Analytische Geometrie

Ähnliche Dokumente
KAPITEL 8. Normalformen. 1. Blockmatrizen. ,C K m 2 n 1. X = K (m 1+m 2 ) (n 1 +n 2 ) K L. und Y = M N Blockmatrizen mit.

Klausurenkurs zum Staatsexamen (SS 2016): Lineare Algebra und analytische Geometrie 6

T := {σ S 4 σ 3 = Id}. a) Es seien V ein Vektorraum und Φ ein Endomorphismus von V, sodass

Lineare Algebra II 8. Übungsblatt

Kontrollfragen und Aufgaben zur 3. Konsultation

Klausurenkurs zum Staatsexamen (SS 2015): Lineare Algebra und analytische Geometrie 6

4 Lineare Abbildungen Basisdarstellungen

Aufgaben und Lösungen zur Klausur Lineare Algebra im Frühjahr 2009

18 λ 18 + λ 0 A 18I 3 = / Z 2 Z 2 Z Z Z 1

6 Eigenwerte und Eigenvektoren

a b Q = b a 0 ) existiert ein Element p Q, so dass gilt: q 1 q 2 = 2 b 1 b 2 a 1 b 2 a 2 b 1 a 1 a 2 b 1 b 2 a 1 b 2 a 2 b 1 a b p = 1 det(q) C 2 2,

Hinweis: Die Klausur Lineare Algebra 2 für die Fachrichtung Informatik besteht aus den Aufgaben 2.1 bis 2.4.

Klausurenkurs zum Staatsexamen (WS 2015/16): Lineare Algebra und analytische Geometrie 3

Prüfung Lineare Algebra 2

6. Normale Abbildungen

Klausurenkurs zum Staatsexamen (SS 2015): Lineare Algebra und analytische Geometrie 3

Klausur zur Vorlesung Lineare Algebra II, SoSe 2016,

Lineare Algebra II 11. Übungsblatt

Lineare Algebra und analytische Geometrie I

3 Vektorräume abstrakt

Vorlesung Mathematik für Ingenieure 3 (Wintersemester 2009/10)

1 Analytische Geometrie und Grundlagen

2. Dezember Lineare Algebra II. Christian Ebert & Fritz Hamm. Skalarprodukt, Norm, Metrik. Matrizen. Lineare Abbildungen

4.4 Hermitesche Formen

6 Eigenwerte und Eigenvektoren

Kapitel VI. Euklidische Geometrie

Orthonormalisierung. ein euklidischer bzw. unitärer Vektorraum. Wir setzen

Klausurenkurs zum Staatsexamen (SS 2016): Lineare Algebra und analytische Geometrie 5

Unter einem reellen inneren Produktraum verstehen wir einen Vektorraum V über

Lineare Algebra I Vorlesung - Prof. Dr. Daniel Roggenkamp & Falko Gauß

1. Übungsblatt: Lineare Algebra II Abgabe: 8./ in den Übungsgruppen

7.2 Die adjungierte Abbildung

4 Orthogonale Endormorphismen

Lösungsskizzen der Klausur zur Linearen Algebra im Herbst 2015

4.4 Simultane Diagonalisierbarkeit und Trigonalisierbarkeit

Henning Krause Lineare Algebra Julia Sauter SS 2017 Klausur mit Lösungsvorschlag Jan Geuenich

7.3 Unitäre Operatoren

9 Vektorräume mit Skalarprodukt

Wiederholungsserie II

1 Die Jordansche Normalform

43911: Lineare Algebra/Geometrie Prüfungstermin Herbst 2015 Lösungsvorschlag

6 Hauptachsentransformation

Lineare Algebra. 13. Übungsstunde. Steven Battilana. stevenb student.ethz.ch battilana.uk/teaching

