojektion Die Fischaugenprojektion ist eine sphärische Projektion. Linien, die nicht durch das Zentrum gehen, werden gekrümmt, Flächen am Rand kleiner abgebildet, als in der Bildmitte. Die Krümmung ist stark tonnenförmig. Dafür bildet dieses Projektionsverfahren Flächenverhältnisse meist getreuer ab. Die Fischaugprojektion bedient sich eines sehr grossen Blickwinkels (bis zu 220 ). Der Name dieses Projektionverfahrens kommt übrigens von der Vorstellung, wie ein Fisch die Welt sieht, wenn er von unten durch die Wasseroberfläche schaut. Die Fischaugprojektion wird heute vorallem in der Fotografie angewendet, da es spezielle Objektive gibt, die diese Projektion quasi automatisch herstellen. Panoramabild Beim Panoramabild erfolgt die Abbildung zunächst auf eine zylinderförmige Fläche, die dann in eine Ebene aufgerollt werden kann. Es gibt aber auch große Panoramen, die als Zylinder aufgestellt sind. Parallele Linien werden nur im Sonderfall parallel abgebildet. Man erreicht einen Blickwinkel von 180 Grad und mehr (bis 360 Grad). Zylindrische Projektion Verschiedene Künstler wie M. C. Escher haben mit der zylindrischen Projektion experimentiert. Mit dieser Perspektive sind Panoramen von mehr als 180 perspektivisch real darstellbar, dabei verzerren sich gerade Linien zu gekrümmten Kurven. Ein Beispiel dafür ist Eschers Lithografie Treppenhaus I., 1951. Umgekehrte Perspektive Mit zwei Augen sieht man im Nahbereich näher liegende Gegenstände schmaler als weiter entfernt liegende. Der Effekt entsteht durch das zweiäugige (räumliche) Sehen. Die umgekehrte Perspektive wurde zum Beispiel in der byzantinischen Ikonenmalerei angewandt, zusammen mit der Bedeutungsperspektive. Dabei laufen parallele Linien in Bildteilen auf den Betrachter zu, wie es bei den Fussbänken der Dreifaltigkeitsikone zu sehen ist. Räumliche Darstellung 6
Die Perspektiven: Bedeutungsperspektive, Luft- und Farbperspektive Bedeutungsperspektive (2) In der Zeit vor der Wiederentdeckung der geometrischen Perspektive wird in Tafelbildern die sogenannte Bedeutungsperspektive benutzt. Die Größe und Ausrichtung der im Bild dargestellten Personen richtet sich nach deren Bedeutung: wichtige Protagonisten erscheinen groß, weniger wichtige werden kleiner dargestellt, auch wenn diese sich räumlich vor der anderen Person befinden. In dem Bildbeispiel rechts bezieht sich die quasi-isometrische Perspektive der Fußbänke nur auf die jeweilige Figur in grafisch-kompositorischer Hinsicht ermöglicht diese Anordnung die (flächige) Öffnung des Bildraumes zum Hintergrund. Die Bedeutungsperspektive wird bereits in der altägyptischen Kunst angewandt: Während der Pharao nebst Gemahlin in voller Größe dargestellt wird, zeigt man Sklaven und Hofstaat sehr viel kleiner. In der Ikonenmalerei findet sich diese Art der Darstellung ebenso wie in der Malerei der Romanik und Gotik. Die Bedeutungsperspektive ist auch heute noch in der naiven Malerei zu finden Luft- und Farbperspektive (3) Luft- und Farbperspektive müssen unterschieden werden. Bei der Luftperspektive wird ein Tiefeneindruck erzeugt, indem die Kontraste von vorne nach hinten abnehmen und die Helligkeit von vorne nach hinten zunimmt. Unabhängig