Aus Fehlern wird man klug

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Transkript:

Aus Fehlern wird man klug Ein Beitrag zur Implementierung einer konstruktiven Fehlerkultur in der gewerblich-technischen Lehrerbildung Vortrag auf den 19. Hochschultagen Berufliche Bildung Thordis Bialeck Institut für Berufs- und Wirtschaftspädagogik Fachbereich Berufliche Bildung und Lebenslanges Lernen Fakultät Erziehungswissenschaft Universität Hamburg

Aus Fehlern wird man klug Übersicht Wann Fehler zum Problem werden Ideen zur Implementierung in die Lehrerbildung am theoretischen Beispiel des gewerblich-technischen Studiengangs in der Erziehungswissenschaft an der Hamburger Universität am aktuellen Beispiel des Workshops Aus Fehlern wird man klug, darum ist einer nicht genug. Ausblick

Eine Definition Die Definition eines Fehlers als fachlich nicht richtige mündliche oder schriftliche Aussage von Schüler*innen scheint zunächst trivial. Sie dient hier vor allem der Abgrenzung zu Fehlern moralischer oder sozialer Art.

Warum Fehler zum Problem werden Fehlertypen (nach SPYCHIGER) Reversibilität hoch Konsequenz gering gering hoch Typ 1 Katastrophen (Eishalle Bad Reichenhall) Typ 4 Kontrollierbare Fehler (unsachgemäße Einblasdämmung) Typ 2 Alltägliche Fehler (Bußgeld) Typ 3 Bagatellen (Unterricht/ Lernsituation) (Zitiert nach TÜRLING, 2003, 30)

Warum Fehler zum Problem werden exemplarische Leitsätze für den Umgang mit Schülerfehlern im Sinne einer positiven Fehlerkultur nach TÜRLING Emotional Schüler nicht bloßstellen Keine unkontrollierten bzw. negativen Lehrerreaktionen Gefühl der Sicherheit vermitteln (Fehler begehen zu dürfen) Positive Mitschülerreaktionen fördern Angemessenheit der Körpersprache und nonverbaler Kommunikation Souveräner und vorbildlicher Umgang mit eigenen Fehlern der Lehrkraft

Warum Fehler zum Problem werden exemplarische Leitsätze für den Umgang mit Schülerfehlern im Sinne einer positiven Fehlerkultur nach TÜRLING Kognitiv Förderung von Eigenaktivität, Selbststeuerung und Reflexion der Schüler für eigene Korrekturstrategien Individualisierung bei der Aufarbeitung eines Fehlers (sich in den Denkprozess eines Schülers hineinversetzen und daran anknüpfen) Unterstützung bei Reflexionsprozessen hinsichtlich Fehlerursache und (zukünftiger) Fehlervermeidung (Lernen durch Einsicht) Möglichkeiten zur Übung/Konsolidierung (ohne Leistungsüberprüfung)

Warum Fehler zum Problem werden für den Umgang mit Schülerfehlern relevante Wissensbereiche (SEIFRIED/ WUTTKE) Berufsanfängern fehlt Wissen über (fach-)typische Schülerfehler im Unterricht Fehlerursachen Verständnis- und Bearbeitungsschwierigkeiten lernwirksamen Umgang mit Fehlern

Warum Fehler zum Problem werden Fehlertypen (nach GULDIMANN/ ZUTAVERN) Deklaratives Wissen Prozedurales Wissen und Strategien Prozedurales Wissen und Strategien vorhanden Deklaratives Wissen Vorhanden nicht vorhanden vorhanden Fehler Irrtum I nicht vorhanden Irrtum II Unfähigkeit nicht vorhanden vorhanden Fehler Irrtum I nicht vorhanden Irrtum II Unfähigkeit (GULDIMANN/ ZUTAVERN, 1999, 242)

Ideen zur Implementierung in die Lehrerbildung theoretisches Beispiel Studiengang Bachelor of Science (Institut für Berufs- und Wirtschaftspädagogik, 2013a, 2)

Ideen zur Implementierung in die Lehrerbildung theoretisches Beispiel Studiengang Master of Education (Institut für Berufs- und Wirtschaftspädagogik, 2013b, 2)

Ideen zur Implementierung in die Lehrerbildung aktuelles Beispiel Aus Fehlern wird man klug, darum ist einer nicht genug. Workshop zum konstruktiven Umgang mit Schülerfehlern Ziel Studierende entwickeln und erproben Lernsituationen in der eigenen Fachrichtung, die einen konstruktiven Umgang mit Fehlern und Fehlvorstellungen von Schüler*innen zulassen. Rahmenbedingungen Das Seminar findet an vier Tagen statt. umfasst insgesamt 28 SWS. ist Angebot für Lehramtsstudierenden aller beruflichen Fachrichtungen. Erwarteter Status der Studierenden im Umgang mit Schülerfehlern: Novizen

Ideen zur Implementierung in die Lehrerbildung aktuelles Beispiel Didaktische Überlegungen zum Workshop Die Studierenden erleben geeignete Methoden und Konzepte in Hinblick auf eine positive Fehlerkultur, diese werden im Verlauf des Workshops theoretisch aufbereitet, handelnd erprobt und reflektiert, so dass ein nachhaltiges Erlernen dieser Konzepte gefördert wird. Ausgangspunkt sind die eigenen Erfahrungen der Studierenden