4.3 Bilinearformen. 312 LinAlg II Version Juni 2006 c Rudolf Scharlau

10 Unitäre Vektorräume

Lineare Algebra und Numerische Mathematik für D-BAUG

1 Euklidische und unitäre Vektorräume

Proseminar Lineare Algebra II, SS 11. Blatt

Lineare Algebra und analytische Geometrie II

3 Bilinearform, Basen und Matrizen

Lineare Abbildungen und Darstellungsmatrizen

Klausur zur Vorlesung Lineare Algebra B im SS 2002 an der Universität Hannover

TECHNISCHE UNIVERSITÄT MÜNCHEN FERIENKURS. Lineare Algebra FLORIAN NIEDERREITER & AILEEN WOLF

Lösungsvorschlag zur LA-Klausur vom

Ausgewählte Lösungen zu den Übungsblättern 9-10

9 Eigenwerte und Eigenvektoren

9 Eigenwerte und Eigenvektoren

Musterlösungen zur Linearen Algebra II Übungsklausur

8 Eigenwerttheorie I 8. EIGENWERTTHEORIE I 139. Wir hatten bereits früher den Polynomring in einer Variablen über einem Körper K betrachtet:

Eigenwerte (Teschl/Teschl 14.2)

Lineare Algebra: Determinanten und Eigenwerte

Lineare Algebra für Physiker 11. Übungsblatt

Technische Universität München Zentrum Mathematik. Übungsblatt 12

Lösung zu Serie 18. Lineare Algebra D-MATH, HS Prof. Richard Pink

Lineare Algebra 2 (SS 13) Blatt 13: Musterlösung

5.2 Diagonalisierbarkeit und Trigonalisierung

1. Übungsblatt: Lineare Algebra II Abgabe: 24./ in den Übungsgruppen

Sommer 2017 Musterlösung

Universität Bielefeld Sommersemester Lineare Algebra 2 Übungsblatt 1

Eigenwerte und Diagonalisierung

Prüfung Lineare Algebra Sei V ein n-dimensionaler euklidischer Raum. Welche der folgenden Aussagen ist wahr?

Skalarprodukt, Norm & Metrik

Lösungen zu Prüfung Lineare Algebra I/II für D-MAVT

Klausur (Modulprüfung) zum Lehrerweiterbildungskurs 4Q Lineare Algebra/Analytische Geometrie II SoSe 2016

2 Spiegelungen. d(f(p), f(q)) = d(p, q) für alle p, q R n

Aufgabe I.1 (4 Punkte) Gegeben seien die Matrix H := und die Menge L := {A R 4 4 A HA = H} Zeigen Sie:

17. Orthogonalsysteme

Einige Lösungsvorschläge für die Klausur zur Vorlesung

Lösung 23: Sylvesters Trägheitssatz & Singulärwertzerlegung

Klausurenkurs zum Staatsexamen (SS 2015): Lineare Algebra und analytische Geometrie 2

2.11 Eigenwerte und Diagonalisierbarkeit

Klausurenkurs zum Staatsexamen (SS 2015): Lineare Algebra und analytische Geometrie 5

Lösungen zur Prüfung Lineare Algebra I/II für D-MAVT

43911: Lineare Algebra/Geometrie Prüfungstermin Frühjahr 2015 Lösungsvorschlag

Klausurenkurs zum Staatsexamen (WS 2015/16): Lineare Algebra und analytische Geometrie 5

Transkript:

21 Vorlesungen über Analytische Geometrie für Lehramtstudierende der Schulformen Grund-, Mittel- und Realschule Jens Jordan Universität Würzburg, Wintersemster 2015/16 Hier kommt noch ein schönes Bildchen hin

Inhaltsverzeichnis Kapitel 1. Euklidische Räume 4 1. Skalarprodukte 4 2. SPD Matrizen 5 3. Exkurs über Blockmatrizen 6 4. Induzierte Normen 7 5. Winkel 8 6. Orthonormalbasis 9 7. Projektionen und orthogonales Komplement 10 8. Affine Hyperebenen und Geraden 11 Kapitel 2. Euklidische Bewegungen 12 1. Isometrien 12 2. Isometrien bezüglich des Standard-Skalarproduktes 13 3. Exkurs: Eigenwerte 14 4. Spiegelungen 15 5. Exkurs: Ähnlichkeit und Diagonalisierbarkeit 16 6. Drehungen 17 7. Affine Äquivalenz, Ähnlichkeit und metrische Äquivalenz 18 8. Euklidische Bewegungen in der Ebene 19 3