von der Farbe entsteht gleichzeitig durch die nach hinten undeutlicher werdenden Konturen ein Scharf/Unscharf-Kontrast. Die Farbperspektive sorgt für einen Tiefeneindruck, indem im Vorder-, Mittel- und Hintergrund unterschiedliche Farbtöne dominant eingesetzt werden. Im Vordergrund dominieren warme Farben (gelb, orange, rot, braun), im Mittelgrund und im Hintergrund Grün- und Blautöne. Stattdessen kann auch eine Grün- bzw. Blaustichigkeit vorliegen. Räumliche Darstellung 7
Geschichte der perspektivischen Darstellung T1 Text lesen wichtige Stellen markieren Von der Antike... Um räumliche Situationen darzustellen oder abzubilden, waren perspektivische Verfahren bereits den Römern bekannt (siehe auch Skenographie). In Pompeji (dies war eine antike Stadt am Golf von Neapel, 1000 v. Chr. 79 n. Chr.) wurden Wandfresken gefunden, die den Raum in einen gemalten Garten fortsetzen sollten. In den darauf folgenden Jahrhunderten wurde dieses Wissen nicht weiterentwickelt; die frühchristliche und mittelalterliche Malerei bediente sich fast ausschließlich der Bedeutungsperspektive, d. h. die Größe der dargestellten Personen und Gegenstände wurde durch deren Bedeutung im Bild bestimmt, nicht durch ihre räumliche Anordnung. Räumliche Wirkung erzielte man fast ausschließlich durch die Kulissenwirkung, die eine Vordergrundebene vor einem Hintergrund unterschied.... zur Renaissance In der Renaissance wurde die Zentralperspektive (im Zusammenhang mit der Camera Obscura) (wieder-) entdeckt, die in etwa dem Sehen mit einem Auge oder einer verzerrungsfreien fotografischen Abbildung entspricht. Malerarchitekten wie Filippo Brunelleschi (gilt als der Erfinder der Perspektive), Giotto und Leon Battista Alberti schufen Werke, die Motive der christlichen Ikonographie in räumlich korrekt konstruierten Architekturkulissen zeigten. Anfänglich wurde die Zentralperspektive, die unser Auge produziert, in ihren Gesetzmäßigkeiten nicht erkannt, und die Darstellung erfolgte mittels einer Schnur, die, von einem festen Punkt ausgehend, über ein einfaches Raster in Form eines Drahtgitters zu den abzubildenden Objekten gespannt wurde. Der Zeichner saß neben dem Gitter und übertrug die Messungen in das Raster seiner Zeichenfläche («perspektivisches Abschnüren»). In einem Buch aus dem Jahre 1436 erläuterte Leon Battista Alberti die mathematischen Methoden, mit denen auf Gemälden eine perspektivische Wirkung zu erzielen sei. o: In Rom wurde das Prinzip der griechischen Bühnendekoration übernommen, weleches in pompejianischen Villen erhalten ist. Die in Griechenland verfolgte Tendenz einer räumlichen Erfassung von Landschaft wurde jedoch nicht weitergeführt. Beim Übergang spätrömischer Kunst zur frühchristlichen spielten Plastizität der Figuren und Raumillusion nur mehr eine untergeordnete Rolle. u: Abbildung aus Dürers Underweysung, 1525 Albrecht Dürer veröffentlichte 1525 sein Buch «Underweysung der messung mit dem zirckel un richtscheyt» [2], das die erste Zusammenfassung der mathematisch-geometrischen Verfahren der Zentralperspektive darstellte und damit auch die Grundlagen der perspektivischen Konstruktionsverfahren als Teilbereich der Darstellenden Geometrie bildet. Räumliche Darstellung 8
