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Talk am Fleet 15.11.2017 Zusammenstellung: BLC GmbH Hamburg, November 2017 BLC BUSINESS & LAW CONSULTING GMBH Van-der-Smissen-Str. 2a 22767 Hamburg fon +49 (0)40 39 99 90-0 fax +49 (0)40 39 99 90-29 info@bl-con.de www.betriebsrat-consulting.de 1 1

BAG, Urt. v. 28.03.2017-1 ABR 25/15 BR-Rechte im Arbeitsschutz werden gestärkt - Auch ohne Vorliegen einer konkreten Gesundheitsgefahr greift die Mitbestimmung. Es reicht ab sofort eine bloße Gefährdung. Wird es für Betriebsräte im Gesundheitsschutz nun leichter? JA! Vorher: AG weigerten sich, BR bei Maßnahmen des Gesundheitsschutzes zu beteiligen; Begründung: keine konkrete Gesundheitsgefahr im Betrieb, selbst dann, wenn eine vorlag; BR konnten oftmals nicht ausreichend begründen, worin die objektive Gesundheitsgefahr für die Beschäftigten lag Neue Entscheidung: Für Mitbestimmung reicht die Möglichkeit einer Gefährdung aus! Eine solche liegt dann vor, wenn die Gefährdung feststeht oder eine durchgeführt worden ist. 2

Wie sollte man jetzt vorgehen? 1. AG ergreift notwendige Maßnahmen des Gesundheitsschutzes. 2. Dazu wird er durchführen, an der der Betriebsrat beteiligt wird. 3. Bei der Auswahl und Ausgestaltung der Maßnahmen, die aufgrund der festgestellten Gefährdungen ergriffen werden müssen, muss der Betriebsrat ebenfalls mitbestimmen. Tipp für Betriebsräte immer als erstes eine BV zur Durchführung einer schließen, weil damit gesichert, dass BR bei Vorliegen der Ergebnisse aus der in jedem Fall über die konkreten Abhilfemaßnahmen mitbestimmen kann Gelingt die einvernehmliche Festlegung der Maßnahmen nicht, sollte der Betriebsrat die Einigungsstelle anrufen. Die Maßnahmen sind so konkret und umfassend wie möglich zu fassen, damit sie wirksam sind. 3

BAG v. 12.8.2008 9 AZR 1117/06: Zentrales Element des technischen Arbeitsschutzes zum Zweck des Erkennens und Bewertens der Möglichkeiten zur Entstehung von Unfällen und Gesundheitsbeeinträchtigungen an den Arbeitsplätzen. 618 Abs. 1 BGB 5 Abs. 1 ArbSchG gilt für alle Arbeitgeber, unabhängig von der Anzahl der in seinem Betrieb beschäftigten Arbeitnehmer. Arbeitgeber hat vor der Verwendung von Arbeitsmitteln die auftretenden Gefährdungen zu beurteilen () und daraus notwendige und geeignete Schutzmaßnahmen abzuleiten. Das Vorhandensein einer CE- Kennzeichnung am Arbeitsmittel entbindet nicht von der Pflicht zur Durchführung einer ( 3 Abs. 1 BetrSichV). 4

MBR bei Regelungen zur Ausfüllung des Beurteilungsspielraums durch den Arbeitgeber mitzubestimmen, 87 Abs. 1 Nr. 7 BetrVG) 5 ArbSchG: Vorschrift zur Durchführung der als ausfüllungsbedürftige Rahmenvorschrift Arbeitgeber hat mit dem Betriebsrat eine Einigung über die Art und Weise der Durchführung der en zu erzielen; Initiativrecht des BR (!) Betriebsrat hat kein Mitbestimmungsrecht, wenn der Arbeitgeber externe Personen oder Stellen mit der Durchführung von en oder Unterweisungen beauftragt (BAG v. 18.8.2009-1 ABR 43/08) Betriebsrat muss in der Lage sein, konkrete Maßnahmen, die er im Mitbestimmungswege durchzusetzen gedenkt, zu benennen. Die Einigungsstelle muss Regelungen für die jeweiligen Arbeitsplätze selbst treffen, wenn eine Betriebsvereinbarung zur Durchführung einer beschlossen wird. 5

Arbeitsrecht aktuell BAG, Urt. v. 21.02.2017 Zustimmungsersetzungsverfahren gem. 99 Abs. 4 BetrVG Die vertragliche Rücksichtnahmepflicht nach 241 Abs. 2 BGB begründet keine Verpflichtung des Arbeitgebers, ein gerichtliches Zustimmungsersetzungsverfahren durchzuführen, wenn der Betriebsrat die nach 99 Abs. 1 Satz 1 BetrVG erforderliche Zustimmung zur Einstellung des Arbeitnehmers verweigert. 6

Arbeitsrecht aktuell BAG Teilnahme an einem Personalgespräch während AU grundsätzlich keine Teilnahmepflicht am Personalgespräch während der AU Ausnahmen nur in besonderen Situationen und bei besonderem Interesses des Arbeitgebers denkbar Voraussetzung dafür ist, dass die persönliche Anwesenheit des Arbeitnehmers im Betrieb dringend erforderlich ist. Dies kann zum einen auf technischen Gründen beruhen. Das persönliche Erscheinen des arbeitsunfähigen Arbeitnehmers im Betrieb kann zum anderen aber auch dann ausnahmsweise unumgänglich sein, wenn der Arbeitgeber mit der Planung des zukünftigen Einsatzes, die gravierende Auswirkungen auch auf andere Arbeitnehmer hat, aus betrieblichen Gründen nicht bis nach der Genesung zuwarten kann und vor der Umsetzung seines Plans mit allen Betroffenen ein gemeinsames Gespräch führen möchte, um anderenfalls drohenden erheblichen Störungen des Betriebsfriedens oder des Arbeitsablaufs vorzubeugen. 7