KAPITEL 1 Euklidische Räume 1. Skalarprodukte Definition 1.1. Es sei V ein reeller Vektorraum. Eine Abbildung φ : V V R heißt a) Bilinearform (oder bilinear), falls (i) für alle y V die Abbildung x φ(x, y) linear ist, und (ii) für alle x V die Abbildung y φ(x, y) linear ist. b) symmetrisch, falls für alle x, y V die Gleichung φ(x, y) = φ(y, x) gilt. c) positiv definit, falls für alle x V {0}, φ(x, x) 0 ist und φ(x, x) = 0 nur für x = 0 gilt. Eine Abbildung φ : V V R heißt Skalarprodukt, wenn sie eine symmetrische positiv definite Bilinearform ist. Das Skalarprodukt φ : R n R n R, (x, y) x y nennt man kanonisches Skalarprodukt auf R n bzw. Standardskalarprodukt. Definition 1.2. Einen reellen Vektorraum versehen mit einem Skalarprodukt nennt man Euklidischen Vektorraum. Satz 1.3. Es sei A R n n. Die Abbildung φ : R n R n R, (x, y) x Ay ist genau dann ein Skalarprodukt, wenn A symmetrsich positiv definit ist. 4

2. SPD Matrizen Satz 1.4. Sind A, B R n n symmetrisch positiv definit, so gilt a) A + B SP D b) λa SP D falls λ R + c) A ist invertierbar und es gilt A 1 SP D Satz 1.5 (Hurwitz Test). Zu A = (a i,j ) i,j=1,...,n R n n sei ( ) a 1,1... a a1,1 a 1,k A 1 := (a 1,1 ), A 2 := 1,2,..., A k :=......,..., A n = A. a 2,1 a 2,2 a k,1... a k,k Eine symmetrische Matrix A ist genau dann positiv definit, wenn für alle k = 1,..., n gilt det(a k ) > 0.

Definition 1.6 (Blockmatrizen). Sind 3. Exkurs über Blockmatrizen A R m 1 n 1, B R m 1 n 2, C R m 2 n 1 und D R m 2 n 2 so nennt man die Matrix ( ) A B X = R (m 1+m 2 ) (n 1 +n 2 ) C D eine Blockmatrix und die Matrizen A, B, C, D Blöcke von X. Analog kann man Matrizen mit beliebig vielen Blöcken definieren, sofern die entsprechenden Größen der Matrizen zusammenpassen. Satz 1.7 (Produkt von Blockmatrizen). Es seien ( ) ( ) A B X = R (m 1+m 2 ) (n 1 +n 2 ) K L und Y = R (n 1+n 2 ) (p 1 +p 2 ) C D M N Blockmatrizen mit A R m 1 n 1, B R m 1 n 2, C R m 2 n 1, D R m 2 n 2 und K R n 1 p 1, L R n 1 p 2, M R n 2 p 1, N R n 2 p 2. dann ist ( ) AK + BM AL + BN XY = R (m 1+m 2 ) (p 1 +p 2 ). CK + DM CL + DN Satz 1.8 (Eigenschaften von quadratischen oberen Dreiecksblockmatrizen). Es sei ( ) A B X = R n n O C eine quadratische Blockmatrix mit Blöcken A R n 1 n 1, B R n 1 n 2, C R n 2 n 2 und O die Nullmatrix im R n 2 n 1. Dann gilt: a) X ist invertierbar, genau dann wenn A und C invertierbar sind. b) Falls X invertierbar ist, gilt ( X 1 A 1 A 1 BC 1 ) = 0 C 1 c) det(x) = det(a) det(c) d) χ X = χ A χ C e) Spektrum(X) = Spektrum(A) Spektrum(C) Korollar 1.9. Für obere Dreiecksmatrizen D = (d i,j ) i,j=1,...,n mit d i,j = 0 falls i > j gilt a) det(d) = n i=1 d i,i b) Spektrum(D) = {d 1,1,..., d n,n }.