Die Erfindung der Linearperspektive Die Erfindung der Linearperspektive A1 Text abschreiben Bilder ausschneiden und aufkleben Das System der Perspektive entstand am Anfang des 15. Jahrhunderts, also in der Kunstepoche, die der Renaissance zugeschreiben wird. Ihre Erfindung bzw. Wiederentdeckung wird zwei Florentinern zugeschrieben - dem Architekten und Schriftsteller Leon Battista Alberti (1404-1472) und dem Bildhauer und Architekten Filippo Brunelleschi (1377-1446). Mit sehr einfach anzuwendenden Methoden konnten Künstler von da an auf einer Fläche dreidimensionale Gegenstände exakt wiedergeben - und veränderten damit die Kunst des Abendlandes entscheidend. Das Wort Perspektive stammt vom lateinischen Wortbegriff «perspicere» und bedeutet soviel wie durchschauen (deutlich sehen, in den Raum hinein sehen). Um die Gesetze der Perspektive zu studieren, hielt Leonardo da Vinci die Ansicht einer Landschaft mit Kriede auf einer Glasplatte fest. Damit klärt sich der Begriff «perspicere» (durchschauen). Statue von Leon Battista Alberti im Hof der Uffizien; Florenz Statue von Filippo Brunelleschi, zur Kuppel des Domes Santa Maria del Fiore hinaufblickend; Florenz Papier Schreibzeug Schere Leim Räumliche Darstellung 9
Raumsituation auf Folie A2 Raumsituation auswählen Raumgebende Linien nachzeichnen Folie aufkleben Suche dir eine eindeutige Raumsituation im Schulgang. Lege die Folie, welche du in diesem Mäppchen findest, auf eine Glasplatte und befestige sie mit Klebeband, damit sie nicht mehr verrutscht. Nun zeichne sehr genau auf der Folie mit einem wasserfesten Filzstift alles nacht, was du durch die Glasplatte siehst. Klebe die Folie sauber auf ein Blatt. Folie Glasplatte Klebeband wasserfester Filzstift Leim Papier (120g) «Ein Mann zeichnet eine Amphore» aus Dürers Lehrbuch «Underweisung der Messung». Dieser Netzrahmen wurde zum Studium perspektivischer Verkürzungen am Körper benutzt. Die Bildebene Die Glasplatte bzw. die Folie, auf welcher du deine Zeichnung anfertigst, ist die sogenannte Bildebene. Nur diejenigen Raumlinien, die parallel zur Bildebene verlaufen, verhalten sich auch auf der Bildebene parallel. Dort, wo der Sehstrahl die Bildebene in einem rechten Winkel schneidet, befindet sich der sogenannte Augenpunkt. Durch ihn geht der Horizont. A ugen B il d e b e punk t ne enebedlib Horizont lhartshestpuah Horizont + tkn u e pn gu A Sehstrahl Räumliche Darstellung 10
Zentralprojektion: Die 1-Fluchtpunkt-Perspektive A3 Die 1-Fluchtpunkt-Perspektive ist eigentlich ein Spezialfall unter den Linearperspektiven. Sie kommt nur dann zum Einsatz, wenn sich ein Objekt genau parallel zur Bildfläche verhält. Regeln zur 1-Fluchtpunkt-Perspektive Senkrechte Linien bleiben senkrecht. Waagrechte Linien bleiben waagrecht. Senk- und Waagrechte werden mit zunehmender Distanz kürzer. Tiefenlinien, welche raumparallel sind, treffen sich im Fluchtpunkt. Der Augenpunkt ist gleich Fluchtpunkt. Augenhöhe ist gleich Horizontallinie Die Abbildung rechts ist eine spezielle Situation. der Fluchtpunkt ist genau in der Mitte der gegenüberliegenden Wand, so dass die Tiefenlinien eine Diagonale bilden und genau in den Ecken der näheren Wand enden. Man nennt sie deshalb: Zentralperspektive Horizontallinie Fluchtpunkt Sehstrahl Tiefenlinie Augenpunkt Augenhöhe Bildebene Fluchtpunkt = Augenpunkt Horizontallinie = Augenhöhe Räumliche Darstellung 11
