Im Winter ausgewogen füttern ((Vorspann)) Futter vom Hof: In vielen Fällen kann man eigenes Getreide und Körnerleguminosen sinnvoll nutzen, um die Ration auszubalancieren und die Kuh leistungsgerecht zu füttern. Jeder Milchviehhalter hat das Ziel, seinen Kühen im Winter eine Futterration anzubieten, die bei guter Tiergesundheit zur gewünschten Milchleistung führt. Eine ausgewogene Futterration ist die Voraussetzung dafür. Reichen die Qualitäten des Grünfutters oder Heus nicht aus, um die Kuh leistungsgerecht auszufüttern, muss leistungsabhängig zusätzlich Kraftfutter gegeben werden. Dieses enthält Eiweißträger, wenn im Grobfutter zu wenig Eiweiß vorhanden ist, oder aber Energieträger, um einen Eiweißüberschuss auszugleichen. Als Richtwerte für Futterrationen gelten in Abhängigkeit von der Leistung 20 bis 23 g nutzbares Rohprotein (nxp) pro MJ NEL. Das heißt, das Futter muss pro kg Trockenmasse 140-160 g nxp und 6,3-6,7 MJ NEL enthalten. Hinweise, ob die Kuh ausreichend versorgt ist, geben die Ergebnisse der Milchleistungsprüfung, Tankproben sowie die Ergebnisse der Futteruntersuchung in Kombination mit der Rationsberechnung. Eine wichtige Größe ist die Ruminale Stickstoffbilanz (RNB). Sie zeigt an, ob die Pansenbakterien ausreichend mit abbaubarem Eiweiß versorgt sind. Ein Mangel mindert die Futteraufnahme und die Milchleistung, weil die Futterfermentation zu gering ist. Eine Ruminale Stickstoffbilanz von -20 bis 50 sollte das Ziel sein. Leicht negative RNB-Werte sind akzeptabel, weil die Harnstoffeinträge via Speichel in den Pansen nicht berücksichtigt sind. Höhere Gehalte belasten Stoffwechsel und Umwelt. Der Milchharnstoffgehalt sollte zwischen 150 und 300 mg/l liegen. Bei Weidegang sind höhere Gehalte tolerierbar. ((ZÜ)) Futter ins Gleichgewicht bringen In Tabelle 1 sind eine Reihe von Futtermitteln zum Ausgleich von Ungleichgewichten aufgeführt. Alle Futtermittel mit einer positiven RNB (A) wirken als Eiweißergänzer, alle mit negativer RNB (B) als Energieträger.
Tabelle 1: zur Verfügung stehende Futtermittel Futtermittel Rohprotein (XP) nutzbares Rohprotein (nxp) RNB Energie (NEL) g/kg TM g/kg TM g N/kg TM MJ/kg TM Ackerbohnen 270 190 13 8,4 Erbsen 250 187 10 8,5 Gras, Grassilage. 160-210 140-155 2 bis 12 5,8-6,8 Grünmehl-Pellets 160-190 145-170 2 bis 3 5,2-6,5 Kleegrassilage 160-210 130-150 1 bis 8 5,8-6,5 A Rapspresskuchen 350 179 27 7,3 Sojabohnen 400 189 33 9,9 Sojakuchen 450 262 22 8,7 Okara(fällt bei Tofu- Herstellung an) 220 175 6 7,4 Sojapülpe, 230 g TM/kg 402 245 25 9,4 Sonnenblumenkuchen 335 185 24 6,6 Hafer 121 140-3 6,9 Futterweizen 138 172-5 8,5 B Futtergerste 124 164-6 8 Futterroggen 112 167-9 8,4 Triticale 145 170-4 8,3 Körnermais 106 164-9 8,3 Aufbereitung durch Quetschen oder Schroten. Wenn für den Bio-Betrieb ein Lohnschroter beauftragt wird, muss die Anlage mit einer Reinigungscharge gespült werden. Bei den Eiweißfuttermitteln sind sicher die Grasprodukte und die Ackerbohnen am interessantesten. Von den Ölkuchen wird aus Kostengründen am ehesten Sonnenblumenkuchen in die Rinderfütterung gehen. Eiweißüberschüsse in der Grobfutterration können durch Getreide, gegebenenfalls auch durch Bruchkorn oder hygienisch einwandfreiem Ausputz ausgeglichen werden. ((ZÜ)) Kraftfutterbedarf Je nach Grobfuttersituation im Sommer oder Winter resultieren unterschiedliche Kraftfutterkonzepte.