4. Induzierte Normen Satz 1.10 (Induzierte Normen). Ist V ein euklidischer Vektorraum mit Skalarprodukt φ, so ist φ : V R, x φ(x, x) eine Norm die durch φ induzierte Norm auf V. Lemma 1.11 (Cauchy-Schwarzsche Ungleichung). Ist V ein euklidischer Vektorraum mit Skalarprodukt φ, so gilt für alle x, y V : φ(x, y) 2 φ(x, x)φ(y, y). Gleichheit besteht genau dann, wenn x und y linear abhängig sind. Insbesondere gilt x y x 2 y 2 für alle x, y R n. Satz 1.12 (Parallelogrammgleichung). Ist V ein euklidischer Vektorraum mit Skalarprodukt φ, so gilt für alle x, y V : x + y 2 φ + x y 2 φ = 2 x 2 φ + 2 y 2 φ. Insbesondere gilt für ein Parallelogramm in der Ebene: Die Summe der Quadrate der Diagonalen ist gleich der Summe der Quadrate der vier Seiten.

5. Winkel Zur Erinnerung: Die Gleichung cos(x) = y hat für y [ 1, 1] genau eine Lösung x [0, π]. Definition 1.13. Es sei V ein euklidischer Vektorraum mit Skalarprodukt φ. Der Winkel φ (x, y) zwischen zwei Vektoren x, y V \ {0} ist die Zahl α [0, π], welche die Gleichung cos α = φ(x,y) x φ y φ löst. Man sagt x und y stehen senkrecht aufeinander (orthogonal zueinander) (bezüglich φ), falls α = π 2 (also wenn φ(x, y) = 0). Satz 1.14. Es sei V ein euklidischer Vektorraum mit Skalarprodukt φ. Für alle x, y V \ {0} gilt: a) φ (x, y) = φ (y, x). b) φ (λ 1 x, λ 2 y) = φ (x, y) für λ 1, λ 2 > 0. c) φ (x, y) = 0 genau dann wenn x = λy für ein λ 0. d) φ (x, y) = π φ (y, x). Satz 1.15 (Satz des Pythagoras). Es sei V ein euklidischer Vektorraum mit Skalarprodukt φ. Für alle x, y V gilt x y 2 φ = x 2 φ + y 2 φ 2 x φ y φ cos φ (x, y). Zur Erinnerung: Die eindimensionalen affinen Unterräume nennen wir Geraden. Schreibweise: g = x + U := {x + u u U} mit U eindimensionaler Unterraum von V. Alternativ, g = x + Ru mit u U \ {0}. Lemma 1.16. In jedem reellen Vektorraum gilt: Zwei Geraden haben entweder keinen, einen oder alle Punkte gemeinsam. Definition 1.17. Es seien g 1 = x 1 +Rv 1 und g 2 = x 2 +Rv 2 (mit x 1, x 2 V und v 1, v 2 V \{0}) zwei Geraden in einem euklidischen Raum V (mit Skalarprodukt φ) die genau einen gemeinsamen Punkt haben. Der Winkel β zwischen g 1 und g 2 ist definiert durch β = min{ φ (v 1, v 2 ), φ (v 1, v 2 )}.

6. Orthonormalbasis Definition 1.18. Es sei V ein euklidischer Vektorraum mit Skalarprodukt φ. Zwei Vektoren x, y V \ {0} heißen orthogonal zueinander, wenn φ(x, y) = 0 gilt. Schreibweise: x φ y. Definition 1.19. Es sei V ein endlich dimensionaler euklidischer Vektorraum mit Skalarprodukt φ. Eine Basis B von V heißt Orthonormalbasis (bezüglich φ), wenn alle Elemente der Basis paarweise orthogonal zueinander und normiert sind. Das heißt, für alle a, b B gilt φ(a, b) = 0 falls a b (orthogonal) und φ(a, b) = 1 falls a = b (normiert). Satz 1.20 (Orthogonalisierungsverfahren von Gram-Schmidt). Jeder endlichdimensionale euklidische Vektorraum besitzt eine Orthonormalbasis bezüglich φ). Eine solche kann man mit dem Gram-Schmidtschen Orthogonalisierungsverfahren bestimmen. (i) Wähle ṽ 1 V \ {0} und normiere v 1 := ṽ1 ṽ 1 φ. (ii) Sind die Vektoren v 1,..., v k schon orthogonal und normiert zueinander und ist k < n := dim(v ), so wähle v V \ span{v 1,..., v k } und berechne und normiere ṽ k+1 = v φ(v, v 1 )v 1 + + φ(v, v k )v k v k+1 := ṽk+1 ṽ k+1 φ. Die so entstehende Menge {v 1,..., v n } ist eine Orthonormalbasis von V. Korollar 1.21. Ist V ein endlich dimensionaler euklidischer Vektorraum und ist {v 1,..., v k } eine lineare unabhängige Menge aus paarweise orthogonalen normierten Vektoren, so kann man {v 1,..., v k } zu einer Orthonormalbasis von V ergänzen. Satz 1.22. Ist {b 1,..., b n } eine Orthonormalbasis eines euklidischen Vektorraumes V mit Skalarprodukt φ, so errechnet sich die eindeutige Darstellung eines Vektors v V als Linearkombination der Basiselemente mit n v = λ i b i mit λ i = φ(v, b i ). i=1