Zentralprojektion: Die 1-Fluchtpunkt-Perspektive A3 Die 1-Fluchtpunkt-Perspektive ist eigentlich ein Spezialfall unter den Linearperspektiven. Sie kommt nur dann zum Einsatz, wenn sich ein Objekt genau parallel zur Bildfläche verhält. Regeln zur 1-Fluchtpunkt-Perspektive Senkrechte Linien bleiben senkrecht. Waagrechte Linien bleiben waagrecht. Senk- und Waagrechte werden mit zunehmender Distanz kürzer. Tiefenlinien, welche raumparallel sind, treffen sich im Fluchtpunkt. Der Augenpunkt ist gleich Fluchtpunkt. Augenhöhe ist gleich Horizontallinie Die Abbildung rechts ist eine spezielle Situation. der Fluchtpunkt ist genau in der Mitte der gegenüberliegenden Wand, so dass die Tiefenlinien eine Diagonale bilden und genau in den Ecken der näheren Wand enden. Man nennt sie deshalb: Zentralperspektive Horizontallinie Fluchtpunkt Zeichne unten ein: Tiefenlinien Horizontallinie Augenhöhe Fluchtpunkt Augenpunkt Sehstrahl Tiefenlinie Augenpunkt Augenhöhe Bildebene Räumliche Darstellung 12
Übung zur 1-Fluchtpunkt-Perspektive Zeichne unten ein: Tiefenlinien Horizontallinie Augenhöhe Fluchtpunkt + Augenpunkt Sammle aus Zeitschriften mindestens zwei typische Bilder mit einem Fluchtpunkt. Klebe sie auf die Rückseite dieses Blattes und zeichne folgendes ein: Tiefenlinien Horizontallinie Augenhöhe Fluchtpunkt + Augenpunkt Räumliche Darstellung 13
Lösung zur Übung zur 1-Fluchtpunkt-Perspektive Räumliche Darstellung 14
Übung zur 1-Fluchtpunkt-Perspektive A4 4/5 der Höhe der 1/3 der Breite der 1/3 der Höhe der 1/4 der Breite der Räumliche Darstellung 15
Lösung zur Übung zur 1-Fluchtpunkt-Perspektive L4 4/5 der Höhe der 1/3 der Breite der 1/3 der Höhe der 1/4 der Breite der Räumliche Darstellung 16
Weitere Übungungen zur 1-Fluchtpunkt-Perspektive A5 Räumliche Darstellung 17
Zentralprojektion: Die 2-Fluchtpunkt-Perspektive A3 Die 2-Fluchtpunkt-Perspektive kommt der alltäglichen Sicht des Menschen am nächsten (solange er nicht nach oben oder unten schaut). Der Name trügt allerdings ein wenig, denn die Zahl zwei des Namens bezieht sich nicht auf das ganze Bild, sondern auf jedes Objekt. Die 2-Fluchtpunkt-Perspektive kommt dann zum Einsatz, wenn sich das Objekt nicht parallel zur Bildebene verhält. Regeln zur 2-Fluchtpunkt-Perspektive Senkrechte Linien bleiben senkrecht. Senkrechte werden mit zunehmender Distanz kürzer. Raumparallele Tiefenlinien treffen sich im jeweiligen Fluchtpunkt. Sind die Objektkanten parallel zur Grundfläche, liegen die Fluchtpunkte auf der Horizontlinie. Augenhöhe ist gleich Horizontallinie Augenpunkt Augenhöhe Bildebene Räumliche Darstellung 18
Übung zur 2-Fluchtpunkt-Perspektive Zeichne unten ein: Tiefenlinien Horizontallinie Augenhöhe Fluchtpunkt + Augenpunkt Sammle aus Zeitschriften mindestens zwei typische Bilder mit zwei Fluchtpunkten. Klebe sie auf die Rückseite dieses Blattes und zeichne folgendes ein: Tiefenlinien Horizontallinie Augenhöhe Fluchtpunkt + Augenpunkt Räumliche Darstellung 19