Ideen zur Implementierung in die Lehrerbildung aktuelles Beispiel Tag 1: Typische Fehler und Kategorien von Fehlern Die Studierenden reflektieren eigene Erfahrungen im Umgang mit Fehlern und erstellen Textvignetten

Ideen zur Implementierung in die Lehrerbildung aktuelles Beispiel Tag 2: Maßnahmen zur Intervention und Antizipation Emotional Antizipation Intervention Positive Mitschülerreaktionen fördern Souveräner und vorbildlicher Umgang mit eigenen Fehlern der Lehrkraft Gefühl der Sicherheit vermitteln (Fehler begehen zu dürfen) Schüler nicht bloßstellen Keine unkontrollierten bzw. negativen Lehrerreaktionen Angemessenheit der Körpersprache und nonverbaler Kommunikation

Ideen zur Implementierung in die Lehrerbildung aktuelles Beispiel Tag 2: Maßnahmen zur Intervention und Antizipation Kognitiv Antizipation Intervention Individualisierung bei der Aufarbeitung eines Fehlers (sich in den Denkprozess eines Schülers hineinversetzen und daran anknüpfen) Förderung von Eigenaktivität, Selbststeuerung und Reflexion der Schüler für eigene Korrekturstrategien Unterstützung bei Reflexionsprozessen hinsichtlich Fehlerursache und (zukünftiger) Fehlervermeidung (Lernen durch Einsicht) Möglichkeiten zur Übung/Konsolidierung (ohne Leistungsüberprüfung)

Ideen zur Implementierung in die Lehrerbildung aktuelles Beispiel Tag 3: Methoden zur Förderung positive Fehlerkultur Antizipation Intervention Die Didaktische Route als Planungskonzept Darbieten eines Fehlers aus der beruflichen Praxis (z.b. Bauschäden) Lernjournale Reflexion individueller Lösungswege (Fragetechniken) Gezieltes Anknüpfen an (mögliche) vorunterrichtliche Schülervorstellungen (z.b. Experimente) Planung eigener Unterrichtssequenzen / Szenischer Darstellungen

Ideen zur Implementierung in die Lehrerbildung aktuelles Beispiel Tag 4: Eigene Unterrichtssequenzen ausprobieren und reflektieren Erprobung der Unterrichtssequenzen/Darbietung der Szenen mit anschließendem Feedback Videoaufnahmen der Sequenzen

Ausblick Eigene Darstellung Bialeck

BESTEN DANK FÜR IHRE AUFMERKSAMKEIT! Institut für Berufs- und Wirtschaftspädagogik Fachbereich Berufliche Bildung und Lebenslanges Lernen Fakultät Erziehungswissenschaft Universität Hamburg

Literatur Guldimann, T./ Zutavern, M. (1999): Das passiert uns nicht noch einmal! Schülerinnen und Schüler lernen gemeinsam den bewußten Umgang mit Fehlern. In: Althof, W. (Hrsg.): Fehlerwelten - Vom Fehlermachen und Lernen aus Fehlern. Beiträge und Nachträge zu einem interdisziplinären Symposium aus Anlaß des 60. Geburtstags von Fritz Oser. Opladen, 233-258. Institut für Berufs- und Wirtschaftspädagogik (2013a): Struktur des Teilstudiengangs Erziehungswissenschaft B.Sc.-LAB. Online: https://www.ew.uni-hamburg.de/einrichtungen/ew3/berufs-und-wirtschaftspaedagogik/studium/studienunterlagen/files/semesterplan-bachelorwise-12-13.pdf (10.3.2017) Institut für Berufs- und Wirtschaftspädagogik (2013b): Struktur des Teilstudiengangs Erziehungswissenschaft M.Ed.-LAB. Online: https://www.ew.uni-hamburg.de/einrichtungen/ew3/berufs-und-wirtschaftspaedagogik/studium/studienunterlagen/files/semesterplan-masterab-wise-12-13neu.pdf (10.3.2017) Spychiger (2008): Ein offenes Spiel Lernen aus Fehlern und Entwicklung von Fehlerkultur. In: R. Caspary (Hrsg.): Nur wer Fehler macht, kommt weiter. Wege zu einer neuen Lernkultur. Freiburg, 25-48. Seifried, J./ Wuttke, E. (2016): Professionelle Kompetenzen von Lehrkräften - Das Beispiel kognitive Aktivierung. In: bwp@ Berufs- und Wirtschaftspädagogik online, Profil 4, Online: http://www.bwpat.de/profil4/seifried_wuttke_profil4.pdf (10.3.2017) Türling, J.M. (2013): Die professionelle Fehlerkompetenz von (angehenden) Lehrkräften Eine empirische Untersuchung im Rechnungswesenunterricht. Mannheim Institut für Berufs- und Wirtschaftspädagogik Fachbereich Berufliche Bildung und Lebenslanges Lernen Fakultät Erziehungswissenschaft Universität Hamburg