7. Projektionen und orthogonales Komplement Definition 1.23. Es sei V ein euklidischer Vektorraum mit Skalarprodukt φ und U ein Unterraum von V. Die Menge U := {x V φ(x, u) = 0 für alle u U} heißt orthogonales Komplement von U. Satz 1.24. Es sei V ein euklidischer endlich dimensionaler Vektorraum mit Skalarprodukt φ und U ein Unterraum von V. Es gilt: a) U ist ein Unterraum von V. b) U U = V. c) dim U + dim U = dim V. Satz 1.25. Es sei V = R n versehen mit einem Skalarprodukt φ und U ein Unterraum von V. a) Zu jedem x V gibt es ein eindeutiges u x U, so dass x u x φ minimal ist und es gilt x u x U. b) Ist b 1,..., b K eine Orthonormalbasis von U, so gilt u x = k j=1 φ(x, b j)b j. Definition 1.26. Es sei V ein euklidischer Vektorraum versehen mit einem Skalarprodukt φ und U ein Unterraum von V. Die Abbildung π U : V V, x u x, heißt (φ-)orthogonale Projektion auf U. wobei u x U den Term x u x φ minimiert, Satz 1.27. Es sei V ein endlich dimensionaler euklidischer Vektorraum mit Skalarprodukt φ und U ein Unterraum von V. Es gilt a) π U ist eine lineare Abbildung. b) π 2 U = π U. c) Bild(π U ) = U und Kern(π U ) = U.

8. Affine Hyperebenen und Geraden Lemma 1.28. Es sei V ein euklidischer Vektorraum mit Standardskalarprodukt φ. Ist H eine affine Hyperebene, d.h. H = v + U mit U Unterraum von V und dim U = n 1, so gilt H = {x V φ(z, x) = α} mit z U \ {0} und α = φ(z, v). Bemerkung: Ist z U normiert (also z φ = 1), so nennt man die Darstellung H = {x V φ(c, x) = α} Hesse- Normalform. Definition 1.29. Es sei V = R n, A ein affiner Unterraum von V und x V. Der Abstand von x zum affinen Unterraum A ist definiert als d(x, A) := min{ x a φ a A}. Satz 1.30. Es sei V ein euklidischer Vektorraum mit Skalarprodukt φ, H = v + U eine affine Hyperebene in V und z U \ {0}, dann gilt für alle p V : d(p, H) = φ(z, (v p)) z φ. Ist H als Hesse-Normalform {x V φ(x, z) = α} mit z U, z φ = 1 gegeben, so ist d(p, H) = α φ(z, p). Bemerkung: Auf V a, b R 3 durch definiert. Es gilt: = R 3 wird das Vektorprodukt zwischen Vektoren a 2 b 3 a 3 b 2 a b := a 3 b 1 a 1 b 3 a 1 b 2 a 2 b 1 a) x y = 0 genau dann wenn x und y linear abhängig sind. b) Sind x und y linear unabhängig, so ist x y span{x, y} (bezüglich des Standardskalarproduktes). c) Ist x 2 = 1, y 2 = 1 und x y = 0. Dann ist x, y, x y eine Orthonormalbasis.

