ROHSTOFF ODER ABFALL? Was ist der Unterschied?

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Transkript:

ROHSTOFF ODER ABFALL? Was ist der Unterschied? COM Mitteilung zum Kreislaufwirtschaftspaket vom 16.1.2018 Optionen zur Regelung der Schnittstelle zwischen Chemie-, Produkt- und Abfallrecht (CPW) Chemisches Abendgespräch WKÖ, 22. Februar 2018 DI Harald Kasamas Bundesministerium für Nachhaltigkeit und Tourismus

Einleitung Dez. 2015 Kreislaufwirtschaftspaket Legislativvorschläge Abfall-RLen Aktionsplan für die Kreislaufwirtschaft Juli 2017 CPW-Stakeholder Consultation 16.1.2018 CPW-Mitteilung der Kommission Ziel der Mitteilung: Debatte und breite Unterstützung für Problemlösungen auf unterschiedlichen Ebenen (EU-national-regional) 2

Ziele Recycling ermöglichen und Verwendung von Sekundärrohstoffen fördern (quantitativ) SoC * ersetzen bzw. verringern und ihre Nachverfolgung in Produkten und Abfällen verbessern (qualitativ) Abfallvermeidung *SoC = Substances of Concern = besorgniserregende Substanzen 3

4 Problembereiche (1) Informationen über SoC in Produkten und Abfällen stehen Recyclingbetrieben oft nicht zur Verfügung (2) Abfälle können Stoffe enthalten, die in neuen Produkten nicht mehr zulässig sind (Altlastenstoffe) (3) Unsicherheiten, wie Abfall zu neuem Material wird (EoW) (4) Uneinheitliche Gefahrenbewertung von Chemikalien und Abfällen beeinflusst Verwendung von Sekundärrohstoffen (+) Ökodesign Design for Reuse and Recyling 4

Infodefizit der Recycler Probleme: Unsicherheit über ausreichende Qualität des Recyclats Abhgk. von teurer Probenahme und Analytik behindert Markt für Sekundärrohstoffe (Image) Vollzugsprobleme mit REACH Art. 2(7)d "Recyclingprivileg" Konsumenten nicht ausreichend über SoC in Produkten informiert keine informierte Kaufentscheidung mgl. Schwache Umsetzung REACH Art. 33 Weitergabe SVHC Info n der Lieferkette (inkl. Importe) 5

Infodefizit der Recycler Ziel: Infotransfer über SoC entlang der Lieferkette bis zum Recycler sicherstellen Herausforderungen und Optionen: Welche Stoffe sind SoC? Allgemeine oder sektorielle Listen? Wie Nachverfolgung von SoC? Zusammenarbeit der Betriebe in der Lieferkette 6

Infodefizit der Recycler Maßnahmen der COM: Durchführbarkeitsstudie: Infosysteme und innovative Nachweistechn. und strategien in best. Sektoren (Ende 2019) Arbeitsverfahren für importierte Produkte: dürfen keine SoC enthalten, die in EU für Produktherstellung nicht zugelassen Vereinfachte Verfahren zur Beschränkung von CMR-Stoffen in Verbraucherartikeln Fragen der COM: Welchen Mehrwert hätte die Einführung eines verbindlichen EU- Informationssystems über SoC bis zum Recycler? Wie bei importierten Erzeugnissen vorgehen? 7

Legacy Stoffe im Recyclat Was sind Legacy Stoffe? Probleme: Legacy Stoffe im Recyclat sind schwer zu finden/entfernen Beim Recycling und bei Nutzung kann Risiko ausgehen Keine systematische Vorgehensweise nur ad-hoc Lösungen Importe aus nicht-eu Ländern mit geringen Standards unterliegen nicht der REACH Zulassungspflicht (Wettbewerbsverzerrung) 8

Legacy Stoffe im Recyclat Ziel: Absatz von Sekundärrohstoffen durch schadstofffreie Materialkreisläufe stärken. Chemikalienbeschränkungen sollen zukünftiges Recycling mitberücksichtigen Herausforderungen und Optionen: Gleiche Wettbewerbsbedingungen für Sekundär- und Primärrohstoffe Gleiche Wettbewerbsbedingungen für EU- Erzeugnisse und importierte Produkte 9

Legacy Stoffe im Recyclat Maßnahmen der COM: Entwicklung einer Entscheidungsmethode über Recyclingfähigkeit von Abfällen mit SoC bis Mitte 2019 Guidelines zur frühzeitigen Berücksichtigung von SoC in Recyclaten beim Risikomanagement Erlass von Durchführungsvorschriften zur Kontrolle des Recyclingprivilegs nach REACH Fragen: Wie vereinbaren, dass Abfall eine wichtige Ressource und gleichzeitig sicherstellen, dass Recyclingprodukte keine SoC in bedenklichem Ausmaß enthalten? Sollen SoC in Recyclaten enthalten sein dürfen, die in Primärrohstoffen nicht zulässig sind? Wenn ja, unter welchen Bedingungen? 10

Unsicherheiten beim Abfallende Probleme: EU-weite Kriterien für Abfallende lassen sich aufgrund der Komplexität der Abfallströme nur schwer festlegen. Unsicherheiten, wie Abfall zu neuem Material wird, behindert Investment in Recycling und Nutzung Recyclierte Materialien werden unter rechtlich unklaren Bedingungen gehandelt. Unterschiedl. nationale EoW-Kriterien behindern einen einheitlichen EU-Markt für Abfälle und Recyclate 11

Unsicherheiten beim Abfallende Ziel: EU-weit einheitlichere Auslegung und Umsetzung der EoW-Vorschriften soll gut funktionierenden Markt für Abfälle und Recyclate ermöglichen Herausforderungen und Optionen: Sicherheit bei der Umsetzung von EoW- Vorschriften stärken 12

Unsicherheiten beim Abfallende Maßnahmen der COM: Zusammenarbeit SV-Netzwerke Chem/Abfallbewirtschaftung EU-Datenbank für alle EU + nationalen EoW-Kriterien Studie über die Umsetzung und Überprüfung der EoW-Vorschriften in den MS (Basis für mgl. Leitlinien) Fragen: Wie und für welche Abfallströme sollte eine stärkere Harmonisierung der EoW Vorschriften gefördert werden? 13

Einstufung Abfall - Chemikalien Ziel: Kohärenz zwischen Einstufungsvorschriften für Chemikalien und für Abfälle sicherstellen, um negative Auswirkungen auf die Recyklierbarkeit von Materialien zu vermeiden. Herausforderungen und Optionen: Angleichung der Gefahreneinstufung von Chemikalien und Abfällen HP14 Ökotoxizität in der Abfallklassifizierung 14

Einstufung Abfall - Chemikalien Maßnahmen der COM: Leitfaden für die Einstufung von Abfällen bewährte Verfahren zur HP14-Feststellung Fragen: Sollen die Vorschriften für die Gefahreneinstufung weiter angeglichen werden, damit Abfälle nach den selben Regeln wie Produkte als gefährlich eingestuft werden können? 15

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit! harald.kasamas@bmnt.gv.at