Patientenrechtegesetz Stefan Rohpeter

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Transkript:

Patientenrechtegesetz Stefan Rohpeter Rechtsanwalt Fachanwalt für Medizinrecht Health Care Manager 1

Ausgangsthese Es ereignet sich nichts Neues. Es sind immer die selben alten Geschichten, die von immer neuen Menschen erlebt werden. William Faulkner

Historie des Patientenrechts Behandlungsvertrag = Dienstvertag Verschwiegenheitsverpflichtung strafrechtlich geregelt Detailregelungen zum Behandlungsvertrag durch Rechtsprechung Entwicklung der Dokumentation und Aufklärung durch Rechtsprechung ausgeprägt

Situation vor dem Patientenrechtegesetz Umfassender Pflichtenkatalog nur mühsam aus Rechtsprechung abzuleiten Intransparenz Differenzen nicht ausgeschlossen

Was bringt das Patientenrechtegesetz? Kodifikation des Behandlungsvertrages in 630a 630h BGB

Überblick 630 a: Vertragstypische Pflichten 630 b: Anwendbare Vorschriften 630 c:mitwirkung der Vertragsparteien; Informationspflichten 630 d: Einwilligung 630 e: Aufklärungspflichten 630 f: Dokumentation der Behandlung 630 g: Einsichtnahme in die Patientenakte 630 h: Beweislast bei Haftung

Vertragstypische Pflichten Medizinische Behandlung wird durch Behandler dem Patienten zugesagt, 630a Abs. 1 BGB Pflicht zur Behandlung nach dem zum Zeitpunkt der Behandlung bestehenden, allgemein anerkannten fachlichen Standard zu erfolgen, 630a Abs. 2 BGB Sorgfaltsmaßstab objektiv-typisierend (Was kann man von einem Facharzt dieser Fachrichtung erwarten?), nicht subjektiv individuell (Was kann man von dem konkreten Arzt erwarten?) Behandlungsvertrag ist spezialgesetzlich geregelter Dienstvertrag, 630b BGB

Was schuldet der Arzt nicht? Behandlungserfolg: Heilung Ausnahme: Anfertigung von Röntgenaufnahmen Herstellung und Lieferung von Prothesen nur technische Leistungen Arzt und Patient sind zum Zusammenwirken verpflichtet, 630c Abs. 1 BGB

Informationspflichten Therapeutische Aufklärung 630c Abs. 2 BGB Zu Beginn der Behandlung: Information über Diagnose Voraussichtliche gesundheitliche Entwicklung Therapie Auf Nachfrage: Umstände, die die Annahme eines Behandlungsfehlers begründen und Maßnahmen zur Abwendung gesundheitlicher Gefahren zu informieren

Aufklärungspflichten, 630e BGB Aufklärung ist Voraussetzung für wirksame Einwilligung Inhalt gem. 630e Abs. 1 BGB: alle wesentlichen Umstände, insb. Art Umfang Durchführung Zu erwartende Folgen und Risiken Notwendigkeit, Dringlichkeit, Eignung, Erfolgsaussichten Alternativen

Problem: Neue Behandlungsmethoden BGH-Urteil v. 13.6.2006 VI ZR 323/04 (Robodoc) Keine Festlegung/Beschränkung auf Standardmethoden Anforderungen an Aufklärung umfassender Normal: ernsthafte Stimmen in der Medizin weisen auf Gefahren hin Neulandmethode: keine Aufklärung über bloße Vermutungen, aber bei Verdichtung der Vermutung geboten Einbeziehung des Patienten in die Auswahl der Methode 7

Problem: Off Label Use OLG Köln, Urt. v. 30.5.1990: keine Abgabe off label, obwohl in der kinderärztlichen Praxis seit langem im Einsatz und mit gutem Erfolg = Behandlungsfehler Voraussetzungen: Lebensbedrohliche, schwere Erkrankung, Keine sonstige Behandlungsmethode (mehr) verfügbar, Begründete Aussicht auf Behandlungserfolg 7

Form der Aufklärung, 630e Abs. 2 BGB Mündlich durch Behandler oder eine Person, die über die zur Durchführung der Maßnahme notwendige Ausbildung verfügt Bezugnahme auf Unterlagen in Textform möglich Rechtzeitig für Patienten verständlich

Informationspflichten Wirtschaftliche Aufklärung 630c Abs. 3 BGB Kosten nicht durch Dritten gesichert Behandelnde positive Kenntnis oder hinreichende Anhaltspunkte Allgemein bekannt, z.b. kosmetische Operationen Vorherige Behandlung Ausführungen des Patienten

Dokumentation, 630f BGB Pflicht zur unmittelbaren, zeitnahen Dokumentation Führung einer Patientenkartei Muss alle Arztbriefe enthalten 10 Jahre oder mehr Aufbewahrung Aufzeichnung aller für die derzeitige und künftige Behandlung wesentlichen Maßnahmen und deren Ergebnisse:

Inhalt der Dokumentation, 630f Abs. 2 BGB Anamnese Diagnose Untersuchungen Untersuchungsergebnisse Befunde Therapien und ihre Wirkung Eingriffe und ihre Wirkung Einwilligungen Aufklärungen

Dokumentationsfehler Konsequenzen unzureichender Dokumentation Entfall des Vergütungsanspruchs kein Schadensersatz ohne weitere Umstände 8

Einsichtnahmerechte, 630g BGB Recht des Patienten auf Einsichtnahme Übermittlung elektronischer Abschriften Einsichtnahme Dritte nicht durch ausdrücklichen oder mutmaßlichen Willen des verstorbenen Patienten ausgeschlossen: Erben nur bei vermögensrechtlichen Ansprüchen auch nächste Angehörige, sofern sie immaterielle Interessen geltend machen

Beweislastregeln, 630h BGB Patient Behandler Kein Behandlungsfehler Behandlungsfehler Schaden Kausalität Allgem. Behandlungsrisiko, das voll beherrschbar ist Wirksame Einwilligung Fehlende Kausalität der falschen/fehlenden Einwilligung Durchführung einer nicht dokumentierten wesentlichen Maßnahme und ihr Ergebnis Nicht Kausalität einer fehlenden Befähigung Nicht Kausalität bei grobem Behandlungsfehler, Befunderhebungsfehler

Fazit Alle Veränderung erzeugt Angst. Und die bekämpft man am besten, indem man das Wissen verbessert. Ihno Schneevoigt

Vielen Dank für Ihr Interesse! Stefan Rohpeter Rechtsanwalt Fachanwalt für Medizinrecht Health Care Manager Kanzlei Rohpeter Querallee 38 34119 Kassel Telefon: 0561/60285820 Telefax: 0561/60285818 E-Mail: rohpeter@medizinrechtskanzlei.net Internet: www.medizinrechtskanzlei.net