KAPITEL 2 Euklidische Bewegungen 1. Isometrien Satz 2.1. Es sei V ein euklidischer Vektorraum. Für eine Abbildung f : V V sind äquivalent: a) Für alle x, y V gilt f(x) f(y) φ = x y φ. b) f(x) = T (x) + b für ein b V und eine lineare Abbildung T : V V, welche φ(x, y) = φ(t (x), T (y)) für alle x, y V erfüllt. c) f(x) = T (x) + b für ein b V und eine lineare Abbildung T : V V, welche T (x) φ = x φ für alle x V erfüllt. Definition 2.2. Erfüllt f eine (und damit alle drei) der Bedingungen aus obigem Satz, so nennt man f eine Isometrie oder eine Euklidische Bewegung. Satz 2.3. Es sei V ein endlich dimensionaler euklidischer Vektorraum. Die Menge der euklidischen Bewegungen in V ist bezüglich Komposition eine Gruppe, die sogenannte euklidische Gruppe oder Gruppe der Isometrien (Schreibweise E(V ) oder ISO(V )). 12

2. Isometrien bezüglich des Standard-Skalarproduktes Definition 2.4. Eine Matrix A R n n heißt orthogonale Matrix. Die Menge der orthogonalen Matrizen nennt man orthogonale Gruppe. Satz 2.5. O n (R) := {A R n n AA = E} a) Die orthogonale Gruppe ist eine Gruppe bezüglich des Matrixprodukts. b) A R n n ist orthogonal, genau dann wenn die Spalten von A eine Orthonormalbasis bilden. c) Ist A O n (R), so ist det(a) { 1, 1}. d) Ist A O n (R), so gilt Ax 2 = x 2 für alle x R n. e) Ist A O n (R), so gilt (x, y) = (Ax, Ay) für alle x, y R n \ {0}. Satz 2.6. Es sei R n versehen mit dem Standard-Skalarprodukt. Eine Abbildung f : R n R n ist genau dann eine Isometrie, wenn es ein b R n und ein T O n (R) gibt, so dass für alle x R n : f(x) = b + T x gilt.

3. Exkurs: Eigenwerte Definition 2.7 (Eigenwerte und Eigenvektor). a) Es sei V ein Vektorraum über R und f : V V linear. Gibt es ein λ R und ein v V \ {0} mit f(v) = λv so heißt v Eigenvektor von f zum Eigenwert λ. Die Menge der Eigenwerte von f nennt man Spektrum von f. (geschrieben: Spektrum(f)). b) Ist A R n n so nennt man λ R einen Eigenwert von A und v R n \ {0} einen Eigenvektor von R n, falls Ax = λx gilt. Die Menge der Eigenwerte von A nennt man Spektrum von A. Bemerkung: Es sei V ein Vektorraum über R, f : V V linear, B eine geordnete Basis von V und A B die Darstellungsmatrix von f bezüglich B. Dann gilt Spektrum(f) = Spektrum(A B ). Satz 2.8 (Lineare Unabhängigkeit von Eigenvektoren). Es sei V ein Vektorraum über R der Dimension n und f : V V linear, bzw. A R n n. a) Hat f bzw. A verschiedene Eigenwerte λ 1,..., λ k mit Eigenvektoren x 1,..., x k so ist die Menge {x 1,..., x k } linear unabhängig. b) Besteht Spektrum(f) bzw. Spektrum(A) aus n verschiedene Eigenwerte, so gibt es eine Basis aus Eigenvektoren. c) f bzw. A hat höchstens n verschiedene Eigenwerte. Satz 2.9. Zu A R n n nennt man χ A (t) = det(te A) das charakteristische Polynom von A. Es gilt: Die Eigenwerte von A sind genau die Nullstellen von χ A. Korollar 2.10. a) Ist A K n n, so ist λ ein Eigenwert von A genau dann wenn λ ein Eigenwert von A ist. b) Ist A eine obere Dreiecksmatrix, so sind die Eigenwerte genau die Diagonalelemente der Matrix.

