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Transkript:

Lehrerinformation 1/5 Arbeitsauftrag Die SuS führen ein Experiment durch, welches ihnen einerseits einen genussvollen Konsum und andererseits einen risikoreichen Konsum simuliert. Die SuS tragen Merkmale der vier Konsumformen (Genusskonsum, Risikokonsum, Gewohnheitskonsum und Abhängigkeitskonsum) zusammen. Ziel Material Die SuS können verschiedene Konsumformen voneinander unterscheiden und kennen Merkmale der jeweiligen Konsumform. Für Experiment 1: viele verschiedenfarbige, essbare Süssigkeiten (Gummibärchen, saure Zungen, Gummischlangen, etc.) Für Experiment 2: Plakate und Stifte Sozialform Plenum, GA Zeit 45 Zusätzliche Informationen: Quelle der Experimente: timeoutschweiz.ch

AB 1: Lückentext, Diskussionspapier, Lesetext etc. 2/5 Experiment Genuss oder nicht? Ablauf Jeder einzelne Schüler entscheidet sich für seine Lieblingssüssigkeit und legt sie auf sein Pult. Die Leitperson nimmt sich viel Zeit und Ruhe, um die SuS zum Genuss der Süssigkeit anzuleiten und zu begleiten. Wichtig: Damit das Experiment funktioniert, müssen sich alle an die Regeln halten! 1. Runde (eine Süssigkeit) Betrachten der Farbe Betrachten der Form Betrachten der Oberfläche Konzentration auf Gummitier Vorfreude auf Genuss Berührung mit Finger Fühlen Gummitier in die Hand nehmen und daran riechen Finger abschlecken Zucker schmecken Spüren, wie Wasser im Munde zusammenläuft einziger Wunsch: Gummitier essen erstes Mal schlecken Geschmack bewusst spüren im Mund, auf der Zunge, im Rachen, beim Schlucken ganz langsam und bewusst Gummitier essen sich dazwischen immer wieder Zeit nehmen zum Betrachten, Schmecken, Riechen in eigenem Tempo fertig geniessen Stille im Raum bewahren! 2. Runde (eventuell mehrere Süssigkeiten) Die SuS schliessen die Augen und bekommen je eine Süssigkeit auf die Hand gelegt. Auf Kommando muss die Süssigkeit so schnell wie möglich gegessen werden. Dazu wird geschwatzt, evtl. Radio gehört etc. Anschliessende Diskussion Unterschiede Vorlieben Gedanken Vielleicht hat die Süssigkeit vom Geschmack her nicht allen entsprochen. Deshalb notieren sich alle zwei Tätigkeiten, die sie so richtig geniessen können und die ihnen gut tun. Variante Dieses Experiment kann auch mit Schokolade oder einem gängigen Süssgetränk durchgeführt werden.

AB 1: Lückentext, Diskussionspapier, Lesetext etc. 3/5 Aufgabe: unterschiedliche Konsumformen kennenlernen Ablauf Einführung Die Lehrperson erarbeitet mit den SuS zusammen (es ist wichtig, dass die SuS mitdenken können!) die Unterscheidung von Genusskonsum, Risikokonsum, Gewohnheitskonsum und Abhängigkeitskonsum. Dabei orientiert sich die Lehrperson an den folgenden Fragen: Wozu konsumieren wir? Wie konsumieren wir? Was gibt es für Formen des Konsumierens? Gruppenarbeit Die SuS werden in vier Expertengruppen eingeteilt und erhalten den Auftrag, für die ihnen zugeteilte Konsumform (Genuss, Missbrauch, Gewöhnung, Abhängigkeit/Sucht) entsprechende Merkmale und Beispiele zu finden. Die Merkmale werden von jeder Gruppe auf einem Plakat festgehalten. Fragestellungen Folgende Fragen dienen den Gruppen als Hilfestellung: - Wozu konsumiere ich? Um zur Gruppe zu gehören? Um zu geniessen? - Was heisst, genussvoll / risikoreich / gewohnheitsmässig / abhängig konsumieren? - Was unterscheidet deine Konsumform von den anderen? - Woran erkennt man genussvoll / risikoreich / gewohnheitsmässig / abhängig Konsumierende? - Was konsumiere bzw. praktiziere ich selbst genussvoll / risikoreich / gewohnheitsmässig / abhängig? Anschliessende Diskussion Die Expertengruppen teilen ihre Erkenntnisse mit einem Kurzinput der Klasse mit und erklären die festgehaltenen Punkte auf dem Plakat. Im Anschluss Diskussion: - Sind alle mit den Merkmalen einverstanden? - Gibt es Ergänzungen bzw. weitere Beispiele? - Gibt es Überschneidungen? Wenn ja, wo? - Wo stehen wir selbst in unserem Konsum? - Schätze ich mich anders ein, jetzt, wo ich genauer weiss, was es bedeutet, genussvoll / missbräuchlich / gewohnheitsmässig / abhängig zu konsumieren?