Abb. 1: Kraftfutterbedarf zur Weide und zur Winterfütterung Kraftfutterbedarf in kg/tag ohne Fett- Einschmelzung 8,0 7,0 6,0 5,0 4,0 3,0 Grassilage Heu KF 2,0 Weide Heu KF 1,0 0,0 15 17 19 21 23 25 27 29 31 33 Milchleistung, kg /Tag Grundration Winter: 35 kg Grassilage, 3 kg Heu, 150 g Mineralfutter Grundration Sommer: 70 kg Weidegras, 2 kg Heu, 150 g Mineralfutter Den Werten in Abb. 1 liegt eine Rationskalkulation zur Kraftfutterdosierung zugrunde. Hierbei wurde davon ausgegangen, dass keine Fetteinschmelzung erwünscht ist. Wenn die Kraftfuttermenge in der Winterfütterung beispielsweise auf 5 kg und zur Weide auf 3,5 kg begrenzt wird, ist bei einer Leistung von über 25 kg von Fetteinschmelzungen auszugehen. Diese können bis zu einem gewissen Grad (1 kg/tag) toleriert werden. Bei Weidefütterung ist zu berücksichtigen, dass Kraftfuttermengen von über 3-4 kg das Weidefutter in hohem Maße verdrängen, so dass zusätzliches Kraftfutter die Energieversorgung nur geringfügig verbessert. ((ZÜ)) Je nach Futtersituation richtig reagieren Fall 1: Milchharnstoffgehalt liegt unter 150 mg/l, RNB < -20 g/tag
Bei Milchharnstoffwerten unter 150 mg/l ist von einem knappen Proteinangebot auszugehen. In diesem Fall sollte man die Futterration mit Futtermitteln der Gruppe A ergänzen. Interessant sind vor allem Ackerbohnen, Futtererbsen und Sonnenblumenkuchen. Wer Mischfutter zukauft, wählt Futtertypen mit mehr als 20 Prozent Rohprotein, beispielsweise Typ 224 oder 304 (die ersten beiden Zahlen charakterisieren den Rohproteingehalt in %, die letzte die Energiestufe: 2 = 6,2 MJ NEL/kg, 3 = 6,7 MJ NEL/kg, 4 7,0 MJ NEL/kg). Sind die Milchharnstoffe bei einem geringen Proteinangebot niedrig, sollte man die künftige Grundfutterstrategie überdenken. Dazu gibt es zwei Möglichkeiten. Zunächst sollte man den Pflanzenbestand im Dauergrünland beurteilen. Erstrebenswert ist mittelfristig ein Weißkleeanteil von 20 bis 30 Prozent oder ein Klee- und Kräuteranteil von 40 bis 50 Prozent. Diese Bestandsanteile erhöhen den Proteingehalt. Der zweite entscheidende Faktor für den Proteingehalt ist der Nutzungszeitpunkt. Anzustreben ist eine viermalige Nutzung. Der ideale Schnittzeitpunkt ist das Stadium der Ähren- und Rispenschiebens mit Rohfasergehalten von 20 bis 24 Prozent. Der Rohproteingehalt dürfte dann bei 160 g/kg Trockenmasse liegen. Auch durch den Anbau von Kleegras oder Luzernegras kann man die Eiweißversorgung im Betrieb verbessern. Im Kleegras können160 bis 180 g Rohprotein/kg TM, im Luzernegras 160 bis 200 g Rohprotein/kg TM erwartet werden. Fall 2: Milchharnstoffgehalt 150 bis 300 mg/l, RNB -20 bis 50 g/tag Die Werte weisen auf eine mehr oder weniger ausgewogene Nährstoffversorgung über das Grobfutter hin. Das Kraftfutter wird als Leistungsfutter eingesetzt. Insofern sind Bio- Mischfutter vom Typ 163, 164, 183, 184, 204 geeignet. Mischfutter vom Typ 304 kann man als ausgeglichenes Leistungsfutter nutzen, wenn man hofeigenes Getreideschrot ergänzt. Mischt man das eiweißreiche Ergänzungsfutter zu einem Drittel einer Getreidemischung bei, die aus 50 Prozent Hafer und 50 Prozent Gerste besteht, so entsteht ein Mischfutter vom Typ 173 mit 170 g Rohprotein und 6,7 MJ NEL pro kg. Wird anstelle von Gerste Triticale verwendet, sind Protein- und Energiegehalt etwas höher. Bei RNB-Werten von über 20 kann man durchaus 3-4 kg Getreide einsetzen, ohne dass die Ruminale Stickstoffbilanz negativ wird. In Tabelle 2 sind zwei Eigenmischungen mit Ackerbohnen oder eiweißreichem Ergänzungsmischfutter beschrieben. Die Kalkulation zeigt, dass der Zukauf von