4. Spiegelungen Definition 2.11. Es sei a R n \ {0}. Die Abbildung S H : x (E 2 a a aa )x nennt man Spiegelung an der Hyperebene H = (Ra). Satz 2.12. Ist S H eine Spiegelung an der Hyperebene H = (Ra), (a 0), so gilt: a) S H O n (R) und S H = SH und S 1 H = S H. b) x H genau dann wenn S H x = x. c) x H genau dann wenn S H x = x. Lemma 2.13. Ist S H eine Spiegelung an einer Hyperebene H und ist T O n (R), so gilt für die Spiegelung S T (H) an der Hyperebene T (H) = {T x, x H} S T (H) = T S H T. Satz 2.14. Für jede Spiegelung S H an einer Hyperebene gilt: det S H = 1.

5. Exkurs: Ähnlichkeit und Diagonalisierbarkeit Definition 2.15 (Ähnliche Matrizen). Zwei Matrizen A, B R n n heißen ähnlich, wenn es eine invertierbare Matrix S R n n mit AS = SB gibt. Satz 2.16 (Äquivalenzrelation). Ähnlichkeit ist eine Äquivalenzrelation. Das heißt, für alle A, B, C R n n gilt: (i) A ist zu sich selbst ähnlich (Reflexivität) (ii) Ist A ähnlich zu B so ist B ähnlich zu A (Symmetrie) (iii) Ist A ähnlich zu B und B ähnlich zu C so ist A ähnlich zu C (Transitivität). Satz 2.17 (Eigenschaften ähnlicher Matrizen). a) Sind die Matrizen A, B R n n ähnlich, so gilt i) det(a) = det(b) ii) Spur(A) = Spur(B) iii) Rang(A) = Rang(B) iv) χ A = χ B v) Spektrum(A) = Spektrum(B). b) Gilt AS = SB mit S invertierbar und ist x ein Eigenvektor von A zum Eigenwert λ, so ist S 1 x ein Eigenvektor von B zum Eigenwert λ. Definition 2.18 (Diagonalisierbarkeit). Eine Matrix A R n n heißt über R diagonalisierbar, falls Sie ähnlich zu einer Diagonalmatrix ist. Satz 2.19 (Diagonalisierbarkeit). A R n n ist genau dann diagonalisierbar, wenn es zu A eine Basis aus Eigenvektoren gibt. Ist S eine Matrix, welche als Spalten eine Basis b 1,..., b n aus Eigenvektoren von A hat, so ist die Matrix S 1 AS eine Diagonalmatrix und die Einträge auf der Diagonalen λ 1,..., λ n sind die Eigenwerte von A, so dass Ab i = λ i b i. Korollar 2.20. Es sei A R n n mit Eigenwerten λ 1,..., λ k. A ist genau dann diagonalisierbar, wenn für die Dimensionen der Eigenräume Eig λi = {x R n Ax = λ i x}, i = 1,..., k die Gleichung gilt. dim(eig λ1 ) +... dim(eig λk ) = n Bemerkung: Hat A R n n n verschiedene Eigenwerte, so ist A über R diagonalisierbar.

6. Drehungen Definition 2.21 (Drehung im R 2 ). Abbildungen der Form ( ) f : R 2 R 2 cos α sin α, x sin α cos α nennt man Drehungen im R 2 (um den Drehwinkel α). Satz 2.22. A O(R 2 ) ist genau dann eine Drehung, wenn det(a) = 1 ist und genau dann eine Spiegelung wenn det(a) = 1 ist. Satz 2.23. Zu einer Abbildung f A : R 3 R 3, A R 3 3 sind äquivalent: (i) Es gibt ein u R 3 \ {0}, so dass (1) Ax = x für alle x Ru, und (2) die auf H = (ur) eingeschränkte Abbildung f A H : H H, x Ax ist eine Drehung auf H, d.h. die Darstellungsmatrix D R 2 2 von f A H bezüglich einer Orthonormalbasis von H ist eine Drehung. (ii) Es gibt ein T O(R 3 ) und ein α R, so dass 1 0 0 A = T 0 cos α sin α T. 0 sin α cos α (iii) A O(R 3 ) und det(a) = 1. Erfüllt f A eine dieser drei Bedingungen, so nennt man f A ein Drehung bzw. A eine Drehmatrix. Satz 2.24. Ist A R 3 3 eine Drehmatrix. Dann gilt: a) Ist A E, so ist der Eigenraum zum Eigenwert 1 eindimensional. Die Drehachse ist der Eigenraum zum Eigenwert 1, also Kern(A E). b) Ist Ru die Drehachse und ist z (Ru), so gilt für den Drehwinkel cos α = z Az. Alternativ lässt sich α durch 2 cos α = Spur(A) 1 z 2 2 berechnen.