AB 1: Lösung 4/5 Lösung: Lösungshilfe Eine Sucht entsteht nicht von heute auf morgen Grundsätzlich kann sich jede Verhaltensweise oder jede Art von Konsum automatisieren, damit zum Zwang werden und zur Sucht führen. Dort, wo ein Verhalten zur Sucht wird, entwickelt sich eine Eigendynamik, welche ursprünglich angestrebte Ziele überlagert und keinen Raum mehr lässt, die Vielfalt von Möglichkeiten, mit Bedürfnissen umzugehen, zu nutzen. Unterschiede in der Art des Konsums Genusskonsum erfolgt bewusst und ist verbunden mit Wohlbehagen. Geniessen heisst, etwas zu tun, ohne unter Zeitdruck zu stehen, ohne Zwang, etwas, das Spass macht, ein gutes Gefühl gibt und Zeit lässt für verschiedene Sinneswahrnehmungen. Ausserdem erfolgt er massvoll und ohne Beeinträchtigung des Realitätsbezugs (Einschätzung der Situation, Selbst- und Fremdeinschätzung). Risikokonsum ist die Anwendung/der Gebrauch einer Sache, die nicht ihrem Zwecke und ihrer Bestimmung entspricht. Man stopft z.b. eine Tafel Schokolade in sich hinein, obwohl man eigentlich gar keinen Hunger hat. Man kauft sich etwas Neues zum Anziehen aus lauter Frust über eine schlechte Note, man trinkt Alkohol, um zu vergessen, abzuschalten, mutiger zu werden etc. Risikokonsum heisst auch Konsum zu unpassender Gelegenheit, z.b. während der Schwangerschaft, bei der Arbeit, am Steuer etc. Gewohnheitskonsum heisst, dass man etwas tut, ohne dass es sich dabei um einen bewussten Akt handelt. Der Griff beispielsweise zur Zigarette geschieht ganz automatisch, weil gerade Pause ist, man aufs Tram wartet, die Kollegen und Kolleginnen eine rauchen, man sich ärgert, unter Stress steht, unsicher ist,. Das Zigipäckli leert sich, ohne dass man es merkt. Eine Substanz wird immer wieder konsumiert oder eine Tätigkeit wird immer wieder durchgeführt. Je nach Substanz kann dies nicht nur zu psychischer, sondern auch zu körperlicher Gewöhnung und Abhängigkeit führen. Abhängigkeitskonsum / Sucht ist Verhalten ohne Alternative (nicht anders können). Der Konsum oder das Verhalten (wie z.b. bei Ess-Brechsucht) spielt sich auf eine zwanghafte Weise ab. Der Konsum bestimmter Substanzen oder eine Verhaltensweise wird immer mehr zum alleinigen Mittel, um den Alltag gestalten zu können. Symptome - körperliche Abhängigkeit (der Körper braucht den Stoff und reagiert mit Entzugserscheinungen) - seelische oder psychische Abhängigkeit (Der Mensch meint, er könne nicht mehr ohne leben. Man denkt oft schon am Morgen, wenn man erwacht, daran ) - Der Stoff (z.b. Droge) wird immer häufiger und in immer grösseren Mengen oder länger als beabsichtigt eingenommen. - Die Dosis muss gesteigert werden, um die gleiche Wirkung zu erzielen = Toleranzentwicklung (z.b.: Anfangs reicht eine Tablette zum Beruhigen aus. Später braucht man zwei, dann drei, vier etc.) - Beschaffungsstress (man denkt die ganze Zeit nur noch ans Suchtmittel und daran, wo man es kaufen und konsumieren könnte)

AB 1: Lösung 5/5 - Entzugserscheinungen (Der Körper verlangt nach dem Stoff. Wenn er ihn nicht bekommt, reagiert er z.b. mit Zittern, Erbrechen, Schweissausbrüchen etc.) - Veränderung der Persönlichkeit (Weil man nur noch an den Stoff denkt, beginnt man alles andere zu vernachlässigen, man beginnt zu verheimlichen, zu lügen, man wird unzuverlässig. Freunde können der Person kaum mehr trauen.) Achtung! Nicht alles, was wir häufig konsumieren oder tun, ist Suchtverhalten. Mehrere, aber nicht alle der oben stehenden Punkte müssen gleichzeitig zutreffen, damit von Sucht gesprochen werden kann! Merkmale für Risikoverhalten Merkmale für Genuss - Konsum aus Frust - bewusstes Konsumieren - Konsum um abzuschalten/zu vergessen - mit Wohlbefinden verbunden - Konsum, um mutiger zu werden - unregelmässiger Konsum - Konsum zu unpassender Gelegenheit - nicht allzu häufiger Konsum - Konsum am Steuer - mit Spass verbunden - Konsum zur Verbesserung der Stimmung - etwas, das ein gutes Gefühl gibt - Konsum, um Problemen auszuweichen - langsamer Konsum - Konsum für eine kurzfristige Problemlösung - freiwilliger Konsum - Konsum mit schlechtem Gewissen - realistische Selbsteinschätzung - zu starker Konsum/zu häufiger Konsum - massvoller Konsum - Konsum nur zu besonderen Gelegenheiten Merkmale für Gewöhnung - häufiger Konsum - kein bewusster, sondern automatischer Konsum - starker Gebrauch - keine Party ohne Alkohol - Medikamente bei den kleinsten Schmerzen - keinen Abend ohne Games - Konsum nach dem Prinzip: einfach so - Konsum ohne Hinterfragen - reflexmässiger Vorgang - Konsum, weil es dazugehört Merkmale für Abhängigkeit - Vernachlässigung anderer Interessen Vernachlässigung sozialer und/oder schulischer Aktivitäten - erhöhter Zeitaufwand für die Beschaffung, den Konsum oder die Erholung vom Konsum - nicht aufhören können - Toleranzentwicklung: um dieselbe Wirkung zu erreichen, muss die Dosis erhöht werden - Entzugserscheinungen bei Nichtkonsum oder Reduktionsversuchen, psychische und /oder körperliche Entzugssymptome (z.b. Zittern, Schweissausbrüche) - grosse Menge über eine längere Zeit - Verlust der Kontrolle - starker Wunsch/Zwang zum Konsum - erfolglose Versuche, den Konsum einzuschränken - anhaltender Konsum trotz Wissen um Schädigungen