eiweißreichem Mischfutter anstelle von Ackerbohnen wirtschaftlich interessant sein kann. Wenn das Mischfutter nicht mineralisiert ist, wären allerdings noch Kosten für Mineralstoffe in Höhe von etwa drei Euro hinzuzufügen. Die Kosten für Mahlen und Mischen sind nicht eingerechnet. Tabelle 2: Eigenmischung oder eiweißreiches Mischfutter Ackerbohnen- Getreide Ergänzungsfutter- Getreide /dt Anteile in % Hafer 29,1 22 35 Triticale 29,6 22 30 Ackerbohnen 44,3 53 Eiweißreiches Mischfutter 303 59,0 35 Mineralfutter 140,0 3 Futtermittel 100 100 Nährstoffgehalte Rohprotein g/kg 180 180 nutzb. Rohprotein g/kg 149 158 RNB g/kg 5 4 NEL MJ/kg 6,9 6,7 Preis, o. MwSt. /dt 40,6 39,7 Fall 3: Milchharnstoffgehalt liegt über 300 mg/l, RNB > 50 g/tag Bei Milchharnstoffgehalten über 300 mg/l steuert man gegen, indem man Futtermittel der Gruppe B (Tabelle 1) ergänzt. Eine Rationsüberprüfung mit einem Fütterungsprogramm ist empfehlenswert. Man sollte so lange mit Ausgleichsfutter ergänzen, bis die RNB zwischen - 20 und 50 liegt. Gut ist, wenn man für die Grobfuttermittel Untersuchungsergebnisse vorliegen hat. Wenn der Milchharnstoffgehalt bei Weidegang über 300 mg/liter liegt, kann man ebenfalls Futtermittel der Gruppe B leistungswirksam ergänzen. Zu Weidegang passt der Körnermais sehr gut, weil die Stärke im Pansen nicht so schnell abgebaut wird wie beim Weizen und die RNB stärker negativ ist. Andererseits wird die pansenbeständige Stärke besser für die Milchbildung genutzt. Wie schon erwähnt, sind mehr als 3-4 kg Kraftfutter pro Kuh und Tag bei Weidegang und Grünfütterung wegen der zunehmenden Grobfutterverdrängung nicht sinnvoll. Abbildung 2 zeigt, wie sich die RNB dem Zielbereich nähert, wenn man zunehmend Kraftfutter füttert. Bei der Weideration wurde die Kraftfuttermenge auf 4 kg begrenzt. Dies
hat zur Folge, dass die RNB nur begrenzt sinkt. Der angestrebte RNB-Wert von 50 g/tag wird in vielen Fällen nicht erreicht. Abbildung 2: Ruminale N-Bilanz bei steigender Kraftfuttermenge Ruminale N-Bilanz, g/tag 100 90 80 70 60 Grassilage Heu Ha/Tr 50/50 50 Weide Heu Ha/Tr 50/50 40 Weide Heu Ha/M 50/50 30 20 10 0 15 17 19 21 23 25 27 29 31 33 Milchleistung, kg /Tag bei Fütterung mit Grassilage oder Weide und unterschiedlichen Getreidemischungen (Ha, M, Tr = Hafer, Mais, Triticale) Fazit: Eine gezielte Kraftfutterergänzung leistet einen Beitrag zur ausgewogenen Fütterung und zur Erhöhung der Futtereffizienz, sodass das Leistungspotential der Kühe ausgeschöpft wird. Im Idealfall ergänzt man das Grobfutter mit Futtermitteln und Nebenprodukten aus eigener Erzeugung. Wenn dies nicht möglich ist, kann man auf das Angebot von Bio- Futtermitteln des Futtermittelhandels und der Bio-Kollegen zurückgreifen. Die Analyse der eigenen Futtermittel macht Sinn, weil die Gehalte oft von Standardwerten abweichen. Dr. Thomas Jilg, LAZBW Aulendorf