7. Affine Äquivalenz, Ähnlichkeit und metrische Äquivalenz Definition 2.25. Abbildungen der Form f : R n R n, x Ax + b mit A R n n und b R n nennt man affine Abbildungen, falls A eine invertierbare Matrix ist. Ähnlichkeitsabbildung, falls A = λt mit λ R \ {0} und T O(R n ) ist. euklidische Bewegung, falls A O(R n ) ist. Die Menge der affinen Abbildungen bezeichnen wir mit A(R n ), die Menge der Ähnlichkeitsabbildungen bezeichnen wir mit H(R n ) und die Menge der euklidischen Bewegungen bezeichnen wir mit E(R n ) oder mit Iso(R n ) (vergleiche Satz 2.11) Satz 2.26. A(R n ) ist eine Gruppe bezüglich Komposition. H(R n ) ist eine Untergruppe von A(R n ) und E(R n ) ist eine Untergruppe von H(R n ). Definition 2.27. Zwei Teilmengen M 1, M 2 R m nennt man affin äquivalent falls es ein f A(R n ) gibt, so dass f(m 1 ) = M 2. ähnlich falls es ein f H(R n ) gibt, so dass f(m 1 ) = M 2. metrisch äquivalent (oder auch kongruent) falls es ein f E(R n ) gibt, so dass f(m 1 ) = M 2. Satz 2.28. Affine Äquivalenz, Ähnlichkeit und metrische Äquivalenz sind jeweils Äquivalenzrelationen auf der Menge der Teilmengen von R n.

8. Euklidische Bewegungen in der Ebene Definition 2.29. Eine euklidische Bewegung (Isometrie) der Ebene (also f E(R 2 ) bzw. f ISO(R n )) nennt man a) Drehung um den Punkt p, falls es eine Drehung D O(R 2 ) gibt, so dass für alle x R 2 : f(x) = D(x p) + p gilt. b) Translation, falls es ein b R n gibt, so dass für alle x R n : f(x) = x + b gilt. c) Spiegelung an der Geraden G = v + Rw falls für alle x R n : f(x) = S a (x v) + v mit a (Rw) \ {0} gilt (S a ist hierbei die Spiegelung an der Geraden Rw). d) Gleitspiegelung, falls f = t s mit einer Spiegelung s an einer Geraden G und einer Translation tx x + b ist, so dass b 0 parallel zur Geraden G ist. Satz 2.30. Es sei f : x Ax+b, A O 2 (R), b R 2 eine Euklidische Bewegung in der Ebene. Ist A O(R 2 ) eine Drehung (d.h. det(a) = 1), dann ist f : x Ax+b entweder eine Translation (nämlich genau dann wenn A = E) oder eine Drehung um den Punkt p = (E A) 1 b. Ist A O(R 2 ) eine Spiegelung (d.h. det(a) = 1) und b R 2, dann ist f : x Ax + b entweder eine Spiegelung (nämlich wenn b Kern(A E) ) oder eine Gleitspiegelung. Jede euklidisiche Bewegung ist entweder eine Drehung um einen Punkt, eine Translation, eine Spiegelung an einer Geraden oder eine Gleitspiegelung. Satz 2.31. Es sei f E(R 2 ) und F ix f := {x R 2 f(x) = x}. Es gilt: a) F ix f = R 2 genau dann wenn f = id. b) F ix f ist ein Gerade genau dann wenn f eine Spiegelung an einer Geraden ist. In diesem Fall ist F ix f genau die Spiegelgerade. c) F ix f ist ein Punkt, genau dann wenn f eine Drehung ist. In diesem Fall besteht F ix f genau aus dem Drehpunkt. d) Ist F ix f =, so ist f entweder eine Translation oder eine Gleitspiegelung. Satz 2.32. Jede Euklidische Bewegung der Ebene lässt sich als Komposition von höchstens drei Spiegelungen darstellen.